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Erstes Blatt»
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Donnerstag den 11. Januar
Erscheint täglich mit Ausnahme des
Montags.
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London, 9. Januar. Gerüchtweise verlautet, die Buren hätten bei dem Angriffe auf Ladysmith eine Anzahl englischer Marinegeschütze erobert.
— Aus Lourenzo Marquez wird berichtet, daß die Regierungsbeamten des Oranjestaatcs beschlossen haben, Bloemfontein demnächst zu verlassen und den Sitz der Re-
Annahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abend- vorher.
welche vom Sonntag datiert ist, wären sämtliche Angriffe der Buren abgeschlagen und diese schließlich auch aus der einen den Engländern genommenen Position am Samstagabend, wieder vertrieben worden. Die Lage wäre also die gleiche wie vorher. Rekapitulieren wir vorerst nochmals die heliographischen Mitteilungen Whites an General Buller, die der Presse in verkehrter Reihenfolge übermittelt worden sind, richtig der Zeit nach:
White meldet am Samstag an Buller um 11 Uhr vormittags, bei Buller eingegangen um 1 Uhr nachmittags: „Der Angriff des Feindes, der von Süden aus Verstärkung erhalten hat, dauert fort". White meldet um 12 Uhr 45 nachmittags mittels Heliographen an Buller: „Ich habe den Feind jetzt zurückgeschlagen, aber ich werde noch von großen Massen feindlicher Truppen umringt. Besonders ist im Süden ein neuer Angriff wahrscheinlich". General Buller fügt seiner Depesche hinzu, daß er, da die Sonne nicht mehr scheine, erst am folgenden Tage weiteres erfahren könne. Später scheint jedoch die Verbindung wieder ermöglicht worden zu sein, denn um 3 Uhr 15 Min. nachmittags erhielt Buller von White nochmals folgende Meldung: „Angriff erneuert, bin stark bedrängt". Damit schließen die amtlichen Meldungen vom Samstag. Dann folgt am Sonntag das schon erwähnte Resurnö.
Angenommen nun, daß jedes Wort der White'schen Meldungen der Wirklichkeit entspricht und nicht weitere Kämpfe gefolgt sind, deren Resultat das Londoner Kriegsamt noch verschweigen zu müssen glaubt, erscheint doch der Satz des Rapports: „Ich werde (wahrscheinlich außerhalb des Lagers. D. Red.) noch von großen feindlichen Truppenmassen umringt" nicht zurückgenommen. Das, was White also bezweckte, nach Süden gegen den Tugela durchzubrcchen und sich mit Buller zu vereinigen, ist ihm völlig mißglückt und insofern der Tag für die Engländer wieder ein Unglückstag gewesen. Zwischen Ladysmith und Colenso ist jeder Berg und jeder Hügel von den Buren stark befestigt. Ein „Hindurch!" giebt cs hier für White nicht.
Das Gerücht, das sich in Bullers Lager bei Frere verbreitet hatte, 400 Buren seien gefangen genommen, be- stätigt sich nicht, sonst würde White nicht verfehlt haben, das große Ereignis an Buller zu heliographieren. Er sagt aber kein Wort davon. Von den Verlusten der Buren weiß er nichts, als daß sie „große" gewesen seien; über die {einigen will er erst berichten, wenn die Verlustlisten vollständig sind. Demnach dürften sie wieder enorm hohe Ziffern aufweisen. Das große Lob, das White seines Truppen zollt, ist auch verdächtig und erweckt den Anschein, als wolle er über den Schmerz seines negativen Erfolgs besser hinweghelfen.
Kläglich ist die Rolle, die Sir Redvers Buller nun zum zweiten Male gespielt. Hat er nur demonstriert, wie er sagt, so werfen englische Blätter ihm mit Recht vor, daß er den in Ladysmith Eingeschlossenen nur sehr schwächlich und unzulänglich zu Hilfe gekommen ist; hat er, was man als das Wahrscheinlichere halten muß, den Uebergang über den Tugela forzieren wollen, so hat er von neuem gezeigt, daß er mit seiner Strategie am Ende ist.
