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13.9.1900 Erstes Blatt
 
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Nr. 214 Erstes Blatt» Donnerstag den 13. September 150. Jahrgang l$>oo

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treffe für Depeschen: Anzeiger frUflefa Fernsprecher Nr. 5L

Amtlicher Teil.

Gießen, den 10. September 1900.

Betr.: Ermittelung der landwirtschaftlichen Boden­benutzung im Deutschen Reich.

DaS Großherzogliche Kreisamt Gießen

ta tzte Wrohh. Bürger»erftereieu deS Kreise-»

Demnächst werden Ihnen die Formulare 1 wieder zu­gehen behufs Feststellung und Eintragung der Fläche der Nebennutzungen. (Spalte 3 von Seite 2 und 3 des Formulars.) Bei diesen Ermittelungen sind auch für Klee, Luzerne und Grassaat aller Art die zum Samengewinn benützten Flächen noch festzustellen und die in Spalte 4 ÄeS Formulars weiter geforderten Bemerkungen nach Maß- gäbe des Vordrucks zu machen.

Außerdem bleibt noch auf Seite 4 des Formulars in denjenigen Gemarkungen, in welchen unter III. Weiden­flüchen und unter VII. Flächen von Oed- und Unland zu verzeichnen waren, die Ermittelung nachzuholen, wieviel Hektar davon zur Aufforstung geeignet sind. Zur Fest­stellung dieser Fläche sind die Organe der Forstverwaltung Auzuziehen.

Die Einsendung erwarten wir bis zum 15. Oktober.

Zugleich bringen wir einstweilen die Einsendung der Formulare 2b bis zum 1. Dezember in Erinnerung.

v. Bechtold.

Zur Kohleuuot.

Gießen, 12. September.

Die Folgen der Ko hlen teuerung machen sich iricht blos in jedem einzelnen Haushalt aufs empfind­lichste fühlbar, sondern bilden eine Gefahr für das ge­samte Wirtschaftsleben, für die Industrie und für das Gewerbe. Was soll erst mit den ärmeren Klassen der Bevölkerung und mit den Kleingewerbetreibenden ge­schehen, wenn die kältere Jahreszeit eintritt und der Preis der Kohle noch weiter steigt? Das Verlangen, auf irgend einem Wege Abhilfe geschaffen zu sehen, macht sich immer allgemeiner geltend. Preßkohlen, Briquets, die sonst im Sommer zu 6.40 bis 7.80 Mk. pro Tausend ver­kauft wurden, kosten zur Zeit hier 10.80 bis 14 Mk. Nach bett Angaben von Kohlenhändlern dürften sie im Winter im Detailverkauf auf 20 bis 24 Mk. zu stehen kommen! Was Steinkohlen anbelangt, so sind diese, wie schon berichtet augenblicklich im Kleinhandel überhaupt kaum zu haben Verschiedene Großhändler nehmen sofortige Lieserunasaufträqe gar nicht an, da sie selbst bis zu Ende Sevtember Vorräte nicht erhalten können, Dre von den Gruben für September zugesagten Lieferungen sind aber demArbeitsmarkt" zufolge ,o gering daß die Stein­kohlen euerung im Arbeiterhaushalt überhaupt unmöglich! gemacht ist, Aehnlich liegen die Verhältnis^ bei Jn = Ibracit kohlen, deren Preise von 1.80 Mk. tm ver- -angenen Sommer und 2.40 Mk. im letzten Winter setzt aus 2.70 Mk. pro Zentner gestiegen send. Der vorausstcht- liclie Breis dieses st-euerungsmaterials für den kommen- den^Winter wird auf 3.50%« 4 Mk. geschätzt Auch che Hotzfeuerung wird bei den jetzigen hohen und noch Äiglich steigenden Preisen äußerst erschwert. Die Hoffnung,

Bekauutmachuug.

Betr.: Feldbereinigung vev uu| utau iouf" liegenden Teils der Gemarkung Gießen.

