1900
Mittwoch den 11. April
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gietzen
Amtlicher Teil.
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Mit
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Der Krieg in Südafrika.
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Die Gießener iiuiHtttßrattet ■jrtbm dem Anzeiger sslSechfel mit »Hcff. Ifribroirt" u. „Blätter |r heff. Boltslunde" alt-tl. 4 mal beigelegt.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen.
Fernsprecher Nr. 51.
Gießen, den 7. April 1900.
Bett.: Die Vertilgung der Raupennester.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
(C. Herber).
zäunt worden. Cronje wird unweit des vom High Knoll- Fort beherrschten Regierungs-Palais untergebracht. Ter Gouverneur Lord Bathurst wird das neu errichtete Na- poleon-Haus Longwood bewohnen. Oberst Schiel wird auch wahrscheinlich ein besonderes Domizil erhalten.
Telegramme des Gietzeuer Anzeigers.
pflichtig.
Vieh auS Orten, in welchen die Maul- und Klauenseuche herrscht, darf nicht aufgetrieben werden.
Zuwiderhandlungen werden bestraft.
Gießen, den 10. April 1900.
Großherzogliches KreiSamt Gießen.
v. Bechtold.
K'1
Bom Kriegsschauplätze kam gestern (vergl. unsere gest- I tigern Telegramme) die Meldung von einem kühnen Hand- I fireiche deS jungen BurenführerS de Wet, dem Enkel des I Prä sidenten Krüger. Der gelungene Ueberfall zeugt: von I tbticfo viel Kühnheit wie Umsicht und macht dem Ruse, I itt dem jungen, wagemutigen KriegSmanne vorausging, alle I khr«e. Es liegt darüber folgende ausführliche Meldung I lor: Eine vom 1. d. Mts. aus dem Lager De Wets bei ien Wasserwerken am Modderriver datierte Depesche besagt : jreitagnacht erhielt De Wet die Nachricht, daß die brr. hsche Truppe, die seit kurzem Thabanchu besetzte, infolge I beö Anmarsches Oliviers vom Süden her diesen Ort räume. I De Wet beschloß sie ab zu fangen, und gelangte nach I (inem brillanten Nachtmarsch zu dem Amla- I xopje dicht bei den Wasserwerken nördlich vom Modder- I
. Er fand das britische Lager ohne Vorposten siieidlich schlummern. Sofort brachte De Wet eine I Batterie in Stellung, und Kommandos in Stärke von 1500 I Mann besetzten die strategischen Punkte rings um die Engländer. Die Sektionen aus Kroonstaad und Bloemfontein nahmen dicht bei dem Gebäude der Bahnstation und unterhalb der Drift Stellung. Als das Tageslicht weit genug vorgeschritten war, wurde das Signal gegeben, und die Geschütze begannen das Lager der Engländer mit Shrap- nrlls zu beschütten. Es folgte große Verwirrung. Die englischen Artilleristen stürzten zu den Geschützen und | eilten einer entfernten Stellung zu. Dies verursachte Freude Iti den Mannschaften von Wilburg und Bethlehem. Die- lilben galoppierten angesichts des Gewehrfeuers der Eng- lärräer, die sich von ihrer Bestürzung nicht erholten, über , tas offene Feld. De Wet spornte die Leute an und ritt ober das freie Feld ohne Deckung auf die Stellung der '■ j»eine englische Batterie
v , Anhöhe zu. Kein Schuß
vurde "abgegeben, ehe die englische Artillerie auf 30 Yards i dtrangekommen war. Dann aber erdröhnte die Luft von ’ Schall des Gewehrfeuers, die Bespannung der Ge- lchütze wurde reihenweise mit ihrer Bedienung nieder- , gelchossen. 7 Geschütze fielen in die Hände der i greistaatburen. , . wee . ,
Diese Meldung der Koornsprutt-Affaire von burischer Me ist weniger anschaulich als die englischen, die bisher bttannt geworden sind. Bor allem fehlt die Schilderung des Ueberfalls in der Koornspruitfurt; es wird gar nicht klar, daß die Engländer bereits auf dem Rückzüge waren. Dagegen wird durch diese Darstellung die Fabel des Bericht- erflatters des Daily Telegraph zerstört, daß eine östliche IMÜ eine nördliche Burenabteilung zufällig zusammen gewirkt Hamen. Die östliche Abteilung unter Olivier ist überhaupt nicht ins Gefecht gekommen, was auch damit überemstimmt, baftz Olivier bereits am 4. wieder in Wepener war. Das gai.nze Manöver ist von de Wets Abteilung allein ausge-
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er- und Brotbüchsen
)roßer Suswahl
H. Fuh,
rmmtstraßt 25.
