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12.4.1900 Erstes Blatt
 
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Donnerstag den 12. April

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Erstes Blatt

Amts- und Zlnzeigeblntt für den Ureis Giefzen

U°kkisrch

Der Krieg in Südafrika

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Schulflrahe Ar. 7.

Die Furcht vor dem Staatsstreich hat der fraurö'fischeu Sozialdemokratie einen Versuch zur Einführung einer Art von OstraciSmus abgenötigt: der sozialdemokratische Abge­ordnete Sembat stellte in der Kammer den Antrag, die französischen Kolonialtruppen nach dem Ablauf ihres Kom- mandos in den Tropen nicht nach Frankreich zurückkehren, sondern in Algier Garnison beziehen zu lassen, weil diese Truppen zu sehr in der Hand der Führer seien, die ihrer sich bedienen könnten, um einen Staatsstreich gegen die Republik zu unternehmen; in Algier wären sie weniger gefährlich. Der Antrag wurde von der Kammer mit großer Mehrheit abgelehnt, nachdem Kriegsministrr Le Gallifet die Grundlosigkeit der Furcht vor dem Staats­streich folgendermaßen zu erweisen versucht hatte:

In den französischen Provmz-Garmsonen der Ko­lonialtruppen, in Cherbourg, Brest oder Toulon, könnte kein Staatsstreich versucht werden, in PanS aber könne kein militärisches Komplot beunruhigen, so lange das Ministerium und der Gouverneur von Paris zweifellos loyal seien; dann hätten die, welche vielleicht in der Lage wären, das Abenteuer zu versuchen, nichts zu gewinnen, die aber, welche etwas zu gewinnen hätten, seien außer Stande, die Initiative zu ergreifen.

Mag diese Beweisführung auch für die Kolomaltruppen im Besonderen zutreffen, so zeigt sich doch eine Auslastung

desTemps", wie wenig sicher mau sich vor einem Staatsstreich im allgemeinen fühlt. Das genannte Blatt schreibt über den Antrag Sembat u. a.:

Ist es ein gutes Mittel, überall das Vertrauen in unsere Einrichtungen dadurch zu verbreiten, daß man ohne Unterlaß deren Stabilität in Frage stellt? .... WaS gewinnt man bei solchen Debatten anderes, als daß man die Menge, die nicht viel nachdenkt, glauben macht, es sei etwas daran, obwohl nichts daran ist, und daß man, bis in die Armee selbst hinein, jede Unzuftiedenheit großzieht, die ungerechter Verdacht immer im Gefolge hat? Heißt das nicht mit einem Worte Wind säen unter dem Vorwande, dem Sturme vorzubeugen? Es ist not­wendig, kalt und wachsam zu bleiben. Eine einzige Ge­fahr bedroht die Republik, das ist die, welche aus einer schlechten Führung der Geschäfte der Nation oder aus einer Politik entspringe, die den sozialen Frieden in Ge-

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Folgen, die aus dieser Wandelbarkeit erwachsen können, immer wieder erinnert werden.

Adresse für Dcpefchen: Anzeiger Kietze».

Fernsprecher Nr. 51.

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Da die Franzosen nur zu leicht das Urteil fällen, daß die Geschäfte der Nation schlecht geführt werden, und da der soziale Friede in Frankreich nur zu leicht in Gefahr gerät, ergeben sich die Schlüffe für die Möglichkeit eines Staatsstreiches in Frankreich, im Sinne desTemps", ganz von selbst. Uns Deutschen ist es nur vorteilhaft, wenn wir an die Wandelbarkeit der französischen Zustände und an die

Politische Tagesschau.

Die unmenschlichen Greuel, die auf Befehl und unter Auf­sicht des ehemaligen Majors Lothaire im Gebiete der ] NundjaS verübt worden sind, und deren Empörung her- | wr gerufen haben, werden diesmal von der Regierung des I Kongostaates nach dem ehedem beliebten Schema des hart- I nickigen Leugnens nicht mehr bestritten werden können. Die I Ausschreitungen gegen wehrlose Schwarze,! namentlich Frauen, erhalten eine weitere Erhärtung I h»rch den Brief eines gewißen Louis Lacroix, der den Menschenschlächtereien nicht nur beigewohnt, sondern selbst I einet der Exekutoren der haarsträubenden Befehle seiner I Vorgesetzten gewesen sein will. Der Mann gesteht am I S chlusse seines Briefes, daß er schwer krank ist, und viel- I leicht nicht einmal mehr die gerichtliche Verhandlung erleben | wirb. Man fragt sich deshalb, hat das Tropen- oder I G allensieber dem Lacroix alle diese entsetzlichen Dinge vor- I

