Ausgabe 
8.8.1900 Zweites Blatt
 
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Aus Stadt und Land.

Gießen, 6. August 1900.

** Herr Oberbürgermeister Gnauth hat sich zur Sommer­frische nach Sayn begeben; die Geschäfte der Bürger- meisterei werden bis zur Rückkehr des besoldeten Beigeord­neten Herrn Wolfs von dem Beigeordneten Herrn Kom­merzienrat Georgi geführt.

* Ludwig, und Alicestiftuug. Die 27. ordentliche Hauptversammlung der Ludwig- und Alicestis- tung findet am 24. September d. I. in Offenbach im Saale der Schlosier'schen Liegenschaften statt. Die Tages­ordnung umfaßt acht Punkte.

** Sechzigjähriges Stiftungsfest des Korps Starkeubnrgia. Heute, morgen und übermorgen wird das Korps Starkenburgia, eine der ältesten htefigen Korporationen, sein 60jährigeS Stiftungsfest feiern. Sehr zahl­reiche Anmeldungen Alter Herren des Korps sind zu dieser Feier eingelaufen, darunter diejenige eines der drei noch lebenden Stifter des Korps, sodaß eine sehr rege Beteiligung zu erwarten steht. Nach dem Programm beginnen die Festlichkeiten heute abend b/^9 Uhr mit einem Fackelzug mit Magnefiumfackeln im Licht der Korpsfarben, der sich in drei Abteilungen mit je einem Mufikkorps von dem KorpShauS durch nachfolgende Straßen zu dem Festlokal (Steins Garten) bewegt: Wilhelmstraße, Franksurterstraße, Selters­weg, Kreuzplatz, Mäusburg, Marktplatz, Schulstraße, Neuen- bäue, Gartenstraße, Bergstraße. In Steins Garten findet sodann Festkommers statt. Am Mittwoch ist vormittags 11 Uhr Frühschoppen auf dem Korpshaus, darauf mittags 1 Uhr gemeinschaftlicher Zug der Festteilnehmer von dem KorpShauS nach Sterns Garten, wo ein Frühstück gegeben wird, während des abends um 6 Uhr in Steins Garten ein Gartenfest, bestehend aus Militärkonzert, Beleuch ung des Gartens und Tanz, angesetzt ist. Am dritten Tag endlich vereint noch ein gemeinschaftliches Mittagessen auf dem KorpShauS die Festteilnehmer und daran anschließend Ausfahrt nach dem Schiffenberg. Wie man uns schreibt, sollen auch zahlreiche Familienangehörige der KorpSmitglieder, insbesondere Damen, ihre Teilnahme in Aussicht gestellt haben, so daß ein sehr schönes Fest zu erwarten ist. Für sämtliche Festlichkeiten ist, da die hiesige Regimentskapelle dienstlich verhindert ist, das in weiteren Kreisen bekannte und beliebte Musikkorps des Jnf.-Regiments v. Wittich (3. Hess.) Nr. 83 zu Kassel unter Leitung des Königl. Kapell­meisters O. Große gewonnen.

* Kaufmännischer Verein. Wohl über 100 Mitglieder des hiesigen Kaufmännischen Vereins hatten sich mit ihren Damen vorgestern an dem Ausflug nach Wetzlar be- ,

tete Volkssänger Valette, der Verfasser revolutionärer Lieder und ein Bekannter Saisons, verwahrt sich vor dem Untersuchungsrichter entschieden dagegen, um den Anschlag auf den S ch a h gewußt zu haben. In Montceau^les-mines demon st vierten gestern abend die sozialistischen Arbeiter gegen den Präfekten, wobei auch anarchistische Lieder gesungen wurden.

Rom, 6. August. Zur Trauersitzung der Kam­mer sind Saal und Tribünen dicht besetzt. Ter Vice­präsident und Saraceo gedenken unter dem leb­haften Beifall des Hauses des Königs Humbert. Ter Beifall wiederholt sich in gleichem Maße bei der Erwäh­nung der Königin Marguerita. Der Präsident ver­liest sodann Beileids-Adressen mehrerer aus­wärtiger Parlamente. Hierauf werden mehrere An­träge verlesen, die den von der Kammer beschlossenen ent- sprechcn und ebenfalls angenommen werden. Schließlich wird der Wortlaut einer Adresse an den König und die Königin-Witwe genehmigt. Die Sitzung wurde sodann aufgehoben. Ter Ministerpräsident sagte in der Ansprache, die er in der heutigen Sitzung hielt, man habe in der Person des Königs Humbert das geordnete Staats wesen überhaupt treffen wollen. Humbert habe die Palme des Märtyrers empfangen. Die Regierung kenne ihre Pflichten vor dem Lande und der civilisierten Welt und werde nicht verfehlen, diese zu erfüllen. Auch fei die Regierung sicher, daß sie auf die Mitwirkung des Senats und die Unterstützung des gesamten Parlaments rechnen könne.

