Ausgabe 
12.5.1900 Zweites Blatt
 
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Samstag den 12 Mai

1900

Rr. 110 Zweites Blatt

Meßmer Anzeiger

Henerat-Anzeiger

Amts« und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren

Erscheint täglich mit Ausnahme der

Montags.

Die Gießener Mitmilieudtätter werden dem Anzeiger tm Wechsel mitHeff. Landwirt" ».Blätter für heff. Volkskunde' «dchtl. 4 mal beigelegt.

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aus den Schlachten, an denen das 116. Regiment leib

Veteranen

aus

wurden.

genommen hatte, ein Veteranen-Ofsizier der 8. Kompagnie, besten Namen wir nur auf ausdrückliche Bitte des Redners verschweigen. Oft von lauten, anhaltenden Bravos unter­brochen, lohnte reicher Beifall den Ausführungen des Redners, die wir wegen Raummangels im Wortlaut nicht veröffentlichen können, durch einen kurzen Auszug aber nicht in ihrer Wirkung abschwächen möchten.

Einen schönen Zug der hier anwesenden Veteranen den abwesenden, weniger bemittelten gegenüber wollen wir nicht unerwähnt lassen. Der Ausschuß für das Veteranen- fest hatte in allen fünf Lokalen, die für das Festessen vor­gesehen waren, Postanweisungen zur beliebigen Benutzung an namhaft gemachte unbemittelte, ab­wesende Veteranen auSgelegt und den Zweck der­selben in weitestem Maße kundgegeben. Erfreulicherweise ist in reichem Umfang davon Gebrauch gemacht worden. U. a. wurde auf Antrag des Vorsitzenden des Krieger­vereins zu Vilbel, Herget, in der Leibkompagnie eine Sammlung veranstaltet, von besten Ergebnis zwei

Durch ein Versehen ist in unserer Festnummer em Absatz an unrichtige Stelle gelangt. Die Reihenfolge der Wagen, wie sie da angegeben ist, gehört nicht zu dem Ankunft Ihrer Kgl. und Großh. Hoheiten des Großherzogs und des Prinzen Wilhelm" überschriebenen Abschnitt, sondern vor die Worte:Hiermit endete die Enthüllungsfeier" auf der fünften Seite.

Wann die Festlichkeiten in den einzelnen Lokalen ihren Abschluß gefunden, ist schwer zu sagen. Jedenfalls ist aus dem Donnerstag ein später Freitag geworden, als bie Mehrzahl der Festteilnehmer sich der Ruhe hingegeben haben, um im Traume die Erlebniste der mit traumhafter Schnellig­keit verflossenen kurzweiligen Stunden mit phantastischen Ausschmückungen noch einmal zu erleben.

Kenntnis zu geben.

Am Abend zerstreuten sich die Veteranen tn den ver- I schiedensten Lokale der Stadt, in denen es recht heiter, aber I ohne irgendwelche Zwischenfälle hergegangen sein soll. Die I Veteranen haben eben gezeigt, daß die alte stramme Dis- I ziplin auch nach 30 Jahren und trotz stundenlangen feucht- I fröhlichen Bankettierens nicht aus ihnen zum Weichen ge- I bracht werden kann.

Auf dem Marktplatz spielten von 810 Uhr die I Regimentskapelle und die Jägerkapelle abwechselnd, nach I jedem Stück vom Publikum durch reichanhaltenden Beifall I belohnt. Viele Fenster der Häuser am Marktplatz waren I illuminiert. In einem Schaufenster, das besonders I prächtig ausgestattet war, erregte eine Kyffhäusergruppe allgemeines Aufsehen. Die meisten Fenster waren wieder wie am Morgen voll besetzt, um den Klängen der Musik I zu lauschen und dem bunten Treiben des Publikums zu­zuschauen, das sich Kopf an Kopf auf dem Markte und den anliegenden Straßen angesammelt hatte und nicht vom Platze wich. Noch lange nach Schluß des Konzertes herrschte auf den Straßen ein lebhaftes Treiben. Die Feststimmung hatte sich ganz Gießens bemächtigt.