gespiegelt, ober haben sie sich wirklich genau nach seiner | Schilderung zugetragen? In biesem Falle würbe der Ab- I scheu nicht genug Worte finben gegenüber bieser Art Raub- I unb Mordsystem staatlich konzessionierter Handelsgcsell- | schäften. Lacroix erhielt im November in Momba von | eimem Herrn M. den Befehl, alle Bewohner eines gewisten | Dorfes zu massakrieren. Lacroix schlachtete darauf in I der That 22 Frauen und zwei Kinder ab; drei Frauen, die in einer Piroge zu flüchten suchten, wurden im das Wasser geworfen. Ursache dieser Massenhin- richtung: Die Pirogen waren nicht zur befohlenen Zeit in d«n verschiedenen Niederlaffungen erschienen, um den Kaut­schuk abzuliefern! Gleichzeitig wurde ein schwarzer Soldat rerschossen und seine Frau an die Kette gelegt, weil der Sohn nach Buclas gelaufen war, einem Posten d«s Staates, um dort die bevorstehende Ankunft des Groß­inquisitors M. zu verraten. Dieser M. hatte im Oktober einen schwarzen Deserteur erschießen, und 60 Frauen an die Kette legen lassen. Dannließ er sie fast sämt- lnch verhungern, weil das Dorf (Mammumbula) keinen Kautschuk ablieferte. Louis Lacroix schließt seinen Brief vnt der Anzeige, daß er mit sechs anderen Weißen vor Gericht erscheinen werde, um sich zu verantworten, Zahl­lose Menschen ermordet und 60 Hände abge- schnitten, Frauen und Kinder gekreuzigt, eine Menge Männer verstümmelt und ihre Glied­maßen gepfählt zu haben; einen Neger mit Revolver- schüsten getötet und einen Eingeborenen massakriert zu ^aben.

Ich besaß ein mir vom Arzt von Neu-Antwerpen ausgestelltes Krankheitsattest, das mich zur Heimkehr nach Europa bevollmächtigte. Man hat es mir wieder abge- nommen. Ich leide an der Leber und werde wahrschein­lich nur noch wenige Tage leben. Wenn ich sterbe, so strengt eine Privatklage gegen den Staat an."

Wenn der Kongostaat nicht diesmal der Welt eine eklatante Genugthuung giebt, und vor allem den Haupt­schuldigen vor die Schranken zerrt, wird man jetzt mit Recht behaupten dürfen, daß er für solche unerhörten Ausschreit­ungen in erster Linie verantwortlich gemacht werden muß, weil er sie einfach duldet.

Gießener Anzeiger

Generat-Anzeiger

östlich der Eisenbahnlinie, besetzt. Ter Feind nahm zwölf Meilen östlich von Bethulie Stellung.

Nach einem weiteren Telegramm eröffnete am 27. Mär; der Feind vor Mafeking das Feuer aus sieben Ge­schützen, fünf Neunpfündern, einem Zwölfpfünder und einem Hundertpfünder. Es folgte die kräftigste Be­schießung, die während der Belagerung bisher statt­gefunden hat. Das Belagerungsgeschütz der Buren ent­sandte allein über 60 Geschosse. Unter Deckung seiner Artillerie machte der Feind einen Vorstoß auf die Nordfront der englischen Befestigungswerke, zog sich aber eilig z u r ü ck, als er in den Bereich des Gewehrfeuers gelangte. Auch ein Vorstoß auf den Südtvestposten wurde gemacht, der Feind wurde aber zurückgeschlagen.

Wie verlautet ist es einer Schar bewaffneter Kaffern in der Nacht auf den 5. April gelungen, durch die Linien der Buren vor M a f e k i n g d u r chz u b r ech e n., Die Buren hatten sie verfolgt und in einen Busch einge­schlossen. Nack) längerer Beschießung mit Nordenseldt-Ge- schützen stürmten die Buren den Busch und töteten 31 Kaffern.

