9lt. 213 Erstes Blatt. Mittwoch de« 12. September 150. Jahrgang ISOO
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L«e Anzsttgen-dermittluog-stellen beS In- und KullcnM nehmen Anzeigen für dm Gießener Anzeiger tatgegeu Zeilenpreis: lokal 12 Pf-., auswärts 20 Pf-.
und zwar in:
gelben Kocherbsen
weißen Runde und Langbohnen, sowie Mittellinsen und großen Hellerlinsen
entgegennimmt.
Etwaige Angebote der Produzenten sind entweder an die Fabrik direkt oder an daS dem Produzenten zunächst gelegene Proviant-Amt zu richten, dessen Mitwirkung aus Wunsch des Verkäufers auch bei Abfertigung der Sendungen in Anspruch genommen werden kann.
Den Angeboten sind Proben beizufügen. Behufs der Preisbemessung wird bemerkt, daß die Abrollegebühren vom Bahnhof Mainz bis zur Fabrik 10 Pfg. für 100 Kilogramm betragen, welche vom Verkäufer zu tragen sind.
Zur Vermittelung der Abfertigung aus dem Bahnhof
Ord. § 129).
Borträge finden statt über Anatomie, Formenlehre, Stilkunde, Materialienkunde, KonstruktionSlehre und Kostenvoranschläge.
Außerdem findet ei» gewerblicher wärruischer Fortbilduugsunterricht in stunden statt.
Der Unterricht wird durch eine reiche Vorbildersammlung, sowie gut auSgestattete
risien Alexander Büchners Lebensgang wiedergegeben. DeS Selbstbiographen Schilderungen sind von außerordentlicher Lebhaftigkeit. DaS ganze umfangreiche Buch liest sich wie ein spannender Jch-Roman. Büchner ist ja wohl hier und da ein wrnig salopp in der Form, und in der Darstellung etwas oberflächlich. Er schildert seine mannigfachen Lebeus- eindrücke nicht mit der feinen und tiefgründigen Kunst eines subtil empfindenden Psychologen. Dafür aber besitzt er ein sehr respektables Plaudertalent und einen beneidenswerten Humor, der ihn selbst in den mißlichsten Lebensumständen und in den verzwicktesten und bedenklichsten Situationen nicht verläßt. Fast auf jeder Seite seines Buches blitzt er auch in der Darstellung hervor, entweder in der Form eines schnurrigen Einfalls, eines kuriosen Apercus oder irgend einer, manchmal geradezu tollkühnen Wendung, in der er seine Muttersprache scherzhaft behandelt. Und außerordentlich plastisch treten uns in seinen Schilderungen die meisten der Leute, mit denen er umgeht und die mit ihm umgehen, entgegen. Gleich die Ouvertüre seiner vielaktigen, abwechselnd an rauhen und weichen Melodien und buntschillernden Tonfarben reichen Lebensoper, die „wunderlichen Erinnerungen an die Großmama", ist eine reizende Rococosuite von fast Haydn'schem Humor und Haydn'scher Grazie.
Ueberaus interessant sind Alex Büchners Erinnerungen an seine Studentenzeit in Gießen. Er nennt unsere gute alte Universitätsstadt das „Studentendorf" und entwirft die anschaulichsten und kurzweiligsten Schilderungen von den Gießenern am Ausgang der vierziger Jahre. „Liebig und die Chemiker, Bischof und sein Bär, Paukereien, die rote Weste, Examenschnurren, der Staufenberger Auszug, Carzer, Florbesen Philisterbesen und Balken" heißen die einzelnen Abschnitte dieses höchst ergötzlichen Kapitels, auf das wir an dieser Stelle vielleicht noch einmal zurückkommen.
oder anderen Art dieser Erleichterungen werden neben der Vermögenslage des Schülers auch die Vermögensverhältnisse der Heimatgemeinde oder das Vorhandensein geeigneter Stiftungsmittel in Betracht gezogen.
Anmeldungen und Gesuche sind an den unterzeichneten Leiter der Anstalt zu richten, welcher weitere Auskunft erteilt.
Schulprogramm kostenlos.
Erbach i. O., im August 1900.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats: Stegmüller, Bürgermeister.
Der Dirigent der Anstalt:
Klein, Großherzogl. Hauptlehrer.
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unterstützt.
Das Schulgeld beträgt 15 Mk. im Halbjahr.
Unbemittelten Schülern kann die Entrichtung des Schulgeldes nachgelassen, auch kann im Großherzogtum Ansässigen der Besuch der Schule durch einen Unterstützungsbeitrag erleichtert werden. Bei Gesuchen um Gewährung der einen
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Adreff« für Depeschen: Anzeiger chtch«, Fernsprecher Nr. 5L
Grsüsbeüsqr«: Gießener FamilieMüUer, Zer hrsMe Landwirt, KWrr Mr hessische UMskimde.
freien Denkers aus der Zeit in die Zeit". Philosophie, Religion, Spiritismus, Naturheilkunde, Politik, die Frauenfrage, die Judenfrage, die Litteratur rc. werden in einzelnen Aufsätzen originell und interessant behandelt. Das lesenswerte Buch erschien vor zwei Jahren im Verlage von Emil Roth in Gießen.
