Ausgabe 
14.2.1900 Erstes Blatt
 
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aufführung der Lustspiel-NovitätDaS fünfte Rad" geht nunmehr bestimmt morgen, Mittwoch, den 14. ds. in Szene. Wir haben über die Novität in letzter Woche mehrere auerkennende Berichte gebracht, und wollen nicht verfehlen, die Theaterfreunde auf die Premisre nochmals aufmerksam zu machen.

** Konzertverein. Das gestrige fünfte Konzert dieser Saison brachte an Orchesterwerkcn für Gießen Drei Novi­täten, deren Aufführung man mit um so größerer Spannung entgegen sehen durfte, als es Werke von Tondichtern waren, deren bloßer Name dem Konzertbesucher einen besonderen Kunstgenuß in Aussicht stellen mußte. Johannes Brahms, Richard Wagner und Franz Liszt waren es, deren Namen das gestrige Programm zierten, und deren dort ange­kündeten Tonschöpsungen Herr Universitäts-Musikdirektor Traut mann im Verein mit der vortrefflichen Homburger Kurkapelle uns Gießenern vorzuführen unternommen hatte. Die dritte Symphonie von Brahms, welche das interessante Konzert eröffnete, dürfte zugleich die Glanz­leistung des Abends gewesen sein, denn die Ausführung sämtlicher Sätze zeigte sehr künstlerische Vollendung, die dem Orchester sowie unserem Universitäts-Musikdirektor zu hoher Ehre gereicht. Die Vorzüge des Homburger Kur­orchesters haben wir schon früher mit Freuden lobend aner­kannt und konstatieren auch heute wieder gern, daß der gesamte Orchesterkörper sowohl im tutti als auch in den einzelnen Jnstrumentengruppen sich als ein vortrefflich ein­geschultes Ensemble erwies. Einer nicht niinder exakten Wiedergabe hatten sich Richard WagnersFaustouvertüre" und Liszt'S symphonische DichtungTasso" zu erfreuen. Wenn diese beiden Werke gestern hier nicht den Eindruck gemacht haben, den wir ihnen gewünscht hätten, so dürfte der Grund dafür in der Hauptsache in einem Umstande liegen, der weder dem Dirigenten noch dem Orchester zum Vorwurf gemacht werden kann. Unsere modernen Meister Pflegen für ihre Orchesterwerke meist eine große Anzahl von Blasinstrumenten vorzuschreiben, die zugleich eine ent­sprechende Verstärkung des gesamten Streicherchors in sich schließt. Letztere ist leider nicht überall ohne weiteres zu beschaffen, und da eine Einschränkung des forte bei den Bläsern der Gesamtwirkung stets schadet, so begegnet man bei mittelgroßen Orchestern meist der nicht erfreulichen Thatsache, daß die Bläser, namentlich die Blechmusik, auf Kosten des Streichorchesters zu sehr dominieren. Dieser Umstand dürfte es auch gestern gewesen fein, der den Werken von Wagner und Liszt nicht zur vollen Würdigung verholfen hat. Mit Freuden konstatieren wir aber, daß die sonstigen Feinheiten der Instrumentation im vollen Umfange zur Geltung kamen. Herrn Trautmann sei noch ein be­sonderer Dank dafür ausgesprochen, daß er mit dem gestrigen Konzert auch für die Orchesterwerke von Liszt bahnbrechend in unserer Stadt gewirkt hat; möge auch sein ferneres Wirken in dieser Beziehung stets erfolgreich sein! Den solistischen Teil des gestrigen Konzertes hatte der in letzter Zeit zu großem Ruf gelangte Barytonist Dr. Felix Kraus aus Wien übernommen. Die Liederkompositionen von Schubert und Schumann, mit denen er das Publikum erfreute, legten Zeugnis davon ab, daß sein Streben nach hohen und ernsten Dingen gerichtet ist und daß er nicht nur mit seinem klangvollen, von einer vorzüglichen Text- aussprache wirksam unterstützten Organ die Zuhörer bestricken, sondern sie auch durch die Aeußerung seiner musikalischen Auffassung in den Geist der Kompositionen einführen will. Nach früheren Leistungen von ihm zu schließen, erschien uns der geschätzte Künstler gestern nicht besonders disponiert; trotzdem fanden seine Liederspenden reichlichen Beifall und er war liebenswürdig genug, den­selben durch eine Zugabe zu lohnen. Pr.

