und schwer, gleich den steifen Malereien, die selbst den freundlichsten Gesichtern etwas strenges verliehen. Reich entwickelte sich das Waffenhandwerk, was uns die Rüstungen und Schwerter, die Helme und Schilde beweisen, Gewehre und Pistolen werden mit sorgsamsten Elfenbein- und Perlmutter-Einlagen versehen, und allmählich nimmt der Geschmack an besserer Ausgestaltung der Wohnräume zu, Gold, Silber und Bronze treten dabei mehr und mehr in die Erscheinung, auf schöne Porzellan- und Glasgeräte wird stets höherer Wert gelegt, und Limoges leistet wundervolles in seinen klassisch geformten, in herrlichem Schimmer glänzenden Vasen, Schüsseln, Tellern, die noch heute unerreichte Vorbilder sind.
Verhältnismäßig schnell schwindet der Einfluß des Kirchlichen auf den mit Kunst und Kunsthandwerk in naher Verbindung stehenden Gebieten. Mit leichtbeschwingten Schritten nahen die Grazien und schlagen alle klösterlichen Ueberlieferungen in die Flucht; die Götter Griechenlands und Roms mit ihrem übermütigen Gefolge erscheinen auf Gobelins, jaus Möbeln, auf Bronzezierraten, wir sehen Zeus, wie er seine Untergebenen auf die Erde kommandiert, damit sie dort Freudigkeit verbreiten, und erblicken Madame Juno auf einem Pfau, mehreren Rittern und Jägern zulächelnd — beides Bronzekunstwerke von ausgesuchter Schönheit. Mytologische Szenen lockeren Inhalts werden mit Vorliebe auf Teppichen, Vorhängen und Gemälden dargestellt, der Prunk in den Palästen nimmt von Jahr zu Jahr zu, nicht nur die Tafel, auch die Toilettentische der Damen schmücken sich mit den köstlichsten Gold- und Silbergeräten, die Einrichtungen der Salons, der Schlafzimmer, der Speise- und Wohnräume sind von kokettester Anmut, als ob die Liebesgötter selbst die Anordnungen dazu gegeben — kein Wunder, wir sind ja in das Zeitalter Ludwigs XIV. eingetreten!
Was von dem Regierungsanfang des „Sonnenkönigs" bis zu den Glanztagen Ludwigs XVI. und Marie Antoinettes an Eleganz, an Verschwendung, daneben an vornehmstem Geschmack und künstlerischester Vollendung geleistet wurde, das finden wir hier in geradezu einziger Art vereint; Staat und Private, die Verwaltungen der Museen und Schlösser gaben das beste her, was sie aus jenen 150 Jahren besaßen, und aus all diesen tausendfachen Dingen steigt auf das anschaulichste die Zeit höchster Frivolität und übermütigsten Lebens empor, die, neben ihren Schattenseiten, doch auch das Verdienst hat, daß die schönen Künste und das Kunstgewerbe Aufgaben und Anregungen, sowie die Mittel! zu deren Ausführung erhielten, wie sie ihnen selten vor- und bisher nie wieder zu Teil geworden.
Wenn man durch diese Säle schreitet, hört man unwillkürlich das Knistern der steifen, reichgestickten Brokat- und Seideugewänder, das Klappern der hohen Absätze, die nur den Damen von Stand erlaubt waren, das Auf- und Zufalten der Fächer, welche die Meisterhand eines Watteau, emes Greuze bemalte, ein leises Kichern und Flüstern feiner Stämmchen, die das neueste Erlebnis jenes Kavaliers, das Mngste Abenteuer dieser hochgestellten Dame mit allen Einzelheuen zu berichten wissen, scheint in diesen Räumen zu haften und läßt uns alles mit verdoppeltem Interesse betrachten. Wenn die koketten Sänften dort, mit den Bildern ftohesten Lebensgenusses auf goldigem Lackgrunde, wenn die niedlichen Schlitten da in der Form eines den Nachen aufsperrenden Tigers oder einer einen Blumenkorb auf dem Rücken tragenden Schildkröte erzählen könnten, was würde man da alles erfahren! Denn diese Damen »n den Wänden, mit den ovalen Gesichtchen, den hohen Haarfrisuren, den zerbrechlichen Taillen, den zartesten Händchen und winzigsten Füßchen, die man sich denken kann, sie versuchen wohl, auf diesem und jenem der Porträts ehrpusselig auszuschauen, aber es gelingt ihnen nicht recht, ihre wahre Natur tritt in den Schäferbildern besser zu Tage, in jenen Gemälden, wo «an sie als Göttinnen bei ftohen Spielen oder auf der Jagd sieht, bei Maske
raden und den Vergnügungen in Versailles und Trianon, oder — wie auf dem großen, von Vestier stammenden Bilde — als wohlfrisierte Nymphe soeben dem Bade entstiegen, und zwar mit den lieblichen Zügen der blondlockigen Gräfin Dubois, Hofdame Marie Antoinettes. Ganz anders, stolz und ihres Wertes bewußt, schauen die Herren drein, bald in Rüstungen, bald in Seidengewändern, das blaue Band des Ludwigsordens über der Brust, die mächtigen Perrücken über die Schultern fallend — ach, wie manches der hier wiedergegebenen Gesichter verlor seinen l-ochmütigen Ausdruck, als Robespierre seine Schreckensherrschaft begonnen. Watteau, Nathier, Largilliere, Ri- gaud, Eallet, Greuze, Boucher, Bachelier sind unter den Malern dieser Hofgesellschaft vertreten, und auch in den Sammlungen kostbarer Fächer finden wir ihre Namen.
