Ausgabe 
9.8.1900 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

"Des einjährigen Betrages. Die Ansprüche aus Lebens-, Kapital- und Rentenversicherungen kommen zur Steuer mit zwei Drittel der Summe der eingezahlten Prämien in Ansatz. Veränderungen an dem steuerbaren Vermögen im Lause des Jahres sollen in der Regel eine Erhöhung oder Verminderung der Steuer nicht nach sich ziehen. Nur in den Fällen, in denen nachweislich das gesamte ver­anschlagte Vermögen durch Verluste um mehr als den vierten Teil sich vermindert (Erbteilung ausgeschlossen), Lann durch Berufung mit Wirkung vom Schlüsse des ver­lustbringenden Monats an eine verhältnismäßige Herab­setzung gefordert werden. Fängt die Vermögenssteuer­pflicht erst im Laufe eines Jahres an, so findet eine Heranziehung zur Steuer nur dann statt, wenn zugleich die Ernkommensteuerpflicht hinzutritt; Vermögenserhöh­ungen nach der Veranlagung aber vor Beginn des Steuer­jahres erfordern eine nachträgliche Veranlagung.

Es liegt nahe, die neue hessische Einkommen- st e u e r mit der im benachbarten Preußen zu ver­gleichen. Beide zeigen, wie nicht anders zu denken, viel Aehnlichkeit; denn die preußische hat der hessischen als Muster gedient. Doch ist in. der letzteren viel Selbst­ständigkeit nicht zu verkennen. Neben kleineren Abweich­ungen liegen die wichtigeren in folgenden drei Punkten:

l) Der preußische Prozentsatz auf ein Ver­mögen von 1000 Mk. 50 Pfg., also um 5 P f g. ge­ringer a l s' ^d e r hessische;

2) dieser ist in! Preußen f e st g e l e g t, während er in! Hessen durch Finanzgesetz erhöht oder ermäßigt werden kann.

Diese Bestimmung halten wir für eine durchaus glück­liche. Die Vermögenssteuer tritt mit dem nächsten Steuer­jahr in Kraft. Die Ergebnisse derselben beruhen zunächst also nur auf Schätzung. Niemand kann mit einiger Sicher­heit die Höhe der Steuer angeben. Der Gesetzgeber mußte zu einem solchen Prozentsatz greifen, der ihm mit Ge­wißheit d!ie für ihn nötige Summe aufbrachte. Da liegt es doch auf der Hand, daß eher zu hoch als zu niedrig angenommen wurde. An den Erträgnissen der Steuer nun wird es liegen, ob, wie wir hoffen, Aussicht vor­handen ist, daß auch in Hessen eine Herabsetzung erreicht werden kann, wozu die Freiheit in der Bestimmung des Prozentsatzes den gesetzgebenden Fak­toren die Hand darbietet. Auf eine Erhöhung ist nicht zu rechnen.

3) In Preußen beginnt das steuerbare Ver­mögen erst bei einer Höhe von 6 0 00 M k., in Hessen dagegen sind nur die Vermögen unter 3000 Mk. steuer­frei.

Wenn wir auch oben der neuen Vermögens­steuer Gerechtigkeit nachgerühmt haben, so ver- rnissen wir doch die Progressive, d. h. es dürfte wünschenswert gewesen sein, daß bei größeren Ver­mögen ein höherer Prozentsatz festgesetzt worden wäre, wie es ja auch beiderEinkommensteuer der Fall ist, die eine, wenn auch nur geringe Progressive vorsieht. Könnte nicht der Millionär, der 550 Mk. Vermögenssteuer AU entrichten hat, ohne Schaden mit 70 oder 75 Pfg. auf 1000 Mk. Vermögen, also mit einer Steuer von 700 oder 750 Mk. herangezogen und durch solche. Handhabung dann eine Entlastung der unteren und mittleren Vermögen harbeigeführt werden, dadurch, daß diese etwa mit 35 dezw. ,50 Pfg. pro 1000 Mk. herangezogen würden? Hoffentlich wird nach Ablauf des ersten Lebensjahres der Vermögenssteuer diese Eventualität mit in Erwägung ge­zogen, die zur Erkenntnis der Gerechtigkeit des Vermögenssteuergesetzes nicht unwesentlich, bei­tragen dürfte.

