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13.3.1900 Erstes Blatt
 
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Dienstag den 13. März

1900

Nr. 60 Erstes Blatt.

Bezugspreis

Vierteljahr!. Mk. 2L- monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn;

durch die Abholestellc« viertcljährl. Mk. 1,9- monatlich 65 Pfg.

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GrscheLut ttgNch «eil »u-nahme deS

KantagS.

Die Gießener MamikteußkLIIer »erde« dem Anzeiger i» »rchiel *ttHefs. S«bH*r ».,Matter Wr heg. »alr-kundr" M-chS. 4 »al deigetegt.

Gießener Anzeiger

General-Unzeiger

Aints- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren.

JhbelHee, Expedition und Druckerei:

Kch.kßraße Nr. 7.

Gratisbeilage«: Gießener Familienblätler, Der hessische Landwirt, DtStter für hessische Volkskunde.

Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hieße»« Fernsprecher Nr. 51.

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

ABetr.: Maul« und Klauenseuche.

, WDie Maul- und Klauenseuche zu Stockhausen ist erloschen, und sind die angeordneten Sperrmaßregeln vusgehoben worden.

^MGießen, den 9. März 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Deutscher Reichstag.

164. Sitzung vom 10. März. 1 Uhr.

Eingegangen ist der Samoavertrag mit England und Amerika.

S Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Abg. Gras Stolberg (t'onf.), er habe gestern wegen dringender Behinderung an der Abstimm' n ag über S 14a nicht teilnehmen können; er würde andernfalls mit Aa gefiimtnt haben.

Tagesordnung: Zunächst 3. Lesung der Reichsschulden- o°rdnung. Die Annahme erfolgt unter Streichung der Bestimmung im 5 21 Absatz 2, wonachdie Verjährung der Ansprüche aus zurzeit bereits ausgestellten Jnhaberpapieren (Reichsanlechen) sich unbeschadet der Vorschriften des § 802 des B. G. B. nach den bisherigen Gesetzen bestimmen sollte". Die Streichung erfolgt aus Antrag des Abg. Müller- Fulda (Centr.).

Es folgt die 2. Beratung des Fleischbeschaugesetzes, und zwar wird die Debatte bei § 3 fortgesetzt.

Dieser wie die §§ bis 7 werden debattelos genehmigt.

8 8 der Regierungsvorlage schrieb vor, daß die Untersuchung ge« schlachteter Schweine sich auch auf Trichinen zu erstrecken habe, sofern nicht das Fleisch ausschließlich für den eigenen Haushalt bestimmt sei.

Die Kommission hat den ganzen § 8 gestrichen.

Abg. Wurm (Soz.) empfiehlt einen Antrag Albrecht, den S wieder- h«rzustellen, aber unter Wegfall der zugunsten der Hausschlachtung ge­troffenen Ausnahme.

Abg. Graf Oriola fnl.) bittet, es bei der Streichung zu belassen.

Abg. Graf Klinckowström (kons.) pläidiert in demselben Sinne unter Hinweis darauf, daß die Streichung auf einem Kompromiß mit den süddeutschen Anhängern des Gesetzes beruhe, die keinesfalls mit dem Trichinenschauzwange für Hausschlachtungen einverstanden seien. Die Sozialdemokraten wollten mit ihrem nun eingebrachten Antrag auf namentliche Abstimmung nur die Sache scheitern machen bezw. im Hin- bLick auf die Leere im Hause verschleppen.

Abg. Singer (Soz.) verwahrt seine Partei gegen die Unterstellung solcher Motive.

Abg. Marbe (Centr.) bittet, als Süddeutscher, es bei der Streich­ung des 8 bewenden zu lassen.

Abg. Schrader (frs- Vg.) tritt entschieden für die obligatorische Trichinenschau ein, und zwar ohne Vorbehalt.

Direktor Köhler vom Reichsgesundheitsamt bemerkt, der Stand- pumlt der Regierung zu dieser Frage sei ja bekannt. Die Trichinenschau sei sehr nützlich und wünschenswert. Der Herr Vorredner habe aber mcht Recht, daß die ausländische Trichine weniger gefährlich sei, als die mländische (Bravo! rechts). Er bitte, den § 8 anzunehmen, wie er in ber Vorlage stehe. Den Antrag Albrecht bitte er abzulehnen. Die Regierung habe sich überzeugt, daß die Ausdehnung der Trichinenschau auf die Hausschlachtungen nicht angehe.

