Die Diebe sollen in der Richtung nach Mainz geflohen sein. — Gestern abend wurde am Fischthorplatz ein 47jähriger Taglöhner aus Nieder-Lahnstein verhaftet, weil er sich dort auf dem Kinderspielplatz an zwei Kindern vergangen hatte.
Vermischtes.
* Berlin, 10. September. Ueber 140 P ersonen sind in den Orten Bohnsdorf und Grün au bei Berlin durch den Genuß von Kuhfleisch erkrankt.
* Hagen, 10. September. Der Verband deutscher Touristenvereine, dem gegenwärtig rund 106487 Mitglieder in 50 Vereinigungen und seit Dezember v. I. 35 einzelstehende Mitglieder angehören, hielt am Samstag hier seine ordentliche Hauptversammlung ab. Dieselbe war von Delegierten aus ganz Deutschland besucht. Zum Verbände sind seit der letzten Versammlung in Kassel 12 Vereine mit über 2000 Mitgliedern gekommen. Der badische Schwarzwaldverein mit über 8000 Mitgliedern erklärte in der Versammlung seinen Beitritt, sodaß nunmehr die gesamten süddeutschen Vereine dem Verbände angehören. Mit dem Chikagoer Touristenverein, dem Schweden-Norwegischen und dem Pariser VerkehrSvereiu hält der Verband fortgesetzt Beziehungen. Die Rechnung schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 1946 Mk. und einem Bestände von 339 Mk. Der Verkehrsausschuß führt Klage, daß die Eisenbahnverwaltung bezüglich der Reform der Personentarife sich noch fortgesetzt ablehnend verhalten. Die Dampfschiffahrtsgesellschaften sollen um Gewährung häufigerer Fahtunterbrechungen angegangen werden. Die Bearbeitung des deutschen Wanderbuches ist noch soweit zurück, daß ein Termin zur Herausgabe noch nicht angegeben werden kann, da die Beiträge aus einzelnen Bezirken noch ganz fehlen und für einzelne keine Mitarbeiter vorhanden sind. Es werden zur endlichen Fertigstellung die notwendigen Geldmittel bewilligt mit der Maßgabe, daß das Manuskript bis zum 1. April fertiggestellt sein muß, andernfalls andere Mitarbeiter gewonnen werden sollen. Die Wahl des Zentralausschusses für die nächsten fünf Jahre fiel auf den Vogesenklub (in Straßburg i. E.), der auch den Festort für nächstes Jahr bestimmt.
* Graz, 10. September. Von dem Horaz-Gang stürzte ein Gymnasiast aus KremS-Münster, und vom Hochschneeberg eine Beamtenfrau aus Wien ab. Beide Abgestürzte sind schwer verletzt.
* New York, 10. September. Die hier einlausenden Meldungen über die durch den Orkan in Texas ange- richleten Verheerungen sind schreckenerregend. 2000 Personen sollen zu Grunde gegangen sein. In Houston allein beläuft sich der Schaden auf über eine Mill. Dollar. Eine große Menge Schiffe ging unter. Der Orkan blics mit einer Geschwindigkeit von 80 englischen Meilen pro Stunde und drängte das Wasser acht Meilen landeinwärts. Sechs Meilen von der Stadt Houston ist der nächste Punkt, den man erreichen kann, entfernt. 200 Leichen sah man über die Praerie zerstreut. Ein Flüchtling aus Galveston sagte, er habe 150 Leichen am Strande umherliegen sehen. Pianos, Möbel und Häuser sind durch die Macht der Wogen weilenweit landeinwärts geworfen worden, sogar ein großer englischer Dampfer, dessen Name nicht bekannt ist, wurde direkt über die Insel auf das Festland geworfen. Fahrzeuge jeglicher Art im Hafen wurden zertrümmert. Ein halbes Dutzend anderer texanischer Städte ist auch überschwemmt. Beinahe jede Stadt zwischen Galveston und Houston ist weggeweht. In einigen Fällen sind Eisenbahnzüge vom Winde von den Schienen gehoben und zertrümmert worden. Der Gesamt- Schaden wird auf 10 Mill. Doll, geschätzt.
