kamen die Jahre des Exils, die ihn nach der Schweiz, nach Oesterreich-Ungarn, nach Paris und London führten. Pree- torius machte die Bekanntschaft von Garibaldi, Mazzini, Bakunin, Castelar, Kossuth, Viktor Hugo, Heinrich Heine, Fritz Reuter. In Wien wurde er verhaftet, in Budapest unter polizeiliche Aufsicht gestellt, in Rastatt gab man ihm Herberge in den Kasematten. Später zogen die nationalen Einheitsbestrebungen Preetorius mächtig an. Er stellte sich als Freiwilliger für Schleswig-Holstein, kam aber nicht zum Ausmarsch. Daneben trat er in vielen Volksversammlungen scharf auf und bald vollzog sich sein Uebergang vom Nationalverein zur Deutschen Volkspartei. Seine Mitbürger in Alzey wählten ihn zum Stadtverordneten, zum Ehrenpräsident des Gewerbevereins, zum Ehrenmitglied des Turnvereins u. s. w. Er tritt mit einer noch unerledigten Anklage wegen Majestätsbeleidigung in das achte Jahrzehnt feines Lebens.
-x-Frankfurt a. M., 10. September. Am Samstag wurde hier der 9. Verbandstag des Verbandes der Feuerbestattungs-Vereine deutscher Sprache in der Loge „Zur Einigkeit" abgehalten. Um halb zehn Uhr eröffnete der Vorsitzende, Dr. Ed. Bracken- hoeft-Hämburg die Versammlung durch ein Hoch auf Se. Majestät den deutschen Kaiser. Tr. Fritsch begrüßte namens des Frankfurter Vereins die Erschienenen. Darauf erstattete der Vorsitzende Bericht über die letztverlaufenen zwei Jahre seit der Berliner Verbandssitzung. Herr Siedet legte die durchaus klare Rechnungsablage ab. Es folgte die Mitteilung des Preisgerichts über seine Entscheidung, laut der eine Prämiierung in vier Abteilungen stattfand. 1. Abteilung: Entwurf eines Krematoriums in Mainz. Zur Anschaffung empfohlen wurde in erster Linie der Entwurf von W. Mössinger-Frankfurt a. M., ferner die von Karl Müller-Hannover, Fritz Kitzler-Berlin, Adolf Philippe-Wiesbaden, von Ferstel-Wien und G. Rud. Risse-Zittau. 2. Abteilung: Entwurf einer Colum - bariumswaud. Zur Anschaffung empfohlen wurden die Entwürfe von A. Gottschalk-Chemnitz und R. Vogel- Hannover. 3. Abteilung: Einzelbeisetzungsstätte. Zum Ankauf empfohlen die Entwürfe von F. Hitzig-Zürich und Fr. Klee-München. 4. Abteilung: Gefäße zur Aufnahme von Aschenresten. Zur Anschaffung empfohlen die Entwürfe von Fr. Palme-Mettbach und G. Korompay-Wien. Die Ausstellung zog mit Recht die rege Aufmerksamkeit aller Versammlungsteilnehmer auf sich. Die weiteren Verhandlungen betrafen innere Angelegenheiten. Die vorgeschlagenen Statutenänderungen wurden abgelehnt. Dagegen wurde ein Antrag des Nürnberger Vereins in der Fassung des Ritters von Kuh-Wien angenommen : Der Vorstand wolle daran gehen, Mittel und Wege zu finden, um die Ausführung des Nürnberger Vorschlags auf Anstellung eines Wanderredners auf Verbandskosten möglich zu machen und in absehbarer Zeit den Vereinen geeignete Vorschläge zu erstatten. In den Verbandsvorstand wurden wiedergewählt die Herren Dr. Brackenhoeft-Hamburg und Siedek-Wien; neu gewählt wurden Herr Markus-Berlin in den Vorstand und als Ersatzmänner die Herren Hofrat Dr. Drahna-Stuttgart und Herr Hauptmann Kery-München. Als Ort für die nächste 10. Verbands-Versammlung wurde Danzig gewählt.
Vermischter.
