Ausgabe 
11.1.1900 Zweites Blatt
 
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gesessene, ausgenommen Händler, ist zur Ausstellung seines Viehes berechtigt. Auch soll eine Ausstellung landwirt­schaftlicher Maschinen und Geräte, sowie ein Volksfest damit verbunden werden. .

Kirchhain, 8. Januar. In der ersten Hälfte des Junr findet auch hier das Verbands-Turnerfest des Gaues Hessen, welcher 50 Turnvereine umfaßt, statt. Im hiesigen Turnvereine werden die Vorbereitungen zu diesem Feste schon getroffen, die bereits gebildeten Ausschüsse werden bald in Thätigkeit treten. Postillon Bubenharn, welcher seit 15 Jahren die Post von hier nach Wohra führt und sich im ^Dienste noch kein Vergehen hat zu Schulden kommen lassen, erhielt in Anerkennung treuer Dienste von der Oberpostdirektion zu Kassel ein silbernes Posthorn zum Geschenk.

* Wiesbaden, 9. Januar. Der Geheime Sanitätsrat Dr. Brinkmann ist, 63 Jahre alt, gestorben.

Z. Zum Stapellauf des schnellsten Schiffes der Erde.

freute, Mittwochmittag findet unter Beisein Sr. Majestät des Kaisers der Stapellauf des Doppelschrauben- SchnelldampfersDeutschland" statt, des schnellsten zur Zeit existierenden Dampfers, und zugleich des zweit­größten der Erde. DieDeutschland" ist von der bekannten Stettiner SchiffswerftVulkan" im^'.Auftrage der Hamburg- Amerika-Liuie gebaut worden. Das Schiff hat eine Raum­verdrängung von 23 000 Tonnen, übertrifft also das größte deutsche Schiff, welches bis jetzt existiert hat,Kaiser Wilhelm der Große", der ein Deplazement von 20 880 Tonnen hat, um mehr als viertausend Tonnen. Der Deutschland" an Größe überlegen ist nur der der engli- lischen Firma Harland und Wolfs gehörige Schnelldampfer Oceanic", der eine Raumverdrängung von 28 500 Tonnen besitzt. Doch hat derVulkan", was die Schnelligkeit be­trifft, den Rekord gegenüber dem englischenOeeanie" dvongetragen, denn während dieser bei der Probefahrt cmgeblich 22 Knoten zurückgelegt hat, in Wirklichkeit aber wohl nur 20 allerhöchstens 21 Knoten zurücklegt, darf die Hamburg-Amerika-Linie sich jetzt rühmen, das schnellste Schiff der Erde zu befitzen, dessen Geschwindigkeit 23 Knoten in der Stunde beträgt, die höchste Geschwindigkeit, welche ein Passagierdampfer bisher erreicht hat.

Von allgemeinem Interesse sind vielleicht noch einige vergleichende Zahlen, zwischen dem größten bisher existierenden Schiffe, demKaiser Wilhelm den Großen" und derDeutschland". Ersteres Schiff hat eine Länge von 190,8 Metern, eine Breite von 20,1 Metern. Die Deutschland" ist 209,3 Meter lang und 20,4 Meter breit. Aus diesen Zahlen ergiebt sich, daß die deutsche Schiffbau- technik, welche mit derDeutschland" zweifellos den Re­kord vor allen Schiffe bauenden Ländern der Erde davon­getragen hat, bestrebt ist, möglichst lange und schlanke Schiffe zu bauen. Von s ch i f f b a u t e ch n l s ch e r Serie gehen uns über das Schiff folgende weitere interessante Einzelheiten zu: .

Der Dampfer wird mit senkrechtem Vor- und Hinter- steven und elliptisch geformten Heck nach den höchsten Vor­schriften des Germ. Lloyd mit Eisverstärkung unter dessen Spezial-Aufsicht erbaut. Schotten-Einteilung und Ver­stärkungen entsprechen den neuesten Vorschriften der See- berufsgenossenfchaften, deren Vorschriften auch hinsichtlich der sonst dafür in Frage kommenden Einrichtungen ebenso berücksichtigt sind, wie die der Vereinigten Staaten von Nordamerika.

