Ausgabe 
10.11.1900 Zweites Blatt
 
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tzis zu 1500 Mk. Jahreseinkommen abzulassen, wird eben- ialls zum Beschluß erhoben.

Vor einiger Zeit ist von einem Stadtverordneten be­antragt worden, die Stadt möge ein Kohlenlager errichten und die Kohlen zum Selbstkostenpreise an die minderbemittelten, etwa mit einem Einkommen bis zu 1500 Mk. zur Steuer veranlagten Einwohner abgeben. Nachdem seitens der Stadt vergebliche Versuche gemacht, Kohlen zu annehmbaren Preisen zu erhalten, hat auch der sozialdemokratische Wahlverein um Errichtung eines städtr- sschen Kohlenlagers, bezw. Abgabe von Kohlen und Holz zum Selbstkostenpreise nachgesucht. Die vereinigten Kom­missionen für da« Gas- und Wasserwerk und für die Be­schaffung von Brennmaterial haben beantragt, den Ge­suchen keine Folge zu geben, dagegen die Bildung von Genossenschaften zum Bezug von Kohlen, wie dies in München geschehen, zu unterstützen. Motiviert wird die Ablehnung damit, daß keine Kohlennot, sondern eine Kohlenteuerung bestehe, daß die Differenz zwischen den Preisen der Händler und denjenigen, die die Stadt bieten könne, zu gering sei, daß ferner man sich mit den in hiesiger Gegend nicht teuren Briketts, sowie mit Coks helfen könne. Stadtv. Orbig begründet den seinerzeit gestellten Antrag eingehend und bemerkt, daß durch die Kohlenverteuerung thatsächlich die Arbeiter not litten, er weist auf die Gefahren hin, welcher die minderbemittelten Klassen hinsichtlich ihrer Gesundheit ausgesetzt seien, wenn sie sich nicht genügend erwärmen könnten; er bezeichnet es als eine Pflicht der Stadt, helfend einzugreifen. Die Stadtv. H a n a u , H a u b a ch Helfrich' befürworten den Ankauf von Kohlen durch die Stadt. Der auf Ablehnung der Gesuche lautende Antrag der vereinigten Deputation wird abgelehnt, und auf Vorschlag des Beigeordneten Wolff eine aus den Stadtv. Hanau, Löber und Orbxg bestehende Kommission, unter Vorsitz des Beigeordneten Georgi eingesetzt, die unter Mitwirkung des Direktor Bergen den Bezug von Kohlen, die Beschaffung eines Lager­platzes usw. in die Wege leiten soll. Stadtv. Kirch be­merkt, daß in der Deputation, welche die Ablehnung be­antragt, die Prinzipienfrage nicht berührt worden sei; man habe oen Antrag abgelehnt, weil man Kohlen überhaupt nicht bekommen könne.

Für die Aufstellung dreier Gaskandelaber an der äußeren Marburger st raße werden 375 Mark be­willigt.

Das auf dem Submissionswege erfolgte Ausgebot von Nutzholz aus dem Stadtwald (300 Cbm. Eichengruben- hvlz, 300 Cbm. Nadelbauholz und 800 Cbm. Nadelgruben­holz hat nur bezüglich der beiden letztbezeichneten An- tätle befriedigende Ergebnisse gehabt; der Verkauf der­selben soll danach genehmigt, das Eichengrubenholz da­gegen zur Versteigerung ausgeschrieben werden.

Dem Gesuch des Restaurateurs 0110 L u f t um Ueber- kiassung von 20 Cbm- Fichtenstammholz zum Wiederaufbau seiner Eishalle wird stattgegeben, der Preis für den Kubik­meter auf 20 Mk. festgesetzt.

Das an das erste Bataillon Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm verpachtete Ob st gründ stück hinter der neuen Kaserne an der Licherstraße befindet sich in schlechtem Zustande. Dem Vorschläge des Stadtgärtners entsprechend wird beschlossen, das Grundstück wieder aufzubessern und den bestehenden Pachtvertrag aufzuheben.

Wie seit einer Reihe von Jahren, so sollen aud). für kommenden Winter dem Gießener Eisverein die Wiesen hinter den Eichen zur Anlage einer Eisbahn über­lassen werden. Die Gegenleistung des Vereins besteht be­kanntlich in der Ueberlassung von 2000 Eintrittskarten (int Vorjahre waren es 4000 und auch diesmal ist der Vor­stand befugt, bis zu dieser Summe Karten auszugeben, falls das Bedürfnis vorliegt) an Kinder der Stadtschulen.

