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9.2.1900 Zweites Blatt
 
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Freitag dm Februar

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Zreznftsprcis Vierteljahr!. SJlt. 2,28 monatlich 75 Psg. mit Bringerlahn; durch die Abholcstclle« vierteljährl. Ml. 1,98 monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld.

Itetette«, Expedition und Druckerei:

Achukfiratze Nr. 7.

Nachdem Bullers geschlagene Armee sich am 25. Januar auf die Südseite des Tugela zurückgezogen hatte, hat dec Herr Kommandierende der englischen Streitkräste seine Zeit damit zugebracht, allerhand Scherzhaftes zu telegraphieren vonGlauben" undHoffen". Er hat auch seinen Truppen wenigstens denen, für die es noch einZurück" vom Spionkop gegeben hat eine schwungvolle Rede gehalten, und ihnen einen neuen Marsch in der Richtung auf Lady- mith und ihren Einzug dort binnen Wochenfrist in Aus­sicht gestellt. Der Besieger vom Tugela hat aber soviel an Glaubwürdigkeit verloren, daß seinen Worten nicht einmal mehr soviel Bedeutung zugemessen wird, wie den Bankett­reden englischer Minister. Und nun geht doch etwas vor am Tugela! Bullers Hauptmacht steht in der Nähe von Spearmansfarm, und von hier aus scheint er thatsächlich wieder nach Norden vorgerückt zu sein, wenn diese Beweg­ungen wirklich mehr bedeuten als Vorpostenplänkeleien.

Bewaffnung von Kaffern durch C-rgläuder.

Es gibt noch immer eine Menge von Menschen, die nicht glauben wollen, daß England Kafferu gegen die Buren bewaffnet. Die über die Morde in Derdepoort abgelegte» beeidigten Erklärungen waren nicht einmal im stände, ihren Glauben zum Wanken zu bringen.

Jetzt aber enthält eines der großen englischen Wochen­blätter:The Jllustrated London News", eine photo­graphische Reproduktion, aus der klar hervorgeht, daß die Engländer Kaffern bewaffnet haben, damit diese gegen die Buren kämpfen. Enthält doch vorerwähntes Wochenblatt in der Nummer vom 27. Januar, Seite 7 des Supple­ments, die Reproduktion einer Photographie von R. B. Harris, unter der Aufschrift:Die Kriegsereignisfe in Rhodesia", auf welcher eine Menge von bewaffneten Kaffern vorkommen, mit der Unterschrift:Some of Khamas 1000 trained Soldiers, now acting with us. Uebersetzt lautet diese Unterschrift:Einige von Khama's 1000 geübten Soldaten, jetzt mit uns kämpfend".

Und damit erklärt die englische Regierung mit dem größten Ernst, sie weise die Beschuldigung, daß sie Kaffern bewaffne, weit von sich.

Alle Anzeigen-BermittlungSstellm des In« unb Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Laud- gemeindeu des Kreises.

Auf vorstehende Bekanntmachung, die Sie in orts­üblicher Weise zur öffentlichen Kenntnis bringen wollen, weisen wir Sie zu Ihrem Bemessen hiermit besonders hin. v. Bechtold.

Gratisbeilagen: Gießener Famitienblätter, Der hessische Landwirt, Mittler für hesssche Volkskunde. ____________

Adreff« für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

33 Zweites Blatt

Vom Kriegsschauplatz.

lieber die Schwierigkeiten deS Cutsatzes von Ladysmith

spricht sich Minston Churchill, der Korrespondent der Morning Poft", der früher in Ladysmith gewesen ist, und vor kurzem aus seiner Gefangenschaft in Prätoria entfloh, in einem aus Pietermaritzburg vom 29. Januar datierten Berichte folgendermaßen aus:

