Sonntag den ll. Februar
1900
M. 35 fünftes Blatt
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kein Sterbenswörtchen davon gesagt?" so hört er gewöhnlich die wenig erfreulichen Worte: „Ich dachte, Sie wüßtens schon". Freilich, wenn jeder denkt, der andere weiß schon, lvas er ihm etwa zu sagen hätte, dann können wir nur die Papiermühlen stille stehen lassen. — Wer also - it!tb dies ist die Moral der Rede — etwas erfährt, wovon er denkt, daß es auch andere interessieren und zum Ohrenspitzen ver- anlassen konnte, der grüble nicht erst lange hin und her über Satzbau, Wortstellung, Stilistik und derlei Schnl- süchsereien, sondern bringe sein Wissen brühwarm aufs erste beste Papier und schicke es der Zeitung. Wenn er auf dem Lande wohnt, darf er's natürlich nicht der Muhme, die jede Woche einmal mit der Butter hereinkommt, enden Korb thun, sondern dafür ist die Reichspost erfunden. Alle Mitarbeiter, die fix und frisch ihre Sache anbringen, sind der Zeitung wilttommen, und wenn sie das Wann? und das Wo? in ihrem Berichte nicht vergessen und die Eigennamen nicht allzu undeutlich schreiben, ist ihr Bericht so schön, wie man ihn si ch nur wünschen kann.
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Die „sichtbaren Vorräte" nnd der Weizenpreis.
Von Prof. Dr. Gust. Ruhland-Freiburg (Schweiz».
I.
Tie andauernde Verstauung des WeizenmarkteS läßt sich mit der bekannten Ueberproduktionstheorie nicht erklären. So wenig die Besorgnis vor einem großen Defizit in der Deckung des diesjährigen Weizenbedarfs von vornherein berechtigt war, so sicher kann aus Grund vorsichtiger Schätzung behauptet werden, daß das tu den Exportländern für die Ausfuhr verfügbare Weizenauantum den Einfuhrbedarf der Importländer nicht in erheblichem Umfange, jedenfalls nicht in einem solchen Maße übersteigen werde, daß die voraussichtlich verbleibenden Ueberschüsse den andauernden Niedergang der Weizenpreisc rechtfertigen könnten. In der That stößt man dann auch nirgends, weder in den Fachschriften noch in den Börsenberichten der Tagesblätter, auf ein solches Argument, vielmehr wird überall als Ursache des, den vielfach ausgesprochenen Erwartungen widersprechenden, auch über den Dezember hinaus anhaltenden Rückganges die Zunahme der „sichtbaren Vorräte" genannt.
An sich nicht mit Unrecht, Denn erfahrungsmäßig übt die Zunahme und Abnahme der in den .Händen der Händler befindlichen „sichtbaren Vorräte", obgleich dieselben durchschnittlich nicht mehr als 5 pEt. der Jahresernte zu betragen pflegen, thatsächlich einen so maßgebenden Einfluß auf das Steigen und Fallen der Weizenpreisc aus, daß eine graphische Darstellung dieser beiden Vorgänge einen geradezu verblüffenden Parallelismus derselben aufweist. Mit dieser Thatsache, mag man sie noch so ungerechtfertigt finden, wird also gerechnet werben müssen, so lange dem vorzüglich organisierten Großhändlertum eine völlig unorganisierte Masse von Produzenten und Konsumenten gegenübersteht. Unter obwaltenden Umständen erübrigt nur die Untersuchung, ob denn die Art der Ermittelung und Feststellung dieser „sichtbaren Vorräte" eine solche ist, daß daraus für ihre Resultate der Anspruch hergeleitet werden kann, als ein berechtigter maßgebender Faktor für die solide Preisbildung auf dem Getreidemarlt anerkannt zu werden - oder ob'diese Entwickelungen und Feststellungen nicht vielmehr unter Formen und Bedingungen sich vollziehen, welche geeignet sind, ihr Ergebnis als ein in der.Hand des Groß- händlertums nach Bedarf knetbares, und die Berichte über Zn- und Abnahme der „sichtbaren Vorräte" als eine schneidige Waffe der Spekulation erscheinen zu lassen.
Bei dieser Untersuchung können die „sichtbaren Vorräte" in zweiter Hand innerhalb Europas unberücksichtigt bleiben. Sie fallen gegenüber dem weit überragenden Export Nordamerikas schon zahlenmäßig wenig ins Gewicht, und blieben überdies am 1. Januar 1900 hinter denjenigen der vorhergehenden drei Jahre so erheblich zurück, daß sie auf den Weizcnpreis nicht nur in keinem Fall einen verflauenden Einfluß haben können, sondern im Gegenteil ein Steigen desselben hätten erwacken lassen müssen. Der Preisdruck kann also hier allein in der Größe der „sichtbaren Vorräte" von Nordamerika gesucht werden.
