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Nr. 133 Drittes Blatt.______Sonntag den 10. Juni
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Der südafrikanische Krieg und feine handelspolitischen Konsequenzen.
Jni „Deutschen Handelsmuseum" erörtert H. C. N e b e l die handelspolitischen Konsequenzen des Burenkrieges. Er schildert zunächst aus seinen persönlichen Erfahrungen in Natal hie schwierige Situation, in die der deutsche Kaufmann dort nadh dem bekannten Krüger-Telegramm des Deutschen Kaisers geraten war, und legt dar, wie der Vurenkrieg im wesentlichen aus handelspolitischen Motiven beider Parteien zu erklären ist. Auf der Seite der vuren war in dem ganzen gewaltigen Konkurrenzkämpfe jedoch von Anfang an der Mann zu vermissen, der für die kulturelle Entwickelung Südafrikas Cecil Rhodes hätte ersetzen können:
„Der Mann existiert nicht, aber auch das große handelspolitische Zielbewußtsein fehlt den vereinigten Buren, T finkandern und Deutschen, aus dem Männer wie Cecil Rhodes erwachsen, die bei aller Skrupellosigkeit oder viel- lkicht gerade durch diese ihrem Lande mehr nützen, als Nutzende hervorragend gewissenhafter Büreaukraten es je vermöchten. Es fehlt das System, in der Kriegsführung sowohl wie in der Handelspolitik, das wird jeder Exporteur zugeben, der sich! heute trotz allem Gezeter der ^mtinen- ralen Presse von den Beziehungen zu England unendlich viel mehr verspricht als von dem schönen Idealismus seiner Landsleute."
Die Burenpartei erscheint in Nebels Ausführungen Aierhcrupt in einem ganz anderen Lichte, als man sie bei den Anglophoben des, europäischen Kontinents hat sehen wollen:
„Hätte sich die Burenpartei geeint, hätte sie wirtschaftlich und politisch die Organisation gefunden, die der hohe Sratulant sich seinerzeit erwartet haben mochte, die Dinge legen heute vollständig anders. Auf der Basis einer solchen Organisation wäre es Deutschland möglich gewesen, auch weiterhin die feste Hand und den starken Arm zu bieten, Handelsverträge mit den Republiken, speziell mit Transvaal hätten eingeleitet werden können, die Delagoa-Bai wäre den Buren wie eine reife Frucht in den Schoß gesellen, England wäre zu weit größerer Bescheidenheit genötigt gewesen, und nicht nur sich, auch dem europäischen Kontinent hätte das kleine Bauernvolk und sein starker -Anhang in Südafrika einen nicht zu verachtenden Dienst geleistet. Statt Cecil Rhodes aber wäre dann in Berlin viel ^freudiger, auch vom deutschen Volke begrüßt, der Mann empfangen worden, der das geistige Haupt der Gegenpartei dcrrgestellt hätte.
So aber hat man Gott sei Dank an maßgebender Stelle tri Deutschland zeitig genug erkannt, daß man sich ge- Muscht über das, was man von der Burenpartei erwartet hatte. MaN hat den vollständig richtigen Weg einer wohlwollenden Neutralität gegenüber England einge- Magen und von Regierungsseite aus diesen Weg auch durch geführt. Daß das deutsche Volk seinem Herrscher diese Politik erschwert hat, wird nicht hindern, daß es ihm
doppelt dankbar für seine weitsichtige Führung sein wird, sobald die Erkenntnis der wirklichen Verhältnisse da Platz gegriffen hat, wo bisher blinder Burensanatismus die Fahne schwang.
