Ausgabe 
13.11.1900 Zweites Blatt
 
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'zM Aezialvereine für die verschiedenen Zweige des landwirt- i - AMI ös tlichen Betriebes unterstützt worden. In der Provinz ob gegenwärtig 7 Bezirkszuchtvereine mit 54 Lokalvereinen,

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Mbeld^.xser vorletzten Nummer desGieß. Anz.

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laße des Signals abzuwarten. Bei dem Zurückdrücken war der Zug mit den beiden letzten Wagen über das vlocksignal hinaus in den rückliegenden Blockabschnitt gekommen, in welchem sich bereits der nachfolgende Per­sonenzug 238 befand. Beim Wiedererscheinen des zurück­fahrenden Zuges erkannte der Blockwärter sofort die Ge­fahr, toctd^e beiden Zügen drohte, und dem D-Zuge ent­gegenlaufend, rief er dem Lokomotivführer zu, er möge schleunigst nach Offenbach weiter­sah rem Der Lokomotivführer konnte aber den D-Zug nicht mehr rasch genug in Fahrt bringen; der Personen- -ug 238 kam bereits an und fuhr in den Schluß des D-Zuaes hinein. Es handelte sich hier nur um wenige Augenblicke, da die Fahrzeit von Mühl­heim bis zum Block nur 4 Minuten beträgt und der Führer des Personenzuges 238 wegen des dichten Nebels das Haltesignal audy erst unmittelbar vor der Block- ftation erkannte. Der Zusammenstoß war ein sehr heftiger. Die Abteile im letzten Wagen des D-Zuges wurden so zusammengeschoben, daß die Seitenthüren nicht mehr ge­öffnet werden konnten; dabei erhielt der unter dem Wagen befindliche Gasbehälter an der Stirnseite tin kleines Loch, wodurch das unter «hohem Drucke stehende ösas in langem Strahl weithin ausströmte und sich an dem Feuer der Lokomotive des aufge­fahrenen Personenzuges entzündete, sodaß zunächistj der letzte und bald mich der vorletzte Wagen des D-Zuges in Hellen Flammen stand. Während die In­sassen des vorletzten Wagens fid): retten tonnten, war dies bei der Mehrzahl der Reisenden des letzten Wagens in Anbetracht der stattgehabten Zerstörung nicht möglich Der rapid fortschreitende Brand hinderte auch jede Möglichkeit von außen Hilfe zu bringen.

Die Schwere des Unfalls ist auf den bet dem Zu­sammenstoß eingetretenen Brand und nicht, wie man wohl arzunehmen geneigt ist, auf die Bauart der Wagen zurück- zufähren, die sich naid), den bisherigen Erfahrungen weit widerstandsfähiger erwiesen hat als die der Abteilwagen mit Seitenthüren. Auch bei Wagen dieser Bauart werden durch Zusammenstöße erfahrungsmäßig die Thüren derart zusammengeschoben und festgeklemmt, daß sie nicht ge­öffnet werden können. Dagegen erleichtern die weitaus größeren Fenster der D-Wagen die Rettung, wie that- säctilich im vorliegenden Falle mehrere Reisende durch die Feilster des brennenden Wagens sich haben retten können.

Nach dem bisherigen Ergebnis der verwalt­ungsseitigen Untersuchung wird einem Eisenbahn-Be- diensteten ein vertretbares Verschulden an dem Unfälle wohl kaum beigemessen werden können.*

Schmerzlicherweise scheint die Annahme berechtigt, daß nicht 8, sondern 10 Personen zu Tode gekommen sind, doch ist hierüber die eingeleitete sachverständige Unter­jochung Der Leichenteile noch nicht abgeschlossen. Bis jetzt erscheint fe st g e st e ll t, daß f olgendePersonen len Tod gefunden haben:

Frau Direktor Hofmann, Mainz; Herr Joseph Zeidel, Frankfurt a. M.; Fräulein von Pochham­mer, Berlin; Fräulein Jüngermann, Berlin; Herr Willi Fuchs, Homburg v. d. H.; Frau Elise Fuchs, Homburg p. d. H.; Frau Eisenbahnwartefrau Eberlein, Berlin; ein russischer Reisender. Ferner sinh Anfragen ergangen über das Verbleiben des Herrn Fa­brikanten Klein, Mainz, Herrn Dr. Freitag, Schöne­beck a. d. Elbe.