In England erwartet man jetzt alles Heil von einem einzigen Manne oder eigentlich von zweien, denn neben Lord Roberts, und vielleicht noch mehr als auf ihn, setzt man die Hoffnung aus seinen Generalstabschef, Lord Kitchener of Khartoum. Der Personenwechsel hat aber nichts zu bedeuten, wenn nicht das bisherige System — Zulassen der Einmischung in die Kriegführung von London her, eine Strategie der Zersplitterung und eine unvernünftige Bulldogtaktik — von Grund aus geändert wird. Werden die Generale Roberts und Kitchener dazu im stände sein? Von Lord Roberts ist wenig zu sagen; es entzieht sich jeder Berechnung, was der 68 jährige, auf dem indischen Kriegstheater bewährte General in Südafrika leisten wird, wenn er auch dort schon vor Jahren gleichfalls gefochten hat. Jedenfalls dürfte ein heroischer Entschluß nötig sein, um die verfahrene stratetische Lage wieder einzurenken, soweit es überhaupt noch möglich ist, und nicht minder, um sich von dem politischen und geschäftlichen Gängelbande, dem Sir Redvers Buller sich nicht entziehen vermochte, freizumachen.
Deutscher Reichstag.
123. Sitzung vom 9. Januar. 2 Uhr.
Präsident Graf Bal le st rem eröffnet die Sitzung mit den herzlichsten Glückwünschen zur Jahres und Jahr- Hnndert-Wende und macht alsdann Mitteilung von dem Ableben des Abg. von Fischer-Augsburg. Das Andenken des Verstorbenen wird durch Erheben von den Plätzen geehrt. — Tages-Ordnung: 2. Lesung des Entwurfs einer Reichsschuldenordnung. — Beim § 1 erhebt Abg. Richter (frf, Vp.) ein redaktionelles Bedenken, welchem das Haus durch Annahme eines entsprechenden Antrages Richter stattgiebt. — § 2 wird auf Antrag des Abg. Richter (frf. Vp.) an die Kommission zurückverwiesen. § 4 erfährt eine unwesentliche Aenderung auf Antrag des Aba. Kirsch (Zentr.). — § 16, Absatz 2 bestimmt für den fall des Abhandenkommens oder der Vernichtung eines Linsscheines, daß der im § 804, Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches ausgesprochene Anspruch ausgeschlossen sei, ohne daß es der Ausschließung in dem Zinsschein be
darf. — Dieser Paragraph wird aus Antrag des Abg. Lieber (Zentr.) an die Kommission zurückverwiesen. — Der Rest des Gesetzes wird unverändert angenommen. — Es folgen Rechnungssachen, die debattelos an die Rechnungskommission überwiesen werden. — Weiter ft eben Wahlprüfungen auf der Tagesordnung. — Die Wahl des Abg. Schulze-Steinen wird beanstandet, die Wahlen der Abgg. v. Christen, Boeckel, Pauli, Förster- Sachsen, von Staudy und Möller werden für gütig erklärt. Die Wahl des Abg. Sieg wird beanstandet. — Endlich stehen noch verschiedene Petitionen auf der Tagesordnung. — Verschiedene Petitionen betreffend Erhöhung des Zolles auf gesalzene Heringe beantragt die Kommission dem Reichskanzler zu überweisen. — Ein Antrag Frese, Stein Hauer, Hermes verlanat Uebergang zur Tagesordnung. — Abg. Hermes (frf. Vp.) bekämpft lebhaft die Forderung einer Zollerhöhung auf Heringe.
