Ausgabe 
9.10.1900 Zweites Blatt
 
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Deutsches Reich.

Berlin, 7. Oktober. Am 31. Oktober gedenkt der Kaiser in Wernigerode einzutreffen und bis zum 2. No­vember Jagdgast des Fürsten zu sein. An der Enthüllung des Denkmals für den Fürsten Otto, die schon am 30. d. M. stattfindet, wird der Kaiser demnach nicht teilnehmen können.

Aus Elberfeld wird berichtet: Am Tage des Besuchs des Kaiserpaares wird auch den Armen der Stadt eine Freude bereitet. Die in den städtischen An­stalten untergebrachten Armen werden festlich bewirtet. Von den Außenarmen erhält jeder Einzelnstehende und jedes Famrlrenhaupt eine Festgabe von 3 Mk., die bei dem Manne lebende Ehefrau 1 Mk., jeder weitere Familienangehörige 50 Pfg. Auch für die Zöglinge des städtischen Waisen- Hauses und der Anstalt für verlassene Kinder wird eine Fest- speisung veranstaltet.

Der Kronprinz begab sich gestern abend von Wildpark nach Kreuth zur Teilnahme an den Jagden auf den Besitzungen des Herzogs Karl Theodor.

Staatsminifter Graf Bülow hat sich einer Ein­ladung des Kaisers folgend, nach Hubertusstock begeben.

Aus Kiel wird gemeldet: Auf der Germaniawerft fand heute Mittag 12 Uhr im Beisein des Crbgroß- herzogs und der Erbgroßherzogin von Baden, des Prinzen und der Prinzessin Heinrich von Preußen, so­wie der Spitzen der Staats- und Civilbehörden der Stapel­lauf des kleinen Kreuzers F. statt. Die Taufrede hielt Staatssekretär von Tirpitz, während die Erbgroßher­zogin von Baden den eigentlichen Taufakt vollzog und im Auftrage des Kaisers das SchiffAmazone" taufte. Nach dem Stapellauf fand bei dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich im Schlöffe Tafel statt.

DieGermania" meldet: Die feierliche Grund­steinlegung der MariaHeimgang-Kirche aus dem Grundstück der Dormition in Jerusalem wird morgen unter Teilnahme der Mitglieder des deutschen Pilgerzuges vollzogen.

Mit Bezug auf die allgemeine Lage der preuß­ischen Finanzen wird offiziös geschrieben, man dürfe hoffen, daß die finanziellen Verhältnisse Preußens sich auch in den nächsten Jahren so gestalten werden, daß selbst der Ausbau des Staatsbahnnetzes und anderer neuer Verkehrs­anlagen sich im wesentlichen ohne Belastung des Geld­marktes werde ausführen lassen.

München, 6. Oktober. Das finanzielle Ergebnis der bayerischen Staatsbahn in 1899 beträgt: Einnahmen Mk. 161 376 127, Ausgaben Mk. 111 834 667, Ueberschuß Mk. 49 542 260. Von diesem Ueberschuß wurden verwendet: Zur Verzinsung und Verwaltung der Staatseisenbahnschuld

36 842 127, zur Ablieferung an allgemeine Staats­fonds Mk. 12 700133. Gegenüber dem Vorjahre haben sich die Einnahmen um Mk. 8 386 605 oder 5,48 Proz., die Ausgaben um Mk. 7 576 959 oder 7,27 Proz., der Einnahmeüberschuß um Mk. 809 644 oder 1,66 Proz. er­höht. Die Verzinsung des durchschnittlichen (statistischen) Anlagekapltals berechnet sich nach dem Rechnungsabschluß für 1899 aus 3,91 Proz., während sie im Jahre 1898 3,95 Proz. betrug. Dieselben würden sich nach dem Ueber- fchuß der eigentlichen Betriebseinnahmen über die eigent­lichen Betriebsausgaben auf 4,28 beziffern, gegen 4,40 Proz. im Vorjahre.

- Eine Regierungszuschrift an den Landwirt­schaftsrat vertritt eine angemessene Erhöhung des Tabakzolles und empfiehlt gleichzeitig den pfälzischen Tabakspflanzern sorgfältigere Einerntung und Behandlung des Tabakes.