Abg. Holtz (Rp.) tritt für Streichung des § ein.

Abg. Müller-Sagan (frs. Vp.) bittet, den 8 8 in der im An­trag Albrecht verlangten Unbedingtheit anzunehmen. Die ganze Fleisch­

beschau habe keinen Wert, wenn nicht wirklich wirksame Vorkehrungen auch gegen die Gefahr der Trichinose getroffen würden.

Abg. Roesicke (Bd. d. L.) verbreitet sich über denEntrüstungs­rummel" der liberalen Presse.

Abg. Vielhaben (Antis.) pläidiert für den Kommissionsbeschluß und behauptet, daß die Trichine bei den Schweinen in Deutschland viel weniger häufig auftrete, als in Amerika.

Abg. Nißler (kons.) dankt der Kommission für ihren Beschluß. Die bayerischen Bauern seien mit der Trichinenschau nicht einverstanden, da sie sie für ganz überflüssig hielten. Redner wendet sich dann noch gegen die Sozialdemokraten.

Abg Wurm (Soz.) bezeichnet die Ausführungen des Abg. Grasen Klinkowström als objektive Unwahrheit und sodann als Lüge. (Präsident Graf Ballestrem ruft den Redner dieserhalb zur Ordnung).

Abg. Schrempf (kons.) weist auf die Schwierigkeiten der Durch­führung der Trichinenschau in Süddeutschland hin.

Abg. Müller-Sagan (frs. Vp.) hält die Trichinenschau für un­bedingt und allgemein geboten.

Damit schließt die Debatte.

Der Antrag Albrecht wird abgelehnt. In namentlicher Ab­stimmung wird § 8 der Vorlage mit 165 gegen 66 Stimmen gestrichen.

Nach 8 12 soll Fleischhändlern, Gast-, Schank« und Speisewirten Vertrieb und Verwendung von nur bedingt tauglichem, aber brauchbar gemachtem Fleisch nur mit polizeilicher Genehmigung gestattet sein.

Abg. Singer (Soz) befürwortet einen Antrag Albrecht, nur die Anzeige" bei der Polizei, nicht deren Genehmigung für erforderlich zu erklären. Diese Aenderung sei nötig, um polizeiliche Chikanen auszu­schließen.

Der Antrag wird abgelehnt.

8 13 der Vorlage bestimmte, daß der Fleischbeschauer den Besitzer zu benachrichtigen hat, wenn er bei der Untersuchung findet, daß das Fleisch zwar zum Genuß tauglich, aber in seinem Nahrungö« oder Genußwerth herabgesetzt ist. Auch auf dieses Fleisch sollen überdies die Vorschriften des 8 12 über das nun bedingt taugliche und brauchbar gemachte Fleisch Anwendung finden.

Die Kommission hat den 8 13 gestrichen.

Ein sozialdemokratischer Antrag auf Wiederherstellung wird nach kurzer Debatte abgelehnt.

Eine Debatte entsteht weiter bei 8 17, welcher vom Pferdefleisch handelt und. u. a. die betreffenden Gewerbtreibenden zu einem ent­sprechenden Anschlag im Geschäftslokal verpflichtet.

Zwei hier eingebrachte Abänderungsanträge werden abgelehnt, und der 8 17 unverändert angenommen

Sonstige bemerkenswerte Debatten entstehen nicht mehr.

Schließlich wird die von der Kommission beantragte Resolution, betr. landesgesetzliche öffentliche Schlachtviehversicherungen widerspruchs­los angenommen.

Montag 1 Uhr: Rechnungssachen, Münznovelle.

Schluß 68/4 Uhr.

* Vom Kriegsschauplatz.