Herr Zahnarzt Robert Mareus, der im Leichenhause des Offenbacher Friedhofs die Reste der verbrannten jj-affagiere in Bezug auf den Z a h n b a u, Plombierung usw. untersucht, hat bei einer männlichen Leiche (einem wsssischen Passagier)fin Gegenwart des! Eisenbahnministers Thielen folgendes festgestellt:

Am Oberkiefer saß ein Kautschukstück mit vermutlich vier Zähnen, wovon der Eckzuhn oben rechts noch erhalten ist Das rote Kautschukstück ist an der Gaumenseite mit Goldfolie versehen. Auffallenderweise ist die Platte voll- -ändig unversehrt, während die Frontzähne wahr­scheinlich infolge der Hitze losgelöst sind. Etwas weißer Kautschuk ist am oberen Eckzahn vorhanden. Um den Bi- cuspus I loben rechts und Caninus oben links befindet 'sich je eine Kautschukkammer. Der Jneisivus II oben rechts ist von einer Metallklammer umgeben. Von den

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ar i« MLandwirtschaft auch im letzten Berichtsjahre in der seitherigen r $'S sol^ß.^Deise fortgesetzt. Dies ist ihm besonders durch Bewilligung bet namhafter Zuschüsse von feiten des Staates möglich gewesen.

Zielst'' ^^orragender Weise ist die Thätigkeit des Vereins qiipCV burch die sechs Bezirksvereine und durch die verschiedenen " |C.ne in Tpezialvereine für die verschiedenen Zweige des landwirt- Anftliche» Betriebes unterstützt worden. In der Provinz 1,1' ob 1 gegenwärtig 7 Bezirkszuchtvereine mit 54 Lokalvereinen,

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In Ergänzung unseres Versammlungsberichtes in der _nhini- ,vV4v.. ;;--------2:.;. ~.u.m bringen wir nach-

irted- gehend einen ausführlichen Auszug aus dem Jahres.

hici^ U prbieP bricht des landwirtschaftlichen Vereins für die sonnt^Atr^ BrovinzOberhessen für das Geschäftsjahr 1899/1900. Der Verein hat seine Thätigkeit zur Förderung der

natürlichen und noch erkenntlichen Zähnen hat der 1. Mo­lar vben rechts eine große centrale Cementfüllung, an -der mesialen Fläche eine Helle Amalgamfüllung. Links der 1. obere Molar hat 1 Eementfüllung. Links der 1. untere Molar hat 1 Gold-Amalgamfüllung.

Bei einer weiblichen Leiche (einer Dame, die nach Lausanne reisen wollte) wurde folgendes festgestellt:

Diese Leiche ist charakteristisch burdj, die Zahnseite Hechts oben. Der Biscupüs I bai eine große zentrale Gold- füllung, der Biscupis II eine A'malgamfüllnng. Der Mo- !°c I hat eine große zentrale Gold-Amalgamfüllung und eure kleine runde Goldfüllung nach! der mes. Seite z>u. D'r Molar II hat eine zentrale Amalgamfüllung.

Mr inejemgen Angehörigen der Vermißten, die fick) « Herrn Zahnarzt Marcus wenden wollen, sei richtia- geitellt, daß dessen Wohnung sich Gutleutstraße Nr. 2 befindet. Die Zeitungen werden übrigens ersucht, diese Feststellungen im Interesse der Angehörigen der Ver- Mißten weiter zu verbreiten.

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a "tc(,eÄ " Landwirtschaftlicher Provinzialverein "ibold,. L«,«. »n: ff. Siegen, 12. November 1900.

^Ziegenzuchtvereiuen, 7 Geflügelzuchtvereinen und I Provinzial- Obstbauverein mit 6 Sektionen im Vereinsgebiete thätig, die im Anschluß an den Prooinzialverein anregend und fördernd wirken. Die Hebung der Pferdezucht liegt in den Händen des Landeszuchtvereins, während die Förderung der Bienenzucht durch einen selbständigen Provinzialverein er­strebt wird.

Der Erfolg aller dieser Bestrebungen aber müßte sich, ebenso wie er sich in der Entwicklung der landwirtschaft­lichen Technik bemerkbar macht, auch in der Hebung der wirtschaftlichen Lage zeigen, wenn nicht andere Faktoren hemmend einwirkten, die auch im letzten Jahresbericht an­gegeben sind. Niedrige Getreidepreise einerseits, steigende Ausgaben andererseits, insbesondere wachsende Löhne für die landwirtschaftlichen Arbeiter, die Schwierigkeit in der Erlangung solcher usw. usw. find die Umstände, die den Er­trag des Bodens herunterdrücken, die Bewirtschaftung er­schweren und die Berufsfreudigkeit lähmen. Immer mehr, oft die tüchtigsten Elemente kehren daher der Landwirtschaft den Rücken und ergreifen einen anderen, lohnenderen Beruf. Die Landwirtschaft erwartet daher, daß auch ihre Arbeit geschützt wird, daß bei Abschließung der neuen Handels­verträge in erster Linie dem Getreide ein größerer Schutz gewährt wird, der den Getreidebau wieder lohnend macht.

