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Rr. 34 Zweites Blatt Samstag den 10. Februar
1900
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* England und Frankreich.
Gießen, den 9. Februar 1900.
Die Abreise des englischen Botschafters in Paris, Mr. Monson, nach der Riviera beschäftigt die politische Welt in hohem Grade, umsomehr da Mr. Monson in Privatge- fprächen gar kein Hehl daraus gemacht hat, daß verschiedene Vorkommnisse, insbesondere die Dekorierung des bekannten Zeichners Löandre, welcher durch seine Karrikaturen der Königin Victoria die englische Empfindlichkeit wiederholt verletzt hatte, nicht dazu angethan waren, ihn in der französischen Hauptstadt zurückzuhalten. Wir sind weit entfernt davon, den Vorgang als ein Anzeichen bevorstehender ernster Verwickelungen zwischen England und Frankreich «nzusehen, aber es erscheint doch angebracht, einmal das gegenwärtige Verhältnis der beiden Länder zu einander zu beleuchten.
England und Frankreich sind Rivalen im Mittelmeer und neuerdings in Afrika. Die egyptische Frage ist s. Zt. ganz im Sinne Englands gelöst worden, aber sie sollte nicht definitiv erledigt sein, und einer endgiltigen Regelung erst noch entgegengehen. Dem aber sucht England aus dem Wege zu gehen, weil es unter allen Umständen dabei verlieren und sein Uebergewicht in Egypten einbüßen würde. Man hat schon vielfach die Aufrollung der egyptischen Frage angeregt, aber die Sache erscheint so schwierig und läßt so viele Komplikationen befürchten, daß England noch immer im alten Pharaonenlande dominiert. Wie heikel die Angelegenheit angesehen wird, geht daraus hervor, daß Frankreich es nicht riskiert, allein die Aufrollung anzuregen oder gar ins Werk zu setzen, es würde dies vielmehr nur mit Hilfe Rußlands thun, das aber vorläufig noch keine Lust gezeigt hat, für den „Alliierten" die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Deshalb wird wohl vorläufig noch alles beim alten bleiben.
Aber auch im Innern Afrikas sind die beiden Länder mit ihren Interessen in Kollision geraten. Ingrimmig ballen noch heute die Franzosen ihre Hände und murmeln: „Rache für Faschoda!" ES bleibt immer anzuerkennen, daß die französischen Staatsmänner der englischen An maßung am oberen Nil gegenüber so ruhig und zurückhaltend blieben, sonst hätte ein ernster Konflikt nicht vermieden werden können. Aber in Frankreich steht man schon seit langem im Banne der kommenden Weltausstellung, deren Gelingen alle anderen Interessen untergeordnet wer
den, und die Frage: „Wird der Prinz von Wales auf der Ausstellung erscheinen?" ist für die Franzosen zurzeit bedeutungsvoller als manche andere hochpolitische Angelenheit. Deshalb hat auch die eingangs erwähnte Abreise des englischen Botschafters von Paris stark verschnupft, und eS wird an Bemühungen nicht fehlen, die Engländer wieder auszusöhnen.
Daß man in Frankreich den Engländern nicht recht traut, ging aus der Meldung hervor, die französische Regierung sende Verstärkungen nach Madagascar, um diese Insel vor einem britischen Handstreiche zu schützen. Wenn auch jene Nachricht wohl kaum richtig war, so gab sie doch dem Mißtrauen Ausdruck, welches an der Seine fortgesetzt herrscht. Denn Gegensätze sind zwischen beiden Ländern vorhanden, und die Interessen kreuzen sich vielfach. Aber sowohl England als auch Frankreich werden den jetzigen Augenblick nicht für geeignet halten, diese Interessengegensätze auszukämpfen, und so dürften denn auch aus der Abreise MonsonS vorläufig keine weitere Komplikationen zu erwarten sein.
* Vom Kriegsschauplatz.