Es giebt in den Vereinigten Staaten zwei Arten,von sichtbaren Vorräten: „offizielle" und „private". Die ersteren umfassen die Vorräte der als „öffentlich" anerkannten Elevatoren (Lagerhäuser» in den Vereinigten Staaten und in Kanada ohne Kalifornien, aber einschließlich bergauf den Seeen und auf dem Eriekanal schwimmendeii Vorräte. Sie find einer besonderen amtlichen Kontrolle unterstellt, jede Einlagerung und icde Ausfuhr aus derselben wird sorgfältig gebucht. Die offiziellen Angaben über ihren jeweiligen Inhalt können daher als an sich durchaus zuverlässig gelten. Aber diese so ermittelten „ossiziellen" sichtbaren Vorräte repräsentieren nur einen kleinen Teil der gesamten nordamerikanischen Weizen - Vorräte. Sie betrugen z. B. am 31. Dezember 1899 nur 5)7 892 000 Vushels, während die „privaten" sichtbaren Vorräte am 1. Januar 1900 gleich 132 198 000 Vushels nachwiesen. Letztere werden durch die großen Fachblätter wie Bradstreet, Daily Trabe Bulletins of Chicago und Daily Merket Rekord of Minneapolis ermittelt, indem zu den offiziellen Ziffern noch die in den Privatelevatoren eingelegten Warenmengen einschließlich Kalifornien hinzugerechnet werden, so wett darüber Information erhältlich ist.
Demnach würden die „offiziellen" sichtbaren Vorräte und die nach ihrer jeweiligen Vermehrung und Verminderung sich ergebenden, thatsächlich vorhandeneil disponiblen Getreidemengen als ein immerhin berechtigter Faktor für die Gestaltung der Weizenpreise aeeeptiert werden können, wenn diese ossizietten Ziffern sich immer aus die gleiche Anzahl von Elevatoren bezogen. Das ist aber keineswegs der Fall. Es ilt den Elcvatorenbesitzern vielmehr überlassen, die Anerkennitng als öffentlicher Elevator
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Kopf und Schwanz, d. h. nach Anfang und Ende: konve- nieren die, zumal der Schwanz, in dem oft das Gift ober die Essenz steckt, so prüft er auch das Mittelstück. Dabei muß der Redakteur auch die Abteilungen seines Blattes stets abschätzen und berechnen. Kurz: redigieren heißt mit dem Raume kämpfen.
Ein ferneres belachenswertcs Vorurteil vieler Leute ist die Idee, die Zeitungsschreiber verbreiteten falsche Nachrichten, um sie dann widerrufen zu könuen; denn so hätten sie doch immer etwas „hineinznsetzen". Ganz im Gegenteil bemüht sich jede solide Zeitung, unrichtige Mitteilungen möglichst fern zu halten. Daß die vielen falschen Gerüchte, die sich oft Herumsprechen, zu den Ohren der Zeitungsberichterstatter gelangen, ist selbstverständlich, und bei der Eile, in der jede Tageszeitung hergestellt werden muß, ist es geradezu unmöglich, den Thatbestand festzu- stellen. In solchen Fällen befindet sich der Zeitungsschreiber stets in dem Dilemma: einerseits will das Publikum Neues und Interessantes lesen, andererseits fehlt ihm die Zeit, eine von auswärts kommende Neuigkeit auf ihre Wahrheit zu prüfen. Die größere oder geringere Wahrscheinlichkeit giebt hier meist den Ausschlag, vor allem aber das Vertrauen auf den Korrespondenten. Wird letzteres gröblich getäuscht, so ist es für den Betreffenden meist verloren, abgesehen davon, daß er auch wegen groben Unfugs bestraft werden kann. In fast allen Fällen sind daher die Korrespondenten bemüht, nur wahre Mitteilungen zu machen: ein „Zeilenschinden" mit erfundenen oder übertriebenen Neuigkeiten bringt sehr wenig ein. Ein geschmack- und phantasievolles Ausschmücken indessen, das sich dabei in den Grenzen der Wahrheit hält, wird von beinahe allen Lesern gern gesehen. Frische und Originalität der Darstellung schließt die Wahrheit nicht aus; aber anderseits verfangen auch alle möglichen Lockmittel, Sensationsnachrichten, Skandale >c. auf die Dauer sehr wenig, wenn das betreffende Blatt keinen Anspruch auf Zuverlässigkeit machen darf.
