Ausgabe 
13.4.1900 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1900

Freitag dm 13. April

20 ffg. an.

*

Bezugspreis Vierteljahr!. Ml. 2,20 monatlich 75 Psg. mit Bringerlohn; durch die Abholrstellen vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Psg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schulflratze Ar. 7.

gebracht.

General Plumer ist in dem Gefecht am 31. März leicht am Arm verwundet worden. Nach einem Telegramm derDaily Mail" ist die Garnison von Mafeking nun­mehr überzeugt, daß Oberst Plumer sie nicht mehr be­freien kann. Die Lage der Garnison gestaltet sich täglich schlechter. Infolge Mangels an Nahrungsmitteln sterben täglich zahlreiche Personen am Hungertyphus. In Prätoria geht das Grücht, daß in Mafeking Oberst Baden- Powell gestorben sei.

Alle Anzeigen« Vermittlungsstellen deS In- und Auslande» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

Jeden

bifl M 28.

ganten lenborden patter *

Gratisdeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt Glätter für hessische Volkskunde._____________

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen.

Fernsprecher Nr. 51.

i>inen

htn AliSwlihl ^nte neue 5^

Da die für die Versorgung der gefangenen Buren ungünstigen Verhältnisie täglich von neuem zu Tage treten, beabsichtigen die Behörden, alle Gefangenen sobald als möglich, nach St. Helena zu verschiffen. Der Krankheitszustand läßt nach. Seit Montag ist eine Person gestorben.

Dr. Leyds ist nach Neapel abgereist, um dort mit den Buren-Deputierten zu verhandeln, ihnen die nötige Auskunft zu erteilen und die von ihnen geplanten Schritte bei den Großmächten zu regeln. ,

Rom, 11. April. DieTribuna" veröffentlicht em Interview der Burengesandtschaft in Neapel. Die Gesandten schwiegen über ihr Reiseziel, das von den Umständen abhänge. Auch über die Kriegsereigmsie waren sie stumm. Ihre Mission habe nur Friedenszwecke. Fischer erklärte auf die Frage nach dem Grund des Krieges, Milner sei mit dem bestimmten Auftrage nach dem Kap gekommen, den Krieg zu provozieren und habe jedes auf den Frieden gerichtete Entgegenkommen der Buren ver­eitelt. Fischer, der in der fünf Tage langen letzten Ver­handlung mit Milner Dolmetscher war, betonte, daß letzterer sich offenbar feindlich zeigte, alle Zugeständnisse der Buren zurückwies, während die Engländer an den Grenzen schon Truppen häuften. Milner gehorchte offenbar geheimen Weisungen Chamberlains, er fälschte sogar Telegramme. Schließlich protestierte Fischer dagegen, daß die Buren I einen Eroberungskrieg planten, sie kämpften nur um ihre Unabhängigkeit. Der Interviewer fügt hinzu, daß er zwei- I mal ins Hotel zurückkehrte, um die Erklärungen Fischer« I authentisch zu fixieren.

Nach Beira sind nach einer Meldung desStandard I am Montag aus Kapstadt mit dem DampferKönig" zwölf I britische Offiziere abgefahren. Das Ziel dieser Offiziere ist bekanntlich Rhodesia, von wo aus die Engländer mit I Hilfe des portugiesischen Neutralitätsbruches von Norden I her in Transvaal einfallen wollen. Auch 800 von Cecil I Rhodes in Ungarn angekaufte Pferde sind von Fiume auf I englischen Dampfern nach Beira abgegangen.

Nach Meldungen aus Prätoria wird die Transvaal- Regierung im Falle der Belagerung Prätorias nach Lyden-

. bis 25 Mk.

Mr

'S»

Meßmer Anzeiger

Heneral-AnMger

r. 87 Zweites Matt

Bei W e p e n e r verloren, wie aus Aliwal North vom Dienstag dasReutersche Bureau" meldet, am Montag die Engländer 11 Tote und 41 Verwundete. Am Dienstag wurde der Kampf wieder ausgenommen. Die Engländer behaupten ihre Stellung gut. (?) . r