Solle dieselbe eine Steigerung der Reichseinnahmen bezwecken, so sei dazu der Heringszoll gerade der ungeeignetste .Weg, weil er vorzugsweise die ärmsten Konsumenten belaste. Bezwecke man aber nur eine Förderung unserer Seefischerei, Jo habe dos Reich schon andere und bessere Wege hierzu eingeschlagen, indem es Reichszufchüsse gewährt habe. Auch er, Redner, wünsche eine Förderung der Hochseefischerei, aber er wolle keine Maßregel auf Kosten der ärmsten Bevölkerung. — Abg. P a ch n i ck e (frf. Vp.) beantragt gleichfalls Uebergang zur Tages-Ord- nung, weil es einer Zollerhöhung nicht bedürfe. — Abg. von Waldow-Reitzenstein (kons.) empfiehlt den Antrag der Kommission. — Abg. Rickert (frf. Vp.) bittet dringend, die Petition durch Uebergang zur Tagesordnung zu erledigen. — Geh. Rat Haus erkennt es als richtig an, was von den Gegnern der Petition über die bisherige Entwickelung der Hochseefischerei gesagt worden sei.
Der günstige Stand der Emdener Gesellschaft fei aber nur den Reichstagszuschüfsen zu danken. Für die Regierung fei die Frage der Zollerhöhung noch eine offene, aber die Kommission beantrage ja auch Ueberweisung von Material. — Abg. Wurm (Soz.) wünscht nicht Erhöhung, sondern völlige Beseitigung des Zolles. — Abg. Dasbach (Zentr.) erklärt sich für den Antrag Rickert und Genossen. Es handle sich hier um ein wichtiges Volksnahrungsmittel, das durch Zollerhöhungen nicht verteuert werden dürfe. — Rach weiterer längerer Debatte wird, entsprechend dem freisinnigen Anträge, Uebergang zur Tages-Ordnuug beschlossen. — Gegen diesen Antrag stimmen unter großer Heiterkeit des Hauses nur die Antisemiten und 3 Konservative. — Morgen 2 Uhr: 2. Lesung des Etats (Etat des Reichstages und Etat des Reichsamts des Innern).
Schluß 6 Uhr.
* Vom Kriegsschauplatz.
Nach der letzten zusammenfassenden Meldung Generals White über
die Schlacht bei Ladysmith,
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Preußischer Landtag.
Berlin, den 9. Januar 1900.
Im Weißen Saale des königlichen Schlosses wurde heute mittag die zweite Session der 19. Legislaturperiode des preußischen Landtages eröffnet. Vorher hatte Gottesdienst für die evangelischen und katholischen Mitglieder beider Häuser stattgefunden. In Vertretung des Kaisers erfolgte die Eröffnung durch dcn Ministerpräsidenten Fürsten Hohenlohe. Dadurch hielt sich der ganze Akt im Rahmen einer mehr geschäftsmäßigen als feierlichen Handlung. Etwa 120 Mitglieder der beiden Häuser waren anwesend. Nachdem sich die der Feier beiwohnenden Persönliche feiten aufgestellt hatten, erschienen die Minister, an ihrer Spitze Fürst Hohenlohe, welcher alsbald mit vernehmlicher Stimme die Thronrede verlas. Zunächst machte er Mitteilung von der Geburt eines Sohnes des Prinzen Heinrich In der Thronrede wird die günstige Gestaltung der Staatssinanzen betont und bemerkt, daß der Staatshaushaltsetat für daS Jahr 1900 in Ausgabe und Einnahme das Gleichgewicht hält. Angekündigt wird in der Thronrede die Vervollständigung des Staats - eisenbahnnetzes und eine neue Vorlage, betreffend den Rhein-Elbe Kanal. In dieser Vorlage wird auch die Herstellung des Großschifffahrtsweges zwischen Stettin und Berlin, ferner die Beschaffung einer ausreichenden Vorflut im Oderbruche, die Verbesserung der