Nachdem in einer früheren Sitzung dieZusammen- llegung der Grundstücke auch auf dem links der Lahn liegenden Teile der Gemarkung Gießen beschlossen worden, hat die landwirtschaftliche Kommission beantragt, die Zusammenlegung in zwei, durch die Grünbergerstraße getrennten Teilen auszuführen und mit dem nordöstlichen Teile zuerst zu beginnen. Die Versammlung beschließt dem­gemäß, die erforderlichen Anträge zu stellen.

Die Kredite für eine Reihe von öffentlichen, im Jahre 1899/1900 nicht zur Ausführung gekommenen Bauten im Gesamtbeträge von 401944 Mk. werden in das folgende Budget übertragen.

Die von der Armendeputation vorgeprüfte Rechnung der Plockschen Stiftung für 1899/1900 wird nicht «beanstandet, der Voranschlag derselben Stiftung für 1901/1902 genehmigt.

Auf Gesuch des Fechtverbands Gießen bewilligt die Versammlung 1000 Mk. zur Errichtung einer Freistelle für einen Halb- oder Ganz-Waisen im Reichswaisenhaufe zu Lahr.

Betr. des Gesuches des Jul. Schulhof um Er­laubnis zum Kleinverkauf von Branntwein beschließt die Versammlung, den auf Bejahung der Bedürfnisfrage lautenden Beschluß vom 27. September d. I. als auf irriger Voraussetzung beruhend, zurückzuziehen und die Bedürfnisfrage zu verneinen. Das Gesuch des Emil Bender um Erlaubnis zum Branntweinausschank über die Straße int Hause Neustadt 53 wird befürwortet; die Bedürfnisfrage bezüglich des Konzesfionsgefuchs der Elisa- h«the Sorgenfrei verneint.

Generalversammlung des landwirtschaft­lichen Provinzialvereins.

-ff- Gieße«, den 8. November 1900.

Die für heute nachSteins Saalbau" einberufene Generalversammlung des landwirtschaftichen Ver- :ins für die Provinz Oberhessen wurde gegen y,l Uhr von dem Vizepräsidenten des Vereins, Oekono- raierat S chlenke - Hardthof, eröffnet. Herr Sch lenke gedachte zunächst des verstorbenen Präsidenten, Grafen Friedrich zu SolmS-Laubach, der ihnen allen ein Nüster und Vorbild in der Landwirtschaft gewesen sei. Bei» Andenken wurde durch Erheben von den Sitzen -e'chrt.

Nach Begrüßung des Provinzialdirektors Geheimrats v»n Bechtold, des Ministerialrats Braun und des Zitkovomierats Dr. Müller «nd der Mitteilung, daß eine

Mitgliederaufnahme heute nicht stattfinde, ging der Vor­sitzende zur Erstattung des Jahresberichts über.

Die Thätigkeit des Vereins sei im verflossenen Be­richtsjahr eine recht lebhafte und vielseitige gewesen. Nachdem dem Vereine vom Staate größere Mittel zur Verfügung gestellt seien, sei die Anwendung zum erstenmale im Budgets- jahr 1898/99 in die Erscheinung getreten. Die vom Land- wirtschastSrat aufgestellte allgemeine Organisation für die Hebung der Viehzucht sei bis auf die kleinsten Einzelheiten durchgearbeitet und den hiesigen Verhältnissen angepaßt worden. Ob dabei immer das richtige getroffen fei, müsse die Zukunft lehren. Ueberhaupt habe der Schwerpunkt der Thätigkeit des Vereins auf dem Gebiete der Viehzucht ge­legen. Dies werde auch für die nächsten Jahre, bis sich die Neuorganisation eingelebt hat, so bleiben. Indessen hätten die sechs landwirtschaftlichen Bezirksvereine, wie seither auch in diesem Jahre ihre Thätigkeit einzelnen Arbeitsge­bieten, so besonders dem Acker, und Pflanzenbau, dem Meliorationswesen, der Düngerlehre, der Bodenbearbeitung usw. zugewandt.