Solange Ladysmith den Buren tapfer Widerstand leistet, hilft es ihnen zugleich, wie ein Magnet die Entsatz- armer nach den furchtbaren Stellungen jenseits des Tugela hinüberzuziehen. Die Buren haben diese Höhen bereits auf eine Strecke von vielen Meilen befestigt. Ihre PiketS stehen auf den Bergspitzen und melden die Bewegungen der britischen Kolonnen dem in der Ebene hinter den Berg­wällen zurückgehaltenen Gros, das sich dann schnell auf jeden Punkt wirft, der gerade gefährdet erscheint. Wo daher die Briten auch angreifen, sie stoßen auf die burische Hauptmacht, und jede Umgehungsbewegung wird wieder zum Frontalangriff. Auch ermöglicht es die Zeit, die zum Ueberschreiten des Flusses erforderlich ist, den Buren, sich einzuschanzen und ihre Artillerie in Stellung zu bringen. Trotzdem zwingt uns die Lage in Ladysmith dazu, durch immer neue Anstrengungen diese außerordentlichen Schwierig­keiten zu überwinden zu suchen. Nach meinen in Prätoria eingezogenen Erkundigungen beläuft sich die Streitmacht der Buren in Natal auf 18,000 Mann, 7000 Mann davon bilden die eigentliche Deckungsarmee, 7000 Mann halten Ladysmith eingeschlossen und 4000 Mann stehen der einen oder der anderen Abteilung je nach den Umständen zur Verfügung. Diese Zahlen decken sich mit den Er­kundigungen, die kürzlich hier gesammelt wurden, der Kund­schaftsdienst ist jetzt dem Obersten Sandberg unterstellt und ist sehr thälig. So muß Geueral Buller, wenn er Lady­smith entsetzen will, in der Front eine an sich außer­ordentlich starke Stellung nehmen, die von 10- bis 12,000 der besten Schützen der Welt, unterstützt durch eine überlegene und mit großem militäri schient Geschick eingeschanzte Artillerie, verteidigt wird. Nach europäischen Grundsätzen sollte der Angreifer dem Verteidiger dreifach an Zahl überlegen sein, danach müßte also Buller 36,000 Mann ins Feld führen können. Wie dem aber auch sein mag, alle fühlen, daß eine letzte Anstrengung gemacht werden muß. Die Truppen sind ent- fchloffen und die Offiziere sind kampflustig, aber auch daheim muß man seine Nerven stärken."

Dieses Urteil Churchills lautet wenig zuversichtlich- Daheim muß man seine Nerven stärken" läßt tief blicken. Churchill scheint demnach einen bösen Ausgang zu befürchten.

Die unverantwortlich uachläsfigeu Kriegsvorbereitungeu,

die im englischen Parlamente jetzt der Gegenstand längerer, aber verhältnismäßig zahmer Debatten sind, er- halten durch ein soeben ausgegebenes Blaubuch der eng- lischen Regierung eine eigentümliche und, was mehr be­

Bekanntmachung.

Im Anschluß an unsere Bekanntmachung vom 28. Dezember 1899, letzterAbsatz (Kreisblatt Nr. 5 von 1900) bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß nach einer inzwischen ergangenen Ministerial-Versügung ein Ein­gabe-Stempel bei Gesuchen um Dispensation von Bau­vorschriften nicht mehr zu entrichten ist für den Fall, daß die Dispensation erteilt und ein Befreiungs-Stempel entrichtet wird. Wird jedoch die Dispensation nicht erteilt, so muß der Eingabe-Stempel nachentrichtet werden.

Gießen, den 6. Februar 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Gießener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

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Die Gießener >«*tne*6tatter »erben dem Anzeiger im Wechsel mitHess. Landwirt* «.Blätter t&t hey. Volkskunde* »hchtl. 4mal beigelegt.