Die Beisetzung der Leiche des Königs Humbert findet am Donnerstag statt. Dem Leichen­wagen werden zwei Piqueure in tiefer Trauer Voranziehen; der Wagen selbst wird von acht Pferden, deren Galascha­bracken mit schwarzen Netzen bedeckt sind, gezogen. Wäh­rend der Zua zum Pantheon geht, läuten die Glocken des Kapitols und des Monte Citorio. Für die Kosten der Feier hat das Königshaus eine Million Lire ausgesetzt.

Der Zug mit der L e i ch e des K ö n i g s H u m b e r t wird von dem Herzog von Aosta und dem Grafen von Turin begleitet sein. Derselbe wird am Mittwoch nach­mittag 4 Uhr 27 Min. von Monza abgehen und nach kurzem Aufenthalt in Mailand, Como und Pisa am Donnerstag früh 7 Uhr 20 Min. in Rom eintreffen.

Monsignor be Wall, Rektor der deutschen Cam- posanto, ist zum päpstlichen Protonotar ernannt worden.

Belgrad, 6. August. Bei dem gestrigen G a l a d i n e r waren die Mitglieder des diplomatischen Korps mit ihren Damen vollzählig erschienen. Den ersten Trinkspruch brachte der russische Geschäftsträger Mansurow auf das Königs­paar aus. König Alexander erwiderte mit einem Toaste auf das Kaiserpaar von Rußland und dankte dem fran­zösischen Spezialgesandten für die Aufmerksamkeit des Prä­sidenten Loubet, auf dessen Wohl er trank. Der franzö­sische Gesandte Marchand erwiderte diesen Toast. Alsdann i trank König Alexander auf das Wohl der vertretenen I Souveräne. .

NewAork, 6. August. Auf dem DampferDeutsch­land" beging der vierte Offizier Thiele Selbstmord.

Chicago, 6. August. Gestern stießen hier Anar­chisten mit Polizeibeamten zusammen. Die letz­teren gingen scharf vor. 25 Personen wurden arg zuge­richtet, 5 verhaftet, darunter die Witwe des s. Zt. in Chicago Hingerichteten Anarchisten Parson.

I teiligt. Unter Borautritt einer mitgebrachten Musikkapelle zogen sie nach demSchützengarlen-, wo sie bei Konzert und geselliger Unterhaltung bis zum Abend verblieben

I , .** Zuwendungen und Stiftungen an Ar- I beiter. Nach der in der Vierteljahrsschrift Arbeiter - freund" dem Organ desDeutschen Zentralvereins für bas Wohl der arbeitenden Klassen", allvierteljährlich ver- 1 osfentlichtenEhrentafel", in welcher die von der Rc- I daktion ermittelten außerordentlichen Beiträge für das Wohl der Angestellten und Arbeiter und für die Forderung gemeinnütziger Zwecke aufgeführt werden erreichten die im ersten Halbjahr 1900 innerhalb bcfi Deutsck)en Reiches von Arbeitgebern und von Aktienaesell-

I sthaften für das Wohl der Angestellten und Arbeiter und I wr gemeinnützige Zwecke, sowie von Privaten für das Wohl der unbemittelten Volksklassen gemachten außerordentlichen A-".!?^udungen und Stiftungen den Betrag von 3, 197 705 Mk. Im ersten Vierteljahr wurde ein Betrag von 22 899 978 Mk. und im zweiten Vierteljahr ein solcher

I bon 14 297 7-27 Mk. ermittelt. Die Zahl der bei diesen spenden beteiligten Faktoren beläuft sich auf 269; unter

I diesin befinden sich 96 Arbeitgeber bezw. deren Rechts- I sowie Privatpersonen und 173 Aktiengesell-

