-reichen Spielkurse für Lehrer und Lehrerinnen behufs Gewinnung von sachkundigen. Leitern der Jugend-, Volksoder Turnspiele, haben bisher 3736 Lehrer und 1956 Lehrerinnen ausgebildet. Sehr erheblich ist die Zahl der Spielplätze gewachsen. Aus die 1899 an 804 Orte, die mehr als 5000 Einwohner zählen, gerichtete Anfrage haben 615, also 74,6 Prozent, geantwortet; von diesen wird das Spiel in 457 Orten gepflegt; die Zahl ihrer Spielplätze stieg im Jahrzehnt 1890/1900 von 1166 auf 2092, die Spielplatzfläche von 9 einhalb Millionen Hektar auf 18 einhalb. In Aussicht genommen oder in der Ausführung begriffen sind 108 Spielplätze. Da diese Zahlen auf privaten Ermittelungen beruhen, sind sie mutmaßlich in Wirklichkeit größer.
Sehr erheblich ist auch die vom Zentral-Ausschuß und von einzelnen Mitgliedern desselben in dieser Zeit veröffentlichte Litte r atur ; sie umfaßt die regelmäßig erschienenen Jahrbücher, den Ratgeber zur Einführung der Spiele, die Anleitung für Wettkämpfe, die einheitlich aufgestellten Spielregeln und eine Reihe von Flugschriften. Hocherfreulich ist auch die Zahl der Städte, die sich dem Zentral-Ausschuß mit Beiträgen, welche nach der Einwohner-Zahl festgestellt sind, angeschlossen haben.
Die Bestrebungen des Zentral-Ausschusses und diejenigen seiner einzelnen Mitglieder wollen aber mehr als nur das engere Gebiet der Volks- und Jugendspiele ausbauen; sie haben 'durch ihre Maßnahmen auch das Ziel im Auge, die gesundheitsfördernden Leibesübungen überhaupt zu größerem An sehen, zu höherer Wertung im Volke zu führen. Dahm gehört die Reform der deutschen Volksfeste, als belebendes Mittel für die Leibesübungen selbst, und um diese volkstümlicher zu machen; sodann die schon auf breiter Grundlage aufgenommene Arbeit, die gymnastische Schulerziehung, unbeschadet ihrer allgemeinen Aufgabe, nach den Gesichtspunkten der Wehrkraft auszugestalten, und endlich die Aufgabe, die Leibesübungen in den Dienst der sittlichen Erziehung der Jugend zu stellen. Für die Wehrkraftbestrebungen sind die leitenden Ideen in der Schrift von Dr. Lorenz: „Wehrkraft und Jugenderziehung" niedergelegt; für die sittliche Erziehung in der Schrift von Professor Dr. Koch: „Die Erziehung zum Mute durch Turnen, Spiel und Sport".
So können die Bestrebungen des Zentral-Ausschusses, mit voller Befriedigung auf das erste Jahrzehnt ihrer Wirksamkeit zurückblicken. Möchten sie weiter gedeihen/ Und so auch zu ihrem Teile dazu beitragen, für jeden ein^ feinen Gesundheit, Arbeitskraft und Lebensfreude und für die Gesamtheit ein wehrkräftiges Volk zu schaffen, das feine erhöhte Kraft gleichmäßig in den Dienst der Friedensarbeit stellt. v. Scheuckendorff.
Deutscher Kriminalisten-Tag.
Straßburg, 7. Juni.
Die Siebente Landesversammlung der Landesgruppe Deutsches Reich der! internationalen kriminalistischen Vereinigung wurde heute morgen eröffnet. Der Vorsitzende Prof. Dr. v. Mayr-München hob in seiner Begrüßungsrede 'hervor, das Bestreben der Vereinigung, die Kriminal- Politik mit einem Tropfen sozialen Oels zu durchtränken, finde in immer weiteren Kreisen Anklang. Begrüßun'gs- ansprachen hielten der elsaß - lothringische Unterstaatssekretär der Justiz Dr. Petri im Namen der reichsländischen Regierung, der Ministerialrat Schwab-Stuttgart im Namen der württembergischen, Oberlandesgerichtsrat Schlippe im Namen der hessischen Regierung, Beigeordneter v. d. Goltz im Namen der Stadt Straßburg.
