Tumulte. Ms die Hinausgedrängten, so berichtet die aus polizeilichen Quellen schöpfende „Korrespondenz Wilhelm", sich wiederholt den Eintritt zu erzwingen suchten, stemmten sich ihnen die Nationalen entgegen, und an den Seiten- thoren gab es kleine Scharmützel mit Fäusten und Stocken, bei denen ü>uch „Bummler" vom Kopse geschlagen wurden. Die Szenen waren dorr lautem Schreien ,,Pfür! Abzug ! und „Hoch!" begleitet. Der Lärm drang bis auf die Strahe und hatte auf dem Franzensring große Menschenansammlungen verursacht. Die Aula war gedrängt voll. Druckende Ditze herrschte in dem Raume, der von lauten Stimmen widerhallte Die Universitätsdiener standen ohnmächtig eingeHemint in den Stoffen. Gegen Mittag war die Situ- ation so daß die Nationalen die Aula besetzt hielten und die katholischen Verbindungen unter der Loggia standen und wiederholt einige Schritte weit vorzudringen suchten. Sie wurden unsanft binausgestohen. Als die Srchecheits- wache einschritt und die Höhe der Rampe räumte, wurde sie mit lauten Zurufen empfangen. Die Studenten trommelten an die Scheiden der großen Glasthür und pfiffen. Schließlich zogen die katholischen Verbindungen ab Auf der Rampe und auf den Stufen der großen Freitreppe staiiden Hunderte. Aus der Aula tönten der Sicherheitswache abfällige Rufe entgegen. Die Wache räumte die Rampe und die Treppe, sowie, durch Hilfe verstärkt, das Trottoir der Universität. Unter der Loggia blieb eine kleine Abteilung Wache zurück, während sich die Nationalen noch immer in der Aula aufhielten. Gegen halb- 1 Uhr rückte die Wache vorder Rampe jab, und unmittelbar danach verließen auch die Nationalen die Aula. Während der Krawalle sind mehrere Studenten verhaftet worden. Der Rektor Professor Dr. Neumann hat den akademischen Senat zu efner außerordentlichen Sitzung einberufen, und dieser faßte nach langer Beratung ix-it Beschluß, das Farbentragen innerhalb der Universitätsräume zu verbieten. Weitere Maßregeln stehen bevor.
Jagd und Sport.
Gießen, 11. Mal. Sportplatz an der Hardt. Die Preise fit das große Radrennen am morgigen Sonntag auf hiesigem Sportplätze find in dem Erker der Firma Ernst Blödner, SelterS- weg, ausgestellt. Der Wert derselben entspricht genau der Ausschreibung, doch bleibt es den Siegern überlassen, statt der Preise auch Gutscheine in Empfang zu nehmen, mit denen der Umtausch tn den Geschäften vorgenommen werden kann. Zum Dauerfah^en find sechs Motorfahrzeuge als Schrittmacher genannt. Nach Beendigung der Rennen findet auf der Hardt-Terrasie lnrue Halle) großes Konzert, Prrisoertellung rc. bei freiem Eintritt statt.
Gieße«, 12. Mai. Heute und morgen findet eine Staffetten- Fahrt Straßburg-Berlin statt, die von der Allgemeinen Rad- fahr-Union (Deutscher Touren-Elub) auf Anregung von hoher mtlb 1 irischer Sette veranstaltet wird. Die Staffelte überbringt einen Brief deS Statthalters von Elsaß-Lothrtngrn, Fürsten zu Hohenlohe- Langenburg, sowie ein vom G uvernement in Straßburg veranlaßtes Schreiben des Vionter-BataillonS Nr. 15
Arbeiterbewegung.
