Ausgabe 
12.5.1900 Erstes Blatt
 
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Monatliche Uebersicht der Todesfälle in Gießen.

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Lungenschwindsucht Lungenentzündung Lungenkatarrh Influenza Schlagfluß Herzleiden Atrophie und Lebens­schwäche

Krebs Altersschwäche Andere Krankheiten

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Gerichtssaal.

Mainz, 10. Mai. Die Strafkammer verurteilte den Zeugschmied Karl Braun aus Pöllnitz wegen Erpressun g zu drei Jahren Gefängnis. Braun hatte sich als Detektiv aufgespielt und einem armen Handlungsgehilfen und dessen Mutter unter der Drohung, den jungen Mann wegen eines angeblich begangenen Sittlichkeitsvergehens in das Gefängnis bringen zu können, erst 150, dann 350 und zuletzt 500 Mark abgepreßt. Erst als die Mittel der bedrohten Leute bis auf den letzten Heller erschöpft waren, und sie keinen anderen Ausweg mehr wußten, kam die Sache zu Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.

Leipzig, 8. Mai. Der entzogene Kommerzienratstitel. Der Herzog von Anhalt hatte vor einigen Jahren dem Bankier Nathan Herzberg in Köthen den Kommerzienrattitel verliehen, später aber wieder entzogen, weil chm nachteiliges über den geschäftlichen Charakter des genannten Herrn zu Ohren gekommen war. Herzberg war natürlich durch dieses allgemeines Aufsehen erregende Verfahren sehr unangenehm berührt und befürchtete vor allen Dingen geschäftliche Nachteile durch das Bekanntwerden der herzoglichen Ungnade. Er setzt deshalb alle möglichen Mittel in Bewegung, um die Zurücknahme der Titelentziehung zu erlangen oder wenigstens den Gründen auf die Spur zu kommen, die sie veranlaßt hatten. Nachdem schriftliche Gesuche an den Staatsminister Dr. v. Koseritz und endlich an den Herzog selbst erfolglos geblieben waren, verfaßte er zwei Flugblätter und verbreitete sie als Beilagen desDessauer Tageblattes". Da die Köthener Blätter die Verbreitung abgelehnt hatten, ließ Herzberg in Köthen selbst seine

Jagd und Sport.

Die große Internationale Ausstellung von Hunden aller Rassen der Berliner Gesellschaft der Hundefreunde am 8. und 10. Juni, findet im Restaurant Linder zu Pankow statt. Der Erfolg der vorjährigen Ausstellung veranlaßte die Gesellschaft, diesmal die Ausstellung 2 Tage abzuhalten. Die Leitung liegt wieder in Händen des Kynologen und Jagdhundzüchters Liebreich-Pankows

Summa: 33 (12) 23 (10) 4 (2) 6 .

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, rote ottie der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

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Schrift durch Boten verbreiten. In diesen Flugblättern wurde nun gesagt das gegen den Verfaffer eingeschlagene Verfahren sei unerhört, das allgemeine Rechtsgefühl aufs Tiefste verletzend und von Beweg­gründen beeinflußt, welche Veranlassung hätten, die Oeffentlichkert |u scheuen. Hierin wurde -ine Beleidigung des Ministers Dr. von Koseritz erblickt, und das Landgericht Dessau verurteilte Herzberg zu 300 Mk. Geldstrafe. Es wurde angenommen, daß der Angeklag e dem Minister etwas Wrgeworsen habe, was gegen Gesetz und gute Sitte verstoße und bei EMdeckung Strafe und Verachtung zur Folge habe Der Schutz des $ 183 wurde dem Angeklagten nicht zugebrllrgt, eventuell wurde angenommen, daß dieser Schutz wegen der beleidigenden Form nicht eintreten könne. Mildernde Umstände wurden indessen dem Ange­klagten zugebilligt, weil er durch das gegen ihn emgeschlagene Verfahren sehr erregt war und sich in seinem Ansehen als Geschäftsmann ge« schädigt sah. Gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte Revision eingelegt, die vom Justizrat Dr. Selle aus Berlin vor dem Reichsgerichte vertreten wurde. Gemäß dem Anträge des Reichsanwalts erkannte jedoch das Reichsgericht auf Verwerfung der Revision, da die er­hobenen prozeffualen Beschwerden sämtlich bedeutungslos und die ma­terielle Rüge der Verletzung des § 193 unbegründet sei.

