Ausgabe 
12.10.1900 Zweites Blatt
 
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Seuche, die in verschiedenen Orten unseres Kreises auf- trat, erloschen, regt sie sich jetzt wieder in erheblichem Maße, was ium so unangenehmer empfunden wird, als die Bestellung der Wintersaat die Bespannung der (Geschirre mit Rindvieh dringend nötig hat. In Wenings wurde die Seuche 'durch eine Handelskuh eingeschleppt; in ca. 60 Gehöften ist Sperre ungeordnet. Zwei Bullen, darunter ein Vereinsbulle von hohem Wert, wurden von der Seuche befallen und verendeten schon nach einigen Tagen.

? Aus Oberhessen, 10. Oktober. Infolge des Umstandes, daß die Volks sch ul lehr er nunmehr ein Jahr dienen müssen, macht sich auch in unserem Lande der Mangel an Lehrkräften fühlbar. Für erkrankte Lehrer konnte bis jetzt in verschiedenen Fällen ein Vertreter nicht bestellt werden; auch haben mehrere bereits vor einigen Jahren in den Ruhestand getretene Pensionäre wieder Ver­wendung im Schuldienst gefunden. Hoffentlich wird die Gehaltsangelegenheit der Lehrer bald in befriedigender Weise geregelt; es ist anzunehmen, daß dann durch Zuzug von nichthessischen Schulamtskandidaten dem Lehrermangel gesteuert wird.

D a r m st a d t, 11. Oktober. Der Großherzog em­pfing am 10. Oktober u. a. den Hauptlehrer Pfund el von der Weberschule in Lauterbach, den Pfarrer Kling von Ober-Erlenbach, den Professor Dr. Schmidt, Rektor der Landes-Universität; zum Vortrag den Staatsminister Rothe, den Präsidenten des Ministeriums der Finanzen G n a u t h, den Archivdirektor Frhrn. Schenk zu Schweins- derg, den Kabinettsrat Römheld, den Hostheaterdirektor Werner.

ld Darmstadt, 11. Oktober. (Tel.-Meld, des Gieß. Anz.") Der frühere langjährige Finanzminister W e b e r ist in der vergangenen Nacht nachlängerem Leiden gestorben.

König, 9. Oktober. Wer die sonst hier herrschende Stille gewohnt ist, der wird in einer gewissen Weise über das lebhafte Treiben im letzten halben Jahre erstaunt sein . Am 1. August war beim Einzug des neuvermählten Erbgräflichen Paares eine Menschenmenge in König zu­sammengeströmt, wie sie wohl noch nie hier gesehen wurde. Auch heute herrschte hier ein sehr reges Leben und Treiben. Selbst aus größerer Entfernung waren Fremde gekommen, um bei der Ankunft der Königin Wilhelmina von Holland und der K ö n i g i n - M u 1 ter Emma, die gestern zum Besuche des Erbgrafenpaares eingetroffen sind, zugegen zu sein. Zur festgesetzten Zeit, 7.34 Uhr abends traf der Sonderzug in dem besonders zum Empfang hergerichteten, festlich geschmückten Bahnhof ein. Die Herr­schaften fuhren unter dem Geleite des Schloßhauptmanns und unter begeisterten Hoch- und Hurrarufen durch die dichtgedrängte Menge nach dem Schloß. Heute morgen machten die Königin und die Königin-Mutter von Holland einen Spaziergang in die nächste Umgebung von König. Um halb drei Uhr Nachmittags unternahmen die Majestäten mit dem Erbgrafen und der Erbgräsin eine Fahrt über Kimbach nach Eulbach und über Michelstadt nach König zurück. Mittlerweile waren der Graf zu Erbach-Schön­berg und die Gräfin nebst Tochter Marie Elisabeth zum Besuche hier eingetroffen. Die Herrschaften reisten um 7 Uhr 17 Minuten wieder ab.

Gerichtssaat.

