Ausgabe 
11.9.1900 Erstes Blatt
 
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'Packet, das den Rumpf enthielt, entflossen. Amtsrichter Gorski, der gleich nach Auffindung des Kopfes die Er­hebung an der Fundstelle geleitet hat, macht darauf auf­merksam, daß sich dort ein Stück desselben Packpapiers, in das Rumpf und Kopf eingewickelt waren, unweit des (trabens in vollkommen trockenem Zustande gefunden hat, obwohl es damals jeden Tag geregnet hat. Der Kopf selbst ist fast vollständig von Moor und Wasser bedeckt ^gefunden worden. Aus dem Fund des trockenen Papiers schließt der Zeuge, daß der Kopf erst unmittelbar vor­dem Funde dorthin gebracht wurde. Tas Papier ist, wie sich während der Verhandlung herausstellt, in der Unter­suchung verschwunden. Botenmeister Fiedler hat um 10 ein Viertel Uhr den Angeklagten gesehen, einen Sack, wahrscheinlich Salzsack, auf dem Rücken. Tie linke Ecke sei gewölbt, die rechte Ecke leer gewesen. Nach fünfviertel Stunden sah er den Angeklagten zum zweiten Mal, die Schützenstraße am Landgericht zurückkommend, ohne Sack und mit stark beschmutzten Stiefeln. Erst als der Kopf gefunden, fiel dem Zeugen diese Begegnung auf. Mehrere Zeugen Haben auch am Eharfreitag in der Nähe der Fund­stelle einen verdächtigen Mann um halb zehn Uhr gesehen, der aber nicht identisch mit Fsraelski ist. Zeuge M a - schewski hat den Angeklagten auch um halb zwölf Uhr gesehen und konstatiert, daß dieser sehr schmutzige Stiefel getragen hat.

Sanitätsrat Dr. Müller- Könitz berichtet über den Leichenfund und giebt das Gutachten ab, daß als Todes­ursache Verblutung infolge eines Schnittes durch den Hals anzusehen sei, doch seien auch Anzeichen von Erstickung wahrzunehmen, nämlich flohstichartige Punkte in der Lunge und am Kopfe. In der Speiseröhre und im Rachen­raum hat der Sachverständige Reste von Kartoffelbrei, Fleisch und Gurken gefunden und nimmt nach dem Grade der Verdauung der Speisen an, daß der Tod zwischen vier und fünf Uhr eingetreten sei. Der Kopf war auffallend frisch; es muß entweder das Wasser und die Moorerde, in der man den Kopf fand, besonders zur Konservierung geeignet sein oder der Kopf muß die ganze Zeit über auf Eis gelegen haben. Am Halse und an einer Backe war stellenweise die Haut abgelöst, was a uf die Thätigkeit von Käfern zurückzuführen sein soll. In diesem Fall muß der Kopf längere Zeit dort gelegen haben. Tie Berliner- Gutachter Dr. Mittenzweig und Stürmer haben ebenfalls als wahrscheinliche Todesursache Verblutung durch den Halsschnitt angegeben, behaupten aber, daß ein Erstickungs­versuch vorangegangen ist, sodaß die Schnittwunde am chalft dem Ermordeten erst in der Agonie beigebracht wurde.

, Dr. Puppe, an der Berliner Universität Dozent für- gerichtliche Medizin, giebt sein Gutachten dahin ab, daß nicht Verblutung, sondern wahrscheinlich Erstickung die Todesursache sei und der Schnitt am Halse ebenso wie alle andern Schnitte an der Leiche zwecks Zerstückelung vor­genommen sind. Der Leichenbefund zeige braunrötliche Färbung der Lungen, ebenso rötliche Färbung der Herz­klappen und der großen Gefäße des Oberschenkels, trotz­dem die Leichenteile mehrere Tage im Wasser und 11 Tage im Spiritus gelegen, haben und dadurch eine Entfärbung eintreten mußte. Aus dem Rumpf floß bei seiner Auf­findung noch eine blutige Flüssigkeit. Endlich zeigte die Halsschnittfläche keinerlei vitale Reaktion. Aus allem diesen ergiebt sich, daß Verblutung nicht die Todesursache ge­wesen sein kann, daß der Körper gar nicht blutleer war und der Halsschnitt erst an der Leiche vollzogen ist. Ein­ziger Anhaltspunkt für die Todesursache seien die Petechien (kleine flohstichartige Blutunterlaufungen) an der Lunge, dem Gesicht und anderen Teilen des Körpers und diese lassen auf Erstickung schließen. Was endlich das Vorhan­densein von Speiseresten in der Speiseröhre und dem Rachenraum betrifft, so sei dasselbe nicht auf Erbrechen zurückzuführen, sondern mit Wahrscheinlichkeit auf die Manipulationen an der Leiche, wodurch sich die Speise­reste aus dem Magen auf rein mechanischem Wege in die Speiseröhre und den Rachen gezogen haben.

