1900
15V. Jahrgang
Donnerstag den l3 Dezember
und Zlnzergeblutt fm* den Ureis Gieszen
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3igbrlde verbunden, die nur bei besonderen Anlässen ? Mtunl ergelaffen werden durfte. Der Kaiser wurde von zkkiappen der Kaiserin und Tungfuhsiangs, die bis an die iKihve bewaffnet waren, bewacht, und hatte nur zwei oder ilwi Diener zu seiner Verfügung. Seine Nahrung wurde j e ben Tag nach der Insel gebracht, aber manchen Tag rührte Kwang-shü sie überhaupt nicht an, weil er immer sichtete, sie enthalte Gift. Jeden Morgen mußte er seine «Mtf verlaffen und wurde unter starker Bedeckung an die LNimcher der Kaiserin-Witwe geleitet, der er feine Ehr- flucht zu erweisen hatte; dabei über politische Angelegen- £ leiten zu sprechen, war ihm streng untersagt. Im ersten ')che seiner Gefangenschaft war er sehr krank, aber seither Ucchich sein Gesundheitszustand wesentlich gebessert.
Die legitime Gattin des Kaisers ist eine Nichte der ( Wrin Witwe und wird als eine Person geschildert, die : mr nicht gerade häßlich ist, aber doch auch nichts weniger «hübsch oder anziehend. In ihrem Charakter ähnelt sie . ;itr hohen Tante, mit der sie auf allervertrautestem Fuße :tdjt, ganz außerordentlich, und so läßt sich denken, daß
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^«standen hat. .
Seit dem Staatsstreich von 1898 wurde der Kaiser m ? mm Hause gefangen gehalten, das auf einer kleinen Insel, «lMwS Ying-Tai, inmitten eines Sees lag. Die Insel mir mit den anderen Gründen des Kaiserpalastes durch eine
selbst litt schwer und mit Mühe suchte sie ihre immer wieder |.hervorstürzenden Thränen zu verbergen. Die junge Kaiserin versuchte eine Annäherung an Kwang-shü, aber er wies sie schroff zurück und hat seit dem Tode der Prinzessin Tschen nicht mehr mit ihr gesprochen.
Volttische Tagesschau.
lieber die Abweisung Krügers in Berlin schreiben die Alldeutschen Blätter:
Der Polizeipräsident von Köln unterhält zur deutschen Volksseele völlig korrekte dienstliche Beziehungen; um sich über die Regungen derselben zu unterrichten, liest er offenbar täglich die „Köln. Ztg.", in der sich ja der Pulsschlag derselben besonders gut bemerklich macht, und dieser Lektüre konnte er am Freitag, dem 30. November, entnehmen, daß ein gewisser Paul Krüger, seines Zeichens Präsivent, in Köln eintreffen wird, aber weiterer Beachtung nicht wert ist. Er konnte aus diesem Artikel ferner ersehen, daß das deutsche Volk im ganzen und großen dumm und urteilslos ist, und daß es schließlich vermahnt wird, Krüger „geräuschlos" seine Tettnahme zu bezeugen, diejenigen aber, die sich nicht entschließen könnten, dem Präsidenten einige tausend stumme Händedrücke zuzumuten, sondern etwa „Hoch" riefen, was nie ohne Geräusch abzugehen pflegt, das wären eben „Lumpen". Der Herr Polizeipräsident überlegte, daß das doch natürlich seine Richtigkeit haben muffe, überschlug im Geiste, wieviel von dieser Sorte Menschen es wohl in seinem Amtsbezirke gebe, und berechnete darnach das Häuflein von Jüngern der heiligen Hermandad, dem die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung für die Ankunft des Präsidenten Krüger anvertraut wurde.
Da geschah etwas ganz Unerwartet s: die Zahl der „Lumpen" war großer, als der Herr Polizeipräsident geschützt hatte, und man behauptet, daß zu den 30,000 verworfenen Geschöpfen dieser Art, die von vornherein die Absicht hatten, den Präsidenten Krüger bet seiner Ankunst mit Hoch-Rufen zu begrüßen, noch etwa 20,000 kamen, die ursprünglich nicht die Absicht hatten, den Artikel der Kö Nischen jedoch für den Willkommengrutz der Regierung an den Präsidenten ansahen — ob mit Recht oder Unrecht, darüber wäre eine Ausklärung von berufener Sette recht zweckmäßig — und nun glaubten, den Ehrentitel „Lump" schon auf sich nehmen zu können. Und nun geschah, was unvermeidlich tst, wenn man eine solche Menschenmasse ohne jede vorher getroffene Maßregel in einen Raum, insbesondere von so verwickelter Form wie eine Bahnhofshalle, etnsirömen läßt: die Menge ließ sich nicht leiten, und dies umsoweniger, als irgend eine Obrigkeit, und wäre eS auch nur der Bürgermeister, am Bahnhofe nicht erschienen war.