Volitlsche Tagesschan.

Ein Arbeiter-Sekretariat wird demnächst mit Unter­stützung der gewerkschaftlichen Verbände in Berlin ins Leben treten. Der Hauptzweck dieser neuen Einrichtung ist, eine Vertretung für die Arbeiter zu schaffen, welche bei der Unfall« und Jnvaliden-Versicherung, beim ReichS-Ver- stcherungSamt rc. ihre Rechte wahrzunehmen haben. Wie in der letzten Versammlung des Arbeiter-Vertreter-Vereins berichtet wurde, ist der Präsident des Reichsverficherungs- amteS bereit, soweit eS ihm möglich ist, diese von den Ar­beitern zu schaffende Einrichtung zu unterstützen. Zweifel­haft ist es jedoch, ob die Gerichte durchweg die Vertretung der Arbeiter durch eine vom Arbeiter-Sekretariat gestellte Person gutheißen. Bis jetzt sind diese Art Vertreter meist als solche, die geschäftsmäßig wie Rechtsanwälte ihre Funk­tion wahrnehmen, von den Gerichten abgewiesen worden. Man hofft jedoch eine Vereinbarung dahin zu treffen, daß die in Betracht kommenden Instanzen künftighin keine Schwierigkeiten machen.

Liebe Schwester, lieber Schwager!

Da ich die Bilder vergessen habe, so würdet Ihr mir einen Gefallen thun, wenn Ihr dieselben an Josef schicken möchtet, da ich versprochen hatte, sie sofort zu senden. Vor Samstag noch! werde ich für einen Tag wieder bei Euch sein. Bis dahin seid herzlich gegrüßt von Eurem Euch liebenden Bruder und Schwager

G a e t a n bl".

Die Bilder, von denen Bresci hier spricht, waren Photographieen, die er gemeinschaftlich mit zwei jüngeren Verwandten seines Schwagers in Eastel St. Pietro bei Prato mit seinem Apparate ausgenommen hatte.

Vier Tage hielt fick). Bresci in Bologna in der Her- LergeMilono" auf, ging von Mailand schon nach einem Tage nach Monza, wo er dann seine entsetzliche That voll­führte.

Im Gefängnis zeigte der Mörder einen widerlichen Cynismus. Er giebt kurze, scharfe Antworten, ißt mit großem Appetit und schläft ausgezeichnet, hat auch nicht trtien Augenblick irgend ein Gefühl seelischer Unruhe oder gar der Reue verraten. Man hört aus London, Paris, Mw York U'-sw. Nachrichten über ein bestehendes Kom­plott der Anarchisten. Man hat Fäden gefunden, die darauf Hinweisen, daß Bresci in Verbindung stände mit dem Mörder der Kaiserin Elisabeth, daß er ein intimer Are-tpd deI Enrico M a l a t e st a fei, der aus seiner