Was die Lage des landwirtschaftlichen Gewerbes im Vereinsgebiete im allgemeinen anbetreffe, so könne nicht ver­kannt werden, daß in technischer Beziehung auch im letzten Jahre Fortschritte gemacht worden seien. Aber auch die landwirtschaftlichen Nebenbetriebszweige hätten Fortschritte zu verzeichnen. Der Obstbau, in der Provinz durch den Oberhessischen Obstbauoerein gepflegt, finde immer mehr Anerkennung und Beachtung, die Geflügelzucht Förderung durch einen neugegründeten Verband, der sich dem landwirt­schaftlichen Provinzialverein angeschloffen hatt Wenn trotz dieser überall zu Tage tretenden Richtigkeit der Handhabung der Landwirtschaft die wirtschaftliche Frage sich kaum ge­bessert habe, so sei der Grund hierfür in Ursachen zu suchen, die außerhalb des Wirtschaftsbetriebes des einzelnen Land­wirtes liegen.

Der Mitgliederbestand habe nach Aufnahme 212 neuer Mitglieder und Abganges von 47 im letzten Vereins­jahre am Ende des Bereinsjahres 1392 betragen, die sich wie folgt auf die sechs Bezirksvereine verteilen: Alsfeld 165, Büdingen 392, Friedberg 309, Gießen 243, Lauter­bach 143, Schotten 135, ferner 5 auswärtige Mitglieder.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr seien eine Hauptver­sammlung und sieben Ausschußsitzungen abgehalten worden; die Bezirksvereine hätten durchweg zwei Hauptversammlungen abgehalten. Vvn den Landwirtschaftslehrern wurden im VereinSjahr ca. 70 Vorträge gehalten. Auch die Spezial­vereine, insbesondere der Oberhesfische Obstbauverein, hätten zahlreiche Vorträge und Unterweisungen abhalten lassen.

Im Rechnungswesen fänden in Teil 1 die eigenen Mittel, in Teil 2 die Staatsmittel Verrechnung. In Teil 1 betrage die Einnahme 81098,08 Mk., die Ausgabe 69082,63 Mk., mithin Ueberschuß 12015,45 Mk.; in Teil 2 belaufe sich die Einnahme auf 101384,00 Mk., die Aus­gabe auf 88020,33 Mk., mithin Ueberschuß 13363,67 Mk. In Teil 2 ist die Hälfte der Staatszuschüffe für 1897/98 mitenthalten, die erst im Laufe des verfloffenen VereinS- jahreS überwiesen wurden.

Landwirtschaftliche Unterrichtsanstalten bestehen in Oberhessen vier: 1. die landw. Winterschule und Obst­bauschule zu Friedberg, 2. die landw. Winterschule in Als­feld, 3. die landw. Winterschule Büdingen, 4. die landw. Haushaltungsschule in Lindheim. Der Besuch der Schulen sei auch im Berichtsjahre ein günstiger gewesen.

Für die Förderung des Meliorationswesens be- beständen in der Provinz zwei Kulturinspektionen (Gießen und Friedberg). Als eine besondere Aufgabe habe der Verein betrachtet, die sterilen Hutweiden im Vogelsberg in ertragreiche Futterflächen umzuwandeln.

Die Arbeiten auf dem Gebiete der Rindviehzucht seien unter Zugrundelegung des von der Regierung er­laßenen Planes weitergeführt worden. In die Herdbücher des Vereins wurden bis jetzt im ganzen 4222 Tiere, und zwar 1377 Vogelsberger und 2845 Simmenthaler einge­tragen. Einen recht erfreulichen Fortschritt habe die Er­richtung von Bullenstationen genommen. Die vier Zuchtviehhöfe hätten auch im Vereinsjahr 1898/99 weiter- bestanden. Recht beträchtliche Aufwendungen habe der Verein für den Ankauf und die Einfuhr von Zuchtvieh gemacht. Ferner sei in der Errichtung von Jungviehweiden der erste Schritt gethan, indem im sog. Tiergarterk bei Hungen die erste derartige Anstalt für 40 Stück Jungvieh eröffnet sei. Auch die Frage über die Errichtung von Ge­meindetummelplätzen sei weiter verfolgt worden, und an mehrere Gemeinden seien Unterstützungen von je 200 Mk. ca. bewilligt worden. Die Mittel zur Hebung des FutterbaueS seien im wesentlichen den Bezirksvereinen Schotten und Lauterbach mit je 500 Mk. und Alsfeld und Gießen mit je 100 Mk. zu dem Zwecke überwiesen worden, die Be­wohner des höheren Vogelsberges bei Beschaffung von Mineraldüngemitteln zu unterstützen.

