Ausgabe 
11.7.1900 Erstes Blatt
 
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ChevauxlegerS aus Nürnberg, die Meraner Bürgerkapelle, die Frankfurter Schützenvereinskapelle, sowie die Kapelle der Liegnitzer Schützengesellschaft mit sich. In allen Straßen, die der Zug berührte, wurden die Schützen vom Publikum stürmisch begrüßt und aus den Fenstern mit einem wahren Blumenregen überschüttet. Die Nürnberger mit ihrem Trichter", die Schützen aus Nordhausen mit ihremFäß­chen Echten" erregten überall große Heiterkeit, was der anfänglich infolge des mißlichen Wetters etwa- gedrückten Stimmung sehr zu statten kam. Die Münchener Schützen brachten dem sächsischen Königshaus durch Niederlegen von Alpenrosen und Edelweiß am Königspavillon ein sehr sym­pathisches Zeichen ihrer Ehrerbietung dar und ernteten dafür lebhaften Beifall. Ueberhaupt wurden die wackeren Schützen überall auf das Stürmischste begrüßt, und man sah ihnen allen an, daß sie sich in dem schönen Dresden sehr wohl fühlten und mit dem Empfang recht zufrieden waren.

Nach Eintreffen des Festzuges aus dem Festplatze ließ man sich in der bequem 5000 Personen fassenden Fest­halle zum Bankett nieder. An der Ehrentafel hatten außer dem Ehrenpräsidenten deS Schießens Oberbürger, meister Beutler, Vertreter der städtischen Kollegien, die beiden Präsidenten des deutschen SchützenbundeS, H a u sch ild- Bremen und dall' Armi - München, Kreishauptmann Schmiedel, Staatsbahn-General - Direktor Geh. Rat v. Kirchbach, Geh. Kommerzienrat Hahn, der verdienst­volle Vorsitzende des Finanzausschusses, u. a. m. Platz ge­nommen. Von Beginn der Tafel an schon war die Stimmung bereits eine sehr gehobene, und zunächst brachte Hosschau spieler Walther den deutschen Schützen im Namen der Feststadt einen von Herzen kommenden und wieder zu Herzen gehenden Willkommengruß. Dann bestieg Ober­bürgermeister Beutler-Dresden die vor der Ehrentafel errichtete Tribüne, um in patriotischer Ansprache unter Hin­weis auf die Wirren im fernen China der Verdienste des Kaisers Wilhelms II. zu gedenken und schloß seine ost von Beifallsrufen unterbrochene Rede mit den Worten:Wo in solcher Zeit deutsche Männer und deutsche Schützen in Sachsens Haupt- und Residenzstadt festlich versammelt find, da entspricht es einem Herzensbedürfnisse aller, wenn das erste GlaS und das erste Wort dem geliebten und all« verehrten Landesherrn, Seiner Majestät dem König von Sachsen, zugleich aber auch dem gottbegnadeten Führer seines Volkes, dem deutschen Kaiser, gilt. Seine Majestät der König von Sachsen und Seine Majestät der deutsche Kaiser: hoch, hoch, hoch!" Die daraus folgende Rede des Vorsitzenden des Festausschusses, Stadtrats Dr. Lehmann, war überaus herzlich und für die Schützensache begeistert. Sein Trunk galt dem Wohle aller Schützenbrüder. Der Schützenkommissar der Stadt Nürnberg, Rechtsrat Wagner, der das Bundesbanner gestern der Stadt Dresden übergab, widmete sein Glas nach zündenden Worten der Feststadt Dresden, woraus Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Stöckel in ebenso inniger Weise auf die Stadt Nürnberg und den deutschen Schützenbund toastete. Ritter v. Metnitz-Wien gedachte in sinnigster Art im Hinblick auf das bewährte treue Bündnis zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn der Gemeinschaft der deutsch - österreichischen Schützen. Stürmischen Beifall erntete auch ein Tafellied, welches das 1., 11., 14. und 20. Jahrhundert feierte. Die Tafelmusik spielte die Kapelle des 2. Grenadier-Regiments Nr. 101.

Punkt 5 Uhr begann bei reger Beteiligung das Kon« kurrenzschießen um 10 Feldbecher. Als Sieger gingen bei der abends 8 Uhr erfolgten Preisverteilung her­vor: G. Blume-Erfurt, C. Bock-Frankfurt a. M., Robert Strenzel«Leipzig, Robert Hauber - Stuttgart, Holzapfel- München, Belk-Müncheu, UeSring-Eisleben, Ritzel-Zöllen, Büder-Basel und Steinkeller-Botzen.

