Ausgabe 
9.9.1900 Zweites Blatt
 
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Sonntag den 9. September 15V. Jahrgang r.H>O

M. 81t Zweites Blatt

Amts- und Anzeigsblatt» den Aiveis Gieren

Durchkreuzung der Aufgabe des Grafen Walder

Die Wtrreu in China.

DiePost" schreibt: In amerikanischen Blättern finden

eingetroffen.

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von deutscher Seite mit Bezugnahme auf den Entschluß Rußlands, seine Truppen zurückzuziehen, gemacht worden sein sollen. Der Zweck dieser Mitteilungen ist augenschein­lich der, näheres über den Inhalt der Antwortnote Deutschlands auf das bekannte Zirkulartelegramm Ruß­lands in Erfahrung zu bringen. Es bleibt jedoch frag­lich, ob man an maßgebender Stelle die aus fremdländischer Quelle stammenden Meldungen für einen hinreichenden An­laß halten wird, den Wortlaut der deutschen Antwortnote

Sbceffc für Depeschen: Anzeiger chtdtzML.

Fernsprecher Nr. 5L

zu veröffentlichen.

Ueber London wird aus Washington gemeldet: Em Beamter des Staatsdepartements und ein hoher Diplomat erklärten, die deutsche Note spreche sich gegen Fort­setzung der Feindseligkeiten auS und schlägt vor, die ver­bündeten Truppen sollten in ein in Peking ver­bleibendes, von allen vertretenes Kontingent und in ein nach Tientsin zurückzuziehendes ein­geteilt werden. Die Mächte würden, wie man in Re­gierungskreisen glaubt, den deutschen Plan annehmen, Rußland würde jedenfalls auch zustimmen, nachdem es bereits aus seiner Aktion genügenden Vorteil gezogen habe, Mdem es sich die Gunst der chinesischen Negierung erworben. Das deutsche Kompromiß schließe die Beschützung der kaiserlichen Familie und des Ministeriums ein. Die Ver­bündeten werden unterdessen fortfahren, Chinas Verträge zu erfüllen und die Indemnität zu arrangieren. Die chi­nesischen Vorschläge überzeugten die Mächte, daß die Re­gierung alle Bedingungen annehmen werde, sofern sie bte Restuuration der Kaiserfamilie und des Ministertums

Gratisbeilage«: Gießener FamitieMStter, Der hesMe Landwirts Mätier str tzeWhe Dstksk»nde._______________

einschließen.

Nach den obigen, offenbar offiziösen Ausführungen I derPost" können wir nicht wissen, ob diese Angaben von I englisch-amerikanischer Seite den Thalsachen entsprechen. Jedenfalls aber ist diese Meldung ein Anzeichen dafür, daß die Räumungsfrage ausgehört hat, die Einigkeit der Machte ernstlich zu gefährden. Es ist denn auch hoffentlich nicht ganz Zufall, daß Kaiser Wilhelm gerade jetzt in Stettin öffentlich erklärt hat, er hege gar keine Besorg­nisse für die Zukunft, und sei fest überzeugt, daß es I gelingen werde, in China so feste und geordnete Verhält- I nisse zu schaffen, daß der dort ansässige deutsche Kaufman ein für allemal vor Unheil bewahrt bleibe. Ein solches I Wort giebt doch wohl der Zuversicht Raum, daß das Ein- I vernehmen der Mächte aus der Prüfung, der es einen Augenblick ausgesetzt schien, gefestigt und gekräftigt hervor­gehen werde. Aber eS wäre ein Zeichen von Einseitigkeit und Kurzsicht, wollte man dies als einen deutschen Triumph feiern. Sollte es sich bestätigen, daß die Mächte sich aus eine Anregung Deutschlands hin aufs neue geeinigt haben, fo ist die Nachgiebigkeit der Regierungen, denen die Räu­mung Pekings als der beste Weg zur Herstellung friedlicher Zustände erschien, vor allem also Rußlands, sicherlich ebenso hoch anzuschlagen, wie daS Entgegenkommen Deutschlands, das als die einzige Macht, deren Gesandter sein Leben hat | einsetzen müssen, ein Recht auf den Anspruch hat, daß mit den Schuldigen streng ins Gericht gegangen werde. Kurz, eine Lösung dieser Meinungsverschiedenheit wäre nicht das Verdienst einzelner, sondern sie ist nur möglich, wenn daS Einvernehmen aller in Bezug auf die letzten Ziele so auf­richtig und so stark ist, daß demgegenüber abweichende An­sichten über die Form, in der sie zu erreichen sind, nicht mehr als Keil in diesem Einvernehmen wirken können. Hoffen wir, daß diese Ansichten bald durch die Thatsachen bestätigt werden.