Zahlreiche Verhaftungen soll, nach Privatmel­dungen englischer Blätter, Lord Roberts m Bloemfon­tein vorgenommen haben. Unter den nach Kapstadt trans­portierten Verhafteten befinden sich der ^middrost Papen- fus, der Polizeipräfekt Marcus, der.Stadtrat Couch, der Generalpostmeister Brimley, der Kreisphyfikus Kruse und dessen Bruder, der Generalstaatsanlvalt ist. Ferner die Söhne des Besitzers des Royal-Hotel, em Sohn des Rektors vom Grey-Kollegium und der Landdrost Vanzil von Coles- berSßori) Methuen hält sich noch immer in der Gegend von Kimberley auf, ohne sonderliche Erfolge zu erzielen. Amtlich wird vom Montag gemeldet, Lord Methuen rucke auf Hoopstadt vor. - hoopstadt liegt nn Nordwesten des Freistaats. - TieTimes" bringt am Mittwoch chlgendes I Telearamm aus Zwartkopjesfontem vom 9. d. M.: Die Truppen Lord Methuens haben zur Zeit hier Halt gemacht und ein Lagerzehn Meilenö st lichvonB o s h o p auf geschlagen. Die Kavallerie machte heute einen Erkun­dungsritt nach Osten, traf aber nur ein kleine Buren­kommando, welches die Flucht ergriff.

In Natal haben die Buren nunmehr auch die Offen­sive gegen Bullers Armee ergriffen.

Aus Ladysmith telegraphiert dasReutersche Bu­reau" vom 11. April: Die Buren eröffneten heute früh das Feuer und warfen von drei weit voneinander getrenn- ! ten Stellungen Granaten ins britische Lager bei Elands- I laaqte richteten aber keinen Schaden an. Die Geschosse fielen in das Freiwilligenlager. Kavallerie, berittene In­fanterie und Infanterie rekognoszierten und fanden den Feind in großer Stärke und gut verschanzt. Die Schiffsgeschütze erwiderten das Feuer der Buren. Ter ILange Tom" wurde von den Buren wieder in Stellung

stellen eingetreten. Nach, einer vom Dienstag datierten I Bloemfonteiner Meldung desReuterschen Bureaus" kehrt I General Gata cre nach England zurück, an seiner I Stelle ist General Pole-Carew zum Kommandeur I der 11. Division ernannt worden. Voraussichtlich werden I auch in den Kommandos der Brigaden einige Verändere | ungen eintreten. ..... _ I

Die LondonerMornmg Pojt" meint am Mittwoch aus I Bloemfontein vom 9. April: Tie Schanzarbeiten schreiten I auf den Bergen, welche die Stadt beherrschen, flott vor- I wärts. Zu den Arbeiten werden auch Zivilpersonen heran- I 9Cä°& Bethulie wirdReuters Bureau" vom Montag I gemeldet: Die Buren halten thatsächlich den Frei- I staat östlich der Bahnlinie besetzt. Der Feind hat zwölf Meilen östlich von Bethulie Stellung genommen. Dem Reuterschen Bureau wird weiter aus Bloemfontein I vom 9. April gemeldet: Infolge der Erfahrungen, die man hier letzthin gemacht, fiagt man sich ziemlich allge­mein, ob die Briten die Freistaatler nicht allzu Milde be­handelt haben. Die Mißhandlung der Farmer, ivelche die Waffen ausgeliefert haben, hat im Heere große Erregung ^^Nach^den Aussagen eines Sachverständigen, meldet Reuters Burau" aus Bloemfontem, werden die Briten | wahrscheinlich auf einen Verlust von 5000 Pferden ; monatlich rechnen müssen. q

Nach einem Telegramm desBerl. Tagebl. aus Low don nimmt die Bu r e n m a ch t im Oranje-Freistaat täglich ui und wird auf 3000 bis 6000 Mann im Sudosten, des Freistaats geschätzt, doch' scheinen ihre Bewegungen alle mit größter Vorsicht zu geschehen. Marschall Roberts rührt sich bis jetzt nicht in Bloemfontein; feine Leute scheinen ohne jede Reservegarnitur hinausgegangen zu sem, und haben für die bevorstehende kalte Jahreszeit weder Kleider noch Stiefel. Zwar treffen Remonten in großer Zahl em I poch will die Kavallerie von den hauptsächlich argentinischen I Pferden nichts wissen. - DemNewyork-Journal zufolge hat die englische Regierung einen Vertrag über, den An- I kauf von 30000 bis 35 000 amerikanischen Pferden für Südafrika abgeschlossen. Auch diese Pferde aus den Ver- I einigten Staaten werden das Klima m Südafrika schwerlich I aushalten, wenn schon die südamerikanifchen Pferde ver­

bürg verlegt werden.

lunatm- «°» «nz,i?.n zu Mr nachmittag«

filctnt'ffl tag erjcheinrnden Nummer b,S vorm. 10 Uhr.