* * Unfall. Zwei dem Fruchthändler Christian Köhler von Langsdorf gehörige Pferde mit Wagen gingen gestern nachmittag in der Grünbergerstraße durch, rannten einen mit Diehlen beladenen Wagen an, daß dieser umfiel und teilweise zerbrach Die Pferde, welche der Besitzer erst seit kurzer Zeit gekauft haben soll, wurden noch in der Grünbergerstraße aufgehalten, ohne weiteren Schaden an- zurichten.

* Berichtigung. In dem in Nr. 35 Bl. 4 desG. A." enthaltenen ArtikelInwieweit ist der überlebende Ehegatte verpflichtet, eine Inventur zu errichten?" muß es inSpalte l, letzte Zeile, statt verdrängt verträgt heißen.

* * Befihwechsel. DaS Ackermann'sche Besitztum Frank­furterstraße 36 ging dieser Tage für 105 000 Mk. käuflich in den Besitz des Herrn Obersteiger Jakob Muth über.

* * Bilanz. Wir machen auch an dieser Stelle auf die im Inseratenteil unserer heutigen Nummer veröffentlichte Bilanz der Hypotheken-Bank in Hamburg auf­merksam.

* * Eine weitere Kraftmaschine. AuS Anlaß der Inbetrieb­setzung einer weiteren 50pferdekräftigen Dampfmaschine gab die A k t i e n b r a u e r e i ihrem Maschinenpersonal am Samstag abend in der geschmückten Maschinenhalle des Etablissements ein kleines Fest. Außer der neuen Dampfmaschine verfügt die Brauerei über eine ältere mit 90 Pferdekräften, welche für den Betrieb und die später geplante elektrische Beleuch­tungs-Anlage nicht mehr hinreicht.

* Neue Briefmarken. Die Ausführung der neuen Post­wertzeichen hat vom Standpunkte des guten und gebildeten Geschmacks aus viel Anfechtung erfahren. Diese abfälligen Urteile sind an leitender Stelle nicht ohne Eindruck ge­blieben. Wie dasB. T." hört, besteht die Absicht, den neuen Stempel durch einen anderen zu ersetzen, der höheren künstlerischen Anforderungen entspricht.

* * Luxusrad und Bedarfsrad. DieDarrnft.^Ztg." er­klärt ihre Meldung, daß ein Steueraufseher einen sein Fahrrad zu einem sonntäglichen Ausflug benutzenden Arbeiter zur Anzeige brachte, für unrichtig. Hoffentlich I find Nachrichten über ähnliche Vorkommnisse in Offenbach I gleichfalls irrig. Daß gesetzlich ein Verbot an Arbeiter, I

ihr stempelfreies Fahrrad gelegentlich zu einem Ausflug zu benutzen, nicht zu rechtfertigen ist, wird jetzt auch von be­hördlicher Seite erklärt.

* * Meterologifche Beobachtuugsstatioueu. Das Großh. Ministerium des Innern beabsichtigt das ganze Großherzog­tum Hessen, ähnlich wie dies bei unseren Nachbarstaaten Bayern usw. der Fall ist, mit einem dichten Netz von meterologischen Beobachtungsstationen auszustatten.

* * Zn Mitgliedern der Kaiserlichen Disziplinarkammer in Darmstadt wurden ernannt: Der Großherz. Hessische Ober- Regierungsrat und Vortragende Rat im Großh. Ministerium des Innern Best und der Großh. Hess. Ober-Landesge- richtsrat Keller, beide daselbst.

§ Londorf, 12 Februar. Das Konzert des Gesang­vereinsFrohsinn" nahm gestern bei gut besetztem Saale einen sehr erfolgreichen Verlauf. Es ist ein Gebot der Gerechtigkeit, zu konstatieren, daß der Verein unter der Leitung seines jetzigen Dirigenten Herrn Lehrer Bandaß eminente Fortschritte gemacht hat. Freilich konnte man dies, nach dem großartigen Erfolge desFrohsinn" auf dem Kreuznacher Gesang-Wettstreite voraussehen; allein die gestrige Darbietung hat selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen. Einmütig und mit großer Sicherheit folgt der Verein den Intentionen des temperamentvollen Dirigenten, der sehr energisch und mit voller Hingabe seines Amtes waltet. Auch mit seinen Solovorträgen erzielte der Dirigent einen unbestrittenen Erfolg. Das schöne Resultat des gestrigen Tages ist noch dadurch gesteigert worden, daß dem Frohsinn während des Konzertes zwei Ehrengeschenke (Fahnenschleife und Taktstock), gewidmet von den Frauen und Jungfrauen aus Londorf und Umgegend als Zeichen der Anerkennung der ernsten Strebsamkeit des Vereins in der Pflege der edlen Gesangskunst durch Fräulein Seibel überreicht wurden. Mit Stolz und Freude kann der Frohsinn" auf den Verlauf des gestrigen Konzerts blicken.