Nachdem man erkannt hatte, daß dieser Krieg aus wirtschaftlichen Konflikten entstanden, hätte man zeitig erwägen müssen, wo für Deutschland die wirtschaftlichen Vorteile liegen. Wer Recht hat in diesem Kampfe, wird sich immer nach dem Standpunkt entscheiden, auf den man sich stellt. Wäre die Burenpartei im stände gewesen, das zu leisten, was man von ihr erwartete, so wäre es zu einem Kriege überhaupt nicht gekommen, weil die Engländer sich gesagt hätten, daß ein solcher aussichtslos war. Die Buren und ihr Anhang stellen numerisch die stärkste weiße Bevölkerungsklasse in Südafrika dar, als eine gut organisierte Partei mit eigener Initiative hätte man sie gefürchtet. Aber ebensowenig wie der alte Joubert jemals ein genialer Feldherr war, ebensowenig übersah Paul Krüger, um was es sich eigentlich im Kampfe gegen die Uitlänoer handelte, und keiner, keiner war vorhanden, der eine scharfe Direktive gegeben hätte. Die ganze Politik der Buren bestand in dem Grundsatz, daß Nehmen seliger sei als Geben, das konnte jeder überreichlich erfahren, der in der Zeit nach, dem Jameson-Einfall in Johannesburg seinen Wohnsitz pufgeschlaaen hatte.".....
„Paul Krüger ist der Bur vom alten Schlag. Die jüngere Generation ist schon etwas beweglicher. Bei den Afrikandern ist sogar ein gut Teil Initiative vorhanden. Viel zu spät freilich versuchen sie jetzt, sich von dem englischen Einfluß zu emanzipieren, und wieder geschieht der erste Schritt auf handelspolitischem Gebiet. Den neuesten Meldungen zufolge gründen sie jetzt holländische Handelszentren, stellen ihre eigenen Aerzte und Sachverwalter an und etablieren so aparte Gemeinwesen. Das war es, was Deutschland vor einigen Jahren von der Burerrpartei erwartete, daß sie aus eigener Kraft dem englischen Handel den Boden in Südafrika entziehen sollte, um Platz zu schaffen für deutsche Erzeugnisse, für deutschen Gewerbefleiß, für deutsche Abnehmer ihrer Rohprodukte. Für diesen direkten Verkehr mit Transvaal wäre dann viel- leicht auch Deutschland geneigt gewesen, den Buren die Delagoa-Bai zu verschaffen, den Zugang zur See. Aber als Paul Krüger seinerzeit derartige Gründungen versuchte, da machte er furchtbar Fiasko; lag es an ihm, lag es an seinen Buren, das ist heute fast gleichgiltig, wo man sich, an den Gedanken wird gewöhnen müssen, daß die Burenpartei ausgespielt hat, weil ihr zur rechten Zeit bien rechte Mann gefehlt hat.".....
„Für die deutsche Handelspolitik ergiebt sich die Konsequenz, mit den neuen Verhältnissen zu rechnen, will sie nicht von neuem übergangen und geschädigt werden. Für uns giebt es noch genug friedliche Arbeit zu thun, die sich fernab von dem Geschrei eines fanatisierten Pöbels vollzieht. Schritt für Schritt werden wir auf dem Wege der Konkurrenz die englischen Rivalen verdrängen, ihnen Absatzgebiet um Absatzgebiet abnehmen, auch ohne daß
wir sie durch kleinliche Schmähungen verletzen. Wir werden? uns auf handelspolitischem Gebiet von ihnen emanzipieren^ auch ohne daß wir sie mit großem Geschrei auf diese Absicht aufmerksam machen. Speziell in Südafrika aber werden wir unsere Absatzgebiete criveitern können, auch ohne mit ihnen in Konflikt zu geraten. Sollte den Afrikandern der Kapkolonie eine kommerzielle Emanzipation glücken, dann werden sie ohnehin auf Deutschland angewiesen sein. Die Depression, die der englische Handel durch den Krieg, erlitten hat, die Lücke, die dadurch im Welthandel entsteht, wird durch Deutschland ausgefüllt werden, selbst wenn nicht jeder gute Deutsche es für seine Pflicht hält, itt rüdester Weise gegen die Engländer loszuziehen, die uns mindestens ebenso stammverwandt sind wie die Buren, sicher aber mehr als die Nachbarn int Norden und Westen, denen der Engländerhah in Deutschland wohl die schönste politische Freude ist, die ihnen das neue Jahrhundert in den Schoß werfen konnte/"___________________________
StreWse durch die Pariser Wkltausstelluug.
Von PaulLindenberg.
(Nachdruck verboten.)
IX.
Die Paläste der Iuvattden-ESplauade. — Ihr reicher Inhalt. — Die französische Porzellan- und Glas-Ausstellung. — WaS Sövres leistete. — Das auswärtige Kuustgewerbe. — Die verschiedene» Staaten.