Mainz, 10. Oktober. Das Bootunglück von Bingen be­schäftigte gestern nochmals die Strafkammer. Am Abend des 17. April gegen 9/2 Uhr hörten mehrere Personen in Bingen in der Nähe des Rheines etwa 1520 Minuten lange gellendr Hilferufe vom Strome her. Die Leute, darunter zwei Schutzleute, waren an das Ufer geeilt und ersuchten den eben aus seinem Nachen steigenden Schiffer Jakob Lustenberger von Bingen, doch hinauszufahren, um den etwa Er­trinkenden Hilfe zu bringen; fte seien gerne bereit, mitzufahren. Der Schiffer lehnte das Ansinnen ab; er wollte die Fahrt nur unternehmen, wenn Schiffahrtskundige mit hinausführen. Inzwischen verstrich die .Zeit und die Hilferufe verstummten. Der Schiffer wurde vom Schöffen­

gericht auf Grund des 8 360, Ziffer 10, weil er keine Hilfe ge­leistet hat, zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Erkenntnis legte der Angeklagte Berufung ein, die heute von der Strafkammer als unbegründet verworfen wurde.

Berlin, 10. Oktober. Die bekannte Lübecker Verordnung, welche das Streikpostenstehen unter Strafe stellt, ist nunmehr durch ein Gerichtsurteil als verfassungswidrig gekennzeichnet worden. DieBranden­burger Ztg., das Organ der Sozialdemokraten, hatte die Lübecker Arbeiter­schaft aufgesordert, der Verordnurig Trotz zu bieten, um eine gericht­liche Entscheidung über ihre Rechtsgiltigkeit herbeizuführen. Wegen dieser Aeußerung hatte die Staatsanwaltschaft gegen den damaligen ver­antwortlichen Redakteur derBrandenb. Ztg." Anklage erhoben, weil er angeblich zum Ungehorsam gegen Gesetze oder rechtsgiltige Verord­nungen aufgefordert habe. Das Brandenburger Amtsgericht hat aber die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt und diesen Beschluß wie folgt begründet:Eine nach § m des Strafgesetzbuchs strafbare Handlung ist nur dann vorhanden, wenn das int § 110 bezeichnete Ge­setz (die Verordnung oder Anordnung) objektiv rechtsgiltig erlassen ist. An diesem Erfordernis fehlt es im vorliegenden Fall. Die Lübecker Verordnung betreffs des Verbots des Streikpostenstehens vom 24. April 1900 ist im Widerspruch mit Artikel 2 der Reichsverfaffung und § 2 des Einführungsgesetzes zum Strafgesetzbuch erlassen. Sie greift in die Materie der gewerblichen Koalitionsfreiheit ein, welche die Reichsgesetz­gebung durch § 152153 der Reichsgewerbeordnung in chren Bereich gezogen hat Das Streikpostenflehen ist eines der Mitteln, welche dou den gewerblichen Arbeitern gebraucht werden, um günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erlangen. Die Fassung und der Geist des § 152 der Gewerbeordnung zeigen aber deutlich, daß sich die Reichsgesetzgebung dieser Materie in weitestem Umfang hat bemächtigen wollen. (Vergl. v. Buchka in derDeutschen Juristenztg." 1900, Nr. 15, S. 310 a. E.) Ein Verbot über eine Bestrafung des Streikpostenstehens könne also der­zeit nur im Wege der Reichsgesetzgebung erlassen werden, soweit sie sich auf gewerbliche Arbeiter beziehen solle. Hieraus folgt die Ungtltig- keit der Lübecker Verordnung vom 24. April 1900 und weiter die Un­anwendbarkeit des § 111 des Strafgesetzbuches auf den vorliegenden Sachverhalt."

Uermtschtes.

* Heidelberg, 10. Oktober. Unter sehr zahlreicher Be­teiligung der hiesigen Bevölkerung wurden heute nachmittag die sieben unglücklichen Opfer der Eisenbahnkata­strophe beerdigt. Ein nicht endenwollender Trauerzug, an dem sich die Spitzen der staatlichen, städtischen und Militärbehörden, sowie der Universität und Vertreter der Studentenschaft beteiligten, bewegte sich von der Friedhoss- kapelle zum Begräbnisplatz. Stadtpfarrer Hönig hielt die Trauerrede. Ein Berg von Blumenspenden bedeckte die Gräber. Der Gesangverein Liederkranz und das städtische Orchester vertieften den Eindruck der ernsten Feier mit Passenden Vorträgen. Auch der Minister von Brauer und der Generaldirektor der badischen Staatsbahn, Staatsrat Eisenlohr, waren anwesend. Oberbürgermeister Dr. Wilckeus legte namens der Stadtverwaltung einen Kranz nieder.

