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Samstag den 10 Februar
Erstes Blatt.
1900
Anrts- unb Anzeigeblcrtt für bett Ütek Mefzen.
AkjUflsprcis vierteljährl. Mk 2,26 monatlich 76 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestelle» vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg.
Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld.
Alle Anzeigen-BermittlungSstellen de» In- und AuSlande» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegn», Zeilenpreir: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.
Anzeigen zu der nachmittag» für den fjIgeBten Lag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Mhestellungm spätesten» adendS vorher.
Meßmer Anzeiger
Heneral-Unzeiger
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Die «ießener
Werden dem Anzeiger hm «echs-l °ät Ass Sandwirt- »- »Mätter Mr b<fi. Volkskunde' Wgchtt. 4 mal bei gelegt.
291,2523 ha
155,9464 ha
Kvtaltton, Expedition und Druckerei:
Kchnlstratze Ar. 7.
Für den Antrag haben gestimmt: 430 Grundeigentümer mit
nicht abweichen, vorläufig jedermann im Dunkel zu lassen über die endgiltigen Absichten der Partei. Wir haben schon wiederholt ausgeführt, daß das Zentrum es liebt, die Regierung möglichst lange in Hangen und Bangen zu lassen, um dann mit dem Aufgebot des ganzen SelbstbewußtseinS seine Entscheidung nach der einen oder der anderen Seite zu treffen.
Und welches find die Aussichten für die Vorlage? Wir haben von jeher hier die Anschauung vertreten, daß daN Zentrum, welches ja ausschlaggebend ist, schließlich die Verantwortung für »ein Scheitern des Gesetzes (nicht übernehmen wird, dabei bleiben wir auch heute noch, wo die Zentrumsblätter eine steigende Abneigung gegen die Vorlage erkennen lassen. Für das Gelingen der Letzteren ist es einzige Bedingung, daß die Regierung in der Deckungsfragq zugänglich ist und den Wünschen der Reichstagsrnehrhett entgegenkommt: Ein Verschonen der schwachen Schultern und ein Auflegen der Lasten auf den steuerkräftigen Teil des Volks wird für die Durchdringung des Flottengesetzes unerläßlich sein. Ein derartiges Entgegenkommen der Regierung ist jedenfalls sicherer, als eine etwaige Auflösung des Reichstags und ein Appell an das Volk, der große Erregung und Beunruhigung im Gefolge haben würde.
Gratisbeilagen: Gießener Familienblütter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde._________________
markung Gießen ist folgendes:
Flächeninhalt der gesamten zu reinigenden Fläche
Gesamtzahl der auf dieser Fläche güterten 782.
Oege« den Antrag haben gestimmt: 352 Grundeigentümer mit beteiligter Fläche.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße».
Fernsprecher Nr. 5L
Der Reichstagsabgeordnete Dr. Lieber, den wir heute im Bilde bringen, ist, wie wir schon mitteilten, sehr schwer erkrankt, und es ist nicht ausgeschlossen, daß der gewandte Zentrumsführer zu der Stunde, in der diese Zeilen in die Hände unserer Leser gelangen, gestorben sein kann. Wir lassen die Nachrichten, die uns über das Befinden Dr. Liebers zugehen, folgen, wie sie eintreffen:
Berlin, 8. Februar. Im Befinden des Abgeordneten Dr. Lieber ist seit gestern keine Aenderung eingetreten, b. h. die leichte Besserung hält an. Nachdem der Kranke
be-
447,1987 ha Be-
Bekanntmachung.
ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert pro Monat Jauuar 1900 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg. betragen:
Hafer Mk. 15,65, Heu Mk. 5,80, Stroh Mk. 3,70.
Gi.eßen, den 7. Februar 1900.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.__________________
Bekanntmachung.
DaS Verzeichnis der in der Gemarkung Schiffenberg seit vorjähriger Steuerregulierung konstatierten Kulturveränderungen, deren Wahrung bei Großh. Steuerkomuuffariate Gießen zu beantragen ist, sowie das Verzeichnis der in dieser Gemarkung neu erbauten, oder im Wett erhöhten oder verminderten, oder ganz abgegangenen Wohnhäuser unb Gewerbeanlagen liegt von heute ab, auf die Dauer von vier Wochen zu Einsicht der Interessenten offen.
Gießen, den 9. Februar 1900.
Großh. Ortsgericht Gießen.
Gros.
beteiligter Fläche.
Hiernach hat der Antrag die gesetzliche Majorität erhalten.