Nach einer Meldung aus London erfährt derDaily Oraphic", England habe noch keine Antwort auf den russischen Vorschlag erteilt. Salisbury habe seine Rückkehr nach London für den Anfang der nächsten Woche angesagt. Das RegierungsorganStandard" billigt den deutschen Vorschlag und erklärt, er stimme voll mit Aalisburys Standpunkt überein

Von russischer Seite gehen der WienerPolit. Korr." Erläuterungen zu den letzten Vorgängen des Petersburger Kabinetts zu, in denen behauptet wird, Rußland habe seit Beginn der gemeinsamen Aktion seine Haltung nicht geändert. Wenn heute in deren Be­urteilung eine Schwankung eingetreten, so gehe das von denen aus, die sich allmählich in die Vorstellung etnlebten, daß es sich um einen Feldzug zur Niederwerfung Chinas handle. In der längeren Erklärung wird dann nochmals die Meldung dementiert, daß das jüngste Auftreten Ruß­lands gegen Deutschland gerichtet gewesen und eine

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le* »«Zeiger t»* ,Heff. n. MälUr hch. MMun^ b9*L**M

Telegramme des Gietzener Anzeigers.

Loudon, 8. September. Bus Washington wird be­richtet : Die Regierung beschäftigt sich mit der Bildung

s e e bezwecke. t _

Graf Waldersee ist übrigens am 7. d. M. m Co-

DtePost" scyrewt: yn amentam^en »uxutxu |uu>cu tombo ^getroffen und hat nad* einem Aufenthalt von sich verschiedene Angaben über Vorschläge, die angeblich I mehreren Stunden an Land mit dem DampferSachsen"

Der Krieg in Südafrika.

Endlich wieder einmal eine Nachricht aus Bullers Hauptquartier. Von Badfontein wird gemeldet, daß am Dienstag den 4. September, zwischen den Engländern unter Buller und den Buren unter Botha heliographische Mitteilungen stattgefunden haben. Die Engländer benach­richtigten die Buren von der Einverleibung Transvaals und fragten, weshalb sie sich nicht ergäben. Die Antwort lautete: Müssen kämpfen aus Bothas Befehl. Die Buren fragten, ob die Gefangenen noch immer nach Ceylon ge­sandt würden, und auf eine bejahende Antwort erklärten sie nochmals, sie müßten weiter kämpfen. Am Dienstag standen Buller und Botha sich noch in derselben Stellung gegenüber wie am Sonntag. Dienstagabend krochen die Buren bis an die englischen Vorposten heran, worauf Ge­wehrfeuer ausgetauscht wurde. Das scherzhafte Frage- und Antwortspiel ist, wenn es nicht erfunden ist, em Beweis dafür, daß die Buren ihren alten Humor noch nich ver­loren haben. Ernste Bedeutung hat es natürlich nicht, die

eines Kriegs-Ausschusses, der den Mächten vor- schlagen wird, die gegenüber China einzunehmende Haltung zu bestimmen. Vizepräsident Harrington und Staatssekretär Hay sind bereits als Mitglieder dieses Ausschusses be- zeichnet. Die Antwort Deutschlands auf den Vor­schlag Rußlands wird hier als nicht vollständig be­friedigend bezeichnet. Man erwartet eine neue amtliche Mitteilung aus Berlin. Rußland dürfte seinen Vor­schlag zurückziehen, wenn derselbe nicht von den Groß­mächten gebilligt wird.