Das Schiff erhält zwei Pfahlmasten und 4 Schorn­steine. lieber die ganze Länge des Schiffsbodens erstreckt sich der zur Aufnahme von Wasserballast dienende Doppel­boden, der in eine große Anzahl Unterabteilungen geteilt ist. 17 wasserdichte Raumschotte teilen das Schiff in 18 von einander geschiedene Abteilungen. Diese Schotte sind so gefetzt und jo verstärkt, daß zwei Abteilungen überflutet werde» können, ohne das Schiff zu gefährden. Außerdem sind aber die Maschinen durch ein wasserdichtes Längsschott getrennt, so daß im Notfälle, selbst wenn ein Mafchinen- raum überflutet ist, das Schiff mit der anderen Maschine seine Fahrt fortsetzen kann. Ueberdies ist noch durch eigen­artig angelegte Längsabdichtungen an den Schiffsseiten eine besondere Sicherheit gegen Gefährdung der vitalen Teile des Schiffes geschaffen'.

Sieben Decks, von unten angefangen: Raumdeck, Zwischendeck, Hauptdeck, Oberdeck, Promenadendeck (und ein Backdeck in gleicher Höhe), Bootdeck, Sonnendeck benannt, gliedern das Schiff der Höhe nach. Drei dieser Decks sind von vorn bis hinten durchgehend. Das Raumdeck kommt für Passagierzwecke nicht mehr in Frage, während alle andern Decks in mehr oder minder großer Ausdehnung hierfür vorgesehen sind, und zwar sind Einrichtungen für ca. 700 Passagiere erster, ca. 300 Passagiere zweiter und ca. 300 dritter Klasse vorhanden.

.Große, besonders künstlerisch ausgestattete Gesell­schaftsräumlichkeiten, wie ein Speisesaal für ca. 365 Per­sonen und zwei kleine Speisejäle für ca. 30 Personen, Rauchzimmer, Gesellschafts-Salon, ein Grillraum, sowie ei» Kinderspielzimmer, sind für die Passagiere erster Klasse, einfachere, aber außerordentlich behaglich einge­richtete Räume, umfassend Speisesaal, Rauch- und Gesell schaftssalon für diejenigen zweiter Klasse zuni gemein­samen Aufenthalt bestimmt, während für die Passagiere dritter Klasse in der Nähe der Wohnräume Eßräume ein­gerichtet sind.

Verschiedenartige Kamnrern, die sich in Luxuskammern, bestehend aus Wohn-, Schlaf- und Badezimmer, sog. Pullmankammern, große Kammern mit nebeneinander laicht übereinander) stehende» Betten, gewöhnliche Kam­mern für zwei und Kammern für nur eine Person teilen, bieten den Passagieren erster Klasse Unterkunft, während für Passagiere zweiter Klasse im allgemeinen Kammern für zwei und vier Personen vorhanden sein werden.

Die Wohnräume für die Besatzung verteilen sick) über m*5 ganze Schiff derart, daß die einzelnen Kategorien möglichst in der Nähe ihres eigentlichen Thätigkeitsfeldes untergebracht sind: so befindet sich z. B. auf dem Boot­deck das sogenannte Offiziershaus mit den Kammern und Meßraum für Offiziere: die Kammern für Maschinisten

das Komitee jin reise Hünseli Keinmann unb in Irland Kassel uni )ün|elb seine erst' 16. Juni dS.

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und das Heizerpersonal nahe bei den Maschinen. Die Be­satzung wird, alles in allein genommen, ca. 550 Man» betragen.

Den Rettungs-Einrichtungen des Schiffes ist besondere Aufmerksamkeit zugewendet worden. Außer einer großen Anzahl von Rettungsbooterr, die zu beiden Seiten auf dem Bootdeck plaziert sind, sind über das ganze Schisj verteilte Feuerlöschleitungen, wie auch eine Tampffeuer- löschvorrichtung vorgesehen. Zur Bedienung der Boote werden vier Bootsheißmaschine» ausgestellt. In sanitärer Hinsicht wird ein weitverzweigtes Ventilations- und Wasserleitungs-System dafür sorgen, selbst verwöhntesten Ansprüchen zu genügen.

Maschinnen-Anlage: 2 aufrechtstehende 4 fach Expan­sions-Maschinen nach dem Schlick'schen System aus- balanziert, sollen 33 000 Pferdestärken indizieren und dem Schiffe eine Geschwindigkeit von 22 23 Knoten pro stunde gebeii.

16 Kessel (12 Doppel- und 4 Einzelender) dienen zur Dampferzeugung, 5 Dtmamos zur Speisung von ca. 1900 elektrischen Lampen. Außerdem werden große Pumpen- Anlagen rc. rc. für die verschiedenartigen Zwecke vorgesehen.