Aus Buluwayo wird vom 3. April berichtet: General Plumer hatte am 31. März ein Gefecht mit den Buren zwischen Mafeking und Ran athlab ama. Als er sich um 3 Uhr nachmittags seck)s Meilen von Mafeking befand, erschien eine große Truppenmacht der Buren. Plumer mußte sich, um nicht von beiden Seiten um­gangen zu werden, allmählich nach Ratnathlabama und später nach seinem früheren Standorte zurückziehen. ., j Das Gefecht dauerte bis 6 Uhr abends. Der Rückzug würbe I gut ausgeführt. Die englischen Verluste betragen: bret I Offiziere und sieben Mann tot, brei Offiziere unb 24 Mann I verwnnbet. 11 Mann werden vermißt. Die Verluste der

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Buren sollen schwer sein.

In den Bezirken Philippolis und Fanresmith herrscht beträchtliche Unruhe Die Proklamation des Präsidenten Steijn ist weithin verbreitet. Die englische G a r n i s o n hat sich letzthin aus dem benachbarten Gebiet; zurückgezogen, worauf sich sofort unter den,Frei- staatlern eine größere Rührigkeit bemerkbar machte. Die englischen Einwohner, die infolgedessen in Unruhe gerieten, wandten sich an die englischen Behörden in Springfontein; diese versicherten ihnen, es würden sofort Schritte gethan werden, um ihre Befürchtungen zu beschwichtigen.

In Natal entfalten die Buren im Gegensatz zu ihren Kameraden im Freistaate keine besondere Thätigkeit. Dem Daily Telegraph" wird aus Ladysmith telegraphiert: Die Buren haben ein schweres Geschütz auf dem Kmghts- Hill nördlich von Elandslaagte und ein weiteres m der Nähe vom Wessels Nek-Bahnhof aufgestellt. Der Feind hat sich auch bei Helprnakaar stark verschanzt.

Inzwischen beginnen die neuen englischen Ver- stärkungen auf dem Kriegsschauplätze zu erscheinen. Nach einer Meldung aus Kapstadt hat die jüngst emge- troffene achte Division unter General Rundle eine Diver­sion nach Springfontein gemacht. General Carrington kam in Kapstadt an und begiebt sich sofort nach Beira.

Am 20. d. M. traf in Neapel an Bord desKaiser" dieGesandtschaf t derBuren ein, die Berlin, Brüssel Md Washington besucht. Sie wurde begrüßt vom Vertreter des Oranjestaates im Haag und einem Mitglied der Trans- vaalgesandtschaft in Brüssel. Alle Jnterviewversuche der Journalisten waren vergebens. Trotzdem meldet die Tribuna", der Zweck der Reise sei, eine Basis für einen Waffenstillstand zu suchen.

Präsident Steijn soll erklärt haben, daß die nach Europa gegangene Deputation jede Vollmacht habe, wegen des F r i e d e n s zu verhandeln, vorbehaltlich der Sanktion des Raabs. '

In Lonbon hielt ber Abgeordnete Lord Robert Howald-Minzen, der kürzlich vom Kriegsschauplatz zurückgekehrt ist, einen Vortrag, worin er die Militär- Verwaltung einer scharsen Kritik unterzog. Im Laufe feiner Rede erklärte er, daß zahlreiche Generale und Offiziere ihre Kommandos beibehalten hätten, ob­gleich sie nicht nur ihre Unfähigkeit bewiesen, sondern auch das Vertrauen ihrer Truppen verloren Hütten. Mehrere Obersten und Stabsoffiziere, die den an sie gestellten For­derungen nicht genügten, sind versetzt worden, Md das gleiche Schicksal dürste viele höhere Offiziere treffen.

I DasReutersche Bureau"" meldet aus St. Helena: I Das Schiff mit den gefangenen Buren ist hier ein» I getroffen; die Gefangenen werden wahrscheinlich morgen I gelandet werden.

I Nach Meldung derDaily Mail" aus Kapstadt I sollen für 130000 Pfund Papiere, die von auslan- I dischen Versicherungsgesellschaften bei der Regierung des I Oranje-Freistaates als Sicherheit hinterlegt worden waren, I verschwunden sein. Die Newyorker Mutual-Gesell- I schäft warne vor dem Ankauf dieser Papiere.

Telegramme des Gi-ßeuer «--zeige^.