§§ Aus dem Kreise Lauterbach, 11. Februar. So sehr man auch bemüht ist, den sogenannten Spinnstuben zu Leibe zu gehen, so ist es doch nicht möglich, diese Sitte oder Un­sitte gänzlich aus der Welt zu schaffen. Eine Spinnstuben- gesellschaft in G., bestehend aus 14 Mädchen, begab sich kürzlich nach Schluß der Spinnstube in eine Wirtschaft, wo zuerst Schnaps und dann Bier getrunken wurde, dabei rauchten die Mädchen fast alle ihre Zigarren.

Nidda, 12. Februar. Gestern abend wurde in Kraft's Saalbau das diesjährige Winterfest des hiesigen Rad­fahrervereins abgehalten, und zwar zuerst theatralische Aufführung und dann Reigenfahren. Die Begrüßungsan­sprache hielt namens des Vereins Herr Oberpostassistent Geißler. Der vom Verein Dillenburg entsandte Vertreter wurde besonders herzlich begrüßt. Die theatralische Auf­führungKalt gestellt", sowie das Reigenfahren verliefen zur allgemeinen Zufriedenheit. Es schloß sich ein Ball an; die Musik stellte die hiesige Feuerwehrkapelle.

Darmstadt, 12. Februar, Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin mit Prinzessin Elisabeth sind mit dem festgesetzten Zuge Samstagnacht nach Italien via St. Gotthard abge­reist. Nächstes Reiseziel ift Neapel bezw. Capri. In Begleitung der Allerhöchsten Herrschaften befinden sich Hof­dame Freiin v. Rotsmann, Flügeladjutant Rittmeister Kraemer, Mr. Wemys.

A Mainz, 12. Februar. Der Ausschuß des deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit hat den Be­schluß gefaßt, die diesjährige Generalversammlung hier in Mainz abzuhalten. Der Termin der General­versammlung ist noch nicht bestimmt, doch findet dieselbe wahrscheinlich in der Woche nach Pfingsten statt. In dem Kasteler Floßhafen sind gestern nachmittag zwei Knaben, der 8- und 11jährige Sohn eines auf der Amöneburg be­diensteten Werkmeisters beim Schlittschuhlaufen ertrunken. Als man die Kinder, die trotz der Warnung ihrer Eltern die dünne Eisdecke betreten hatten, aus dem Waffer zog, gaben dieselben noch Lebenszeichen von sich, doch gelang es aller ärztlichen Anstrengung nicht, das junge Bruderpaar am Leben zu erhalten.

Wetzlar, 12. Februar. Die von dem 41. Rheini­schen Provinziallandtage am 7. Februar v. Js. vollzogene Wiederwahl des Landeshauptmanns, Ge­heimen Oberregierungsrats Dr. Klein in Düffel­dorf zum Landeshauptmann der Rheinprovinz auf eine weitere, mit dem 26. September d. Js. beginnende zwölf- jährige Amtsperiode ist bestätigt worden.___________________

Vermischtes.

Köln, 12. Februar. Hier starb infolge von Alters­schwäche im 79. Lebensjahre der in den weitesten Kreisen bekannte und hochangesehene Justizrat Eduard Schenk. Der Verblichene war in den 70er Jahren während der dritten und vierten Legislaturperiode des deutschen Reichs­tags mehrere Jahre Vertreter der Stadt Köln in dieser Körperschaft, und gehörte als solcher der Zentrumssraktion an. Der Verstorbene war als hervorragender Jurist bei seinen Standesgenoffeu hochangesehen und zeichnete sich durch besonderen Wohlthätigkeitssinn aus.

* Oberhausen, 12. Februar. Der Schmachten­dorfer SchachtH u g o" der hiesigen Gutehoffnungshütte ist ersoffen.

* Elberfeld, 12. Februar. Die Eisenbahnbetriebs- Inspektion gießt bekannt: Am Sonntagabend wurden auf dem Uebergang auf dem Bahnhof Gruiten zwei Per­sonen, die eigenmächtig die geschlossenen Schranken ge­öffnet hatten, von dem Kölner Schnellzuge bei gleichzeitiger Vorbeifahrt eines Personenzuges getötet. Nach den Aus­weisen sind die Getöteten Emil Specht, Schleifer aus der Nähe von Gruiten und Christian Scharf aus Köln.