Universität und Hochschule.

Die preußischen Universitäisstudenten. Von den 33 465 Studierenden, die gegenwärtig an den deutschen Uni­versitäten immatrikuliert sind, sind 30 951 als Angehörige des deutschen Reiches und unter diesen wieder 17 686 als Preußen bezeichnet. Die letztere Zahl bleibt hinter der des Sommers, wo es 18 312 waren, erheblich zurück, was übrigens von jeher von dem Sommer auf den Winter der Fall zu sein pflegt, der Bestand des vorigen Winters aber mit 16 926 ist wieder um 760 Mann überstiegen worden. Vor zehn Jahren zählte mau 16 105 int Sommer 1889 und 15 280 im Winter 1889/90; dann machte sich zunächst ein Rückgang geltend, bis auf 14 643 im Sommer 1892 und 13 962 im Winter 1892/93; seit dieser Zeit ist ein erst lang­sames und seit einigen Jahren immer rascheres Anwachsen fest­zustellen. An dieser Entwicklung sind die einzelnen Studienfächer sehr ungleich beteiligt. Bei den evangelischen Theo­logen beträgt der gegenwärtige Bestand 1255 gegen 2590 im Winter 1889/90, bei den katholischen Theologen 902 gegen 588, bei den Jnriftcu 5197 gegen 2960, bei den Medizinern 4049 gegen 4948, bei den p h i l o s o P h i s ch - p hl i l o l o g i s ch - h i st o r i s ch e n» Studienfächern 2296 gegen, 1686, bei den Studierenden der M a t h m a t i k und Natur­wissenschaft 2232 gegen 1196, bei den Phamaceutcn 704 gegen 636, bei den Studierenden der Landwirtschaft 561 gegen 339 (darunter ist die beträchtliche Zahl der in Bonn immatrikulierten Studierenden der Geodäsie und K u l kur­te ch n i V einbegriffen), bei den Studierenden der S t a a t s - und. F o r st Wissenschaft 188 gegen 339, bei den Stu­dierenden. der Z a h u h e i l k u n d e 270 gegen 247, endlich noch bei den in Gießen immatrikulierten Studierenden der Tier­heilkunde 32 gegen 12. Eine sehr starke Zunahme zeigt« sich also bei den Juristen, hier namentlich von etwa 1892 ab, ebensv bei den Philologen und Historikern, die zuerst einige Jahre lang stark zurückgingen, bis auf 1256 im Winter 1892/93, um dann um so stärker, und zwar ununterbrochen anzuwachscn: auch bei den Matematikern und Naturwissenschaftler» machte sich) zuerst ein kleiner Rückgang und dann erst die starke Zunahme geltend, die auf den gegenwärtigen hohen Bestand ge­führt hat. Eine Abnahme ist dagegen bei den Medizinern und in noch höherem Grade bei den evangelischen Theologen wahr­zunehmen. Die katholischen Theologen weisen eine sehr beträcht­liche Zunahme auf, es handelt sich hier bekanntlich nicht um die Gesamtzahl der katholische Theologie Studierenden, sondern nur um den Bruchteil davon, der einen größern oder kleinern Teil der Studienzeit statt im Priesterseminar an einer Universität zubringt. Es lohnt sich, bei dieser Studentenzahl und ihrer Ver­teilung auf die einzelnen Disziplinen wenigstens einigermaßen den Vergleich mit den übrigen größern Bundesstaaten zu ziehen, was in der Weise sich ermöglichen läßt, daß man berechnet, wie viele Studenten auf 100 000 Einwohner treffen. Aus dieser Grundlage berechnet sich für die Gesamtheit der Universitäts- studcnten in Preußen als Verhältniszahl 55,5, für das deutsche Reich überhaupt also nach Ausscheidung der Ausländer 59,2, für Sachsen 58,5, für Württemberg 65,9 und für Baiern 66,4. Bei den preußischen Juristen ist die entsprechende Ver­hältniszahl 16,3 gegen 15,3 in Württemberg, 18,1 und 19,9 in Baiern und Sachsen: der Durchschnitt für das ganze Reich ist 17,4. Bei den preußischen Medizinern haben wir 12,7 gegen 12,3 in Sachsen, 13,3 in Württemberg und 15,8 in Baiern, bei einem Durchschnitt für das ganze Reich von 13,4. Bei den Philologen und Historikern stehen 7,2 in Preußen gegenüber 4,9 in Württemberg, 8,3 in Sachsen und 11,1 in Baiern? 8,2 ist der Durchschnitt für das deutsche Reich überhaupt. Bei den Mathe­matikern und Naturwissenschaftlern haben wir 7,1 in Preußen, 6,3 in Württemberg, je 7,7 in Baiern und Sachsen, 7,3 im ganzen Reich. Für die evangelischen Theologen berechnen sich in Preußen 3,9, in Baiern 2,5, in Sachsen 6,2 und in Württemberg 10,7, im ganzen Reich 4,4, bei den katholischen Theologen in Preußen 2,8, in Baiern 3,1 und in Württemberg 8,3, int ganzen Reich 2,9, endlich bei den Pharmaceuten in Preußen 2,2, in Sachsen 1,6 und in Baiern 2,4, im ganzen Reich 2,1. Daraus ergibt sich also, daß bei dcu Hauptfächern die preußische Stu- dentenzahl im Verhältnis zur gesamten Bevölkerung saft überall immerhin noch hinter dem Durchschnitt für das ganze Reich und im einzelnen vielfach recht erheblich hinter,den entsprechenden Prozentzahlen der andern größern Bundesstaaten zurückbleibt. Von Interesse, auch in politischer Hinsicht, ist endlich die ziffer- mäßige Beantwortung bre Frage, in welchem Umfange die preu­ßischen Studenten von der a ka d e m i s ch en Freizügig- k e i t, die ja allerdings vielfach durch die verschiedenen Prüfungs- Vorschriften erheblich eingeschränkt ist, Gebrauch machen. Von der Gesamtzahl studieren gegenwärtig 13 448 an den zehn preu­ßischen Landesuniversitäten selbst und 4238 gleich 23,9 Prozent an den übrigen deutschen Hochschulen. Der^ entsprechende Prozent­satz der außerhalb der engeren Heimat Studierenden beträgt in Württemberg, das in dieser Hinsicht von jeher an der Spitze steht, 30, in Sachsen dagegen nur 21,1, und gar in Baiern, dessen Studenten von jeher die weitaus geringste Wanderlust ausweiseu, nur 11,6 Prozent. Nicht weniger als 1575 Preußen, gleich 8,9 Prozent, studieren an den drei bairischen Universitäten (Er­langen, München und Würzburg), 759 in Baden (Freiburg und Heidelberg) und 223 in Tübingen, also zusammen 2557, gleich 14,5 Prozent, an den eigentlichen süddeutschen Universitäten. Umgekehrt befinden sich dagegen nur 160 Baieru vou 3851 oder 4,1 Prozent an den preußischen Universitäten, während von den 1372 Württembergern 140, also 10,2 Prozent, an preußischen Universitäten immatrikuliert sind. Unter den Juristen sind 6,2 Prozent der Preußen (325) in Baiern und nur 3,8 Prozent der Baiern (40) in Preußen immatrikuliert, unter den Medizinern aber sogar 16,5 Prozent der preußischen Studenten (669) in Baiern und umgekehrt nur 4,4 Prozent der Baiern (41) in Preuße». Dabei ist die Zahl der in Baiern immatrikulierten preußischen Mediziner dieses Mal erheblich zurückgegangen, wohl infolge der Bestimmungen über die preußische Kreisarztprüfung; vor zwei Jahren war das Verhältnis derart, daß tbatsächlich mehr Preußen als Baiern, 864 > gegen 815, an den bairischen Uni­versitäten immatrikuliert wären: namentlich in Würzburg waren