Abbestellungen spätestens obendS vorher.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen

Am Mittwochmittag hat das e n glif che Kriegs-I a in t sich endlich vernehmen lassen Mit der lakonischen Notiz:Das Kriegsamt hat bisher keine 93 e ft a 11 gun g oon der heute früh gemeldeten Niederlage der Engländer »d Meerkatsfontein." So war es früherbei den Schlappen in Natal auch, und nachher mußte die Wahr­heit dochamtlich" zugestanden werden.

Auch Lord Roberts selbst thut so, als ob er von der I Niederlage noch nichts weiß. Eine Depesche Lord Roberts oom Dienstag aus Bloemfontem besagt: Der Feind war in den letzten Tagen sehr thatig; em Kommando steht nördlich vom Oranjefluß, nicht wett von Aliwal North em anderes greift die Garnison von Wepener an die fid) W tapfer hält und den Buren am Montag schwere Verluste ^^u9t hat 1L April. (Reuter.) Angesichts der iMlrPU'nnmben erläßt Lord Roberts eine Proklamation, der nördlichen Distrikte der Kap- kolonie darauf hmweist, daß er gegen wettere Akte von Feindseligkeiten keine Milde, sondew die äußerste Strenge Les Kriegsrechts in Anwendung bringen werde.

PnnVnn 11 Avril Ein Telegramm Lord Roberts wom^ll d^besagt^' General Buller meldet, der Feind habe

Sn Uen Angriff nicht erneuert. Die englischen Ver- l uste betrügen 4 Tote und 8 Verwundete.

Infolge der englischen Schlappen der letzten Zett find wichtige Personalveränderungen m den hohen Kommando-

Telegramme des Giefteuer Anzeigers.

London, 12. April. DieTimes" veröffentlichen folgendes Telegramm aus Elandslaagte vorn 11 April: Heute früh 8 Uhr bombardierten die Buren das'Lager des Generals Giert) südlich vom Sonntagflusse. Von der dort befindlichen Hügelkette aus konzentrierten die Buren ihr Feuer auf unser Lager, durch das zwei Mann getötet wurden. Die Marinetruppen setzten sich sofort in Bewegung. Gegen 11 Uhr gelang es! ihnen, das feindliche Feuer zum Stillschweigen zu bringen. Gleich darauf wurde das Lager verlassen. Wah­rend des Restes des Tages blieb eine Schützenlinie auf-, gestellt, um den Feind in Schach zu halten. Das Regiment von Yorkshire, das eine Kopje westlich vom Wege nach Dundee besetzt hatte, erlitt ziemlich schwere Verluste durch das feindliche Feuer. Gegen Abend zogen sich die Buren zurück. Sie hatten vier Geschütze in Thätigkeit.

London, 12. April. Lord Roberts telegraphiert aus Bloemfontein: Ein B u r e n - K o m m a n d o steht auf dem Nordufer des Oranjeflusses unweit Aliwal North, während ein anderes die Garnison von Wepener an griff, die tapfer aushielt und den Bur eu am M oti t a g ern st e Verluste zufügte. Major Springer ist gefallen. Andere Verluste sind bisher nicht gemeldet. Zur Hilfe sind schleunigst Truppenabteilungen aufgebrochen. Aus Ladysmith wird vom Mittwochmittag gemeldet: Der Feind , ist letzthin bei Elandslaagte sehr thätig gewesen. Er I machte gestern eine bedeutende Anstrengung, um unsere linke Flanke zu umgehen, und warf eine starke Streitkraft zwischen unser Lager am Sonntag-Flusse und bei Lady­smith. Die Buren eröffneten den Kampf durch das Feuer aus ihrem Hundertpfünder, sowie aus vier 15 Pfündern und anderen Geschützen. Sie bombardierten das englische I Lager, ohne jedoch Schaden anzurichten. Die Engländer! I antworteten mit ihren Schiffsgeschützen, worauf die Kano- I nabe der Buren nachließ. Der Versuch der Buren, die I englische Flanke zu umgehen, wurde im entscheidenden I Augenblick durch Artillerie-Feuer verhindert. Dasselbe I dauerte den ganzen Tag fort, mit Unterbrechungen auch das Jnfanteriegefecht. Die Buren flehen letzt in gro^r

H8SMÄ e

I meldet, die Buren sind bei Wepener k z , t sich die Truppen des ^ben zurück-

| un«aAch°?n.ich, daß der Feind hd)

scheint täglich dii Ausnahme dcS

Montags.