8tetr.: Abhaltung der Viehmärkte.
Die Biehmärkte zu Sich am Dienstag dem 17. d. MtS. and Alleudorf a. d. Lda. am 18. d. MtS. können unter folgt nden Beschränkungen abgehalten werden:
Alles nach den Marktorten gebrachte Vieh muß auf den Marktplatz gebracht, und daselbst der veterinärärztlichen Untersuchung unterworfen werden.
Geschieht dies nicht, so ist daS Vieh quarantäne-
Verbindung mit der Außenwelt erwartet. I
In London wird bereits das Gerücht verzeichnet, daß I die telegraphische Verbindung mit Bloemfontein I ab geschnitten sei. Die Blätter stützen sich hierbei auf I Meldungen aus Kapstadt, die vom Samstagabend datiert I sind. Beruht das Gerücht auf Wahrheit, dann darf man I ohne weiteres annehmen, daß den Buren auch bereits die I Unterbrechung des Bahnverkehrs nach Bloemfontein ge- I lnngen ist. Er muß dann unter allen Umständen den I Versuch wagen, sich Luft zu machen, und sich den ihm I durch die Offensive seines Gegners aufgezwungenen Be- I bingungeu des Kampfes anbequemen. Die Buren tauchen I jetzt überall im Südosten des Freistaates auf und drängen I die englischen Truppenabteilungen mit Gewalt zurück. Ihre 1 Kommandos erscheinen an den verschiedensten Stellen nut I überraschender Plötzlichkeit und ,säubern" jetzt ihrerseits I das Lano.
Der „Daily News" wird ansKapstadt telegraphiert: I Lord Roberts hat Hunderte von Pferden v e r - I loren. Die Soldaten leiden an Lungenentzün- I düng infolge zu dünner Kleidung. Roberts hat beschlossen, I keine größere Bewegung vorzunehmen, bis er dickere Uniformen erhält. Die Buren stehen in großer Anzahl rings I uni Bloemfontein. Verstärkungen werden schleunigst über I i den Oranjefluß geworfen. ,
Der jüngste Bruder des Präsidenten «stem, § a l t» I Hardt Stein, wurde auf seinem Gute, 12 Meilen nörd- I lich von Bloemfontein, von den Engländern verhaftet I unter dem Verdacht, daß er den Buren Informationen er- I teilt habe. .
Dem Rückzug der Engländer aus Rouxville, von dem I wir bereits gestern berichtet haben, muß ein, wenn auch I unbedeutendes, Gefecht vorausgegangen sem, da die Eng- I länder melden, daß auf ihrer Seite ein Leutnant und zwei I Mann von den Grenzreitern vermißt werden. Die Buren I I sollen zwei Tote und einen Verwundeten verloren haben. I uebet den Tod des Obersten V i l l e b o i s berichtet ein I Telegramm der „Times" aus Boshop: Die militärischen I Ehren wurden dem Obersten durch eine Abteilung des I Yeomanry-Regimeiits erteilt. Sämtliche Offiziere dieses I Regiments wohnten der Feier bei.
Die Fremdenlegion der Buren wird mit Ba- I jonetten ausgerüstet werden. Die Generalstabsoffiziere der I Legion sind Oberst Maximow und Kapitän von Wrangel. I Unabhängig von der aus Franzosen, Deutschen, Holländern, I 'Italienern'unb Iren bestehenben Frembenlegion fungiert I ein Korps amerikanischer Eclaireure, unter benen viele I Cowboys sinb.