damals 325 preußische und nur 186 bairische Mediziner, in diesem Winter sind cs nur 246 Preußen gegen 176 Baiern, immerhin also erstere noch bedeutend in der Ueberzahl. Im einzelnen ist unter den preußischen Studenten die Wanderlust am größteu bei den Pharmaceuten, von denen nicht weniger als 41 Prozent an nichtpreußischen Universitäten eingeschrieben sind: bei den Mathematikern und Naturwissenschaftlern sind es 32,8, bei den Medizinern 34,6, bei den Juristen 19,1, bei den Philologen und Historikern 18,7, bei den evangelischen Theologen 9,7 und bei den katholischen 7,5 Prozent. Daß diese Verschiedenheit auf die mannigfaltigsten Ursachen zurückgeht, daß insbesondere die Frage, aus welchen Kreisen sich die einzelnen Fakultäten überwiegend rekrutieren, dabei wesentlich maßgebend ist, liegt auf der Hand. In politischer Hinsicht wird man unbedingt aiinehmen dürfen, daß die größere oder geringere Bethätigung der akademischen Freizügigkeit recht erheblich mit in Frage kommt, wenn es sich darum handelt, durch persönliches K'ennenlerncn der Verhältnisse außerhalb der cngern Heimat die von Stamm zu Stamm, namentlich zwischen Nord und Süd, nun einmal bestehenden Vor­urteile abzuschwächen.