Dor dem Tugela hat sich wieder einmal ein undurchdringlicher Schleier zusammengezogen. Man ist in England diesen Zustand der gänzlichen Nachrichtenstockung bereits gewöhnt und hat ihm auch schon einen Namen beigelegt, man nennt ihn
the Baller Mystery.
Was ist nun das neue Geheimnis des Generals Buller? Die Meldungen, daß er in der Nacht zum vorigen Freitag den Tugela mit seinem ganzen Train wieder überschritten habe, mit dem Buren im Kampfe liege und sich den Weg nach Ladysmith gesichert habe, hat das offiziöse „Bureau ReutcrS" alsbald als eitel Reporterphantasien erklärt. Trau, schau, wem? fragen wir mit der „Köln. Ztg." und antworten mit ihr: Sicherlich nicht den offiziösen britischen Kriegsberichten. Das gilt auch in England bereits als Erfahrungssatz, und deshalb hält man trotz aller Ableugnungen vorläufig an der Ansicht fest, daß am Tugela wieder etwas im Werke sei. Nachdem sich aber Bullers Versprechen, seine Leute am Montag in Ladysmith einziehen zu lassen, nicht bestätigt hat, ist es bei dem Mangel jeglicher zuverlässigen Nachricht unmöglich, auch nur mit annähernder Wahrscheinlichkeit zu sagen, ob General Buller abermals
eine weitausholende Bewegung von Westen her plant, ob er nördlich von Potgieters Drift anzugreifen gedenkt, oder endlich, ob er, gestützt auf die Zuversicht, daß die Besatzung von Ladysmith sich noch weiter halten kann, damit rechnet, daß der Vormarsch derBrit en imNordender Kap- kolonie genüge, um den Druck auf Ladysmith aufzuheben und eine solche Anzahl Buren nach dem Süden des Freistaates abzuziehen, daß er dann mit mehr Aussicht auf Erfolg dem erheblich geschwächten Feinde gegenüber seinen Entsatzversuch erneuern könnte. Es bleibt aber doch sehr zweifelhaft, ob nun die Buren sich sobald dem Wunsche ihres Gegners fügen und von Ladysmith ablassen werden. Wahrscheinlicher ist daher, daß General Buier dieser in ziemlicher Ferne liegenden Möglichkeit nicht vertrauen, sondern nochmals versuchen wird, mit bewaffneter Hand seinen Zweck zu erzwingen. Die vielen, bereits mitgeteilten Anzeichen, die für diese Wahrscheinlichkeit sprechen, werden vermehrt durch ein Telegramm des Berichterstatters der „Morning Post", Winston Churchill, der vom 3.Februar aus Spearmans Camp meldet, dort sei der Glaube allgemein, daß alles auf den „Ausgang der kommenden Schlacht" wie auf die letzte Karte gesetzt werde. Er hielt also am Samstag einen neuen Kampf für unmittelbar bevorstehend und fügte hinzu: „Während der bevorstehenden Bewegungen wird jedoch wahrscheinlich nicht gestattet werden, daß Preßtelegramme von hier abgehen, aber unsere Landsleute daheim müssen vertrauen, daß um ihretwillen und für das tapfere und duldende Ladysmith hier versucht werden wird, das beste zu thun." Vermutlich wird daher erst die amtliche Meldung über den Ausgang des Kampfes den Schleier zerreißen, in den die Zensur auch dieses neue Geheimnis des Generals Buller gehüllt hat.
In Brussel trafen Telegramme aus Prätoria ein, nach denen die Buren die Position von Bestershill vor
Ladysmith
gestürmt und eine große Kanone nebst zwei Munitionswagen erbeutet hätten, und aus dem Burenlager von Modderspruit bei Ladysmith meldet das „Reuter'sche Bureau" unter dem 5. Februar, anhaltendes Geschützfeuer sei seit früh 5 Uhr im Gange. Dann und wann werde der Donner des „langen Tom" gehört. Das Feuer dauere fort. Diese Meldungen sehen jedenfalls nicht so aus, als ob die Buren die Belagerung aufgeben wollten.