In demselben Verlage erschien kürzlich von dem jüngsten Bruder dieser Fünf, von Alex Büchner, eine Art Selbstbiographie unter dem Titel: „DaS ,totle' Jahr. Vor, während und nach. Von einem, der nicht mehr toll ist." Das Buch hat zweifellos allgemeines Interesse, verdient aber namentlich in unserem Lande, zumal in Gießen von jedermann gelesen zu werden.
Alexander Büchner wurde am 25. Oktober 1827 in Darmstadt geboren, studierte in Gießen Jurisprudenz, promovierte zum Dr. jur. und war als Gerichtsaccessift in Langen und Darmstadt thätig. Da verwickelte er sich, wie seine älteren Brüder, in politische Abenteuer, kam nach einer Reise zur Londoner Weltausstellung 1849 in den Verdacht des Hochverrats, es wurden Untersuchungen gegen ihn eingeleitet, er wurde wiederholt verhaftet, ohne daß eS zu einem gerichtlichen Verfahren gegen ihn kam, mußte aber den hessischen Staatsdienst quittieren. Er widmete sich dann namentlich in München kunst- und litteraturwissenschaftlichen Studien, habilitierte sich nach dem Vorgänge seines ältesten Bruders an der Universität in Zürich, und später in Tübingen, wo damals sein Bruder Ludwig Privatdozent in der medizinischen Fakultät war, wurde später Lehrer der neueren Sprachen an dem College Notre Dame in Valen- ciennes und dann in Caen in der Normandie. Dort ließ er sich naturalisieren, erwarb den Grad eines Docteur Zs Lettres und wurde 1867 an der genannten Fakultät Pro- fesaeur des LitUraturea etrangdres.
Wir haben hier nur in ganz flüchtigen, trockenen Um
Amtlicher Feil.
Gießen, den 10. September 1900.
Der Direktor des landw. Bezirksvereins
au die Grohh. Bürgermeistereien des Kreises,
Der landwirtschaftliche Bezirksverein wird demnächst wieder mit der Abhaltung von Vorträgen aus allen Gebieten der Landwirtschaft und Viehzucht für das Jahr 1900/01 beginnen. Ich lade daher diejenigen von Ihnen, welche die Abhaltung eines Vortrages wünschen, ein, Anträge und Vorschläge bei mir zu machen und zugleich anzu- geben, in welcher Jahreszeit, zu welcher Tagesstunde und ob an Sonn- oder Werktagen die Vorträge erbeten werden.
v. V echtold.
Akerander Büchner.
Wohl jedem Hessen ist die Darmstädter Familie Büchner bekannt. Der alte Büchner war in dem zweiten und dritten Jahrzehnt des nun zu Ende gehenden Jahrhunderts in unserer Landeshauptstadt ein vielgesuchter Arzt. Von seinen sechs Kindern sind mit Ausnahme einer stets emsig und bescheiden im häuslichen Kreise wirkenden Tochter alle zu weitem Ruf und Ansehen gelangt. Der älteste Sohn Georg war „der apolloartige Denker und Dichter". Während ihm in den dreißiger Jahren in Gießen wegen sozialdemokratischer Schriften („Der hessische Landbote" mit dem Motto: „Friede den Hütten, Krieg den Palästen") Verhaftung drohte, schrieb er das wildgeniale Drama „Dan- tons Tod". Er flüchtete nach Zürich, wo er an der Universität Vorlesungen über Naturwiffeuschaften und Geschichte der Philosophie hielt, bis er im frühen Alter von 34 Jahren 1837 starb. „Die intuitive Luise mit dem idealschönen Gesicht, aber ihrem durch einen Unfall verkrümmten Körper" war besonders in der Frauensrage thätig, als Vizepräsidentin des Alice-Vereins und Mitbegründerin des Alice- Lyceums in Darmstadt, und hat auch eine Anzahl von belletristischen Schriften hinterlassen. Sie starb im Jahre 1877 54jährig. „Der fidele, freigebige Wilhelm, der Krösus der Familie", hat sich als Erfinder des künstlichen Ultramarins bekannt gemacht. Ludwig, mit dem „weichen Gemüt und spekulativen Kops", ist der Verfasser von „Kraft und Stoff". Er ist der bekannte „ideologische Materialist, in dem christliche Menschenliebe und spröde Hinnahme der nacktesten Thatsachen so wunderlich zusammenflosten." Sem letztes Buch ist „am Sterbelager des Jahrhunderts" — es trägt diesen Titel — nahe am Sterbelager des Ver- fassers entstanden. Es 'sind die vielseitigen „Blicke emeS
Bekanntmachung.
