15V. Jahrgang
Sonntag den 9 Dezember
1900
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General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen
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Kandwirtschastliches.
Die Hebung der deutschen Nutzgeflügelzucht durch Anordnung vrS Verkaufs der Eier nach Gewicht.
•h. Gießen, 6. Dezember.
In den letzten 30 Jahren ist in Deutschland auf dem Gebrete der Hebung unserer Hühnerhaltung außerordentlich viel geschehen. Die Eier- produktron hat quantitativ und qualitativ erheblich z u g e n o m in e n. Die überall im Deutschen Reiche zahl- rerch entstandenen Geflügelzüchter-Vereine haben sich redlich bemüht, bahnbrechend zu wirken; auch der Staat und terlwerse dre Gemeinden haben ihr Teil dazu beigetraqen, unsere Mrtzgeflügelzucht zu heben und zu fördern. Trotz- bem hat nach den Ausweisen des statistischen Amtes sich dre Einfuhr von Geflügel und besonders die von Eiern von ^ahr zu Jahr verstärkt. Dieser Umstand findet wohl seine Begründung erstens in der natürlichen Vermehrung
*nt Deutschen Reiche und ist zweitens wohl begründet in unserem wachsenden Wohlstand und der damit Hand in Hand gehenden besseren Lebenshaltung der größeren Menge der Bevölkerung. Denn wie anders will man erklären, daß trotz der allgemein von Sachkennern anerkannten Hebung und Vermehrung der Eier- produktlon im Jnlande die Einfuhr von Eiern, dem Werte berechnet, sich wie folgt gesteigert hat? 1895: 74 400 000 Mark, 1896: 76 600 000 Mark, 1897: 67 200 000 Mark, 1898: 85 200000, 1899: 96 300 000 Mark. Es ist benkbar, daß in Deutschland selber jemals die Menge von Eiern, die wir doch zu unserem Bedarf haben müssen, produziert werden kann. Die Verhältnisse die die Eierproduktion in Italien, Rußland und Oesterreich-Ungarn begünstigen, sind eben andere als bei uns in Deutschland mit seinen höheren Preisen für Grund
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noch rechtzeitig aus seiner schrecklichen Situation erlöste Mensch ist ein Deutscher Namens Otto Trink. Der Aermste war geradezu furchtbaren Leiden ausgesetzt. Seinen Angaben gemäß ist er Heizer auf dem Dampfer „City of Bienna" gewesen, der am 6. d. M. Swansea in Südwales verließ, um mit einer Ladung Kohlen nach Rotterdam zu gehen. Trink erzählt, daß man kaum sechs Stunden nach der Abfahrt von einem heftigen Sturm überrascht wurde, der das nicht genügend versicherte Cargo sehr b ld ins Rutschen brachte. Stundenlang war die Mannschaft bemüht, die Kohlen gleichmäßig im Lagerraum zu verteilen, doch hatten die Anstrengungen nur wenig Erfolg. Kolosiale Sturzseen brachen fortwährend über das Deck und vor dem nächsten Morgen waren alle sechs Feuerungen erloschen und das Rad fortgewaschen. SteuerloS trieb das Fahrzeug vor dem noch immer nicht nachlasienden Sturm her. Plötzlich erfolgte ein furchtbarer Zusammeustoß. „Die „City of Vienna- war mit einem anderen Dampfer kollidiert, der schnell seine Fahrt fortsetzte, ohne sich um das Unheil, was er angerichtet hatte, zu kümmern. Der Name des Schiffes konnte in der nebeligen Dämmerung nicht festgestellt werden. Wenige Minuten nach der Kollision begann der Kohlendampfer zu sinken. Das erste herabgelassene Boot wurde durch eine mächtige Sturzwoge sofort zerschellt. Der Kapitän, die beiden Maats, ein Zimmermann und Trink hatten sich gerade in das zweite Boor gerettet, als die „City of Vienna- mit noch 19 Mann an Bord in der Tiefe verschwand. Nach vierundzwanzigstündigem Kampf gegen die empörten Elemente schlug auch das Boot um und nur dem jungen Deutschen gelang eS, sich an dem Kiel fefizuhalten. Erft nach weiteren 24 Stunden entsetzlicher Qualen wurde der Bedauernswerte von Fischern gefunden.