Durch Beschluß des Ausschusses wurde am 30. Juli 1898 der Mitgliederbeitrag von 5,20 Mk. auf 3 Mk. heruntergesetzt. "Die Wirkung zeigte sich gleich in diesem Rechnungsjahre; denn eS fanden 822 Neuaufnahmen statt, denen 38 Abgänge gegenüberstehen, sodaß die Mitglieder­zahl, die zu Anfang des Jahres 1392 betrug, sich am Ende des Jahres auf 2183 belief. Auf die Bezirksvereine ver­teilen sich diese Mitglieder wie folgt: Alsfeld 291, Büdingen 576, Friedberg 436, Gießen 343, Lauterbach 360, Schotten 170 und auswärtige Mitglieder 7.

Im verfloßenen Geschäftsjahre wurden 2 Haupt­versammlungen und 7 Ausschußsitzungen abge­halten. Die Bezirksvereine haben ebenfalls je 2 Haupt­versammlungen gehabt. Im Vereinsgebiete wurden im Laufe des Jahres von den Landwirtschaftslehrern 96 Vor­träge gehalten, zu denen noch eine große Anzahl von Vorträgen und Unterweisungen seitens der Spezialvereine kommt.

Die Vereinsrechnung schließt in Teil I (eigene Mittel deS Vereins) mit einer Einnahme von 68 948,05 Mk. und einer Ausgabe von 68 832,34 Mk. ab, sodaß ein Rest von 115,71 DU. verbleibt, und in Teil II (Staatszuschüsse) mit einer Einnahme von 105 304,67 Mk. ab, der an Aus­gaben 112 422,05 Mk. gegenüberstehen, sodaß sich ein Defizit von 7 117,38 Mk. ergiebt, das dadurch hervor­gerufen ist, daß der Staatszuschuß für Hebung der Rind­viehzucht um 9 509 Mk. gegen den Voranschlag zurück­geblieben ist. Trotzdem würde aber ein kleiner Ueberschuß erzielt worden sein, wenn nicht durch Beschluß des Aus­schusses die Jungviehweiden zu Wernings und zu Tiergarten beträchtliche Mittel in Anspruch genommen hätten.

Landwirtschaftliche Unterrichtsanstalten bestehen in der Provinz 5, nämlich die landwirtschaftliche Winter­schule und Obstbauschule zu Friedberg, die landwirtschaft­lichen Winterschulen zu Alsfeld und Büdingen, die Haus­haltungsschule zu Lindheim und die Molker^ischule zu Lauter­bach (für weibliches Molkereipersonal). Ferner besteht eine Molkereischule für männliches Personal des Regierungs­bezirks Kassel in Fulda, an der Schüler aus Oberhessen ausgenommen werden können, wofür weibliches Personal aus jenem Bezirk die oberhessische Molkereischule in Lauter­bach besuchen darf.

Zur Förderung des Betriebes wurde vor allem im Meliorationswesen Erhebliches geleistet. Besonders die Feldbereinigung ist um einen bedeutenden Schritt vor­wärts gekommen. Auf dem Gebiete der Hutweiden sind die seit 1896 im Gange befindlichen Arbeiten mit Eifer fortgesetzt worden.

________________________Schluß folgt.________________________

Aus Stadt und Zand.

Gießen, 12. November.

Das Festesten zur Feier des Geburtstages des großherzoglichen Paares findet am Samstag den 24., nachmittags V/2 Uhr, im Saale des Gesellschaftsvereins statt. Anmeldungen zur Teilnahme an dem Effen können auch durch Einzeichnung in die auf dem Sekretariat der Bürgermeisterei aufliegende Liste bis zum 17. l. MtS. be­wirkt werden.

* * Znm Totenfest. Die Kirch en vor stände sämt­licher evangelischer Gemeinden Darmstadts haben be- schlossen, das Totenfest in diesem Jahre nicht zu ver­legen.