Verhältniffe an der unteren Oder, an der Spree und an der Havel, die weitere Ausbildung von Wasserstraßen zwischen Oder und Weichsel und schließlich die Herstellung des Masurischen Seekanals enthalten sein. Mittel werden in der Thronrede gefordert zur Brauchbarmachung des preußischen Nordseehafens Emden für die großen Seeschiffe. Des weiteren wird versichert, daß die Regierung der Landwirtschaft die ernsteste Aufmerksamkeit zuwenden wird. In Aussicht gestellt werden noch Vorlagen betreffend Beseitigung der Hochwasserschäden in Schlesien, betreffend Regulierung der Weichsel, betreffend Besteuerung der Warenhäuser, betreffend Reform des Gemeindewahlrechts und betreffend Ausdehnung der Zwangserziehung. — Nach Verlesung der Thronrede erklärte Fürst Hohenlohe die Session des Landtages für eröffnet. Die Thronrede wurde schweigend entgegengenommen, nur die Ankündigung der Geburt eines Prinzen wurde mit Beifall begrüßt. Fürst zu Wied brachte ein dreimaliges Hoch auf den Kaiser aus, in das die Anwesenden lebhaft einstimmten. In der Diplomatenloge hatten der Feier mehrere Mitglieder der japanischen und persischen Gesandtschaft beigewohnt.
Meßmer Anzeiger
Heneral-Anzeiger
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Der Handel mit Klauenvieh im Umherziehen ist im Kreise Wetzlar bis einschließlich den 15. Februar 1900 verboten.
§ 2.
Zuwiderhandlungen werden gemäß § 148 Nr. 7a der Reichsgewerbeordnung mit einer Geldstrafe bis zu 150 Mk. und im Unvermögensfalle mit Haft bis zu 4 Wochen bestraft.
Diese Anordnung tritt sofort in Kraft.
Koblenz, den 5. Januar 1900.
________________Der Regierungspräsident.________________
Bekanntmachung.
Hinsichtlich eines in der Rubrik „Firmenrgister" des Adreßbuchs für das Jahr 1900 enthaltenen Eintrages lassen wir auf Antrag eines der Firmeninhaber nachstehende Berichtigung eintreten, die hiermit öffentlich bekannt gegeben wird.
Firma: S. H. Cohn, Farbenfabrik.
Inhaber: L. Cohn und Th. Cohn Wwe.
Prokuristen: Arthur und Heinrich Cohn in Rixdorf.
Gießen, den 10. Januar 1900.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Muhl.
Amtlicher Eeü.
Bekanntmachung.
Betr.: Maul- und Klauenseuche.
Nachdem in Alt en-Buse ck die Maul- und Klauenseuche in allen Gehöften bis auf eines erloschen ist, haben wir die Aufhebung der Gernarkungssperre verfügt. Die Sperre des einen verseuchten Gehöfts bleibt noch bestehen.
Gießen, den 9. Januar 1900.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Boeckmann.
Bekanntmachung.
Arn nächsten Sonntag, 14. dS. Mts., läßt der
Verein folgende Borträge halten:
-CHerr Oekonomierat Leithiger spricht nachmittags %4 Uhr in Steinbach im Saale „Zum Ritter" über „Die Vorteile der Siebenfelderwirtschaft nach durchgeführter Feldbereinigung (freie Bewirtschaftung)" sowie über „DieAnwendung künstlicher Düngemittel".
Herr Direktor Dr. v. Peter aus Friedberg spricht in Bellersheim im Rathaussaale nachmittags 3y2 Uhr über „Saatfrucht, deren Reinigung und Wechsel mit derselben."
Ich lade jedermann, der sich dafür interessiert, zu diesen Vorträgen freundlichst ein und ersuche die Herren Bürgermeister der Vortragsorte und der umliegenden Orte um ortsübliche Bekanntmachung.
Gießen, den 8. Januar 1900.
Der Direktor des landw. Bezirksvereins.
v. Bechtold.


