Ausgabe 
12.4.1900 Zweites Blatt
 
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Donnerstag den 12 April

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Anrts- und Anzeigeblutt fiw den Ttreis Gietzen.

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Lr. 86 Zweites Blatt

An die I »S L-n die NngeborL gewesen,

Duf.-Aegts., jetzt Ins.-Wegts. <Aarser eOUpnm I p^te sjtoIte ber Engländer beschrankte sn

Ar. 116, aus 1870/71. '

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Kameraden!

In Gegenwart Sr. Königs. Hoheit de« Graßh-rzags soll am 10. Mai l. I., dem Tag- der 8nebenSfWfe6 tn 1871. das dahier errichtete Kriegerdenkmal enthüllt werden. Dasselbe ist nicht allein den Söhnen Gießens, sondern auch dem Regiment, insbesondere denjenigen, welche dann den Feldzug mitgemacht haben, gewidmet. Es ist deshalb be­absichtigt, auch alle Veteranen des Regiments auS 1870/71 an der Feier teilnehmen zu lassen, um ihnen Gelegenheit au geben, wieder einmal zusammen zu kommen und m Er­innerung an die vor nunmehr säst 30 Fahren gemeinsam verlebten glorreichen Zeiten einige frohe Stunden im Kreise d.er Kameraden zu verbringen. Die Enthüllungsfeier wird um 91/2 Uhr vormittags ihren Anfang nehmen. Nach der­selben werden die Veteranen an Sr. König!. Hoheit vor­beimarschieren und später auch an der vorgesehenen Parade

ttrnohmo von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Lag erscheinenden Nummer b.s norm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.

besiegt mnd die Buren wanderten nach dem Vaalflusse

186567 die Buren in blutigen Kämpfen über die Bafutos, ihre östlichen Nachbarn, gesiegt hatten, ver- hinderte England, diesen Sieg auszunutzen, indem es den Buren die Annexion des Basutolandes verbot. 1871 wurden dem Oranjefreistaat mit vollständiger Willkür die ®ta* mantenfelder weggenommen. Die beiden Republiken sind wiederholt annektiert, dann aber gezwungenermaßen wieder sreigeaeben worden. ... , ..

Die glänzenden Rüstungen der Buren sind freilich erst eine Errungenschaft der Neuzeit. Nach 1869 sah es damit trübe aus, wie aus folgendem humoristischen Bericht eines» damals in Transvaal anwesenden Engländers hervor- 0^^'Am Neuj'ahrsabend bildeten wir eine lustige Gesell-, schäft, bemächtigten uns der Kanone der Transvaal-Re­publik, brachten sie auf den Marktplatz, luden sie und be­willkommneten das neue Jahr mit Salutschüssen. Der Kommandant der Artillerie erwachte bei der ersten Ent­ladung, und als die zweite und dritte folgte, machte er mir das Kompliment:O, Sie verstehen mit dem Schreß- zeuq schon umzugehen", und ging wieder schlafet.

In demselben Schreiben heißt es aber auch:

Nach einer langen Reihe von Kämpfen wird Trans­vaal noch durch die Ausdauer, Tapferkeit. und -Kühnheit seiner Pioniere die Bewunderung der Welt auf sich lenren.

Ein prophetisches Wort, das sich jetzt vollständig

Jahre 1869 also besaß Transvaal nur eine einzige Paradekanone. Erst 1894 begann man mit der Anschaffung von Batterien, die bei Krupp und einer österreichischen- Firma bestellt wurden. Krupp lieferte u. a. Mei Geschütze von noch nie dagewesenen Dimensionen, ledes nämlich 16 Meter lang und 904 Pfund Pulver zu einem Schuß be­nötigend. Eines dieser Geschütze ist der nun schon legendere lange Tom", das andere steht in Pretoria zur Vertei­digung der Hauptstadt bereit. Es folgte die Anschaffung von 24 Creusotkanonen, deren jede acht Schüsse in der Minute abgiebt und eine deutsche Meile weit trägt, ^nt ganzen besitzt Transvaal jetzt 230 Kanonen neuester Kon­struktion u,id ist damit der britischen Artillerie weit über­legen.

