Erstes Blatt.
Nr. 110
Samstag den 12. Mai
1900
Amts- und Anzeigeblatt fiiv den Uvcis Gieszen.
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13. Mai, in
Donnerstag, 17.
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Die Gießener IlamikienVlLtler werde« dem Anzeiger im Wechsel mit ,Heff. Landwirt" a. „Blätter für Hess. Volkskunde" wöchll. 4 mal beigelegt.
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Gießen, den 10. Mai 1900.
Der Vorsitzende des Vereinsbezirls Gießen.
Frhr. Schenck. ________
standen hätten, unverändert fortbestehen und von beiden Seilen hochgehalten werden. Die Rede klang in einem Hoch auf Se. Majestät Kaiser Wilhelm II. aus, unter dem das Erbe, welches Kaiser Wilhelm der Große hinterlassen, in
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Rödgen, Großen Buseck, Alten Buseck, Daubringen, Staufenberg, Mainzlar, Treis a. d. Lumda.
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Kranz legten auch noch die Veteranen aus Friedberg | nieder. Bei dem Ruudgang um das Denkmal ging £)6er I lürgermeister Gnauth zur Linken des Großherzogs, Stadt- I verordneter Kirch zur Linken des Prinzen Wilhelm. Die I when Herrschaften unterhielten sich lebhaft mit beiden I Herren. Dann besichtigte Se. Kgl. Hoheit mit lebhaftem I Jnteresie die Votivtafeln im Rathausvorsaal.
Der Vorbeimarsch der Veteranen, Schulen und I Vereine vollzog sich programmmäßig. Nur waren es nicht I 80 junge Mädchen in Volkstrachten, wie wir gestern meldeten, I andern 18, ein Irrtum, der uns durch einen Hörfehler 1 mterlief. Bei den Trachten waren grün, blau und schwarz | )ie dominierenden Farben.
Nach Beendigung des Vorbeimarsches reichte der Groß- I Herzog Herrn Oberbürgermeister Gnauth, Herrn Ludwig Habich und Herrn Kirch die Hand. Inzwischen waren die Wagen angefahren, deren Verdeck man jetzt herunterschlagen konnte, da der Regen ganz aufgehört hatte. Auf | der Fahrt zum Provinzialdirektor Herrn v. Bechtold brachten Universität und Studentenschaft den hohen Gästen lebhafte Ovationen dar.
Als der Großherzog und Prinz Wilhelm mit den Herren, die an der Frühstückstafel teilgenommen hatten, I auf dem Paradeplatz eintraf, schritt er die Front des Regiments ab. Der Parademarsch des Regiments und auch der Veteranen wurde in Kompagniefront gemacht und machte einen vorzüglichen Eindruck. Die Richtung und das Herausbringen der Beine unserer Veteranen war so tadellos, wie sie eine aktive, wochenlang auf eine Besichtigung hin gediente Truppe es kaum hätte besser machen können. Auf allen Gesichtern leuchtete froher Stolz, in dem Verbände, in dem die Wackeren vor 30 Jahren Schulter an Schulter gestanden, heute an dem geliebten Landesherrn vorbeimaschreren zu dürfen. Nach der Parade begaben sich die einzelnen Kompagnien in die bekannt gegebenen Lokale.
Währenddessen fand im Gesellschaftshause das große Festmahl statt.
Der Dank Sr. Sgl. Hoheit des Großherzogs auf dieRede desOberbürgermeisters beimFest- mahle im Gesellschaftshause hatte folgenden Wortlaut:
Ich danke meiner getreuen Stadt Gießen für den herzlichen Empfang, der mir heute bei der Enthüllungsfeier zuteil wurde. Das erhabene Denkmal wird allen denen, welche an der ruhmreichen Zeit der Gründung des Reich- teilgenommen haben, eine erhebende Erinnerung und den zukünftigen Generationen ein Sporn fein, das aus dem Blute ihrer Borfahren Errungene zu erhalten. Ich trinke auf das Wohl der Stadt und ihrer getreuen Bürger, welche unter meinem Vater den Sieg errungen, den Frieden des Landes herbeigeführt haben. L t
Man war in der gehobensten Stimmung, und das that nicht zum wenigsten der Feftwein. Dieser Festwein, der Tiergärtner namentlich und die Liebfrauenmilch, war einfach ein Gedicht, und wahrlich kein schlechtes, des seligen, trinkfrohen Mirza Schaffy würdig. Es ward ein andächtiges Zungenschnalzen und Schlürfen im Saale laut, als die kostbaren Tropfen in den Gläsern perlten. Der Wein hat jedenfalls die fürstlichen Ehren verdient, mit denen man ihn aufnahm.