* Ein Duell in Deutfchasrika. Wie der „Voss. Ztg." berichtet wird, hat vor kurzem in Dar-es-Sala m ein Zweikampf zwischen dem Oberrichter v. Eberftein und dem Apotheker Wilms, stattgefunden. Das Duell verlief unblutig.
Kunst und Wissenschaft.
. ~ Die Intendantur der König!. Schauspiele in Wiesbaden
teilt un« mit, daß der „Oberon" in der Wiesbadener Bearbeitung « September am 12., 16., 19., 23., 26. und 30. voraussichtlich zur gelangen wird. Der Spielplan ist im übrigen folgender:
”” *?• September: „Zwei Eisen im Feuer", am 14. „Undine" am io. „Der Postillon von Lonjumeau", am 17. „Seestern", am 18.
„Hänsel und Gretel" (Bajazzo?) „Cavalleria ruaticana“, amJ20. „Gasparone", am 21. „Jugend von heute", am 22. „Othello", am 24. „Die Tochter dcS ErasmuS", am 25. „Carmen", am 27. „Demetrius", am 28. „Der Barbier von Sevilla", am 29. „Othello", event. „Undinr".
Landwirtschaftliches.
— DaS Proviantamt Hanau hat mit dem Ankauf von gesundem, gut gereinigtem Roggen und Hafer neuer Ernte be- oonnen. Der Ankauf von gutem Pferdeheu und gesundem Roggen'Flegelstroh wird rach Maßgabe der vorhandenen Lagerräume fortgesetzt. Roggen-Maschinenstroh wird ebenfalls angenommen, wenn dasselbe gesund, glatt gelegt und fest gebunden ist; auch dürfen die kurzen Teile nicht mit eingebunden sein. Ferner v.'rmittelt genanntes Amt auch Anstellungen von Hülsenfrüchten an die Armee-Konserven-Fabrik Mainz. Bei Roggen-, Hafer- und Hülsenfrucht-Angeboten ist die Einsendung von ungeschmeichelten Proben von reichlich einem viertel Liter erforderlich. Wenn bei großer Entfernung die Lieferung mittels Landfuhren unmöglich ist, dann empfiehlt es sich, daß mehrere Landwirte sich zu einer gemeinsamen Waggon-Lieferung vereinigen und aus ihrer Mitte einen Vertrauensmann (Bevollmächtigten) wählen, der dann mit dem Proviantamte in Schriftverkehr tritt. Adressr für den Frachtbrief: Proviantamt Hanau, Bahnhof Nord. Die Abfuhrkosten von der Bahn betragen 6 Pfg. pro Zentner Hafer oder Roggen und 15 Pfg. pro Zentner Heu oder Stroh. Den Produzenten wird in jeder dienstlich zuläfsigkn Weise entgegengekommen; auf Wunsch der Verkäufer werden Magazinsäcke, jedoch unfrankiert, übersandt; auch werden Frachtkosten und Rollgelder verauslagt. Gekauft und abgenommen werden nur trockene, gesunde und gut gereinigte Naturalien. Ja diesen Tagen wird für Heu 3 Mt. 10 Pfg. und für Roggen-Flegelftroh 1 Mk. 80 Pfg. frei Scheune Hanau bezahlt. Recht rege Zufuhr von Heu und Stroh im Monat September ist erwünscht.
Arbeiterbewegung.