Auch die Leistungen der burischen Schießgewehre lassen nichts zu wünschen übrig. Freilich werden sie auch von Svldaten bedient, welche sich von Jugend auf im Schießen üben und deren Treffsicherheit eine erstaunliche ist. Das) Auge des Buren ist nämlich schärfer, als wir zivilisierten Menschen es uns vorstellen können. Wo wir in der Ferne nur einen grauen oder blauen Nebel sehen, unter-» scheidet er genau Häuser oder lebende Wesen.

Der Bure ist auch von Jugend auf ein vollkommener' Kavallerist. Seine .Kriege gegen die Eingeborenen hat er nur zu Pferde geführt. Er galoppiert nahe an den Feind heran, steigt ab, schießt ihn, gut zielend, nieder, schwingt sich wieder aufs Roß und flieht zurück. Im nunmehrigen Besitz von Nepetiergewehren begnügt er sich natürlich nicht

v.,a_________________ . sich früher mehr

darauf, auf ihre Macht pochend, gegen die Buren Gewalt­maßregeln anzuwenden, als diese Macht auch wirklich in Kämpfen zu beweisen, und die früher verstreuten und schlecht organisierten Buren wurden entweder m kleinen Gefechten besiegt oder ließen es gar picht harauf lankommen, init der großen englischen Weltmacht anzubinden.

Erwähnen wir hier nur einige Beispiele englischer Willkür. Als 1828 England die Sklaven für frei erklärte, war diese humane Maßregel für die Buren ein Unglück, denn die freien Sklaven organisierten sich als Kriegs- und Raubbanden, und die Engländer verhinderten es, daß die Buren sich ihrer nach Kräften erwehrten. Aus dieser Ve^ anlassung zogen die letzteren aus, um am Vaalflusse sich! neue Heimstätten zu gründen.

Als ein Teil der Buren sich infolge der Aufforderung, englischer Kolonisten in Natal angesiedelt hatten, wollte England ihre Selbständigkeit unterdrücken. Es kam tzum Kampfe, der vorzügliche Anführer der Buren, Pretorias, (nach deni die .Hauptstadt Transvaals benannt ist) wuxde

Mitunter könnte man beim Lesen der Zeitungen den Eindruck gewinnen, als säßen die Buren seit Zähren oder Jahrzehnten ruhig auf ihrer Scholle und feien erst durch die englische Anmaßung veranlaßt, zu den Waffen zu greifen, um ihr Vaterland zu verteidigen. Aber ihre Ge­schichte rumb ihre vorzügliche Ausbildung belehren uns eines Besseren. ,,, r ,

Seitdem die Buren ihre ursprüngliche Heimat in der Kapkolonie verlassen haben, ist ihr Leben eine Reihe von Kämpfen zum kleinen Teile gegen die Engländer, zum