Straßburg. 6. Oktober. Der Oberschulrat Dr. A l b r e ch 1 wurde zum Ministerialrat und zum Präsidenten des elsaß- lothringischen Oberschulrats, der Direktor des Gymnasiums in Hagenau Dr. Scherer zum Oberschulrat ernannt.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 8. Oktober 1900.

* Vou der Universität. Herr Dr. Schwarzmann, dem unlängst die venia legendi für Mineralogie erteilt wurde, verläßt die Universität, bevor er noch seine Lehr- thatigkeit begonnen, um eine Assistentenftelle beim Großh. Naturalienkabinett in Karlsruhe zu übernehmen.

* Landes Lotterie Bei der heutigen Ziehung fielen ein Gewinn von 30 000 Mk. auf Nr. 22445, ein Gewinn von 10000 Mk. aus Nr. 25110, einGewinn von 5000 Mk. auf Nr. 1352, ein Gewinn von 3000 Mk. auf Nr. 31010, 2 Gewinne ä 2000 Mk. auf Nr. 3962 16209, 4 Gewinne ä 1000 Mk. auf Nr. 11672 11808 25226 25492, 6 Ge Winne L 500 Mk. aus Nr. 241 2774 2958 3960 14362 18945, 12 Gewinne ä 400 Mk. auf Nr. 4714 7503 8038 12259 14187 16859 18941 21039 23368 23146 27902 29636, 36 Gewinne i 200 Mk. auf Nr. 484 1949 3181 3499 5876 6097 6560 6680 7886 7936 8032 8136 8154 9180 9509 12139 12872 14641 15423 15587 16384 16589 18187 21766 23599 25570 26288 26402 26665 26990 27353 27913 28283 28648 29541 31633 31969. (Ohne Gewähr.)

* Bürgermeisterwahl. Morgen Nachmittag sind die Stadtverordneten zu einer nichtöffentlichen Sitzung berufen, um die Wahl des Bürgermeisters vorzunehmen.

* * Stadttheater. Wie bereits bemerkt, findet die erste Volksvorstellung dieser Saison am Dienstag den 9. ds. Mts statt, für die Gutzkows bedeutsames Drama Uriel Acosta ausgewählt worden ist. Die Erstaufführung des fünfaktigen indischen DramaS Vasantasena ist aus nächsten Donnerstag den 11. ds. MtS. verschoben worden. Die Proben zu diesem eigenartigen, hochinteressanten Werke haben bereits begonnen.

* * Der VereinGeselligkeit" feierte am Samstag sein 14. Stiftungsfest imCafe Leib". Dem abwechslungs­reichen Programm zollten die zahlreich erschienenen Mit- I glieder und Gäste wohlverdienten Beifall. Ein Ball schloß die Feier des ersten Tages, während für Sonntag ein

10 Uhr unter russischer Eskorte von Li-Hung-Tschang Tientsin per Boot nach Peking abgereist.

Telegramme deS Gietzerrer Anzeigers.

London, 8. Oktober.Daily Mail" berichtet aus Schanghai: Die Expedition nach Taontingsu ist gescheitert. Die Schuld daran liegt hauptsächlich an den ungenügenden Transportmitteln, über die die deutsche Garnison verfügte. Hier verlautet bestimmt, daß der Feind im Besitze mehrerer Kanonenboote sei, die sich in großen Zwischenräumen auf dem Flusse befinden. Man glaubt, daß die Expedition auch infolge dieser Thatsache unter­blieben ist.

Loudon, 8. Oktober. In Peking befahl General Gaselee sämtlichen englischen Truppen, Vorbereitungen zur Ueberwinterung zu treffen.

Loudon, 8. Oktober. Aus Hongkong wird gemeldet: Eine Bande Räuber und Plünderer ist in der Stadt Singang, acht Meilen nördlich von Sangschang aufgetaucht. Eine Abteilung von 100 chinesischen Soldaten ist dorthin zur Hilfe abgegangen, mit dem Befehl, die Stadt anzugreisen. Die englische Grenzwache wurde verdoppelt und erhielt eine Mitrailleuse. Weitere Truppen werden in Bereitschaft gehalten, um nötigenfalls von Tientsin nach dem Süden abzugehen.

