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13.5.1900 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 13 Mai

Erstes Blatt.

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schließlich die beiden Republiken dieselbe Autonomie er­halten würden, wie augenblicklich Australien und Kanada. Die Regierung wird, wenn es sein muß, das Urteil über diese Frage von der gesamten Nation einholen.

London, 12. Mai. Aus Ventersburg wird ge- meldet: Lord Roberts ist hier eingetroffen. Sein Vormarsch aina unter vortrefflichen Bedingungen von statten. Aus Thabanchu wird gemeldet: Die Buren begannen am Donnerstag bei M e q u a v o r z u d r i n g e n.

Kapstadt, 12. Mai. Die ZeitungSouth Afrrca fordert die Verhaftung eines Abgeordneten der Kapkolome, der angeblich einer Person Geld angeboten habe, um M i l N e r zu töte n.

Adresse für Depeschen: -»zeiger Fernsprecher Nr. 51.

Politische Tagesschau.

De, König von Schweden weilt zurzeit in England. Schon lange ist er Ehrendoktor des Zivilrechts der Uni­versität Oxford. Das aber imponiert seinem Minister des Aeußern, dem Baron Lagerheim wenig. Während König Oskar sich in Oxford von dem berühmten Orientalisten Max Müller, der, wie wir unseren Lesern mitteilten, jüngst einen an Redegefechten hin- und herüber reichen Streit mit Mommsen über den Burenkrieg aus­focht, in die Geheimnisie des englischen Universitätswesen einweihen läßt, erhebt der Baron Lagerheim sehr energisch seine Stimme gegen den seinem Lande fernen König in auffallend energischer Tonart und läßt ihm eine gehörige Abfuhr zuteil werden. König Oskar hatte, wie wir kürzlich meldeten, einem Londoner Journalisten seine Ansichten über den Burenkrieg mitgeteilt, und hatte erklärt, daß er mit Bezug auf den Krieg in Südafrika vollständig auf Seiten der Briten stehe, daß er ihre Sache für gerecht halte und in keiner Weise die Buren bei ihren Bemühungen, Sympathie oder Unterstützung von Europa zu gewinnen, unterstützen werde. Ein andere- Londoner Blatt hatte unter Hinweis auf diese Auslassung des Königs Oskar bemerkt, es wäre wohl nicht zuviel gewesen, wenn auch die Kaiser Wilhelm und Franz Joseph bei der Zu­sammenkunft in Berlin ihren Sympathien für England in ähnlicher Weise Ausdruck gegeben hätten. Nun erklärt aber der schwedische Minister des Aeußern, Baron Lagerheim, daß König Oskar lediglich als Privatperson, alsGraf von Haga", seine Sympathien den Engländern ausgesprochen habe, da er weder nach der Verfassung noch nach der Tra- ditton den politischen Standpunkt der vereinigten Königreiche Schweden und Norwegen vertrete. Gin offizielles Dementi würde nur den Aeußerungen eine Bedeutung geben, die sie nicht haben. Man darf nun gespannt fein, zu erfahren, ob auch König Oskar mit dieser Begrenzung ferner Rechte einverstanden ist.

Krieg in Südafrika.