Feuilleton.
Stthart tzanptmann's MensM „Sdjluih und Jan".
Bei keinem modernen Dichter sind die Vielheit der Form und die Einheit des Wollens so stark ausgeprägt, wie bei Gerhart Hauptmann. Immer wieder findet er für seine dramatischen Werke eine neue Einkleidung,, so hart sich auch oft im Raume die Ideen stoßen mögen. Sie alle aber verbindet die Einheit des Wollens. Es ist der Generalnenner seines Wesens, dem Tragik und Humor in gleichem Maße dienstbar gemacht werden.
Nachdem der Dichter im „Fuhrmann Henschel" ein ergreifendes Menschenschicksal gestaltet hat, das an der Enge seiner Anschauungen zu gründe geht, lockte es ihn wieder, in das Reich des Humor einen Ausflug zu unternehmen. Wie damals, als er auf „Hannele", die Traumdichtung von dem gepeinigten Waisenkind, die köstliche Satire des „Biberpelz" folgen ließ. So ist jetzt nach dem „Fuhrmann Henschel" das Possenspiel „Schluck und Jau" entstanden. Ein sonderbarer Titel, wird mancher denken, der die beiden Namen zum erstenmal vernimmt. Und doch ist eigentlich schon in ihnen der Schlüssel zu dem Werke selbst enthalten. So wie man aus Rautendel, dem holden Elfenkind der „Versunkenen Glocke", mühelos das Anagramm Edelnatur herausgefunden hat, kann man aus den beiden Namen Schluck und Jau die Worte Schlau und Schlucker herauslesen. Es handelt sich nämlich um die merkwürdigen Schicksale zweier armer Schlucker, die Plötzlich zu hohen Ehren gelangen, indem ihnen von einer zu lustigen Streichen geneigten Gesellschaft vorgegaukelt wird, sie seien Herren eines Schlosses. Und damit ist auch die Deutung des anderen Namens gegeben. Denn denselben Vorwurf hat<Shakespeare an der Person des Kesselflickers Christoph Schlau im Vor- Ipiel zu der „Zähmung der Widerspenstigen" behandelt.
Der Stoff ist noch älter und nicht die Erfindung des englischen Dramatikers, sondern Gemeingut der Welt- nniV mur; begegnet er dock) schon in den Erzählungen von 1UU1 Nacht, wo sich Harun al Raschid, der von der Sage
reich umsponnene Kalif, eines armen Schäfers zu solchem Spiel der.Verwandlung annimmt. Und der Stoff hat auch sonst mannigfache Bearbeitung gefunden. So hat ihn der dänische Lustspieldichter Ludwig Holberg (1684—1754) fruchtbar genug gehalten, um ein fünfaktiges Lustspiel „Jeppe vom Berge oder der verwandelte Bauer" darausj zu gewinnen. Aber für uns lebt er nur noch in Shakespeares Lustspiel fort, obwohl dieses heutzutage bei Ausführungen der „Zähmung der Widerspenstigen" meist unter den Tisch zu fallen Pflegt. Hauptmann hat offenkundig hieran angeknüpft; ja er hat gar kein Hehl daraus gemacht, daß ihm Shakespeare die Anregung darbot, indem er ihm das Motto für seine Dichtung entnahm. Freilich wußte der große Brite wohl, warum er diesen Stoff nur zu einer übermütigen Schnurre verwandte. Für ein ausge- sührtes Lustspiel schien er ihm nicht eraiebig genug. Der .moderne Dichter ist den Spuren Holbergs gefolgt und schlug die überlieferte Fabel zu einem abendfüllenden Theaterstück breit. Zu diesem Zwecke hat er dem eigene lichen Helden Jau einen Kameraden in der Figur des Schluck au die Seite gestellt. Diese Erweiterung und Bereicherung ist ihm jedoch nicht sonderlich zum Vorteil aus- geschlagen, denn der eine Vagabund muß zu Gunsten des andern