Ausgabe 
11.11.1900 Zweites Blatt
 
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11. Sitzung Hroßh. Kaudetskammer Gießen für die Kreise Hieße«, Alsfeld und LauLerVach.

(Protokollauszug.)

Gießen, 8. November.

Anwesend waren die Herren: Kommerzienrat Koch, Kommerzienrat Heichelheim.Balser,Dürbeck,Grüne­wald, HooS, Jhring, Katz, Moll, Nowack, Ram- speck, Schirmer, Schm all, Steinecke und W all ach, sowie der Sekretär Dr. Ke hm. Entschuldigt fehlte Herr Rinn.

1. Geschäftsbericht. Aus demselben ist hervorzu­heben: Von Lich aus ist die Kammer ersucht worden, für Verbesserung der Zugverbindung Lich-Gießen durch Einrichtung von Personenbeförderung bei dem fahrplanmäßig 1.50 Nachm. m Gießen eintreffenden Güterzuge Gelnhausen- Gießen einzutreten. Angesichis des Umstands, daß heute zwischen 91* morgens und 2" nachm. kein Zug von Lich nach Gießen fährt, das Bedürfnis nach einem solchen aber dringend empfunden wird, hat die Kammer das Gesuch an zuständiger Stelle befürwortet, und obige Maßregel für die ganze Strecke ab Gelnhausen beantragt. Eine von der König!. Eisenbahndirektion Altona eingelaufene An­frage, ob von den im Kammerbezirk belegenen Seifenfabriken

Seifenfiederfluß zwecks weiterer Verwertung zum Versand

gelange und die Zulassung von Kesselwagen für die Be-

fördcrungvonSeifensiederfluß diesen Seifenfabriken von Nutzen sein würde, hat die Kammer zustimmend be­

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Bo« der hiesigen Berkehrsinspektion ist die Kammer um eine Aeußerung darüber ersucht worden, ob schwer­wiegende Bedenken dagegen bestehen, die Annahme von Stückgütern auf die Zeit bis 6 Uhr nachmittags zu beschränken, da nur alsdann eine ordnungsmäßige Ab­fertigung derselben möglich sei. Auf Grund einer Umfrage bei einer Reihe größerer hiesiger Firmen hat die Kammer sich dahin geäußert, daß dieser Maßname wichtige Bedenken nicht entgegenstehen. Dieselbe ist inzwischen bereits zur Einführung gelangt.

Nachdem noch kurz über den Verlauf des Hess. Handels­kammertags berichtet worden, wird in die eigentliche Tages­ordnung eingetreten.

2. Für die nach Art. 15 des bestehenden Handels­kammergesetzes demnächst vorzunehmenden Neuwahlen werden für die Stadt Gießen Kommerzienrat Heichelheim, für den übrigen Kammerbezirk Grünewald-Alsfeld, Ramspeck-Alsfeld und Steinecke-Lollar ausscheiden. Zu Wahlkommissären werden bestellt: für Gießen-Stadt: Katz-Gießen, für Gießen-Land: Rinn-Heuchelheim, für Alsfeld: Wallach-Alsfeld. Die Bestimmung von Tag, Stunde und Ort wird späterer Festsetzung Vorbehalten.

3. An Stelle des kürzlich verstorbenen Kammermitgliedes Scheel wird E. Balser als Beisitzer zur Revision des hiesigen Handelsregisters gewählt.

4. Für den Bezirkseisenbahnbeirat in Frankfurt a. M. werden der bisherige Vertreter bezw. Stellvertreter der Kammer Kommerzienrat Koch, bezw. Kommerzienrat Heichelheim auf die nächsten 3 Jahre wiedergewählt.

5. In Ausführung des Beschlusses der Kammer in ihrer Sitzung vom 10. v. M. ist von dem Sekretär der Kammer ein eingehendes Referat betr. Revision des Vörsengesetzes ausgearbeitet worden. Dasselbe erblickt in den gerade in Deutschland besonders rapiden und heftigen Kursrückgängen der jüngsten Zeit zu einem guten Teil eine Folge der durch das Börsengesetz herbeigefühcten Schwächung der deutschen Börsen. Als reformbedürftig werden vor allem die Bestimmungen bezügl. des Terminhandels in Bergwerks- und Jndustriepapieren sowie bezügl. des Börsen- regifters bezeichnet und nachgewiesen.