Nun ist der ganze Festeszauber gebrochen, und graue Alltäglichkeit umgiebt uns wieder. Man steht im Begriff, ; das bunte Festkleid der Stadt wieder abzuziehen. Das Fest ist im allgemeinen auf das allerschönste. verlaufen, und die Gegenwart vergißt bei der Erinnerung an den unvergleich­lich herrlichen Festtag das wenige Wenigerschöne der Vergangenheit. Wenn die Glocken der Erinnerung läuten, wird es ja immer Festtag im Herzen, und besonders schöner und hoher Festtag bei der Erinnerung an einen ergreifenden patriotischen Moment. Auch die kurzen Stunden, die uns vergönnt waren, unseren Großherzog und unseres Grofe- herzogS Oheim zu schauen, haben uns lebenslängliche Er­innerungen geschenkt. Unser Landesherr hat sich aufs neue eine goldene Brücke gebaut zu den Herzen der Gießener, i durch seine rege Teilnahme an dem, was uns lieb und wert ist.

In der Geschichte der alten Stadt Gießen wird der 10. Mai 1900 stets als einer der glänzendsten Tage für alle Zeiten erscheinen, der Tag, an dem man das stattliche Zeichen innigster Dankbarkeit für die große Volksthat in den Jahren 1870/71 feierlich enthüllte, zu dessen irnpo- sanier Höhe noch die spätesten Geschlechter bewundernd em­porblicken werden.

Nachträglich wird uns noch mitgeteilt:

Die Pause zwischen Parade und Festmahl haben Se. Königl. Hoheit der Groß Herzog und Se. Großherzogl. Hoheit der Prinz Wilhelm mit hohem Gefolge und den Exzellenzen Rothe und Dittmar dazu benutzt, unser Volks bad unter Führung des Oberbürgermeisters ein­gehend zu besichtigen. Seine Königliche Hoheit hat dabei wiederholt Seine Anerkennung über die mustergiltige An­lage ausgesprochen, und mit großem Interesse die wohl- gelungenen Vorführungen einer Anzahl jugendlicher Schwimmer in Reigenschwimmen, Springen und Tauchen I verfolgt.

Auch die am Erscheinen bei den Festlichkeiten Der» I hinderten Ehrengäste haben zum großen Teil telegraphisch

ihr Jntereffe an der Feier bekundet. Wir bringen im Nachstehenden die an Oberbürgermeister Gnauth gerichteten Depeschen zur Kenntnis:

Konstanz. Ihnen und den versammelten Herren Festten- nehmern fendet herzliche Glückwünsche Oberst v. Dewitz.

Marienbad. Der lieben getreuen Stadt (Süßen, den jetzigen und früheren Kameraden des Kaiser-Regiments herzlichsten Glück­wunsch und Gruß. In Treue festMit Gott für Kaiser und

Kass^a Am heutigen Ehrentage der Denkmalsweihe denk ich treu Ihrer schönen Stadt, und freue mich mit Ihnen und dem Denkmaisausschuß der würdigen Feier, von der fernzubletben mir aufrichtig fchwer geworden. Oberst v. Rosenberg.

Berlin. Zum Festessen tn SteinS Garten den friedlichen Kampsgenvffen wünscht «tn dem glänzenden Feldzug entsprechende« glänzendes FrtedenSfest. Mit deutschem Gruß Profestor Mangold

Der Krieg in Südafrika.

Lord Roberts telegraphiert aus dem Hauptquartier: Wir haben jetzt den Zandfluß überschritten. Der Feind nimmt noch eine starke Stellung ein, aber wir drängen ichrr allmählich zurück". .

lieber den Anmarsch der Engländer gegen den Zand­fluß, der in großer Stärke gestern ausgeführt wurde, war vorher ein Rapport Roberts' in London eingegangen. Ro- berts telegraphierte aus Welgelegen: Die Divisionen Carew und Tucker und Jan Hamiltons Kolonne, Marine- und Feldarttllerie und vier .Kavalleriebrigaden marschierten hierher. Der Feind steht aus der anderen Seite des Zand- flusfes. Ich hoffe den Uebergang erzwingen zu können.

Nach Mitteilungen desDaily Telegraph" undDaily Chroniele" gerieten die Australier von Huttons Division bei Virginia Sidingi in Gefahr, abgeschnitten zu werden. Die Buren überschritten den Zandfluß und brachten ine Kanadier und Neuseeländer unter ein heftiges Feuer. Diesen wurde dann befohlen, eine Demonstration zu machen, unter deren Deckung bie Australier von Neu- Südwales sich zurückziehen konnten. Huttonkonnte" sich mitgeringen" Verlusten zurückziehen und seine Verwun­deten wegschaffen. DemDaily Chroniele" zufolge be­findet sich Hutton jetzt auf der Nordseite des Flusses und bewegt sich vorsichttg an der Eisenbahn entlang, die an verschiedenen Stellen zerstört ist.