Die Bestrebungen auf dem Gebiete der Schweine­zucht hätten sich im wesentlichen darauf beschränkt, die Gemeinden bei Anschaffung von Ebern durch einen VereinS- zuschuß zu unterstützen. Solche Gemeinden, die reinrassige englische Eber anschaffen, sollen einen Zuschuß von 20 bis 40 Mk. erhalten. Von diesem Anerbieten haben schon 15 Gemeinden Gebrauch gemacht.

Die in der Provinz bestehenden fünf Ziegenzucht- Vereine (Bad-Nauheim, Büdingen, Nieder Moos, Gießen, Wieseck) hätten auch im laufenden Jahre ihre Thätigkeit fortgesetzt, die sich hauptsächlich auf Beschaffung von Zucht- material, in erster Linie von Böcken, erstreckt.

Die Bestrebungen auf dem Gebiete der Geflügel­zucht seien dadurch einen erfreulichen Schritt vorwärts gekommen, daß die in der Provinz bestehenden Geflügelzucht­vereine sich zu einem Verbände zusammengethan haben, der durch seinen Vorsitzenden im Ausschuß des landwirtschaft­lichen Provinzialvereins vertreten ist.

Auf dem Gebiete des Obst- und Gemüsebaues liege die Thätigkeit in den Händen des Oberhessischen Obst- bauvereins. Schließlich möge noch erwähnt werden, daß im Vereinsgebiete eine Molkereischule für weibliches Molkereipersonal mit dem 1. April in Lauterbach im An­schluß an die dortige Molkerei eröffnet worden ist.

Mit dem Bemerken, daß der Verein volkswirtschaftliche Fragen nur selten berührt habe, weil ja der Hessische Land- wirtschaftsrat diese Fragen in erster Linie in seinen Ver­sammlungen und Kommissionen zur Beratung stelle, schloß der- Vorsitzende fen Bericht, den wir hier in kurzen Zügen wiedergegeben haben, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Landwirtschaft von feiten deS Reiches in nächster Zeit die nötige Hilfe werden möge, damit man den Mut und die Berufsfreudigkeit nicht verliere.

Hierauf richtete Graf Oriola nach einem kurzen Rückblick auf den eben erstatteten Jahresbericht des Vereins und auf feinen verstorbenen Präsidenten das Wort an den Vertreter der Regierung, Ministerialrat Braun, und kam auf die Verordnung über die Fortbildungsschulen zu sprechen. Diese habe' in den meisten (Zuruf: allen) Kreisen großen Widerspruch hervorgerufen. Der Landwirt solle jetzr von 57 Uhr, zu einer Zeit, wo man das Vieh füttern müsse, sein Gesinde in die Fortbildungsschule schicken. Er glaube die Zustimmung der Landwirtschaft zu haben, wenn er eine Aenderung der Zeit wünsche. Dann gab der Redner noch seiner Üeberzeugung Ausdruck, daß zur nachher anstehenden Präsidentenwahl kein geeigneterer Kandidat vor geschlagen werden könne als der jetzige Vizepräsident, Oekonomierat Sch lenke, der ja in Wirklichkeit die Ge­schäfte des Präsidenten schon seit einem Iahte zur all gemeinen Zufriedenheit führe. Herr Sch lenke schiene ihm ferner deswegen der geeignetste Vertreter, weil er eine so entschiedene Stellung einnimmt bei den Forderungen der Landwirtschaft, die der Reichstag befriedigen müsse und feiner Ansicht nach auch befriedigen werde.

