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12.10.1900 Erstes Blatt
 
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der Dank ausgesprochen.

Abg. Stöcker hielt sodann eine längere Begrüßungs­rede. Er gedachte nochmals mit Worten der wärmsten An­erkennung des verstorbenen Grasen Solms-Laubach und seiner großen Verdienste um die Partei und zog aus der Anwesenheit der Söhne des Herrn Grafen den Schluß, daß jte festhalten wollten in der Gemeinschaft des Geistes an den Zielen des Vaters. Er ging dann ausführlich ein aus die Ausgaben der christlich-sozialen Partei. Dieselbe arbeite ohne Rücksicht auf äußere Erfolge an der Durch­dringung aller Volksschichten mit christlichem und sozialem Geiste. Die vorhandene Kluft könne nur durch die Religion überbrückt werden. Leider habe nicht die Sozialdemokratie, sondern Haß und Anfeindung weiter bürgerlicher Kreise der christlich-sozialen Arbeit am meisten geschadet. Erst müsse eine Umbildung der öffentlichen Meinung, wie sie in so irregeführter Weise bei Gelegenheit der lax Heinze und bei der Verleumdung der evangelischen Missionen zu Tage getreten sei, zu stände kommen. Dazu müsse lebendiges, schlichtes, praktisches Christentum Helsen.

Nach Verlesung einer großen Anzahl von Begrüßungs­telegrammen, darunter eins von v. Bodelschwingh- Bielefeld, hielt Chefredakteur von Oertzen-Berlin den Hauptvortrag über das Thema: Chrifientum, Politik, Weltpolitik.

Dem etwa einstündigen Vortrag lagen ausführltche Thesen zu Grunde. Wir heben folgende hervor:

1. Es ist Pflicht jedes Christen, um der Ehre Gottes und der Liebe zu den Brüdern willen, auch politisch an der christlichen Aus­gestaltung unserer Gesetze und Einrichtungen (wie auch der Kunst und Litteratur) entweder selbst zu arbeiten oder die Arbeit Berufener zu unterstützen. (These 6.) .

2. Nicht von sittlichen, sondern von politischen und wrrthschaft- lichen Antrieben geht in der Regel die sogen. Weltpolitik auL. Gleich­wohl kann üe von der Kirche nicht nur da begrüßt werden, wo Leben und Eigentum ihrer Sendboten im Ausland Schutz sindet, sondern auch allgemein. Denn unmündigen heidnischen Völkern kann Inbesitznahme Wohlthat sein unter der unerläßlichen Voraussetzung, daß ote "mtur, die ihnen gebracht wird, eine christliche ist. Verwerflich dagegen erschemt

lichen Niederlassung unter dem Schutz des militärischen Präsidiums.

Von DrusuS, dessen Feldherrnblick die beherrschende Lage des Saalburgsattels zuerst erkannte, bis zu Antonius PiuS und Caracalla haben die römischen Machthaber Wert auf diesen Standort gelegt. Es entmutigte sie nicht, daß die erste Befestigung, die im Jahre 9 vor Christi Geburt angelegt war, im Jahre 9 nach Christus bereits wieder dem seit der Teutoburger Schlacht vordringenden Germanentum erlag. Größer und stärker erstand der Trutz­bau immer aufs neue, bis der Zusammenbruch des Welt­reichs auch die Fundamente der Saalburg bis auf weiteres begrub. Die verhältnismäßig lange Dauer und die wechsel­vollen Schicksale der römischen Siedelung auf der Saalburg haben es gefügt, daß die Fundstätte ergiebig wurde. Die Opferaltäre, die man aufgestellt hat, entsprechen dem vorgefundenen Original, das seinen Platz an der Innenseite der Porta decumana hat. Die Pylonen tragen den charakteristischen vergoldeten Pinienzapfen, zwei Jupiter- säulen mit dem Blitzbündel sind genau der Säule nach­geformt, die bei Heddernheim ausgegraben wurde, im Vicua novns, über den die Heerstraße von der Saalburg nach Mainz ging. Die Säulen tragen Schilder mir lateinischen Inschriften, die dem Kaiser Wilhelm und der Kaiserin Augusta Viktoria gelten, dem Terror hostium und der Adjutrix piornm, dem Propugnator justitiae und dem Solatium miserorum; dem Feindesschreck und RechtSvorfechter gilt der Wunsch Multis annis imperes, der Frommenschützerin und Armentrösterin die Fürbitte