Ueber Unruhen in Deutsch-Ostafrika werden in derPost- Nachrichten laut. Von amtlicher Seite ist darüber noch nichts mitgeteilt worden. Nach derPost" kursierten schon seit April an der Küste allerlei Gerüchte über ein blutiges Drama im Kilimandscharogebiet. Von der Missionsstation Moschi soll nun ein langer Bericht eingelausen sein, der die Lage am Kilimandscharo als ungemein ernst schil­dert. Diesem Bericht zufolge wurde Hauptmann Johannes gezwungen, vom 4. bis 26. Februar eine große Stras- expedition gegen die am Meru seßhaften Waarnscha zu unternehmen. Während er aus Expedition war, wurde auf der Station bekannt, daß derKönig" Meli von Moschi als der eigentliche Anstifter des Aufstandes der Waarnscha zu gelten hatte. Bald nach der Niederlage der Waarnscha wurden Meli, sowie sein alter Unterhäuptling Tomaso Ki- timbo und einige andere Große von Moschi gefangen ge­nommen. Von diesen waren am nächsten Tage zwei von der Boma (Festung) entflohen; während der eine aus der Flucht von den Askaris niedergeschossen wurde, geriet der andere wieder lebend in die Hände der Verfolger. Bei den Verhören der Gefangenen bestätigte sich, daß Meli mit seinem Wamoschi und mit den Waarnscha die Ermordung bezw. die Vertreibung aller Europäer verabredet hatte. Nun wurde ein Urteil von dem unter Vorsitz des Haupt­mann Johannes zusammengetretenen Kriegsgerichte gefällt. Neunzehn Häuptlinge von den Wamoschi und Waarn­scha wurden am 1. März zum Tode verurteilt und auch sofort durch den Strang hingerichtet, darunter auch Meli und Mlelia. Meli, ebenso die meisten anderen Häuptlinge gestanden ihre verräterische Absicht offen ein. Diese Vorgänge werden auch von den Leipziger Mis­sionaren Faßmann und Herrn v. Hopfgarten gleichzeitig und saft gleichlautend geschildert. Es ist auffällig, daß über diese Unruhen, die doch schon einige Zeit zurückliegen, noch kein amtlicher Bericht veröffentlicht worden ist.

Zur Fruge der hessische« Handelshochschule schreibt auch, dieFranks. Ztg.", daß drei Städte für das Projekt in Betracht kommen: Mainz, Darmstadt und Gießen. Mainz fuhrt seine Eigenschaft als bedeutendste Handelsstadt des hessischen Staates ins Treffen, Darm­stadt kann sich auf die technische Hochschule berufen, der sich eine Handelshochschule nach der Geistesverwandtschaft beider Institute am passendsten angliedern lasse, und Gießen steift sich auf die juristische Fakultät und auf die vortrefflichen naturwissenschaftlichen Bildungsanstalten der Landesuniversität, die dem Bedürfnis der kauf­männischen Akademiker nach Rechtskunde und nach phy­sikalisch-chemischen Kenntnissen bestens entsprächen. Die Streitfrage, ob die Handelshochschule sich praktischer mit der Universität oder mit dem Polytechnikum verbinden­läßt, ist wohl noch nicht endgiltia gelöst. Die kurzen bis­herigen Erfahrungen scheinen allerdings zu lehren, daß die Leipziger Handelshochschule im Anschluß an die Universität mehr Zugkraft entwickelt als die Aachener polytechnisch unterstützte Anstalt. Dabei aber darf man nicht außer Acht lassen, daß Leipzig durch seine Lage und seine geschäftliche Be­deutung bevorzugt ist, und daß die sächsische Regierung bereitwilliger und mit größeren Mitteln als die preußische an das Unternehmen herangegangen ist.

Es steht aber keineswegs in den Sternen geschrieben, daß sich eine Handelshochschule unter allen Umständen an eine bereits vorhandene Hochschule dieser oder jener Art anlehnen muß. Frankfurt steht mitten in der Grün­dung seiner durchaus selbständigen Aka­demie für Handels- und Sozialwissenschas­ten , und rn Köln wird ebenfalls ein unab - hängiges Institut durch die Mevissen-Stiftung ge­schaffen. Auf diese Beispiele kann sich die Stadt Mainz berufen. Sie kann ferner mit Recht hervorheben, daß sich in ihr das regste kommerzielle Leben des .Hessenlandes konzentriere und somit der gedeihlichste Nährboden für eine Handelslehranstalt der obersten Stufe vorliege. Falls Hessen eine Handelshochschule haben müßte, besäße in der That Mainz wohl die erste Anwartschaft auf die Würde und Bürde der neuen Alma mater.

Die Frage ist: Bedarf das Großherzogtum seiner eigenen kaufmännischen Univer­sität? Nach dem heutigen Stand der Entwickelung dieser Bildungsanstalten halten wir eine verneinende Antwort für geboten. Die Sache ist noch nicht über das Stadium des Experiments hinaus gediehen. Entstehen nun Han­delshochschulen überall im Reich wie Pilze nach dem Regen, so ist die Gefahr vorhanden, daß sie nicht nur einander den Raum versperren, sondern daß überhaupt der gute Gedanke einer gesteigerten kaufmännischen Bildung am

Verbannung von der Insel Lampedusa nach New York geflohen sei. Man ist einem Mitschuldigen des Bresci auf der Spur, einem blonden jungen Menschen, der mit ihm in Bologna gewesen sein soll.