* Tie Ausgabe der neuen deutschen Kolouialbriefmarkeu ist zum 1. Oktober vorgesehen. Zur Verteilung gelangen zunächst die Werte bis zu 80 Pfennig, da die höheren Werte von 1 Mk. an noch nicht hergestellt sind. Auch die Wertzeichen für Deutsch-Ostafrika können am 1. Oktober noch nicht erscheinen. Zur Ausgabe gelangen demnach die Werte zu 3, 5, 10, 20, 25, 30, 40, 50 und 80 Pfg. nebst den erforderlichen Postkarten für zehn Kolonien und fremde Länder, in denen sich deutsche Postanstalten befinden. Es ergiebt dies bereits etwa 170 verschiedene Wertzeichen. Das Bild ist bekanntlich aus sämtlichen Marken für die Schutzgebiete dasselbe: ein in voller Fahrt befindlicher Dampfer auf weißem Hintergrund. Das Wertzeichen für die verschiededenen Kolonien unterscheidet sich durch die Angabe des Namens des Gebietes. Für die deutschen Postanstalten in der Türkei, in Marokko und in China werden Germaniamarken mit entsprechendem schwarzem Ueberdruck hergestellt.
* Saarbrücken, 9. September. Der Schnellzug 141 Paris -Frankfurt a. M. fuhr heute morgen gegen 8y3 Uhr bei der Einfahrt in den Bahnhof Birkenfeld Neubrücke auf eine in demselben Geleise haltende Rangiermaschine. Führer und Heizer der Rangiermaschine wurden erheblich verletzt. Beschädigung an Material ist unbedeutend. Der Schnellzug erlitt 15 Minuten, Zug 501 der Zweigbahn nach Birkenfeld eine Stunde Verspätung. Sonstige Betriebs-Störungen sind nicht eingetreten. Die Geleise wurden nicht beschädigt. Es herrschte zur Zeit des Unfalles ziemlich starker Nebel. Als Ursache des Unfalles ist wahrscheinlich in erster Linie die Freigabe des Einfahrtssignals durch einen Unbefugten anzusehen.
* Ueber das Vermögen des Herzogs von Manchester ist der Konkurs beantragt worden. Wenn es dem jugendlichen Sprößling des Hauses Montagu wirklich gelungen sein sollte, das zwar nicht riesige, aber doch sehr bedeutende Vermögen dieser alten Familie in feinen Passionen zu verputzen, so hätte er ein Meisterstück zustande gebracht. Denn der neunte Herzog von Manchester ist erst 23 Jahre alt, verfügt mithin erst kurze Zeit über das Familienvermögen, zu dem allein ein Grundeigentum von 27 400 Acres gehört. Das bedeutet an sich ein stattliches Vermögen, ist aber doch noch bescheiden im Vergleich mit dem Landbesitz anderer vornehmm Familien des vereinigten Königreichs. Die Ar> gylls nennen 170 000 Acres ihr eigen, die Bedfords besitzen 84 000 Acres und die Norfolks 50 000 Acres Land. Auch Lord Rosebery ist Eigentümer von über 32 000 Acres Land, und selbst Lord Salisbury verfügt über den ansehnlichen Besitz von 20 300 Acres. Verhältnismäßig gering ist der Grundbesitz des Lord Rotschild, der nur 15 000 Acres beträgt.
Sandet und Verkehr. Ustkrwirlsthast.
Frankfurter Börse vom 10. September.
Wechsel auf New-York zu 0.00-00.
Prämien auf Kredit per ult. Sept. I.öO’/q, do. per ult^Okt. 2.45%, Diskonto-Kommandit per ult. Sept 1.15 %, do. per ult. Okt. 2.40 o/o, Lombarden per ult Sept. 0.75%, do. per ult. Okt. 1.00%. Deutsche Bank per ult. Sept. 0.00%.
Notierungen : Kreditaktien 208.30-208.00-00, Diskonto- Kommandit 175.40-174.90-175 Staatsbahn 142-140.80, Lombarden 26.10-00.00, Italiener 94.20, Spanier 72.90, 3proz Mexikaner 25.65, Bochumer 184.20-185.00 bz., Laura 198.70-00-000 bz., Harpener 178.30-179-0 bz., Gelsenkirchen 190.70-000.00 G., Privat-Dis- kont 4% 0 o-
11/4 bis 2% Uhr: Kreditaktien 208.60-208.80-000-00 bz., Dis- konto-Komtnandit 175.60-80-00 bz., Staatsbahn 142 70-142.70 bz., Lombarden 26,20-40.00 b., Laura 000-00, Berliner Handelsgesellschaft 00.00 bz., 3proz. Mexikaner 00.00 bz , 3proz. Portugiesen 00.00-00 bz., Ottomanbank 000.00 bz.
