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10.7.1900 Drittes Blatt
 
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Sonntag den 10. IM

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Gießener Anzeiger

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Die Gießener

merden dem Anzeiger tat Wechsel mitHess. Simdwirt" m.Blätter Mr heg- Volkskunde- vdchtl. 4 mal beigelegt.

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Uermifchle».

Das wertvollste Wörterbuch

Kanghi ist der zweite Kaiser der Mandschu-Dynastie und

getegHvE, Expedition und Druckerei:

Kch«kßraße Nr. 7.

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Ausplg MS den KircheudSchrr» der Stadt Gieße«.

Evangelische Gemeinde.

Gelrairte*

Johannrsgemcinde.

Den 30. Juri. Dr. Heinrich Wollbott, Lehramtßassiffor zu Lingen, und Katharina Elisabetta Cornelia Wiederholt», Tochter deS Professors Dr. Philipp Wiederhold zu Gießer.

Gelauste.

MaithäuSgemeindc.

Den 1. Juli. Dem Schuhmacher Karl Stumpf eine Tochter, Anna Margarethe, geboren den 31. Mat.

MarkuSgemetude.

Den 1. Juli. Dem Gerber Ludwig Mühlhausr ein Sohn, Heinrich Ludwig, geboren den 28. Mat.

Denselben. Dem Taglöhner Christoph Bellos ein Sohn, Johann Wilhelm, geboren den 7. April. , , , .

Den 5. Juli. Eine uneheliche Tochter, Helene, geboren den 26. Juni.

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wohl höflich, aber doch als Fremdlingen entgegengerom- men, hier werden sie als leibliche Brüder betrachtet und ! fühlen sich auch als solche. Unser Herz sagte er liebt Prag in seinem Innersten und Prag empfangt uns mit einer Liebe, wie sie nur unter Brüdern vorkommt. Em Slava" dem goldenen slavischen Prag!" Dann sprach noch Professor Kodzebas, um herzlichst zu danken fürdie Aufnahme in dem Heimatlande und den Gruß der Brudep aus Rußland zu überbringen, und schloß mit dem Ruse Vivat, floreat, crescat Cechia".

* lieber die chinesische Sprache und Schrift plaudert Wilhelm Uhlmann-Bixterheide in derRhein.-Westfäl. Zeitung": Wie die Sprachen anderer Länder, die der Wiege der Menschheit näher liegen als Europa, von ostasiatischen namentlich die birmanische und anamitische, so ist auch die chinesische Sprache einsilbig, d. h. jedes Wort drückt einen in sich vollendeten Begriff oder eine Sache aus. (Man nennt eine solche Sprache eine isolierende. D. Red.) Ein Alphabet nach unserem Begriff giebt es darum auch für dieselbe nicht. Ebenso wenig kennt die chinesische Sprache eine Umwandlung ihrer einsilbigen Wort­bildungen durch sprachliche Prozesse (deutsche Deklination: Tisch, Tisches usw., Konjugation: trug, getragen usw.) Ferner finden in ihr auch Ableitungen von einem Stammwort, wie im Deutschen z. B. bei Tisch: Tischler u. a. m. nicht statt, und werden die grammatikalischen Verhältniffe nur durch die Stellung oder Partikel ange­deutet. Das Lautsystem der chinesischen Sprache ist sehr beschränkt. Der Peking Dialekt, d. i. die nordchinesische Umgangssprache, hat rund 420 Lautkomplcxe, 1400 Silben. Die Zahl der Silben wird dadurch bedeutend erhöht, daß jede Silbe mit verschiedenen Tönen (Accents) ausgesprochen wird. Ton bedeutet hier jedoch nicht Betonung, sondern ein musikalisches Moment; die höchste Anzahl von Tönen ist 9 im Cantondialekt, dann 8 oder 7 in anderen südlichen Dialekten, während das Nordchinesische nur 4 Töne hat. Die lediglich durch die Betonung unterschiedene Mehr­deutigkeit des gleichen Lautkomplexes oder Wortes ist eine der vielen Schwierigkeiten beim Erlernen der chinesischen Sprache. Die 4 Töne des Pekingdialekts mögen hier bei­spielsweise durch das chinesische Wort Ma eine kurze Er­läuterung erfahren. Ma*, im ersten Ton gesprochen, d. h., man setzt hoch ein, die Stimme darf weder steigen, noch sinken, bedeutet Mutter; Ma? im zweiten Ton, d. h., gleichfalls hoch beginnen, die Stimme gegen das Ende der Silbe noch etwas steigern, bedeutet Hans; M im dritten Ton, d. h., tief einsetzen, etwas verweilen und dann die Stimme merklich steigern, bedeutet Pferd; Ma* im werten Tone, d. h., hoch einsetzen, etwas verweilen, die Stimme dann langsam, aber merklich fallen laffen, bedeutet schelten, schimpfen. Dies kleine Beispiel erklärt schon zur Genüge die vielfache Deutung einzelner chinesischer Wörter. Es giebt in der nordchinesischen Umgangssprache etwa 5000 bis 6000 Wörter. Die chinesische Schrift ist eine Wortschrift, d. h. eine Wiedergabe von so vielen, be-