streckenweise zurücktreten. Im übrigen ist der überlieferte Inhalt kaum angetastet worden. Höchstens ist in die höfische Gesellschaft die eine und die andere Person aus freier Erfindung eingefügt worden. Aber gerade diese Figuren vermochte der Dichter nicht mit neuem Leben auszustatten. Sie sind nur obenhin gezeichnet und erheben sich nicht zu vollsaftigen, mit individuellen Zügen bärge-, stellten Gestalten. Dagegen hat sich Hauptmanns Meisterschaft an den beiden Tagedieben Schluck und Jau, den sauflustigen Kumpanen, aufs glänzendste bewährt. Nicht nur, daß er ihnen äußerlich den schlesischen Dialekt seiner Heimat lieh, er hat sie fest auf die Beine gestellt und in Schluck eine Art humoristisches Gegenstück zu Hannele gezeichnet. Wie Hannele ist auch dieses neue Werk eine Traumdichtung, in der sich Poesie und Realismus aufs innigste verquicken. Das Leben ein Traum — der Traum ein Leben. Die Verbindung von Schein und Sein bildet ja ein Lieblingsthema der modernen Dichtung.
Eine von der Jagd heimkehrende Gesellschaft findet am Thor des Schlosses zwei sträflich angezechte Burschen. Der Fürst Jon Rand ist über dieses unerquickliche Schauspiel Höchst aufgebracht Kind -droht ernstlich Mit seinem Groll. Jau lallt in schwerem Schlummer; Schluck vermag sich eben noch aufrecht zu Halter: und ergötzt die zu Fopperei aufgelegten Höflinge durch feine anastbeklommenen Antworten. Auf den Vorschlag eines besonders heiteren WaidmanneS werden die beiden Spießgesellen ins Schloß geschafft, wo man sich einen vergnügten Tag mit ihnen gönnen will. Sobald nun Jau aus seinem Rausch erwacht, findet er sich in seidenem Bette, mit seidenen Kleidern angethan, von Dienern in Sarnrnt und Seide umgeben, die nur seines Winkes harren, und ihm den köstlichsten Tokayer darreichen. Anfänglich hält er die Mummenschanz für die Nachwehen seines Rausches, und sein ernüchterter Verstand! kann sich nicht sogleich in die ungewohnte Sage und in die ungewohnte Rolle finden. Als er jedoch die Krone auf seinem Haupte fühlt, schwinden ihm allmählich die letzten Zweifel. Und der Leibarzt klärt ihn dahin auf, er müsse nur einen schweren Traum gehabt haben, denn es sei heute wie jeden Tag. Da ihm die Diener nur mit Durchlaucht und Fürst anreden, macht er auch nicht länger böse Miene zum lustigen Spiel, sondern schlüpft hurtig in die bereit gehaltenen Gewänder und trägt den Hermelin „jeder Zoll ein König". Natürlich verleugnet sich seine leibbäuerliche Anlage nicht. Er findet Gefallen an den Freuden der Tafel, schlingt die leckeren Speisen gierig hinunter und kneipt nicht minder tüchtig Wein, als er sich gestern hüt Branntwein vollgetrunken hat. Sehr ergötzlich ist es, wie er die Höflinge tyrannisiert und wie er sein Herrschertalent entdeckt. Schon Holberg hat sich diesen nahe liegens den Gedanken nicht entgehen lassen und ihn in feinem. Epilog also formuliert:
„Giebt man das Regiment den Handwerksleuten, Bauern, Bald unter ihrem Druck dann müssen alle trauern;
Tyrannen sieht man nur, Gerechtigkeit muß fort, Und einen Nero trifft man gleich an jedem Ort."
Dem modernen Dichter wäre es ein Leichtes gewesen, hier Satire einträufeln zu lassen, doch hat Hauptmann daraus verzichtet. Jau offenbart aber auch bessere triebe, toenrc