Der Krieg irr Südafrika.

Lord Roberts meldet aus Pretoria vom 5. ds.: Die Zahl der Buren, die sich ergeben oder gefangen werden, wächst täglich. Sie dürfte sich zurzeit auf 16000 Mann belaufen. General Kelly-Kenny berichtet: Ein Bataillon Freiwilliger wollte eine Buren-Abteilung in der Nähe von Bultsontein überraschen, die Buren waren jedoch stärker als man erwartet hatte. Das Bataillon zog sich nach drei­stündigem Kampf zurück. Die Engländer hatten sechs Ver­wundete. Die Verluste der Buren sind schwer.

Ausland.

London, 7. Oktober. Bis 11 Uhr abends waren gewählt: 322 Ministerielle, 90 Liberale und 65 irische Nationalisten.

Paris, 7. Oktober. Der ehemalige Ministerpräsi­dent und Senator Charles Dupuy trat in einer Rede vor seinen Wählern unter Hinweis und Erwiderung auf dre Bankettrede Loubets entschieden gegen die Wiederauf­nahme des Dreyfus-Prozesses auf.

Paris, 7. Oktober. DerEclair" behauptet, daß zwischen dem Kriegsminister Andre und dem General B r u g e r e ein sehr gespanntes Verhältnis be­stehe. Brugere sei über verschiedene vom Kriegsminister verfügte Maßnahmen, insbesondere über einzelnePer- sonal!-Veränderung en sehr ungehalten und habe dieser Verstimmung auch unverhohlen Ausdruck gegeben. Das Bestreben des Kriegsministers gehe nun' dahin, Bru­gere zum R ü cktr i t t zu bewegen. Als sein Nachfolger sei bereits General Zurlinden in Aussicht genommen.

Paris, 7. Oktober. Der jüngst aus der Gefangen­schaft des Emirs von Abrar entlassene Forschungsreisende B l a n ch e t ist demMatin" zufolge in St. Louis am Senegal am gelben Fieber gestorben.

Madrid, 7. Oktober. 20 Mitglieder des General- rats von Madrid wurden suspendiert und dem Ge­richt übergeben. Sie werden ersetzt durch Angehörige des Adels, der Künstlerschaft, der Gewerbekreise, der Bankwelt und Presse.

Budapest, 7. Oktober. Im Februar wird die große rumänische Legislative zusammentreten, um den auf die Thronfolge sich beziehenden Paragraphen 88 der Verfassung dahin abzuändern, daß, wenn der König mino­renn ist, ihn eine Regentschaft vertritt, der das älteste Mitglied des Hauses Hohenzollernn-Sigmaringen, der je­weilige Primas-Metropolit und der Kriegsminister ange­hören. Die Ursache dieser Aenderung soll darin liegen, daß König Karl den Thronfolger Prinzen Ferdinands dessen Konstitution seit der letzten Krankheit sehr geschwächt ist, dazu bewogen hat, zu Gunsten seines siebenjährigen Sohnes Karl ab zu danken. Angeblich soll hierbei auch die allzugroße Russenfreundlichkeit der Gattin des Thron­folgers, Prinzessin Marie, die der dreibundfreundlichen Politik des jetzigen Königs stark entgegenarbeitet, mit eine , Rolle gespielt haben.

K o n st a n t i n o p e l 7. Oktober. Der r u s s i s ch e B o t- | schafter Sinowjew geht auf eine Einladung des ; Zaren Ende der nächsten Woche nach L i v a d i a. Er i verbleibt dort auch während der Anwesenheit der vom Sultan zu entsendenden Deputation, als deren Chef Türkan oder Marschall Fuad Pascha ausersehen ist.