Nach Telegrammen au» Kapstabt war ber Flucht- I versuch ber gefangenen Buren umfangreicher, als I anfänglich gemelbet würbe. Sie burchschnitten im Dunklen I den Drahtzaun unter ber Wachtbrücke, währenb bie Schild- I wachen auf ber Brücke waren. Von 30 fehlenben Ge- I fangen en sollen neun wiebergefangen sein. Die Kriegs- | schiffe richteten ihre Scheinwerfer auf bie Szene, unb bie I Wanvickshirer Miliztruppen burchsuchten bas Geläube. Die I Verfolgung bauert noch fort. Drei Buren erhielten schwere I Bajonettwunben. Die Sympathie ber Bevölkerung für bie I äußerst schlecht behandelten Gefangenen erhöht die Schwie- I rigteit der Verfolgung. Die Gefangenen hatten auch mit I Erfolg einen anderen Tunnel unter dem Schilderhaus hin- I durchgebohrt, wurden aber durch einen Hund entdeckt. Die I Behörden stellten an verschiedenen Stellen neue Schild- I wachen auf und verstärkten die militärische Bedeckung des I Bahnhofs.
Nach einem Telegramm der Daily Mail aus St. Helena I ist dort alles für die Aufnahme der gefangenen Buren I fertig. Es sind ca. fünf Morgen mit Stacheldraht um-
verhaftet. , .
London, 10. April. Daß die englische Regierung mit einer noch langen Dauer des Feldzuges rechnet, beweist ein gestern abend erlassener Armee-Befehl, welcher verfügt, daß alle noch nicht einberufenen Milizen sich am 1. Mai zu gefteIIen haben. — Aus East London wird telegraphiert: Auf der Bahn herrscht vollständige Stockung. Die Militärbehörde will nicht einmal Nahrungsmittel nach dem Innern abgehen lassen. Das dritte Kontingent der neuseeländischen Truppen ging auf dem Transportschiffe Iljina nach Beira ab.
London, 10. April. „Daily Mail" meldet aus M a - f ef in g, bie Garnison sei nunmehr überzeugt, baß Oberst Plumer sie nicht mehr befreien könne. Die Lage ber Garnison gestaltet sich sehr ungünstig aus Mangel an Nahrungsmitteln. Zahlreiche Personen erkrankten an Hungertyphus.
Lonbori, 10. April. Die „Times" meldet aus Wepener: Die Garnison ist völlig isoliert. Unsere Truppen sinb stark verschanzt. Wir haben genügenb Munition unb Vorräte an Lebensmitteln, um längere Zeit aushalten zu können. , ..
Bubapest, 10. April. In Sabatka pfanbete bie Steuerbehörbe 300 fürEnglanb angekaufte Pserbe, weil bie für bieselben vorgeschriebene Steuer verweigert würbe.
führt worden, die selbst in ein Norddetachement von 1500 Mann — diese Stärke geben auch die Engländer an — das sich an der Koornspruitfurt in den Hinterhalt legte, und die östliche Hauptmacht geteilt war. Ebenso wird die britische Fahrlässigkeit durch diese Schilderung in das grellste Licht gestellt. Das Lager ohne Vorposten, der Rückzug ohne Marschsicherung: man kann sich keine größere Sorglosigkeit mitten in Feindesland denken.
i Die „Times" meldet aus Kapstadt vom 5. April: Alle Einzelheiten, die über das Unglück bei Koornspruit hierher gelangen, dienen nur dazu, die erstaunliche Ungeschicklichkeit und Unvorsichtigkeit der englischen Offiziere darzuthun, welch letztere sich auch nicht durch eine Reihe von Mißerfolgen belehren lassen, daß sie auf der Hut sein müssen.
Wie aus Bloemfontein gemeldet wird, befahl Lord Roberts angesichts der unmittelbaren Gefahr die Bahnverbindung abgeschnitten zu sehen, allen englischen Zivilisten, sowie Frauen und Kindern, die Stadt i innerhalb von 12 Stunden zu verlassen. Auch alle Ofsiziersfrauen, einschliestlich der eben erst aus England eingetrofienen Frauen von Generälen, kehrten am 6. April bereits nach Kapstadt zurück. Es wird das Abschneiden der
Deutsches Keich.