* Ueber den Thee- und Kaffeeverbrauch der Welt hat die Londoner Handelskammer einen lesenswerten Bericht veröffentlicht. Nach demselben verbraucht England allein mehr Thee als die ganze übrige Welt, nämlich etwa sechs Pfund pro Jahr und Kopf der Bevölkerung. Selbst in Rußland und in den Vereinigten Staaten, wo doch auch sehr viel Thee getrunken wird, beträgt der Verbrauch weniger als ein Pfund pra Kopf jährlich, in Frankreich ein halbes Pfund und in Deutschland wenig mehr als ein Zehntel. Im ganzen wurden im Jahre 1899 289 Millionen Pfund Thee in England eingeführt, von denen jedoch nur 40 Millionen aus China und Japan stammten, während die übrigen 249 Millionen in Indien und Ceylon gewachsen sind. — Ganz anders steht es mit dem Verbrauch des Kaffees. Die Kanadier verbrauchen blos etwa ein Pfund, die Oesterreicher deren zwei, die Franzosen über vier, die Deutschen über sechs und die Bewohner der Vereinigten Staaten gar über elf Pfund jährlich pro Kopf der Bevölkerung, während die Engländer sich mit sieben Zehntel Pfund pro Jahr und Kopf begnügen.
Vermischtes.
* Mini st er Bosse und das Frauen st udium. In dem eben erschienenen Jahrbuch der „Hilfe" 1901 erzählt H. v. Gerlach folgendes Histörchen: Es war zu den Zeiten, als noch Bosse Kultusminister -var. Dr. Bosse hatte kein Privatvermögen, aber mehrere erwachsene Töchter. Die Töchter waren tüchtige Mädchen, denen Bälle und Bazarvorbereitungen das Leben nicht ganz zur Genüge auszufüllen schienen. So studierte denn die eine auf die Lehrerin, eine zweite auf die A p o t h e k e r i n los. Der Vater überzeugte sich in der eigenen Familie, daß die Frauen ihre Pflichten als Studierende mindestens ebenso gut erfüllen wie die Männer. Warum ihnen also die gleichen Rechte vorenthalten? Die Sache wurde im Kultusministerium erörtert. Eines schönen Tages las ein Vortragender Rat Namens Schmidt Herrn Bosse eine Verfügung vor, wonach die Frauen zur Jmmatriku- lationzuzulassen seien. Dr. Bosse nickte zustimmend. Ganz seine Meinung! Er hatte an der Verfügung nicht das Mindeste auszusetzen, wollte sie nur, da es sich um eine wichtige Sache handelte, auf die Form hin noch einmal gründlich durchlesen. So ließ er sie zunächst ununterschrieben auf seinem Schreibtisch liegen. In den nächsten Tagen sollte sie das Lichjt der Welt erblicken. Da passierte etwas Unerwartetes. Wie ein Sturmwind kam Professor v. Bergmann angebraust. Er hatte Wind von der Sache bekommen Sie haben vielleicht davon gehört, daß der berühmte Gelehrte einige Seiten hat, die weniger an- geyehm berühren. Jedenfalls gehört die halbe Stunde, die er mir 'Dr. Bosse zusammen verlebte, nicht gerade zu Bosses liebsten Ministererinnerungen. Dr. v. Bergmann drohte mit Demission, „falls man ihm die F r a u e n auf- nötigt e", und wußte durch die Energie seines Widerspruchs dem armen Bosse so zuzusetzen, baß er seine amtliche Meinung über das Frauenstudium änderte. Sie wissen ja, starres Festhalten an dem einmal Beschlossenen gehörte nie zu den Schwächen des liebenswüroigen Mannes. Er ließ sich leicht vom Gegenteil überzeugen. Jedenfalls, wie die Sache auch verlief — ich bin ja nicht dabei gewesen — Thatsache ist, daß die Verfügung ohne Unterschrift blieb.
