Ausgabe 
13.7.1900 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Aints- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

Theater in Hießen.

er­den ab-

Ord.. Nr.

KeteBfo«, Expedition und Druckerei: >#*f#r<t|e Vr. 7.

Ldreff« für Depeschen: Anzeiger Hieß«.

Fernsprecher Nr. 5L

Ä*e«$*e »« »»zeigen zu der nachmittag» für d« Iq erscheinenden Nummer W wnn. M Mr. U»eK«Lm,geu fpStestenS *«N«.

GraÜsbeilagr«: Gießener Familienblättrr, Ker ßelWche Landwirt, Klätter für hetzische UMskundr.

leisten.

Sie wollen dem Kirchenrechner Ausgabedekretur

Jugend.

Ein Liebesdrama in 3 Akten von Max Halbe.

Rechner des evangel. Zentralkirchensonds zusührev.

Beitrag Mk. Pfg. 140

5

12

7

7

10

7 - 125

15

8

50

42

10

6 -

50 -

150 186 100

Nr. 1«l

ftMttaf ttgNch MU »uSnadme de»

Montag»-

Die Sicherer M«Wtkie«SlLtter »erden dem Anzeiger «, Wechi-t nritHess. SMMwtrt* » Mütter gök h«S. 8a(UtunbtM Ddchtl. t deigelegt.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

15.

16.

17.

18.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Ium 1887 über die Naturalleistungen sür die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktprerse, emschueßUch eines Aufschlags von Fünf vom Hundert pro Monat Juni 1900 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kq. betragen: m . _

Hafer Mk. 16,90, Heu M. 7,60, Stroh Mk. 4,70.

Gießen, den 9. Juli 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Talent Halbes. Es ist ein Stück, das mit vielen seiner Einzelheiten immer noch zu dem Besten gehört, was unsere dramatische Litteratur in den letzten zehn Jahren hervorgebracht hat. , v

Die Handlung spielt rn einem verlorenen Winkel West­preußens, einer Gegend, die ich von anderthalbjährigem Aufenthalte an der polnisck><-posenschen Grenze ziemlich aenau kenne. Es ist Halbes Heimat der Dichter wurde zu Güttland in Westpreußen im Jahre 1865 geboren und wie ich's bestätigen kann, er hat Menschen von Fleisch und' Bein, wie man sie dort alle Tage antrifft, auf die Bühne gestellt. Da finden wir einen katholischen Pfarr­herrn von schlichtem Verstände, der sich durch die Schule des Lebens zu einer duldsamen und heiteren Lebensauffassung durch gearbeitet hat, einen polnischen Kaplan, den echten modernen Streitkaplan, ehrlich aber intolerant, der tmmei gleich mit dem Verdammen bei der Hand ist und bei aller Strenge und Asketik doch! nicht ganz) die Gelüste des Fleisches Niederkämpfen kann, und ein das Pfarrhaus wzeein Sonnenblick erheiterndes, munteres und lustiges Nichtchen voll Lebenslust und Freudigkeit. Neben der Nichte hat der Pfarrer auch einen idiotischen Neffen in sein Daus aus­genommen, der mit seiner Geistesblödigkeit auch ein gut Teil Bosheit verbindet. Man gewinnt aber doch den Ein­druck, daß man sich in einem Heim befindet, das alle Burg- schäften für gleichmäßige und harmlosfreudige Entwicklung bietet, und aüch! die Thatsache, daß die Nichte Annchen ein Kind der Liebe ist, vermag diesen Eindruck n^st av zuschwächen. Der finstere Kaplan, der sich rote alle anderen dem Reize Annchens nicht entziehen kann, mochte dav

zur echtbrechsein, nur um einen guten oder schlechten Witz anzubrinqen, der irgend einem einmal eingefallen ist und ihnen ganz besonders imponiert hat, die nicht Charaktere schaffen, sondern schön gekleidete lustige Puppen Halbe bringt wahres, echtes Leben auf die Buhne und schafft Menschen, in deren Seele man sich hineinzudenken hat, um mit ihnen zu fühlen und zu handeln. Das ist für manchen