Aus Kapstadt wird berichtet, Roberts werde, sobald er den Vaal erreicht habe, den Oranjestaat formell dem britischen Reiche einverleiben. Inzwischen soll der Sitz der Freistaat-Regierung bereits nach Heilbron verlegt sein. Die Buren konzentrieren sich im Norden Mafekings, um dem Vormarsch der Entsatzarmee zu be­gegnen.

Wir schließen hieran noch die folgenden Meldungen:

In Kimberley findet zur Zeit ein Prozeß gegen Kap- holländer statt, die des Aufruhrs beschuldigt werden. Bis­her wurde gegen drei derselben verhandelt, der Gerichts­hof sprach alle drei frei. c ..

! Der Oberste Gerichtshof in Kapstadt entschied, daß bie I Nationalbank von Transvaal' keine feindliche Institution sei, ba bie Regierung von Transvaal nicht bie Hauptteil- Megn Post" berichtet aus Ladysmith, .®c"er

Buller W am 1. Mai eiue Pr°kr°mat,o» er> lassen, in der er bekannt macht daß er °»e Bewohner Natals, die den Reuth jetzt »erlassen wollen -Kehmen Uttd sich^r Inkressen^aller, Mefr e7n? Micher? Behandlnn/berbienten, als diejenigen, dl-

Rachklänge vom Denkwalsfeste.

(Fortsetzung aus dem ersten Blatt)

Während des Festessens in Steins Garten liefen von I leider am Erscheinen verhinderten Veteranen eine große I Anzahl Telegramme ein, u. a. vom Oberleutnant a. D. I RegierungS- und Baurat v. Ritgen aus Berlin, Leutnant I a. D. Baurat Laubenheimer aus Ars a. b. Mosel, I Oeser aus Glogau, Oberst Haupt aus Neapel, und vor I allem auch vom Denkmalswärter in Amanweiler, | der die Niederlegung des von hier zur Schmückung des I dortigen Denkmals der 116er hingesandten Kranzes be. I ftätigte. Auch hier herrschte die ungezwungenste, heiterste I Stimmung. Alles verlief in schönster Harmonie, wie es I nach den sorgfältigen Vorbereitungen des Ausschusses für I das Veteranenfest auch nicht anders zu erwarten war. Das I Essen war gut, der Wein nicht minder und die Bedienung I traft. Ueberall nur eine Stimme des Lobes und der Zu- I friedenheit, wie es nicht ein- sondern hundertmal dem Vor- I sitzenden des Veteranen-FestauSschusses, Stadtverordneten I EmmeliuS, mit herzlichsten DankeSbezeugungen versichert I wurde. Unter solchen Verhältitiffen, in denen sich jeder I äußerst wohl fühlte, war es nicht zu verwundern, daß die I Stimmung früh eine recht animierte wurde. Zwischen */z3 I und 3 Uhr hatte sich auch die große Mehrzahl der I Veteranen, die in anderen Lokalen ihr Festessen gehabt I hatten, in SteinS Garten zum Bankett eingefunden, zu dem I kurz nach 3 Uhr auch der Großherzog und Prinz Wilhelm I nebst Gefolge erschienen, von Se. Exzellenz Generalleutnant I Rau mit folgenden Worten empfangen:

Dem Fürsten Heil, so tfcnt die alte Weise, Die HeflenS Volk treu seinem Herrscher singt. Dem Fürsten Heil, im Kameradenkreise, Gewaltig heute sie erklingt.

Zu Gott im Himmel stehen wir: Schütz unfern Fürsten für und für!