L Gieße«, 11. Mai. Zum in Aussicht stehenden Maurer- Ausstand. Der Lohnkommission der Maurer, welche in einem an die in Betracht kommenden Arbeitnehmer gerichteten Zirkular die seitens der Maurer zu stellenden Forderungen spezifiziert hat, ist eine Antwort geworden, dichingehend, daß sich die bett. Meister zur mündlichen Unter
handlung bereit erklären. Behufs Vornahme der weiteren Schritte war für heute nachmittag im Saale des €af6 Leib eine Versammlung ein- berufen, welche wen etwa 400 Personen besucht war. In dieser Versammlung erging sich Genosse Herborn-Frankfurt in längerem Vorträge über die Lohnbewegungsfrage und vertrat die Ansicht, daß an einer Minimalvergütung von 31 Pfg. für jüngere und von 36 Psg. für ältere Arbeiter festzuhalten sei, wie er auch betonte, daß die Lage der Verhältnisse den Abschluß eines jährlich zu erneuernden und für beide Telle auf Jahresfrist bindenden Arbeitsvertrages ins Auge zu fassen sei. Die nach dieser Richtung hin einstimmig gefaßte Resolution lautet: „Die heute im Lass Leib versammelten Maurer von Gießen und Umgegend nehmen Kenntnis von dem Berichte ihrer Lohnkommission, sowie von dem unterm 9. d. Mts. seitens der Herren Arbeitgeber an sie gerichteten Schreiben und drücken ihre Freude darüber aus, daß in demselben die Bereitwilligkeit zur mündlichen Unterhandlung zugesagt wird. Die Versammlung beauftragt dieserhalb die unterzeichnete, von ihr gewählte Kommission mit den in Betracht kommenden Herren Arbeitgebern in Unterhandlung zu treten, und gießt sich der frohen Hoffnung hin, daß eine baldige Regelung der nun schwebenden Lohnfrage erzielt wird, was sowohl im Interesse der Arbeitnehmer, wie auch der Arbeitgeber, liegt." Die Versammlung beschließt im weiteren: „Um während der Zeit der Unterhandlung freie Hand zu haben, kündigen sämtliche Maurer Gießens morgen. Samstag, 12 Mai ihr Arbeitsverhältnis auf, in der Erwartung, daß in dieser Zeit die Unterhandlungen zu einem beiderseitig zufriedenstellenden Resultat führen." Die Kommission wird Im weiteren beauftragt, vorstehend gefaßte Beschlüsse am Samstag, dem 12. Mai den Herren Arbeitgebern zu übermitteln und über die event. gepflogenen Unterhandlungen in einer im Laufe der nächsten Woche stattsindenden Versammlung Bericht zu erstatten. Als Mitglieder der Lohnkommission werden in Vorschlag gebracht und einstimmig ge« wählt: Karl Busch-Gießen, Gg. Sch Sn« Klein-Linden, Wllh. Winter- Gleiberg und Heinrich Fisch er -Großen-Buseck. — Wie wir zuverlässig erfahren, haben sich die dem Baugewerbe angehörigen Arbettgeber, um für etwaige Eventualitäten gesichert zu sein, einem größeren Verbände angeschloffen.
bm. Mainz, 11. Mai. Der von der Mehrzahl der Arbeiter der hiesigen Beleuchtungsindustrie für den kommenden Montag angekündigte Streik wird Dank gegenseitiger Verständigung unterbleiben. Es wurde den Arbeitern eine 9V,stündige Arbeitszeit und eine entsprechende Lohnerhöhung bewilligt. — Die Lohnbewegung der Barbier- und Friseurgehilfen macht sich dagegen hier schon recht empfindlich bemerkbar, indem die Meister keine Gehilfen mehr bekommen können und sich allein oder mit Lehrlingen behelfen müssen. Viele Gehilfen haben Mainz bereits den Rücken gekehrt, um sich außerhalb einen besseren Verdienst zu suchen.
Lrmberg, 11. Mai. Die Situation im Streikgebiet der Holzarbeiter nimmt ein ernstes Aussehen an. Ls sind massenhafte Proklamationen aufrührerischen Inhalts verbreitet, was als Beweis gilt, daß die Bewegung einen politischen Charakter annimmt. Bisher sind 10 Kompagnieen Infanterie, 2 Kompagnieen Jäger und eine Schwadron Husaren in das Streikgebiet abgerückt.