Justizrat Gordon fragt, ob der Transport des Kopfes in einem Sack ohne Eis nicht dessen baldige Ver­wesung herbeiführen mußte, während der Kopf fast frisch gefunden wurde. Dr. Müller erklärt, diese Frage nicht beantworten zu können, während Dr. Puppe den Stand­punkt von Gordon teilt. Der Schlachthausdirektor Wendt findet den Schächtschnitt nicht vor, giebt aber die Möglich­keit zu, daß ein zuerst vorgenommener Schächtschnitt durch die spätere Zerstückelung verdeckt sei. Kreistierarzt U h l kann den Schächtschnitt nicht erkennen.

Staatsanwalt Sette gast hält die Anklage aufrecht und kombiniert noch einmal die Zeugenaussagen, die gegen Jsraelski sprechen. Er schließt mit dem Anträge auf 5 Jahre Gefängnis. Verteidiger Gordon plaidiert auf Freisprechung, da man die Thäter nicht entdeckt habe und da außerdem die Sachverständigen über die Todes­ursache uneinig seien. Es stehe juristisch nicht einmal fest, ob überhaupt ein Mord oder etwa nur ein Unglücks­fall vorliege.

Nach halbstündiger Beratung verkündet der Präsident das Urteil. Jsraelski wird freigesprochen, sofort aus der Haft entlassen und die Kosten werden der Staatskasse auferlegt. Belastend sei nur das Zeugnis Fiedler, doch stehe weder fest, daß Jsraelski nach der Fundstelle ge- gangen sei, noch was er in dem Sacke gehabt habe. Die Todesursache sei mit Sicherheit nicht festgestellt. Ein Schächtschnitt liege nicht vor und die anderen Momente seien unerheblich.

Aus Studl und Zand.

Gießen, 10. September 1900.

Auszeichnung. Dem Gemeindeeinnehmer Rentmeister Dämel Ehrhardt in Viernheim wurde die Krone zum Silbernen Kreuze des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen verliehen.

* * Die Produktion der drei Salzwerke des Großher­zogtums ergab im Jahre 1899/1900 eine Salzmenge von 172 034 Doppelzentnern (im Jahr vorher 169 407 Dz.), wovon 156 005 Dz. auf das Privalsalzwerk Ludwigshalle bei Wimpfen, 15228 auf das Staatssalzwerk Bad Nauheim und 801 Dz. auf die Fabrik Amöneburg, in welcher das Salz als Nebenprodukt gewonnen wird, ent­fallen. Der Steuerbetrag dafür betrug 488 713 Mk.