Ein notwendiges Erfordernis für eine Zeitung, die ihrem Leserkreis genügen und ihn befriedigen will, ist der Umstand, daß sie sich seinen Bedürfnissen, seinen Anschauungen, seinen Gewohnheiten anzupassen versteht. Dies ist nur dem Journalisten möglich, der Zeile für Zeile seines Blattes sorgsam auswählt und überwacht. Bei schablonenmäßigen, in großen Städten hergestellten Fabrikaten, denen einige lokale und provinzielle Mitteilungen angehängt werden, ist ein solches Aufgehen des Leiters in "seinem Leserkreise und Lesestoffe nicht möglich. Er ist gezwungen seinem Publikum vorzusetzen, was man 50 oder 100 Meilen davon für gut hält, was ebensogut für den Nord-, Süd oder Mitteldeutschen, den Anwohner der See, den Sohn des Gebirges wie der Ebene, kurz für alle gleich interessant oder richtiger - nicht interessant ist. Es giebt ja Dinge, die allen Deutschen gleich lieb sind, z. B. das Volkslied oder der Gänsebraten, aber viele Zeitungsmitteilungen sind nicht dieser Art. Was den Ostpreußen interessiert, läßt den Thüringer, den Baiern oft kalt. Schon beim „Vermischten" macht sich dtes geltend, noch mehr aber gilt dies von der Politik derartiger Blätter, deren Farblosigkeit und ewiges Einerlei man mit der sich bei jedem Braten gleichbleibenden Sauce in manchen Wirtshäusern vergleichen könnte.
Sehr wichtig für die Redaktion ist der Verkehr mit demjenigen, der mehr weiß, als jeder Einzelne, mib dem Publikum. Kann sich ja ein Blatt nur dann auf der Höhe behaupten und seinem Leserkreis bieten, was dieser verlangt, wenn es auch von ihm unterstützt wird, wenn sich unter dem Publikum Korrespondenten finden, die -- für angemessene Entschädigung oder aus Liebe zur Sache — interessante und wichtige 9Zcuigfciten mitteilen. Besonders bei zufälligen Ereignissen, z. B. Unglücksfällen, Gewittern, Verkehrsstörungen sind die Freunde eines Blattes im stände, ihrer Zeitung durch schnellste Berichterstattung einen wesentlichen Dien'st, zu leisten. Wem es glückt, zuerst vor allen anderen ein Ereignis zu melden, der kann mit stolzer Befriedigung auf diesen der Ocffentlichkeit geleisteten Dienst blicken „Frische Fische - gute Fische". Neben der „Fixigkeit" ist aber auch Zuverlässigkeit und Richtigkeit eine Hauptsache, wesentlich sind ferner Thatsachen, keine Betrachtungen: Fleisch, keine Brühe.
Kein Berichterstatter aus dem Publikum braucht sich zu genieren, wenn er in der Eile der Meldung gerade kein Meisterwerk der Schönschreibekunst liefert oder wenn dieser oder jener Satz zu kurz oder zu lang gewachsen ist. Das bringt alles der Zeitungsschreiber in Ordnung; schreibt er übrigens doch selbst meist eine Handschrift, auf die man das thüringische Volkswort anwenden könnte: „'s jammert den Hund!" Wenn Einer etwas Neues erfährt, das auch für andere Interesse hat, so mag er sich immer sagen, daß der beste Ort, so etwas anzubringen, die Zeitung ist. Der Zeitungsmann macht immer ein betrübtes Gesicht, wenn er einmal und dies konnnt. vor mgen hört: „Na da bringen Sie ja die Geschichte; ich wußte es auch." Fragt er dann den Berichtnichterstatter: „Ja, warum haben Sie denn
Wie eine Zeitung entsteht.
Von Adolf Thiele.
(Nachdruck verboten.)