Lord Roberts Meldungen bleiben militärisch kurz A«d deshalb für den wißbegierigen Beobachter einigermaßen unbefriedigend. Seine letzte Meldung ift vom 10. Mal, 9 Uhr abends, und lautet:Ich hatte heute einen erfolg­reichen Tag. Ich trieb den Feind von einem Punkt »um andern. Die britischen Truppen befinden sich jetzt 13 Kilometer nördlich vom Zandfluß. Die Kavallerie und die berittene Infanterie befinden sich in BenkerSburg. Die Division Tucker bei Deelfontein, die Truppen Hamil­tons mit der KavalleriebrigadeBroadwood waren, als ich zuletzt von ihnen hörte, auf dem Marsche nach den Kreuz­wegen in der Nähe von Ventersburg begriffen. Hamilton begegnete hartnäckigem Widerstande. Die Bri­gade Smith-Dorrien war einige Stunden bannt beschäftigt, Hamiltons Nachhut zu schützen Die bisher gemeldeten Verluste sind unbedeutend. Es ist seither keiueNach richt von der Kavallerie oder von Hamilton emge- r°ffCaRan muß sich aus diesen dürftigen Angaben mühsam die Einzelheiten konstruieren. Unter den 13 Kilometer nördlich vom Zandfiuffe stehenden Truppen scheint das bisherige Zentrum gemeint zu stm, du Division Pole- Carew. Die Division Tucker bewegt sich noch immer östlich der Bahnlinie; ihr Standort ist zurzeit Deelfontein am Erasmus Spruit, 13 Kilometer östlich der Bahnlinie. Noch weiter östlich, aber auch nördlicher steht die Kavallerie und die berittene Infanterie in Ventersburg; es können aber hier nur Teile der Kavallerie und der berlttenenen Infanterie gemeint sein, da Jan Hamilton und Broadwood aefonbert genannt werden, wahrscheinlich 3 Kavallerien- aaben unb bie bisher ben linken Flügel bildende berittene ^nfanteriebrigade Hutton. Jan Hamilton endlich mit der 2. berittenen Jnfanteriebrigade unter Ridley, der 2. Kavalleriebrigade unter Broadwood und der Hochlanderbn- gade Mac Donald hat die schwierigste Aufgabe, die Sicherung der rechten Flanke. Er ist beständigen Angriffen der Buren ausgesetzt und hat infolgedessen mit der Cavallerie unter French nicht Schritt halten können, sondern befindet sich noch südöstlich von Ventersburg auf dem Marsche nach einem'Kreuzwege, aus dessen Beschreibung man weiter nichts entn^men tan9n; als daß» in d-r Näh- v°n V°nt°r-bur li-ai Hamilton wird nicht nur in der Front, sondern auch im Rücken vom Feinde belästigt. Wir erfahren bei dieser Gelegenheit auch, daß di- 19. Brigade unter Smith-Dorr,-n, die bisher bei Thabanchu vermutet wurde, ebenfalls den

Deutsches Mch.

Berlin, 11. Mai. Der Kaiser hörte gestern im Schlosse zu Urville den Vortrag des Vertreters des Auswärtigen Amtes von Tschirschky. Heute vormit­tag nahm der Kaiser die Vorträge des KriegsministerK von Goßler und des Chefs des Militärkabinetts vo« 5) a h n k e entgegen. Kaiser Wilhelm ließ aus Urville in einem an den Fürsten Münster gerichteten Telegramm für die Uebermtttelung treuer Anhänglichkeit sowie sur die Glückwünsche der am Montag int deutschen Aus­stellungshause der Pariser Weltausstellung versammelt ge­wesenen deutschen Kolonie danken.

P r i n z V i k t o r N a p o l e o n hat, wie von unter­richteter Seite bestätigt wird, an den deutschen Kaiser aus Anlaß der Volljährigkeit des Kronprinzen ein Glück­wunschtelegramm gesandt. . o ...

Graf Posadowsky begab sich heute nach Leipzig, urft int Auftrage des Kaisers der vom deutschen Buch­gewerbe-Verein veranstalteten Vorfeier der 500. Wieder­kehr des Geburtstages Gutenberg's und der Enthül­lung des allgemeinen deutschen Ehren den km als der Buchdruckerkunst beizuwohnen. Gleichzeitig wird die Er­öffnung des deutschen Buchgewerbehauses und die Ein­weihung der Gutenberghalle erfolgen.

Zu der Meldung der LondonerDaily MailKaiser Wilhelm werde voraussichtlich die Regatta in Cowes in Begleitung des Kronprinzen besuchen, bemerkt die Post, daß zur Zeit noch keine iiäheren Bestimmungen über die Sommerreisen des Kaisers getroffen worden sind, wes­halb es verfrüht ist, schon jetzt von einer Reise nach Cowes zu sprechen.