* * Die Generalversammlung des land­wirtschaftlichen Bezirksvereins Gießen fand am Samstagnachmittag auf dem Lenz'schen Felsenkeller statt. Ter Vizepräsident, Oekonomierat Schlenke, der in Verhinderung des Provinzialdirektors, Geh. Rat v. Bechtold die gut besuchte Versammlung leitete, gab zunächst der Trauer über den Tod zweier verdienter Mit­glieder, des Bürgermeisters Faulstich-Weitershain und des Grafen Friedrich zu Solms-Laubach Aus­druck. Besonders hob Herr Schlenke die Verdienste des Grafen L a u b a ch um den landwirtschaftlichen Pro­vinzialverein hervor; trotz seines Leidens, das ihn zum Aufsuchen einer Heilstätte in Italien zwang, sei er stets auf seinem Posten gewesen. Noch in letzter Zeit habe er erklärt, daß er infolge seines Leidens alle Ehrenämter quittieren müsse, das Amt eines Präsidenten des Pro­vinzialvereins aber werde er behalten bis an sein Ende; er habe Wort gehalten. Zum Zeichen des ehrenden An­gedenkens an die Tahingeschiedenen erhob sich die Ver­sammlung von den Sitzen. Kreisamtmann Dr. Boeck - mann legte hierauf<bie bereits geprüfte Rechnung für für 1899/1900 vor. Dieselbe weist nach an Einnahmen: Kassenbestand 62.93 Mk., Beitrag des Provinzialvereins 295 Mk., Beitrag der Aachen-Münchener Feuerversiche­rungs-Gesellschaft 64.20 Mk., Beiträge für Zwecke der Ge­flügelzucht 100 Mk., der Ziegenzucht 113 Mk., Provinzial­vereinsbeitrag zur Förderung des Obstbaues 100 Mk., desgl. zur Förderung der Geflügelzucht 200 Mk., Beitrag der Sparkasse 784.36 Mk., aus dem Bezug von Tünge- mitteln 1083.37 Mk., Sonstiges 763.45 Mk. Unter den Ausgaben sind zu verzeichnen: Schreibmaterialien und For­mulare 116 Mk., Subventionen zur Förderung des Obst­baues, der Geflügelzucht usw. 530 Mk., Wandervorträge 167.40 Mk., zur Förderung der Ziegenzucht 25 Mk., der Pferd '.ucht 50 Mk., Ausgaben bei dem Bezug von Saat- kartos ln und Düngemitteln 2854.28 Mk., Gehalte 60 Mk., Beitrag zur Haushaltungsschule 50 Mk. Ter Gesamtein­nahme von 5966.13 Mk. steht gegenüber die Ausgabe mit 5238.13 Mk. Tas Vereinsvermögen beträgt 3424 Mk. Tie infolge des Ablebens des Bürgermeisters F a u l st i ch- Weitershain und wegen der Erhöhung der Mitgliederzahl nötig gewordene Wahl zweier Mitglieder des Ausschusses des landwirtschaftlichen Provinzialvereins siel auf die Herren Leun- Großen-Linden und Gutspachter Klein- Hof Albach. Ter Vorsitzende unterbreitete sodann der Versammlung eine von der Militärbehörde gestellte An­rage : Welche Zeit für die Landwirtschaft die geeignet st e zur Einziehung von Reserve- u n b Landwehrleuten z u Hebungen sei. Der Anfrage ist die Erklärung beigefügt, daß die Militärbehörde den aus den Kreisen der Landwirte geäußerten Wünschen möglichst entgegenkommen wolle. Nach eingehender Be­ratung mehrerer der Versammlung unterbreiteter Vor- chläge nahm die Versammlung einen von' Bürgermeister Leun-Großen-Linden gestellten Antrag an, dahingehend, daß die Zeit, in welcher die ausgebildeten Rekruten in die Kompagnien eingestellt würden, also etwa zwischen dem 15. Februar und 1. März, die geeignetste zur Abhaltung von Landwehr- und Reservisten-Uebungen sei. Eine weitere Mitteilung betraf die Errichtung einer B e s ch ä l st a t i o n in Gießen. Tieselbe wird voraussichtlich im nächsten Frühjahr, bestimmt aber im Frühjahr 1902 eröffnet wer­den. Betreffs des Bezugs von Thomasmehl und Kainit empfiehlt der Vorsitzende, diese Düngemittel der billigeren Herbstpreise wegen schon jetzt zu bestellen; die Lieferung erfolge dann im Frühjahr. Die Bestellungen werden durch Vermittelung des Vereins ausgeführt, zur Entgegennahme von Bestellungen seien die Bürgermeister bereit.' Schließlich brachte der Vorsitzende zur Kenntnis, daß seitens der Proviantämter (Hanau, Bockenheim) schon jetzt Hülsenfrüchte und Stroh angekauft werde. Ter Großh. Kreisveterinärarzt Professor Tr. Winkler hielt hierauf einen Vortrag über seine Versuche zur Be­kämpfung der Maul- und Klauenseuche mit Fütterung von Milch s e u ch e k r a n k e r Tiere und deren Ergebnisse. Ter Vortragende legte zu­nächst dar, wie er die Beobachtung gemacht, daß Schweine und Jungvieh in einer Hofraite, in welcher unter dem Rindvieh die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen, von der Seuche vorschont blieben. Er habe darauf seine Be­obachtung der Fütterung der nicht erkrankten Tiere zuge­wandt und gefunden, da ßdieselben mit Milch, Buttermilch, vermischt mit heißen Kartoffeln, gefüttert wurden, und darauf seine Vermutung gestützt, daß in der Milch Stoffe enthalten seien, die die damit gefütterten Tiere unem­pfänglich gegen Seuche modye. Aus dem Umstande, daß von der Infektion bis zum Ausbruch der Seuche mehrere Tage vergehen, die Milch, mit denen Schweine und Jung­vieh bis zum Ausbruch der Seuche gefüttert wurden, dem­nach schon von erkrankten Kühen herrührte, begründet Redner in eingehender Tarlegung des Entstehens, der Fort­pflanzung und Veränderung der Krankheitserreger die An­nahme, daß die Landwirte in der Milch seuchekranker Tiere ein wertvolles Schutzmittel gegen Ansteckung der Schweine und Rinder besitzen. Andererseits wurde die Wahrneh­mung gemacht, daß Schweine, welche nicht mit Milch ge­füttert waren, ebenfalls erkrankten, als in der Hofraite die Seuche unter dem Rindvieh ausbrach. Tank dem Entgegen­kommen einiger Landwirte in Bellersheim und Obborn­hofen war es dem Vortragenden möglich, an 15 bisher noch nicht erkrankt gewesenen Rindern im Alter von 9 bis 14 Monaten Versuche anzustellen. Tie Tiere wurden mit vorher bis auf 85 Grad Eelsius erhitzter, kranken Kühen entnommener Milch gefüttert, teilweise auch in einen Seuchenstall eingestellt. Tie Tiere blieben von der Seuche verschont. Ein Versuch mit vorher stark, etwa eine Viertel­stunde lang, gekochter Milch, von der man annehmen konnte, daß alle Jnsektionsstoffe abgetötet waren, ergab, daß die damit gefütterten Tiere erkrankten; dieser Umstand giebt der Vermutung Raum, daß durch das starke, anhaltende Kochen auch die in der Milch enthaltenen Schutzstoffe vernich­tet wurden. Ein weiterer Versuch mit Tieren, denen man vor­her nur bis zu 75 Grad erhitzte Milch verabreichte, sie aber mit dem Ausfluß von Nase und Maul hochgradig er­krankter Tiere einrieb, ergab, daß dieselben gesund blieben. Ter Vortragende zog aus den von ihm angestellten Ver­suchen den Schluß, daß die Milch seuchekranker Kühe die Eigenschaft besitzt, die damit gefütterten Tiere immun (unempfänglich) gegen Seuche zu machen; ^daß ferner die Milch (Magermilch, Buttermilch, Molken) Schutzstoffe ent-