~ Heute, Montag, früh 7 Uhr begann das allgemeine Schießen, wozu es den Schützen an Kaltblütigkeit nicht fehlte, denn das Thermometer zeigte + 10 Grad Celsius. Brr! Das Wetter ist trüb und unfreundlich.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 10. Juli 1900.

Perfoualuachrichte». Dem Generalmajor ä la suite der Kavallerie v. Grolman wurde das Komturkreuz 1. Klaffe mit der Krone des Verdienstordens Philipps deS Großmütigen, dem Major Clausius, BataillouS-Kom- mandeur im Infanterie - Regiment Nr. 155, seither im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116, das Ritter­kreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps deS Groß­mütigen, dem Geschäftsführer und Prokuristen Karl Moll zu Offenbach a. M. das silberne Kreuz des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen, sowie dem Lithographen Dionysius Gerhäuser zu Offenbach, dem Notendrucker KaSpar Wilhelm zu Bieber, dem Magazingehilfen Hein-

A^ngler zu Offenbach und dem Notenstecher Fried­rich Winter zu Offenbach, sämtlich in Diensten der Firma Andree zu Offenbach, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Arbeit" verliehen. Der Lehramts» affeffor Philipp Wahl aus Babenhausen wurde zum Ober- lehrer an der höheren Bürgerschule zu Pfungstadt und zum Leiter dieser Anstalt nut dem AmtStitelRektor", der Lehr- amtSassessor Karl Krauß aus Laubach zum Oberlehrer an *cr höheren Bürgerschule zu Dieburg, der Lehramts, affeffor Karl Zörb aus Michelstadt zum Oberlehrer an der höheren Bürgerschule zu Neu-Ysenburg und zum Leiter dieser. Anstalt mit dem AmStitelRektor", der Kreis- amtmann Krug v. Nidda zum Vorsitzenden und der KreiSamtmann Dr. Merck zum Stellvertreter des Vor­sitzenden der in Mainz domizilierten Schiedsgerichte ernannt.

§ Wieseck, 10. Juli. Am 7., 8. und 9. Juli fand hier das 50. Stistun-gsfest unseres ältesten (Gesang­vereinsConcordia" statt. Aufs schönste waren Dors und Aestplatz mit Fahnen, jfiänzen, Euirlanden und Tannen­

bäumen geschmückt. Auch mehrere Ehrenpforten waren errichtet, und man merkte, daß im ganzen Dorfe die beste Feststimmung herrschte. Um 2 Uhr bewegte sich ein statt­licher Festzug durch unseren Ort. an dem sich ungefähr 25 Vereine beteiligten. Auf dem Festplatz angekommen, hielt der Präsident Seuling die Festrede. In kernigen Worten sprach er über die Gründung unseres Vereins, in einer Zeit, da es auf den Dörfern fast noch keine Gesang­vereine gab. Schwere Stürme mußte auch der Verein mit­machen, indem sich nach und nach aus dem Mutterverein airdere Gesangvereine abtrennten, sodaß das Häuflein manchmal sehr zusammenschmolz und das Weiterbestehen derConcordia" oft in Frage kam. Aber die zähe Aus­dauer der wenigen Getreuen hat unsereConcordia" jedes- inal vor der Auflösung bewahrt, und so steht sie heute geehrt und geachtet da. Zum Schlüsse seiner Rede brachte Präsident Seuling ein Hoch auf das deutsche Lied aus. Hierauf überreichte der Turnverein unserem Gesangverein zu seinem Jubeltage eine prachtvolle Standarte, die Frauen und Jungfrauen und der Kriegcrverein je eine Fahnen­schleife und der Gesangverein Sängerkranz ein Ehren- ! Diplom. Drechslermeister Lau ton hatte eine schöne Fahnenstange mit Lyra gestiftet. Präsident Seuling bedankte sich namens derConcordia" und brachte den Spen­dern ein kräftiges Hoch Nach dem Begrüßungslied und verschiedenen gesanglicl)en Vorträgen der übrigen Vereine herrschte bei Tanz und Konzert die denkbar fröhlichste Stimmung bis zur späten Abendstunde. Leider war infolge der schlechten Witterung der Festplatz sehr aufgeweicht, und es ivar ein Glück, daß es am Festtage nicht regnete. Montag um 10 Uhr fand Frühkonzert mit Frühschoppen auf dem Festplatze statt. Nachmittags 2 Uhr Umzug durch das Dorf nach dem Festplatze. Hier angekommen, wurden durch den Präsidenten Seuling an verschiedene Mit­glieder Ehren-Diplome übcrretdjt. Gesang, Tanz und Konzert schloß sich hieran. Bei eintretender Dunkelheit wurm noch ein großes Feuerwerk abgebrannt. Die wohlgeschulte Kapelle Becker von hier sorgte für eine schöne Musik. Die prächtige Acetylen-Beleuchtung wurde von der Firma Welkoborsky in Gießen ausgeführt.