Als wir vor 3 Jahrzehnten von Gießen ausgegangen gegen den Erbfeind, da waren diese Klänge ein heißes Flehen, daß der allmächtige Gott uns würdig befinden möge, das von den Vätern überkommene I vrbteil zu besitzen; heute steigt die Hymne al« Jubelrus, als Dankgebet empor zu dem Lenker der Schlachten, daß er unseren Fürsten und daS Reich beschirmt und beschützt hat Wie der auf das Master geworfene Stein immer größere Kreise hervorbrmgt, dw, keiner ganz gleich dem andern, alle vom gemeinsamen Mittelpunkt abstammend, die Oberfläche «nd das Master bis auf den Grund erzittern machen, so muß btc Hymne das ganze Vaterland durchdringen, auS der Tiefe des Herzens kommend in der kleinsten Hütte denselben freundlichen Eingang finden wie in dem größten Palast. In diesem Geiste bitten wir unfern aller- unterthänigsten Dank dafür aussprechen zu dürfen, daß Ew. K. Hoheit alS hellleuchtender Brennpunkt zu dem heutigen Fest gekommen sind unb durch Ihr Erscheinen speziell unserer Feier die wahre Weihe ver- llieben haben. Unser dankbares Gelöbnis der unentwegten Hingabe unseres ganzen Seins, im Leben und im Tode, an die geheiligte Person unseres Fürsten, bekräftigen wir mit dem Rufe Se. K. Hoheit der Groß- Herzog, I. K. Hoheit allerhöchst besten hohe Gemahlin und das ganze Großherzogliche Haus Hurrahl"

Im Anschluß baran überreichte Excellenz Rau Seiner Königl. Hoheit dem Großherzog eine künstlerisch aus- aesührte Mappe mit dem Verzeichnis der Veteranen, die Se. Königl. Hoheit mit sichtlichem Interesse in Augenschein und huldvollst entgegen zu nehmen geruhte. Durch einen Händedruck dankte der Großherzog Excellenz Rau. Hierauf begrüßte der Großherzog seine alten tapferen Veteranen und brachte ein Hurrah auf Se. Majestät Kaiser Wilhelm II. aus, das begeistert ausgenommen wurde. Die Kapelle intonierteHeil Dir im Siegerkranz", das von allen Anwesenden laut mitgesungen wurde. Darauf machten der Großherzog und Prinz Wilhelm einen Rundgang durch den Saal, mit diesem und jenen Veteranen sprechend und manchen durch einen Händedruck auszeichnend. Veteran Bruchhäuser wurde durch eine längere Unterhaltung und Händedruck besonders geehrt. Von brausenden Hurrarufen begleitet, verließen die hohen Gäste gegen V24 Uhr SteinS Garten, um mit Sonderzug nach Jagdschloß Wolfsgarten Äbzureisen. Die Begrüßungsreden der weiteren Vertreter der Stadt, der Herren Stadtver. Loos, Schmall, Petrill. And Wallenfels, die im Hotel Großherzog von Hessen, im Cafs Leib, im Cafs Ebel und Hotel Einhorn gehalten wurden, waren, wie es ja in der Natur der Sache hegt, ähnlichen Inhalts, wie von dem Vertreter der Stadt in Steins Garten, weshalb wir von einer wörtlichen Wieder- gabe absehen zu dürfen glauben.

Nun begann ein fröhliches Gelage, zu dem die Kapelle ber Marburger Jäger, die auch schon während des Fest- -rssens gespielt hatte, lustige Weisen erklingen liefe. Eine unerschöpfliche Reihe von Toasten allgemeiner und persön­licher Art folgte. U. a. toastete Pfarrer Dr. Naumann auf Excellenz Rau, der in kurzen, markigen Worten dankte. Des längeren erging sich in Erzählung einzelner Episoden

Oberleutnant. _ . ,.

Das Grofeh. Hofmarschallamt hatte 3 Gespanne hier- her entsandt, wozu der Hoflohnkutscher Huhn weitere zwölf Galawagen zur Beförderung unserer hohen Gäste stellte. Dem Herrn Huhn persönlich war die Disposition über den ganzen Fuhrpark übertragen, eine Aufgabe, die bei den wvUv.. ~.ö...... , vielen Fahrten, die unternommen wurden, nicht leicht war,

ans Vilbel sofort 10 Mark gesandt I die aber nach jeder Richtung auf die Minute klappte, sodaß

...... Weitere bestimmte Angaben über fernere I Se. Kgl. Hoheit noch kurz vor seiner Abreise Herrn Huhn Sendungen fehlen uns noch. Sollten uns noch weitere I seine Anerkennung dafür aussprechen liefe.

Angaben hierüber zugehen, sind wir gern bereit, davon