Der Präsident konnte nicht aussteigen, ein paar Menschen brachen sich ihre Knochen, und als Krüger endlich in seinem Zimmer war, durfte er mit einiger Berechtigung die Frage stellen, ob sein ganzes Gefolge mit dem Leben davongekommen sei Er hatte so Gelegenheit zu bemerken, daß Preußen offenbar deshalb zu dem Namen eines Polizeistaates gekommen ist, weil die Polizei meistens dort nicht zu finden ist, wo sie notwendig wäre; hatte er sie am ersten Abend entbehrt, so konnte er am zweiten Tage die Wahrnehmung machen, daß sie sich auch um Dinge kümmern kann, die sie nichts angehen. Als nämlich am Sonntag Vertreter der Bonner Studentenschaft dem Präsidenten huldigen wollten, wurde ihnen verboten, dies in „Wichs" zu thun, weil dadurch der Anschein einer offiziellen Veranstaltung erweckt werden könnte.
Natürlich! der Präsident, mit Europens übertünchter Kleiderordnung nicht vertraut, hätte wohl geglaubt, das preußische Staatsministerium in voller Uniform vor sich zu sehen. Aber auch die Bevölkerung Kölns wollte man vor Irrtümern bewahren, und so wurde den Studenten vorgeschrteben, in geschloffenen Wagen, die sich in Abständen von zwei Minuten zu folgen hätten, beim Hotel vorzufahren. Und da man sich all dieser Erbärmlichkeiten doch ein wenig schämte, bat man die Studenten, über diese Ukase nichts verlauten zu lassen; aber schließlich hat doch alle Welt den Erfolg gesehen, und die Polizei hätte eben den Studenten noch Tarnkappen verschaffen müssen, um ihr Ersuchen erfüllbar zu machen.
... iAll Miiillnd u es Eheleben des jungen kaiserlichen Paares nicht ganz so SlälluCr Ml wie es sein sollte. Die Kaiftrin spiette^ w^e Jeder-
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schleichen sollten. Als nun aber am Sonntag die Studenten in Wichs im Lokal des Vereins deutscher Studenten in Bonn dem Zeichen zur Abfahrt harrten, erschien der Universitätsrichter, dem mittlerweile das Telegramm des Kölner Polizeipräsidenten mit der Bitte um Verhinderung einer öffentlichen Kundgebung zugegangen war und verbot die Kundgebung wie er seinerseits angab, weil die Genehmigung des Rektors zur Kundgebung nicht offiziell nachgesucht wäre. Die verdutzten Studenten zeigten das Telegramm des Studenten Korten vor, das die Vereinbarung mit dem Polizeipräsidenten enthielt; doch ohne Erfolg. Da eine neue Vereinbarung mit dem Polizeipräsidenten jetzt nicht mehr möglich war, unterblieb die ganze Kundgebung und die Studenten, die sich nnn umkleiden mußten, trafen verspätet in Köln ein, da auch eine persönliche Vorstellung beim Rektor erfolglos geblieben war. Der Rektor Geh. Rat von la Valette äußerte den besonderen Wunsch, die S a cf) e vor der Oeffentli ch- k e i t g e h e i m zu halten. Die Erfüllung seines Wunsches ist ihm allerdings versagt geblieben und er steht im Verein mit dem Kölner Polizeipräsidenten klar vor der Oeffentlichkeit als ein Mann da, der aus ängstlichen Rücksichten nach oben, die er sich freiwillig auferlegt, einer Sache Widerstand leistet, der die anständigsten und edelsten Motive zu Grunde lagen und deren Ausführung niemandem Schaden gebracht hätte.
Wir müssen dem genannten Essener Blatt die volle Verantwortung für diese Veröffentlichung überlassen.
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aielfftamtUr rkr> krm Anzeiger 8« k- hscl nut „Hess. SnV' rt" u. .Malier jk PvlMmide" 4 «ei beigelegt.
Stadt and Kaud.
Gießen, 12, Dezember 1900.