den Kunstobjekten altungarischer Goldschmiedekunst und ge­werblicher Bijoux der Renaissance bilden, die wieder ihre Fortsetzung in der Ausstellung moderner Kunstgegenstände finden soll. Die herrlichen Werke des Hermannstädter Meisters Hahn aus dem 18. Jahrhundert, die berühmte Holtauer Monstranz samt .Kruzifix, die kostbaren sieben- bürgischen Kelche und Kirchengefäße sie werden alle den Reichtum und die Pracht des magyarischen Kunstge­werbes künden. Und so wird der ungarische Husaren-Saal der Pariser Weltausstellung der Welt offenbaren, daß Un­garn inmitten des großen Waffenlärms, der es zu vielen Zeiten erfüllte und des tapferen kriegerischen Geistes, der in seinem Volke lebte, stets auch der Kunst in liebender Sorgfalt gedacht und, während der Husaren-Saal, dieses glückliche Kuriosum, davon zeugen wird, daß der kavaller- istifche Zug, der in dem Ungarnvolke wohnt, ganz Europa seinen Stempel aufgedrückt, werden die die Industrie und den Handel der Gegenwart Ungarns repräsentierenden übrigen ungarischen Ausstellungs-Objekte in den einzelnen Hallen der Exposition dafür Zeugnis ablegen, daß Ungarn auch auf den Gebieten des gesamten Kulturlebens sich einen ehrenhaften Platz unter den Nationen gesichert hat. Das trotz seiner 1000 jährigen Geschichte heute noch junge Ungarn strebt mächtig vorwärts und sein unermüdlicher Regierungs-Kommissär Bela von Lukacz, sowie der ungarische Handelsminister Alexander v. Hegedues, deß' hoher schöpferischer Geist und geniale Initiative dem ungarischen Gewerbe neue Flügel zu verleihen verspricht, sie werden Ungarn auf der Pariser Weltausstellung m den edlen Wettbewerb der Völker im neuen Jahrhundert bestens eingeleiten. Ludwig ikotter.

Der Hulares-Saal auf der pariser MltauskeUuag.

(Eigenbericht. Nachdruck verboten).

Paris, im April 1900.

Mit der französischen Infanterie, der österreichischen Artillerie und der ungarischen Kavallerie erobere ich die ganze Welt. . . (Napoleon I.)

Hart am Seine-Ufer am Quai d'Orsay erhebt sich der von den Architekten Jambor und Balwt errichtete unga- trische Pavillon, der den Besuchern der 1900er Pariser Welt- iausstellung in stylgerechter treuer Nachbildung die ^enk- «näler der alten ungarischen Baukunst vor Augen zaubern -soll Schon das Aeußere dieses Pavillons dürfte als histo­rische Merkwürdigkeit gar viele Beschauer an sich locken, das Innere sich aber als ein wahres SchatzMein un­garischer Kostbarkeiten und Raritäten in den Mittelpunkt des Interesses stellen. Der ungarische Pavillon wird sich nämlich mit seiner retrospektiven Abteilung - einer reichen Sammlung von historischen Kunstwerken aus dem ganzen Lande - unb seinem Husaren-Saale als eine Spezial- Ausstellung von bestechender Originalität präsentieren. ^a_ ßiat man bereits in Budapest erfahren können, wo bei der jüngst veranstalteten Probe-Ausstellung ds Lrusaren-Suales in wenigen ^agen nahe an 400000 Menschen in die improvisierte Ausstellung strömten. T^r Lusaren-Saal wird in Paris, wenn die neidischen Hullen stinken, mit einem Schlage sich die Herzen der Franzosen, wie aller Fremden erobern. Es ist ein Stuck Ungarn selbst, die glückliche Inkarnation des Gedankens, daß die Magy^ euren als ein Reitervolk in Europa erschienen sind und sich Loch zu Roß ihre Heimat erobert haben, die heute eine Stätte 1000jähriger ungarischer Kultur geworden ist.

Ferner soll es der allegorische Hinweis darauf sein, daß die Magyaren ihren Einfluß auch auf das übrige Airopa erstreckten, indem sie die echte ungarische Reiterwafse, die Husaren atuch in den Armeen anderer Nationen heimisch wachten.' Napoleon I. sagte das Wort, das wir an die Spitze dieser Zeilen gestellt haben:Mit der französischen Infanterie, mit der österreichischen Artillerie und der un­garischen Kavallerie erobere ich die ganze Welt. Das Riesengemälde der ungarischen Maler Paul Nago und Ladislaus Pataky giebt diesem Gedanken Lebern Es zeigt tuns die Ezikos, ine ungarischen Pußten-Reiter als wne Ur-Eentauren, von denen sich die ungarische Reit­kunst von Geschlecht zu Geschlecht vererbt. Auf einem zwei­ten Felde der Kolossal-Leinwand wissen biwakirende Hu­saren von den Reitertruppen Attilas und Arpads zu sagen Und zu singen. Und aus dem Rauche des Biwakfeuers stürmt nebelhaft eine großartige Reiterschaar.