Prof. Dr. v. Liszt-Berlin machte die Mitteilung, daß die nächste Gesamttagung der Internationalen krimina
listischen Vereinigung 1902 in Petersburg abgehalten werde. Gegenstand der Tagung werde das Thema: „Versuchsfragen und Erfolghaftung bei vorsätzlichen Stras- thaten" sein.
Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Frage der einheitlichen Regulierung der er ft e n juristischen Prü sun g in den deutschen Bundesstaaten. Das Referat hatte Ministerialrat Stadler-Straßburg, das Korreferat Dr. v. Liszt-Berlin übernommen. Nach mehrstündiger Debatte werden die Leitsätze des Ministerialrats Stadler mit einigen Aenderungen angenommen. Diese Leitsätze lauten wie folgt:
1. Es entspricht einem dringenden Bedürfnisse, die ersten juristischen Prüfungen in sämtlichen Bun d es st a a t en, sei es im Wege der Reichsgesetzgebung, sei es durch Vereinbarung unter den einzelnen Regierungen einheitlich zu gestalten.
2. Für die Einrichtung dieser Prüfung empfehlen sich folgende Hauptgrundsätze: a) Die Prüfung wird vor einer Kornmission abgelegt, die unter einem von der Zentralbehörde des betreffenden Bundesstaates ernannten Vorsitzenden vornehmlich aus Rechtslehrern einer Universität, nach Bedürfnis aber; auch ganz oder teilweise aus höheren Justiz- oder Verwaltungsbeamten gebildet werden kann. Erste Prüfungen finden jährlich; mindestens zweimal statt, b) Die Prüfung ist eine schriftliche und eine mündliche. Die erstere geht der letzteren voraus.
3. Bei der schriftlichen Prüfung, an der die zugelassenen Kandidaten gleichzeitig teilnehmen, werden unter gleichmäßiger Berücksichtigung des Privatrechtes und des öffentlichen Rechtes mindestens sechs Aufgaben gestellt, die möglichst in der Bearbeitung von Rechtsfällen bestehen, die in bestimmter Zeit unter Aufsicht zu erfolgen hat. Als Hilfsmittel sind Gesetzestexte und außerdem noch solche Bücher zugelassen, die dem Kandidaten besonders zur Ver-, sügung gestellt sind.
4. Der dritte Leitsatz Stadlers wird mit einigen Ab- änderungen in nachfolgender Fokin zum Beschluß erhoben: „Es empfiehlt sich«, die Dauer des Universitäts-^ st u d i u m s in den Bundesstaaten allgemein auf min- bestens 3 einhalb Jahre festzusetzen und eine Zwischenprüfung einzuführen. Die Prüfung ist von einer Kommission, welche unter einem von der Zentralbehörde erwählten Vorsitzenden aus Rechtslehrern einer Universität gebildet ist, frühestens nach! Ablauf des dritten Semesters abzulegen und hat sich vornehmlich; auf die römische Rechtsgeschichte und das System des römischen Privatrechtes, sowie auf die deutsche Rechtsgeschichte und die Grundzüge des deutschen Privatrechtes zu erstrecken. Zur ersten juristischen Prüfung ist nur zuzulassen, wer nach^ dem Bestehen der Zwischenprüfung noch mindestens drei Semester dem Studium der Rechtswissenschaft gewidmet hat".
5. Den Gegenstand der mündlichen Prüfung! bilden die Disziplinen des Privatrechjtes und des öffentlichen Rechtes, sowie die Grundlage der Nationalökonomie und der Finanzwissenschaft. Die Dauer eines Prüfungstermins, tzu dem mehrere Kandidaten berufen werden können, ist so zu bemessen, daß auf jeden Kandidaten, mindestens eine Stunde trifft.
6. Im Falle des Nichtbestehens der Prüfung ist der Kandidat nach; dem; Ermessen der Prüfungskommission für die Zeit von sechD Monaten bis zu einem Jahre behufs besferer Vorbereitung zurückzuweisen. ______
Vermischtes.