*• Professor Dr. Sauer wird, wie wir erfahren, am Donnerstag dem 13. ds. abends 8i/2 Uhr in der Monatsversammlung des Oberhessischen Geschichtsvereins (im oberen Saale des Cafe Ebel) einen Vortrag über hessische Fachwerkbauten und ihre Erhaltung und Wiederherstellung halten; Nichtmitglieder werden als Gäste willkommen sein. Wir zweifeln nicht, daß der interessante Gegenstand, der uns u. a. durch die Wiederherstellungsarbeiten am alten Rathause und am früheren
Krüger in das Domhotel gewissermaßen
Gr-ttrsöeiiaar«: Gießener Famttienbtatter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde.
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„Zurücknehmen! zurücknehmen!" Dalziel wandte sich an den Präsidenten des Hauses und fragte ihn, ob es in Ordnung sei, daß der sehr ehrenwerte Herr ein anderes Mitglied des Hauses „S t r o l ch" nennen dürfte. Darauf nahm der Kolonialsekretär vor dem Präsidenten seinen Ausdruck zurück. Er hatte gesagt: „he iS a cad" (er ift ein Strolch).
lieber die Vorgänge bei der Vereitelung dev Kundgebung Bonner Studenten für Präsident Krüger wird der „Rhein.-Westf. Ztg." geschrieben:
Der Anschlag am schwarzen Brett, der zu der studentischen Vertretersitzung behufs Einleitung der Ovation aufforderte, trug die UeberMift: Ehrung des Präsidenten Krüger. Er mußte, wie alle Anschläge, vom Rektor genehmigt werden. Hier hat aber der Rektor, obwohl er es konnte, noch keine Einwendung erhoben. Durch höchst bedauerliche und kleinliche Eifer- sücksteleien, die noch immer im deutschen Studentenleben eine traurige Rolle spielen, vielleicht auch etwas wie Aufblick nady oben, bewog Burschenschaften unb Korps, die Kundgebung zu verhindern, die ohne Zweifel den Gefühlen der Mehrheit der Studentenschaft entsprochen hätte. Run nahm es der Verein deutscher Studenten, der die Sache ursprünglich angeregt hatte, in die Hand, eine aus freiwilligen Teilnehmern bestehende Abordnung zu stände zu bringen. Diesen Auszug bei der Kölner Polizei anzumelden, wurde stud. Korten beauftragt. Als dieser beim Polizeipräsidenten in Köln anlangte, hatte dieser bereits das Universitätskuratorium ' in Bonn telegraphisch gebeten, eine Studentenkuudgebung aus sicherheitspolizeilichen Gründen thunlichst zu verhindern. Aus dem Verhalten des Polizeipräsidenten geht hervor, daß er am liebsten auf dem Umwege über Bonn die ganze Sache verhindert hätte, damit auf ihm selbst nicht das Odium laste, den Ausdruck hochanständiger Gesinnungen des Volkes aus Konnivenz gegen Vorgesetzte vereitelt zu haben. Sicher- heitspolizeiliche Grünoe konnten aber den Studenten gegenüber bei dem geringen Umfang der nunmehr geplanten Kundgebung ein Verbot allein nicht mehr rechtfertigen und so vereinbarte er mit dem stud. Korten, die schon mitgeteilte Form einer Auffahrt zwar in Wichs, aber in geschlossenem Wagen in Abständen von 2 Min. Dies Resultat telegraphierte Korten sogleich, d. h. am Samstagabend an seine Verbindung. Der Polizeipräsident hatte es also zu Wege gebracht, daß die Studenten sich ganz unbemerkt von der Außenwelt zu
Min am Hofe wußte, die Rolle eines Spions für die Mjßrin Mutter und berichtete ihr getreulich alles, was d:« junge Kaiser sagte oder that. Unter diesen Umständen i ü es nicht verwunderlich, daß Kwang-shü allmählich für fl'int Gattin denselben Haß empfand, wie für seine skrupellose Mmgerin. Dagegen wandte er alle seine Sympathien der Damen des Harems zu, die ständig Dienst als .