).( Harbach, 10. Juli. In dem benachbarten Ettingshausen fand vor einigen Wochen Bürger­in e i st e r w a h l statt. Im ersten Wahlgang waren drei Kandidaten aufgestellt, der seitherige Bürgermeister Gör- nert, der Beigeordnete Heinrich Keil und dessen Schwager Johannes Keil. Da keiner dieser drei die Stimmenmehrheit erhielt, so war nach einer Woche Stich­wahl zwischen den beiden letztgenannten erforderliche Das Ergebnis war, daß der Beigeordnete Keil 58, Johannes Keil dagegen 61 Stimmen erhielt, somit ging letzterer aus dem Wahlgang siegreich hervor. Der neugewählte Bürgermeister konnte aber bis jetzt noch nicht von der Behörde bestätigt werden, da er wegen verschiedener Sachen verklagt ist, ob mit Recht oder Unrecht, das wird durch die bereits eingeleitete Untersuchung hoffentlich^ klargestellt werden. Am verflossenen Donnerstag war nun der Untersuchungs- richter int Ort und vernahm eine ganze Anzahl Männer über verschiedene dem Joh. Keil zur Last gelegter schwer­wiegender Beschuldigungen. Auch viele Frauen sind, wie wir hören, in dieser Sachte vernommen worden. Die Auf­regung in der Gemeinde ist sehr groß, und jahrelanger Haß der einzelnen Familien wird die Folge sein. Das traurigste bei der ganzen Wahlgeschichte ist die Thatsache, daß schon den ganzen Winter über auf die Bürgermeister­wahl getrunken worden ist, und wenn es vielleicht auch) nicht immer öffentlich! ausgesprock-en wird, so ist cs doch als selbstverständlich von den Wählern angenommen, daß der Kandidat die Zeche bezahlt. Man sagt sogar, daß es hier oder da vorkommt, daß die Kandidaten Fäßchen auflegen. Daß diesesTrinken auf die Wahl" eine der bedenklichsten W a h l b e e i n f l u s s u n g e n ist, bedarf keines weiteren Beweises, und daß Zank, Streit, Haß und Schlägerei die unmittelbaren Folgen sind, sehen wir auch) hier wieder. Ist doch) diesmal eine Schlägerei nur durch das Eingreifen besonnener, angesehener Leute verhindert worden. Mit Freuden haben wir deshalb die Nachricht vernommen, daß die Behörde auch über das Trinken vor der Wahl die Untersuchung eingeleitet hat. Wir zweifeln nicht, daß man in Ettingshausen der Wahrheit die Ehre geben wird, damit die Behörde einschreiten kann und der­artige Unsitten auch in anderen Orten verschwinden. Zahlen beweisen und so mögen auch hier einige Zahlen angeführt werden, um den Lesern eine Vorstellung davon zu machen, was alles getrunken und gegessen wird bei einer Bürger­meisterwahl. Für Bier, Schnaps und Wein sollen min­destens 2000 Mark in den verschiedenen Wirtschaften ge­lassen worden sein. Nun sind aber auch zur Stichwahl von den Kandidaten Schweine geschlachtet worden; und bei diesem Schmaus wurde wohl auch kein Wasser ge­trunken. Außerdem wurden die Frauen der Wähler zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Ob dieses auch, vor oder nach der Wahl geschah, hat unser Gewährsmann nicht er­fahren können. Die Ausgabe für Essen, süßen Schnaps usw. wird demnach nicht gering sein. An diesen Ausgaben dürften die Gewählten jahrelang zu tragen haben.