Tabak.
Hamburg, 9. September. (Wochenber.) Der Markt zeigte sich etwas belebter, da bei den großen Zufuhren die Händler zur Komple- tierung ihrer Läger als Käufer auftreten, dagegen bleibt der Abzug für den Bedarf noch immer äußerst gering und weit hinter den Vorjahren zurück. Die umfangreichen Ankünfte von Domingo-Tabaken wurden schlank zu guten Preisen begeben, obgleich weitere Abladungen von 22 000 Kolli avisiert waren, denen man wohl ebenfalls nach der dieswöchentlichen Entwickelung des Geschäftes eine gute Aufnahme zusichern könnte. Eingetroffene 15 OüO Seronen Sanchez fanden zu vollen früheren Preisen Nehmer. Brasil-Tabake lagen angesichts des großen Restlagers recht ruhig, trotzdem sahen sich die Eigner bisher nicht veranlaßt, weitere, für den Absatz erforderliche Preiskonzessionen zu machen, sodaß Unterhandlungen wegen größerer Abschlüsse bisher scheiterten. Begeben wurden ca. 1300 Packen zu mittleren Preisen. Die an den Markt gekommenen kleineren Partien Havanna- Tabake, die von recht guter Qualität waren, fänden zu guten Preisen schnellen Verkauf. Neue J^va-Cuba kamen ca. 120 Seronen zu niedrigeren Preisen als im Vorjahre zum Abschluß Alles per % Kilogramm. Havanna: Deckblatt, gut und fein braun 6 bis 18 Mk., do. ord. braun und braun 4 bis 6 Mk., do. und Einlage, gemischt 3 bis 4 Mk., Einlage 0,90 bis 3 Mk., Durchschnittspartien 1,50 bis 4,w. Domingo: S, SS, SSS 0,55 bis 0,76, FF O,46 bis Oz6O, F 0,35 bis 0,w, A 0,l6 Bis 0,<o- Columbia: Ambalema prima X),55 bis 0,75, sekunda und tertia 0,30 bis O,45. Mexiko 0,Go bis 3,Co. Brasil: Patent und Patent fino 0,60 bis 1,40, Primos O,70 bis 0/85, Sekunda 0l65 bis 0,75. S1. Felix Patent und Patent fino 1,59 bis 2,59, Prima 1,00 bis 1,50. Nordamerika. Seedleaf Deckblatt 1,00 bis 1,50, do. Umblatt 0,50 bis O,7o do. Filler 0,55 bis 0,<5. Sumatra und Java 0,25 bis 5,oo Borneo 0(50 bis 5,00.
SpirtzlM der otrtinigten Frankfurter AMtzeatn.
Opernhaus.
Mittwoch 12. September. i/tl Uhr?) „L 0 hengrin." Außer Abonn. Große Pr. Donnerstag 13. September. „Postillon von
Lonjumeau". Im Ab. Große Pr. Freitag 14.September. Gastspiel der Signorina Francesca Provosti. „Tra - vi ata". Im Ab. Große Preise Sonntag 16. September. %7 Uhr. „Tannhäuser" Im Abonn. Große Pr. Montag 17. September. Zweites und letztes Gastspiel der Signorina Prevost i. „Carmen". Außer Ab. Große Preise.
Schauspielhaus.
Mittwoch 12. September. „Baumeister Solneß Im Ab. Gew. Pr Donnerstag 13. September. Vorst, bei kleinen Preisen. „Minna von B a r n h e l m". Außer Ab. Freitag 14. September. „Großstadtluft". Im Abonn. Gew.Pr. Samstag 15. September. „Cyklus nordischer Dramen, 6 Abend. Neu einstudiert: „Ein Fallissement". Im Abonn. Gew. Pr. Sonntag 16. September. „Zaza". Im Ab. Gew. Preise. Montag 17. September. „M e i n L e 0 p 0 l d". Im Ab. Gew. Pr.
*)Menn nicht anders bemerkt, Anfang 7 Uhr.
Auszug aus -en Kircheuäuchrr» der Stadt Gieße«.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
MatthäuSgemeinde.