Man hätte erwarten sollen, daß General Roberts, wenn er wirklich

auf dem Weg nach Bloemfontein die feindliche Armee vollständig zersprengt und in die Flucht geschlagen hätte, bereits als Triumphator in der Hauptstadt des Oranjefreistaate eingezogen wäre. Dem ist aber nicht so. Man berichtet nur:

Poplar Grove, 9. März. (Reuter's Bureau.) Eine Abteilung des Generals French, der sich zehn Meilen von der Hauptmacht des Generals Roberts befindet, meldete, daß die Front frei vom Feinde sei, und jeder Bericht daraufhin deute, daß sowohl die Buren von

Transvaal, wie die vom Freistaat sich in dem Zustande der Auflösung befänden. Der Gesamteindruck sei der, daß sich dem weiteren Borrücken der Engländer zwischen Poplar Grove und Bloemfontein kein Wider­stand entgegenstelle. Heute sei eine Menge Muni­tion der Buren einschließlich mehrerer Büchsen mit Ex­plosivgeschossen zerstört worden.

Nun, wenn der Weg frei ist, warum beschreitet man ihn nicht? Man traut der .Auflösung" der Buren nicht, und wagt sich nicht vor. Nicht ganz zwei Stunden weit läßt French seine Reiter ausschwärmen, und verläßt sich bezüglich deffen, was weiter darüber hinausliegt, aufBe­richte" und den Gesamteindruck".

Auf ein weiteres Hindernis raschen und energischen Vorrückens haben wir schon wiederholt hingewiesen: die Schwierigkeiten der Verproviantierung einer Armee von 40 000 bis 45 000 Mann, weit weg von der Eisenbahn, in einem Lande, dessen grundlose sandige Wege die Ochsen­gespanne, auf welche der Transport angewiesen ist, unge­heuer ermüden, und nur sehr langsam vorwärts kommen lassen.

Aus London wird berichtet: Das Erscheinen der Präsidenten Krüger und Steijn im Lager am Modderfluß rief tiefgehende Begeisterung hervor. Die Siegeszuversicht aller Buren ist ungebrochen. Die Stellung bei Abrahamskraal wird nur gehalten, bis das schwere Geschütz aufgestellt und die Hauptstellung eingenommen ist. Tausend bisher Dienstbefreite stellten sich freiwillig. Ueberall bieten sich die Frauen zur Uebernahme des Schutzes im Innern des Landes an, Mährend sie ihre Männer drängen, an die Grenze abzugehen. Freistautler wie Transvaaler zeigen unerschütterliche Entschlossenheit und felsenfesten Glaüben an den endlichen Sieg."

Präsident Krüger

fuhr am 4. abends von Prätoria nach dem Freistaat, um das Burenlager zu besuchen. Auf dem Bahnhofe in Bloem­fontein erwarteten ihn Präsident Steijn und eine große Volksmenge. Krüger hielt eine Ansprache an das Volk, in der er sagte:

Gott legt uns zwar eine harte Prüfung auf, aber ich glaube, das Ende derselben ist nahe. Halten wir nur an unserem Gottesglauben auch im Unglück fest und Gott wird die Flut bald zu unseren Gunsten kehren. Gott wird uns befreien, denn Gott, der uns von altersher freigemacht hat, ist noch derselbe Gott."

Tiefe Rührung überkam die Zuhörer, deren Augen in Thränen standen. Die Menge war sehr bewegt und stimmte das Volkslied an. Dann fuhren die Präsidenten in das Präsidentengebäude.

Die kriegsgefangene« Buren.

Daß Cronjes ganze Truppe nach St. Helena geschickt wird, scheint man nach heute vorliegenden Meld­ungen nicht zu erwarten. DemDaily Telegraph" zufolge hat das Kabinett die Frage in Erwägung gehabt, Cronje

Theater.

Jugend von Heute

eine deutsche Komödie von Otto Ernst. Zur 8. Vor­stellung des Theatervereins am Mittwoch dem 14. März mit Willy Loehr von Darmstadt als Gast.

Am kommenden Mittwoch, dem 14. d. M., wird im Theaterverein die Aufführung eines Stückes stattfinden, welches, wenn man von oem neuesten IbsensWenn wir Toten erwachen" absieht, zweifellos die bedeutendste No­vität des letzten Jahres ist. Kein Theater von irgend ivelcher Bedeutung wird sich der Einverleibung dieses Stückes in sein Repertoir entziehen können, und so haben denn auch die meisten Bühnen dasselbe sofort nach seiner Erstaufführung im Dresdener Hoftheater, wo es in den letzten drei Monaten schon 25 mal jedesmal bei ausver- tcmftem Hause gegeben wurde, erworben, und viele haben es schon aufgeführt.