Die Kammer pflichtete den Ausführungen deS Refe­renten bei und beschließt, an zuständiger Stelle dafür ein­zutreten, daß das Verbot des Terminhandels in obigen Papieren beseitigt, und der Disserenzeneinwand wenigstens nach Anerkennung der üblichen Banksaldi nicht mehr erhoben werden könne.

6. Als Ergänzung zu dem von der Handelskammer Mainz ausgearbeiteten Entwurf eines neuen Hess. Handels­kammergesetzes hat daS Großh. Ministerium d. I. Be­stimmungen ausgearbeitet, die darauf abzielen, dem Hess. Handelskammertag und zwar in seiner Zusammen­setzung aus den gleichberechtigten Kammern die Bedeutung a) einer gesetzlich anerkannten Vertretung dcr 7 Kammern des Großherzogtums und b) einer Handels­kammer für das ganze Großherzogtum zu geben.

Die Kammer unterzieht die Bestimmungen einer ein­gehenden Beratung und spricht sich auf Grund derselben einstimmig gegen den Regierungsentwurf aus. Irgend einen nennenswerten Vorteil könne den sieben Kammern die gesetzliche Anerkennung ihrer Gesamtheit nicht bringen; dagegen schließe dieselbe die Gefahr in sich, daß die jeweilige Majorität sich für ihre Ansicht oder ihren Wunsch auf daS Ansehen der gesetzlich anerkannten Gesamtheit auf Kosten der jeweiligen Minorität stütze. Vor allem aber sei kein Bedürfnis dafür vorhanden, den hessischen Handelskammertag zu der Bedeutung einer Handelskammer für daS ganze Land zu erheben. Für eine solche wäre er auch unrichtig aufgebaut, da auf die außerordentlich verschieden große Anzahl von Wahlberechtigten der einzelnen Kammerbezirke unbilligerweise dasselbe Maß von Vertretung und Stimm­recht entfallen würde. Wenn ferner die neue Bedeutung nicht lediglich auf dem Papier stehen bleiben solle, so wäre die Schaffung eines besonderen BureauS schlechterdings nicht zu umgehen, was ebenso unerwünschte, wie unnötige Kosten mit sich bringen würde. Vor allem aber sei die Bedeutung der einzelnen Kammern gefährdet, die auf die Dauer mit einer gewissen inneren Notwendigkeit auf die precäre Bedeutung eines Mitglieds der Landeskammer und eines Ausschusses für die lokalen Angelegenheiten herab­sinken würden.

Der hessische Handelskammertag solle, abgesehen von der Verwertung desselben für gemeinsame Kundgebungen m Dingen, in denen alle Kammern übereinstimmen, nur die Bedeutung eines Organs für gemeinsame Beratungen haben.

7. Bei der Kammer sind u. a. eingelaufen: eine Be­kanntmachung betr. die Anmeldung unfallversicherungs­pflichtiger Betriebe und eine diesbezügliche Anleitung; ferner Mitteilungen über die Einfuhr von Paraffin aus den Ver­einigten Staaten und über zweifelhafte Firmen in Sevilla, Kairo und Tunis. Diese Mitteilungen können von In­teressenten auf dem Bureau der Kammer eingesehen werden.

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Grohherzogs Geburtstag. Das F e st m a h l im Saale ___ Gesellschaftsvereins zur Feier des Geburtstags I. I. K. K. H. H. des Großherzogs und der Großherzogm findet wegen des auf den 25. November fallenden Toten­festes diesmal am 24. November statt.