Den 1. September. Christoph Heidelbech, Taglöhner zu Gießen, und Anna Katharine Jockel, Tochter des verstorbenen Landwirts Heinrich Jöckel zu Romrod.
LukaSgemeinde.
Den 1. September. Ernst Karl Friedrich Schmidt, Kaufmann zu Gletzen, und Karoltne Marte Manl, Tochter des Schlossers Philipp Mank zu Gießen.
JohanneSgemeinde.
Den 1. September. Karl Ludwig Emil Hermann Luh, Taglöhner dahier, mit Henriette Dolek, Tochter des TaglöhnerS Samuel Dole! zu Salpia.
Den 6. September. Dr. Philipp Wilhelm Arthur Stein, Sekretär am Institut für Gemeinwohl zu Frankfurt a. M^, mit Helene Johanna Emilie Jüngst, Tochter des Rentners Karl Jüngst zu Gießen.
Getaufte.
MatthäuSgemeinde.
Den 2. Srptember. Dem Schreiber August Waldschmidt eine Tochter, Anna Luise, geboren den 3. August.
Denselben. Dem Kutscher August Belke ein Sohn, August, geboren den 2. Juni. , .
Denselben. Dem Weißbindermeister Karl Marx eine Tochter, Elise Auguste, geboren den 3. August.
LukaSgemeinde.
Den 2. September. Dem Schaffner Wilhelm Köhler eine Tochter, Eugente Marie Anna Karoltne, geboren den 4. lAugust.
Denselben. Dem Schlosser LouiS Größer ein Sohn, Otto Jakob Ludwig Hermann, geboren den 31. Juli.
Denselben. Dem Hilfsbremser Heinrich Biedenkopf eine Tochter, Margaretha Katharina Elsa Johanna, geboren den 29. Juli.
JohanneSgemeinde.
Den 2 Skptember. Dem Hausburschen Jakob Koch ein Sohn, Johann Heinrich, geboren den 21. Juli.
Beerdigte.
MarkuSgemeinde.
Den 4. September. Friedrich Müller, Schlosser, Sohn des verstorbenen Schuhmachers Heinrich Müller, 25 Jahre alt, starb den 2. September.
Denselben. Karl Riebel, Lokomotivsührer, verheiratet, 45 Jahre alt, stmb den 2. September.
JohanneSgemeinde. r L o
Den 4. September. Karl Korwan, Gerichtsassessor, Sohn de8 verstorbenen Steuerkontrolleurs Anton Korwan, 29 Jahre alt, starb den 2 September.
Art>riterhe»eg«ni.
Leipzig, 10. Srptember. Die Beteiligung der Buchbinder am Stretk war heute früh allgemein. Insgesamt streiken 4500 Gehilfen und Arbeiterinnen.
Brüx, 10. September. Im hiesigen Kohlen-Revier ist ein partieller Arbetterstr eik ausgebrochrn. Mehrere Werke haben dm Betrieb um 40 pCt. eingeschränkt.
Indianapolis, 10. September. Das Bergarbeiter-Syndikat hat einen letztm Versuch gemacht, einen allgemeinen Ausstand zu vermeiden. Trotzdem wurden Vorbereitungen für den allgemeinen Ausstand getroffen, der eventuell heute auSbrechen soll.
Schul-Anzüge
in grosser Auswahl!
Giessen, Kirchenplatz 11.
Markos Bauer.
Konkursverfahren.
Ueber das Vermögen des unbekannt roo? abwesenden Maurermeisters Wilhelm Gnndrnm von Reiskirchen wird heute, am 10. September 1900, vormittags IV/2 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet.
Der Kaufmann Karl Loos in Gieheu wird zum Konkursverwalter ernannt.
Konkursforderungen sind bis zum I. Oktober 1900 bei dem Gerichte anzumelden.
Es wird zur Beschlußfaflung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläu- bigerausschusses und eintretenden Falls über die in § 120 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forde rungen auf Mittwoch de» 10. Oktober 1000, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte Termin anberaumt.
Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Be
sitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen, oder zu leisten, auch die Verpflichtung anferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkurs vermalter bis zum 1. Oktober 1900 Anzeige zu machen.
Großherzogl. Amtsgericht zu Gießen, gez. Dr. Pusch.
Veröffentlicht: 6015
Plock, Hilfsgerichtsschreiber.
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