Erstes Blatt.
Mittwoch den 10. Oktober
150. Jahrgang
1900
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von Dr. Gust. Wustmann:
DaS Völkerschlacht-National-
Heitere Pläne zu einem Grenzboten" 1888, und
an die vergeblichen Anläufe, die im Laufe deS Jahrhunderts zur Schaffung eines würdigen Dankeszeichens der gewaltigen BesreiungSschlacht unternommen worden sind.
Darüber belehren uns die beiden interessanten Arbeiten
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Ausschlags von Fünf vom Hundert pro Monat September 1900 für den Lieferungsverband Gießen pro - 00 Kg. betragen:
Hafer Mk. 16,50, Heu Mk. 6,60, Stroh Mk. 4,00.
Gießen, den 8. Oktober 1900.
Großh erzo gttches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
| Denkmal, das Denkmal der Befreiung und der nationalen I Wiedergeburt Deutschlands", Denkschrift des Deutschen Patriotenbundes vom Jahre 1897. Im zweiten Teil dieser I Schrift ist die Geschichte des Denkmals eingehend behandelt, I und in einem Anhang sind die hervorragendsten Pläne I älterer und neuerer Zeit im Bild wiedergegeben.
Den ersten praktischen Vorschlag machte im Jahre 1814 Ernst Moritz Arndt in den „Deutschen Blättern".
In seinem Aufruf hieß eS: „Ein kleines, unscheinbares Denkmal, das sich gegen die Natur umher in nichts I gleichen kann, thut es nicht. ES muß draußen stehen, wo so viel Blut floß, es muß so stehen, daß es ringsum von allen Seiten gesehen werden kann, von welchen die verbündeten Heere zur blutigen Schlacht der Entscheidung hwanzogen. Soll das Denkmal gesehen werden, so muß es groß und herrlich sein, wie ein Koloß, eine Pyramide, ein. I Dom in Köln. Aber solches in großer Kraft und in großem Sinn zu bauen, fehlt uns das Geld und das Geschick, und I ich fürchte, wenn man bei kleinen Mitteln etwas AehnlicheS I machen will, kommt etwas Erbärmliches heraus. Ich schlage I daher etwas ganz Einfaches und Ausführbares vor, ein I Denkmal, wobei die Kunst keine Aeffereien anbringen und wogegen unser nordischer, allen Denkmälern so feindseliger Himmel nichts auSrichten kann. Ich befehlige einige Tausend | Soldaten oder Bauern in die Ebene von Leipzig hin und lasse sie I in der Mitte des meilenlangen Schlachtfeldes einen Erdhügel von I 200 Fuß Höhe aufthürmen. Auf den Erdhügel werden Feldsteine gewälzt, und über diesen wird ein kolossales, aus I Eisen gegossenes und mit mancherlei Anspielungen und Zeichen geziertes Kreuz errichtet, das Zeichen des Heils und der Herrscher des neuen Erdballs. Das Kr-.uz trägt I eine große vergoldete Kugel, die weit in die Ferne leuchtet. Das Land rings um den Hügel, etwa 10—15 Morgen weit, wird für ein geheiligtes Land erklärt, mit Wall und Graben eingefaßt und mit Eichen bepflanzt. Dieser Hügel, dieses Kreuz und diese Bäume wären zugleich ein echt germanisches und ein echt christliches Denkmal, wohin unsere Urenkel noch wallfahren würden. Der Eichenhain würde zum Kirchhof großer deutscher Männer geweiht, wo berühmter Feldherren und für das Vaterland gebliebener Helden Leichen begraben würden." — „Leipzig wäre der I Ort", sagte er später im „Geist der Zeit", „auf dessen Ge- | filden die Jrminsul des 19. Jahrhunderts errichtet werden sollte, wohin die Urenkel noch wallfahrteten und einander die ungeheuren Schrecken und Freuden der ersten beiden Jahrhunderte desselben erzählten."
Ebenfalls im Jahre 1814 erließ Freiherr Adolf von Seckendor-ff auf Zingst bei Querfurt einen begeisterten Aufruf zur Errichtung eines Völkerschlachtdenkmals. Es ging ihm eine große Zahl der wunderlichsten Entwürfe zum Denkmal und Vorschläge zur Erlangung der Mittel zu. Durch SeckendorffS 1814 mit 4 Kupfern erschienene Schrift: „Die Resultate meines Planes, der Völkerschlacht bei Leipzig ein Denkmal zu setzen", sind diese aus uns über kommen. Arndt sollte mit seinen Befürchtungen Recht be< halten: sämtliche Entwürfe waren klein und unscheinbar gedacht.
Nicht nur Patrioten, wie Arndt und Seckendorfs, auch bedeutende Künstler traten in jener Zeit mit zum Teil großartigen Plänen an die Oeffentlichkeit: so vor allem der Bildhauer Dannecker und der Architekt Friedrich Weinbrenner, großherzoglich badischer Oberbaudirektor. Auch von dem Lustspieldichter Kotzebue ging ein ganz eigenartiger Vorschlag für ein Denkmal aus.