* Gastspiel Irene Triesch. Infolge der großen Nach­frage nach Billets hat sich der Vorstand des Theatervereins veranlaßt gesehen, auf der Mittelgallerie nummerierte Sitz­plätze zu Mk. 1.50 einzurichten. Sollte an Sperrsitzplätzen Mangel eintreten, so wird der Orchesterraum noch mit Stühlen versehen werden.

* * Die Hauptversammlung des ostafiatischen Hilfsvereins findet, wie im Inseratenteil angezeigt wird, nicht am Dienstag, sondern erst am Donnerstagabend statt.

0 Dutenhofen, 11. November. Gestern wurde unsere Gemeindejagd auf 9 Jahre öffentlich verpachtet. Dr. Küpper-Gießen blieb mit 815 Mk. Meistbietender. Die Jagd hatte bisher 400 Mk. das Jahr gebracht.

Darmstadt, 9. November. Wie verlautet, hat sich der Petitionsausschuß der Zweiten Kam mer mit der Eingabe der hessischen Juden, wegen Zuladung der Angehörigen der jüdischen Konfessionen, zur Anstellung im Richter st an de, beschäftigt. Ueber die Berechtigung der hessischen Juden zur Klage über ine Versagung dieses ihnen verfassungsmäßig zustehenden Rechtes wurde in der Besprechung prinzipielle Ucbereinftimmung der Majorität des Aus­

schusses erzielt, und aüch Justizmini fier Dittman gab die prinzipielle Berechtigung der Juden zur Anstellung als Richter zu. A)cr Ausschuß ersuchte ihn daher, eingehenden Bericht darüber zu erstatten, auS welchem Grunde das Ministerium bisher derartige An­stellungen nicht vorgenommen habe.

* Kleine Mitteilungen aus Heffeu und deu Nachbarstaaten. Die von der Stadt Darmstadt in einem Gutachten über den Bau der Bahnlinie Oppenheim-Darmstadt an­gegangenen Experten, v. Lavale und Geheimrat Koch, haben ihr Gutachten erstattet. Dem Vernehmen nach ist es den Wünschen der Stadt Darmstadt nicht günstig. Dem Bahnarbeiter Deibert aus Osthofen wurden im Bahn­höfe beide Beine abgefahren. Der Verunglückte starb zu Worms kurz nach der Einlieferung im Krankenhaus. Der Altbürgermeister Adam Blodt in Essenheim ist im Alter von 89 Jahren gestorben. In Mainz verstarb nach langem Leiden im Alter von 72 Jahren der Geh. Kommerzienrat Louis Reulaux, der Inhaber einer bedeuten­den Lackfabrik. Der Verstorbene war 25 Jahre Mitglied der Stadtverordneten-Versammlung.

Dermischtes.

* Brüssel, 9. Novembir. Der hecte ftüh von Bau­lers abgegangene Personenzug ist in der Nacht vor Braine l'Alleud mit einem Güterzuge zusammen ge­stoßen. Die Maschine und ein Wagen des Personenzuges sowie mehrere Waggons deS Güterzuges wurden zertrüm­mert. Maschinist und Heizer des Güterzuges sind tot. 11 Reisende, meistens Arbeiter sind schwer verletzt.

* Paris, 11. November. Auf dem Bahnhofe Choisy le Roy im Departement Seine et Marne stieß der von Nantes kommende Schnellzug mit einem Personenzug zusammen. 8 Personen sind tot, 16 verwundet. Die Schnellzugslokomotive stürzte um. Mehrere Eisenbahn­wagen wurden zerstört. Das Geleis ist gesperrt. Der Minister der öffentlichen Arbeiten ist nach der Unglücksstelle abgereist. Sechs Leichen wurden heute nach Paris gebracht. Unter den Toten befinden sich der Heizer und der Zuführer des Schnellzuges. Der Zusammenstoß scheint durch ei» falsches Signal herbeigeführt worden zu sein.

Kirchliche Nachrichten.

Evavgelifche Gemeinde.

Montag den 12. November, abends 8 Ubr: Bibelftttnde im

Konfirmandensaal der Johanneskirche. Text: Ap.-Gesck. 12, 18 ff.

Pfarrer Euler.

Grrichtssaal.