Mainz, 10. September. Der Frkf. Ztg. wird geschrieben: Der Ausstand in den Lederwerken ist in ein neues Stadium getreten, das die öffentliche Meinung stärker als bisher heranzieht. Wir haben hier jetzt einen Streik der Streikbrecher. Ein Berliner Kaufmann Namens Gaikow hat nämlich in Berliner Blättern „mehrere hundert Arbeiter" für eine „neue Fabrik in Mainz" bei hohem Lohn gesucht, und es gelang ihm auch, eine Anzahl anzuwürben. Am Samstag trafen 39 Arbeiter von Berlin hier ein. Sie wurden von dem Geh. Kommerzienrat Michel, dem Leiter der Lederwerke, und einem Polizei- Aufgebot am Bahnhof abgeholt und dann in der Fabrik kaserniert. Eine große Menschenmenge begleitete den Trupp Arbeiter. Man rief den Ankömmlingen zu, daß 450 verheiratete Arbeiter streikten, und ob sie unter diesen Umständen gewillt seien, den Streikenden in den Rücken zu fallen. Am Nachmittag fand eine stark besuchte Versammlung der Streikenden statt, zu der sich auch 14 der von Berlin gekommenen Arbeiter einfanden. Sie erklärten namens sämtlicher Neuangekommenen, daß sie ooni^je-m Kaufmann in Berlin getäuscht worden seien. Er habe ausy^Mich erklärt, daß es sich um keinen Streik handle. Sie gaben werter die Erklärung ab, daß sie in der Fabrik nicht Weiterarbeiten würden. Am gestrigen Sonntag unternahm die Fabrikleitung mit den Neuangekommenen einen Ausflug nach Wiesbaden und hielt ihre Leute dort zechfrei. Am Abend wurden die Arbeiter wieder in die Fabrik zurückgeführt und die Thore verschlossen. Heute aber weigerten sich die Regalierten, zu arbeiten. Sie bestehen auf ihrer Entlassung, die ihnen aber verweigert wird. In den Werkstatt- fenstern lehnen nun unter großem Zulauf des Publikums und der Streikenden die Berliner Arbeiter und protestieren gegen ihre Gefangenschaft. Sie erklären, unter keinen Umständen arbeiten zu wollen. Einem der Berliner Arbeiter gelang es unter großer Mühe, zum Thore hinaus zu entwischen. Durch Plakatanschlag wurde am Samstag den noch arbeitenden Fabrikleuten durch die Direktion mitgeteilt, daß vom 10. September ab die bisher den Arbeitswilligen gewährte Gratifikation von Mk. 2 und Mk. 1 wegfalle, weil der Betrieb auf ein gewisses Maß eingeschränkt werde und Ueberarbeiten nicht mehr notwendig seien. Den Arbeitswilligen wird zugleich der Dank der Direktion ausgesprochen.
Heute mittag wurden sämtliche Berliner Arbeiter aus den Lederwerken entlassen. Sie begaben sich in die Versammlung der Ausständigem, wo sie als Streikende ausgenommen und ihnen Unterstützun gsgelder zugebilligt wurden. Bis jetzt sind Mk. 24,000 Streikgelder aüDgezahlt worden.
Charleroi, 11. September. 3000 ausständige Arbeiter veranstalteten eine Kundgebung gegen die Leiter der Fabrik Moreel in Lodelinsart. Von dort begaben sich die Arbeiter nach Charleroi, wo sie vor dem Lokal der „Gazette de Charleroi" eine lärmende Kundgebung ausführten. Die Gendarmen mußten einschreiten.
Marseille, 11. September. Die Kesselarbeiter haben die Arbeit wieder ausgenommen. Die Tischler beschloffen einstimmig, in den Ausstand einzutreten. Eine neue Lohnbewegung macht sich unter den Kutschern bemerkbar.
Sport, Spiel, Jagd.
Gieße«, 11. September. Wie hervorragende Lunde im Besitze von Mitgliedern des hiesigen alten Vereins zur Züchtung reiner Hunderassen sind, hat die erste pfälzische Hundeausstellung am 9. und 10. September in Pirmasens wiederum gezeigt. Zwei Mitglieder des genannten Vereins haben dieselbe besucht, Herr Fr. Schreiner- Gießen mit 3 Dachshunden und Herr Dr. C. Steffens-Lollar mit 1 Dachshund und 2 Deutschlanghaarigen. Ersterer erhielt darauf 6 erste, 1 zweiten, 1 dritten und 1 Ehrenpreis, letzterer 6 erste, 1 zweiten und 2 Ehrenpreise. Eine bedeutendere Hundeausstellung steht noch in kurzer Zeit in Frankfurt bevor.