Um für die bevorstehende Aufführung das richtige Verständnis zu erwecken, sei es uns gestattet, die Tendenz derJugend von heute"denn ein litterarisches Tendenz­stück ist diese Komödie kurz zu charakterisieren.

Schon viele der älteren deutschen Schriftsteller, von Pnul Heyse angefangen, haben es unternommen, eine Satire auf die litterarische heutige Jugend zu schreiben. O'tto Ernst aber gehört selbst der neueren litterarischen Richtung an, und er nimmt infolge seiner reichen litte- rorischen Thätigkeit im Sinne der modernen Kunst­

bewegung eine angesehene Stellung in litterarischen Kreisen ein. Darum wendet er sich nur gegen gewisse Auswüchse des modernen Litteraturlebens, nicht gegen die führenden Geister, in deren Schule er ja selbst gegangen ist. Gegen die Gigerl der neuen Kunst macht er Front, gegen alle jene großsprecherischen aber talentlosen Männlein und Weiblein, welche jeden neuen Gedanken, jede neue Stimmung, jede neue Kunstform bis zur Lächerlichkeit übertreiben, lediglich um von sich reden zu machen. Furcht­los zugleich und komisch hat Otto Ernst dargestellt, wie sie sich mit grotesker Selbstberäucherung gegenseitig be­lügen, wie sie sich mit bewußter Heuchelei zu einer Lob­versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit verbinden, sie, die von Schiller nur als von einem Blechkopp, von Goethe als pon einem Idioten sprechen, die Richard Magners Musik als längst überwundenen Standpunkt betrachten.

Otto Ernst hat es nun in der glücklichsten Weise ver­mieden, alles dies schwerfällig zu behandeln, er ist der Gefahr entgangen, ein Litteraturstück zu schreiben, das durch seine Tendenz den Hörer sehr bald ermüdet hätte. Er hat alles vielmehr in einer lustigen Handlung aus- gedrückt, und in diese noch eine solche Menge Bonmots htnemgeleat, daß man einen halben Band eines Witzblattes damit füllen könnte. Jede einzelne Figur der Handlung hat Otto Ernst sehr sorgfältig individualisiert und mit fein beobachteten Zügen ausgestattet, und so einfach die Handlung im Grunde auch ist, immer giebt es angenehmen Wechsel, unterhaltende Wendungen, hübsche Einfälle und gute Witze. Von der Handlung wollen wir natürlich nur sehr wenig vorher verraten.

Der junge Arzt Hermann Kröger kommt aus Berlin zum Besuch der Eltern nach Hamburg und bringt zwei Freunde mit. Der eine ist Erich Goßler, ein eleganter Tagedieb, der mit Schlagwörtern wie Herrenmoral und Individualität um sich wirst und den ' guten Hermann ganz in seine Netze gezogen hat. Auch Hermann ist unter seinem Einfluß zum Verächter alles Bestehenden geworden, auch erleidet am Leben". Der andere Freund ist ein schmieriger Litterat, der seine verrückten Gedichte für Meisterwerke hält. Interessante Szenen folgen nun zwischen dem Uebermenschen Erich Goßler und Hermanns Jugendgespielin Klara, der klugen Malerin, die den Nitzscheaner Erich gründlich fovpt. Der Kampf zwischen .Hermanns bösem Geist Erich und seinem guten Geist Klara spielt längere Zeit, droht aber sich zu ungunsten Klaras zu entscheiden. Da bietet sich Hermann in der Behandlung seines Bruders, des Obersekundaners Hans Kröger, der bei dem Versuck)e,sich auszuleben", schwer verletzt worden war, eine Gelegenheit zur Bethätigung seiner medi­zinischen Kenntnisse, er besinnt sich auf das, was er dem Leben schuldig ist, auf die Pflicht zur Arbeit, und sagt sich von Erich los.

Als Gast des Abends wird der jugendliche Liebhaber des Hostheaters in Darmstadt, Herr Willy Loehr, auf­treten, dessen Leistungen von der Darmstädter Kritik stets so außerordentlich lobend erwähnt werden. Herr Loehr spielte den Hermann Kröger auch vor einigen Tagen mit großem Beifall in Darmstadt bei der (H:staufführung des Stücks, das auch von dem dortigen Publikum sehr gut aus­genommen wurde.