Kirchliche Nachrichten.
SvaugelifHe Gemeinde.
Nächsten Sonntag, den 20. Mai, findet vormittags 8 Uhr Frühgottesdienst, verbunden mit Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukasgemeinde statt.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
12. Mai. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. ** 1.(0—1.10, Hühnereier per St. 0—0 2 St. 10—11 H, Enteneier 2 St. 12—13 4, Gänse«
eier per St. 10—11 H, Käse 1 St. 5—7 Käsematte 2 St. 5—6 Erbsen per Liter 19 Linsen per LUer 30 H, Tauben per Paa: JH, t .83—1.03, Hühner per St. 1.33—2.00, Hahnen per Stück
v* 1.80—1.80, Enten per St. 2.00—2.50, Gänse per Pfund
« n 00 -0.00, vchsenfleisch per Pfd. 68—74 4, Kuh« und Rindfleuch per Pfd. 62— 64 X Schweinefleisch per Pfd. 60—72 Schweine« drisch, gesalzen, per Pfd. 78 Ä, Kalbfleisch per Pfd. 64—66 Hammelfleisch per Pfd. 50—68 4, Kartoffeln per 100 Kilo 4.00 biß 5.00 ^/WÄtraut^rSl. 00-00, Zwiebeln per 6tr. X ».06-9.50, Milch oer Liter 16 H.
Dauer der Marktzeit von 7 Uhr morgens btß 1 Uhr nachmittags. Wahrend der ersten drei Stunden der Marktzett darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden.
Neueste Meldungen.
Paris, 12. Mai. Rothschild in Paris und mit ihm die gesamte hohe Bankwelt Frankreichs hält die Lage des französischen Geldmarktes nicht für geeignet, eine neue russische Anleihe aufzunehmen und hat in diesem Sinne auch den Interessenten Kreisen in Petersburg geantwortet. Dagegen haben die diplomatischen Verhandlungen eine grundsätzliche Geneigtheit der französischen Regierung für eine neue russische Anleihe ergeben, wenn diese auch für den Augenblick noch bei den inbetracht kommenden Finanzkreiseu infolge der aus Petersburg nach Paris gelangten Nachricht, der Zar beabsichtige die Ausstellung nicht zu besuchen, auf Schwierigkeiten stoße. Man meint daher hier annehmeu zu können, daß es den Bemühungen des Finanzministers Witte noch gelingen werde, den Zar von der Notwendigkeit der Pariser Reise zu überzeugen. Diese lasse sich leicht mit einer Reise des Zaren nach Wien zum 70. Geburtstage des Kaisers Franz Josef und mit einem Sommer-Aufenthalt in Wolfsgarten verbinden. In diesem Sinne wirkte auch der kürzlich aus Paris eingetroffene ftanzösische Botschafter in Petersburg, Graf Montebello.
Madrid, 12. Mai. Die Kundgebungen in Barcelona und Valencia sind zu einem förmlichen Anfstande ausgeartet. Die Truppen besetzten die Straßen und die strategischen Punkte. Die Regierung ist entschlossen, mit eisernen Strenge die Bewegung zu unterdrücken. In Barcelona wurde die Universität geschlossen. Alle katalonischen Zeitungen wurden unterdrückt. Auch über Sevilla wurde der Belagerungszustand verhängt. Die Zahl der Toten und Verwundeten ist unbekannt.
Bei Todesfällen
übernimmt die Buohdruokerel des Giessener Anzeigers, Schalstrasse 7, die schnellste Anfertigung von Trauerte riefen und Danksagungskarten, welche auf "Wunsch couvertlrt geliefert werden.
Bekanntmachung,
die Unfallversicherung der in land, und forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen betreffend.
