Ausgabe 
9.12.1900 Fünftes Blatt
 
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Weiynachts-Ktteratvr.

Albert Kleinschmidt, Im For st Hause F a l - kenhorst. Ein hervorragendes Festgeschenk für die deutsche Jugend (15 Bogen in eleganter Ausstattung mit 4 Farbendruckbildern von Künstlerband, 64 Textbildern und Vignetten, in Original-Leinenband mit Rotschnitt. Preis 4 Mk.) erschien soeben im Verlage von Emil Roth in Gießen. Es sind Erzählungen und Schilderungen aus dem Leben im Bergforsthause und im Bergwalde. Forstrat Dr. Dieffenbach in Sich dem das Buch in Aushängebogen vorgelegen hat, schreibt u. a. darüber:Mit großer Be­friedigung habe ichIm Forsthaus Falkenhorst" gelesen. Das sehr hübsch ausgestattete, 224 Oktavseiten starke Buch ist für Knaben von 1016 Jahren bestimmt, als Ersatz für die sogen. Jndianergeschichten. In das Gemüt des Knaben solchen Alters bringt es in äußerst anregender und spannender Weise Bilder aus dem deutschen Forst- und Jägerleben ohne Uebertreibung, doch die zur Schilder­ung passenden Ereignisse in den Zeitraum eines einzigen Jahres zusammendrängend. Bei voller Frische im Aus­druck hält sich die Sprache des Verfassers frei von phan­tastischen Sprüngen und bleibt korrekt und prägnant. Er fesselt die Knaben an seinen Stoff, regt ihr Gemüt an und begeistert sie zu tüchtigem und edlem Thun. Aber nicht allein das, der sorgfältige Leser staunt, wenn er das Buch aus der Hand legt und reflektiert über die Fülle von Be­lehrung, die darin steckt." Das Buch führt in erzählen­der Form das Leben einer Familie vor, die im einsamen Bergwalde lebt. Die jugendlichen Leser werden die Glie­der dieser Familie schnell liebgewinnen und sicher auch an den Personen ihrer Umgebung, an den einfachen Dorf­bewohnern, Gefallen finden. Das Buch führt hinaus in den Bergforst, was im Jahreslaufe darin vorgeht, was der Forstmann in Leid und Freud erlebt, giebt Anregung zu zahlreichen eigenen Beobachtungen und wirkt damit auf die gesamte geistige Ausbildung fördernd ein. Das Buch wird vielen Knaben Freude bereiten, ihren Geist be­reichern, ihr Gemüt veredeln, ihren Willen auf das Gute hinlenken, ihre Liebe zur Heimat stärken und festigen.

Kürschners Jahrbuch, ein Kalender-, Merk- und Rachschlagebuchi für Jedermann, herausgegeben vom Geh. Hofrat Professor Joseph Kürschner in Eisenach (Verlag Herm. Hillger, Berlin) ist auch für 1901 erschienen, dem wir gern ein förderndes Geleitwort mit auf den Weg geben. Wir finden darin neben den stehenden, dem Nach­schlagenden alljährlich unentbehrlichen Rubriken (Kalen­darium, Notizbuch, Adressen, Behörden, Fürsten, Geo­graphie, Statistik, Armee, Marine, Post, Telegraphie re.), die auf den neuesten Stand gebracht, zugleich aber auch vielfach erweitert worden sind, eine Fülle neuer Artikel, die alle den Zweck verfolgen,^ dem Besitzer des Jahrbuchs unmittelbar praktisch zu nützen. Es werden darin nicht schöne Worte gemacht, sondern Fakten gebracht. Das Buch vertritt unter den Kalendern und Jahrbüchern sozusagen die Propaganda der That, natürlich im friedlichsten Sinne des Worts. Der Besitzer des (neuen Jahrgangs erhält Anleitung auf allen möglichen Gebieten: es weiht ihn ein in die Geheimnisse des Pflanzenreichs und der Tier­welt, lehrt Heizen, Lüften und Beleuchten, Kälte anwenden, Reisen und 'Wettervorhersagen, Photographieren und Mo­dulieren am Klavier, mit den Fingern rechnen und sich in Chronologie und Chronometrie zurechtfinden, den Um­