• München, 6. Dezember. FürstFerdinand von Bulgarien hat bei den baierischen Behörden entschieden Pech. In der Affair e des Fürsten gegen den ehemaligen Geheimsekretär Pfannenstiel setzte das Münchener Gericht dem Fürsten derart zu, daß er es zuletzt vorzog, die dreitausend Mark, die der Geheimsekretär angeblich im Auftrage des Fürsten von einem hiesigen Hotelier geborgt hatte, schließlich doch zu bezahlen. Jüngst hatte eine baierische Behörde sich tadelnd über den Fürsten ausgesprochen, als er, um feiner Passion zu stöhnen, sich auf die Lokomotive eines Zuges stellte und diese leitete, und jetzt ist wieder ein Prozeß im Anzuge, der des politischen Beigeschmacks nicht entbehrt. Vor zwei Jahren träumte Fürst Ferdinand in seinem Palais in Sofia von einem Königreich Bulgarien so lebhaft, daß seine Mutter, Prinzessin Clementine von Koburg Gotha, für ihren Sohn, den künftigen König von Bulgarien, bei einem Münchener Juwelier eine zu dem jungen Königtum gehörige Krone bestellte, und zwar in der Art, daß Prinzessin Clementine aus ihrem reichsten Juwelenschatz die Steine und der Juwelier die Fassung nach einer chm gegebenen genauen Zeichnung zu liefern hätte. Als der Juwelier die Zeichnung aus Sofia erhielt, konnte diese aus dem Grunde nicht benutzt werden, weil der Fürst im letzten Augenblick derartige Aenderungen vornahm, daß eine neue Zeichnung an gefertigt werden wußte, die nunmehr ein Münchener Maler herstellte. Pünktlich wurde die Zeichnung nach Sofia zur Einsicht geliefert, allein so lange man auch wartete, sie kam nicht wieder zurück. Auf wiederholte Anfragen kam schließlich die Antwort, daß — die politische Situation erheische es — vorläufig von der Anfertigung einer neuen Krone Abstand genommen werden solle. Natürlich reichte der Maler die Rechnung für die gelieferte Zeichnung der bulgarischen Königskrone ein; indes verweigerte die bulgarische KabinetSkasse die Bezahlung mit dem Bemerken: „Die Zeichnung wird bezahlt, wenn die bulgarische Krone angefertigt wird." So lange will der Künstler denn doch nicht warten, und der Zivilrichter wird nun zu entscheiden haben, ob der Maler sein Geld erst erhalten soll, wenn sich der Traum des Fürsten verwirklicht hat.
e Die Schreckensgeschichte eines deutschen Schiffbrüchigen. Dem Bericht einer „Londoner Zeitung" zufolge fand man vor wenigen Tagen in der MountS- Bay, unweit Penzance, an der Südküste Englands, ein ge- kentertes Boot, an dessen Kiel sich ein im Zustande äußerster Erschöpfung befindlicher Mann anklammerte. Der gerade
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Gin Husarenstückcheu aus Tsingtau.
Mördlich von unserem deutschen Pachtgebiete, etwa .5 Kilometer von der Grenze, liegt die chinesische Stadt lsie- mo-schien. Der letztere Zusatz sagt dem Kundigen, daß fie rine Kreisstadt zweiten Ranges ist. Da wegen fort- gese?;ter Boxerunruhen Verhandlungen mit dem dortigen Rar darin nötig geworden waren, hatte der deutsche Kom- nrifpr für chinesische Angelegenheiten in Tsingtau, Dr. 5(f):r a mcyer, den Auftrag erhalten, sich zu Pferde nach: i|kno zu begeben und in Verhandlungen einzutreten. Er ließ sich von Oberleutnant H a g e m e i ste r vom dritten Äe^ataillon, der das Kommando über die berittenen deutsche!! Seesoldaten führt, begleiten. Unterwegs nahmen sie noch den Regierungsbaumeister Meier vom benachbarten doyiiposten mit, der sich ihnen anschließen wollte. Die soi em ne bestand neben diesen drei Herren aus 15 Mann. ?or Tsi-mo angekommen, fanden sie eine große Menschen- menge vor den Thoren, da gerade Markttag war. Bei solchen Gelegenheiten versammeln sich 20 000 bis 30 000 Menschen, die oft weit aus dem Innern kommen. In unruhigen Zeiten dienen solche Märkte gerade als Pflanz- und Nährstätte der Ruhestörungen. Dr. Schrameyer blieb in (iinem Gasthause vor der Stadt und zeigte