Wer Paris kennt, weiß, daß ein großer Reiz des! Straßenbildes der schönen Stadt in den wirkungsvollem Perspektiven besteht, in prächtigen baulichen und manu- mentalen Abschlüssen der Straßenzüge, bald durch ein Denkmal, eine Kirche, ein Triumphthor, ein öffentliches Ge-, büude. Auch auf der Weltausstellung ward dies in glücklichster Weise übertragen; in den verschiedenen Teilen des mächtigen Ganzen findet das Auge stets einen hervorragenden Ruhepunkt, der bei der Jnvaliden-Osplanade, der nlnfer heutiger Besuch gilt, durch das langgestreckte, altersgraue Jnvalidenhaus mit seinem von gewaltiger, goldschimmernder Kuppel gekrönten Dom, in dessen feierlicher Gruft der erste Napoleon den letzten Schlaf schlumi mert, gegeben war.
Wundervoll in ihrer pritnkenden und festfröhlichem Vereinigung zugleich wirken die Bauten dieser Jnvaliden- Esplanade, wenn man sich ihnen von der Alexanderbrücke her nähert; rechts und links öffnen sich mit hochgewölbten. Portalen die Haupteingänge zu den beiden langen Reihen der weißleuchtmden Paläste, die leider ein Zuviel des dekorativen, übermodernen Beiwerks erhalten haben, während, ihre künstlerische Ausschmückung mit allegorischen Skulpturen und Gemälden wiederum eine vollendete ist. Die Augen wissen kaum, wohin sie blicken sollen, soviel wird» ihnen plötzlich geboten: Bogen und Hallen, säulengetra- gene Galerien mit Wänden in pompejanischem Rot, zierliche Türme, Wappen und Fahnen, Gemälde und Gruppen
Berliner Brief.
(Plaudereien aus der Kaiserstadt.) (Nachdruck verboten.)
Pfluasttrubel an der Spree. — Leiden und Freuden in Pots- dam. — Der Fahnenwald auf den Köllnischen Wiesen.
Was die Wirte in den Wald- und Wasserschünken um Spreebabel herum zu Himmelfahrt eingebüßt haben, weil es damals „Strippen" regnete, das hat ihnen das Psingst- feft reichlich wieder eingebracht, denn das wunderbare Feiertagswetter hatte alles hinausgelockt, „was nur kriechen konnte", und die Stadtbahnzüge tote die Wagen der Straßenbahnen, die mit drei, vier Anhängewagen fuhren, wurden zu manchen Zeiten geradezu gestürmt von den tvanderlustigen Berlinern. Ein rechter Lenzglanz lag über der großen nüchternen Stadt. Die unzähligen Balins waren mit Birkenreisern geschmückt, ebenso die in der Frühe die Stadt durchrollenden Milch- und Bierfuhr- ttNfrfe, und Festfreude und Feiertagsstimmung glänzte auf Men Gesichtern, wenigstens in der Frühe, vor den ver- scbiedeutlichen Gilka's, Mampe's und anderen Magen- tarkern Ueberall waren Frühkonzerte in den Biergärten' due ein dankbares Publikum fanden. Nur in Zehlendorf, ba5 sich anscheinend nach dem Ruhme Schildas sehnt war tiS bet Sonntagsruhe wegen nicht erlaubt worden. Hoffentlich haben die Amseln und Finken, die so lustig in den Zehlendorfer Gärten zwitscherten, als wir in der Frühe fort durchwanderten, am Dienstag fern Strafmandat be-
Leider fehlt auch dem sonnigen Bilde des diesjährigen Berliner Pfingsten der Schatten nicht. Wie noch in jedem) Wirre hat auf der Spree wieder ein Zusammenstoß von ein paar Booten stattgefunden, dock) wurden die Insassen des »mgeschlagenen Fahrzeugs alle gerettet. Schlimmer er