Berlin, 9. März. Gestern nachmittag empfing ber Kaiser ben Bilbhauer Goetze. Zur Abenbtafel waren gelaben Herzog unb Herzogin von Ratibor unb Prosessor Güßfelb. Heute vormittag besuchte ber Kaiser ben Staatssekretär Grafen von Bülow. Zur Familienfrühstückstafel war gelaben Prinz Max von Baben. Später hörte ber Kaiser bie Vorträge des Chefs bes Zivil-Kabinetts von Lueanus, bes Staatssekretärs Tirpitz unb bes Chefs bes Marine-Kabinetts Freiherrn von Senben-Bibran.
— Aus Anlaß ber Großjährigkeits - Erklärung bes beutschen Kronprinzen wirb Kaiser Franz Josef am 6. Mai zu mehrtägigem Besuch in Berlin eintreffen. Die politische Bebeutung bes Besuches wirb bekräftigt ba- burch, baß ber Minister des Aeußeren, Gras Goluchows- k i, ben Monarchen begleiten wirb. Dem „Berliner Börsen- Courier" zufolge wirb Kaiser Franz Josef auf seiner Reise nach Berlin auch vom präsumtiven Thronfolger Erzherzog Franz Ferbinanb unb von großem Gefolge begleitet sein. Dem genannten Blatte wirb mitgeteilt, baß ber Brief bes Kaisers Franz Josef, ber bessen Absicht, nach Berlin zu kommen, anfünbigte, hier viel Freube erregt hat, was in einem bireften Schreiben Kaiser Wilhelms sofort bem befreunbeten Monarchen bekräftigt würbe. — Das ,berliner Tageblatt" schreibt: In hiesigen diplomatischen Kreisen erblickt man in bem bevorstehenden Besuch Kaiser Franz Josefs vor allem ben Gegenbesuch für ben Besuch Kaiser Wilhelms in Bubapest vor einigen Jahren. Man versichert ,baß ber Berliner Reise Kaiser Franz Josefs jebe anti-russische Tenbenz fehlt, ba die Besorgnisse wegen ber russischen Balkan-Politik bereits wieber zerstreut
künftige Oberhaupt des Herzogtums Sachsen-
London, 10. April. Nach einer Meldung aus Pretoria ist bie bortige Waffenfabrik seit einiger Zeit mit ber Anfertigung von Seitengewehren für bie Bure n t r u p p e n beschäftigt. Dieselben sollen zuerst an bie Mitglieber ber Frembenlegion abgegeben unb bann bei ben Buren eingeführt werben.
Lonboii, 10. April. Aus Bloemfonte.in wirb vom 8. gemelbet: Bis jetzt sinb keine weiteren Bert ch t e ü b e r b i e U m g e h u n g s v e r s u ch e ber B n r e n eingetroffen. Alle Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung von Ueberraschungen sinb getroffen worben. Sämtliche Morgenblätter kommentieren diese Melbung unb brücken ihre Unruhe aus über bie Bewegungen bes Feinbes zur Umzingelung ber Truppen Roberts. Sie geben zu, baß, wenn es! möglich ist, baß bip Buren bas Basutolanb durch- schneiden können, bie Lage Roberts äußerst ge- fährbet sei.
Bonbon, 10. April. Ein Telegramm aus Carnavon vom 9. !Apri;l berichtet, bie Stabt Kenharbtist vollständig wieber an bie Kap-Kolonie angeschlossen. Are englische Flagge würbe unter bem Beifall ber Truppen gehißt unb eine Anzahl „Rebellen" würben
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i,l|0lb,n tag rrfdjdnmber. Hummer bi- »orm. 10 Uhr. Abbestellungen späiestcnS abends vorher.
er uvd Pup^i, ee die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 3. Feb- «ar d. IS. (Gießener Anzeiger Nr. 31) sehen wir Ihrem tabkaPHAR »nicht über daS Geschehene entgegen.
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