Ausgabe 
9.8.1900 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Garnison von Rustcnburg zu entsetzen und daß sich diese Garnison nach Ze ernst zu ückziehe.

Ein in Cradock eingegangenes Telegramm besagt, daß in Vryburg am Samstag große Erregung herrschte. Die Stadtwache wurde einberusen. Militärische Ver> ftärkungen trafen ein. Auch sonst ist alles für einen Angriff der Buren vorbereitet.

In London teilte Chamberlain dem Unterhaus mit, er habe bezüglich des Hauptpunktes der künftigen Regelung der südafrikanischen Verhältnisse sich mit Kanada und den australischen Kolonien ins Benehmen gesetzt. Die britische Negierung und diese Länder seien völlig darüber einig, daß die südafrikanischen Gebiete annektiert und dort eine von der Militärgewalt unterstützte Re­gierung eingesetzt werden müsse. Als Definitivum für beide Kolonien sei eine repräsentative Selbstregier­ung in Aussicht zu nehmen.

Deutsches Reich.

. Berlin,?. August. Der K a i s e r, hörte im Schlosse Wilhelmshöhe heute vormittag die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts v. Hahnke und des Vertreters des Auswärtigen Amtes Grafen Wolff-Metternich.

Wie aus Mailand telegraphiert wird, ist Prinz Heinrich v o n. P r e u ß e n in der letzten Nacht dort an­gekommen. Heute morgen hat er sich inkognito nach Monza begeben; nachmittags erfolgte die Weiterreise nach! Rom. Er wird am Mittwoch früh zu den Beisetzungsfeierlichkeiterr in Rom eintreffen und am Donnerstag abend wieder ab­reisen.

DerHamb. Korresp." giebt unter Vorbehalt eine Meldung seines Petersburger Korrespondenten wieder, wo­nach der Zar die Erlaubnis gegeben habe, daß deutsche Truppen per Bahn durch! Rußland und Sibirien nach Ostasien befördert werden dürfen. Nachdem diplomatische Verhandlungen über den Gegenstand ergebnislos verlaufen waren, was bei gewissen Strömungen nicht zu verwundern, kam ein H a n d schr e i - ben Kaiser Wilhelms an den Zaren, auf das bereits am nächsten Tage eine umfangreiche Antwort er­folgte. Drei Tage später, am 21. Jun, empfing der Zar ein Telegramm Kaiser Wilhelms, und eine Stunde später erhielt der Kriegsminister entsprechende Befehle, um die nötigen Maßnahmen zu treffen.

Der kaiserl. Botschafter in Rom, General-Adjutant und General der Kavallerie G r a f v. W e d e l ist auf seinen Posten zurückgekehrt und hat die Geschäfte der kaiserlichen Botschaft wieder übernommen.

Der kaiserl. Gesandte in Belgrad, Wirkt. Geh. Rat Frhr. v. Waecker-Gotter hat einen Urlaub ange- treten. Während seiner Abwesenheit ist der kommissarisch nach Belgrad entsandte Legationsrat Graf v. Mont- gelas als Geschäftsträger thätig.

In diesen Tagen steht die Ankunft des neuernann­ten Kolonial-Direktors Dr. S t ü b e l und die Uebernahm^ der Geschäfts der Kvlonialverwaltung durch ihU bevor. Der neue Kolonialdirektor wird, ohne erst ein Zwischen- klima aufzusuchen, sein Amt ohne weiteres übernehmen.

Es verlautet, daß an Stelle des zum Gesandten! in Luxemburg ernannten Herrn v- Tschirschky und Boegendorff der bisherige Erste Sekretär bei der Botschaft in Wien, Graf Pückler, in gleicher Eigenschaft nach Petersburg versetzt wurde, während der bisherige Zweite Sekretär bei der Botschaft in Wien, Freiherr von Romberg, zum Ersten und der bisherige Dritte Sekre­tär v. Stumm zum! Zweiten Sekretär bei derselben Bot­schaft ernannt wurde.