Aus Thüringen, 10. Febr. (E i n mysteriöser Selbstmord.) Der praktische Arzt Dr. Karl Endlich

in Stützerbach hat seinen Selbstmord der in Ilmenau er-- scheinenden ZeitungHenne" selbst angezeigt. Genannte Zei­tung erhielt folgendes Schreiben durch die Post:Fol­gendes nehmen Sie bitte in Ihre Zeitung auf: Am 5. Fe­bruar, abends 10 Uhr erschoß sich in seiner Wohnung dec praktische Arzt Dr. med. Karl Endlich in Stützerbach. Motiv zur That ist unbekannt." Aus dem zum Schreiben benutzten Briefbogen und durch Schriftvergleichung stellte sich her­aus, daß Dr. Endlich selbst der Schreiber des Briefes war. Nach genannter Zeitung soll es sich um ein ameri­kanisches Duell handelu.

* Heidelberg, 12. Februar. Ein aus Düsseldorf stammender Deserteur des Diezer Bataillons wurde hier fest genommen.

* Paris, 12. Februar. Das Testament des Barons Adolf v. Rothschild bestimmt als Haupt- erbin Baronin Edmund Rothschild, die Tochter des Barons Willy in Frankfurt. Dreiviertel Millioneu sind für Errichtung einer Blindenanstalt bestimmt. Der größte Teil der Kunstsammlung fällt dem Louvre zu.

Universität und Hochschule.

Ermanntr Der Privatdozent Dr. Max Bamberger an der technischen Hochschule in Wien zum a.-o. Professor der Encyklopädie, Chemie und Agrikulturchemie an dieser Hochschule.

Gestorbenr In Berlin Dr. Moxter vom Institut für In­fektionskrankheiten im Alter von nur 30 Jahren. Er war in Hahn­heim in Hessen als Sohn eines Pfarrers geboren und erhielt seine Schulbildung auf dem städtischen Gymnasium in Frankfurt a. M.

Verschiedenesr Professor A. Eisenmenger an der Akademie der bildenden Künste in Wien begeht heute seinen 70. Geburtstag.

Arbeiterbewegung.

Mainz, 12. Februar. Unter den hiesigen Tünchern, Malern und Lackierern ist eine Lohnbewegung im Gange. Der Gesellenausschuß hat den Meistern folgende Forderungen unterbreitet: Die Arbeitszeit ist vom 15. März bis zum 15. Oktober eine lOstündige mit je einer halb­stündigen Vesper- und Frühstückspause. Der Mindestlohn sür Gehilfen über 20 Jahre beträgt 43 Pfennig pro Stunde, bei Gehilfen unter 20 Jahren 36 Pfg. Auswärtige Arbeit wird mit einem Zuschlag von Mk. 1,50 pro Tag vergütet. U-berstunden von 6 bis 8 Uhr abends sind mit einem Zuschlag von 10 Pfg. und Nachtstunden mit einem solchen von 20 Pfg zu vergüten. Die Meister haben sich zu den Forderungen noch nicht geäußert, doch ist kaum anzunehmen, daß dem Verlangen der Gesellen nachgegeben wird.

Leipzig, 11. Februar. Der deutsche Braunkohlen Industrie-Verein hat einen Arbeitgeber-Verband gegründet, dem fast sämtliche Braunkohlenwerke in den Bergrevieren Halle a. d. S., Weißenfels, Zeitz, Meuselwitz, im Königreich Sachsen, in der Niederlausitz, in Litteseld und anderen Bezirken beigetreten sind. Der Verband bezweckt, bei der Durchführung und Vervollständigung der sozialen Gesetzgebung fördernd mitzuwicken sowie den Arbeitsnachweis zu vermitteln und unberechtigten Ausstands- und Lohnbewegungen der Arbeiter geschlossen entgegen­zutreten. Zur Unterstützung von Werken, die durch einen Ausstand be­troffen werden, ist ein Fonds gebildet, der durch regelmäßige Beiträge ständig vergrößert werden soll.

Wien, 12 Februar Auf den Domänen der österreichisch- ungarischen Staatsbahngesellschaft beabsichtigen auch Bergwerks­arbeiter dem Ausstand sich anzuschließen. In diesem Falle wird dieser Ausstand 12 000 Arbeiter umfassen.

Telegramme desGießener Anzeiger".