Wohin wir die Blicke richten, treffen sie auf Leistungen von höchster Kunstfertigkeit, wie bewundernswert ist jene in Marmor ausgeführte Gruppe der drei Grazien, welche Blumen [u:nt eine Säule winden, wobei eine der Holden zwanglos die Hand erhoben hat, der Zeigesinger auf das um das Oberteil der Säule in Form eines Bandes laufende Zifferblatt einer Uhr weist, stets die betreffende Zeit angebend, wie herrlich sind die reich mit Diamanten verzierten, bemalten Dosen, die James Rothschild gesammelt, die silbernen und goldenen Tafelaufsätze, das Geschirr, die Bronzegeräte der Kamine, die riesigen Gobelins, so frisch wirkend, als wären sie erst gestern aus der Weberei hervorgegangen, die einzelnen Möbel und ganzen Salonemrich^- ungen. Den Wert der letzteren kann man daraus ermessen, daß kürzlich bei einer öffentlichen Versteigerung in Paris eine nur acht Stücke umfassende Salongamitur aus der Zeit Ludwigs XV. mit 150 000 Francs bezahlt wurde. Wie mag da der Schwuckschrank Marie Antoinettes bewertet werden, den wir hier sehen und der ziemlich zwei Meter hvch und ebenso breit ist, mit den reichsten Verzierungen aus Goldbronze und Biscuit-Porzellan, die allerlei Götterszenen darstellen, mit Blumenmalereien auf Goldgrund und zarten Perlmüttereinlagen, oben gekrönt durch eine große Bronzegruppe, Mars von Göttinnen umgeben.
Gerichtssaal.
Die symbolische Hundepeitsche.
Das gegen den Reichstagsabgeordneten Dr. Lieber im Dezember v. I. vor dem Reichstagsgebäude verübte Attentat beschäftigte die zweite Strafkammer des Landgerichts I. in Berlin. Unter der Anklage der körperlichen Mißhandlung und wörtlichen Beleidigung wurde dem Gericht der 26 jährige und wegen Aufreizung mit drei Monaten Gefängnis vorbestrafte Verlagsbuchhändler und Schriftsteller Gustav Adolf Brandt aus Neu-Rahnsdorf vorgeführt. Er hatte dem Gericht einen Ablehnungsantrag schriftlich unterbreitet, der nach der Ansicht des Vorsitzenden, Landgerichtsdirektor Kälter, wegen der darin enthaltenen starken Ausdrücke ihm eine Beleidigungsklage zuziehen dürfte. Er beantragte mündlich die Ablehnung der Landgerichtsräte Ziem und Wagner, weil diese in einem früheren Termin mit in dem Kollegium gesessen haben, das aus nichtigen Gründen die Ladung des Dr. Lieber abgelehnt habe. Dieser sei sein haupt- sachlchster Entlastungszeuge, weil er bekunden müsse, daß er gar nicht mißhandelt worden sei. Der zweite Ablehnungsgrund gehe dahin, daß an ihn das Ansirnitm gestellt worden sei, das Attest eines beamteten Arztes über seinen Gesundheitszustand, der ihm das Erscheinen vor Gericht zum vorigen Termin unmöglich gemacht habe, beizubringen. Ein Oberstabsarzt sei nach seiner Ansicht ein beamteter Arzt, die Anrufung eines andern Arztes, zu dem er kein Vertrauen habe, könne man ihm nicht zumuten und kein ehrenhaftes Gericht werde. . . Hier unterbrach der Vorsitzende heftig und drohte ihm, ihn sofort abführen zu lassen, wenn er sich erkühnen sollte, Beleidigungen gegen
das Gerichl auszustoße^ - »ngeff.: Ich beuge mich Ihrer Autorität! - Der Gerichtshof lehnte den Ablehnungsantrag als unbegründet ab, nachdem die La"i>- gerichtsrate Ziem und, Wagner auf Aufforderung sich-dienst, uch dahin geäußert hatten daß fie sich uicht für befangen erachten. Zur Anklage stand em f. Z. viel besprochener Vorfall. Am 12. Dezember mittags gegen 12 ubr 30 Min kam Dr. Lieber in einer Droschke vor dem Portal 2 des Reichstagsgebäudes an. Als er dort eintreten wollte trat ihm der dort postierte Angeklagte entgegen und sagte • „Herr Dr. Lieber, ich bin gekommen, um Rechenschaft tDeLn' des Dr. Sternberg zu fordern!" Dr. Lieber machte eine Handbewegung, damit ihm die Passage freigegeben werde. Der Angeklagte kam aber dieser Aufforderung nicht nach, sondern zog unter seinem Pellerinenmantel eine sogenannte Hundepeitsche hervor und soll damit den Dr. Lieber zweimal über Arm und Schulter geschlagen haben. Der