Seine Zeitung nimmt jeder täglich in die Hand; das ost mit Spannung erwartete Blatt bietet ihm Unterhaltung, Anregung, Belehrung und — nicht zu vergessen — oft auch Gelegenheit zum Räsonnieren. Natürlich kommt die Zeitung selbst — sei sie nun gut oder schlecht redigiert bei "letzterer Bethätigung oft mit am schlechtesten weg; denn der Mensch hat nun einmal die Neigung, an allem, was klüger sein will als er selbst, also besonders an der Negierung, dem Magistrat, der Zeitung, seine Kritik zu üben, und ferner bietet auch nicht leicht eine andere Sache soviel Handhaben dazu, wie das vielgestaltige Wesen, Zeitung genannt. Und so findet denn — mag sich der Nedakteur auch noch so viel Mühe geben, jeden zufrieden zu stellen — so mancher beinahe in jeder Nummer seines Lcibblattes etwas, „das ihm nicht paßt". Wird z. B. ein Beamter flüchtig oder macht ein Kaufmann Konkurs, so beschweren sich die Berufsgenossen im stillen, daß „so etwas an die große Glocke gehängt wird", während so mancher der entgegengesetzten Berufsart Angehörige ein Schmunzeln nicht unterdrücken kann; kurz, niemand will über seinen Berns oder nur über dessen Mitglieder etwas Ungünstiges hören. Andern Leuten ist wieder das nicht genug, was passiert: so giebt es z. B. jetzt während des Burenkrieges Ungeduldige, die gar zu gern Siegesnachrichten lesen möchten und nun den soliden Zeitungen, die sich an der in einigen Großstädten beliebten „Enten- züchterei" nicht beteiligen, noch Vorwürfe über ihre „Nach- lässigkeit" machen. Endlich giebt es auch Leute, die nicht richtig lesen und sich dann über Dinge beschweren, die in brr Zeitung ganz anders gestanden haben, als sie in ihrem Dopfe stehen. Wenn übrigens eine Zeitung ganz genau berücksichtigen wollte, was vielleicht dem oder jenem nicht so recht gefallen, was ihn vor seinen geschätzten Kopf stoßen köstnte, so müßte sie in der That außer den Anzeigen blos ein schönes, weißes, zum Einwickeln von Butterbroten besonders geeignetes Papier liefern.
Wie nun die Zeitung die verschiedenartigsten Leser und Urteile findet, so setzt sie sich auch aus den verschte- bensten Beiträgen zusammen, nicht olos die bekannten „Hilfsredakteure" Scheere und Kleister, sondern viele. Köpfe der verschiedensten Art arbeiten daran mit. Hier herrscht im vollsten Maße das Prinzip der Gegenseitigkeit, denn' alle Zeitungen, die größten wie die kleinsten, sind aufeinander angewiesen, und selbst die ersten tonangebenden Blätter füllen ihre Spalten nur teilweise mit Originalartikeln. Diese letzteren sind es nun — neben der Art und Weise der Redaktion — in erster Linie, welche einer Zeitung das eigenartige Gepräge geben. So einfach freilich, wie cs vielleicht scheinen möchte, ist die Sache nicht. Da kommt so manche Zuschrift eines Korrespondenten an, Die zugestutzt und gekürzt werden niuß, eine andere, die hie und da verletzen könnte und abgemildert oder ganz sortgelassen wird, eine dritte, die zum Teil schon überholt ist umd nur als Ergänzung einer bereits gebrachten Notiz bienen darf und so fort. Besonders das Abstrcichen des Nebensächlichen, Uninteressanten erfordert die Thätigkeit des Redakteurs, und so manche kurze Notiz, die dem Leser geboten wird, hat erst aus einem längeren Artikel hcraus- geschält, verglichen und oft erst verbessert werden müssen.
Schnell muß die Herstellung des Blattes natürlich vor sich gehen, und dies bedenkt so mancher nicht, der sich über ein Vergehen des Druckfehlerteufels köstlich amüsiert. Bei der sorgfältigsten Korrektur wird es einmal übersehen, daß einer von den tausend schwarzen Soldaten aus Gutenbergs Armee am falschen Orte steht. Ein andermal wird der Fehler richtig korrigiert, der Setzer, der den Buchstaben umwechseln soll, greift auch in das richtige Fach seines Setzkastens, aber o weh — es ist ein Buchstabe falsch abgelegt worden, und ein neuer Druckfehler macht das Hebel nur schlimmer. Verwirrung entsteht auch — glücklicherweise ist dieser Fall selten — wenn der Metteur, der ‘ Zusammeusteller des Zeitungssatzes, „sich verhebt", wenn z. B. plötzlich mitten in eine Biographie englischer Heerführer die Beschreibung eines zweiköpfigen Kalbes hinein- grrät. Alles schon dagewesen!
Nichts amüsiert den vielgeplagten Zeitungsmann in seinem schweren Beruf mehr, als die bei einem großen Teil des Publikums noch immer gangbare Ansicht, daß er »ich abplage und Angst schwitze, um sein Blatt „vollzu- fnegeu". Im Gegenteil ist die Beschaffung des Stoffes die kleinste Sorge des Redakteurs, dagegen die täglich Miederkehrende Kalamität ist der Mangel an Raum. Aus ber Ueberfülle -d^es neuen Lesestoffs, der jeden Tag wolken- d ruchartig in die Redaktion hineinflutet, mit raschem Griff d as Wichtigste, Interessanteste zu wählen, darin besteht die ssunst und der Beruf d'es Zeitungsmachers. Fix muß das n atürlich gehen. Der Zeitungsmann sieht bei jedem Artikel . d«er vor sein meist bebrilltes Auge kommt, zunächst nach
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w 1900.
sinn Wohnung, jeber Tageszeit «teilt.
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