Berlin, 13. Februar. Aus dem Streikgebiet liegen folgende Meldungen vor: Nach Telegrammen des Lokal-Anzeigers aus Halle und Leipzig hat sich die Situation wieder verschlechtert, da die Arbeit­geber plötzlich ihre Zusagen Zurücknahmen und die Forderungen der Arbeiter als unannehmbar bezeichneten. In Halle wollen die Arbeiter mit ihrem endgültigen Beschluß bis zum 18. ds. warten, dagegen meldet das Berliner Tageblatt aus Zwickau, daß die Oelsnitzer Werke eine Lohnerhöhung bei steigendem Ertrage versprachen. Ausnahmsweise sollen jetzt 25 Pfg. mehr pro Schicht bezahlt werden, wobei der 1. Februar als Anfangstermin genommen wird. Der Oberbürgermeister, der Kreis- und Amtshauptmann haben sich zur Vermittelung, um die sie von der Bergarbeiter-Kommission ersucht wurden, bereit erklärt.

Carmaux, 13. Februar Die Ausständischen Gruben­arbeiter verhinderten in der Nacht zum Montag die arbeitswilligen Kohlenarbeiter an der Einfahrt Die Arbeitswilligen wollten eine Ver­sammlung abhalten, wurden aber durch das Einschreiten der Aus­ständischen daran gehindert. Die Arbeitswilligen mußten sich vor den Drohungen der Ausständischen zurückziehen. Die Polizei schritt ein und die Ruhe wurde nicht weiter gestört. Die Streikenden verlangen eine Lohnerhöhung von einem halben Frank pro Tag

Gerichtssaal.

Leipzig, 12. Februar. Reichsgericht. (Nachdruck ver­boten). Wegen Erpressung wurde der Tagelöhner Karl Velten IL am 1. Dezember vorigen Jahres vom Landgericht Gießen zu einer Ge­fängnisstrafe von einem Monat verurteilt. Der Angeklagte arbeitete auf einer Dampfziegelei und gab daselbst an seine Mitarbeiter Bier mit einem Verdienst von 5 Pfennig für die Flasche ab. Eines TageS, im Juni vorigen Jahres, brachte der Angeklagte wie gewöhnlich ein Dutzend Flaschen Bier auf das Feld, da er sie nicht in die Fabrik bringen durfte und versteckte elf davon. Seine Mitarbeiter hatten dies beobachtet und suchten, um ihm einen Schabernack zu spielen, die Flaschen, welche sie auch, als sie sie gefunden hatten, austranken. Sie machten daraus keinen Hehl, trotzdem aber stellte der Angeklagte Strafantrag. Als ihm darauf von seinen Mitarbeitern nahe gelegt wurde, dies wieder rück­gängig zu machen, erklärte er ihnen, er wolle die gegen sie gerichtete Anklage wegen Mundraub zurücknehmen, falls ihm ferne angeblichen Auslagen in Höhe von 26 Mk. 45 Pfg. vergütet würden Der Angeklagte focht das Urteil mit dem Rechtsmittel der Revision an und rügte zur Rechtfertigung derselben prozessuale und materielle Rechtsverletzung Der Reichsanwalt erklärte die Revision für hinfällig. Es sei zwar nicht un­bedenklich darin, daß ein Antragsberechtigter den gestellten Strafantrag bei einem Antragsdelikte zurücknehmen solle, eine Drohung zu finden; der erste Richter habe jedoch festgestellt, daß sich in dem Briefe noch ein anderer Passus finde, in dem der Angeklagte drohe, er werde noch sieben weitere Zeugen laden, um der Sache einen öffentlichen Charakter zu geben. Prozessual liege eine unzulässige Beschränkung der Ver­teidigung nicht vor, indem sowohl die Erheblichkeit des gestellten Beweis­antrags verneint würde, als auch die Stellung eines solchen überhaupt in Frage zu ziehen sei. Der erste Straffenat erkannte nach dem Antrag« des Reichsanwaltes auf Verwerfung der Revision und legte dem Be- schwerdeführer die Kosten des Rechtsmittels auf. ___________

Kruefte MeldungeR.

Devesckren b«ti Burrav ,f>ero!b*

Berlin, 13. Februar. Beim Finanzminister Miquel hat eine Besprechung der Minister von Thielen, Brefeld und Freiherr von Hammerstein stattgefunden, in welcher Uebereinftimmung der demnächst dem Landtage zu machen­den Kanalvorlage erzielt worden sein dürfte.

Berlin, 13. Februar. DasBerliner Tageblatt" meldet aus Brüssel: Während das englische Kriegsamt den letzten Rückzug Bullers als ganz harmlos dar­stellt und nur 200 Verwundete zugesteht, bezeichnen hier