* Universitätsbibliothek. An Stelle des früher geplante« Umbaus der Universitätsbibliothek ist für diese ein Neu­bau in Aussicht genommen worden. Da dessen Fertig­stellung jedenfalls längere Zeit in Anspruch nimmt, ist in« zwischen eine Erweiterung der bisher äußerst beschränkten Geschäftsräume ins Werk gesetzt worden. Der nun­mehr neu eingerichtete, in den Abendstunden mit GaSglüh- licht beleuchtete Lesesaal nebst dem anstoßenden zweiten Lesezimmer bietet für 18 Leser bequeme Arbeitsplätze. Auch die jedem Besucher ohne weiteres zugängliche, im Lesesaal aufgestellte Handbibliothek (enthaltend Nachschlagewerke jeder Art, Wörterbücher aller Sprachen, Hand- und Lehr­bücher, Gesetzesausgaben, RegierungS- und Reichsgesetzblatt, Sammlungen gerichtlicher Entscheidungen, statistische Werke, Atlanten u. s. w.) erfährt eine ansehnliche Erweiterung. Im neu eingerichteten Zeitschriftenzimmer sind über 800 Zeitungen und Zeitschriften, darunter zahlreiche von all­allgemeinem Interesse, sowie eine Sammlung der neuesten Patentschriften ausgelegt. Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß Lesesaal und Zeit sch riften - zimmer täglich von 91 und 36 Uhr (SamStagS von 91 Uhr) geöffnet und allgemein zugänglich sind, und daß auch über den Kreis der Universitätsangehörigew hinaus Bücher aus der Universitätsbibliothek nach vorher gegangener Bestellung gern verliehen werden.

Prozeß Sternberg.

Berlin, 6. November.

Landger.-Dir. Müller eröffnet die Sitzung um 10 Uhr utnd mahnt zunächst nochmals die Zeugen, Jul) möglichst jeder Meinungsäußerung unter einander uver den Prozeß zu enthalten.

Tie heutige Zeugenvernehmung beginnt mit Frau Schindler. Sie schildert die Frieda Woyda als ein Mädchen, mit der sie ganz zufrieden gerne)cn fei. Sie habe auch nie etwas krankhaftes an ihr bemerkt, sie habe auch immer guten Appetit gehabt und gut geschlafen. Als sie auf die Mitteilungen des Herrn Stier)tadter das Mäd­chen gefragt, ob das alles wahr sei, habe ^rieda mit zu Boden gesenktem Blick es bejaht. Tas Mädchen habe auch auf weitere Vorhaltungen alle Einzelheiten in einer Form und mit solcher Bestimmtheit erzählt, daßsiesieunbedingtsürwahrgehaltenhabe. An diese Aussage recht sich die immer wiederkehrende

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Szene. Frieda Woyda wird an den Gerichtstisch herange- rufen und von dem Vorsitzenden wiederum eingehend be­fragt, wie sie die Aenderung ihrer Aussage erklären wolle. Tas Mädchen sagt entweder gar nichts oder behauptet: Ich weiß nicht."

Geh.-Rat Prof. Tr. Eulenburg : Nach der Bekund­ung dieser Zeugin soll das Mädchen gesagt haben, es fei nicht nur einmal, sondern dreimal mit ihr etwas passiert. Tie Einzelheiten des einen Falles soll sie beschrieben haben. Ist sie denn nun gar nicht nach den beiden anderen Fällen gefragt worden? Zeugin: Sie hat nur im allge­meinen gesagt, es sei alle drei mal so gewesen.

Staatsanwalt Brant teilt hierauf mit, daß die Zeugin Helene Pfeffer nach Berlin zurückgekehrt sei und sich gemeldet habe. Er beantrage ihre Vernehmung. Es ist dies das Fräulein, das mit dem ersten anonymen Brief, der den Woyda-Fall angeschnitten" hat, in Verbindung ge­bracht worden war.

Angekl. Sternberg stellt noch fest: Ter Zeuge Raupach soll nach den Zeitungsberichten gestern gesagt haben,er sei der Ansicht gewesen, daß Stierstädter den Angeklagten Sternberg für schuldig hielt." Thatsächlich habe aber Herr Raupach aus die bezüglich^ Frage geant­wortet: er müsse dies dahingestellt lassen.

