-i- Aus dem Btelerthal, 10. Juli. Der Krieger- »erein zu Bieber begeht am 22. und 23. Juli das Fest der Weihe seiner Fahne, wozu schon die ersten Vorbereitungen getroffen werden. Am Vormittag des ersten Festtages findet die Delegiertenversammlung des KreiS-KrtegerverbandeS Biedenkopf in der „Germania" statt. Zu diesem Feste wird auch Landrat v. Heimburg aus Biedenkopf eintreffen und die Enthüllung der Fahne vornehmen. Der Verein wird in jeder Weise bestrebt sein, allen Gästen den Aufenthalt in unserem schön gelegenen Dörfchen so angenehm als möglich zu machen.
-e- Rodhei« a. d. B., 9. Juli. Heute nachmittag trafen zwei Herren von der Regierung zu Wiesbaden hier ein, die eine Revision der Gemeindekasse vornahmen. Für den Gemeinderechner KrauSköpf, der schon lange Jahre der Kasse vorfieht, fiel die unerwartete Revision zur großen Zufriedenheit aus. — Trotz der regen Bauthätigkeit, die ut den letzten Jahren hier geherrscht hat, mangelt es dennoch an Wohnungen. So konnte z. B. der in diesen Tagen von Frankfurt nach hier versetzte Beamte der Bieberthalbahn keine Wohnung mehr auftreiben.
Wiesbaden, 10. Juli. Die Zahl unserer sogenannten „Markmillionäre" beträgt 143. Wiesbaden nimmt in steuerlicher Hinsicht eine Ausnahmestellung im Staate ein und kann mit Städten seiner Einwohnerzahl in dieser Beziehung nicht wohl in Vergleich gestellt werden. So hat z. B. das in der Einwohnerzahl dicht vor Wiesbaden stehende Erfurt nur 24, und Posen, welches hinsichtlich der Einwohnerzahl im Staate auf Wiesbaden folgt, gar nur 10 Millionäre. Deshalb seien einige der größten Städte des preußischen Staates zum Vergleiche herangezogen: Es hat da zum Beispiel: Berlin 1306, Breslau 101, Köln 207, Frankfurt a. M. 447, Magdeburg 89, Hannover 95, Düffeldorf 151, Königsberg 30 Millionäre.
Fulda, 10. Juli. In glanzvoller Weise beging vorgestern der hiesige katholische kaufmännische Verein sein 25jähriges Jubelfest. Auswärtige Brudervereine waren erschienen von Aschaffenburg, Erfurt, Frankfurt a. M., Bochold, Heiligenstadt, Neuß, Würzburg und Gießen. Der Festgottesdienst sand in der Abteikirche der Benediktinerinnen statt. Es waren viele Glückwunschtelegramme von Brudervereiuen eingetroffen. Bei der imposanten Festversammlung hielt erster Beigeordneter Robert Kircher (früherer Landtagsabgeordneter) die Festrede.
Vermischtes.
* Eine heldenmütige Braut. Ganz Rouen ist — wie au- Paris geschrieben wird — in Ekstase über den Heroismus einer jungen Amerikanerin, der in ihrer Vaterstadt Cincinnati als Schönheit gefeierten Miß Helen Townsend. Das kaum 20jährige Mädchen, das sich entschlossen hat,
gleich ihrer an einen Franzosen verheirateten Schwester für immer in Frankreich zu bleiben, weilt seit kurzem in Rouen, wo sie vor wenigen Tagen mit ihrem Verlobten Paul Roumergue und ihrem kleinen Neffen eine Segelbootfahrt auf der Seine unternahm. Ein plötzlich sich erhebender starker Wind brachte das Fahrzeug zum Kentern, und die drei Insassen versanken in den Fluten. Miß Townsend kam sehr bald wieder zum Vorschein und es gelang ihr, sich an dem umgekippten Boot sestzuhalten. Als sie aber sah, daß von keiner Seite Rettung nahte und ihr Bräutigam,, der als schlechter Schwimmer sich nur mühsam selbst über Wasser halten konnte, den Knaben nicht zu retten vermochte, ließ sie los und erfaßte das eben in ihrer Nähe zum zweiten mal auftauchende Kind. Sie schwamm mit ihm zu einem vorüberkommenden Dampfer und beide wurden glücklich an Bord geholt. Da ertönte ein schwacher Hilferuf des jungen Mannes, der bereits am Ertrinken war. Mit schnellem Blick erkannte die Braut, daß der mit den Wellen Kämpfende nicht mehr die Kraft haben würde, eins der ihm zugeworsenen Seile zu erreichen. Ohne sich zu besinnen, streifte sie ihre Oberkleider ab und sprang, obwohl man sie daran zu hindern suchte, noch einmal in das Wasser. Es war abends nach 8 Uhr und nahezu dunkel. Trotzdem fand das brave Mädchen den Verlobten und hielt ihn solange an der Oberfläche, bis vom Ufer aus einige Männer zu ihnen ruderten. Roumergue war bereits bewußtlos, als ihn die Retter in das Boot zogen; die junge Dame aber erklärte, nur ein wenig erschöpft zu sein. Die Volksmenge, die sich zu beiden Seiten des Flusses angesammelt hatte, spendete der mutigen Amerikanerin lauten Beifall, und der Maire von Rouen ließ ihr von der Stadtkapelle vor ihrem Hotel ein Ständchen bringen.
Ktteratur.