Deus te conservet. Vom Prätorium ist für die Feier nur das Sacellum errichtet worden, und auch dies nur provi­sorisch aus vergänglichem Stoff, aus Gyps und Holz. Cohausens Bildnis hängt darinnen. Ein Halbkreis, von farbenfrohen Adler-Säulen durch grüne Reisiggewinde ver­bunden, umgibt den Grundsteinplatz. Rote Holzbänke sind als klassische Subsellien für die Festversammlung be­stimmt. Auf diesem Raum spielt sich das Hauptstück des Programms ab.

Wenn der Kaiser das Kastell betritt, grüßen ihn römische Krieger von den Zinnen und Tubachöre ertönen. Truppen und Musik stellt das Homburger Ba­taillon des 80. Jns.-Regiments, die Frankfurter Jnfanterre- und die Bockenheimer Husaren-Kapelle. Ein Cantus steigt, gesungen von Homburger Sängern und Ustnger Seminaristen, zusammen an 200 Stimmen. Sie singen einen Hymnus nach der Art des Felix Dahn'schen Macte, senex Imperator. Gymnasialdirektor Schulz-Homburg hat den lateinischen und deutschen Text eingerichtet. Kapell­meister Iwan Schulz leitet den Gesang. Sodann wird der Präsekt (Schauspieler Schreiner-Wiesbaden) eine lateinische Anrede an den Kaiser halten. Es folgt ein, wenn wir nicht irren, von dem Wiesbadener Hostheaterintendanten v. Hülsen gesprochener deutscher Prolog. Dann wird Bau­rat Jacobi den Kaiser um den Befehl zur Legung des Grundsteins ersuchen. ES folgt die Verlesung d^ von Mommsen verfaßten lateinischen Widmung, die dem Grund­stein einverleibt wird, dann wird der Kaiser mit Kelle und Hammer die Werkzeuge stammen auS den Saalburg-

Dieselbe begann mit dem Gesang eines Chorals und einem von Pfarrer Nebel-Laubach gesprochenem Eingangsgebet. Nach erfolgter Bureauwahl erstattete der Parteisekretär Dr. Bur ckh ar dt-Godesberg den Partei­bericht. Die Mitgliederzahl habe sich verdoppelt. Schöne Erfolge seien zu verzeichnen. Neben dem Hauptverein be­ständen zahlreiche Provinzialorganisationen. Die Einnahme des ersteren habe ca. 5000 Mk. betragen. Mehrfache Agitationsreisen im Westerwald, Siegerland, Westfalen, E furt 2C. hätten überall gutbesuchte Versammlungen auf­zuweisen gehabt. Das Volk hungere nach politischer Auf­klärung, in allen Ständen trete man in die soziale Beweg­ung ein und suche Anschluß. Die christlich-soziale Partei mache hier der Sozialdemokratie den Erfolg streitig. Trotz­dem habe sie unter zahllosen Verfolgungen zu leiden. Er­freulich sei der starke soziale Zug, der namentlich bei den jüngeren Verwaltungsbeamten zum Ausdruck komme. Von ihrer Thätigkeit sei viel zu erhoffen. Dem Sekretär wurde für die Kassensührung Entlastung erteilt und ihm

eine Weltpolitik, welche die Verdrängung christlicher Völker aus Eigen­sucht zum Ziel hat (Kuba, Transvaal), wie andererseits die Vergiftung unmündiger Nationen durch Kultursünden, durch Opium und Branntwein.

3. Evangelische Mission wird nie den weltlichen Arm christlicher Staaten zum Schutz ihrer Arbeit herbeirufen. Aber sie hat auch keine Pflicht, diesen Schutz abzulehnen, wenn er ihr ungesucht zu teil wird. (These 12.)