noch heute, obwohl nun acht Jahre bereits seit der Pre­

miere derJugend" im Berliner Residenztheater verflossen sind eine neue Welt, die er nicht nut den Augen der alten, sondern mit denen der neuen betrachten muß, um Genuß an ihr zu empfinden. Wenn ihm em dichteri­sches Gemälde vorgehalten wird, über dem berauschender Frühlingsduft ausgebreitet liegt als Spiegelbild der Wirk­lichkeit, dann behandele er es nicht wie jene bunten Farcen des Theaters, in denen es von Mätzchen wimmelt und Triks zur Kitzelung der Lachmuskeln. Man steht heute doch schon ziemlich allgemein auf der Schwelle zu dem Zett- cchfchnckte, in dem ein heiliger Ernst tritt an Stelle des Gekichers über Worte, nut denen es, wie nut allem, dem Dichter heiliger Ernst ist, und ui dem es nicht mehr Leute giebt von ausschließlichgesellschäft!Uchem Scham­gefühl. Wohl drängt sich m die freundliche Frühlmgs- stinununq, die das ganze Liebesdrama der kaum den Kinderschuhen entwackstenen Jugendgestalten durchzieht, hier und da gar schwüler Sommerhauch, ia man glaubt bisweilen das heiße, unnatürlich gesteigerte Treiben junger Pflanzen in heißer, feuchter Treibhausluft zu verspüren. Trotz mancher Unvollkommenheiten aber verrät schon dieses Stück das große und starke und dabei liebenswürdige

Zur fragt der Ausdilduug des katholischen Klervs.

Die Bildung des Klerus in kirchlichen Seminarien oder an Staatsuniversitäten. historische Skizze eines hundert­jährigen Kampfes in Deutschland von. Dr. Holzammer Domkapitular und Regens des bischöflichen Seminars in Mainz."

So lautet der vielversprechende Titel einer soeben ssr- schienenen Broschüre. ... ~ .

Der Verfasser tritt nut seiner Arbeit für die Semi­nare ein, selbstverständlich gehört er doch selbst uit Jahr­zehnten dem mit Recht berühmten Seminar in Mainz als Professor an und ist jetzt dessen Leiter geworden. Es ist dies das Seminar oder die Fakultät, die Bischof Kettelev zurzeit la!n die Stelle der katholisch-theologi­schen Fakultät an der Universität Gießen setzte. Der Schritt, den dieser Bischof damals that, fand die Billigung nicht bloß aller kirchlich gesinnten Katholiken, sondern auch vieler Liberalen. Die Zustande ui Gießen waren wir folgen hier wörtlich den Darstellungen der Straßb. Post", die in der uns übrigens nicht vorliegenden Broschüre Anspielungen auf Straßburg und die dort pro­jektierte katholisch-theologische--Fakultät erblickt uner­träglich geworden: die Theologiestudierenden versäumten die Messe am Sonntag und übertraten ohne Bedenken andere Kirchengebote; die, welche sich auf ihren zukünftigen Beruf in dem richtigen Sinne vorbereiteten, wurden von den anderen verhöhnt, die meisten ließen sich in ein wüstes Studentenleben hineinreißen (siehe Pfütf, Geschichte des Bischofs v. Ketteler 1 Seite 235 ff.). Der hessische Abg. Humann (siehe Holzammer Seite 31 ff.) bezeichnete in einer Rede, die er 1852 in der Ersten Kammer in Darm­stadt hielt, die Gießener Zustande folgendermaßeii:Ein Theologe wird sich nicht in dem sogenannten Burschen­leben, in den Tabagien, bei den wilden Kommersen jene Tugenden aneignen, die seinem Stande so notwendig sind." Die katholischen Theologen hörten Philosophie bei Hillebrand, einem abgefallenen katholischen Geist­lichen, Naturwissenschaften bei Karl Vogt, und die beiden Theologen, der einmal zum Bischof von Mainz er­wählte, aber von dem Papste abgelehnte Professor S ch m i d sowie Professor Lutter b eck traten später aus der katho­lischen Kirche aus. Das wird genügen, um auch dem Be­fangensten zu beweisen, daß Gießen - natürlich ohne I Convict damals nicht die geeignete Statte zur Heran­bildung zukünftiger katholischer Geistlichen sein konnte. (Ob unsere Stadt im Laufe der Jahre geeigneter geworden