Da der in der Versammlung der beteiligten Grunjd- eigentümer vom 23. v. Mts. zum Sachverständrgen ge­wählte Georg SiMon zu Gießen die auf rhn -gefallene Wahl abgelehnt hat, so hat eine Ergänzungswahl stattzu-

Iabe daher in Gemäßheit des Art. 16 des Gesetzes vom 28. September 1887 sämtliche beteiligte Grundbesitzer E Wahl eines Sachverständigen auf Dienstag, den 9. Oktober l. I., vormittags 10 Uhr m der Turnhalle, Steinstraße 3 zu Gießen ein.

Bei dieser Wahl hat jeder anwesende beteiligte Grund­eigentümer eine Stimme. Zur Giltigkeit der Wahl ist eine Mehrheit von zwei Drittteilen der Anwesenden er- forderlich und unter dieser Voraussetzung auch für die nichterschienenen Beteiligten verbindlich. Kommt eine ailtige Wahl nicht zu stände, so hat Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe den Sachperständigen zu ernennen.

Friedberg, 10. September 1900.

Der Großherzogliche Bereinigungskommissär:

S ü s f e r t, Regierungsrat.

daß wenigstens die Kokes- und Torfpreise sich in niedrigen Grenzen bewegen werden, vermögen wir wegen der immer stärker werdenden Nachfrage nicht zu teilen.

Auch die letzte Sitzung des preußischen Staatsministe- rmms beschäftigte sich mit der Deckung des inländischen Kohlcnbedarfs. Es konnte festgestellt werden, daß die Leist­ungen der einheimischen Kohlenreviere sich erfreulich ge­steigert haben, sodaß in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres 4,8 Millionen Tonnen mehr als in dem gleichen Zeitraum des Vorjahres zur Verfügung gestellt worden sind. Es ist dies gleichbedeutend mit einer Mehr­leistung von 9,7 v. H. Die Kohlenförderung würde sogar noch eine weitere Steigerung erfahren haben, wenn nicht der überall hervortretende Mangel an Arbeitskräften eine entsprechende Vermehrung der Belegschaft verhindert hätte. Allerdings war zu Beginn des Jahres der Kohlenbestand der Läger und Händler stark erschöpft, sodaß die Dieder­ergänzung derselben und die Ansammlung von Vorräten bei den einzelnen Verbrauchern von vornherein bedeu­tende Mengen in Anspruch, nahmen. Auch ist die Ein- fuhrböhmischerBraun kohle infolge der Arbeiter­ausstände um mehr als 1000 000 T. zurückgeblieben, ein Ausfall, der für bestimmte Teile Deutschlands be­sonders schwerwiegend empfunden wird. Wäre dieser Um­stand nicht eingetreten, so würde die Bilanz zwischen Aus­fuhr wnd Einfuhr von Kohle in diesem Jahre saft genau dieselbe wie im vorigen Jahre gewesen sein.

Wenn somit auch dem inländischen Verbrauch in dem laufenden Jahre eine sehr viel größere Menge Kohlen zur Verfügung gestanden hat, so hat es doch bisher nicht vermieden werden können, daß bei der Unterverteilung des Brennmaterials an die Verbraucher, namentlich durch eine sachlich ungerechtfertigte Preistreiberei, Mißstände einge­treten sind, die insbesondere von deni Kleinverbraucher

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scheinungen würde eine weitere Steigerung der Einfuhr ausländischer Kohle dienen. Das Staatsministerium hat daher beschlossen, diese Einfuhr durch Herabsetzung der Eisenbahntarife auf den preußischen Staatsbahnen zu er­leichtern. Zu dem Zwecke soll für die D-auer der gegen­wärtig auf dein Kohlenmarkte herrschenden Verhältnisse mindestens aber für zwei Jahre der Rohstofftarif verallgemeinert werden. Im Bereich der Preußischen Staatsbahnen wird diese Maßregel sogleich zur Durch­führung kommen können, während im direkten Verkehr mit anderen Eisenbahnen zunächst mit diesen zu verhan-

der

gewähren kann.