/^IC $Qucr der Immunität ist allerdings noch nicht festgestellt Redner empfahl, Milch das ganze Jahr hin­durch zu füttern, bei Ausbruch von Seuchen Milch von er-

o o ^eren etwa 8 Tage lang, und zwar täglich 4 ms 8 ^tter an ältere, 2 bis 4 Liter an jüngere Tiere. Tie Versammlung bekundete am Schluß des Vortrags dem Redner ihren Beifall. Ter Vorsitzende empfahl den Landwirten, Versuche in der vom Vortragenden bezeich­neten Weise zu machen und das Ergebnis derselben ihm mitzuteilen Ter Vorsitzende stattete am Schluß Herrn Prof. Winkler den Tank der Versammlung für den lehr­reichen Vortrag ab, und forderte ferner die Anwesenden auf, recht zahlreich die vom 14. bis 17. September in Tarmstadt stattfindende landwirtschaftliche Ausstellung, die viel Lehrreiches bieten werde, zu besuchen.

* * Warnung. Auf derLindener Mark" am Wege nach dem Bergwerkswalde zu, hat die Tollkirsche in den letzten Jahren sehr überhand genommen. Gegenwärtig stehen die giftigen Früchte dieser gefährlichen Pflanze in der Reife, vor deren Genuß die Kinder nicht genug gewarnt werden können. Das beste würde freilich sein, wenn die zuständige Behörde die gänzliche Ausrottung der Tollkirsche, zum mindesten an öffentlichen Straßen, ver­anlaßte.