Der alsdann als Zeuge vorgerufene Waisenhaus-Di­rektor Schuster weiß über die Frieda Woyda und über ihren Aufenthalt im Waisenhause aus eigener Kenntnis näheres nicht anzugeben. Der Zeuge Waisenrat Viktor Werkmeister giebt an, daß er nach Kenntnisnahme der Vorgänge aus der ersten Verhandlung die Ansicht vertreten habe, daß das Kind in die Besserungs-Anstalt Siloah ge­bracht werden mußte. Von Schindlers fei das Kind, ohne daß er Kenntnis davon erhalten hätte, zu Blümkes gebracht worden. Ter Zeuge erklärt weiter, daß er seine Ansicht, daß das Kind in eine Rettungsanstalt müsse, auch dem Krimi­nal-Kommissar Tamm und Direktor v. Hüllessem gegen­über vertreten habe, aber ohne.Erfolg. Wie das Kind später aus dem Waisenhause zu Blümkes gekommen, wisse er nicht, zumal Blümkes noch, 9 Mk. Kostgeld von der Waisenhausverwaltung bekommen. Der Staatsanwalt hebt ferner hervor, um falschen. Schlüssen vorzubeugen, daß Die Unterbringung bei Blümkes auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft geschehen sei.

Reg.-Rat Tieterici erbittet sich hierauf das Wort zu einer Berichtigung. Er sei in einem Punkte seiner gestrigen Aussage offenbar mißverstanden worden. Nach Dem Zeitungsberichte soll er gesagt haben: er würde auch dann keine Bedenken gehabt haben, wenn er die gesell­schaftlichen Beziehungen des Herrn v. Meer- scheidt-Hüllessem zu Sternberg gekannt hätte. Ter weitere Bericht über feine Aussage zeige aber selbst, daß er das Gegenteil habe sagen wollen und auch gesagt habe. Er habe thatsächlich betont, daß, wenn er diese gesellschaftlichen Beziehungen gekannt hätte, er Herrn v. Hüllessem jede Thätigkeit in der Ste rn - b er g 'sch en S ache un t er , ag t h ab en wurde. Der Gerichtshof und der Staatsanwalt bestätigen dies.

Ter nächste Zeuge ist der Untersuchungsrichter Amts­gerichtsrat Hamel. @r giebt Auskunft über die Art, wie sich das Kind bei der ersten Vernehmung 6enonunen hat, und welche Eindrücke er dabei gewonnen hat. Tas Kino habe zögernd und schwerfällig aus die an sie gerichteten Fragen geantwortet. Im Zusammenhänge erzählte sie nicht viel, sie bewahrte eine merkwürdige Ruhe, aber sie machte keineswegs einen beschränkten Eindruck.

Frieda Woyda wird dem Zeugen gegenubergestellt und von diesem ernstlich und eindringlich befragt, wie sie dazu gekommen fei, die Einzelheiten, die nun angeblich nicht wahr sein sollen, ihm anzugeben. Tie Zeugin hat darauf keine bestimmte Antwort, sie nennt aber wieder den Namen Stierstädter, der in der Droschke auf sieein- gewirkt" habe. An diese Zeugenaussage knüpften sicyzayi- reiche Fragen der Verteidiger. ,

Wieder wird Frieda Woyda vorgerufen, um mif Antrag des Justizrats Dr. Sello noch naher über einen Punkt des Protokolls vernommen zu werdem x>uf 6 Tr. Sello bittet das Mädchen auch dringend, doch ja die reine Wahrheit zu sagen. Ergebnis der sorg­fältigen und lang andauernden uochmali ^nBe) ragung des Mädchens durch den Vorsitzenden 'st kein positives

Tie Verhandlung wird Freitag halb 10 Uhr fort­gesetzt werden.

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ander und Tragina einander in die Haare. Es sollen ernste Differenzen zwischen ihnen ausgebrochen jein. Tie Königin Tragina liegt schon mehrere Tage krank. ________________

Politische Cagesjchau.