135 000 112 500

60 000 67 500 11 250

deln sein wird. , . v

Was die Verteilung der Kohlen unter die verschiedenen Kreise dec Verbraucher betrifft, so wird vielfach Klage dariiber geführt, daß der Vertrieb der Oberschlesischen Kohlen vornehmlich durch den Großhandel erfolgt, und man hat von den fiskalischen Werken Abhilfe verlangt. Um die Möglichkeit und die Grenze einer etwaigen Einschrän­kung des Großhandels durch Maßnahmen der fiskalischen Werke richtig würdigen zu können, sind nachstehende Ziffern zu beachten: ,

Der Gesamtabsatz an oberschlesischer Kohle tm ^ahre 1899 belief sich auf rund 21 760 000 T., davon entfielen auf die staatlichen Gruben 4 739 000 T., auf die Prwat- qruben 17 021000 T. Während die Produktion der Pri­vatgruben seit jeher zum überwiegend größeren Teil an die Großhändler abgegeben wird, sind von den Staa s- gruben für das laufende Rechnungsjahr an Großhändler im ganzen 1 147 500 T. vergeben worden. Hiervon sind nach vertragsmäßigem Vorbehalt 10 v. H. gekürzt worden, so daß 1 038 750 T. verbleiben, also etwas mehr als ein Fünftel des fiskalischen, das ist etwa ein Zwanzigstel des gesamten oberschlesischen Absatzes Unter den an dw Händ­ler im Jahre 189!) vergebenen Mengen fanden sich über 70 v kleine Sorten, die zum Hausbrand nicht geeignet sind' und auch sonst wegen ihrer geringen Lagerfahig- keit und ihrer geringeren Heizkraft schwieriger abzusetzen

sind als grobe Sorten. ,

Bon den Großhändlern erhalten nach Abzug vorerwähnten Kürzung von 10 v. H.:

Caesar Wollheim, Berlin 652500T.

C Königer, Wien, u. C. Wollheim .

F. Grobe & Co., Berlin.....

Ollendorfs & Co., Breslau . . . .

E. Friedländer & Co., Berlin . .

DrialaS Ziekursch & Co., Breslau .

Von den Großhändlern beziehen zahlreiche Konsu­menten (Brauereien, Brennereien, Zuckerfabriken, Gas-An- stalten und sonstige Betriebe aller Art), welche ebensowohl direkt bei !der Zentralverwaltung der Staatswerke ur Zabrze bestellen könnten, es aber. vorzwhew, durch die Händler zu beziehen, weil ihnen diese hinsichtlich der Zahlungs­bedingungen und der Modalitäten der Lieferung Erleich­terungen gewähren, die die staatliche Verwaltung nicht

Volttische Tagesschau.

DieKöln. VolkSztg." veröffentlicht Nachrichten der Benediktinermissionen aus Deutsch-Ost­afrika. Dann findet sich nachstehende intereffante Stelle über den Tod des Sultans Kwawa von Uhehe, der der deut­schen Schutztruppe Jahre lang viel zu schaffen gemacht hat: Am 7. Januar taufte Schwester M. Juliana einen schwer- kranken Knaben auf den Namen des h. Alexius. Dieser war der letzte Begleiter des Sultans Kwawa, von dessen Ende er folgendes erzählt: Als Kwawa von all seinen Leuten verlassen war, irrte er allein in der Wildnis umher. Da ihn nun sehr hungerte, kam er heimlich zu einem seiner Unterthanen ins Uchungwegebirge. Dieser er­barmte sich und brachte dem Sultan heimlich zu effen hinaus ins Port (Wildnis). Der Ortsvorsteher aber, der den Deutschen ergeben war, merkte es und bedrohte den Mann mit Anklage. Da flüchtete sich dieser mit seinem Sklaven, dem oben genannten Alexius, der damalsKazi" hieß, zum Kwawa. So trieben sich nun diese drei eine Zeit lang in der Wüste umher, überfielen hier und da eine einzeln stehende Hütte und nahmen die darin befindliche Speise. Wegen der steten Verfolgungen konnte es jedoch nicht lauge so gehen, und da Kwawa seinen Untergang vor Augen sah, beschloß er, des Hungertodes zu sterben. Eines Tages fiel er nun kraftlos ohnmächtig zu Boden. Seine Begleiter machten sich auf und holten aus dem Fluffe Wasser, ihn zu laben. Der Sultan kam, damit gestärkt, wieder langsam zum Bewußtsein. Doch wie lohnte er ihnen diesen Liebes­dienst !So, jetzt habt ihr mich wieder zum Leben gebracht", sagte er,und nun macht auch ein großes Feuer, damit bör ^äiiutt uns fjvnvvy jjäV n*