Arbeiterbewegung.

Leipzig, 10. Oktober. Die Vertreterkommtssion der Buch­binderei-Arbeiter und Arbeiterinnen Leipzigs hat heute dem Vorsitzenden des Prinzipalverbandes Sperling-Leipzig, unter Zurück­weisung der durch die Einigungskonferenz geschaffenen 54stündtgen Arbeitszeit neu unterbreitet. Bet Ablehnung der Forderung soll die sofortige Wiederaufnahme des Streits erfolgen. Eine Ver­sammlung der Buchbindereibesitzer wird morgen abend zur Forderung der Gehilfenschaft Stellung nehmen. ES ist eine Einigung zu erwarten

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Frankierter vom 1O. Oktober.

Wechsel auf New-York zu 0.00-00.

Prftmien auf Kredit per ult. Okt. 1.75%, do. per ult. Novbr. 3.15 %, Diskonio-Kommandit per ult. Okt. 1.60%, do. per ult. Novbr. 3.00%, Lombarden per ult Okt. 0.70%., do. per ult. Novbr. 1.00%. Deutsche Bank 0.00%,

Notierungen: Kreditaktien 201.80-202.10-000, Diskonto* Kommandit 169.60-170.00-000-000, Staatsbahn 139,10, Lombardei- 24.90-00, Italiener 98 90, Spanier 71.50-00, Sproz. Mexikaner 25 50, Bochumer 167.80-169-168.80 bz., Laura 190.80-191 bz. G., Harpener

173.20-90-000.00 bz., Gelsenkirchen 182.50-183.40 bz., Privat-Dis­kont 4%% G.

1% bv 2% Uhr: Kreditaktien 202,20-201.90-00 bz., Dis- konto-Kommandit 170-169.80-000.0 bz. G., Staatsbahn 139.10 bz. Lombarden 24.90-00.00 b., Laura 190.80, Berliner Handelsgesell­schaft 000.00 bz., 3proz. Mexikaner 00.00 bz, 3proz. Portugiesen 00.00-00 bz., Ottomanbank 000.00 bz , Bochumer 000.60 bz., Deutsche Bank 182.70-3.50 bz., Harpener 176 173.00 bz.

Märkte.

Limburg a. d. Lahn', 10. Oktober. Fruchtmarkt. Durch« schnittspreis pro Malter. Roter Weizen, alter, 00.00 Mk., neuer 13.00 Mk, Weißer Weizen. Mk., Korn 00.00 Mk., neues Korn 11.30 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer, alter, 0.00 Mk., neuer 6.00 Mk., ErbsenMk., KartoffelnMk.

Aus dem Gefchitststeben.

Ein seltenes Jubiläum. v f

Von den bekannten Winters Dauerbrandöfen Germanen sind leit 7 Jahren über 150 000 Stück verkauft. Diese für den Absatz eines Ofens gewaltige Zahl spricht wohl mehr, wie jede andere Empfehlung für die Vorzüge dieses Ofen-Systems, dessen Beschreibung durch jede beffere Ofenhandlung oder den Fabrikanten OSkar Winter, Hannover, zu beziehen ist.___________

Neueste Meldungen.

Berlin, 11. Oktober. Wie dieBerl. Neuest. Nachr." hören, hat in Anbetracht der günstigen Aufnahme, welche die bisher nur vereinzelt in Bruchstücken veröffentlichten Briefe des verewigten Fürsten Bismarck an seine Gemahlin überall gefunden haben, Fürst Herbert Bismarck sich entschlossen, nunmehr eine vollständige Sammlung dieser Briefe, soweit er sie beim Ordnen seiner Archive zusammen­stellen konnte, der Oefsentlichkeit zu übergeben.

Loudon, 11. Oktober. Der Handelsminister Ritchi wird von seinem Posten zurücktreten.