Darmstadt, 9. Juli. Anlage einer Villen­kolonie im Isenburger Wald bei Frankfurt empfahl in den letzten Verhandlungen der ersten hessischen Stände­kammer der Erbprinz v o n L e i n i n g e n. Es stand zur Erörterung, ob der hessisck)ie Staat die auf hessischem Ge­biet bei Neu-Isenburg und Offenbach belegenen Waldungen käuflich) erwerben solle, Waldungen, die ursprünglich Be­standteile des uralten Reichst und Königsforstes zu Drei- eich, seit mehr als 400 Jahren irrt Besitz des Hauses Isen­burg, mit einem Flächengehalt von über 3300 Hektar, zu den größten Privatforsten Mitteldeutschlands gehörend/.pon dem gegenwärtig finanziell bedrängten Fideikommiß ° Be­sitzer zum Verkauf gestellt sind. Infolge der günstigen Lage zu Frankftirt und Offenbach eigneten sich), so führte Erbprinz Leitungen aus, diese Waldungen vorzüglich) zur Anlage einer Villenkolonie mit Parks, Sportplätzen u., und der Staat müsse bei Bemessung des zu bietenden Kauf­preises diese günstige Verwertbarkeit ins Auge fassen. In der That eine beachtenswerte Idee. In allen unseren Großstädten macht sich) mehr und inehr das Bedürfnis nach behaglichen, leicht erreichbaren Vororten geltend, die es ermöglichen, ruhigen, gesunden Landaufenthalt mit städti­scher Berufsausübung zu verbinden. Für Frankfurt dürfte sich! kaum ein geeigneteres Villenvorort-Terrain finden, als diese nahe der Stadt erhöht über dem Maint-Hal liegen­

den Waldungen, die bisher als unantastbarer FideikoMmiß- besitz dem Prtvaterwerb unzugänglich waren. Das gleiche Projekt war schon vor 3 Jahren dem Fürsten Jsenburg-Bir- stetu von einem als Berater in den finanziellen Schwierig­keiten zugegangenen Finanzier empfohlen, aber vielleicht aus Mangel an Mitteln nicht verfolgt worden. Inter­essant ist es, wie jetzt der Staat sich, zu dieser in der ersten Ständekammer gegebenen Anregung verhalten wird. Wird der Fiskus als Käufer die Verwertbarkeit des Waldes als Villenvorort, also einen gewissen Spekulationswert des Waldes mit bezahlen? Wenn dies geschieht, wird er das Geschäft selbst realisieren, den Villenort selbst anlegen und dte Parzellen an Private verkaufen? Wenn der Staat ablehnt, wird dann der Fürst Isenburg die nach hessischem Recht erforderliche staatliche Genehmigung zur getrennten Veräußerung erhalten, oder wird der Fiskus durch Ver­weigerung dieser Genehmigung den finanziell bedrängten Eigentümer dahin bringen, den Forst unter dem wahren Wert zu verkaufen? Selten vereinigen sich! sonst heterogene Interessen derartig für ein Projekt, wie für dieses: die Stadt Frankfurt bekäme einen schönen, nahegelegenen ' Villenvorort, der Fürst Isenburg gute Bezahlung für seinen Wald, die Genteinden Neu-Isenburg, Sprendlingen rc. schöne Bezahlung für teilweise Ablösung ihrer Waldgerecht- same, der hessische Staat würde um einen höchst-steuer­kräftigen Ort reicher nur dem hessischen Fiskus ent­ginge ein Waldankauf unter Preis.

Darmstadt, 8. Juli. Die Mittelrheinischen Fecht­klubs, wozu außer Darmstadt die Fechtklubs zu Frank­furt ,o. M., Mainz, Wiesbaden, Butzbach, Mannheim, Bürgel, Worms, Rüdesheim, Karlsruhe und Kreuznach ge­hören, feierten vom 7. bis 9. Juli in unseren Mauern das 21. Gau Verbands fest der Mittelrheinischen: F e ch t k l u b s, das der Darmstädter Fechtklub übernom­men hatte, um damit gleichzeitig sein zehnjähriges Stiftungsfest zu feiern. Die Beteiligung war eine äußerst rege. Die am Samstagvormittag im großen Saal­bausaale begonnenen Wettkämpfe boten ein sehr schönes - Bild von Energie und Schneidigkeit im friedlichen Streits der Geist und Körper stärkt. Der Kommers verlief in prächtiger Weise unter Reden und gesanglichen und musikalischen Darbietungen. Am Nachmittag des 8. fanden alsdann irrt Saalbau die Schau Übungen der Klubs statt, und zwar wurden ausgeführt: 1. Sabel-Uebung, aus­geführt von sechs Herren des Darmstädter Fechtklubs (außer Konkurrenz), 2. Säbel-Gewehrübungen, ausgeführt von zehn Herren des Wiesbadener Fechtklubs, 3. Säbel- Stockschwingungen, ausgeführt von vierzehn Herren des Vereinigten FechtklubsArminius-Darmstadtia", 4. Kollek- tiv-Uebung im Florett, ausgeführt von acht Herren des Frankfurter Fechtklubs, 5. Säbel-Uebung, ausgeführt von vier Herren des Mainzer Fechtklubs. Die Kapelle Engel konzertierte anfangs im Garten, dann nach Beginn des Regens im Saale.