Reiselitteratur. Im Verlage der N. G. Elwert- schen Verlagsbuchhandlung in Marburg erschien kürzlich in zweiter, zum Teil umgearbeiteter und vermehrter Auflage ein „Führerdurch Oberhessen und die angrenzenden Gebiete, reichend von Marburg bis Lahnhof, Berleburg, Kahler Astenberg, Corbach, Wildungen, Knüll, Alsfeld, Vogelsberg, Nidda, Nauheim, Braunfels, Dillenburg. Bearbeitet und herausgegeben von E. Schneider/' Dieser Führer, in zwei handlich und fest gebundene Teile geteilt, die zusammen über 300 Seiten umfassen und von denen jeder eine große Karte des genannten Gebietes und mehrere Abbildungen bringt, ist namentlich für Wandertouren sehr empfehlenswert. Alle irgendwie bemerkenswerten Punkte in unserer unmittelbaren und weiteren Umgebung finden wir in breitester Ausführlichkeit behandelt. Jrrwanderungen mit diesem Buche in der Hand sind unmöglich Jeder Weg ist bis aufs kleinstes enau mit allen Abzweigungen beschrieben. Reich sind auch die Mitteilungen aus Sage, Geschichte und Dich tung, wie aus dem Reiche der Botanik. Naturfreunden wer
den hier viele selten oder nie. bisher reiseplanmäßig durchwanderte reizvolle Punkte erschlossen. Beide Teile verdienen zahlreich Käufer. — Kleine Führer, die bequem in Taschen unterzubringen sind, werden von dem Verlage von Lützenkirchen & Bröking in Wiesbaden für Bad Neuenahr und das A h r t h a l geboten. Beide sind mit übersichtlichen Plänen versehen. — Ter bekannte Verlag von Albert Goldschmidt in Berlin tziebt als 38. Band von Griebens Reisebüchern in zweiter neu bearbeiteter Auflage einen Führer durch Heidelberg und das Neckarthal heraus, dem ein Plan von Heidelberg und eine Karte des Neckarthals beigegeben sind.
Der in neuer Auflage erschienene Woerl'sche Führer durch Oberammergau bietet eine Beschreibung der Stadt München und ihrer Hauptsehenswürdig ketten, zeichnet genau die Reise von München nach Oberammergau unter Angabe der interessantesten Punkte auf dieser Route, giebt eine Geschichte der geistlichen Spiele und der Oberammergauer Passionsspiele besonders, schildert Oberammergau und seine Bewohner, referiert den Inhalt der einzelnen Abteilungen des Spieles und macht auf einige Ausflüge in das oberbayerische Gebirge aufmerksam. Dem Merkchen sind neben vielen Illustrationen ein Plan von München und eine Kartenbeilage beigefügt. Aus dem Gesagten mag man entnehmen, wie wünschenswert das Büchlein den Besuchern des Passionsspieles sein mag, und auch diejenigen, denen der Besuch nicht vergönnt ist, können sich mit Hilfe desselben eine klare Vorstellung des berühmten Spiels machen. Er kostet nur 1 Mk.
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Frankfurter Börse vom 10. Juli.
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Notierungen: Kreditaktion 212 60-210.10 000, Dip- kontc-Kommandit 176.90-177.0, Staatsbahn 141.30-141.50, Lombarden 25.50, Italiener 93.60, Spanier 71.80, 8proz. Mexikaner 25.50-00, Bochumer 201.30-, Luura 215.20-217, Harpener 187-186 50-7.30-20 Gelsenkirchen 192-191-191.50, Gotthard 00000.00, Ungar. Goldrente 00.00, Oesterr. Coupons 00.00, Amerik. Coupons 0.00, Privat- Diskont 315/18%
IV4 bis 2% Uh?: Kreditaktien 213.10-000.000.0000000 bz., Düi- konto-Kommandit 177.-157.50. bz., Staatsbahn 141.50-000.00 bz., Lombarden 25.50, Bochumer 196-6.50-195 bz.
Märkte.
z. Echzell, 10. Juli. Der gestrige V i e h m a r k t zeigte eine deutliche Abflauung in Bezug auf Schweine, besonders gaben Milchferkel sehr im Preise nach; denn das Paar kostete nur 18 bis 22 Mk. Auch Läufer und Springer wichen um 5 bis 6 Mk. das Paar. Dagegen haben fette Schweine bedeutend im Preise angezogen. Während sie noch vor Kurzem 42 Mk. für den Zentner Schlachtgewicht erzielten, ist der Preis rasch auf 44, 46 und bei feiner Ware sogar auf 50 Mk. gestiegen. — Das Rindvieh ist sehr fest im Preise, und dieser steigt infolge der günstigen Futteraussichten und weil die Ägentümer ungemein festhalten, langsam höher.
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Laut Beschluß letzter Versammlung ersuchen wir unsere Mitglieder und richten die ergebene Bitte an die dem Verein nicht angehörenden Herren Kollegen, fernerhin 4651
Fleischwaren jeder Art nickt bei denjenigen Metzgern zu entnehmen, die selbst Mittag« und Adendtisch (sogen. Privatkostgeberei) veranstalten.
Metzg-r, welche konzessionierten Wirtschaftsbetrieb haben, sollcn selbstredend von dieser Maßnahme nicht bettoffen werden.
Wir verweisen des Weiteren auf die allen Wirten zugehende L'ste^