Bad-Nauheim, 9. September. Wochenprogramm der Unter­haltungen: Frühkonzert der Kurkapelle täglich von 7*/2 bis 8% Uhr am Kurbrunnen. Montag, 10. Sept., abends von 79 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle, abends 8 Uhr Theatervorstellung:Der Schlafwagen- Kontroleur". Dienstag, 11. Sept., nachm. von 46 und abends von 79 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kur­kapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung:Jugendliebe". Hierauf:Sie muß nach Nauheim", Lustspiel in 1 Akt von Wilhelm Wagner. Mittwoch, 12. Sept., nachm. von 4-6 und abends von 79 Uhr aus der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saale Tanz. Donners­tag, den 13. Sept., nachm. von 46 und abends von 79 Uhr aus der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Sinsonie-Konzert. Abends 8 Uhr Theatervorstellung:Auf der Sonnenseite". Freitag, 14. Sept., nachm. von 4b und abends von 79 Uhr aus der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung:Ein moderner Barbar". Hierauf:Rezept gegen Schwiegermütter". Schluß der Theatersaison. Samstag, 15. Sept., nachm. von 46 und abends von 79 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saale Zauber- Vorstellung des Salonmagiers Mellani aus Wiesbaden. Vom 31. August bis 6. September sind 678 Kurgäste an­gekommen. Gesamtfrequenz am 6. September 20,549 Per­sonen. Vom 31. August bis 6. September wurden 10,969 Bäder, darunter 433 Freibäder gefertigt. Gesamtsumme der vom 1. April bis 6. September 1900 abgegebenen Bäder 272,400 einschließlich 11,230 Freibäder. DaS Kurtheater wird am Freitag seine Pforten schließen, um nach Meran zu ziehen, denn Herr von Maixdorfs, der Direktor des hiesigen Kurtheaters, hat auch die Direktion des neuen städtischen KurtheaterL in Mrrarr übernommen. In diesem Winterkurort ist ein Theater mit allen Neue­rungen für etwa 1/a Million erbaut worden. Das am Mittwoch abend im Kurhause veranstaltete Fest zum Besten der verbündeten Truppen in China hatte sich eines zahlreichen Besuches unserer Kurgäste und Ein­wohner zu erfreuen. Die Einnahmen betrugen: Kasse 1020 Mk. einschließlich 5 Nauheimer Sendungen von je 50, 50, 20, 10, 10 Mk., Programme 60 Mk., Büfset 260 Mk., Konditorei 285 Mk., Sekt und Blumen 300 Mk., Sammelbüchse 45 Mk., zus. 1970 Mk., die Unkosten be­tragen 190 Mk., bleibt eine zur Absendung kommende Reineinnhme von Mk. 1780. Der Betrag von 1780 Mk. ist für den genannten Zweck dem Alicen-Frauenverein (rotes Kreuz) in Darmstadt zur Verfügung gestellt worben-

Friedberg, 8. September. In der Gemeinderatssitzung vom 6. ds. sprach zum ersten Punkt der Tagesordnung Elektrizitätswerk" Ingenieur Hahn. Die Para­graphen des Vertragsentwurfs, der unter Mitwirkung unserer Regierung und juristischer und technischer Autori­täten verfaßt worden ist, wurden im einzelnen besprochen- Da der Vertragsentwurf nur in Händen weniger Gemeinde­räte ist und es ohne denselben nicht möglich ist, den z. T. komplizierten Paragraphen zu folgen, soll jedem Gemeinde­rat ein Exemplar des Entwurfes eingehändigt und nächste Woche eine Sitzung über diese Frage abgehalten werden. Ferner wird beschlossen einen, als unparteiisch geltenden, Sachverständigen hinzuziehen. Im Anschluß hieran macht der Vorsitzende die Mitteilung, daß eine detaillierte Offerte der bekannten Elektrizitätswerke vormals Lahmeyer u. Co. in Frankfurt vorliegt, die für Friedberg ein eigenes Werk vorsieht und richt günstige Angebote erhält. Wie ferner mitgeteilt wird, ist es nach Acußerungen einer maß­gebenden Persönlichkeit nicht die Absicht der Eisenbahn vom Gaslicht abzugehen, es sei denn, daß elektr. Licht für einen äußerst billigen Preis zu haben ist. Turnmspektor Spuck von Darmstadt ist der Ansicht, daß sich Parquet- boden, der vorgesehen ist für die Turnhalle des Gymnasiums und überhaupt für Turnhallen nicht eignet, da die Glätte desselben leicht zu Unfällen führen kann. ES sollen Erkundigungen eingezogen und dann Be­schluß gefaßt werden. Für die nächstes Jahr, gelegentlich der Generalversammlung der Hess- Gewerbe-Vereine, ftattfintenbe Ausstellung sollen ev. Räume des alten Gymnasiums zur Verfügung gestellt werden.

-11- Reimenrod, 9. September. Wie alljährlich, so wurde auch in diesem Jahre anfangs August der nahe bei Reimenrod gelegene Bienenstand eröffnet. Aus der Nähe und Ferne sah man um diese Zeit Bienenväter mit ihren hungernden Völkern dorthin wandern, um dieselben der Obhut des in Jmkerkreisen bekannten Bienenwirtes, Bürgermeisters Rahn, anzuvertrauen. Daß diesmal fast nahe an 500 Plätze des Bienenstandes besetzt waren, ist