dem Prä- sckan seine Ankunft durch einen Boten an; der Präfekt meig.erte sich aber, den Doktor zu empfangen, und ließ ihm sagen, daß er ihm den Einlaß in die Stadt verwehren würde. Oberleutnant Hagemeister, der bei den Lechiandlungen zugegen war, erklärte hierauf, daß er dann die Stadt mit 10 Mann nehmen würde, worauf ihn Dr. 3d)! ameyer ganz ungläubig darüber zur Rede stellte. Doch iwcpineifter war ein Mann von wenigen Worten. Er ließ 10 Mann aufsitzen, und vom Baumeister Meier begleitet, machte er sich durch: die Menge auf den Weg nach dein Thore. Die Thore sind in Tsi-mo doppelt und noch doir guter Beschaffenheit und beträchtlicher Höhe. Da auf die i nochmalige Aufforderung, das Thor zu öffnen, keine linst alten hierzu erfolgten, ließ Oberleutnant Hagemeister eine lange Stange herbeischaffen, an welcher ein frei- filliig sich meldender Seesoldat in die Höhe kletterte. Alks andere stand schußfertig unten, um dem ersten Chi- ttsem, der sich über der Mauer zeigte, eine Ladung zu eben. Dichte Haufen von Chinesen hatten die Mauer eseKt, waren aber zum Teil bei Annäherung der Deut-
Mblüfft haben, daß sie sich zurückzogen und die beiden Äen stehenden Seesoldaten nun in aller Ruhe das Thor dpt en konnten. Die ganze Stadt hatte sich mittlerweile du der zum 9) am en führenden Hauptstraße versammelt; : dichtgedrängt, in zwei und drei Reihen standen die Ein- nol)tier und sahen sich den sonderbaren Einzug der Deut- itn an. In geschlossener Kolonne, Hagemeister voran, Ung es zum Namen, wo der Präfekt herausgebolt wurde. A derselbe nun erschien, wurde er ohne besonderes Zeremoniell in die Mitte genommen, und nun ging es wieder "hirefi) die gaffende Menge, die Hauptstraße hindurch zum «oberen Thore, welches der Präfekt nun öffnen lassen nutzte. Wenn man sich vergegenwärtigt, wie eng die Hitesischen Straßen sind, wie winkelig und leicht zu Jerxen, wie klein auch die hier gebräuchlichen mongolischen Hrde sind, sodaß es eine Kleinigkeit ist, jemand vom Herde zu reißen oder ihn einzukeilen in der Menge, so Bonn: man den Schneid dieser kleinen Schar nicht hoch aynmg anschlagen. Ein wenig Mut seitens der Chinesen, unb keiner der Tapfere, wäre wieder aus dieser Ratten- Nle herausgekommen. Auf weitere Verhandlungen wurde Mürlich verzichtet, dagegen ist sofort deutscherseits auf Wse tzung des Präfekten gedrungen worden, die auch jetzt Iterfüigt ist. Ter Präfekt hatte am nächsten Tage noch die tliwsrfrorenheit, einen Brief an das deutsche Gouverne- mentt zu schreiben, in welchem er für das Ehrengeleit Leutjicher Soldaten durch die Stadt dankte, sich aber über Sowenig Zeremonielle des deutschen Offiziers beschwerte. Ms«em Briefe wurde natürlich keine Beachtung gegeben. •Gin Nachspiel hatte die Sache aber: denn als nachher der durch die Marktreihen ritt, wurde verschiedentlich iMioht und der Weg gesperrt. Es gelang erst allseitigen ■Moen mit der Reitpeitsche, freie Bahn zu schaffen. Jetzt Wut die deutsche Chin senkompagnie und 50 Seesoldaten i» Nsi-mo, und die Chinesen sind die Zuvorkommenheit
h.ni geflohen. Der kleinere, aber beherztere Teil hielt >e Maner besetzt, doch als der erstere der Chinesen den •iopfi über die Brustwehr streckte, verscheuchte ihn eine !s,lUllserpistolenkugel. Mittlerweile hatte sich der uner- fftivckene Seesoldat an der Stange in die Höhe gezogen, mit einem Ruck klomm er auf die Mauer, wo infolge des Schusses eine Panik entstanden war. Rasch wurde fein Okcioiehr nachgeworfen, und mit Blitzesschnelle erklomm ein Witter Seesoldat gleichfalls an der Stange die Mauer. Sben angenommen, stellten sich beide schußbereit, während Sie anderen Mannschaften durch die Löcher des Thores aus Ac dahinter stehenden Chinesen anschlugen. Diese Kühn- $it, auf die Mauer zu klettern, muß die Chinesen so
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