Ministerialrat Braun äußert sich nun kurz zu dem Wunsche, 'den Graf Oriola an ihn als Vertreter der Re­gierung gerichtet hat. Der Erlaß über den Fortbildungs­unterricht sei innerhalb der eigenen Zuständigkeit der Schul­abteilung ergangen Er habe zuerst Kenntnis davon er­halten durch die Beschwerde eines Kceisamts, des Inhalts, so wie die Sache jetzt sei, könne sie nicht durchgeführt werden; diese greife tief in die landwirtschaftlichen, gewerblichen und kleingewerblichen Verhältnisse ein. Sein undankbares Amt sei es nun, allen Wünschen und Interessen Rechnung zu tragen. Um diese hier zu hören, sei er heute hierher ge­kommen. Mit mehreren Freunden und Bekannten habe er nun schon vor Eröffnung der Versammlung Rücksprache ge­nommen. Er habe gründlich die Wahrheit gehört, und fein Tornister sei zur Rückreise gehörig gepackt. Morgen gehe er zu demselben Zwecke auch nach Mainz. Nachdem er auch aus gewerblichen Kreisen Mitteilungen habe, könne er ver­sichern, daß man sofort in die Beratung über Abänderung eintreten werde. Da die Verhältnisse nicht überall die gleichen seien, müffe man prüfen und nachprüfen. Als man die Verordnung bestätigt habe, sei u. a. auch in Betracht ge­zogen worden, daß in Baden dieselbe Einrichtung bereits seit zehn Jahren bestehe und durchführbar fei. Er hoffe, die Regierung werde einen Weg finden, der allen gerecht­fertigten Wünschen Rechnung trage.

Nachdem sich der allgemeine Beifall gelegt hatte, be­richtete Bürgermeister Köhler- Langsdorf, daß die Konferenz der Bürgermeister des Kreises Gießen heute morgen be­schlossen habe, zu petitionieren, daß die Regelung der Zeit den einzelnen Gemeinden überlassen bleibe.

Mit der Eintragung des Vereins in das Bereinsregister und den dadurch notwendigen Statutenänderungen erklärte sich die Versammlung einverstanden.

Graf Oriola schlug hierauf nochmals vor, Herrn Schl enke durch Akklamation zum Präsidenten zu wählen. Bürgermeister Köhler-Langsdorf forderte indessen Wahl durch Stimmzettel. Die Wahl hatte folgendes Resultat, das wir gestern noch kurz unfern Lesern bekannt geben konnten: Schlenke 192, Graf Oriola 11, Kohler 8, Jrle 1. Nach Verkündung des ErgebniffeS brachte Graf Oriola ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den neuen Präsidenten aus. Herr Schlenke erklärte dankend sich mit der Wahl einverstanden. Es sei nicht leicht, Nachfolger der vorigen Präsidenten zu werden. Er verkenne die Auf­gabe und, er mochte sagen, die Gefahr nicht. Sein Weg werde nicht so dornenlos sein als der feiner Vorgänger. Aber gefürchtet habe er sich noch vor keiner Arbeit. Wenn sie alle ihm treu zur Seite ständen, dann werde er die Geschäfte des Vereins zum Wohle der Landwirtschaft der Provinz Oberheffen und auch der gesamten hessischen Land­wirtschaft führen.

Bei der nun vorgenommenen Wahl des Vizepräsi­denten erhielten Stimmen: KreiSrat Dr. Wall au-Lauter­bach 161, Schade-Altenburg 35, Graf Oriola 4, Jrle 2, Hoffmann 1, Kohler 1 (Zuruf: einstimmig gewählt!). Dr! Wallau nahm die Wahl dankend an und brachte ein Hoch auf die Provinz Oberheffen und ihre Landwirtschaft aus. Mit einer kurzen Ansprache des neugewählten Präsidenten, Oekonomierats Schlenke, fand die programmgemäß und ruhig verlaufene Generalversammlung ihren Abschluß.

Koloniales.

. -Nach einer von kolonialen Blättern mitgeteilten Meldung des MaiorS von Kamptz aus Kamerun kann die beabsichtigte Expedttton der Schutztruppe nach Adamaua im Frühjahre nicht ausgesuhrt werden. Bet den Anwerbungen im Kongostaate, die tnS Auge gefaßt waren, begegnet man solchen Schwierigkeiten, daß die notwendige Zahl der Mannschaften bei weitem nicht erreicht werden kann. Der Kommandeur der Schutztruppe schiebt deshalb die Expedition nach Norden zunächst auf unbestimmte Zett hinaus in Ueveretnstimmung mtt der Kolonialoerwaltung, damit nicht ein solcher Zug in große, unruhige Gebiete ohne zureichende Maat angetrelen wird.