Die Berliner Anarchisten veranstalten morgen eine öffentliche Kundgebung. Der Agi­tator Dempwolz spricht über Attentate und Anarchie. Es soll angeblich eine Erklärung abgegeben werden, dahin gehend, daß die deutschen Anarchisten mit dem Attentat aus König Humbert absolut nichts Zu thun haben.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht den zwischen dem Reichskanzler im Namen des Reiches und der Aktien­gesellschaftDeutsche Ostafrikalinie" abgeschlossenen Ver­trag über die Einrichtung und Unterhaltung von Post­dampferverbindungen mit Afrika.

DasArmeeverordnungsblatt" veröffentlicht eine allerhöchste Kabinettsordre betr. die Versorgung der Angehörigen des ostasiatischen Expeditionskorps und ihrer Hinterbliebenen.

K i e l, 7. August. Das n o r w e g i s ch e> G e s ch w a d e r, bestehend aus den PanzerschiffenHarald Haarfager" und Tordenskiold", den KanonenbootenFrithjof" undSleip- ner", sowie 5 Torpedobooten, unter dem Befehl des Vize'- admirals Krogh, ist heute mittag zu mehrtägigem Aufent­halte hier eingelaufen.

Ausland.

Brüssel, 7. August. Die Angelegenheit S i p i d o s, der ein Attentat auf den Prinzen von Wales verübte, aber von der ersten Instanz freigesprochen wurde, kommt am 24. September vor den Kassationshof. Sipido kehrt alsdann zurück. Der Schah von Persien trifft schon am 11. August in Ostende ein. Er wird 10 Tage in Belgien verweilen.

London, 7. August. Der Gesandte in Brüssel, Sir R. F. P l u n k e t t, wurde zum Botschafter in Wien an Stelle R u m b o l d s, der sich ins Privatleben zurückzieht, ernannt. Durand, Gesandter in Teheran, wurde an Stelle Drummond-Wolffs, der aus dem Staats­dienste scheidet, zum Gesandten in Madrid ernannt. Nach Brüssel wird der bisherige Gesandte in Rio, Phipps, versetzt .An seine Stelle kommt Dering, bisheriger Ge­sandter in Mexiko.

Das amtliche Blatt veröffentlicht eine königliche Bekanntmachung, durch die die Ausfuhr von Waffen und Munition nach China vom 7. August ab'ver­boten wird.

Paris, 7. August. Im Ministerrat teilte Delc asse ein Telegramm des Konsuls in Shanghai vom 5. ds. Mts mit, worin dieser meldet, Eisenbahndirektor Scheng benachrichtigte ihn amtlich, daß ein kaiserliches Dekret vom 2 ds besage, die fremden Gesandten würden, sobald sie wollen,' unter Eskorte nach Tientsin geführt werden. Sie

durften von nun an in offener Schrift'-mtt'lhrc'n Mgier- ungen verkehren. Der Minister erklärte ferner, keine De­pesche berechtige zu dem Glauben, daß der Marsch auf Peking beschlossen sei.

R o m, 7. August. Das Königspaar kommt morgen früh zehn Uhr an. Offizieller Empfang findet nicht statt. Königin Margherita trifft abends ein. Die Frauen Roms wollen sie im Quirinal empfangen und ihr Blumen streuen. Die Stadt zeigt schon reichstes Leben. Das schöne Wetter kontrastiert mit dem Trauerschmuck der Hauptstraßen. Die Abendblätter melden, daß ein Mann verhaftet wurde, der heute morgen auf der Via Nazionale ein Plakat anklebte, das gekreuzte Dolche und Pistolen enthielt. Darunter stand eine Warnung an den König, der bald das Schicksal seines Vaters teilen würde.

Aus Mailand wird gemeldet: Brescis Ge- ständnis ist beinahe vollständig. Er nannte eine Reihe seiner Komplizen und gab auch eine Beschreibung, wie das Komplott beschlossen wurde. Die Details werden von der Behörde aber aus taktischen Gründen geheim gehalten. Bresci gab sein Geheimnis unter der Bedingung preis, daß er die Zwangsjacke, die 1er seit Freitag zehn Stunden lang täglich tragen mußte, ablegen dürfe. Sein Benehmen ist immerhin noch wunderlich Er läßt des öfteren den Ge­fängnisdirektor holen, er wolle sein Gewissen erleichtern und wichtiges gestehen. Wenn der Direktor aber kommt, erklärt er, von nichts zu wissen. Manchmal ver­weigert er die Nahrungsaufnahme. Gestern durfte er, da er dringend danach verlangte, seiner Frau nach AMet­rik a schreiben.