Konstantinopel, 7. Oktober. Die Dette Publique hat neuerdings der Pforte ein Vorschuß-Darlehen von 200 000 Pfund gewährt. D-ie Pforte! gab Garantie durch die Ueberschüsse aus den Zehnten und gewährt eine sechs- prozentige Verzinsung. Der vom Conseil der Dette Publique gefaßte Beschluß erfolgte in Abwesenheit der in Urlaub befindlichen deutschen und österreichi­schen Delegierten, sowie gegen das Oppositionsvotum des I italienischen Delegierten Marquis Guiccoli. Der Sultan I verlieh dem Präsidenten der Dette, dem französischen Dele- I gierten Berger, den Großkordon der Osmanie-Brillan- I ten, eine für diese Stellung außergewöhnlich hohe Aus- I Zeichnung. Berger bekleidete vor einigen Jahren Majors- I rang in der französischen Armee.

New Port, 7. Oktober. Eine Depesche desNew I Borker Herald" aus Washington meldet: Die Regier- I ung beabsichtigt, entscheidende Schritte zu thun, um die I Türkei zur schnellen Erfüllung ihrer Ver-I iflichtungen und Versprechungen bezüglich der I Zahlung von 90 000 Doll, als Entschädigung für die | Verluste der Amerikaner während der armenischen I Metzeleien zu bewegen. Der amerikanische Gesandte I Straus kehrt nach der Türkei zurück und zwar mit I >em ausdrücklichen Auftrage, auf die Erfüllung der I Forderung zu dringen.

I feuchtfröhlicher Frühschoppen vorgesehen war. Ein AuS- "3?gdschlößchen Dutenhofen" bildet^ den Schluß des 14. Stiftungsfestes.

I lein - Linden, 7. Oktober. Gestern durchzog

I Zigeuner bettelnd unfern Ort. Äuch

I !^ud mehreren Kenten Sachen abhanden gekommen dre niemand anders als die braunen Gesellen rnit- I A^mmen haben. Zwei Gendarmen folgten den in der I Richtung nach Gießen Abziehenden nach In nuferem I tn zwei Hauptverkehrstraßen, Frankfurter- und I Wetzlarerstraße, sich, treffen, ist überhaupt die Zigeuner- I e r 9r°$ Unb 9anä besonders war sie es inwiefern I (?) Grün berg, 6. Oktober. Heute nackmittaa ftieft I Ä zirkslehrerVerein Grünberg hier anläßlich

des Lehrers Dern aus Ni?der-Ohmen eine ÄX" B6- *ein tourbe "°ch ~ uf1" Schotten, 7. Oktober. Am letzten Sonntag im ^ptemb-er fand das diesjährige Dekanatsmifsions- dNffswnar Flad, bekannt durch fein inter-

SQ^re in China", predigte in der I esn?inb fb^ch m feer Nachversammlung, in der auch I -?'er Frisch- Ruppertsburg eine packende An- I Fnnnfp n«.J.L ~ic im hiesigen De-

kanate stationierten zwei Krankenpflegerinnerr I ^ben fa viel Arbeit in den Gemeinden des Dekanats ge- funden, daß, die hiesige evangelische Gemeinde mit dem stellen ken um9e^' eine eigene Gemeindeschwester anzu- f. ..-i- Laubach, 7. Oktober. In der Versammlung des hiesigen christlich-sozialen Vereins fand eine Feier zum Gedächtnis des verstorbenen Vorsitzenden, des Grafen Friedrich zu Solms-Laubach statt, von dem der langjährige Hausarzt des Entschlafenen eine aus­gezeichnete Charakteristik gab. Sodann hob Pfarrer Vo lp die Verdienste hervor, die der Verstorbene um den hiesigen christlich-sozialen Verein hatte und zeigte, wie der Verein fernem Führer voll Ueberzeugung in allen wichtigen Stellungnahmen folgte.

. a u 6 a et), 7. Oktober. Die neue, bereits abge­steckte Bahnlinie Laubach-Mücke wird einen Teil des hie­sigen Friedhofes durchschneiden. Infolge davon werden eine größere Zahl von Gräbern verlegt werden. Dies konnte aber nicht vermieden werden, da ein anderes Pro­jekt mindestens 60 000 Mk. Mehrkosten für die Stadt er­geben hätte.