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Schauer unentwegt vorwärts wie Schmetterlinge, welche vom Lichte angezogen werden. Starke Carabinieriwachen, welche an der Grenze der Ausbruchszone ausgestellt sind, hindern endlich das weitere Vorgehen. Gewöhnlich hat die Kcaterfläche im Centrum ihre Oeffnung, heute jedoch dringen aus 1000 Spalten zwischen den in allen Farben schillernden Blöcken gewaltige Rauchsäulen hervor, und dann auch Lava, welche die Fläche in ein glühendes Meer verwandelt, sowie gewaltige donnerähnliche Töne erzeugt. Unter der Lava nämlich entwickelt sich Gas, vor allem aber Wasserdamps, der explodierend die Lava hochschleudert. Die Bewohner der Vesuvdörfer sind meist mittelst Barken auf das Meer geflüchtet. -Die Versuche, die geängstigten Leute zu be­ruhigen, sind vergeblich. Es regnet in Strömen heute Morgen.

UmvrrsNät und Hochschule.

Wien, 10. Mai. Der Rcktor der Universität empfing die Vertikter der farbrntragenden Verbindungen tmb drohte ihnen ein allgemeines Verbot des Farbentragens an namens des aka­demischen Senates, wofern die V'.rtreter nicht die Verantwortung für ein gutes Verhalten der Mitglieder der Verbindungen über­nehmen. Der Rektor gewählte eine 24fiündige Frist zur Beant­wortung.

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m. Alleudorf, Kreis Ziegenhain, 10. Mai. Die hiesige neuerbaute Kirche, zu welcher am 27. Januar v. I. der Grundstein gelegt worden ist, geht allmählich^ ihrer Vollen­dung entgegen. Die Maurerarbeiten hat Herr Bertram- Ziegenhain ausgeführt. Die Kirche ist 14 Meter lang und 8 Meter breit und ist mit schönen Bildhauerarbetten an den Eingängen verziert, welche von Kasseler Künstlern ver­fertigt sind. Der Kostenanschlag beträgt 30000 Mk.; der Kirchenkasten übernimmt jedoch hiervon 24000 Mk 3000Mk. trägt die Gemeinde, und der Rest ist durch freiwillige Gaben aufgebracht worden. Für Ausschmückung der Kirche und Anschaffung von Kirchenfenstern sind von hiesigen Einwohnern 1400 Mk. gezeichnet worden. Vergangene Woche weilte Herr Konsistorialpräsident v. Altenbockum Kassel hier, nahm die Kirche in Augenschein und gab seiner lebhaften Freude über die wohlgelungene Ausführung Ausdruck. Die Einweihung wird voraussichtlich noch im Laufe dieses Sommers in Gegenwart der Spitzen der Behörden von Kassel, Ziegenhain, Treysa rc. stattsinden. Herr Ober- präfident v. Zedlitz-Trützschler und der Herr Regierungs­präsident v. Trott zu Solz, sollen ihr Erscheinen in Aus­sicht gestellt haben.

Vermischtes.

* Der grollende Vesuv. Je länger der unheimliche Riese am neapolitanischen Golf seine drohende Stimme er­tönen läßt, desto mehr verbreitet sich in den wunderbaren Gefilden seiner Umgebung die Angst vor einem grauen­haften, unnennbaren Schicksal. Die Erinnerung an die verhängnisvolle Thätigkeit des Vulkans im Jahre 1872 wird mit jedem neuen Donner des gewaltigen Berges lebendig ins Gedächtnis zurückgerufen, und erschüttert an­gesichts des schaurig erhabenen Schauspiels der einzelnen Eruptionen die sonst so lebenslustigen Gemüter |ber Süd- Italiener. Allem Anscheine nach dauert es noch eine Weile, bis der Vesuv seine gefahrdrohende Thätigkeit wieder ein- stellt. Seit dem letzten Ausbruch im Jahre 1872 hat Neapel kein so imposantes Schauspiel mehr gehabt wie gestern. Die weißen Rauchsäulen, die aus dem Krater emporwirbelten, sesselten alle Blicke und setzten ungezählte Scharen in Bewegung. Während Hunderte von Wagen auf den gekrümmten, mit Lavablöcken übersäten Wegen sich hin­ausmühten, erzitterte die Erde von dem gewaltigen, unter­irdischen Grollen des Titanen, und erfüllte alle mit einer unnennbaren Angst, aber auch mit einer seltsamen, unge­duldigen Erwartung vor etwas Großem, Schrecklichem, Niegesehenem, was demnächst hereinbrechen müßte. Wäh­rend die Stöße, einer heftiger wie der andere, folgten, und bei jedem Stoße gewaltige Feuer- und Schlackenmassen 500 Meter hoch geschleudert wurden, um in glühenden Para­beln wieder herabzusallen, meist auf der Seite nach Pom­peji, wo sie schnell erkalteten, ging die Masse der zahllosen

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