* Ohlau, 7. Juni. Gymnasial-Oberlehrer Anders, Rittmeister der Landwehr beim hiesigen Hnsaren-Regi- ment, stürzte bei einem Uebungsritt vorn Pferde, brach das Genick und war sofort tot.
♦ Der elektrisch beleuchtete Dackel. Nach • der „Postzeitung" hat sich ein edler Waidmann des Bezirkes, Hahnenkamm einen köstlichen Witz geleistet, indem er eirv neues raffiniertes Verfahren zur Jagd auf Füchse erprobte. Der Dachshund, welcher möglichst kleiner Gattung sein soll, wird mit eigens konstruierten elektrischen Glühlichtern, di« in verschiedenen Farben erstrahlen, versehen. So ausgerüstet, läßt man den Hund in den Fuchsbau. Die Wirkuna ist eine geradezu verblüffende. Die ungewöhnliche Erscheinung treibt Meister Reinecke zur sofortigen Flucht, und der Jäger hat nun Obacht zu geben, daß letztere für ihn nicht! allzu rasch bewerkstelligt wird. Der kleine, sinnreiche Leuchtapparat soll patentiert werden. Warum der ge- scheidte Dackel nicht gleich so dressiert wurde, im Fuchsbau auf dessen Bewohner eine elektrische Ladung loszulassen und so den Meister Reinecke statt durch einen unsicheren, Schuß des Jägers auf zeitgemäße, moderne Art selbst zu töten, ist schwer zu entscheiden. Dadurch würde die Geschichte jedenfalls an Glaubwürdigkeit noch viel mehr gewinnen! Aber der elektrisch beleuchtete Dackel ist immerhin eine schöne Leistung!
* Ein neues! Kaiserschiff. Speziell für den Kaiser ist, wie miqn dem „Vorw." aus Kiel schreibt, neben der „Hohenzollern" ein anderes Kriegsschiff eingerichtet worden. Es ist dies das neueste Torpedoboot, das den Namen „©(eigner" erhalten hat. Es soll der „Hohenzollern" als Tender attachiert werden, zum An- und Von- bordgehen, für Fahrten auf Flüssen und in engen und flachen, von der „Hohenzollern" nicht zu besuchenden Fjorden an der norwegischen Küste nsw. dienen. Und dieser Aufgabe gemäß ist denn der „Sleigner" eingerichtet. Das Schiff ist, abweichend von den bisherigen Torpedobooten, auf dem Hinterdeck mit einem Pavillon versehen und weiß gestrichen. — Der „Vorw." bezeichnet den Namen des Torpedoboots mit „Slei g ner". Es dürste da ein Druckfehler vorliegen und der Name des Schiffes „Slei p ner" fein. Dieser Name stammt aus der altgermanischen Sagengeschichte. Gott Odin reitet nach nordischem Mythus als Stnrmgott auf dem achtsüßigen Rosse Sleipnir mit dem tiefen Wolkenhute und dem dunkelen Himmelsmantel an« gethan.______
Jagd und Sport.
— Gin Bravonrftückchen. Der in den weitesten Kreisen be, kannte und beliebte Herrenreiter Oberleutnant Suermondt erhielt in netfloffener Woche im Wuhlhaide-Jagdrennen zu Berlin-Carlshorst von Graf Potockis Stute „Madame Paquin" einen so heftigen Schlag gegen das Schienbein, daß er sofort abfioppen mußte. Aber die eiserne Kon- stitution des hessischen Dragoners, die in Sportkreisen fast sprichwörtlich geworden ist, kam doch wieder zum Durchbruch, denn im Landsberg- Jagdrennen war Oberleutnant Suermondt von neuem im Sattel. Wiederum erlitt er einen Unfall, der sogar sehr böse aussah, denn er kam am Carlshorster Sprung mit „Kilimandscharo" zu Fall. Diesmal trug er an Schultern und Armen schmerzhafte Kontusionen davon, aber nichtsdestoweniger steuerte er eine halbe Stunde später im PichelSbrrger Jagdrennen den „alten Roll" zum Siege, obgleich er nur einen Arm ungehindert gebrauchen konnte. Das Publikum spendete diesen Bravourstücken lauten Beifall.