^Mmerherrin bei der Kaiserin hatte, der Prinzessin Tschen. Miese war nicht nur schön, sondern auch klug und mutig uurd wollte den Kaiser retten. Aber ehe sie zwischen chm der Außenwelt eine Verbindung Herstellen konnte, ubuiöe sie von der jungen Kaiserin, die sie immer nut Eselsucht und Argwohn betrachtet hatte, der Kaiserin- Wiüve als gefährlich denunziert und diese ließ die Prinzessin CEll sofort in einem Verließ des Palastes, in das nie ; e!ii Sonnenstrahl drang, gefangen setzen. Hier fristete sie _. _> zwei Jahre bei Wasser und schlechtem Reis ihr ^jeieiL immer in der Hoffnung, daß es ihr doch noch ge- llivgm werde, für sich und den Kaiser die Freiheit zu er» riißui. Als die fremden Truppen sich Peking näherten, ctetog es ihr, ihren Kerkermeister auf ihre Seite zu bringen, Ld sie versuchte nochmals, mit dem Kaiser in Verbindung M kommen. Er erhielt eine Botschaft von ihr und sandte 1 Ust mch eine Antwort; diese indeß fiel in die Hände der Motie Tungfuhsiangs, und zwar am Tage bevor der Hof «Ktfinq verließ. Als man dann am nächsten Morgen Mb. August) aufbrach, wurde die arme Prinzessin 53lien aus ihrem Verließe herausgezogen, mit einem machen Sack umhüllt und in einen Brunnen Konten, am selben Tage wurde der Kaiser von seiner geholt und mußte fortan in der nächsten Umgebung dv Kaiserin-Witwe bleiben. Der Tag, an welchem der M .entblößt von allem Nötigen, in kopfloser Flucht davon Ivar einer der traurigsten aus dem Leben des jungen Lichts, und der Anblick, 'den die ärmliche Karawane, die den strömenden Regen hinauszog, darbot, war, so der Palastbeamte, mitleiderregend auch für die, die zu den Freunden der alten Dame gehörten. Sie
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Die inneren Angelegenheiten des chinesischen Hofes ^.ab bet Außenwelt, besonders seit dem Staatsstreiche von 1^98, eigentlich vollständig unbekannt geblieben, aber jetzt fff falt infolge der Okkupation des Pekinger Palastes durch düie Truppen der Alliierten allmählich allerlei Details über Leben und Treiben am kaiserlichen Hofe durch, unb tt cki kommen manche recht interessante Dinge, die uns mist roie Erzählungen aus einer längst verklungenen Zeit J' omnuten, zu Tage. Aus den mancherlei Mitteilungen, die nh gefangen genommenen Eunuchen oder anderen Beamten ■ i (, Hvfes zum besten gegeben wurden, wiederholen wir nach der in Yokohama erscheinenden „Nitschi Nitschi < Zchimbu" eine romantische Geschichte über einen Liebesroman t :t8 jetzigen Kaisers von China. Der Gewährsmann des ilfottes ist ein Eunuche des chinesischen HofeS, der über zimnzig Jahre hindurch im persönlichen Dienst des Kaisers
In der Londoner Unter ha ussitzung am letzten Freitag ist es zu h e s t i g e n Auseinandersetzungen zwischen Chamberlain und der Opposition gekommen. John Ellis protestierte dagegen, daß ein Brief, den er an e in e Dam c nach Südafrika geschrieben hatte (er fragte sie darin, ob sie etwas von den Hospitalskan- dalen wüßte), von Chamberlain veröffentlicht, und er gleichzeitig als Verräter am Vaterland dar- gestellt worden sei. Er wünsche lediglich zu wissen, auf welche Art und mit welchem Recht die Veröffentlichung seiner Mvatbriefe erfolgt sei, um dem Hause die Umstände unterbreiten zu können. Darauf erhob sich Chamberlain. Er habe niemals daran gedacht, das ehrenwerte Mitglied des Verrates am Vaterlande oder irgend eines ernstlichen Vergehens anzuklagen. (Spöttische Zwischenrufe von der Opposition, Lough ruft: „Sie gebrauchten den Ausdruck „Verräter" am 22. September". Lauter Beifall.) Chamberlain beklagte sich darauf über diese Unterbrechungen, die außerdem unrichtige Behauptungen enthielten. (Lough wiederum mit lauter Stimme: „Sie gebrauchten den Ausdruck „Verräter" am 22. September!) Darauf Chamberlain: „Ich will Ihnen jetzt die volle Wahrheit sagen", und ehe er weiter sprechen konnte, rief eine scharfe Stimme aus den Bänken der liberalen Opposition: „Zum ersten Male!" Chamberlain zitterte vor Wut und schleuderte dem Sprecher einen Blick zu, der alles andere als sanft war. Dann sagte er halb zu sich, halb zum Hause, einige Worte, die auf der Journalistentribüne unverständlich blieben. Sofort rief und schrie es von allen Seiten:
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Mne Liebes-Episode aus dem Leben des Kaisers Kwang-shü.
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