Ausgabe 
12.9.1900 Zweites Blatt
 
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M. 213 Zweites Blatt.

Mittwoch den 12. September 15V. Jahrgang 1900

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts« unb Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen

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Der Krieg in Südafrika.

Ueber die weiteren Operationen Bullers meldet' Reuters. Bureau aus. Kapstadt vom 9., Buller habe am

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Gratisbrilagr«: Gießener Familienvlätter, Der heMkche KanLwirt, Klätter fSr heische UoLrlmnde.

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Fernsprecher Nr. 5L

Aus Kapstadt liegen Nachrichten vor über gewisse Aus- sührmigsmatzregeln, die sich als eine Folge der von Lord Roberts ausgesprochenen Einverleibung Transvaals dar­stellen. Wie das Amtsblatt bekannt macht, will die Re­gierung die von der bisherigen Transvaal-Regierung er­teilten Konzessionen daraufhin prüfen, ob sie zu Recht be­stehen. Die Regierung wolle die gesetzwidrig erlangten Konzessionen sowie diejenigen aufheben, die gegen ein öffentliches Interesse zu verstoßen schienen. Da nun von der englischen Regierung abhängige Organe berufen sein werden, darüber zu entscheiden, was das öffentliche In­teresse verletzt oder nicht, so würde auf diese Weise die Giltigkeit aller in Transvaal erlangten Konzessionen in Frage gestellt werden können. Dieses Verfahren entspricht nicht denjenigen Grundsätzen, die bisher von erobernden Staaten in eroberten Ländern angewandt worden sind. Wo es sich um privatrechtliche Verträge handelte, hat die neue Regierung immer die rechtlichen, von der alten Regierung eingegangenen Verpflichtungen anerkannt, ent­sprechend dem Grundsätze, daß Privateigentum auch im Kriege nicht angegriffen werden darf. Die englische Ver­fügung, die jetzt die Konzessionsprüfung und somit auch die Aufrechterhaltung der Konzessionen in die Willkür englischer Organe stellt, hat nicht nur Interesse für die Buren, sondern auch für alle diejenigen Staaten, von denen Angehörige mit Kapital an Konzessionen u. dergl. beteiligt sind. Wenn man nach dem Tone der letzten Tele­gramme aus Kapstadt urteilen wollte, so könnte mau glauben, daß die Engländer auf Grund dieser Verfügung gegen die Transvaal-Eisenbahnen vorzugehen beabsich­tigten; denn nachdem schon vorher wiederholt über diese Bahn Klage geführt worden ist, wird nun die Behauptung aufgestellt, daß jetzt Korrespondenzen aufgefunden wurden, aus denen sich ergeben soll, daß die Gesellschaft als aktiver Kriegführender auf feiten der Buren gestanden habe. Die Gesellschaft soll ihre Werkstätten zu Regierungsarsenalen umgestaltet, die nach dem Kap und Natal führenden Linien, solange sie in der Hgnd der Buren waren, betrieben und dann zerstört haben, als sie wieder in die Hände der Engländer fielen. Unseres Erachtens wird eine Privat­bahn bei einem Kriege, ob sie will oder nicht, es niemals verhindern können, ihr Material in den Dienst des Staates zu stellen, in dem sie sich befindet. Wollte sie das nicht thun, so würde sie sehr rasch dazu gezwungen werden.

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Telegramme beS Lietzener Anzeigers.

London, 11. September.Daily'Mail" meldet: General Buttler, der seiner Zeit wegen seiner pessi­mistischen Berichte über die Schwierigkeiten im Trans­vaal-Krieg in Ungnade gefallen war, wurde zum Kom­mandanten des verschanzten Lagers von Aldershot ernannt.

Johannesburg, 11. September. Eine kleine Ab­teilung Buren unter dem Kommando Therons näherte sich der Stadt und wurde von den englischen Truppen an gegriffen. 9 Mann wurden getötet und verwundet. Die Buren befanden sich in angetrunkenem Zustande. Von der etwa 70 Mann starken Abteilung konnten 50 ent­kommen, die anderen wurden gefangen genommen.