Aus Stadt und Land.

Gießen, 9. Juli 1900.

Offenbach, 6. Juli. Eine Einbrecherbande, die I seit einiger Zeit hier ihr Wesen getrieben und mehrfach mit Erfolggearbeitet" hatte, ist vorgestern nachmittag in einer Wirtschaft in der Nähe der Mainbrücke seftgenommen worden. In der Rosenapotheke war kürzlich ein Einbruch verübt worden, ohne daß es den gestörten Einbrechern ge- I langen wäre, Beute zu machen; in der Nacht vom 1. zum I 2. Juli wurde in eine Villa in der Frankfurterstraße em- gebrochen und in der darauffolgenden Nacht in das katho- I Lische Pfarrhaus, wo Flaschenweine gestohlen wurden. | Gestern nachmittag nun kamen drei Burschen in die er­wähnte Wirtschaft, um zu zechen. Sie brachten indessen ihren Wein in einer Anzahl Flaschen selbst mit und ließen sich'S in guter Laune trefflich schmecken. Aber die Eintracht Kauerte nicht allzulange. Die Köpfe wurden heiß, bald gab I es Streitigkeiten, und diesen folgten, wie das so zu geschehen pflegt. Thätlichkeiten. DaS Treiben der Burschen war derart, daß die Polizei geholt werden mußte. Während diese mit der Ruhestiftung und Feststellung der Persönlich­keiten der Burschen befaßt war, wurden die zahlreichen Weinflaschen aus dem Tisch von den Schutzleuten als aus dem Einbruch im Pfarrhaus herrührend erkannt, und nun wurden die Burschen festgenommen. Ganz leicht war das allerdings nicht, denn sie leisteten verzweifelten Widerstand, und erst mit vieler Mühe konnten sie gefesselt und auf die Polizeiwache gebracht werden. Hier wurden sie als die | noch int jugendlichen Alter stehenden Arbeiter Roller, Bröll und Otto erkannt und nach einem ersten Verhör sofort in das Amtsgerichtgesängnis eingeliefert. (Offb. Ztg.)

Mainz, 6. Juli. Das Ministerium hat seine Zu­stimmung erteilt, daß nach vorhergegangener Klärung die Fäkalie nab fälle der Stadt Mainz in den Rhein geleitet werden dürfen. Die Klärung soll in derselben Weise vorgenommen werden, wie sie von feiten der Badi­schen Regierung der Stadt Mannheim erlaubt worden sei; es hat sich aber das Ministerium vor der definitiven Ge­nehmigung der Klärbeckenanlage die Vorlage der Pläne für diese Anlage erbeten. Die immer größere Ausdehnung der Stadt, verbunden mit der Zunahme der Bevölkerung, ferner der Umstand, daß die Verwendung von künstlichem Dünger immer bedeutender wird, daß das ungeheure Quantum der wasserhaltigen Latrine für die Landwirtschaft völlig wertlos ist und .die Stadt Mainz nahezu 40 000 Mk. jährlich ausgeben muß, um jtur die wasserhaltige Latrine abfahren zu lassen, dringen darauf hin, eine Veränderung in den bestehenden Verhältnissen eintreten zu lassen. Die Kläranlagen, welche die Stadt Mainz anzulegen gedenkt, sollen derart eingerichtet sein, daß dadurch! eine Verunreini­gung des Flußwassers nicht eintreten kann. In der nächsten Zeit wird die Stadt Mainz ein Mitglied des städti­schen Bauamtes und weitere Sachverständige nach Mann­heim, Frankfurt a. M. rc. entsenden, um die dort beste­henden Kläranlagen zu besichtigen.