gang mit Taschenuhren, ebenso wie mit wilden Fasanen, Obst bauen und Hühner ziehen, ja sogar im Wilhelm Jordan'schen Stabreim dichten, und, wenn er das Be­dürfnis danach fühlen sollte, sich auf dem Wege der Feuerbestattung begraben zu lassen, anderes nicht zu gedenken. Den Strömungen der Zeit trägt der neue Jahr­gang besondere Rechnung, und kein Leser dürfte z. B. ohne Vorteil den instruktiven Artikel über die Entwickel­ung der Flotten lesen. Zahlreiche andere Beiträge behandeln Zeitungsereignisse (China, Transvaal, Flottengesetz, Pariser Ausstellung re. re.), wieder andere sind besonders den Frauen gewidmet (Hausschneidern, Frauenfrage, Weibliche Berufsarten, Hauswirtschaft u. a.), auch die Kunst (Theater, Musik, Oberammergau, Termini tcdimci re.), der Sport (Bergsteigen, Radeln, Automobil­fahren, Turnen re.) u. v. andere kommen zu ihrem Recht. Jeder sieht ja selbst beim Durchblättern, daß da Vieles und Gutes vereint wurde, nicht allein textlich, sondern auch illustrativ, und jedenfalls mehr als sonst und das ist ein Lob für den Verleger jemals für 1 Mark geboten wurde.__

Als ein von der echtesten Pietät zeugendes Prachtwerk, als ein wahres vaterländisches Ehrenbuch verdient die von Hermann Müller-Bohn verfaßte und von Paul Kittel herausgegebene Biographie:K a i s e r F r i e d r i ch der Gütige" (Histor. Verlag von Paul Kittel. IV. 556 S. Fol.) gerühmt zu werden. Das Ganze umfaßt drei große Abschnitte. Erst wird derWerdegang" des edlen Prinzen geschildert, seine Kinder- und Knabenzeit; wir begleiten ihn auf die hohe Schule nach Bonn, auf seinen ersten Ausflügen nach den oberitaliscken Seen und Süd- frankreich; auf seinen Reisen' nach London, wo er das Königskind fand, das ihm zum beglückenden Lebensbunde die Hand reichte. Seine diplomatischen Missionen und im Gegensatz dazu der idyllische Reiß im eigenen Heim runden in anmutender Schilderung den ersten Teil ab. Dann beginnt seine Heldenlaufbahn im Kriege gegen Däne­mark und Oesterreich. Dabei läßt der Biograph seinen hohen Herrn aus dessen Briefen und Tagebüchern, ins­besondere über die in Palästina und Aegypten gewonnenen Eindrücke, selbst berichten und wir freuen uns über den scharf beobachtenden Prinzen und über die farbenprächtige Wiedergabe seiner Erlebnisse. Mit größter Spannung folgen wir demSieger von Wörth" nach Frankreich be- wnndern die persönliche Einwirkung des Kronprinzen auf die Truppen, seinen Edelmut, seine Sorge für die Ver­wundeten und die noble Ehrung des Feindes, auch feinen rückhaltlosen Freimut bei Differenzen zwischen beh mili­tärischen und politischen Ratgeber des Königs. Hatte er im Kriege die begeisterte Verehrung aller seiner Unter­gebenen erobert, so wurde er nach demselben gleichfalls Unser Fritz" durch seine ununterbrochene Friedensarbeit als Volkserzieher und Förderer der sozialen Wohlfahrt, durch seine Teilnahme am Genossenschaftswesen, an Ar­beiterheimen, Handwerkerkolonien und allen humanitären Bestrebungen, aber auch als Freund der Musen, der Kunst und Wissenschaft. Daß es an unerfüllten Hoffnungen und bitteren Enttäuschungen nicht fehlte,« lag in der Natur der Dinge, in der Fülle von Verkettungen, eine unabänder­liche Folge der jeweiligen Zeitlagen, in denen alte und neue Anschauungen sich berühren, durchkreuzen und schneiden. Steter Trost erblühte ihm aus dem schönen Familienleben, das zu früh eine heimtückische Krankheit zerstörte. Aber auch hier gewinnt der heldenmütige Dulder

unsere vollste Sympathie. Das Werk trägt trotz u; wohlthuenden Wärme gar keinen apologetischen Charas der Verfasser läßt mit vornehmer Objektivität nur? Thatsachen sprechen; Unrichtigkeiten (wie beispielsweise^ Charakterverzeichnungen durch Gustav Freytag) wert^ nach Gebühr ruhig widerlegt. Die Ausstattung ist fo» gemäß, mit 34 meist doppelseitigen Blättern in Schwa? und Farbendruck, mit 8 Faksimiles von Handschriften u>' ca. 500 Bildnissen und Illustrationen. Porträts des & feierten liegen aus allen seinen Lebensjahren vor; eg a höchst interessant zu sehen, wie dieses schöne, ernste, wür^- volle Antlitz sich entwickelte und modellierte. Eben' merkwürdig aber bleibt die Wahrnehmung, wie das t>Oi verschiedenen Künstlern, von Karl Röchling, A. v. Werna Adolf Menzel, Ernst Henseler und Anderen immer ve- schieden, mit völlig subjektiver Auffassung zur Tarstellu^ gebracht wurde. Das Werk ist in Anbetracht der ti)f graphischen Leistung billig.