4. Es liegt einer der schwersten Irrtümer unserer Zeit in der Forderung, daß die evangelische Kirche als solche keine Politik zu treiben, daß sie die Regelung ihres Verhältnisses zum Staat diesem einseitig zu überlasten habe, weil das nur den Staat, sie aber nichts angehe. Die Folge dieses Irrtums sind zwei Millionenevangelische" Sozialdemo­kraten. (These 10.)

Der Redner wendete sich in seinem Vortrag haupt­sächlich gegen die Zurückhaltung weiter evangelischer Kreise politischer und sozialer Arbeit gegenüber, vor allem gegen den übertriebenen Subjektivismus und Individualismus der Gemeinschaftsleute und kam zu dem Satz: befriedigende Zustände könnten niemals erreicht werden allein durch Pre­digt des Evangeliums. Gegen die großen sozialen Schäden in unserm Volk Helse auch kein Almosengeben, sondern nur- die thätigste Mitarbeit. Referent zeigte dann an zahlreichen Beispielen aus dem WohnungSelend in den großen Städten aus der übergroßen Kindersterblichkeit, den traurigen Ver­hältnissen unter den Webern im Gebirge, den Gastwirts- gehülsen u. s. w. wie erschreckend viel noch zu thun. Da- müsse jedem die Augen geöffnet werden und Mitarbeit auf allen Gebieten gefordert werden. In der anschließenden Diskussion bemerkte u. a. Stöcker, es sei durchaus falsch zu sagen, ChistuS habe sich nur an den Einzelnen gewandt und nicht an die großen Mächte, welche man heute Par­teien nenne. Im Gegenteil habe Christus Stellung zu großen politischen und sozialen Kategorien genommen. Seien nicht Schriftgelehrte, Pharisäer und Saduzäer Par­teien des jüdischen Volkes gewesen? Schonungslos sei Christus gegen sie aufgetreten und habe sie als Kollektiv­macht behandelt, unbekümmert um einzelne gute Ausnahmen. Christus sei Individualist nur insoweit gewesen, als jeder Christ sein müffe, weil die Grundlage jeder religiösen Ueber- zeugung die Persönlichkeit sei. Bei weiterem Verharren der Kirchen aus dem Standpunkt, daß sie die öffentlichen Dinge nichts anginge, werde zwar nicht der Protestantis­mus, wohl aber das reformatorische Landeskirchentum dem Siechtum verfallen.

Weiter sprachen noch Fritsch-RuppertSburg, Wahl- Nieder Florstadt, Hüfner-Darmstadt u. a. Die chine­sische Frage wurde dabei besprochen. Stöcker wandte sich gegen die falsche Verbindung von Religion und Politik in der Chinapolitik.

Schließlich wurden die Leitsätze des Referenten an­genommen, ferner eine von Pfarrer Fritsch-Ruppertsburg eingebrachte Resolution:

Der christlich-sozial- Parleiiag spricht !-'n schm-r,Iich-S B-- diluern darüber auS, daß aus Anlaß der chinesischen Wirren die evangelische Mission mit ungerechtfertigten Vorwürfen überhüust worden ist, als ob sie die Schuld an jenem Aufstande trage. Wer die Notwendigkeit, Aufgabe und Betrieb der evangelischen Mission kennt, läßt sich durch solche Vorwürfe nicht beirren. Wir halten e8 umsomehr für unerläßliche Pflicht aller evangelischen Christen, die evangelische Mission kräftigst zu unterstützen, da daS Christen­tum allein die wahre Grundlage eines gesunden Volkslebens und wahrer Kulturentwickelung bildet."

Darauf wurde die Versammlung geschlossen.

Nach dem gemeinsamen Mittageffen begannen um 3 Uhr die auch von Bauern aus der Umgegend zahlreich besuchten

Schlutzverhaudluugeu.