ging es zwei armen Jungen von 15 und 16 Jahren, die ein Floß auf einem der um Berlin herum so zahlreichen Teiche bei Tempelhof benutzten. Das Floß kippte um und die des Schwimmens Unkundigen versanken vor den Augen' ihrer Kameraden in den tückisch-tiefen Teich. Sie konnten nur als Leichen geborgen werden. Auf dem Wamksee hat sogar ein Schiffs brand stattgefunden, auch hier kamen die Insassen des Dampfers, dessen Benzinbehälteri explodierte, mit dem bloßen Schrecken davon. Die Damen und Herren, Gäste eines begüterten Anwohners des Wannsees, wurden von der „Vineta", einem Dampfer der „Stern"-Gesellschaft, geborgen. Auch der Kaiser, der mit seiner „Alexandra" auf dem Mannsee kreuzte, fuhr sogleich auf das gefährdete Fahrzeug zu, fand aber, schon alles nötige gethan. Er sah dem Schauspiel des Schiffsbrandes eine lange Zeit zu und besichtigte danach die Segelboote, die in allen Größen und Bauarten auf dem herrlichen Wannsee verankert liegen. Die Kaiserin überraschte am selben Nachmittag die Menschenmassen, die im Park von Sanssouci flanierten und sich an der Pracht der springenden Wässer erfreuten, indem sie auf einem leichten Gefährt, mit einem Spitzenreiter voran, in den belebtesten Parkwegen auftauchte. Natürlich wurde sie freudig begrüßt und dankte in ihrer schlichten, herzgewinnenden Art. Manch einer erkannte sie zu spät, weil ihr Erscheinen, zumal in dieser fast bürgerlichen Art, von niemand erwartet worden war. Uebriaens kleidet sie das vollständig ergraute Haar, das ihr blühendes Antlitz in' einem seltsam anmutigen Kontraste umrahmt, ganz vortrefflich. Sonst bot Potsdam in der brütenden Schwüle, die auf den Straßen und Plätzen lag, wenig angenehmes. Alle Lokale waren überfüllt und fast überall wurde man so herzlich schlecht verpflegt, daß man das schöne Berlin mit den guten Wirtsküchen in allen Tonarten loben hören konnte. „Potsdam habe ick im Magen!" erklärt entrüste»
ein Urberliner, dessen Umfang allerdings auf tiefes kulinarisches Verständnis schließen lassen konnte. „Det is aber ooch alles, wat ick hier vor mein Jeld in ’n Magen gekriegt habe!" Der Mann fuhr mit dem nächsten Stadtbahnzuge nach Berlin zurück, um — Abendbrot zu essen.
Eine ganze Reihe von Berliner Familien kleinbürgerlicher Art braucht sich übrigens nicht in das Gewühl den Ausflügler zu mischen, weil ihnen während der Festtage kein lieberer Aufenthalt denkbar ist, als das eigene kleine Gärtchen mit der regensicheren Laube darin, in der man: Kaffee kochen, zur Not auch ein Rührei aufschlagen kann und wo für das immer vorhandene Flaschenbier womöglich ein kleiner, ganz kleiner Keller angelegt worden ist. Diese, winzigen Gärten findet man um Berlin herum in ganze»; Kolonieen. Auf den Köllnischen Wiesen am Schlesischen Busch und Treptower Park ragen Hunderte der kleinen, meist flirün gestrichenen Hüttchen auf, die sich zu richtigen Vergnügungsgemeinden zusammengeschlofsen haben. Zum Pfingstfest nun hatte jede der Kolonieen an hohem Maste eine Flagge in den von ihren Insassen erkorenen Farben flattern; auf jeder der Lauben aber wehte wieder ein Extra- Fähnchen, und eine jede prangte in anderen Farben und Wappenzuthaten. Dort ist eben jeder ein kleiner König wit eigenem Reich und kann sich daher auch eigene Landes- färben leisten. Der Anblick dieser bunten, vom Lenzwinde geblähten Wimpel und Fähnchen war so originell, daß die zahllosen Passanten samt und sonders ihre Helle Freude daran hatten. Mir aber fielen die Verse Gottfried Kellers aus seinem Gedichte „Berliner Pfingsten" ein:
„Auf und laßt die Fahnen wehn. Lustig ist das Leben!"
Der Schalk meinte freilich noch andere Fahnen — »nfe die wurden am zweiten Pfingstfeiertag denn auch überall — in Halensee und Wilmersdorf rc. weidlich geschwenkt.
A. St.