Grob-Gerau, 7. Juli. .Zu Ehren des von hier nach Gießen versetzten Steuerkommiffärs Dr. M e ß l e r fand in den Räumen des GasthausesZur Krone" eine Abschiedsfeier statt. Unter den 70 Herren, die der Feier anwohnten, befanden sich fast alle hiesigen Be­amten, Aerzte, die Einschätzungskommissionsmitglieder des hiesigen Be­zirks und die Bürgermeister des Kreises« Die Feier begann mit dem durch Oberamtsrichter Hechler ausgebrachten Toast auf den Kaiser und den Großherzog. Nunmehr feierte in warm empfundener Ansprache Kreisamtmann Eckstein die vorzüglichen Charaktereigenschaften des Scheidenden, erwähnte deffen dadurch bedingte allgemeine Be­liebtheit und sein allzeit wohlwollendes Entgegen­kommen gegenJedermann. Bürgermeister Becker zollte dem Scheidenden als getreuem Nachbar und liebenswürdigem Gesellschafter gebührendes Lob. Sichtlich gerührt dankte Dr. Metzler. Bürger­meister Becker gedachte der Frau Steuerkommiffär. Bürgermeister Peter Dörr- Leeheim toastete auf den Scheidenden als das Muster eines Beamten und als treuen Freund. Zum Schluß aller Ansprachen und Toaste folgerte Bürgermeister S e n ß s e l d e r - Büttelborn aus allen gerühmten Eigenschaften des Scheidenden, daß in ihm der rechte Mann auf den rechten Platz gekommen sei. (N. Hess. V.)

Aufgebote.

Jnnk. 29. W'lbelm Schäfer, Elsenbobler in Betzdorf, mit Louise Gerth in Gießen. 30. Konrad Graulich, Fuhrmann in Gießen, mit Anna Hof Hierselbst. Juli. 2. Johann Konrad Klöber, Maler und Lackierer dahier, mit Pauline Rosine Fellrath hierselbst. 3. Paulus Jmmel, Kellner in Gießen, mit Karoline Dörr in Schwarz. 3. Louis Wetterhahn, Kau mann in Gießen, mit Jenny Haas in Darmstadt. 5 Christian Konrad Seullvg, Gefangenwärter in Mainz, mit Anna Margarethe Muhl in Beuern. 5. Karl Christian Pfeiffer, Kaufmann dahier, mit Karoline Hammel hierselbst.

«heschlietzirrrgerr.

Juni. 23. Ludwig Wilhelm Schlag, Großherzogl. Ober­förster zu ForfthauS Massel, mit Margarethe Auguste Geisel hier­selbst. 30. Dr. Heinrich Wallbott, Lehramtsassessor zu Bingen, mit Katharine Elisabethe Cornelia Wiederholt hierselbst.

Geborene.

Juni. 29. Dem Glaser Theodor Schäler eine Tochter. 29. Deur Schlosser Friedrich Schneider ein Sohn. 30. Dem Händler Fried­rich Wilhelm Keiner eine Tochter, Luise. 30. Dem Knecht Valentin Schaub eta Sohn, Wilhelm. 30. Dem Bergmann Heinrich Müller ein Sohn, Heinrich Kack. Juli. 1. Dem Maurer Philipp Peter eine Tochter. 2. Dem Gärtner Johannes Heß ein Sohn, Emil Johannes Heinrich. 4. Dem Fabrikarbeiter Jnnocenz Krack ein Sohn, Heinrich.

Gestorberre.

Juli. 2. Luise Steinbach, 4 Monate alt, Tochter von Platz­meister Konrad Steinbach dahier. 2. Gustav Seibel, 6 Monate alt, Sohn von Landwirt Gustav Seibel in Gedern. 3. Heinrich Volk, 34 Jahre alt, Wsgcnwärtcr dahier. 4. Karl Krob, 5 Monate eit, Sohn von Taglöhver Kack Krob dahier. 5. Elisabethe MoSbach Witwe dahier.

* Ein Theaterskandal. In Prag ereignete sich' am Sonntag abend aus Anlaß der Premiere vonF a - milie Wrowach" ein Theaterskandal. Die Polizeizensur hatte große Schwierigkeiten gemacht. Erst nach mehrfachen Streichungen wurde die Aufführung bewilligt. Das Haus war ausgezeichnet besucht, die Gallerie war zum Brechen voll von Sozialisten, die an roten Nelken und Rosen er- kenntlich waren. Gleich! im ersten Akt zeigte sich eine große

stampfte mit den Füßen, schrie. Mit Mühe wurde der erste I gesprochene Wörter giebt. DaS wertvollste Wörterbuch Akt zu Ende geführt. Im zweiten Akt verstärkten sich! die für bte chinesische Zeichenschrift ist das des Kaisers Kanghi. Demonstrationen. Die Sozialisten sangen auf der Gallerie | Kanghi ist der zweite Kaiser der Mandschu-Dynastie und