Kotzel ue wollte die seit den Römerzeiten unweit Reichenbachs im Odenwalde liegende 31 Fuß hohe und 4 Fuß ftarfe Granitsäule auf dem Schlachtselde bei Leipzig als Denkmal ausgerichtet sehen: „als ein Denkmal, verfertigt von den ersten Unterjochern der Deutschen, aufgestellt zur Erinnerung an den herrlichen Sieg über die letzten Unter Ivcher der Deutschen".
Dannecker übergab im Juli 1814 dem Fürsten Metternich eine Zeichnung zu einem Denkmal. Auf einer Säule von Granit steht eine männliche Figur, mit einer Löwenhaut bekleidet, links stützt sie sich auf zusammengebundene Stäbe und in der Rechten hält sie ein Schwert und den Oelzweig.
Weinbrenner plant auf einem quadratischen Unterbau
Denkmal der Völkerschlacht" Dr. Alfred Spitzner: „
Neunter Weltfriedenskongreß.
In der letzten Sitzung des Pariser Friedenskongresses wurden die Beziehungen der Europäer zu den halb- oder nicht zivilisierten Völkern einer eingehenden Besprechung unterzogen und viele Bürgschaftsmaßregeln für die gute und gerechte Behandlung der den Europäern unterworfenen Farbigen ent wickelt. Von besonderem Interesse in dieser Hinsicht ist die Forderung, daß alle Kolonialmächte periodisch ihre außereuropäischen Besitzungen durch Generaliuspektionen besuchen lassen, die im Range mindestens den Gouverneuren gleich stehen und die Ausgabe haben sollen, nicht mir die verschiedenen Verwaltungen bis in ihre kleinsten Einzelheiten zu prüfen, sondern auch die Klagen der Beamten und Privatleute entgegenzunehmen und über sie an die Regierung des Mutterlandes zu berichten.
Der Antrag zur Bildung eines neuen den Weltfrieden fördernden großen körperschaftlichen Organs unter der Bezeichnung „Union internationale" fand allgemeinen Beifall. Dieser neue Verband bezweckt die Verteidigung des Rechts bei den internationalen Fragen, wozu er die Durchführung der von den Mächten auf der Friedenskonferenz im Haag angenommenen Prinzipien und ihre ungehemmte Entwicklung betreiben und die internationalen Schwierigkeiten aller Art eingehend studieren und klarlegen will. Er soll aus nationalen Gruppen und I einem tnternationalen Rate sich zusammensetzen.
... Der Kongreß nahm folgenoe Beschlüsse des Ausschusses für das internationale Recht an:
"?b^on9reß erkennt und proklamiert die hervorragende Lichtigkeit der auf der internationalen Konferenz un Haag getroffenen Beschlüsse und der aus ihnen hervorgegangenen Abkommen. Der Kongreß stellt fest, daß, diese Abkommen unleugbare und wesentliche Elemente des positiven internationalen Rechtes bilden die in thunlichst kurzer Zeit ausgearbeitet und vervollkommnet werden müssen.
Der Kongreß nimmt zur Kenntnis, daß die Regierungen die Solidarität anerkannt und bekräftigt haben die die Mitglieder der Gemeinschaft der christlichen' I Rationen aneinander fesfelt. Er ersucht die Regierungen I und die Völker anständigst, keine Gelegenheit zu ver I säumen, um auf das internationale Leben die wohl- I thuende, und fruchtbare Formel anzuwenden, die sich I aus der Versicherung: Autonomie in der Solidarität I ergiebt.
Der Kongreß hat mit Befriedigung die Ratifizierung I der Haager Abmachungen durch die Mehrzahl der Sig- I natarmächte zur Kenntnis genommen. Er hofft, bald I alle Ratifizierungen ausgetauscht zu sehen, und ver- | langt von den Friedensfreunden der Länder, die mit I denselben noch im Rückstände sind, eine energische Pro- I paganda auf diese Ratifizierungen hin.
Der Kongreß drückt den Wunsch aus, daß die j
I auf der internationalen Konferenz im Haag vertreten I gewesenen Mächte aufgefordert werden, sich ohne besondere Bedingungen den Abmachungen bezüglich der I friedlichen Lösung internationaler ' Konflikte anzu- I schließen.
Der Kongreß giebt sein lebhaftes Bedauern darüber zu erkennen, daß es die Haager Konferenz nicht durch-- I zufetzen wußte, das Regime des obligatorischen inter- I nationalen Schiedsgerichts einzurichten. Er erinnert in- I dessen mit Befriedigung daran, daß die Delegierten der I der sOrganisierung ches!Schiedsgerichts feindlichen Mächte I auf dem Wege einer allgemeinen Abmachung erklärt haben, diese Machte seien keineswegs dem Abschlüsse I von PrivatabmaclMigen bezüglich des obligatorischen | Schiedsgerichts feindlich.