Die Herbsttagung des Kolonialrats wurde am Donnerstag mit einer Ansprache des Direktors der Ko­lonialabteilung Dr. Sübel eröffnet. Darauf wurden die Etats für Neu-Guinea, die Karolinen, Palau- Inseln und Marianen sowie für Samoa durchbe­raten, wobei erheblichere Ausstellungen nicht gemacht wurden. Eingehend wurde die Frage der Schiffsver­bindungen bei diesen Schutzgebieten erörtert und für Samoa der Antrag angenommen, in den Etat die Kosten für Anschaffung und Betrieb eines kleinen Gouvernements- Motorbootes einzustellen. Es folgte eine Besprechung der geplanten Neuordnung des Zoll- und Steuerwesens in Neu-Guinea. Der Kolonialrat erklärte sich gegen die Ein­führung oder Erhöhung der Zölle und sprach sich ferner dafür aus, daß der Verkauf für Opium an die Angeborenen des Schutzgebietes thunlichst verhindert werden möge. End­lich trat der Kolonialrat in die Erörterung der Frage der Gewährung staatlicher Ansiedelungs-Bei­hilfen im südwe st afrikanischen Schutz-Ge­biete ein. Heute beriet man die Etats von Kamerun und Togo und sprach dabei eine Reihe von Anregungen und Wünschen aus, die der Direktor der Kolonialabteil­ung in entgegenkommender Weise beantwortete. Aus den Darlegungen der Regierungsvertreter ergab sich, daß die Unsitte des Mädchenhandels und der Weiber- verpfändung vom Gouverneur nach Maßgabe der vor­handenen Mittel bekämpft werde. Auch! die Frage des Wege- und Telegraphenbaues wurde im Sinne einer För­derung besprochen und angenommen, wonach in einem Nachtrags- oder im nächstjährigen Etat ein Betrag für die telegraphische Verbindung Kamerun-Viktoria sowie 200 000 Mark zu verschiedenen Wegebauten in Kamerun eingestellt werden sollen. Eine längere Erörterung ver­anlaßte ferner die geplante Expedition nachGarua, wo eine Station gegründet werden soll. Der Ausführung der Expedition haben sich namentlich infolge der Schwie­rigkeiten der Mannschaftsanwerbungen allerlei Hinder­nisse in den Weg gestellt. Es wird von den "Berichten des Gouverneurs abhängen, ob sie demnächst den Vor­marsch wird an treten können. Die einzelnen Positionen des Etats begegneten keinem Widerspruch Dann verhan­delte man den Etat für das südwe st afrikanische Schutzgebiet. Aus der ausgedehnten Generaldebatte ist eine von Dr. Scharlach und Woermann als Mitgliedern des Direktoriums der South West Afriea Company abge­gebene Erklärung hervorzuheben, wonach, die sieben deutschen Mitglieder des Direktoriums niemals auf Ver- suche ihrer drei englischen Kollegen gestoßen sind, ihren englischen 'Einfluß, sei es in politischer Hinsicht, sei es in wirtschaftlicher Art in der Gesellschaft geltend zu machen, sondern stets bereitwilliges Entgegenkommen im Sinne einer Leitung der Geschäfte gefunden haben, wie sie die deutschen Direktoren für richtig hielten. Cecil Rhodes steht ein maßgebender Einfluß in der South West Aftica Company in keiner Weise zu, wenn er wirklich äußerte, daß er die Ansiedelung von Buren im Gebiete der Gesell­schaft verhindern motte, so sei dieser Aeußerung absolut rein Wert beizumessen. Die deutschen Direktoren und der deutsche Reichskommissar würden alles zu verhindern wissen, was gegen die deutschen Interessen sei, es werde innerhalb des Direktoriums der Company zweifellos über­haupt niemals auch, nur der Versuch gemacht werden, sich der Einwanderung der Buren zu wider­setzen. Direktor Dr. Stübel, bezeichnete anschließend an diese Ausführungen es als sehr wünschenswert, daß die Company selbst baldigst eine in gleichem Sinne gehaltene Erklärung veröffentliche. Erörterung verursachte die Frage des deutsch-südwest-afrikanischen Eisenbahnbaues, ins­besondere die Richtung und des Endpunktes von Otavi der von der Minen-Eisenbahn-Gesettschaft zu erbauenden Eisenbahn. Der Errichtung von Stau-Anlagen widmet die Kolonialverwaltung ihre volle Aufmerksamkeit. In der Spezialdebatte werden erhebliche Ausstellungen an einzelnen Etatspositionen nicht geäußert. Schließlich nahm der Kolonialrat noch zu der Frage der Gewährung staat­licher Ansiedelungsbeihilfen im südwestafrikani- fchen Schutzgebiete einen Antrag an, die Abfassung von Vorschriften wegen der Verwendung der im vorigen Etat bewilligten Mittel der Kolonialabteilung bezw. dem Gou­verneur des Schutzgebietes zu überlassen.