Die Sommer theatzer-Gesellschaft des Herrn Robert Friedrich aus Bremen hat am Mittwoch hier ihren ersten vollen Erfolg gehabt. Nachdem alle ihre bisherigen Versuche an der hartnäckigen Passivität des Publikums gescheitert waren, hat sich nach dem guten Eindruck, den ihre. Vorstellung der altenWohlthätigen Frauen" auf die wenigen Besucher und die Kritik erzielt hatte, bet Theater­verein ihrer angenommen. Damit war von vornherein! für den materiellen Erfolg gesorgt; den ideellen hat sie sich selbst errungen.

Man bot uns Max HalbesJugend", das schöne Frühlingsdrama mit seiner in knappen Zügen sich ent­wickelnden Handlung, und eine das Haus ziemlich, dicht besetzende Zuschauermenge folgte mit gespannter Teil­nahme der Aufführung. . ,

Das Stück ist realistisch nach' Form und Inhalt Aller­dings ist es infolge dessen der Gefahr ausgesetzt, verkannt AU werden. Halbes Bühnentechnik hat nichts gemein mit der alten, die auf Stjelzen einher wandelt und sich, in hals­brecherischen ober eleganten Perioben unb Rebewenbungen, wie man's nehmen will, ergeht, auch! nichts mit jener ber heute noch! beliebten Lustspielfabrikanten, bie sich Szenen

teilen, unb ihn beauftragen, den genannten Betrag an - - - - alsbald

ist, wollen wir mit bem genannten Blatte unerörtert lassen. D. Red. b. G. A.) Deshalb schrieb auch der Mün­chener Professor Windischmann am 5. August 1851 an Ketteler (siehe Holzammer Seite 22 f.):Ew. Bischösl. Gnaden haben eine sehr vorteilhafte Stellung gehabt gegHr- über der Gießener Fakultät Auch dem blödesten Auge mußte einleuchten, daß Ort und Komposition dieser Anstalt einem katholischen Bischöfe nicht genügen können "

Gießener Zustände bilden bie Grunblage, aus bas Holzammer fein Vorgehen gegen bie Universitäts- bitbung ber Theologen aufbaut. Es ist hier nicht ber Ort, was Bischof Ketteler gethan haben würbe, wenn man ihm freigestellt hätte, in Gießen ein Konvikt nach feinem Sinne einzurichten unb gegebenenfalls feinen Theologen ben Besuch unkirchlicher Vorlesungen zu verbieten. Manche glauben, baß er sein Seminar in Gießen eingerichtet haben würde. Doch das sind nur Vermutungen. Von Interesse ist es aber, zu sehen, welchen Einfluß ber Bischof unter so ungünstigen Umständen auf feine Theologen ausuben konnte. Darüber berichtet der schon erwähnte Professor Lutterbeck: (siehe Pfülf, a. a. O. I. S. 239)

Am Schlüße des Wintersemesters zweifelte ta schon niemand mehr, daß es mit der katholisch-theologischen Faku tät zu Ende sei, aber auch, was geschehen werde, wußte niemand Bei dem Wiederbeginn der Vorlesungen ließ stch kein katholischer Theologe blicken, man dachte wohl, warum, aber niemand wußte es. Endl^h unter dem 8. Mai 1851 kam das erste und das letzte amtliche (bischöfliche) Dokument in dieser Sache nach Gießen, ein Schreiben des bischöflichen Ordinariates in Mainz, die Todesbotfchast für die Fakultät enthaltend." c