In allen italienischen Städten wird aus Anarchisten gefahndet; täglich kommen Verhaftungen vor und in der allgemeinen Aufregung wird wohl mancher Unschuldige für kurze Zeit ins Gefängnis wandern müssen.

Der Bruder ü>nd Schwager des Mörders aus Prato sind ebenfalls arretiert, wohl um genauere Auskunft über die Beziehungen des Mörders zu, geben; alle Bericht­erstatter sind darin einig, daß sie nichts mit dem Morde zu thun haben. Trotz ihrer Armut scheint die Familie all­gemein geachtet gewesen zu sein.

Der Bruder Lorenzo hat gesagt, Gaetano habe sichzuweilen für einen Anarchisten aus­gegeben; sie hätten nie Gewicht darauf gelegt, da er stets ruhig, verschlossen, aber gut gewesen sei.Verflucht seien die Anarchisten und alle, die sie unterstützen", soll Lorenzo ausgerufen haben,ich wäre lieber gestorben, als daß ich dies erleben mußte".

Ein omderer Bruder des Gaetano ist Leut­nant der ersten Kompagnie im 10. Artillerieregiment in Neapel. Er hatte bis zu seinem 18. Jahre im theologischen Seminar seiner Vaterstadt studiert und danndie Stola mit dem Schwerte" vertauscht. Dieser Leutnant Bresci

letzten Ende Schaden leidet. Wir verkennen nicht, daß auch für die Pflanzstätten des Wissens das Prinzip der Dezentralisation gute Früchte zeitigt, insofern es den minder wohlhabenden Bevölkerungskreisen mehrerer Ge­biete die Bildungsmittel annähert. Die enge Nachbarschaft der Universitäten Heidelberg, Gießen, Marburg hat sich nicht allzu nachteilig erwiesen, und andere Beispiele geben ähnliche Lehren. Bei den Handelshochschulen indessen, die erst die Probe auf ihre Existenzfähigkeit und namentlich auf die ausreichende Zahl der Hörer bestehen sollen, ist Vorsicht am Platz, damit große Geldmittel nicht unnütz verzettelt werden und die Kraftzersplitterung zur Kraft­vergeudung führt.

Viel Neues bringen diese Ausführungen zu der vom dem Mainzer Blatt und uns mehrfach erörterten Frage nicht. Aus hiesigen Universitätskreisen ist uns seit Ver­öffentlichung unseres letzten Artikels noch, durch mehrere Schreiben von geschätzter Seite leider die Thatsache be­stätigt worden, daß, wenn Frankfurt im Frühjahr eine Handelshochschule eröffnet, und auch noch Köln, zwischen denen auf halbem Wege Gießen liegt, die Frage der Errichtung einer hessischen Handelshochschule zumal in Gießen, damit in sich zusammenfiele.

Damit dürfte die Bedürfnisfrage für Westdeutschland- fürs erste gelöst sein. Zp. all den Gründen, die schon für Frankfurt als der Zentrale des Handels sprechen und schon früher angeführt sind, dürfte noch sehr schwerwiegend in Betracht kommen, daß ja für den Handelsschüler anders wie für den künftigen Beamtenstand eines Landes die Frage 8er Staatsangehörigkeit so gut wie keine Rolle spielt. Damit ist wohl die Frage für einige Zeit abgethan.

Aus Stadt und Aand.

Gießen, den 8. August 1900.

** Ordens-Verleihungen. Dem Kaufmann und Brasilia­nischen Vizekonsul Bernhard Ludwig Felmer in Mainz, dem Dr. med. Karl Ludwig Dörr in Mainz und dem Dr. med. Georg Wachenseld in Bad-Nauheim wurde daS Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** Personalnachrichten. Der Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Lorsch Georg Elz wurde seines Dienstes entlassen.