London, 11. September.Daily Mail" glaubt ver­sichern zu können, daß die Buren den Versuch machen werden, über die Grenze nach-, dem deutschen oder portu.^

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Die Wirren in China.

Einem Bericht derPolit. Korrespondenz" aus Peters­burg ist die Erklärung zu entnehmen, daß zwischen Deutsch­land und Rußland die freundschaftlichsten Be- Ziehungen bestehen, und daß man in Rußland über die Auffassung der maßgebenden deutschen Kreise ganz be« ruhigt sei. Immerhin hat es den Anschein, als ob die russische Note doch dadurch mit veranlaßt worden sei, daß man dort anfangs annahm, die militärische Mission des Grasen Waldersee werde zu einer politischen erweitert werden, was anscheinend gewisse Besorgnisse hervorgerufen hat, deren Grundlosigkeit durch die völlige Uebereinstimmung der deutschen und russischen Regierung in diesem Falle nun mit aller wünschenswerten Klarheit dargelegt ist. Die Post" schreibt: Gegenüber den zurzeit in der Presse auf« getauchten sensationellen Meldungen, als ob der Entschluß Rußlands, seine Truppen aus Peking zurückzuziehen, be­reite das Konzert der Mächte gesprengt habe oder doch seinen Verfall in Aussicht stelle, muß daran festgehalten werden, daß auf Seiten aller Mächte der lebhafteste Wunsch besteht, an der Aktion in China festzuhalten. Jeder Vorschlag, der seitens einer Regierung in der Absicht ge­macht wird, die Erreichung der von dem Konzert aufge­stellten gemeinsamen Ziele zu erleichtern, wird daher von sedem Kabinett mit Wohlwollen und ohne Voreingenommen­heit auf seine Ausführbarkeit und Opportunität hin ge­prüft werden.

Nach einer Meldung aus London wird derMorning- post" aus Washington telegraphiert: Wenigstens zwei euro­päische Mächte hätten Salisbury den Vorschlag gemacht, Sir Robert Hart solle zum Bevollmächtigten aller Mächte für die Friedensverhandlungen ernannt werden. Der amerikanische Kommandeur in Peking erhielt Befehl, seine Truppen für den Abmarsch aus Peking bereit zu halten. (?) Weiter wird aus Peking nach London berichtet, daß die Deutschen die Initia­tive ergriffen und eine verbündete Truppe für aktive Operationen in Tschili zu organisieren versuchten. Die verschiedenen Kommandeure wurden ge­beten, noch vor Waldersee's Ankunft Truppen dazu her- zugeben. Ueber dieses Projekt ist bis jetzt noch keine Einigkeit erzielt worden. Die diplomatische Situation wird dadurch kompliziert; es heißt nämlich, die Mehrheit der Kommandeure verwies das Projekt an ihre Regie­rungen. Der Zweck der Truppe ist nicht klar. Wahr­scheinlich soll sie eine Expedition nach Paotingfu unter­nehmen , von wo eine Konzentration der Chinesen ge­meldet wird.

Aus Tokio wird der japanischen Gesandtschaft in Washington gemeldet: Marschall Aamkuche meldet, daß eine Eskadron japanischer Kavallerie den Prinzen Tsching (bekanntlich ein Verwandter des kaiserlichen Hauses) bis nach Peking eskortierte. Vor seiner Ankunft informierte Prinz Tsching den General Fakutschima, daß er den Kaiser nach Peking gerufen habe, um sofort Friedens- Verhandlungen anzubahnen.

. VW dem Standard aus Schanghai berichtet wird, ist ll 6 k-1 «^er. ®r.la& erschienen, der zu beweisen sucht, datz oie Kaiserin die ganze Zeit über nichts von den Angriffen auf die Ausländer gewußt und nichts damit zu thun gehabt habe.