Konstantinopel, 7. August. Der Sultan bat den britischen Botschafter O'Conor bei seiner letzten Audienz, seine Kollegen zu ersuchen, das Zirkular in Be­treff der strengen Handhabung der Bestimmungen über die Empfehlung von Fremden für die Selamlikfeier nicht als einen formalen Akt zu betrachten, sondern ihm die ernstlichste Beachtung zuzuwenden.

Der serbische Gesandte teilte der Pforte mit, die neue serbische Regierung habe ihn instruiert, Ver­handlungen mit der Pforte zwecks eines definitiven Handelsvertrages umgehend einzuleiten.

Wilhelm Liebknecht

Gießen, 8. August 1900.

Einer der ältesten Führer der Sozialdemokratie, der Reichstagsabgeordnete Wilhelm Liebknecht, ist gestern Nacht, wie wir gestern noch durch Aushang bekannt gaben, in Charlottenburg einem Schlaganfall erlegen. Er hat am Montag Abend bis Va1 Ühr nachts gearbeitet. Kein Anzeichen verriet die nahe Katastrophe, als er sich zur Ruhe begab. Am frühen Morgen, gegen 4 Uhr, wurde feine Frau durch ein schweres Röcheln geweckt. Wilhelm Liebknecht hatte sich, im letzten Widerstand gegen den an­drängenden Tod, halb aus dem Bette emporgerichtet. Der Arzt war in wenigen Minuten zur Stelle, er konnte nur noch den Tod feststellen; ein Gehirnfchlag hatte Liebknechts Dasein rasch und mild ein Ende bereitet.

Wilhelm Liebknecht ist am 29. März 1826 in Gießen im jetzigen Hause Kirchenplatz 15 geboren. Hier erhielt er seine erste Ausbildung und bezog im jugendlichen Alter von kaum 17 Jahren die heimische Universität, um Philologie zu studieren. Schon die Hochschule riß den jungen Strudelkopf in allerlei Wirren hinein; er machte den Gießener Studentenauszug mit und mußte sich als Relegierter eine andere Stätte suchen, zuerst Berlin, dann Marburg. Seinem Naturell und feiner Gesinnung folgend, wurde er 1848Revolutionssoldat", faß aber bald in Hast. Kaum befreit, machte er 1849 den badischen Ausstand mit und rettete sich aus dessen Zusammenbruch als Flüchtling in die Schweiz und von da nach England, wo er sich als Lehrer und Schriftsteller leidlich durchschlug und in Karl Marx den politischen Lehrer und brüderlichen Freund sand.

Im Herbst 1862 nach Deutschland zurückgekehrt, war er kurze Zeit in der Redaktion derNordd. Allg. Ztg." thätig, wandte sich dann der Agitation in der Arbeiterfrage zu und wurde 1865 aus Preußen ausgewiesen. Liebknecht ging nach Leipzig und leitete dort dieMitteld. Volks-Ztg." Nach dem Friedensschluß 1866 wurde er wegen Bannbruchs verhaftet und zu dreimonatiger Gefängnisstrafe verurteilt. 1874 wurde er vom Wahlkreis Stolberg in den Reichstag gewählt, dem er mit kurzer Unterbrechung seitdem angehört. Seit 1888 vertrat er den 6. Berliner Wahlkreis.

Auch als Schriftsteller war Liebknecht thätig. Außer einer Anzahl von Broschüren veröffentlichte er auch eine ganze Reihe größerer Werke.

Es wäre verkehrt, am Grabe des alten Führers der roten Internationale von einem einseitigen Parteistandpunkt aus den Verstorbenen einfach zu verdammen. Er gehört nunmehr der Geschichte an und diese wird über ihn das Wort sprechen, indem sie mit objektivem Griffel seinem Leben und seinen Thaten im Rahmen der Gesamtentwickelung des deutschen Volkes in der letzten Hälfte des vergangenen- kulums die passende Stelle anweist. Keineswegs aber können wir uns berufen fühlen, die schweren und ernsten Gefahren des Irrwegs zu verkennen, aus welchen ein großer Teil der deutschen Arbeiterschaft durch den Verstorbenen in erster Linie hingeleitet wurde.