+ Grimberg, 7. August. DaS neue Amtsgerichts­gebäude geht seiner Vollendung entgegen. Dem Ver­nehmen nach soll dasselbe noch in diesem Herbst bezogen­werden. In demSchloß", worin sich jetzt daS Amts­gericht befindet, sollen Dienstwohnungen für den Oberförster der Oberförsterei Nieder-Ohmen und den Distriktseinnehmer hergerichtet werden.

Darmstadt, 8. August. Der Großherzog erteilte heute im Residenzschloß Audienzen und nahm Meldungen und Vorträge entgegen.

Kastel, 7. August. Eine schreckliche Mordthat hat sich in dem zum hiesigen Gerichtsbezirk gehörigen Dors Hübenrode abgespielt. Der Bauer Fuhrmann, ein Mann von 58 Jahren, lebte mit seiner um 3 Jahre jüngeren Ehegattin schon längere Zeit in Unfrieden, er wurde so brutal gegen die Frau, daß sie von ihm sortlief und zu dem ältesten Sohn zog. Infolgedessen ergab sich der leicht zum Jähzorn und Alkoholgenuß neigende Mann einem un- stäten Lebenswandel, um so mehr, als alle Vorstellungen an seine sanftere Hälfte, doch wieder bei ihm zu wohnen, er­folglos blieben. Nachdem am Sonntag abermals ein heftiger Austritt zwischen den unversöhnlichen Ehegatten stattgefunden, lies der Mann in die benachbarte Stadt, kaufte sich einen Revolver, eilte aus seine Frau, die im Feld mit dem ältesten Sohn arbeitete, zu und schoß sie nach der abermaligen Weigerung, zu ihm zurückzukehren, nieder. Von mehreren Revolverkugeln in die Brust getroffen, stürzte die Aermste blutüberströmt nieder und ist nach wenigen Stunden gestorben. Daraus wandte der rabiate Vater die Waffe gegen seinen ältesten Sohn, doch dieser kam ihm mit einem Schlag mit der Sense zuvor, schlug ihm den Revolver aus der Hand und brachte ihm eine Wunde am Kops bei, sodaß der Vater kampfunfähig gemacht war, überwältigt und von der Polizei abgesührt werden konnte. Der Gattenmörder wurde darauf ins Gerichtsgefängnis überführt; er soll eingestanden haben, daß er auch den Sohn erschießen wollte.

Grrichtssaal.

-1. Gießen, 7. August. Strafkammer. Die heutige Ferien­kammer hatte sich zunächst mit der Sttafsache gegen den 68jährigen Scherenschleifer Johs. Hölzer von hier zu beschäftigen, der eines Sitt­lichkeitsverbrechens im Sinne des S 176,3 des Strafgesetzbuchs be-

svll sich! durch bittere Entbehrungen und eisernen Fleiß emporgearbeitet haben, er hat Frau und Kinder und ist außer sich gewesen über die That des Bruders. Er soll demselben geflucht und sich für immer von ihm losgesagt haben; aber was nützt es? Auch sein Leben ist für immer vernichtet. Er soll sofort das Gesuchs um seine Entlassung eingereicht haben. Schimpf und Schande hat der unglück­liche Mörder über seine ganze Familie, Trauer und Elen- über sein ganzes Land gebracht. Und hat er in der Haupt­sache erreicht, was er wollte? Er wollte die Monarchie vernichten, als ob etwas geschichtlich Gewordenes sich auf einen Schlag durch einen Bubenstreich vernichten lietze^

Im Gegenteil hat er durch den Mord des geliebten Königs das ganze Italien gegen sich empört und hat die Herzen der Unterthanen nur um so fester mit dem jungen Monarchen verbunden.

Ter Schwur, mit dem die Soldaten dem neuen Könige Treue gelobten, kam aus dem Herzen und fand ein Ech» im ganzen italienischen Volke. Nicht durch Willkür und Gesetzlosigkeit, durch persönlichen Egoismus und Wohlleben des Einzelnen läßt sich Besserung schaffen, sondern nur dadurch, daß vom Herrscher brs zum Niedrigsten des Volkes Selbstverleugnung, Respekt vor den Rechten des andern imb treueste Pflichterfüllung walten.