Darmstadt, 10. Juli. DieH a s s i a", das älteste Korps der Technischen Hochschule, feierte vorgestern abend imKaisersaal" sein 60jähriges Stiftungsfest durch einen solennen Kommers, zu dem eine stattlick>e An­zahl Ehrengäste, u. a. das Rektorat, Vertreter der Körper­schaften, sowie zahlreiche alte Herren erschienen waren, um das Korps zu seinem Jubelfeste zu beglückwünschen. Den eifrigen Nachforschungen unserer Kriminalpolizei ist es gelungen, in der Person des ca. 20 Jahren alten I. Schwerenberger von hier eines derjenigen Indivi­duen zu erwischen, die das schon kurz gemeldete Sitt- lichkeitsverbrechen anfangs der vorigen Woche in den städtischen Tannen begangen haben. Sein Genosse, den S. nicht kennen will, ist der Beschreibung'nach'ea. 25 bis 30 Jahre alt, mittlerer Statur, hat rötlichen Schnurrbart, viele Sommerflecken im Gesicht.

D a r m st a d t, 10. Juli. Auf Grund telegraphischen Ersuchens des Berliner Zentral-KomiteeS vom Roten Kreuz ließ, wie dieN. Hess. V." schreiben, der Vorstand des hessischen Landesvereins heute die Aufforderung ergehen, daß fieiwillige gute Berufs­krankenpfleger, welche geeignet sind, im Lazareth- dienst im deutschen Schutzgebiet in China oder auf Laza- rethschiffen verwendet zu werden, sich bei dem Vorstande (Vorsitzender: Oberkonsistorialpräsident Buchner in Darmstadt, Riedeselstr. 42) sofort melden möchten. Be­dingungen: alles frei und außerdem Tagegelder.

Mainz, 10. Juli. Mit den großen Erweite­rungsbauten im Bereiche der ehemaligen Hessi­sch e n L u d w i g s b a h n , zu denen vor einiger Zeit schon von dem preußischen Landtage und den hessischen Kammern die Mittel bewilligt worden sind, wird in allernächster Zeit begonnen werben. Es wurde ein genauer Plan aus­gearbeitet, in welcher Reihenfolge die einzelnen Teile der umfangreichen Arbeiten zur Ausführung kommen sollen, damit während der Bauzeit Verkehrsstörungen so viel wie nur irgend möglich vermieden werden. Zuerst kommt zur Ausführung der zweiklassige Ausbau der Linie Mainz- Montbach, mit dem gleichzeitig die Uebcrbrückung des Rheines unterhalb Mainz begonnen wird, um alsdann die Anschlüsse an die Bahnlinie Castel-Frankfurt und an die Station Curve auszuführen. Neben dseien großen Arbeiten­werden zur gleichen Zeit die Erweiterungsanlagen an dem Bahnhof in Worms ausgeführt. Unter den Truppen der hiesigen Garnison ist die Z a h l d e r F r e i w i l l i g e n, die sich nach China gemeldet haben, eine außer­ordentlich große. Allein von dem Fuß-Artillerie- Regiment Nr. 3 haben sich so viele Unteroffiziere und Mannschaften gemeldet, daß aus demselben eine voll­ständige Batterie gebildet lverden konnte. Gestern wurden Vie Leute ärztlich untersucht und bereits morgen treten dieselben die Reise nach China an. Die Batterie nimmt sechs Haubitzen mit. In unserer Stadt treibt sich ,nieder ein fremder Kolporteur umher, der durch Scheine einer auswärtigen Buchhandlung hier Bücher ver­kauft. Der Kolporteur läßt sich 2 bis 3 Mark alsDrauf­geld" bezahlen, von den bestellten Büchern bekommen aber die Käufer nie etwas zu sehen.

Markus Bauer

Spezial-Geschäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Matz in eigener werksiätte.

Gießen, ttirchenplatz 71£>