Marburg, 9. Januar. In der Aula der Universität fand heute vormittag die Feier der Jahrhundertwende unter großer Beteiligung der Studierenden wie des Publikums statt. Nachdem unter den Klängen der Orgel die Chargierten der studentischen Korporationen in Wichs und mit ihren Fahnen in den Saal marschiert waren und der akademische Lehrkörper Platz genommen hatte, leitete der akademische Gesangverein mit einem Chorgesang aus Haydns »Schöpfung" die Feier ein. Dann nahm Herr Professor Brit das Wort, um zunächst in hier und da von feinsinnigem Humor belebten Vortrag in großen markanten Zügen die allgemeine Entwickelung des Jahrhunderts zu schildern. Dann gab er einen Ueberblick über die Großthaten der Wiffenschaft in diesem Jahrhundert und wies auf den Nutzen hin, den die Blüte der Wissen- schaft für unser Vaterland im Gefolge gehabt hat. Für das neue Jahr­hundert drückte er dm Wunsch aus, daß den Universitäten volle Freiheit gewahrt bleiben möge. Ein zweiter Chorgesang aus derSchöpfung" schloß die Feier. (Oberh. Ztg)

München, 9. Januar. Prof. Dr. v. Hertling rst wieder nach Rom zurückgekehrt. DieNeue Bayerische Zeitung" schreibt: Offen- bar hat die Rssise den Zweck, über die Errichtung einer theologischen Fakultät in Straßburg zu verhandeln. Die Absicht der Errichtung besteht in Berlin und findet in Rom guten Boden. Es scheint eine der Hauptaufgabe der Verhandlungen, die Dr. Freiherr v. Hertling in Rom führt, und die nun wohl in kürzerer Frist zum Abschluß gebracht werden düsten, zu sein, die näheren Umstände der Ausführung des Planes fest­zustellen. Davon hängt wohl das Gelingen ab.

Greifswald, 9. Januar. An der hiesigen Universität wird für die zweite Hälfte des Juli auch dieses Jahr ein Aerztkursus ge­plant. Der Kursus soll von den Profefforen der Universität in Ver­bindung mit den Privatdozenten und Assistenten abgehalten werden. Die Dauer des Kurjus ist entsprechend den bei früheren Gelegenheiten geäußerten Wünschen der Teilnehmer auf 14 Tage festgesetzt. Nicht ohne Einfluß ist unzweifelhaft auf diesen Wunsch der Teilnehmer der Gesichtspunkt, daß die Aerzte, nachdem sie einen Teil ihrer Ferien dieser wissenschaftlichen Arbeit gewidmet haben, dann Greifswald als Aus­gangspunkt zu den Seebädern in Wieck-Eldena, teils zu Ausflügen nach Rügen und der pommerschen Küste benutzen. Die Veröffentlichung des näheren Programms wird zu Beginn des Sommersemesters erfolgen.

Verschiedenes: Die juristische Fakultät der Universität Moskau hat bei dem Universitätsrat beantragt, den Professor des römischen und Privatrechts an der Berliner Universität, Dr. jar. Hein­rich Dernburg, anläßlich seines am 4. April 1900 stattfindenden Doktorjubiläums zum Ehrenmitglieds der Moskauer Universität zu er­wählen. Der Professor der Chemie an der Universität Freiburg i. Br. Dr. A. Klaus tritt aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand. Gutem Vernehmen nach ist das Gerücht von der Errichtung einer Technischen Hochschule in Jena daraufzurückzuführen, daß die Karl Zeiß-Stiftung (Firma Karl Zeiß) daselbst sich bereit erklärt hat, ein Laboratorium für technische Chemie und Physik zu begründen, das der Universität angegliedert werden soll.

Jagd nnd Spork.