Aus Taku wird vom 5. September telegraphiert: Vier mi deutschen Revier von Peking verhaftete und des «6rk,teOrbA8 überführte Boxer wurden am3.. standrechtlich erschos sen. Im ganzen Palast wurden eine Menge Rapporte an die Kaiserin-Witwe aufgefunden di- genaue Angaben über die Zahl der täglich ermordeten Christin enthielten. Heut- wurde eine Proklamation d-S Polizeiministers Tfchung-li vom Juli aufge- fanden, worin dieser für die Auslieferung jedes männlichen Christen 50, jeder Christin 40, jedes Kindes 30 Taels aussetzt. Tschung-li, welcher der Mithilfe an der Ermordung Kettelers dringend verdächtig ist, wurde bereite in der vorigen Woche in Peking ver­haftet.

Neueren Nachrichten über den Durchmarsch der internationalen Truppen durch den Kaiserpalast in Peking am 28. August ist folgendes nachzutragen: Der Durchmarsch erfolgte morgens um 8 Uhr von Süden nach Norden mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel; nirgends zeigte sich Widerstand. Die Tags zuvor unter­richteten Palastbeamten öffneten die Thore und begleiteten den Zug. Beim AuSgang aus dem Nordthor defilierten die Truppen, durch lebhafte Zurufe begrüßt, vor den

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Generälen und dem diplomatischen Korps. Die russische Militärkapelle spielte bei dem Vorbeimarsch der deutschen AbteilungHeil dir im Siegerkranz", bei dem Vorbeimarsch der französischen Abteilung die Mar­seillaise.

Reuter meldet aus Peking vom 29. August:'Die Deutschen haben heute zwei gezogene 2^ zöllige moderne Geschütze, welche die Chinesen in die Erde vergraben hatten, auSgegraben. Diese bilden nun mit den andern beiden von den Amerikanern in der vorigen Woche auf- gesundenen zwei Geschützen eine vollständige Batterie. Die Amerikaner haben heute auch 500 Pfund Munition ge­funden. Demselben Bureau wird aus Peking vom 31. August berichtet: Die britischen, amerikanischen, russischen und japanischen Truppenkommandeure laffeu eine Prokla­mation anschlagen, worin sie die Frage der Jurisdiktion in den ihnen unterstellten Stadtteilen regeln. Sie erklären, sie würden die Ordnung aufrecht halten, versprechen den Einwohnern Schutz und fordern sie auf, ihre Geschäfte wieder aufnehmen. Man erwartet, daß die Proklamation das Vertrauen der Bevölkerung wiederherstellen werde. Die Straßen sind indessen noch immer verlaffen. Da keine Produkte vom Lande eintreffen, herrscht Mangel an Nahrungsmitteln.

Ein Berichterstatter telegraphiert aus Peking, die Chinesen dort seien allgemein unter dem Eindruck, daß die Ausländer zu bange seien, den kaiserlichen Palast oder irgend ein an­deres amtliches Gebäude zu zerstören. Als bei Beginn der Belagerung der japanische Gesandte zur Meldung von Frei­willigen behufs Teilnahme au der Verteidigung aufforderte, meldeten sich 35 japanische Offiziere, die sich in verschiedenen Eigenschaften in Peking aufhielten; einer war Barbier für Fremde gewesen, ein anderer, ein Artilleriehauptmann, hatte ein photographisches Atelier, daher brauche man sich nicht zu wundern, daß die Japaner so gut unterrichtet seien.

Dem Reuterschen Bureau wird aus Tientsin vom 28.August gemeldet: Für die großen deutschen Truppen­körper, die demnächst ankommen werden, sollen die auf der deutschen Niederlassung stehenden Gebäude zur Ver­fügung gestellt werden; die Amerikaner, die zum Teil jetzt dort lagern, werden daher wahrscheinlich ein neues Lager außerhalb der Stadt ausschlagen.

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Telegramme des Gießener Anzeigers.