Paris, 11. Oktober. Aus London kommt die Mel­dung, die Liberalen würden gleich nach Beendigung der Wahlen eine parlamentarische Untersuchung über den Transvaalkrieg und namentlich über die Militär­verwaltung verlangen. Die Interpellanten sollen nach ihrer Behauptung über die begangenen Gesetzesverletzungen vor­trefflich mit Beweisen ausgerüstet sein. Die Untersuchung oll die Versetzung Chamberlains tu den Anklage­zustand zur Folge haben. , t

Paris, 11. Oktober. Die Kammer wird sich gleich nach ihrem Zusammentritt mit der Beratung des Haushalts von 1901 befassen und sich einen Tag in jeder Woche zur Diskussion über die Gesetzesvorlagen Vorbehalten. In erster Reihe wird das Gesetz über die Genossenschaften und dasjenige über die Erbschafts- und Getränke-Steuer zur Beratung gelangen.

Madrid, 11. Oktober. Amtliche Nachrichten bestätigen die Entdeckung einer karlistischen Waffenfabrik in Lerida (Katalonien). Ueber hundert fertige und 500 in Arbeit befindliche Gewehre, viele Bajonnette und Maschinen wurden beschlagnahmt. Der Karlistenchef Nimbo mit verschiedenen Genoffen, die dort weilten, wurden ver­haftet_______________________________

-Aul.

3%% 3% 3*/l% 3% 3%%

Kreditaktien . . Diskonto-Kommandit Darmstadter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn Gotthardbahn . . Laurahütte . . . Bochum . . . . Harpener . . . .

5 "/, Italien. Rente 4<V0 Griech Monop 3 % Portugiesen 3°/o Mexikaner .

4% % Chinesen .

Reichsanleihe do

Konsole . . do . .

Hessen . .

94.45

85.3

94.40

85.45

91.30

93.90

42.

23.90

25.60

74.60

Telephonischer Kursbericht

Frankfurt, den 11. Oktober.

. 200.80 . 168.80 . 128.50 . 140. . 140. . 137. . 139.20 . 189. . 167.50 . 172

Tendenz: schwach.

Verdingung.

Die Erd- und Pstasterar- beite« in der HosraiteZum Pfau" etwa 1400 bis 1500 qm sollen

Dienstag de« 16. Oktober, vormittags ll3/t Uhr, öffentlich verdungen werden. Arbeits­beschreibung und Bedingungen liegen bet uns auf Zimmer Nr. 6 zur Ein­sicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Termin einzureichen.

Zuschlagsfrist 18 Tage.

Meßen, den 10. Oktober 1900. Das Stadtbauamt.

___________Schmandt. 6700

Donnerstag den iWhtobrr 1900,

nachmittags 2% Uhr,

sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die der Friedrich Führer Wwe. und Kinder in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 1 Nr. 265Vio 129 qm Hosraite auf dem Seltersweg,

Flur 1 Nr. 266%0 6 qm Stallgrund daselbst

erbverteilungshalber freiwillig unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen versteigert werden.

Gießen, 10. Oktober 1900.

Großh. Ortsgericht Gießen.

I. A : Vogt. 6705

Holzverkaus.

Samstag den 13. Oktober, vor­mittags 11 Uhr, werden auf hiesiger Viehrampe

3 Stämme Nutzholz öffentlich bestbietend gegen Barzahlung verkauft.

Großh. Güterabfertigung Gießen.

Mentzel. 6709

Fste. Spiegelkarpfen

irr Eis 6704

per Pfund 60 Pfg-

I. M. Schulhof.

KilchWMkst!

eingetroffen. 6708

J. NI. Schulhof.

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Männer-Hurnverein Kiesten

Nächsten Samstag den 18. d. Mts , abends 9 Uhr, im «aiserhofl

General - Versammlung.

Tages -Hrdnung: 1. Bericht. 2. Rechnungsablage. 3. Vor­standswahl. 4. Festsetzung des Winter-Programms. 5. Anträge. 6. Verschiedenes lVereinSkneipe).

Wir laden unsere Mitglieder zu dieser Versammlung freundlichst ein und bitten, bei der Wichtigkeit der Tagesordnung recht zahlreich erscheinen zu wollen.

Gießen, den 7. Oktober 1900. 6628

Der Vorstand.

Am 15. Oktober:

Großes ifmlit. Fest;n Andors

verbunden mit

Konzert, Ball und komischen Vorträgen.

Die Musik wird ausgesührt vom Heff. Jäger-Bataillon Nr. 11, Marburg.

Hierzu ladet ergebenst ein 6549

Das Festkomitö uod Gastwirt Robert Ziegler.

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