Die nachstehende Mitteilung der Kgl. Verwaltung der Armeekonservenfabrik bringe ich zur allgemeinen Kenntnis.
Gießen, den 10. September 1900.
Der Direktor des landw. Bezirksvereins, v. Bechtold.
König!. Verwaltung der Mainz, 5. Sept. 1900.
Nrmeekonserveufabrik. 8' v
Au den landwirtschaftlichen Kreis-Verein
zu Gieße».
Es wird ergebenft ersucht, den Mitgliedern des dortigen Vereins in geeignet erscheinender Weise bekannt geben zu wollen, daß die Verwaltung Angebote in Hülsenfrüchten
Die Militärftrafgerichts-Ordnung.
Seitdem in Deutschland, hauptsächlich unter dem Einfluß der Feuerwaffen, die Umbildung des mittelalterlichen Vasallen- oder Lehnsheeres in ein Söldnerheer sich vollzogen hatte und die deutschen Lande stehende Heere tragen, giebt es auch eine besondere Militärstrafgerichts-Ordnung, die in den verschiedenen Zeitläuften mancherlei Wandlungen durchgemacht hat. Während in den Kriegsartikelrr Maximilians I. für die Landsknechte von 1508 und den Reiterbestallungen Maximilians II. von 1570 die Grundsätze der Oeffentlichkeit und Mündlichkeit des Verfahrens obenan standen, vertraten die Halsgerichtsordnung Kaiser Karl V. von 1532, die in Brandenburg übernommenen Kriegsartikel Gustav Adolfs von 1621 und die Gesetzgebung des Großen Kurfürsten das bis in unsere Tage festgehaltene inquisitorische Verfahren mit seinen heimlichen und schriftlichen F o r - m e n. 9hir die Königreiche Württemberg und Bayern haben bereits vor mehreren Jahrzehnten mit dem schriftlichen und geheimen Untersuchungsversahren gebrochen; in allen anderen deutschen Landen dagegen ist es bis, heute beim alten geblieben.
Diese Buntscheckigkeit erreicht zum 1. Oktober ihr Ende; denn mit diesem Tage tritt die Militär-Straf- gerichtsorduung für das Deutsche Reich vom 1. Dezember 1898 in Kraft. Mit ihrer Einführung wird die durch den Erlaß des Militärstrafgesetzbuchs vom 20. Juni 1872 im materiellen Strafrecht bereits geschaffene Einheit im Deutschen Reiche nunmehr auch im formellen Militärstrafprozeßrecht durchgeführt. Eine Ausnahme ist nur für unsere nach China gehenden Truppen vorgesehen, indem eine kaiserliche Verordnung vom 15. Juli d. I. bestimmt, daß die Militär-Strafgerichtsordnung für das ostasiatische Expeditionskorps schon am Tage des Verlassens der einheimischen Gewässer in Kraft tritt.
Die neue Militär-Strafgerichtsordnung ist ein Schmerzenskind der Gesetzgebung; der nach langjährigem
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Hierselbst, Verauslagung der Fracht- und Anfuhrkosten ist die Verwaltung bereit.
Auf Wunsch des Verkäufers werden Magazinsäcke zur Uebersendung der Hülsenfrüchte zur Verfügung gestellt.
Wieselbach. Menzel. Kosanke.
Grotzh. Fachschule
für Elfknbeillschmtzem und verwandte Gewerbe.
Knnstgewervt. Aachfchute mit Lehrwerkstätte«.
zu Grbach i. O.
Beginn des Winterhalbjahres 1. Oktober 1900.
Unterrichtet wird von 4 Fachlehrern und 2 Hilfslehrern. , ,
Gründliche fachmännische, praktische und theoretische Ausbildung von jungen Leuten in den gesamten Zeichen- und Modellierfächern, sowie in Werkstätten für Elfenbeinschnitzer, Holzbildhauer, Drechsler und Ziseleure.
Die Anstalt enthält eine Borklasse, zwei Fachkurse und Lehrwerkstätte» für Ziseleure, Schnitzer und Dreher in Elfenbein, Bein, Holz u. s. w.
Die Vor kl ässe hat einjährigen Lehrplan und umfaßt die elementaren Konstruktions- und Zeichenfächer.
Die Fachkurse haben je einjährigen Lehrplan: Figuren- und Ornamentenmodellieren, Figurenzeichnen, Aquarellmalen, Fachzeichnen und Entwerfen (in alten und modernen Stilen), Gewandstudien, Aktzeichneu, Perspektive.
Die Lehrwerkstätten nehmen nach schriftlichem Lehrvertrage Schüler vom 14. Lebensjahre auf; die Lehrzeit beträgt 3 Jahre Nach erfolgreicher Vollendung derselben erhalten die Schüler einen Lehrbrief ausgestellt (Gew.-
y äj *ak Nerugspreis
D M Vierteljahr, Mk.
Kreßener Anzeigers