TOR.IL
Bchntemarke. Fleisch - Extract
h aus bestem Ochsenfleisohmit löslichem nährende®
Fleisch-Eiweiss übertrifft trotz billigeren Preise» ’ 1 \ 4 ane Liebig’schen Extracte an Ntbrkraft und Wohl-
ÄfW' >. geschmack und ist in allen besseren Drogen-, Deli- catessen- u. Colonialwaaren-Handlungen zu haben.
Bekanntmachung.
Die diesjährige GraSerute von Wegen und Schneisen im Gießener Stadtwald soll
Dienstag den 12. Juni d. I, vormittags IO1/» Uhr, im Hose bei der Bürgermeisterei, Garteustraße 2, öffentlich versteigert werden.
Die Großh. Bürgermeistereien der umliegenden Orten werden ersucht, die» in den dortigen Gemeinden bekannt machen zu lasten.
Gießen, den 6. Juni 1900.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 4005 Gnauth.
Für Landwirte!
Die Stadt Gießen läßt Mittwoch den 13. Juni d. I, nachmittags 2 Uhr, folgende Gegenstände in der Hofraite „Zum Pfau", Marburgerstroße 66, öffentlich meistbietend versteigern:
1 großen und 2 kleinere kupferne Kessel,
40 steinerne Krippen (0,80 bis 1,69 m lang),
7 steinerne Tröge (1,86 bis 2,34 m lang).
Gießen, am 2. Juni 1900. 3940
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth.
Vor den bevorstehenden Soininerreisen empfehlen wir dringend, Hausmobiliar und Wertgegenstände gegen 2988
Einbruch und Diebstahl b-i b« Aachener und Münchener
Feuer-Versicherungs - Gesellschaft
zu versichern. Die Bedingungen sind liberal und frei von Härten. Conpon-Policen für Haushaltungen bis zum Werte von
Hk. 10,000 Jahresprämie Mk. 5.—
„ »0,000 dto. „ 10.—
„ 30,000 dto. „ 15.—
Prospekte werden auf Wunsch kostenfrei zugesandt. Auskunft erteilt Louis Wittich, Kwxtagkut, Kghllhasstrsßk 27, Me W-Ikenz-sse.
Ö: III ji feil In II Olli
Prima neue
Mjer-jleriiise
eingetroffen. 3870
H. F. Nassauer
Hekephou 92. Werrenroeg 15.
Eier
57, und 5 Pfg.
II. Arnold II., _________Marktüratze »8. 3097 Günstige Gelegenheit für Wirte!
Franz. Capern prima Ware per Pfd. 1,40 Mk. so lange der Vorrat reicht, empfiehlt Fh. Herrmann, ______Scltersweg 38. 4026 Cigarren.
Durch große Einkäufe bin ich imstande, vorzügliche Qualitäten in jeder Preislage zu liefern. 2064
Bei Abnahme von Vio, 8/io u. s. w. entsprechende Ermäßigung.
CiMeNen und Tabake.
Ferd. Schott,
Bahnhofstraße, Ecke Wolkengasse.
Grabmonumente-Geschäft
F. Hofmeister,
Frankfurt a. M.
Entwurf und Ausführung styl voller Grabdenkmäler.
Illustrierte Kataloge gratis und franko.
Dem Katalog ist beigegeben: 3520
Mitteilungen über zu Denkmälern geeignete dauerhafte Steinarten, über Inschriften, Grabanlagen etc.
Steinbildhauerei. Marmor- und Syenitwerk.
Gegründet 1864. Prima Referenzen. Fernspr. 751.
^HEINRICH LANZ, Mannheim}
Grösste und bedeutendste Fabrik Deutschlands für
mit oder ohne Garbenbinder, Strohpressen oder Stroh-Elevatoren.
i lllustrirte Kataloge, ebenso Slawen etc. für neuzogröndende Genossenschaften kostenfrei. J
Lokomobilen
Dampf- Dreschmaschinen and
L