Die Gießener ramittenSlätter ttrbcH dem Anzeiger r Wechsel mitHess, k^üwirt" u. ,-blätter ftt Hess. Volkskunde" 4mal brigelegt.

Der Krieg in Südafrika. '

Nachdem den B u r e n in den letzten Wochen im Klein- , krieg gegen die Robertssche Streitmacht im OranieArei- , paot wiederholt das Kriegsglück zur Seite gestanden, haben ic nun auch wieder einmal einen größeren Erfolg u verzeichnen. Der Schauplatz des Kampfes war die Ge- 6enb nördlich von Bloemfontein in dem gebirgigen Terrain bei Brandfort, ivo die Buren feit Wochen starke Stellungen iniu' hatten, von denen aus sie durch vorgeschobene Tetache- nieitts Lord Roberts beunruhigten. Am 29. und 30 Marz U es zu Vorposten-Gefechten bei Karree Sii^, südlich vor Braudfort, wobei die Engländer nicht zumbestenab- schiiitten. Dann folgten die Burensiege bet Koornspvmt tmi 31. März, südöstlich von Bloemfontein, mit dem Er- oebnis der Wegnahme eines englischen Convois und von sieben Geschützen, sowie der Zerstörung der Bloemfonteiner Misevwerke, sowie am 4. April bei Reddersburg, südlich der Hauptstadt des Oranje-Freistaats, wo 600 Engländer, na£) hartem Kampfe sich ergeben mußten

Diese Erfolge waren das Ergebnis einer Ossenfiv- betrrequnq der Buren, die feit der Uebemahme des Ober- tommandos durch Botha begonnen hatte. Gleichzeitig fan ben im Süden und Südosten Kämpfe mit den dort §ur i Pazifizierung" des Freistaats operirenden englischen Ko- I l'oirrten statt, deren eine in Wepener, nahe dem Basutoland, I M>m den Buren in eiferner Umschließung festgehalten wrrd. I Den Buren scheint es geglückt zu sein, die Eisenbahn südlich I wn Bloemfontein in ihren Besitz zu bringen oder wenig- I stens so stark zu bedrohen, daß es Lord Roberts unmöglich I qemwrden ist, nach dieser Seite hin etwas zu unternehmen. I Zchon seit Ende voriger Woche ist keine Nachricht mehr von I Rvberts an das englische Kriegsamt gelangt Privatnach- I rieten englischer Blätter meldeten, daß die Buren bei der I gtcition Springsontein ständen und die telegraphische Ver- | biitbung mit Kapstadt schon seit Sonntag abgefchnttten sei. I

Nunmehr sind am Mittwoch aus Burenquelle Nach- I richten über heftige Kämpfe gekommen, die sich bereits I aim Samstag voriger Woche in der Gegend sud11ch von Staub fort abgespielt haben. Bei dem mangelhaften .^rtenmalerial läßt sich noch n^n

'3i t der Kämpfe ersehen. Tie Möglichkeit ist nicht aus- schlossen, daß Lord Roberts versucht Hal, durch einen or- stoßnach Norden sich Luft zu machen und dabei einenuener I ontangriffe gegen die befestigten Burenftellungeu riskiert 6a t, die bisher stets verhängnisvoll für die Engländer ausgegaugeu sind. Darauf^ deutet unter anderemder ge- firme Verlust der Buren hin, welche 5 Tote und 9 Ver- Mmdete verloren haben sollen. Der Verlust der Eng­länder dagegen beläuft sich alles in allem genommen ditf rund 15 00«$)? a n n.

Bemerkenswert ist, daß das englische §kriegsamt i.-fotoeiat während Londoner Blätter, darunter auch das Dt-gan Chamberlains, dieDaily Maib^, Nachrichten über di« englischen Verluste veröfientlichen. Der Korrespondenv

Daily Mail" in Pretoria, (Störet), meldet, day der ttiirenaeneral Dewet im Südosten von Bloemfontein ö,rttten Sieg über bie Sngländer davon- getragen hat. Tie Engländer sollen dabei 600 Tote und Verwundete, 500 Gefangene und 12 Wagen Munition verloren haben. Bekanntlich i)t etorety tiu persönlicher Freund des Präsidenten Kruger Seine Meldungen haben bisher auch stets den Thatsachen ent-

mltztN

(d. bis 6.50 M

5 W6ii 2 *

Wch ,20»65

Heren

Stüd Pfg. bie MM

eWH

120 W.1