Loudon, 8. September. Wie aus Hongkong ge­meldet wird, ersuchte die dortige Handelskammer die­jenige von London, das Auswärtige Amt zu bitten, die internationalen Truppen nicht aus Peking zurückzuzieheu, da eine solche Maßregel daS Ansehen der Fremden bei den Chinesen erheblich verringern würde. Dieses Telegramm ist Lord Salisbury mit einem billigen­den Gutachten zugestellt worden. Wie aus Hongkong weiter berichtet wird, sind die deutschen Transportschiffe Geier" undFuchs" dort eingetroffen.

Loudon, 8. September. Nach einem Telegramm auS New-York scheint die Antwort der französischen Negierung

1 auf die amerikanische Note weniger bedingt, als die der anderen Mächte, aber sie deutet nicht auf starken Wider-

I stand gegen die dauernde Besetzung Pekings. Berichten auS Washington zufolge hat die russische Regierung erklären lassen, daß sie die deutschen Vorschläge annehme. Eine amt­liche Bestätigung dieses Gerüchts steht noch aus.

Paris, 8. September. In der Umgebung Witte'« stellt | man keineswegs in Abrede, daß 3000 Russen in der I Richtung auf Peking unterwegs sind. Erklärt wird I dies damit, daß Abteilungen der chinesischen Schwarz­flaggen sich nördlich von Peking gezeigt haben. Eventuell wären diese 3000 Mann bestimmt, an Stelle der jetzigen russischen Besatzung in Peking daselbst weitere Befehle zu

I erwarten. ,

Petersburg, 8. September. In einem Leitartikel über I die Chinafrage führt dieRossija" aus, daß Rußland die I militärischen Operationen in der Mandschurei nicht als | eine der chinesischen Regierung im Kampfe mit den Auf- I rührern erwiesene Hilfe betrachten werden, sondern I daß die chinesische Regierung mit Rußland Krieg geführt I habe. Das Blatt verlangt energisch, daß Rußland daS I Protektorat über die Mandschurei übernehmen soll, daß die chinesischen Truppen, die mit Rußland ge-

I kämpft haben, wie Aufrührer nach Kriegsrecht be* I straft werden sollen und alle wichtigen Orte in der Mand­schurei starke russische Garnisonen erhalten.

I New York, 8. September. Das Staatsdepartement er- I hielt die Antwort verschiedener Mächte auf die russisch- I amerikanischen Vorschläge. Berichte aus Washington teilen I mit, die Antworten beseitigten alle Befürchtungen bezüglich I internationaler Disharmonien, bedauerten gleichzeitig den Vorschlag Rußlands und versuchten, Rußland zu überreden, in Peking zu verbleiben; jedoch sprächen Anzeichen dafür, I daß alle Mächte schließlich in den Rückzug aus Peking während der Verhandlungen mit China willigen oder viel- I leicht den Kompromißvorschlag Deutschlands annehmen werden, kleine fremde Detachements in Peking zurückzulaffen. Dieser Vorschlag wird in Washington günstig aufgenommen. Man nimmt an, daß, falls der jetzige Zustand bis zum I Eintreffen Waldersees andauern sollte, Deutschland ver- I langen werde, daß alle Verhandlungen mit China I sistiert werden sollen. ____________

Diekorbb Ällgem. Ztg." schreibt: Die belgische Regierung hatte im Juni dieses Jahres der deutschen Regierung die Zuversicht zum Ausdruck bringen lassen, daß die belgischen Vertreter und Staatsangehörigen m China während der damaligen Bedrängnis der Fremden auch bei den deutschen Streitkräften Schutz finden wurden und hatte um die Erteilung entsprechender Weisung an die zuständigen Organe des Reiches in China gebeten. Diesem Wunsche ist von deutscher Seite bereitwilligst ent­sprochen worden. Der Ches des deutschen Kreuzergeschwa­ders hat den Schutz der belgischen Unterthanen übernom­men und auch in wiederholten Fällen geeigneten Beistand geleistet. Nach dem Entsatz Pekings hat nunmehr die bel­gische Regierung durch ein Schreiben ihres Berliner Ge­schäftsträgers in herzlicher Weise ihren Dank für die deutsche Unterstützung aussprechen lassen