Varis 11 Avril. DerNew-Uork Harald berich­tet aus Pretoria: General D-wet setzt seine Operationen

Die Buren haben nun auch die einzige größere I Truppen-Abteilung, welche die Engländer noch im Süd- I osten des Freistaates stehen haben, in einen Kampf ver- I wickelt. Bei Wepener, südöstlich von Bloemfontein, un- I mittelbar an der Grenze des Basutolandes, hat ein heftiges I Gefecht ftattgefunben. Der Feind, so meldet das Londoner I offiziöse Reutersche Bureau, erlitt eine Niederlage, I die Verluste sind auf beiden Seiten ziemlich I schwer. Ein anderes Burenkommando ist auf dem Vor- I marsche vön Dewertsdorp nach Wepener begriffen. Eine I weitere Depesche aus Aliwal North vom 9. April besagt: Bei dem Gefecht bei Wepener richteten zuerst die M a x i m - geschütze der Buren großen Schaden an, aber I die britischen Geschütze trafen batb die richtige Schußweite I unb fügten dem Feinde schwere Verluste zu. Das I Burenkommando von Rouxville ist nach Wepener abge- I gangen. .

Sonach ist zu erwarten, daß die Kampfe an jenem I Punkte sich erneuern werden. Einzelnes über die Lage I der dortigen britischen Abteilung meldet dieTimes"": I Oberst Dglgetty von den Kap-Schützen sei Kommandeur in I Wepener. Ein Buren-Kommando von 2000 Mann mit I vier Geschützen habe ca. fünf Meilen davon in der Richtung I nach Dewetsdorp zu sein Lager aufgeschlagen. Die eng- | lischen Befestigungslinien seien außerordentlich stark und I die Streitmacht voll verproviantiert. Zwischen den Vor­posten werden andauernd Schüsse ausgetauscht. Die I i letzten Bloemfonteiner Telegramme melden hastige und mysteriöse Bewegungen unter den englischen Truppen. Bis­her fei im englischen Hauptquartier keine ernstliche Ent­wickelung der Bewegung des Feindes nach Süden gemeldet worden, aber eine beträchtliche Truppenbewegung zur Ver­hinderung einer Ueberrumpelung habe britischerseits statt- gefunden-Aliwal 9?ort^ Mrd vom 10. April gemeldet: Ge­neral Brabant versuchte vergebens in zweitägigen Kämpfen die in Wepener eingeschlossenen Truppen zu entsetzen. De Wet schlug Brabant Montag in einem Hefti- | gen Kampfe. Die englischen Verluste sind schwer. 1

I Brabants Rückgang erscheint a b g e s ch n i 11 e n, da er von I drei von Rouxville, Ladybrant und Dewetsdorp her ope- I rierenden Abteilungen eingekreist ist.

Bisher hatte man angenommen, daß in Wepener Ge- I neral Brabant selbst mit seinen 3000 Kolonialtruppen steht; I feine Artillerie wurde auf zwei fünfzehn- unb sechs sieben- I pfündige Kanonen nebst vier Maximgeschützen angegeben.

Wenn die hastigen unb mysteriösen Bewegungen unter I ben englischen Truppen in Bloemfontein, von benen bie ITimes" zu berichten weiß, ben Beginn eines Offensivstoßes I gegen bie Burenstellungen rings um bie Stabt antünbigen I sollten, dann dürfte bald eine Klärung ber nur zu undurch- I sichtig gewordenen Kriegslage zu erwarten sein. Ob der | englische Zensor etwa mit Rücksicht auf eine unmittelbar I bevorstehende Entscheidung die Berichterstattung auf das I äußerste emschränkt, ober ob in der That die telegraphische I Verbindung zwischen Kapstadt und Bloemfontein durch die I Buren >a,bgeschnitten ist, kann mit voller Sicherheit noch I nicht beurteilt werden. Die nächsten Tage werden zweifel- I los Gewißheit hierüber bringen.

DasReutersche Bureau"" meldet aus Bethulie vom 1 2. April: Die Buren halten thatsächlich Freistadt,

Annahme von Anzeigen zu b« nachmittag« für brn Agenden Tag erscheinender. Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.

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Die Gießener Aamikicnötätter «erden dem Anzeiger u in Wechsel mitHess. Landwirt" u.Blätter siir Hess. BolkSkunbc" Nöchtl. 4 mal beigelegt.