Der Kongreß hofft, daß in der nahen Zukunft, da I der ständige Schiedsgerichtshof im Haag eingerichtet sein I wird, die Mächte untereinander möglichst viele ständige I Schiedsgerichtsverträge abgeschlossen haben werden und I daß durch die Verallgemeinerung solcher Verträge das Schiedsgericht der normale juridische und obligatorische I Lösungsmodus internationaler Konflikte werden wird." Sodann verlas der Berner Delegierte Dueommun den I üblichen Aufruf an b ie Rationen, in dem die auf I dem Kongresse vorgebrachten Anklagen gegen Eng - I land wegen Vergewaltigung der Buren und I gegen den Sultan wegen der a r in e n i s ch e n Metzeleien, I sowie die Beschwerden gegen alle europäischen Mächte I wegen ihres teilweise zu brutalen, teilweise zu schwäch- | l ich en Vorgehens in China mit den dazu gehörigen | Wünschen auf friedliche und gerechte Lösung zusammeuge- I faßt sind.
I Im Verlauf 'der Sitzung wurden zwei Deputationen 1 eingeführt, eine von der internationalen Stuben- I t e n -F ö deratiwn, die ihre Zustimmung zu dem Frie- I denswerke des Kongresses aussprach, und die andere vom I F r e im a u r e r b u n b , der durch seinen Sprecher R i c o l I dem Kongreß folgenden Beschluß mitteilte, der in dem | Allgemeinen Freimaurer-Kongreß, au dem über 800 Mit I glieder teil nahmen, gefaßt worden ist:
I Die feierliche Vollversammlung der Freimaurer von I Paris, aus der Provinz und aus dem Auslande, zu I diesem Zwecke am 28. September 1900 in Paris zusammengetreten, erklärt, daß der Krieg die schlimmste Geißel der Menschheit ist, daß er die Zivilisation schändet und daß es die erste Pflicht eines jeden Bürgers ist, ihn entschlossen und rückhaltlos zu bekämpfen. Sie billigt die Lösung internationaler Konflikte auf juristischem Wege, insbesondere durch Schiedsgerichte, eine Institution, die, weit entfernt davon, eine Chimäre zu sein, schon bedeutsame Resultate ergeben hat.
Der Kongreß nahm die Mitteilung dieser Resolution mit Beifall entgegen.
In der Schlußsitzung berichtete Arnaud im Auftrag I der Kommission für internationales Recht und beantragte I I folgende Resolution:
Der Kongreß stellt mit Genugthuung fest, daß die Verfügungen der Haager Konvention über die Gesetze und Gewohnheiten des Krieges endgiltig in das positive internationale Recht Übergegangen sind und insbesondere untersagen: D einen Feind zu töten oder I zu verwunden, der die Waffen abgelegt oder ohne I weitere Verteidignngsnnttel sich auf' Gnade ober Un- I gnade ergeben hat; 2) feindliches Eigentum zu zerstören I oder zu beschlagnahmen, außer in den Fällen, wo dies I der Krieg selbst unbedingt nötig macht: 3) eine er- I stürmte oder sonstwie besetzte Stadt der Plünderung I preiszugeben.
Der Kongreß drückt sein Bedauern aus, daß gewisse I unter diesen Verfügungen den verbündeten Armeen, die I jetzt in China kämpfen, oder den Befehlshabern dieser I Armeen, nicht genügend bekannt gewesen zu sein scheinen, I um ihre Beachtung und Anwendung zu sichern. Der I Kongreß wäre den Regierungen dankbar, wenn sie dafür I sorgen würden, daß die Beschränkung der Kriegsführ- I ungsmittel, die auf dem .Haager Kongreß beschlossen I wurde, an den betreffenden Stellen bekannt und beob | achtet werde.
Diese Resolution wurde mit lebhaftem Beifall äuge I nommen. Der Vorsitzende Gaston Moch teilte dann dem I Kongreß den Beschluß mit, den der kürzlich versanimelte I Internationale Handels- u n d I n d n st r i e k o n g r e ß I zu Gunsten!des Friedens und des Schiedsgerichts gefaßt | hat- Der Kongreß nahm mit Befriedigung Kenntnis von I diesem Beschlüsse.
Als Ort der nächsten Versamiulung wurde Glasgow gewählt. Ein Bankett in „Alt-Paris" beschloß den Kongreß. I
Die Geschicke des Völkerschlachtdenkmals.
Die nahe bevorstehende Feier der Grundsteinlegung des Völkerschlacht-Denkmals bei Leipzig weckt die Erinnerung |
Amtlicher Heil.
Bekanntmachung.
Betr.: Maul- und Klauenseuche.
In All en darf a. d. Lda. ist in zwei Gehöften die Maul- und Klauenseuche festgestellt und Gehöftfperre verfügt worden.
Gießen, den 8. Oktober 1900.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
_________________________v. Bechtol d.__________________________
Bekanntmachung^
Betr.: Maßregeln zur Abwehr und Unterdrückung der Maul- und Klauenseuche.
Mit Rücksicht auf die erhöhte Maul- und Klauenseuche- gefahr ist der Handel mit Klauenvieh im Umherziehen für den Kreis Friedberg bis zum 15. Dezember l. I. unter» tagt worden.
Gießen, den 3. Oktober 1900.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.