tschechische Sozialistenlieder, sie warfen sogar Steine und I Stinkbomben aus die Bühne. Zwei Schauspieler wurden durch Steinwürfe leicht verletzt. Dre Schauspieler boten dem Sturme Trotz; sie wollten das Spiel fortsetzen. Aber alles vergebens. Man drehte nun die Gasflammen ab. | Die Polizei arretierte die Rädelsführer. Das Theater leerte sich rasch. Im Garten erneuerten sich die Lärmszenen. Es gab ein Handgemenge zwischen den Ruhestörern und dem friedlichen Publikum. Endlich» wurde die Ruhe wieder hergestellt und mit vierzig Polizstten auf der Gallerie das Stück zu Ende gespielt. Zum Schluß brachte man den Schauspielern Ovationen. , . , y

* Eine neue panslawistische Verbrüder­ung. Seit Samstag weilen an 100 r u s s i s ch e S t u d e n - ten auf der Durchreise zur Pariser Weltausstellung in Prag Samstag abend waren sie Gaste derMestanska Beseda", wo sie Namens des slavischen Klubs von Dr. Wratislaw Cerny begrüßt wurden. Professor Staatsrat Petr erwiderte Namens der russischen Gäste, hervorhebend, daß sich diese freuten, in Prag zu weilen, um den Sitz und die Wiege der westslavischen Kultur zu sehen. Zuvor habe er die Studenten über den jetzt (!) germanischen Boden führen müssen, um ihnen zu zeigen, die Lander und Gebiete, welche dereinst von slavischen Vorfahren bebaut (!) und bewohnt gewesen, mit slavischem Blute ge­düngt (!) sind und dermalen den Kern des germapifchen Reiches, bilden anderenteils, um ihnen den Unterschied zwischen den Gefühlen und dem Enipfange tm Auslände Böhmen zu zeigen. In Deutschland sei man ihnen öflich, aber doch als Fremdlingen entgegengekom-

regterte von 16621722. Sein Wörterbuch enthält 42000 Zeichen. Zu einer gründlichen Kenntnis der chinesischen Sprachen gehört also ein ausreichendes Vertrautsein mit dieser gesamten Zeichenzahl. Indes genügen für gewöhn­liche Verhältnisse ihrer etwa 45000 zum Tagesbedarf. Aber auch diese Zahl dürfte schon ausreichend sein, manchen vom Studium des Chinesischen abzuschrecken. Die chine­sischen Silben bestehen durchweg aus einem Klaffenzeichen, deren es etwa 214 giebt, und einem phonetischen Element oder Kompliment. In jedem Wort muß ein Klaffenzeichen vorhanden sein, während das Kompliment nicht erforderlich ist. Ein kleines Beispiel zur Erläuterung dieses Verhält­nisses ist das folgende: eou3 bedeutet die H and und stellt gleichzeitig in der schriftlichen Wiedergabe das Klassenzeichen für alle die Begriffe dar, die sich aus die Hand beziehen. Darum kehrt es wieder in den Wortbildern für Finger, ziehen, stechen u. s. w. Das Zeichen für eou3 stellt also in diesem Fall das Klaffen-Zeichen dar, während das phonetische Element für die Sonderbegriffe des Ziehens, Stechens u. s. w. je in Gestalt eines zweiten Bildes zu eou3 hinzutritt. Unzählig sind die Einzelheiten, die sich noch als charakteristische Merkmale der besonderen i Wesensart der chinesischen Sprache anführen lassen. Grund­legend für die Erlernung des Chinesischen sind hauptsächlich die Werke des früheren englischen Gesandten in China, Sir Thomas Francis Wade, Teze-orh-chi Syllabary, der tn seiner Arbeit durch Walter Hillier wesentliche Unterstützung fand. Reichhaltig wie die Litteratur kaum einer anderen Sprache ist die chinesische. Die verschiedensten Wissens­gebiete sowohl wie auch die schönen Künste haben m ihr | eingehende Vertretung gefunden. Aus dem 6. Jahrhundert I v. Chr. schon datieren die umfangreichen Werke des Reli- I gionsphilosophen Kousutse. Die poetische Litteratur ist reich I an Gedichten, Romanen und Dramen. Besonders wertvoll I find auch die geschichtlichen und geographischen Leistungen.

AllSMg MS den Starchesamtsregister«