K u n st w a r t. Herausgeber Ferd. Avenarius, Tw den. Verlag Georg D. W. Callwey, München (viertel 3 Mk., das einzelne Heft 60 Pfg.). Der illustrierteLi terarischeRatgeberfür 190 1", herausgegeben vV Kunstwart, soll für solche Leser, die es mit ihren eintäufen ernst nehmen, an die Stelle der nur nach g. schäftlichen Grundsätzen zusammengestelltenÄihnach^ kataloge" treten. Drei grundsätzliche Unterschied? er von jenen: erstens, er bringt nicht nurNeuches sondern berücksichtigt auch, das gute Alte, zweitens, ? bespricht vom neuesten nur das, was ihm wirklich gi erscheint, er lobt also nicht kritiklos alles, wasAoe veaute" ist, drittens, er nimmt keine Annoncen an, ui schon dadurch klar zu zeigen, daß seine Empfehlung durch nichts als die eigene Ueberzeugung beeinflußt wech Der Kunstwart hat seinenRatgeber" weit über die eigen: Gebiete ausgedehnt, da es hier galt, ein ganz allgemein, Bedürfnis zu befriedigen: er hat bedeutende Fachgckebr gewonnen, die außer für Literatur, Musik, bildende w angewandte Künste auch für Geschichte, Völker- und l'änbt: künde, Naturwissenschaften, Philosophie, Religion ur) Jugendschriften ihren sachverständigen Rat erteilen. Ei: Auswahl von Jllustrationsproben, die nach ganz ante Grundsätzen vorgenommen ist, als man's gewohnt ift.te neben den eingehenden Listen weiter dazu, diesen M: geber brauchbar zu machen. Er ist, wie jedes andere M wartheft, für 60 Pfg. auch im Einzelverkauf zu habe'. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen sowie oer Run1' wartverlag in München entgegen. i

Die Weihnachtsnummer bf rM o b e r n e Kun st" ist erschienen. Sie erscheint ipeinem von Künstle: Hand entworfenen glanzvoll hergestcllten Wechnachts-m schlag; drei doppelseitige farbige Kunstblätter, darun.n G. BarisonsMadonna mit Engeln" und W. Gaust, | Kaiser Franz Josef auf dem ^ofbalte" werden dem Ust bargeboten. Dazu kommen eine Menge von schwarz«.- Kunstbeilagen, sowie zahlreiche farbige und schwarze Tex Illustrationen. Die Nummer ist textlich vollständige sich abgeschlossen. Alle Beiträge atmen Weihnachtssrend-- Don den vertretenen Autoren und Künstlern feien g? nannt: I. Schmitzberger, F. M. Bredt, H. Gillard M boni, F. Wobring, E. Cucuel, ferner Wolfgang NirctM Arthur Stiehler, Scholastika Schnurks. Der Preis beträgt für Abonnenten 1.20 Mk., für Nicht-Abonnenten 3 Ml

Bekanntmachung.

Die diesjährige Hauptversammlung hat uns aus den Ueberschüffen pro 1899 wieder Mittel zur Verfügung gestellt, um im nächsten Sommer eine Anzahl armer skrophulöser Kinder in der Kinder-Heil­anstalt zu Bad Nauheim behufs Gebrauchs einer Bad. kur unter» brmgen zu können. Es ergeht daher an diejenigen Bewohner des Spar­kassenbezirks Gießen, welche solche kranke Kinder haben, aber selbst nicht in der Lage sind, die Kosten zu bestreiten, die Aufforderung, sich bet ihrem Pfarramt oder der betr. Bürgermeisterei zu melden. Bet der Anmeldung ist ein ärztliches Zeugnis abzugeben, in welchem die Notwendigkeit einer Badekur bescheinigt sein muß. Es können auch solche Kinder, welche bereits auf unsere Kosten eine Badekur dnrchgemacht haben, nochmals be­rücksichtigt werden, wenn dies ärztlicherseits für notwendig erachtet wird Die Pfarrämter und Bürgermeistereien ersuchen wir, uns die ein­laufenden Meldunaen mit den ärztlichen Attesten und einer Bescheinigung über die Mittellosigkeit der betreffenden Eltern biS zum 1«. Januar 1901 zuzusenden. Später einlaufende Gesuche können nur dann berücksichtigt werden, wenn etwa rechtzeitig angemeldete Kinder ausfallen sollten. Wir bemerken noch, daß Kinder unter 3 Jahren, sowie Knaben über 14 und Mädchen über 15 Jahre in die Anstalt nicht ausgenommen werden.