befahl ihm, von dieser zu kauen und sie ihm in den Nacken zu spucken. Als der Knabe dies ausführte, im selben Augen­blicke ließ Kwawa sein Gewehr los ein Schuß und der Herr des Kazi, der Lebensretter des geächteten Königs, lag am Boden. Sterbend sprach er:Es macht nichts, daß ich sterbe, ich bin dein Sklave, du mein Herr." Bald darauf wollte er auch den Knaben erschießen. Dieser aber merkte es früh genug und lief davon, wurde dann von den deut­schen Soldaten anfgefangen und verriet den Aufenthalt des Kwawa; dieser hatte sich aber unterdeffen schon selbst er­schossen. Kazi hat sich von seiner Krankheit erholt und ist nun ein ordentlicher christlicher Junge."

Aus Stadt und Land.

Gießen, 12. September 1900.

* Persoualnachrichten. Der Revifionsgehilfe Philipp Rosignol zu Darmstadt wurde zum Oberrechnungsrevisor bei der 2. Justifikatur-Abteilung der Oberrechnungskammer mit Wirkung vom 1. September ernannt.

* Auflauf. In der Wallthorstraße waren gestern nachmittag zwei ältere Männer mit Schimpfworten derart aneinander geraten, daß sich eine größere Anzahl Menschen um die Schimpfenden ansammelte. Wie wir sahen, schritten zwei Schutzleute ein, zerstreuten die Menge und notierten die beiden Streitlustigen.

Ein Betrunkener, der sich gestern abend auf Oswalds Garten ein Lager ausgesucht hatte, wurde von der Polizei mittels Wagen in die Sandgaffe gebracht, wo ihm ein Freiquartier angewiesen wurde.

* Alters- und Invalidenversicherung. Einer großen An­zahl hiesiger Einwohner, so schreibt dieWormser Ztg." aus Worms, wurden dieser Tage Strafbefehle zu­gestellt, weil sie es verabsäumten, sich bei den vorüber­gehend bei ihnen beschäftigten Personen zu vergewissern, ob dieselben das Einkleben der Marken in die Quittungskarten der Alters- und Invalidenversicherung in vorschriftsmäßiger Weise erledigt hatten. Zu welchen Unannehmlichkeiten die Unterlaffung der Vorschrift deS § 140 des Alters- und JnvalidenverficherungsgesetzeS vom 13. Juli 1899 für die Beteiligten werden kann, wollen wir hier nur an zwei Beispielen vorführen: Die Ehefrau des Einsenders dieser Zeilen beschäftigte an einem Tage deS Monats August eine versicherungspflichtige Näherin. Das betreffende Mädchen, das seine Quittungskarte stets in Ordnung hielt, vergaß am Beginn jener Woche zum erstenmale daS Einkleben einer Marke. Nnglückseligerweise sand am Ende der Woche von dem die Kontrolle ausübenden Beamten eine Revision der Quittungskarten statt und wurden daher sämtliche Arbeitgeber, bei welchen besagte Näherin im Verlaufe jener Woche' beschäftigt war, in Geldstrafe genommen. Eme