Köln, 11. September. DieKöln. Ztg." wendet sich gegen die Veröffentlichung einer Zuschrift in dem Pariser JournalDebats" und weist namentlich die darin aus­gesprochene Verdächtigung zurück, Deutschland beabsichtige in Europa freie Hand zu behalten, während *bie anderen Mächte in Ostasien beschäftigt sind. Das Blatt sagt, es sei schwer verständlich, wie dieDebats" glauben konnten, Deutschland plane in Europa einePolitik der Hinter­list und des Ueberfalles. Nichts habe sich in letzter Zeit ereignet, was zu Heugerungen einer solchen Besorgnis den Vorwand bieten könnte. Das seitens Deutschlands aufgestellte Programm in Bezug auf China decke sich voll­ständig mit dem der französischen Republik: keine Gebiets- Veränderungen, Bestrafung der Schuldigen und Herstellung gesicherter Verhältnisse.

London, 11. September. Prinz Tsching wird den KaiserselbstnachPekingbringew. Aus' Shang­hai wird berichtet, man erwarte einen Angriff der Verbündeten auf die Westang-Lntai-Forts nördlich von Taku. Peitang sei durch Landminen be­festigt worden. Der chinesische General habe Befehl, es aufs äußerste zu verteidigen. - - Weiter kommt aus Shang­hai die Nachricht, Deutschland bereite eine große Operation in das Aangtsethal vor. Man er­wartet, der Vizekönig werde Widerstand leisten. Generale und Gesandten besuchten nach dem Durchzug der Verbün­deten den kaiserlichen Palast. In der Audienzhalle waren 6 Mandarinen, darunter ein Mitglied des Tsung-li-Damen. Der Palast besteht aus vielen unregelmäßigen, mit Schmuck überladenen Gebäuden.

London, 11. September. Aus Shanghai wird ge­meldet, L i - H u n g - T s ch a n g habe ein Memorandum an den Thron gerichtet, in dem die sofortige Rückkehr des Hofes nach Peking verlangt wird.

London, 11. September.Daily Mail" meldet aus Berlin, der Kaiser habe erklärt, er werde keine Un­terhandlungen beginnen, so lange nickst Graf Wal­dersee in Shanghai eingetroffen ist.

Samstag (9.) früh den Mauchberg (etwa 16 Kilometer: östlich von Lydenburg) überschritten und fei weiterhin auf den Feind gestoßen. Eine Depesche Roberts' aus Belfast vom 9. besagt: Ein Offizier der Nachrichtenabteilung tele­graphiert, die Burenstellung zwisck>en Lydenburg und Spitzkop wurde gestern von Lyttleton und Hamilton ange­griffen. Der Feind zog sich auf Spitzkop zurück. In einer späteren Meldung wird mitgeteilt, Buller habe heute morgen den M a n g l i b e r g überschritten. Sein Ge­schützfeuer sei von den bei Lydenburg kommandierenden Offizieren gehört worden. Weiter meldet Lord Roberts: General Freu ch verließ heute früh C a r l i n a und stieß auf seinem Marsche auf erheblichen Widerstand. Er trieb aber den Feind nach und nach aus drei Stell­ungen, wovon eine mit großer Tapferkeit erstürmt wurde. Unsere Verluste sollen unbedeutend sein. Der Feind ließ einige Tote auf dem Gefechtsfelde. French setzt morgen den Marsch auf B a b e r t o n fort. General Hamilton berichtet: Buller griff gestern früh die feindliche Stell­ung auf einer steilen 1500 Fuß hohen Hügelkette an, an deren entferntester Stelle der Spitzkop liegt. Der Weg für die Umgehung war sehr schwierig. Die Infanterie nahm daher, durch Artilleriefeuer gedeckt, die Stellung int Sturme. Der Feind zog sich auf einem schmalen Wege zurück, wobei er viele Leute verlor. Seine Verluste wären noch erheblicher, hätte nicht dicker Nebel geherrscht. Unsere Verluste betragen 13 Tote und 25 Verwundete.

. Die Abendblätter melden aus Johannesburg: Krüger und Steijn sollen nad) der Delagoabai geflohen sein.

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