Herrn Kirch kam etwa um 2 Uhr die gute Idee, an Seine Majestät den Kaiser ein Huldigungstelegramm abzusenden. Er wandte sich deshalb an Seine Exzellenz den Oberhofmarschall General v. Westerweller, um die Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit einzuholen. Einen Textentwurf hatte er bereits verfaßt. Da erfuhr er, daß Seine Königliche Hoheit bereits selbst soeben ein Telegramm an den Kaiser abgefaßt und abgesandt hatte. Dieses Telegramm brachte unserm Kaiser die Mitteilung von der Enthüllungsfeier des Kriegerdenkmals für die Söhne unserer Stadt und für das Regiment „Kaiser Wilhelm", und übermittelte Sr. Majestät namens aller Festteilnehmer den Gruß ehrfurchtsvoller Huldigung. Der Oberbürgermeister wurde eingeladen, dieses Telegramm mit zu unterzeichnen.
Der Empfangs-Salon im Klubgebäude war von der Firma Theodor Brück in Gießen eingerichtet worden.
In Steins Garten war die größte Zahl der Veteranen zum Festesten versammelt, die.der Beigeordnete Wolff im Namen der Stadt herzlich willkommen hieß. Mit ihnen begrüßte er auch die Söhne Gießens und die Vertreter des Regiments. Der Redner betoMe, daß die Teilnehmer am schönen Feste die Ueberzeugung mit in die Heimat nehmen möchten, daß die engen Beziehungen, die zu ihrer Zeit zwischen Regiment und Bürgerschaft be-
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guter Pflege und guter Hut stehe.
Darauf erhob sich Se. Excellenz Generalleutnant Rau, ... die Opferfreudigkeit und treue Anhänglichkeit der in der Heimat zurückgebliebenen Brüder der Stadt Gießen ' der Provinz Oberhesten feierte:
Wie freuten wir uns, wenn die Sendungen kamen, klopfte das Herz, allein nicht des materiellen Wertes wegen, es war die Luft, der Pulsschlag der Heimat, den wir spürten, der Brief mit der Mahnung der Witwe an den einzigen Sohn, daß er treu aushalten solle, bis der Gegner zu Boden geworfen. Daß bei diesen Gaben die Provinz und vor allem die Hauptstadt nicht gefehlt hat, wissen wir alle, erinnern wir uns doch, daß Bürgermeister und Rat persönlich alles, was niet- und nagellos war, herbeigeschleppt, um dem Regiment vor Metz die Not leichter ertragen zu machen. In dieser Zeit wurden die Keime gelegt, die in der 30 jährigen Friedensperiode aufbrachen und zu starken Bäumen heranwuchsen, in deren Schatten wir das heutige Fest feiern. Aus jenen Tagen stammen die innigen Beziehungen zwischen der Stadt und dem Regiment, die Freude der Truppe an dem Blühen und Gedeihen des Gemeinwesens, und der Stolz der Bürgerschaft, wenn ihr Regiment „Kaiser Wilhelm" dem alten Lorbeer neue Ehren hinzufügt. Wie staunte ich, als ich nach 15 jähriger Abwesenheit Gießen wiedersah, überall Licht und Luft, ohne Kommentar, für jedermann erkenntlich, daß tüchtige Bürger, intelligente Stadtverordnete und ein genialer Leiter untereinander wetteifern und allezeit im Kampfe für das Gute und Schöne, für die wahre Humanität im ersten Treffen marschieren. Das zeigt auch uns das heutige Fest! Nehmen Sie unseren besten Dank dafür, daß Sie uns dazu eingeladen und weiter für die Stiftung und das Aushängen der Votivtafeln im Stadthause, wodurch Sie die Lebenden
Bekanntmachung.
Betr.: Die Fahrräder und Automobile.
Die Frist zur Anmeldung und Versteuerung der Fahrräder und Automobile haben wir bis zum 20. Mai l. I. verlängert.
$ßer bis zum genannten Tage die vorgeschriebene Stempelsteuer nicht entrichtet oder Befreiung von derselben auf Grund des § 3 der Verordnung vom 10. Oktober v. I. nachgesucht hat, verfällt, wenn er sein Rad zum Fahren auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen benutzt, in die gesetzliche Strafe.
Personen, welche, ohne den Besitz aufzugeben, rhr Rad re. nicht mehr benutzen wollen, haben dasselbe bis zum gleichen Termin unter Abgabe der Nummerplatte an uns, übzumelden.
Meldungen haben auf dem Zimmer unseres Bureauvorstehers, Brandplatz 9 eine Treppe hoch, zu erfolgen.
Gießen, den 8. Mai 1900.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
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Meßmer Anzeiger
Heneral-Anzeiger
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Nachklänge vom Denkmalsfeste.
Gieße«, den 11. Mai 1900.
unserer gestern Nachmittag kurz nach 3 Uhr allenthalben in der Stadt zur Verteilung gelangten Feft- «ummer haben wir bereits ein in großem Rahmen ge- halteneS Bild von den wesentlichen Vorgängen des gestrigen unvergeßlichen Festtages geboten. Für heute er- Lbrigt es sich nur noch, die verschredensten belangreicheren Einzelheiten ergänzend nachzutragen.
Der bis 10 Uhr saust herniederrieselnde Staubregen zog es vor, just bei Ankunst Sr. Kgl. Hoheit unseres verehrten Großherzogs auszuhören. .