Stöcker sprach über: Die bevorstehenden Han­delsverträge. In klarer Darstellung gab Redner ein Bild unserer heutigen Handelsvertrags- und Zollpolitik. Er wies aus die ungeheuren Schwierigkeiten hin, die der Re­gierung angesichts der zahllosen widerstreitenden Interessen von Industrie und Landwirtschaft bei Abschluß der neuen Verträge erwachse. Regierung und Reichstag seien aus ihrem Posten. Leichtfertige Gewährung von Konzessionen an die Vertragsstaaten sei diesesmal ausgeschlossen, da um­fangreiche Vorbereitungen getroffen, auch durch den sogen, wirtschaftlichen Ausschuß in der ausgiebigsten Weise vorge- arbeitet worden sei. Sollen wir nun die bisherigen Han­delsverträge fortsetzen? Das werden nur wenige Frei- hand-lsl-ut- wollen. Besonder- Schwierigkeit bietet die

sunden - di- Weih- vollziehen und, wie anzunehmen ist, ein- Ansprache halten- Hammerschläge von Wllrd-nträg-rn und Gelehrten, zugesagt haben u. a. die Minister Posa- dowsku und Studt, der Berliner Museumsdirektor Schön, Gch.-Rat Hinzpeter usw., sollen die Feier schließen.

Nach dem Festakt wird Den Ehrengästen von der Stadt Homburg aus der Saalburg ein Frühstück angeboten. Im übrigen werden die Unkosten der Feier aus der kaiser­lichen Schatulle bestritten. Die römischen Kostüme wurden von den Hostheatern in Berlin, Wiesbaden Hannover zur Verfügung gestellt. Von Fürstlichkeiten außer dem Kaiserpaar Prinz Karl von Hess Gemahlin der Feier beiwohnen, zu der auch Unkend dowsky eintrifft. Di- Kaiserin abgelehnt und diese Ablehnung mit ihrem leidenden G

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schäft /st «"stärkt, ^d-r Bahnbetrieb gesteigert, der Mar dis o/r°u° pudueno, wie di- Ausschrist den R-tchSPost. brieftasten wuft, harrt der Ansichtskarten, die Homburger sind in klassischer Stimmung, und alle Auguren weissagen eine schöne Feier. Quod felix, faustum, fortunatum sit

Sodann redete Lic. Weber-M.-Gladbach der Sozial- lemokratie in eindringlichster Weise ins Gewissen wegen hrer großen Undankbarkeit. Er wies sie darauf hin, daß auf der Pariser Weltausstellung keine Tafeln so bewundert worden seien wie die Uebersichten der deutschen Reichs-Arbeiter- Versicherungen, und fragte, in welchem Lande es eigentlich besser stünde wie in Deutschland.

BehrenS-Berlin beleuchtete unter großem Lärm die politische Haltung der Sozialdemokratie, und forderte ihre Vertreter aus, wenn sie so sehr die tausendjährige Kultur der Chinesen feierten, dann auch nach China auszuwandern. (Große Heiterkeit.)

In der weiteren zum Teil sehr erregten Debatte, während deren die in großer Anzahl erschienenen Sozial­demokraten ost großen Lärm machten, redete Vetters noch zweimal, bis gegen 11 Uhr die Versammlung mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland und dem LiedeDeutsch­land, Deutschland Über alles" geschlossen wurde.

s-r. Wetzlar, 10. Oktober.

Oeffentliche Hauptversammlung.

jüdischen Ritualmord ist aufgetaucht, die alten Erzählungen von Sturz und dem Knaben Cybulla werden ' lebendig, und man erinnert sich wieder an den Xantener Schlächter Buschhofs und den kleinen Joauchen Hegemann, au Polna und Tisza-Eszlar. Und so folgt Prozeß auf Prozeß. An die Kette der Beleidigungsprozesse schließt sich die Kette der Meineidsprozesse, und nur der letzte, düstere Schluß fehlt, der Prozeß gegen die Mörder.