In der 24. Kommission des Reichstages wurde heute die zweite Lesung des Reichsseuchengesetzes! erledigt. Gegen die Beschlüsse in erster Lesung wurden- nur unwesentliche Abänderungen vor genommen. Fol-t genbe Resolution wird dem Plenum unterbreitet: Den Reichskanzler zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen^ wodurch baldigst für das ganze Reichsgebiet die allgemeine obligatorische Leichenschau vorgeschrieben wird.

Marsch nach Norden angetreten hat. Ihr plötzliches Er« cheinen half der Nachhut Hamiltons aus der Klemme. Man möchte annehmen, daß die abermalige Schwächung des bei Thabanchu zurückgelaffenen Beobachtungskorps doch etwas gewagt ist. ES stehen jetzt hier nur noch Rundles Division und die Kolonialreiter Brabants.

Professor Tom Honey ist mit dem gesamten Stabe des Wales-Hospitals schleunigst aus Kapstadt nach Bloem­fontein berufen worden, wo ärztliche Hilfe dringend er- forderlich ist. Danach scheinen die Verluste am Zand River doch bedeutend er zu fein, als Marschall Roberts anfänglich zugegeben hatte.

Wenn sich aber bestätigt, was Reuter aus Thabanchu vom 10. meldet, so sind die Buren hier jyi Osten von Bloemfontein, weit entfernt, ben Rückzug anzutreten, zu einer neuen kühn en Taktik übergegangen. Die Melbung lautet:Infolge einer Besprechung ihrer Führer sinb bie Buren nach ©üben zurückgekehrt unb haben jetzt eine Linie östlich von Thabanchu inne, die sich 32 Kolometer von Norden nach Süden erstreckt. Die Cavallerie des Ge­nerals Brabant hatte ein Gefecht mit einer feindlichen Patrouille. Man erwartet, daß es von neuem zum Kampfe kommen wird."

Eine derartige Taktik könnte nur das Ziel haben, gegen die englischen rückwärtigen Verbindungen vorzustoßen und Roberts von seiner Verpflegungsbasis in Bloemfontein abzuschneiden. Sie durchzuführen, erfordert einen erheblichen Mut unb Unternehmungsgeist, den man ben Buren wohl zutrauen barf.

lieber die Sage im Südosten des Orauie- staats wird von englischer Seite eine für die Buren sehr ungünstig lautende Meldung verbreitet. Aus Thabanchu wird telegraphiert, Präsident Steijn steht mit zehn--, tausend Burghers in starker Stellung nordöstlich von Tha­banchu bei Egypt. Der Weg nach Norden ist ihm av - geschnitten. Man erwartet, daß die Generale Rundle, Brabant und Hart mit ihren Divisionen das Schicksal seiner Arniee besiegeln und. den Präsidenten tot oder lebendig fangen werden. ,

Aus New Kork wird gemeldet: Die in Sioux Falls tagende Konvention der Populisten erklärte in einer Re­solution, sie sympathisiere mit den tapferen Buren und sei gegen jegliches offene oder geheime Bündnis der Unions­staaten mit einer anderen Nation, das auf die Vernichtung der Freiheit abziele. * c 3

Wie man sich erinnert, wurde Parslow, der Kriegs­korrespondent desDaily Chwnicle" im Beginn des Krieges in Mafeking von dem Leutnant .Kenneth Murchison ermordet.Daily Chronicle" teilt nun über den Fall weitere Einzelheiten mit:Parslow, ein allgemein be­liebter junger Mann, hatte Leutnant Murchison zum Abendessen eingeladen. Nach dem Essen spazierten beide über den Marktplatz nach dem Hauptquartier Baden- Powells zu, um die Tagesbefehle zu empfangen. Es scheint daun ein kurzer Wortwechsel zwischen den beiden Ännem stattgefunden zu haben, den als Parslom Dixon's Hotel verließ (in dem Baden-Powell wohnt), zog Murchison feinen Revolver und schoß den Journalisten nieder. Leutnant Murchison hatte sich am 9. November vor dem Kriegsgericht wegen vorbedachten Mordes zu ver­antworten. Er wurde schuldig befunden und zum Tode verurteilt, aber der Gnade des Höchstkommandierenden empfohlen. Baden-Powell teilte Lord Roberts mit, daß der Offizier zwar zurechnungsfähig, aber jedenfalls ein sehr exzentrischer junger Mann sei. Lord Roberts be- S:e darauf die Verurteilung, begnadigte aber den er, wie wir bereits in Kürze mitgeteilt haben, zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe.