Vorn dieschwarze Truppe" des Königs Mathias Corvinus, dann die ungarischen Husaren des 16. Jahr­hunderts, die farbenreiche Reiterei der Kuruczen und Sabauczen, die malerischen Maria Theresia-Husaren und schließlich hinterher die feschen Husaren von heute. Und vor der einhersausenden Reiterschar bilden die Husaren aller Armeen Front, und der große Napoleon an der Spitze der französischen Kavallerie lüftet vor dieser einzigen Truppe zum Gruße den Hut. . . . Und als Staffage dieser trefflichen Apotheose an allen Wänden Porträts berühmter ungarischer Reiter-Generale, lebensgroße Wachs­figuren der Kavallerien aller Staaten, teils hoch zu Roß, niedliche Husaren-Statuetten, Waffen, Standarten und Sattelzeug. An dieses Stück kriegerischen Lebens wird sich die par excellence friedliche Sammlung des gelehrten Pro­fessors Otto Hermann:Die Urbeschäftigungen der Ungarn" anschließen und den besten Uebergang zu

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amtlicher fett- I Bekanntmachung

Auf Grund der poa. I. 3 a der Bestimmungen des SundeSrats über den Betrieb von Bäckereien und Kon- di toreien haben wir auf Antrag der hiesigen Bäcker-Innung |Lr die hiesige Stadt und das laufende Jahr die UeberarbeU | an folgenden Tagen gestattet:

14 und 28. April, 12. und 26. Mai, 2., 15. und

29. Juni, 7., 14. und 28. Juli, 4. August und

22. September, 6. und 20. Oktober, 3. und 17. November, 1., 15., 24. und 31. Dezember.

ES ist jedoch an diesen Tagen zwischen den ArbeitS- seichten eine ununterbrochene Ruhe von mindestens zehn Stunden im ersten Lehrjahre und mindestens neun Stunden im zweiten Lehrjahre zu gewähren.

Gießen, den 10. April 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold. ____________

Gießen, den 10. April 1900.

Betr.: Die Vertilgung der der Forst- und Landwirt- schäft schädlichen Vögel.

Das Großherzogttche Kreisamt Gießen

av die Grotzh. Bürgermeistereien deS KreifeS.

Wir erinnern Sie aulbaldige Erledigung des Schlußsatzes «mseres hektographierten Ausschreibens ootp 21. Nov. v. I.

v. Bechtold.

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Bezugspreis viertcljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholcstelle» viertcljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 viertcljährl. mit Bestellgeld.

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teilnehmen. Um 1 Uhr wird in Steins Garten ein ge­meinsames Festessen der Kameraden stattfinden, an welches sich um 3 Uhr das Festbankett anschließen wird.

Ein großer Teil der früheren Offiziere des Regiments hat sein Erscheinen bereits zugesagt. Zu dieser Feier werdet nun auch Ihr, Veteranen des Regiments aus 1870/71, hiermit alle herzlich eingeladen und gebeten, möglichst voll- räblia zu erscheinen, Anmeldungen aber unter genauer An­gabe der Adresse alsbald und spätestens bis 20. April l. I. an den mitunterzeichneten Kameraden Bruch­häuser, Wolfstr. 8, dahier zu richten. Zugleich wird er­sucht, die Kompagnie anzugeben, in welcher der Feldzug mitgemacht worden ist, da die Kameraden bei dem Festesten nach Kompagnien geordnet sitzen sollen.

Wegen Fahrpreisermäßigung sind Verhandlungen mit den zuständigen Behörden eingeleitet. Alles Nähere wird den Angemeldeten demnächst noch bekannt gegeben werden.

Mit kameradschaftlichem Gruß

Bruchhäuser. Emmelius. Dr. Haberkorn. Petri. Sandmann.

Die Auren im Kriege.