Die im Abdruck nachstehende Bekanntmachung de» Großh. Kreisamts Gießen vom 1. Mai 1900 wird hiermit zur Kenntnis der Grundbesitzer der hiesigen Gemarkung gebracht.
Gießen, den 11. Mai 1900. 3506
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth.
Bekanntmachung.
Die Grundbesitzer, welche ihren Grundbesitz entweder ganz oder teilweise nicht selbst bewirtschaften, werden hierdurch aufgcfordert, bei der Bürgermeisterei derjenigen Gemeinde, in deren Gemarkung die Grundstücke liegen, bis zum 1. Juni l. I schriftlich oder mündlich zu Protokoll ben Antrag zu stellen, daß der auf die Steuerkapitalien ihrer Grundstücke oder einzelner derselben entfallende Beittag zur Berufsgenoffenschaft von einem anderen, als Betriebsunt-rnehmer zur Zahlung Verpflichteten, erhoben werden. Die Anträge müffen auch die nötigen Angaben über die Pacht- «ttägniye der einzelnen Lose enthalten.
Sodann wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß nach § 10 der Verordnung vom 11. Juni 1888 von nachverzeichneten Objekten ein Bei- trag zur Berufsgenoffenschaft nicht erhoben wird :
1 von Grundstücken, welche zu einem land, oder forstwirtschaftlichen Betrieb überhaupt nicht gehören;
2. von allen Gebäuden nebst zugehörigen Hoftäumen, Haus- und
8. von Grundstücken von Betrieben, deren Sitz außerhalb des Landes
4. von ^steuerpflichtigen Grundstücken, deren land- und forstwirtschaft- ' liche Benutzung dauernd eingestellt ist, sei es, daß jede Nutzung aufgehört hat, sei es, daß an Stelle der land« oder forstwirtschaft lichen eine gewerbliche Benutzung getreten ist (z. B. Verwandlung eine« Ackerü in einen Steinbruch).
Diejenigen Grundbesitzer, welche derartige Befreiungrgründe, die sich der amtlichen Kenntnis entziehen, geltend machen können, werden auf« aefördert, die Befreiung bei der Bürgermeisterei derjenigen Gemarkung, in welcher das Grundstück gelegen ist, bis zum 1. Juni l. I zu beantragen.
Gießen, den 1. Mai 1900.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Knnstverein.
Die Aquarelle von Prof. Maenucheu-Dauzig bleibeu nm? «och kurze Zeit in der Gemälde Ausstelluug im Turm Hans am Braud ausgestellt. 3501
Submission
Für unsere Klinik soll die Lieferung von Weißzeug und Kleidungsstücken auf dem Wege der öffentlichen Submission vergeben werden.
Die Bedingungen liegen nachmittags von 3 bis 5 Uhr auf dem Verwaltungsbureau offen.
Offerten, versiegelt und mit ent« sprechender Aufschrift versehen, find bis zum 8. Juni, vormittags 12 Uhr, auf dem erwähnten Bureau abzuaeben. Die Zuschlagsfrist beträgt 14 Tage.
Gießen, den 14. Mai 1900.
Großh. Direktion d. Univ.-Augenklinik.
________Vossius. 8509
Submission.
Für unsere Klinik soll die Lieferung von Weißzeug und Kleiduugs- stückeu auf dem Wege der öffentlichen Submission vergeben werden.
Die Bedingungen liegen nachmittags von 3 bis 5 Uhr auf dem Ver-raltungsbureau offen.
Offerten, versteg-lt und mit entsprechender Aufschrift versehen, find bis zum 9. Juni d. I., vormittags 12 Uhr, auf dem erwähnten Bureau abzugeben.
Die Zufchlagsfrist beträgt 14 Tage.
Gießen, 14. Mai 1900.
Großh. Direktion der chirurgischen Univ. Klinik.
Poppert. 3510
Stadt. Schlachthaus.
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Heute «ud Montag: «Gsfltisitz 50 Bfo.
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