Gießt«, 9. November. Strafkammer. Durch Urteil des Schöffengerichts Gießen war der stad. Fr. Weislein zu Wien wegen Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe von 5 Tagen, wegen Entwendung von Genußmitteln (Uebertretung gegen § 370 pos. 5 des Str.-G.-B.) zu einer Haftstrafe von 3 Tagen verurteilt worden. Der Angeklagte hatte alsbald die Rechtskraft dieses Urteils anerkannt und seine Strafe verbüßt. Einige Zeit darauf erfuhr der Vater des Angeklagten von der Verurteilung seines Sohnes und legte nun seinerseits als gesetzlicher Vertreter seines zurzeit der Begehung der Strafthaten noch minder­jährigen Sohnes, wozu er nach § 340 der Str..Pr.-O. berechtigt war, das Rechtsmittel der Berufung ein, gleichzeitig beantragt er, da die Rechtsmittelfrist längst verstrichen war, Wiedereinsetzung in den vorigen Stand. Der letztere Antrag war vom hiesigen Amts­gericht abgelehnt worden, die gegen diesen Beschluß verfolgte Be­schwerde war erfolgreich. Am 1. Juni l. I. kam die Sache vor der Strafkammer zur Verhandlung. Doch wurde auf Antrag des Verteidigers zur Herbeiführung eines ärzllichen Gutachtens über den Geisteszustand des Angeklagten Aussetzung besckloffen. Nach Beobachtung des Angeklagten in der hiesigen psychiatrischen Klinik stand beute neuerdings Termin. Die heutige Beweisaufnahme hatte das folgende Ergebnis: Durch Aussage des Zeugen Witt Otto, bei dem der Angeklagte zu Beginn des vorigen Wintersemesters ein Zimmer gemietet hatte, wurde festgestellt, daß der Angeklagte am ersten Abend seines dortigen Aufenthaltes bis tief in die Nacht hin­ein mit dem Zeugen in dem Gastzimmer zusammen saß. Als der Wirt auf Veranlaffung Weisleins sich nach dem Keller begab, um eine Flasche Wein zu holen, bemerkte er zufällig durch ein Schalter­fenster, wie Weislein an daS Buffet ging und in die Kaffe griff. Nachträglich wurde festgestellt, daß 5 Mark fehlten. Der Angeklagte gab dem Zeugen gegenüber zu und wiederholt auch heule diese Erklärung, daß er 5 Mk. aus der Kaffe genommen habe, will aber ein 10-Markstück zur Begleichung seiner Schuld hingelegt haben. Trotz sorgfältigsten Nachsuchens konnte ein 10-Mattstück nicht gefunden werden. Der zweite Punkt der Anklage betrifft einen Vorfall, der sich kurze Zeit nach dem erst erwähnten in der Wirtschaft von Prieß abspielte. Hier wurde der Angeklagte eine« Abends von dem Wirte und verschiedenen Gästen, wie diese heule bezeugten, wiederholt beobachtet, wie er, sich unbemettt glaubend, aus einem Cigarrenschrank Cigarren entnahm. Der Angeklagte leugnete bei feiner Festnahme, an dem betreffenben Abend wie auch heute Cigarren genommen zu haben. Der Angeklagte, der die besten Zeugnisse aufzuweisen hat, war stets überreichlich mit Geld versehen, zahlte auch immer prompt; srin Benehmen in den grschckderten Fällen erscheint daher unverständlich. Durch das psychiatrische Gutachten wurde festgestellt, daß Weislein zwar nicht vollständig normal ist. ba6 £ °ber zurzeit der Strafthaten sich »icht in einem Zustande von Bewußtlosigkeit oder krankhafter Störung der Geistestoättakttt befand, durch welche seine freie Wtllensbest'wmung auSgeschloffe« gewesen wäre. Das Gericht gewann die Ueberzeugung, daß der Angeklagte für beide Handlungen voll veravtwoitltch gemacht werden muß, baß er das Geld sowohl wie die Cigarren in der Absicht rechts- °u.

Neueste Meldungen.

(Telephon-Meldung desGießener Anzeigers".)

Harrysmith, 12. November. Von Eingeborenen wird die Nachricht hierhergebracht, daß sich ein 600 Mann starkes Burenkommando in Albertina festgefetzt hat mit der Absicht, die Eifenbahnbrücke zu zerstören.

Peking, 12. November. Die Gesandten haben in ihrer letzten Sitzung bezüglich der von Ehina zu fordern­den Entschädigung sich dahin verständigt, daß China alle Kosten der Kriegfühning und die Unterhaltungskoste« der Okkupatioustruppen zur Last zu legen find. Der Gesamt­betrag soll sich auf 6 00 Millionen Taels belaufen. Ein ausländisches Komitee soll beauftragt werden, die chinesischen