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deutet, amtliche Beleuchtung. Aus einem Schriftwechsel über die Verteidigung Natals gegen einen möglichen Angriff der Buren ist hervorzuheben, daß die Regierung von Natal bereits am 16. Juli den Gouverneur der Kap- kolonie daran erinnerte, daß er s. Z. versprochen habe, im Falle des plötzlichen Ausbruches eines Krieges Natal mit der ganzen Kraft des Reiches zu verteidigen." Der Gouverneur telegraphierte diese Note an Chamber­lain und fügte dabei die Mitteilung hinzu, General Symons, der die Truppen in Natal kommandiere, habe chm vertraulich mitgeteilt, er halte zur völligen Verteidigung Natals 5600 Mann weiterer Truppen für nötig. Trotzdem fagte Chamberlain am 3. August nur 2000 Mann Verstärkungen zu. Diese hielt die Regierung von Natal für ungenügend und machte in diesem Sinne Vorstellungen. Aber erst am 9. September benachrichtigte Chamberlain den Gouverneur von Natal, daß 5700 Mann in fünf Wochen aus Indien in Natal eintreffen würden.

Infolge der vollständigen Niederlagen der englischen Truppen hat man sich nachträglich doch entschließen müssen, die ganze Kraft des Reiches für Natal einzusetzen. Aber die getrennt und in großen Zwischenräumen und in ver­schiedenen Häfen eintreffenden Verstärkungen wurden ver­zettelt und an die einzelnen Armeen verteilt, so daß mit ihnen keine große strategische Bewegung ausgeführt werden kann. Trotzdem also dieganze Kraft des Reiches" aufge­boten ist, erscheint die Lage ziemlich hoffnungslos.

Der nahende Sturm im Kaplaude.

In Kapstadt gährt es gewaltig.

Der Bond (Afrikander-Bund) bereitet sich jetzt offenbar zu einem entscheidenden Schlage vor: Die gestrige Sitzung seines Ausschusses hat beschlossen, den Sturm gegen den englischen Gouverneur des Kaplandes, Sir Alfred Mi ln er einzuleiten, und die Agitation im ganzen Lande zu beginnen, welche feine Abberufung fordern und, wie die Bondführer hoffen,auf gesetzlichem Wege erzwingen soll". Vorläufig hat man die Parole an alle Zweigorganisationen des Bond ausgegeben, überall Versammlungen einzuberufen, in denen die allgemeine Lage erörtert, und Resolutionen ge­faßt werden sollen, welche den Krieg verurteilen, Sir Al­fred Milner und seinen direkten Chef Mr. Chamber­lain für denselben verantwortlich machen, die Her­stellung des Friedens und zu diesem Ende die Abbe­rufung Milners als einziges Mittel fordern sollen, um zu einem billigen und gerechten Frieden zu kommen. Dem bevorstehenden großen Kongresse des Bond soll dann in Uebereinstimmung hiermit folgende Resolution unterbreitet werden:

Der Kongreß drückt seine absolute Mißbilligung der Politik aus, welche zu dem gegenwärtigen blutigen Kriege geführt hat, anstatt auf dem Wege schiedsgerichtlicher Entscheidung eine friedliche Lösung der zwischen Ihrer Majestät Regierung und der südafrikanischen Republik bestehenden Differenzen zu sichern. Der Kongreß fordert dringend die schleunige Wiederherstellung des Friedens auf Grund billiger und gerechter Bedingungen und ebenso eine gründliche Untersuchung der Art und Weise, in welcher während des Krieges das Privateigentum, tue bürgerlichen Freiheiten, und die verfassungsmäßigen Rechte der Bürger behandelt worden. Diese Untersuchung ist durch das Kapparlament zu führen."

Die Organe des Bonds beginnen bereits mit der Ver­öffentlichung von Dokumenten, welche beweisen sollen, daß der britische Oberkommissar nichts anderes als ein Instru­ment in den Händen der Rhodespartei und der Verschwo­renen desJameson-Einbruches" gewesen und in deren Auftrage den Kriegarrangiert" habe. Die Uitlander- organe, wie derArgus", dieCape Times", usw. ant­worten darauf bereits mit dem Rufe nach Ausnahmemaß­regel«, Suspendierung der Verfassung, Proklamierung des Belagerungszustandes in der Stadt und des Standrechts in der gesamten Kolonie, sowie der Forderung, der Ober- kommissar solle die Abhaltung des Bondkongreffes, sowie aller öffentlichen Versammlungen einfach untersagen und die aufrührerische Preffe" brevi manu unterdrücken.