9 Unter den Ehrengästen bemerkten wir: den Oberhos- marschall General von Westerweller, dm Minister Ro he, Küchler und Dr. Dittmar, den Geh. Oberbaurat Hofmann vom Ministerium, den Oberbürgermeister von Darmstadt Morneweg u. a. m. Der Groß- b erzog trug di- Uniform des Leibregiment« Nr. 115, Nr,,,- Wilhelm die unseres Regiments „Kaiser Wilhelm". Beide hatten das große Band und die Kette zum LudwigSorden anaeleat. Der kommandierende General v. Lindeguist, dem der Großherzog nach Abschreiten der Front der Ehren, komvagnie die Hand reichte, trug das große Band des Schwarzen Adlerordens. Auf der Wests-,.-hatten d.e Ehren, lompagnie mit der Regimentskapelle, rechts davon d,e Generalität und die Offiziere des Regiments, daran anschließend an der Südseite des Denkmalsplatzes die Sanger, zu beiden Seiten des Denkmals die Reserve-, Landwehr- und Sani- ttooffWere an der Ost- und Nordseite des Marktplatzes die^ Veteranen in 6 Gliedern Stellung genommen. Als die Hülle vom Denkmal gefallen war, fah man das Wasser des Brunnen bereits lustig sprudeln. Einen prachtvollen
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Den Herren Großh. Bürgermeistern und Obmännern neben bezw. der praktischen Unterweisungen besondere Mit teilungen zu mit dem Ersuchen um ortsübliche Bekannt-
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Betr.: Vorträge über Obstbau.
Der Obstbautechniker des Oberhessischen Obstbau- Vereins, Herr Metz aus Friedberg, beabsichtigt, an den anqeführten Tagen die nachstehend verzeichneten Orte des Kreises Gießen zu besuchen, um daselbst Borträge über Obstbau zu halten und an Obstbäumen praktische Unterweisungen zu erteilen.
Au Wochentagen beginnen die Vorträge abends 8 Uhr, Sonntagen nachmittags 3 Uhr.
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in hohem Grade geehrt und die Namen der für das Vaterland Gestorbenen der Nachwelt überliefert haben. Unseren wärmsten Dank und unsere Wünsche für das Wachsen und Blühen der Provinzialhaupt- und Universitätsstadt Gießen sowie ihre innigen Beziehungen zum Regiment fassen wir in dem Rufe zusammen: die Bürgerschaft, die Stadtverordneten und der Herr Oberbürgermeister, sie leben hoch!
(Fortsetzung im zweiten Blatt).
Deutscher Reichstag.
190. Sitzung vom 10. Mai. 1 Uhr.
Im Reichstage wurde heute der Gesetzentwurf, betr. die militärische Straf rechtspflege in Kiautsch ou, beraten, welcher bestimmt, daß die in der Mili- tärstrafgerich^tsordnung für das Verhältnis an Bord gegebenen Vorschriften auch auf die zum Kaiserlichen Gouvernement Krautschou gehörigen Militärpersonen Anwendung finden.
Abg. Basserm'ann (natl.) ist mit der Vorlage im ganzen einverstanden, bittet aber, die zweite Lesung nicht gleich heute vorzunehmen, um für diese einen Paragraphen vorbereiten zu können, durch den die Geltung des Gesetzes zeitlich etwa auf fünf Jahre begrenzt wird. Es dauernd zu bewilligen, trage er Bedenken, weil darin das RechL der Beruftmg beschränkt sei. Der Staatssekretär des Reichsmarineamts ist der Meinung, daß das Gesetz dauernd Geltung haben müsse, weil das Militär im Kiautschlou- Gebiet dauernd in steter Waffenbereitschaft sein müsse. Daß sich die Verhältnisse in fünf Jahren dort wesentlich ändern würden, glaube er nicht.
Die Abgg. Eickhoff (freis. Vp.) und Rickert (freis. Vgg.) stimmen dem Abg. Bassermann bei, während
Abg. Kirsch (Ztr.) eine Fristbestimmung für überflüssig hält, da der Reichstag es jederzeit in der Hand habe, eine Aenderung des Gesetzes zu beantragen. Damit schließt die Diskussion, die zweite Beratung oer Vorlage wird von der Tagesordnung abgesetzt, diese aber nicht an eine Kommission verwiesen.
Sodann wird die zweite Lesung der Novelle zum Gewerbe - Unfallversicherungs - Gesetz fortgesetzt.
Nach dem Kommissionsbeschluß sollen die Arbeitervertreter von den Ausschüssen derjenigen VersicherUngs- anstalten gewählt werden, auf deren Bezirke sich die Berufsgenossenschaft oder Sektion erstreckt: "w/Mbrechtlgt sind jedoch nur diejenigen Mitglieder der Auvfchusfe, die als Vertreter der Versicherten berufen U"d. Wahlbar sind deutsche männliche volljährige versicherte .„Shin
wählbar soll sein, wer zum Amte emes Schöffen unfähig ist. Die Wahl erfolgt auf fünf Jahre.
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