Wir denken, so fährt das genannte Blatt fort, das genügt, um zu zeigen, wie ohnmächtig eine nebenher gesagt, heute ganz unmögliche Fakultät gegenüber dem B^Was^werden bie Leiter ber heutigen Konvifte bezw. Kollegien an den Universitäten dazu sagen daß der Ver­fasser die in ber Denkschrift des oberrheinischen Epijcopats (12. April 1853) gebrauchten, damals richtigen Ausein­andersetzungen über Konvikte anführt, ohne zu bemerken, daß dies heute nicht mehr stimmt? Es heißt da: (^olz- ammer, S. 48)Die Konvikte sollen reine Staatsanstalttn sein, an welchen ber eigentliche unb allein berechtigte E^ zieher der Kleriker, weil der geistige Vater ber Bischpf nur einen prekären Einfluß hat. Diese Anstalten find ungeeignet, den beabsichtigen Erfolg zu erreichen . Elne anbere Stelle biefer selben Denkschrift verbleut hervor- gehoben zu werben. Es heißt (S. 50):

Wir (die Bischöfe) brauchen hier nicht auf abstrakte Untersuchungen einzugehen, ebensowenig wollen wir den Vorzug, den eine Hochschule als univereitaa literarum und ein Sammelplatz der mannigfaltigsten wiflenschaftlichen Bestrebungen ihrer Idee nach an und für sich vor der Spezialschule blos einer Wiffenschast hat, in Abrede stellen, noch leugnen, daß einzelnen besonders ausgezeichneten Theologen zu ihrer wissenschaftlichen Ausbildung der Besuch einer großen Unwerfität er­sprießlich sein kann, sondern wir haben nur die konkreten Verhältnisse, nämlich die regelmäßige Ausbildung der zukünftigen Geistlichkeit und unsere gegebenen Zustände, in specie Mainz und Gießen tn Betracht zu ziehen."

Bulgarische Zustände.

In Kreisen berWissenben" in ber bulgarischen Haupt- ftabt zirkulieren seit einigen Tagen Gerüchte, benen eine

v. Bechtold.

Bezeichnung bes Kirchenfonds.

BerSrod

Burkhardsfelden

Dorf-Gill

Gießen

Großen-Linden

Grünberg

Harbach

Haufen........

Lang-Göns

Londorf

Ober-Hörgern Oppenrod Rödgen

Rodheim a. d. Horloff . . .

RüddingShaufen

Steinbach.......

Wiefeck........

Winnerod.......

Gießen, den 10. Juli 1900.

Betr.: Das Landgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen

au die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 22. Juni 1900 (Gießener Anzeiger Nr. 147) noch nicht entsprochen haben, werden an deren sofortige Erledigung erinnert.

v. Bechtold.

Gießen, 7. Juli 1900.

Betr.: Den Voranschlag des evangelischen Zentral- kirchenfondS für 1900/1901; hier: die auf die Lokalkirchen- und milden Stistungssonds aus­geschlagenen Umlagen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die evangel. Kirchenvorstände deS KreiseS.

Nach einer Mitteilung Großh. Oberkonfistoriums vom 3. ds. Mts. haben die unten verzeichneten Kirchenfouds für die kirchlichen und geistlichen Zwecke den beigesetzten Beitrag pro 1900/1901 an den evangelischen Zentralkirchenfonds zu

Krktes Blatt. Freitag dm 13. Juli »!><><>

1 ' . A Nezugsprels

Ä W Vierteljahr!. Mk. SM

Gießener Anzeigers

ZV | A4r /V 44* Alle Anzeigen.« ermitNungSstellen des In- und AuSlau»«»

1 II \ <1 I * ff TT 2 PI || PI nehmen Anzeigen für ben Gießener Anzeiger entgegen,

V TV K' TTT' V TT TV TVT V** Zeilenpreir: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pf,.