Dieser Appell an die Gewalt dürfte, wenn ihm Folge gegeben wird, wahrscheinlich den Engländern teuer zu steheu kommen, denn die Antwort kann nur der Ruf:Zu den Waffen!" sein.

Cs geht etwa- vor am Tugela.

ES geht wirklich was vor am Tugela, man weiß nur nicht was", so möchte man jetzt ein bekanntes Wort variieren.

>a«bme een Anzeigen zu der nachmittags für bea «tatetcn Tag erscheinenden Nummer btS vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.

Deutsches Reich.

Seit der Unterzeichnung der sogenann­ten Februarerlasse Kaiser Wilhelms II. sinb> gestern zehn Jahre verflossen. DieBerl. Polit. Nachr." benutzen diese Gelegenheit, der Behauptung sowohl dev sozialdemokratischen, wie einiger allzu reformsüchtiger bür­gerlicher Blätter, daß in der sozialpolitischen Reform- gesetzgebung nichts.geschehe, durch Aufzählung dessen ent­gegenzutreten, was seit der Bekanntmachung der Erlasse wirklich geschehen ist:

Die umsassendste Neuregelung auf diesem Gebiete ist m der G e w e r b e - O r o n u n g s - N o v e l l e von» 1. Juni 1891 enthalten. Die Arbeit der schulpflich­tigen Kinder wurde darin ganz verboten, der Maximal - Arbeitstag für Frauen einge- sührt, die F r a u e n - N a ch t a r b e i t eingeschränkt, die Schutzvorschriften für die jugendlichen Arbeiter wurden erweitert, es wurden die Arbeits-Ord­nungen eingeführt, dem Bun des rate wurde die Befugnis zur Ausdehnung der Arbeiterschutz-Vor­schriften auf Werkstätten mit Motorenbetrieb, auf die Hausindustrie re. gegebe^, die Anordnungen über den Schutz von Leben und Gesundheit der Arbeiter wurden ergänzt durch solche über den Schutz der Sittlichkeit, und vielfach verschärft, die S o n n t a g s r u h e wurde eingeführt, kurz es wurde eine Fülle von neuen Maß­nahmen geschaffen, die in ihrer Gesamtheit weit über den Nahmen der Forderungen der Arbeiterfürsorge hin­ausgingen, welche von der Berliner internationalen Ar­beiterschutzkonferenz im Anfänge 1890 ausgestellt wurden. Dazu kam, daß dem Bundesrate Vollmachten gegeben wurden, auf denen späterhin weiter gebaut wurde. Wir erinnern xn dieser Beziehung nur an den § 120 e, auf Grund dessen die einschneidendsten Anordnungen über die Arbeitszeit der erwachsenen männlichen Arbeiter verschiedener Berufszweige erlassen wurden. Die ersten neunziger Jahre wurden ausgefüllt mit Maß­nahmen, die sich auf die Sonntagsruhe bezogen, es folgte die Ausführung der von der Kommission für Arbeiterstatistik unterbreiteten Vorschläge, gegenwärtig wird an der Regelung der Verhältnisse der Haus­industrie gearbeitet. Ueberall, wohin man sieht, ist eine Verwirklichung der in den Februarerlassen Kaiser Wilhelms II. niedergelegten Gedanken zu bemerken. Da­zu kommt, daß, wie die Erlasse als eine Ergänzung der kaiserlichen Botschaft vom 17. November 1881 anzusehen sind, auch dem Ausbau der auf Grund der letzteren ge-

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