-k- Ruppertsburg, 7. Oktober. Am Mittwoch tagte hier die diesjährige Synode des Dekanates Schotten. Zur Verhandlung kam die Frage:Was kann Kirche, Schule und Staat thun zur Förderung der Bestreb­ungen der sogen. Sittlichkeitsvereine." Der Referent, Pfarrer Freund lieb-Ulrichstein, wies dem Hause die wichtigste Aufgabe zu und hob scharf die üblen Einflüsse des heutigen Elternhauses auf die Jugend hervor. Der Dekanatsausschuß soll eine Ansprache auf Grund des Re­ferates ausarbeiten lassen, dste in allen Kirchen des De­kanates zur Verlesung kommen soll. Aus der ernsten Dis­kussion sei nur hervorgehoben, daß Bürgermeister Weid- n er-Herchenhain die ernste Pflicht des Staates zur Be­kämpfung ibier Unzucht hervorhob und das Vorbild der höheren Stände in Erfüllung ihrer kirchlichen Pflichten betonte.

-u- Schadges (bei Lauterbach), 8. Oktober. Unsere kleine Gemeinde erhält nun mit einem Male ein neues schönes Schulhaus, das zugleich auch! als Gottes­haus dient. Unsere Gemeinde hat ein geräumiges Ge­bäude (nebst Garten für den! Preis von 9200 Mark erworben. Da hierorts keine Kirche ist, so wird außer der Wohnung des Lehrers und dem Schulsaale noch ein Betsaal in dem Gebäude eingerichtet werden. Ferner soll es einen Turm mit zwei Glocken erhalten. In unserer Gemeinde werden also Kirche und Schule in einem Hause sein.

Der LlNiider Mord roithnnm vor Gericht.

Könitz, 6. Oktober.

Die Ermordung des Gymnasiasten Ernst Winter hält die hiesige Bevölkerung noch fortgesetzt in Atem und Aufregung. Es sind kaum drei Wochen seit der Verhand­lung gegen den Abdecker Jsraelski verflossen, die mit der Freisprechung desselben von der Anklage der Begünstigung endete, unb schon wieder wird sich das Gericht mit der Blutthat beschäftigen. Diesmal handelt es sich um mehrere Meineidsprozefse, die gegen Zeugen in der Vor­untersuchung eingeleitet sind.

Der erste, am Freitag vor der ersten Strafkammerves hiesigen Landgerichts begonnene Meineidsprozeß richtet sich gegen den in Untersuchungshaft befindlichen Präparanden Sp eisig er alias Rückwart. Als die ^Untersuchung bereits im Gange war und in der Oeffentlichkeit gegen bestimmte Personen Anschuldigungen erhoben worden waren, meldete sich Speisiger zur Zeugnisabgabe, und er soll nun mehrere Bekundungen gemacht haben, welche mit den von anderen Zeugen gemachten eidlichen Aussagen und mit den von den Behörden ermittelten Thatsachen in Widerspruch stehen.

Eines der größten Rätsel in dieser Afsaire bildet der Verbleib Ernst Winters am 11. Mrz. Der junge Mann war noch an jenem Sonntag nachmittag gegen 4 Uhr in Begleitung von zwei jungen Männern von ver­schiedenen Personen gesehen worden. Die Ermittelung dieser beiden jungen Leute ist bis heutigen Tages nicht möglich gewesen. Trotz zahlloser Aufforderungen und un­geachtet der hohen Belohnungen, die für jeden nennens­werten Nachweis ausgesetzt worden sind, haben fie sich nicht gemeldet. Es ist unaufgeklärt, wer sie waren und wohin sie ober Winter allein sich begeben haben. Kame­raden gegenüber soll Winter angedeutet haben, daß er zu einem ganz besonderen Rendezvous gehe er soll auch vor dem Weggang sorgfältig Toilette gemacht haben. Das ist alles, was man ermitteln konnte. Da trat eines Tages Speisiger mit der eidlichen Aussage hervor, daß er am Sonntag Nachmittag Winter mit der Meta Caspari, der Tochter eines hiesigen jüdischen Kaufmanns, zusammen gesehen habe. Thatsächlich hatte Winter mit dem ge­nannten jungen Mädchen und mit deren Freundin Fräu­lein Tuchler ebenso wie mit anderen jungen Mädchen der Stadt, u. a. der jüngsten Tochter des sehr angesehenen