Oder wird doch schließlich die liebe Sonne das furcht­bare Geheimnis enthüllen? Jetzt ist Moritz Lewy ver­haftet worden. Ihn und seine Angehörigen und einige ihnen befreundete jüdische Familien bezeichnet bic vox antisemitica als Teilnehmer an der Mordthat. Auch er, der Pineenez-Lewy", gehört nicht zu den Persönlichkeiten, die mau sympathisch betrachtet. Zum mindesten gehört Bescheidenheit nicht zu den Zierden, die ihm eigentümlich sind. Junge Burschen, die vor der Würde des Gerichtes keinen Respekt empfinden, sondern immer wieder in ihre Schranken zurückgewiesen werden müssen, erinnern stets ein wenig an dengepfefferten Baldowerer" in Tickens unsterblichemOliver Twist", der es'- auch vergißt, vor dem Richter die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen. Moritz Lewys Verhaftung steht, wenn man oberflächlich urteilt, nur in losem Zusammenhänge mit dem Morde selbst. Er hat es bestritten, den ermordeten Winter ge­kannt HU haben, auf seine Aussage hin war hauptsächlich das Verfahren gegen Speisiger eingeleitet worden, und die Verhandlung hat nun mit solcher Evidenz das Unzutreffende seiner Aussage nachgewiesen, daß er, wie einst Herr von Tausch, von Gerichtsstelle weg-verhaftet worden ist. Tas mag noch kein Beweis seiner Schuld sein, denn auch der Kriminalkommissar wurde später von demselben Richter, der gegen ihn vorging, freigesprochen, aber wenn im Lützowprozeß eine Art von Suggestion durch Herrn von Marschall ausgeübt wurde, die in melodramatischer Steigerung zur Katastrophe führen mußte, so fehlte in dem jüngsten Konitzer Prozeß dieser Apparat vollständig und Herr Moritz Lewy geriet in Ketten und Banden, ohne daß der Gerichtssaal den Charakter feierlicher Nüchternheit verlor. Und mag der Weg von dem Meineidsversahren gegen den Jüngling mit dem koketten Pincenez bis zur Sühne des Mordes auch weit erscheinen, so fügt sich doch auch die Lawine um einen kleinen rollenden Stein, und eine riesige Maschine tritt in Bewegung, wenn man ein unscheinbares Rädchen dreht. Aus dem Dunkel des Klatsches tritt jetzt das Verbrechen mehr und mehr in das Licht der gerichtlichen Öffentlichkeit.

Aber das Gesamtbild trägt noch einen besonderen Zug, der in dem jüngsten Prozeß mit entsetzlicher Teutlichkeit hervortrat und unwillkürlich dazu treibt, das Motiv der That auf einem Gebiet zu suchen, das noch immer das Vaterland jvon Kapitalverbrechen war. Es liegt eine dumpfe und widerwärtige Atmosphäre von Unsittlichkeit über der That: Wir sehen den Obertertianer Winter und seine Freunde in den intimsten Beziehungen zu einer Reihe halbwüchsiger Mädchen, und längst ist alles abgestreift, was uns die Jugend hold und sympathisch macht. Sie verkehren nicht harmlos und schüchtern miteinander, die Knaben suchen nicht Blumen auf den Fluren, um sie scheu und schüchtern der Angebeteten darzubieten. Das Reiz­volle der Jugendliebe ist untergegangen in einem frechen, ekelhaften Cynismus, dessen Träger ebensogut der er­mordete Winter wie derPincenez-Lewy" war. Es wird einem schwül bei dem Gedanken, daß auf dieser Art von Jugend die Zukunft beruhen soll. Der grauenvolle Blut­dunst der Mordthat vermischt sich mit dem häßlichen Dunst einer sittlichen Verkommenheit, die doppelt abstoßend wirkt, eben weil sie das reine Bild der Jugend in ein Zerrbild verwandelt. So erhebt sich aus dieser Atmo­sphäre nicht das einzelne Verbrechen, sondern eine endlose Reihe von argen Freveln.

4. Christlich-sozialer Parteitag.

s-r Wetzlar, 9. Oktober.

Oeffentliche Volksversammlung.

(Fortsetzung.)

Darauf sprach der Geschäftsführer des christlichen Ziegler-Gewerkvereins, Ellerkamp, über die Gewerk- schastspolitik der Sozialdemokratie. Er bestreitet, daß in der nächsten Zeit eine Neutralität der jetzt in den Händen der Sozialdemokratie befindlichen sogen, modernen freien Gewerkschaften zu erwarten sei, und empfiehlt die christ­lichen Gewerkschaften als den wirksamsten Damm gegen die Umsturzpartei.