M ü n d) e n , 9. Januar. Zum Fall K o l k o w s k i. Jeder nur einigermaßen mit unserer Bergwelt vertrante Tourist mußte das leider erst zu spät bekannt gewordene Unternehmen des Monteurs Walter K o l k o w S k i als ein wahnsinniges bezeichnen. Nur mit Gimasche», gewöhnlichen schuhen und einem Spazier­stock in der Hand, unternimmt es der 22 jährige Brehlauer Herr mutterseelenallein, mitten im Winter, eine auch im Sommer be­schwerliche Hochtour zu machen: er glaubte, einen Weihnachts-- spaziergang über ein Joch unternehmen zu müssen. Von der Brenner-Eisenbahnhaltestelle St. Jodok, der direkten Ein­bruchsstelle ins Schm irn t Hal, sind es, auf J»as Tuxer Joch sechs Stunden, von dort aus noch fünf Stunde» »ach Mayrhofen im hinterste» Zillerthal. Also insgesamt elf Stunden. Und diese Zeiten können nur im Sommer eingehalten werden. Im Winter ist das Tuxer Joch tief verschneit und keinem Ein- hvimischen wie Fremden fällt es sonst ein, die Tour, wenn auch die Richtung des Weges mit hohen Stangen markiert ist, zu dieser Jahreszeit zu machen. Es ist bekannt, dach der junge Mann am ersten Weihnachtsfeiertage bei einem Bauern im kleinen Ocrtchen Kasern zu Mittag gegessen hatte und sich dann von dort, trotz der Warnung der Bauersleute, auf den ge­fährlichen Weg machte. In unmittelbarer Nähe des Wegweisers, also noch zwei Stunden vom Jochübcrgang entfernt, wurde Kolkowski als Leiche aufgefunden. An der linken Schläfe zeigte sich eine Wunde, und die eine Strecke weit gefundenen Blutspuren lassen vermuten, daß Kolkowski sich mit dieser Verwundung noch 200 Schritte aufwärts bewegt hat. Wodurch diese Verwundung und infolge dieser die spätere Ermattung und Verblutung ent­standen ist, läßt sich bis jetzt noch nicht feststellen. Sicher ist aber, daß der junge Mann in vollständiger M achtung der Gefahren ohne jedwede Aus - r ü st u n g für eine s o b e s ch w e r l i ch e H o ch t o u r z u r Winterszeit geradezu in den Tod hineinge- gange»i st.

Zahlungseinstellungen.

Konkurseröffnungen : Ernet Geist und Rich. Hasenclever (Geist & Hasenclever), Barmen; Kaufmann Georg Löwisobn, Berlin; Korb­macher Peter Schade, Schöneberg (Berlin); Kaufmann Max Gens, Südende (Berlin); Herrn. Heim (Goldstein & Heim), Breslau; Mehl­händler Rob Albrecht, Charlottenburg; Korbmacher Franz Weininger, Charloltenburg; Chokoladenwarenhändlerin Bertha Marie Gertrude Gäde (Hedwig Barfuss), Chemnitz; Jalousiefabrikant Georg Alfred Hartmann, Chemnitz; Installateur Rob. Giess, Duisburg; Gastwirt Jos. Hellstem, Freiburg i. Br.; Händler Karl Cramer, Altenhagen (H^bgen); Müller Wilh. Peters, Heide; Bauer Alois Rogg, Oberegg (Kempten); Händler Heinr. Junker, Wörth a. M. (Klingenberg a. MJ; Kaufmann Franz Becker (F. Becker-Borzö), Köln; Papierwaren­händler Alex Frank, Köln; Produktenhändlerin Lina Bertha Hof­mann, Zscheila (Meissen); Kaufmann Bruno Wiechert, Locken (Osterode, Ostpr); Schankwirt Eduard Weise, Rochsburg (Penig); Kaufmann Paul Richard Geissler, Mügeln (Pirna); Handelsfrau Apollonia Bielinski, Hooh-Stüblau (Pr.-Stargard); Schnittwaren­händler Rob. Giern. Grabner, Mylau (Reichenbach i. V.); Ackerer Viktor Gerard, Belle-Fauchelle (Schnierlach, Els.-Lothr.); Landwirt Heinrich Ouerstelehn, Rottenberg (Schwelm): Frau Minna Dollase, Stargard i Pomm.; Kaufmann Louis Feldmann, Thorn; Bäcker Franz Fechner, Gross-Teuplitz (Triebel); Nachlass des Schneiders Aug. Theodor Kirchner, Wasungen: Zigarrenhändler Fritz Drygas, Wollstein; Weinwirtschaft zur Klause, Phil. König, Würzburg.