Die deutsche Sozialdemokratie ging bekanntlich aus zwei Bewegungen hervor, aus dem 1863 begründeten All­gemeinen Deutschen Arbeiterverein, der von Lassalle ins Leben gerufen wurde, und aus der 1869 geschaffenen sozial­demokratischen Arbeiterpartei, die sich auf marxistischer Grundlage ausbaute. In Gotha erfolgte 1875 die Ver­schmelzung der beiden Gruppen; indes gelang es dem Lieb- knecht'schen Einfluß verhältnismäßig rasch, die Lassalle'schen Ideen aus der Partei auszumerzen; insbesondere das Er­furter Programm vom Jahre 1891 zeichnete sich dadurch aus, daß der letzte Rest Laffalle'scher Doktrinen, so die Forderung von der Zerbrechung des Ehernen Lohngesetzes und diejenige der Errichtung von Produktivgenossenschastcn

bei Seite geschleudert wurden. Seit 1891 datierte der un­beschränkte Sieg des Marxisten Liebknecht in der sozial­demokratischen Partei. Er hat bis zu seinem Tode an den Lehren von Karl Marx unabänderlich seftgehalten, und feine Autorität gegenüber vielfachen Angriffen weniger doktrinärer undüberzeugter" Sozialdemokraten zu behaupten vermocht.

Ein Musterbild sozialdemokratischer Einseitigkeit und Kurzsichtigkeit, betrachtete er alles durch die Brille feiner Partei. Er kannte nur das eine Ziel, den unverfälschten Marxismus zu verbreiten. Dies Ziel ging ihm über alles andere. Ihm war er bereit in fanatischer Verblendung alle den Menschen sonst teueren Empfindungen zu opfern, Vater­landsliebe und Religiosität, Pflicht- und Autoritätsgefühl der Massen. Unvergessen ist noch fein Ausspruch, daß die Zeit der Sozialdemokratie nach einer Niederlage des deut­schen Heeres kommen werde. Der Kampf um die Macht müsse blutig sein, wenn er auch vielleicht im Anfang un­blutig sein werde. Unvergessen ist gleichfalls noch die Be­sorgnis, mit der der alte Revolutionär dafür eintrat, daß die Sozialdemokraten sich von den Landtagswahlen fern hielten; fürchtete er doch, seine Partei möchte, wenn sie mit bürgerlichen Parteien Hand in Hand ginge, verflachen und verwässern.

Und doch wird diese Zeit eines Tages kommen. Denn die segensreiche Kraft der deutschen Sozial­gesetzgebung wird eines Tages auch auf die verhetzten Massen ihre Wirkung ausüben. Liebknecht ist dahin, lieber ihn wird die Entwickelung hinausschreiten. An starren lebens und kulturwidrigen Doktrinen festzuhalten, ist nicht die Sache gesund sich entwickelnder Völker, und so wird auch einst der Tag kommen, an dem die Lehre selbst dahinstnkt, nachdem ihr der Lehrer vorausgegangen.

Das Begräbnis findet Sonntag nachmittag 3 Uhr statt.

Aus Stadt und Land.

Gieße«, 8. August 1900.

Militärisches HilligeS, Jntend.-Bureaudiätar, von der Korps-Jntend. des 18. Armeekorps, zu der Jnteud. der Großh. Hess. (25.) Division versetzt.

** Dem Korps Starkeuburgia gingen anläßlich seines 60jährigen Stiftungsfestes zahlreiche wertvolle Dedikationen von befreundeten Korps usw. zu, womit die ohnehin Prachtvolle innere Einrichtung des Korpshaufes wesentlich bereichert wird. Diejenigen Festteilnehmer, die s. Zt. der Einweihung des Korpshauses nicht beiwohnen konnten und dasselbe zum erstenmale betraten, sprachen sich ebenso lobend über die Ausstattung, tote anerkennend über den Betrieb der in Bewirtschaftung der Frau Zink be­findlichen Kneipe aus. Unter den zahlreichen Gratulanten befand sich auch die 79jährige Frau Dampfmann, die ihren Glückwünschen durch Uebersendung eines schöncn Blumenstraußes Ausdruck gab. Sie hat eine lange Reihe von Jahrenihren Starkenburgern" Samariterdienste ge­leistet, denAbgestochenen" die Wunden gekühlt und sie gepflegt, wie eine Mutter ihre Kinder; sie wurde in diesen Tagen mehrfach vonAlten Semestern" an ihrem Obststande begrüßt. An dem imposanten Fackelzug, der sich gestern abend mit drei Musikkorps durch die Straßcn der Stadt bewegte, beteiligten sich gegen 100 Herren, Aktive, Alte Herren und befreundete auswärtige Korps.