Angeklagte behauptet, daß ein eigentliches Schlagen nicht stattgefunden, daß es fich vielmehr nur um eine „Vermittlungshandlung" gehandelt und er deshalb den Dr. Lieber mit der Peitsche nur s y m- b o l i s ch berührt habe. Er giebt zu, bei dieser Gelegenheit zu Dr. Lieber gesagt zu haben: „Ihnen, dem Meineidshelfer der preußischen Regierung und dem Reichstage irr Sachen des Dr. Sternberg die Hundepeitsche!" Der Vorsitzende fragte nach dem Beweggründe zu diesem Attentat und bemerkte ihm gleich auf das bestimmteste, daß feine Hoffnung, hier den ganzen Fall des entmündigten Oberstabsarztes Tr. Sternberg auftollen zu können, durchaus nicht auf Erfüllung zu rechnen habe. — Der Angeklagte erklärte, daß sein Vorgehen den Zweck gehabt habe, die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Fall des Dr. Sternberg zu richten und auf Verabredung mit anderen Personen beruhe. Er fei der unerschütterlichen Ueberzengung, daß sowohl der Dr. Sternberg, als auch der Dr. B r o z e i t in Tilsit zu Unrecht entmündigt worden sei. Er habe auf Ersuchen des Hauptmanns von Forell seit zwei Jahren sich bemüht, die Entmündigung des Dr. Sternberg zur Aufhebung zu bringen, er habe sich an die Behörden und auch an den Kaiser gewandt, alle Schritte seien aber erfolglos geblieben, und so habe er sich denn zu dem außerordentlichen Schritt gegen Dr. Lieber entschlossen. Dieser habe, als die Entmündigung des Dr. Sternberg schon zwei Jahre bestanden, sich der Sache angenommen unb versprochen, sie vor den Reichstag zu bringen; er sei tief entrüstet über das Vorgefallene gewesen unb habe erklärt gehabt, dafür sorgen zu wollen, daß, im Reichstage kein'preußischer Richter das Referat übernehmen würde. Nachher habe Dr. Lieber aber durch die Behauptung, daß das Verfahren schon vollständig erledigt sei, dazu beigetragen, daß es nicht zur parlamentarischen Erörterung kam. Dr. Liebers Behauptung sei aber nicht wahr gewesen, denn das Verfahren sei noch nicht vollständig erledigt, gewesen, es habe vielmehr noch die Anfechtungsklage gegen den Gerichtsbeschluß geschwebt. Er habe den Dr. Lieber keineswegs körperlich mißhandeln, sondern nur eine symbolische Handlungsweise vornehmen wollen, um die Sternbergsche Angelegenheit vor der Oeffentlichkeit aufzurollen. Er habe vorher mit verschiedenen Herren konferiert, und auch Juristen befragt und erfahren, daß dies das einzige Mittel sei, die Angelegenheit des Dr. Sternberg in Fluß zu bringen. Der Angeklagte beantragte die Vernehmung des Dr. Lieber unb schlug noch zwei Zeugen zum Beweis dafür vor, daß in den That nur eine symbolische Handlung beabsichtigt gewesen sei. — Der Staatsanwalt beantragte die Ablehnung dieser Anträge, da auch die bloße Berührung mit einer Hundepeitsche jedenfalls das Gefühl körperlichen Unbehagens Hervorrufe. Der Gerichtshof beschloß, die benannten Zeugen voizuladen, vorher aber die Akten der Staatsanwaltschaft mit dem Ersuchen zuzustellen, Ermittelungen über die Ver- handlungsfähigkeit des Dr. Lieber anzustellen.
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Nachdem unsere Bank in ihrer Generalversammlung vom 29. März l. I. das Geschäftsanteil jedes Mitgliedes auf Mk. 500.— festgesetzt und weiter bestimmt hat, daß die Einzahlungen zur Ergänzung desselben^ zum mindesten jährlich Mk. 12.— betragen müssen, machen wir darauf aufmerksam, daß diejenigen Mitglieder, welche ihr Geschäftsanteil bis zum 30. Juni l. I. voll einzahlen, ausnahmsweise vom 1. Juli d. I. ab an der Dividende des laufenden Jahres teilnehmen.
Gleichzeitig bringen wir hierdurch zur allgemeine« Kenntnis, daß unsere Bank an den Werktage« täglich von 9 biS LS Uhr vormittags uud von S biS 4 Uhr nachmittags auch von Nichtmit gliedern verzinsliche Darlehen annimmt und dafür, wen« solche V- Jahr und länger stehen, 8V2%, sonst aber nur 3% Zinsen vergütet.
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