Der Kaiser hat den ersten Legationssekretar bei der deutschen Gesandtschaft in Peking, .Herrn von Below- Saleske zum Legationsrat befördert. Derselbe wurde von der Beförderung telegraphisch in Kenntnis

und Hilfstruppen verlangte

Ein Telegramm von Futschau berichtet, daß der Pöbel in Luschin und Liukei gegen eingeborene Christen ernste Ausschreitungen begangen habe. Die Stadt- thore der benachbarten sechs Distrikte seien geschlossen wor­den Der Taotai dieses Bezirks sei infolge seiner Un­beliebtheit entlassen und Ting, der jetzige Taotai von Amoy, an seine Stelle gesetzt worden. Nach emem Te­legramm aus Amoy wurden nach gegenseitigerUeber- einkunft die britischen und jap an i schen Marine­truppen am 7. ö. M. zurückgezogen. Alles ist ruhig.

Das Pariser Auswärtige Amt teilt mit: Der franzö­sische Konsul in Shanghai telegraphiert, daß der Vice- könig von Nanking auf seine Aufforderung hm, einen spa­nischen Vikar und zwei Missionare, beren Leben in Gefahr war bis nach Kankiang eskortieren ließ. Herr v. Ezaure hat gleichfalls eine Eskorte für einen französischen Missionar aus dem östlichen Kuanaft erhalten.

Nach einer Meldung aus Shanghai beging der Finanz­minister Selbstmord. - Der chinesische Gesandte in Petersburg teilte Li-Hung-Tschang mit, Rußland wünsche die Rückkehr der Kaiserin und des Kaisers nach Peking und Unterhandlungen vor der Ankunft des Feldmarschalls Waldersee. Rußland verlasse freiwillia die Mandschurei - Das zweite deutsche Seebataillon und eine Batterie find in Peking

Die deutsche Militärverwaltung hat jetzt be­gonnen, die durch die ostasiatische Expedition entstandenen Kosten zu ermitteln. Die Einzelbetriebe, die unteren Behörden, Werkstätten re. sind aufgefordert worden, die | von ihnen geleisteten Ausgaben festzustetlen und die Rech­nungen darüber abzulegen. Die Mobilmachung scheint für abgeschlossen zu gelten. . .

Die neueste dtachrichk ans Peking ist eine Meldung des Befehlshabers der französischen Truppen. General Frey telegraphiert über Taku vom 2. ds.:Das erste Bataillon des 17. Marine-Jnfanterie-Regiments ist in Be­gleitung einer Batterie in Peking eingetroffen. In Peking und Umgegend herrscht fortdauernd Ruhe. Der Ge- sundheitszustand ist ausgezeichnet". Ferner berichtet die Exchange Company aus Hongkong vom b. ds., nach Aussage des Sekretärs Li -Hung -Tschangs habe Li aus Peking die Mitteilung erhalten, daß die Verbündeten allmählich den Chinesen gestatten, die Verwaltung der Stadt Peking wieder zu übernehmen. Prinz Tsching sei über die kai­serliche Stadt gesetzt worden. Nach weiteren Nachrichten soll sich der Prinz Tu an an einem zwei Tagereisen von Peking entfernten Orte versteckt halten, um das Ergebnis der freundlichen Bemühungen Rußlands abzuwarten. Der Mann wird hoffentlich in seiner Spekulation auf die Un­einigkeit der Mächte getäuscht werden. Aus Yokohama wird dem Neuterschen Bureau vom 7. ds. gemeldet: Das hiesige Auswärtige Amt erhielt folgende Depesche aus Schaft in Hupe vom 4. ds.: Große Abteilungen Schwarz flagg en unter dem Befehl des Generals Liu ziehen nordwärts durch die Provinzen Hunan und Hupe i DieTimes" meldet aus Hongkong vom 6, ds.: Hier find Gerüchte über ernste Unruhen in Luntschau (Sint- schau?) verbreitet, wo der Präfekt von Wutschau mit 100 Soldaten von einer Räuberbande belagert fein soll

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