** Laudeslotterie. Bei der heute fortgesetzten Haupt­ziehung fielen 1 Gewinn 50 000 Mk. auf Nr. 17 443. 1 ä 12 000 Mk. aus Nr. 18 617. 2 ä 1JW0 Mk auf Nr. 7928, 17 806. 2 ä 4000 Mk. auf Nr. 561, 3871. 17 ä 3000 Mk. auf Nr. 335, 11 681, 13 758, 14 504, 15 456, 15 681, 16 750, 21416, 22 570, 24 585, 26 276, 27 178, 27 614, 27 726, 29 522, 32 062. 12 ä 2000 Mk. auf Nr. 1409, 3297, 3460, 4368, 12 677, 14 786, 15 262, 16 163, 18 309, 27 967, 30 330, 32 389 33 ä 1000 Mk. auf Nr. 494, 893, 1600, 2909, 2935, 3218, 4540, 5153, 6321, 6782, 7886, 10270, 10352, 11245, 11302, 11 805, 14 771, 15 636, 16 007, 17 395, 17 696, 19 206, 19 234, 19 268, 20116, 24 921, 24 968, 25 397, 25 450, 25 716, 25 853, 26 702, 30 517. 30 ä 500 Mk. auf Nr. 373, 1016, 2483, 3461, 3709, 9665, 9349, 9696, 10 988,

12 083, 13 992, 17 690, 17 796, 17 826, 17 970, 18 849,

19 015, 19 267, 19 343, 22 009, 22 735, 24 486, 25 801,

26 269, 27 628, 28 013, 30 137, 31 611. (Ohne Gemäht).

** Militärisches Verbot. Der preußische Kriegsminister bringt erneut zur allgemeinen Kenntnis, daß den Unteroffizieren und ,M a n n s cha f t e n, dienstlich verboten ist: 1) jede Beteiligung an Vereinig­ungen, Versammlungen, Festlichkeiten, Geldsammluitgen, z>u der nicht vorher besondere dienstliche Erlaubnis erteilt lst, 2) jede Dritten erkemrbar gemachte Bethätigung revolu­tionärer oder sozialdemokratischer Gesinnung, insbesondere durch entsprechende Ausrufe, Gesänge oder ähnliche Kund- gebungen, 3) das Halten und die Verbreitung revolu­tionärer oder sozialdemokratischer Schriften, sowie jede Ein­führung solcher Schriften in Kasernen oder sonstige Dienst- lokale. Ferner ist sämtlichen Angehörigen des aktiven Heeres düenstlich befohlen, von jedem zu ihrer Kenntnis gelangenden Vorhandensein revolutionärer oder joäml5 demokratischer Schriften in Kasernen oder anderen Drenst- lokalen sofort dienstliche Anzeige zu erstatten. Diese Ver­bote uno Befehle gelten auch für die zu Hebungen emge- zogenen und für die zu Kontrollversammlungen ernbe- rufenen Personen des Beurlaubtenftandech welche gemäß § ß des Militärstrafgesetzbuchs und 8 38 » 1 des Reichs- Militärgesetzes bis zum Ablauf des Tages der Wiederent- lassung bezw. der Kontrollversammlung den Vorschriften des Militär-Strafgesetzbuchs unterstehen.

-b. Bad Nauheim. 7. August. Ungeheures Aus. sehen erregt hier die Verhaftung des 0r. weä. Bruck, die auf die Beschuldigung einer unterleibsleidenden und hysterischen Frau Kowalewski au« Lodz hin erfolgt ist. Sie ist von Dr. Bruck dreimal untersucht worden; und nach der dritten Untersuchung hat sie behauptet, er habe ein unsittlichesAttentat» (Drücken und Küsten!) ver- sucht. Später hat sie erklärt, sie wolle keine Anzeige und