Gießen, den 30. November 1900.

Direktion des Spar- und Lethkaffevereinr Gießen.

Wiener. 7944

Bekanntmachung.

Die diesjährige Hauptversammlung hat uns zur Prämiierung vou Dienstboten des Sparkaffeubezirks wieder einen ent» xa Kredit eröffnet. Wir bringen dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis, daß Prämien nur solche Dienstbieten im engeren Smne von 5 zu 5 Jahren erhalten können, welche bei der Herrschaft Kost und Logis haben und sich über gute Führung durch Zeugniffe auszuweisen nb; Sendung der 5 Jahre kann nur bann im letzte« abgesehen werden, wenn der Dtenstaustritt durch Einberufung dttlilar, durch Auflösung des Haushaltes der Herrschaft, oder durch Gründung eines eigenen Haushaltes seitens des Dienstboten, erfolgt. ES werden hiernach alle diejenigen Dienstboten, welche nach den vor- stehenden Bedingungen auf eine Prämie glauben Anspruch erheben zu können, ausgefordert, sich unter Vorlage der Dienstbücher, eines Zeugniffes der Herrschaft über gute Führung und daß Kost und Logis im Hause gewährt wird, sowie eines etwaigen Sparkassenbuches bei unserer Kaffe oder der Bürgermeisterei des Wohnortes, bis z«m 10 Dezember l. I zu melden.

Gießen, den 28. November 1900.

Direktion der Spar- und Leihkaffe Gießen.

Wiener. 7859

Verdingung von Bauarbeitern

Die nachstehend verzeichneten Arbeiten und Lieferungen zum Ausbau

eines neuen Spatkaffengebäude» sollen verdungen werden:

1. die

2. die

3. die

Tüncherarbeiten, Schreinerarbeiten, Glaserarbeiten,

5. die Parkettböden,

6. die Rollläden (hölzerne und eiserne),

4. die Anstreicherarbeiten,

7. die Tresoreinrichtungen.

D-e Verdingungsunterlagen, Zeichnungen und Bedingungen können auf dem Bureau des Architekten Gust. Hamann, Bergstraße 11, an den Wochentagen etngesehen werden.

Preisangebot sformulare sind daselbst gegen Erstattung der Kopial- gebühren erhältlich.

Angebote sind bis zum 18. Dezember d. IS., abeudö 6 Uhr, auf dem Bureau der Spar- und Leihkaffe in verschlossenem Couvert, mit entsprechender Aufschrift versehen einzureichm.

Gießen, den 5. Dezember 1900.

7928

Direktion der Spar» uud Leihkaffe Gießen.

Wiener.

Spar- und Ieihkasse Gießen.

Vom 5. l. Mts. ab finden außer an den feststehenden Zahltagen Mittwochs und TamStags auch noch jeden DienStag und Donnerstag Geschäftstage bei unterzeichneter Kaffe behufs Erhebung oder Beischreibung der Zinsen von E nlagen statt. Zinsen, welche bis zum 31. l. Mts. nicht erhoben sind, werben in den Büchern der Kaffe ohne weiteres zugeschrstben und vom 1. Januar k I. an verzinst. Em- tragung der zugeschriebenen Zinsen in die in den Händen der Einleger befindlichen Sparkaffenbücher kann ohne Verlust auch später erfolgen.

Gießen, am 1. Dezember 1900.

Spar- und Leihkaffe Gießen.

Doering. 7813

Emil Pistor Nachfolger

Giessen, Warktstraße 10.

ßisen-, Wetallwaren- und WerKzeughandkung Haushaltungs- und Küchengeräte

Oefeu und Kochherde in reichhaltiger Auswahl. 1627

Ofenschirme, Kohlenkasten, Wärmflaschen

Ateifchhackmafchiuen, Wurstfüllmaschinen, Waagen.

Wasch, uud Wrmgmaschmeu. Mallgell. PttroltllM'Krhösea.

A. Reinig

s

Samstag den 5. Januar 1901, nachmittags Lf, Uhr, sollen auf dem hiesigen Orisgenst ' dem Gärtner Friedrich Echackt 16 Gießen gehörigen Immobilien. Flur 83 Nr. S'/io 1319 qm Wetten am Altenfeld bei den A-lnen,

Flur 33 Nr IQi/io = 15« Qm W-xXt daselbst , x

öffentlich meistbietend bcrfletfltü wtrotn

Gießen, den 23. November 1M0. GrSßh- Ortsgericht Gießen- ___________ I. Sl : aoflt

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