In der Zeit vom 14. Februar b. I. bis einschließlich 20. Februar b. I. liegt bas Abstimmungsprotokoll nebst ber Zusammenstellung bes Abstimmungsergebnisses auf bem Bureau ber Großh. Bürgermeisterei Gießen zur Einsicht offen. ... ,
Einwendungen gegen die Zulässigkeit oder Rechts- beständigkeit des Ergebnisses sind binnen 14 Tagen, von der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung im Kreisblatt an gerechnet, mittels schriftlicher Beschwerde bei der Großh. Oberen landwirtschaftlichen Behörde in Darmstadt geltend zu machen.
Friedberg, 7. Februar 1900.
Der Großherzogliche Bereinigungskommissär: Süffert, Regierungsrat._______________
* Die Flottenvorlage.
. Gießen, 9. Februar.
Am Donerstag hat im Reichstage die erste Lesunng des neuen Flottengesetzes begonnen, und damit ist das Parlament vor dem wichtigsten Abschnitt seiner jetzigen Tagung angelangt. Freunde und Gegner einer weiteren Verstärkung unserer Marine waren wohl einmütig der Ansicht, daß mit der Bewilligung des Sextennats im Jahre 1898 für den festgelegten Zeitraum Neuforderungen der Regierung ausgeschlossen fein würden, und deshalb ist die Stellung der letzteren bei der Einbringung und Begründung der jetzt zur Beratung stehenden Vorlage eine besonders schwierige. Man muß von vornherein annehmen, daß ganz außerordentliche Umstände ber Regierung den Gedanken von Neuforderungen eingegeben haben, und daß man sich an maßgebender Stelle nur schwer entschlossen hat, von der Volksvertretung wettere Millionen zur Verstärkung unserer Seemacht zu verlangen. Die Gründe müs en auch bei allen in Betracht kommenden amtlichen Instanzen als durchajus stichhaltig anerkannt worden fein, denn jedcr- man mußte voraussehen, daß der Kampf im Reichstage ein schwerer sein würde und Komplikationen herbeiführen könnte, welche den inneren Frieden stark zu gefährden geeignet seien. .
Die Verhandlungen haben also begonnen, ber etem ist ins Rollen gekommen. Vorläufig darf man natürlich noch kein Resultat erwarten, da die Flottenvorlage voraussichtlich einer besonderen Kommission zur Vorberatung überwiesen werden wird. Aber man hört doch aus ber ersten Lesung die Begründung des Für oder Wider der einzelnen Parteien, und ein ungefähres Urteil über den Ausgang der Beratung wäre möglich^wenn das Zentrum auch' gleich Farbe bekennen und seine Stellung zur Vorlage präzise dokumentieren wollte. Das ist aber, wenn man die Zentrumsgepflogenheiten bei derartigen Gelegenheiten in Betracht zieht, nicht zu erwarten, und auch Herr Schädler, ober wer sonst ben Standpunkt der Partei an Stelle Dr. Liebers vertreten wird, dürfte von der bewährten Praxis,
Bekanntmachung.
Mit Rücksicht daraus, baß im Großherzogtum Hessen unb im Kreise Wetzlar die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh in größerem Umsange herrscht, wirb ber Austrieb von Rindvieh aus diesen Landesgebieten zu bem am Dienstag den 12. b. Mts. in Herborn stattfinbenben Viehmarkte hiermit untersagt.
Sillen bürg, ben 8. Februar 1900.
Der Königliche Lanbrat.
Bekanntmachung.
Betr.: Antrag aus Feldbereinigung bes auf dem rechten Lahnuser liegenben Teils ber Gemarkung Gießen.
DaS Ergebnis der am 25. September v. I. zu Gießen erfolgten Abstimmung über ben Antrag auf Feldbereinigung des auf bem rechten Lahnufer liegenden Teils ber Ge-
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Feuilleton.
Wagners Iaufi-Huverlure.