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Telegramme des Gießener Anzeigers.

London, 12. Mai. Aus Maseru wird vom 10. berichtet: Die Freistaatburen ziehen sich in großer Anzahl in den Kvrarmabergen und Hügeln zusammen. Sie stehen unter dem Eindruck, daß die englischen Truppen, die von allen Seiten vorrücken, sie gefangen nehmen werden. Von allen Seiten laufen Berichte ein, daß einzelne Buren sich auf den Farmen versteckt halten, indem sie sich den Tag über in den Bergen und Gebüschen aufhalten, nachts aber in die Farmen zurückkehren. Hin und wieder werden ein­zelne derselben aufgefangen und nach der Front gefetzt.

London, 12. Mai. In einer Rede, die Chamber­lain gestern in Birmingham hielt, erklärte er, daß die englische Regierung die Unabhängigkeit der Buren-Repu­bliken nicht anerkennen könne. Die Buren-Republiken müßten dem Reiche ihrer Majestät einverleibt werden und unter englische Flagge gelangen. Nichtsdestoweniger werde es aber möglich fein, daß den beiden Republiken! kurze Zeit nach der Einverleibung eine Verwaltung wie die von Indien gegeben werde. Die Regierung hoffe sogar, daß

Ausland.

London, 11. Mai. Lord Rosebery hielt gestern bei einem Bankett in Glasgow im Universitätsklud London" eine Rede, in der er ausführte, Großbritannien habe viel von Deutschland z u 1 e r n e n in der außerordent­lichen Industrie, der außerordentlichen Konzentration und der besonnenen Art, womit Deutschland im Vergleich zu England die Regierung unterstütze.

Unterhaus. Brodrick teilt mit, daß wegen des Angriffs von Dorfbewohnern auf die bri­tische Kommission, die die Grenze des Gebiets von Wei­haiwei regulierten, die chinesischen Mitglieder der Kom> mission gewünscht hätten, die Fortsetzung der Grepz- regulierungSarbeiten hinauszuschieben. Die Leiter der bri­tischen Kommission aber seien angewiesen worden, die Arbeiten fortzusetzen, gleichviel ob die chinesische Kommis­sion sich weiter beteilige oder nicht. Den britischen Kom­missaren seien Verstärkungen gesandt. Sie meldeten gestern, daß die Lage im allgemeinen beruhigend fei.

Brüssel, 11. Mai. Wie nunmehr offiziös verlautet, wird der Schah von Persien am 17. Juli in Peters­burg eintreffen und von dort feine Reise nach dem Haa^ Brüssel, Paris und London fortsetzen. In Berlin trift er vom 29. August bis 2. September bleiben und dann üben Wien und Konstantinopel nach Persien zurückkehren.

Paris 11., Mai. Bei der gestern in Marseille ein- getroffenen Post aus Dschibuti befindet sich die letzte Nummer des Journals de Mchibuti, worin das Gerücht verzeichnet wird, daß unter den zahlreichen Leichen, bie das Schlachtfeld von Digdig a bedecken, wo am 17. März die Schlacht zwischen den Truppen M e n e l i k s und den Meuterern stattgefunden hat, Leichen von englischen Soldaten aufgefunden worden seien. Das Gerücht ist noa} nicht bestätigt. Menelik hat eine Untersuchung eingeleitet. Das Blatt erklärt weiter, es werfe em bedenkliche^ Sufa auf die englische Freundschaft mit dem Remis, daß man mit grotzcr W^scheinlichkeit bchaupt-n kann MMe Engländer die Gegner Menelikv mit lebens-