Mandel mÄ Verkehr. Volkswirtschaft.
Gtetzrn, u. September. Marktbericht. Auf dem heutige« Wochenmarkt kosteten: Butter ver Pfd. X 0.95—1.30, Hühnereier per St. 0-0 2 St. 13—15 Enteneier 2 St. 00—16 $, Gänse-
eier ver St.°00—00 Käse 1 St. 5—8 H, Kasematte 2 St. 5—6 Jfc,
Erbsen per Liter 24 Linsen per Liter 34 Tauben per Paar
v*. 0.70—0.80, Hühner per St. X 1.00—1.40, Hahnen per Stück X 0 80—1.00, Unten per St. X 1.80—2.00, Gänse per Pfund X 0.00—0.00 Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 H, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 4 Schweinefleisch per Pfd. 50—70 4, Schweine» fleisch, gesalzen, per Pfd. 74 Kalbfleisch per Pfd. 64—66 Hammelfleisch per Pfd. 50—70 Kartoffeln per 100 Kilo 5.00 bi8 7.00 X. Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Ltr. X 5.50—6.00, Milch per Liter 18 H. Bohnen per Pfund 8—10 H.
TelephorrischeMelduugendesGLefienerAuzeikers.
London, 11. September. „Daily Telegraph" meldet aus Loureuzo Marques vom 9.: Am 10. d. Mts. wird noch eine Abteilung portugiesischer Truppen an die Grenze von Transvaal abgehen.
New Hork, 11. September. Zm Hafen von sGal- vestou find acht Dampfer gescheitert. Zn verschiedenen Ortschaften au der Küste wurden 700 Leichen gefunden. Man befürchtet, daß die Gesamtzahl der Opser sich auf^mehrere Tausend beläuft.
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Berlin, 11. September. Wie die „Dtsch. Tgsztg." aus sehr guter Quelle erfahren zu haben behauptet, gedenkt nunmehr die Regierung, den Reichstag in kurzer Zeit zu einer außerordentlichen Tagung einzuberufen, die sich nur mit der China^Frage zu befassen haben wird. Die ordentliche Tagung soll dann in diesem Jahre, da das Beratungs-Material noch wenig vorbereitet ist, erst spät stattfinden.
London, 11. September. Im Laufe des Oktober wird die Organisation der Reserveflotte für den Aermel- Kanal beendet sein. Dieselbe hat den Zweck, der gkriven Aermel-Kanal-Flotte beim Ausbruch eines Krieges zu gestatten, sich ohne Entblößung der englischen Küste mit dem Mittelmeer-Geschwader zu vereinigen.
Paris, 11. September. Aus Petersburg wird gemeldet: Eine reiche Diamantgrube ist in Kamenke im Uralgebirge entdeckt worden. Kamenke befindet sich in der Nähe des Flusses Samara.
Paris, 11. September. Bei dem Brigade-Exerzieren in Bordeaux wurden General Marchand und ein Ordonanz-Offizier infolge eines Automobil-Unsalles nicht unerheblich verletzt.
Madrid, 11. September. Aus verschiedenen Provinzen werden Orkane gemeldet. In Barcelona überschwemmte ein orkanartiger Regen die Straßen. In Motina wurde fast die ganze Ernte vernichtet. Das Wasser erreichte eine Höhe von zwei Metern und verursachte einen ungeheurenSchadenin Handelshäusern, Kirchen usw. Die Behörden haben Maßregeln getroffen, um die am schwersten Betroffenen zu unterstützen.
New York, 11. September. Durch den Orkan sind 50 kleinere Orte vollständig vom Erdboden verschwunden. Die materiellen Verluste belaufen sich auf mehr als 50 Millionen Dollar. Alle im Hafen liegenden Schiffe, etwa 180, sind gestrandet. In den meisten Häusern steht das Wasser 3 bis 5 Fuß hoch. Der Sturm trieb die Hochflut bis zu den höchsten Punkten.
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