Im letzten Konzert bes Akademischen Gesangvereins hörten wir als Zugabe ein Lieb Johann Sebastian Bachs. ES war eines der interessantesten Musikstücke bes Abends; die meisten Hörer aber wußten damit nichts anzufangen. Aus einem größeren, noch dazu ungewohnten Zusammenhang herausgerissen, war es ohne Erläuterung fast unverständlich ; man hätte wissen müssen, baß es aus einer weltlichen „Cantate" stammt, bie den musikalischen Wettstreit zwischen PhöbuS unb Pan darstellte, und daß es Die Ant wort des Momus auf eine renommistische Arie Pans, des Flötenvirtuosen, ist, der sich von dem Spötter sagen lassen muß, baß nur „der Wind gethan", worauf er sich soviel einbilbet. Gewiß war ein solches Lieb als Zugabe beson- berS unglückich gewählt; aber gesetzt, es hätte mit seinem vollen Text im Programm gestanden, hätte eS nicht auch bann des Kommentars bedurft, um nach Verdienst zur Geltung zu kommen? Es giebt nun einmal zahllose schöne und edle Werke, die, so stark sie auch auf ben Unvorbereiteten wirken, sich ganz nur bem erschließen, ber über bie Absicht des Künstlers zuvor belehrt ist.
Vereinzelt unb frembartig wie jenes graziöse Spott- lieb unter ben Werken bes großen ThomaSkantors steht
unter denen Wagners die Faust - Ouvertüre. Nicht baß bie Form ber selbstänbigen, der „Konzert Ouvertüre" ihm ferngelegen hätte; er hatte bis zu seinem 24. Jahre schon ein halbes Dutzend geschrieben, und einer der lehrreichsten Aufsätze seiner Jugendperiode gilt der Kunftform der Ouvertüre. Auch sein Interesse für ben „Fauft"stoff ist früh erwacht, das beweisen die fieben noch unveröffentlichten Lieber zu Goethe's „Faust", die er, angeregt durch die erste Leipziger Aufführung bes Werkes, als Neunzehnjähriger komponierte. Fremdartig erscheint bie Faust- Ouverture nur neben den Bühnenwerken, denen Wagner seinen Ruhm verdankt, in denen seine Eigenart völlig sich ausgeprägt hat. Nie wieder hat et zum Drama eines anderen Musik geschrieben, unb wenn er später noch konzert- mäßige Kompositionen geliefert hat, so verbankten sie ihre Entstehung einem bestimmten Anlaß, wie baS im vorigen Jahre hier aufgeführte „Siegfriebidyll", bie brei großen Märsche unb vollends bie wenigen und skizzenhaften Klavierstücke. Die Faust - Ouvertüre, die er als 27jähriger schrieb, ist bas letzte seiner reinsymphonischen Jugenbwerke, bas einzige, baS er selbst ber Ehre für wert hielt, neben feinen Meisterwerken zu bestehen.
Eine Gelegenheitskomposition könnte man auch bieses Werk nennen, da es durch ein großes, allerdings inneres Erlebnis des Künstlers angeregt wurde. Durch eigenen tollkühnen Entschluß nach Paris versetzt, sah sich Wagner in allen seinen künstlerischen Hoffnungen schmerzlich ent
täuscht, in allen seinen mutig begonnenen Unternehmungen gelähmt; Woche auf Woche verging, ohne ihn einen Schritt vorwärts zu bringen, während er immer drohender die bittere Not vor sich sah, ber er unrettbar verfallen mußte. In dieser Situation begegnete er in einem Konzert des Conservatoire, einem Werk, das in seinem Vaterland noch unverstanden, ihm selbst aber bester als durch Konzertaufführungen durch andächtiges Partiturstudium schon in seinem 20. Jahre innig vertraut geworden war, unb so vollenbet wurde es hier in der Fremde vorgetragen, daß es ihn tiefer als je erschütterte: er hörte die drei ersten Sätze von Beethovens 9. Symphonie. Wie mit einem Zauberschlage fühlte er sich in die seligen Jugendtage zurückversetzt, da er in dieses geheimnisvolle Werk sich vertieft hatte. Viele Irrfahrten hatte er inzwischen, als Mensch und Künstler, erlebt: seine ersten Ideale, Weber und Beethoven, waren ihm, in ber täglichen Berührung mit bem herrschenden italienisch-französischen Opernwesen, wenn nicht abhanden gekommen, so doch immer ferner gerückt. Jetzt ergriff ihn von neuem die Größe Beethovens und rechtfertigte vor ihm selber die fast verstoßenen Jugendideale; mehr noch, sie spornte ihn zu eigenem Schaffen in Beethoven'schern Geiste. Ganz besonders packend muß in diesem Sinne ber erste Satz jener Symphonie auf ihn gewirkt haben. Wie er später, als er vor bem Dresbener Publikum bas verkannte Werk zu Ehren brachte, bei dem Hauptthema bieses ersten Satzes an Fausts: „Entbehren sollst bu, sollst entbehren"