-v- Heuchelheim, 7. August. Ein auserlesenes, ?usi I merksames Publikum füllte gestern abend den großen Saal I derLudwigsburg" bis auf den letzten Platz, um dem I Konzert zu lauschen, mit dem das Kruse'sche Qartett sich für diese Saison von seinen Gästen verabschiedet. I Sämtliche Darbietungen wurden mit großem Beifall auf» I genommen. Von der ersten Nummer, dem Streichquartett I in Es-dur von Mozart, gelangen besonders gut der erste I und der zweite Satz, auch das leicht dahin tändelnde Menuett I verfehlte seine Wirkung nicht; dagegen litt die Wiedergabe I des letzten Satzes etwas durch das allzurasche Tempo. Herr H. Kruse trug mit großem Ton und poetischer Auffassung I eine Etüde von Chopin vor, die allgemein entzückte und bad I Publikum zu stürmischem Applaus hinriß, sodaß der ge- I schätzte Künstler im Laufe des Abends noch mehrere Zu- I gaben folgen ließ, die die Vorzüge seiner großen Kunst im I hellsten Licht erscheinen ließen. Besonders gefiel allgemein I die Wiedergabe der Berceuse von Godard und des Scherzos I von D. v. Goens. Auch Herr W. Kruse fand mit dem Vor- | trag der Reverie von Vieuxtemps großen Beifall, für den I der jugendliche Künstler durch ein meisterhaft gespieltes Bravourstück dankte. Das Publikum jubelte seine Lieblinge I immer wieder hervor, wohl der Ausdruck aufrichtigsten I Dankes für die genußreichen Stunden, die es dem Kruse- schen Quartett zu verdanken hat. Auch die Kritik ist in der angenehmen Lage, sich diesem Dank voll und ganz anschließen zu können und ruft den sympathischen Künstlern im Inter­esse unseres musikliebenden und vor allem des musikver- ständigen Publikums ein ausrichtigesAuf Wiedersehen!" zu.

I Friedberg, 6. August. Der hiesige Veteranen- und Militärverein feiert am 19. und 20. August den Gebenk- tagderSchlachtbeiGravelotte und damit zugleich die F a h n e n w e i h e. An den Festtagen findet eine Zu- i sammenkunft der ehemaligen hessischen Garbejäger statt. Die Meldungen zur Teilnahme sinb bereits zahlreich eingegangen. Von einem ehemaligen preußischen Offi- ; zier, ber wieberholt in unserer Nachbarstabt Bab-Nauheim I zur Kur war unb nunmehr in Tokio in Japan ist | wurde einer hiesigen Wein-Großhandlung ein Auftrag auf zwertausend Flaschen feinsten Moselweins zur schleunigsten Lieferung erteilt.

Schotten, 6. August. Der gestrige Herbstaus­flug des Vogelsberger Höhen-Klubs nahm einen recht schönen Verlauf. Wenn auch durch die etwas zweifelhafte Witterung und verschiedene Festlichkeiten in der Umgegend der Besuch kein sehr großer genannt werden konnte, so entwickelte sich doch bald bei den Erschienenen eine recht heitere und animierte Stimmung, und der Klub­wirt, ber schon mehreremal bei solchen Anlässen unter der Un^unft des Wetters zu leiden .hatte, dürfte trotzdem einigermaßen seine Rechnung gefunden haben. Noch spät wurde munter das Tanzbein geschwungen.

-g- Bad Salzhausen, 6. August. In das idyllische Stillleben unseres z. Z. gut ftequentierten Badeortes brachte I das gestrige Konzert des GesangvereinsLiederkranz" I von Gießen, wie wir gestern schon kurz berichteten, eine I recht angenehme Abwechslung. Wenn auch genanntem I Verein schon ein sehr guter Rus vorausging, so haben doch I seine gestrigen Leistungen alle unsere Erwartungen über- I troffen. Schon kurz nach Beginn des im Kursaal veran- I stalteten Konzertes war das Haus ausverkauft. Aber deffen- I ungeachtet drängten noch sortwährend kleinere und größere I Gruppen von auswärts gekommenem, kunstliebendem Publi» I kums zur Kasse, die um den Genuß des Konzertes gern I mit einem Stehplatz an den Thüren und in den Neben- I zimmern vorlieb nahmen. Schon mit dem ersten Vortrag I Gebet vor der Schlacht" von Storch hatte es der Chor I verstanden, das Auditorium für sich einzunehmen. Die I Präzision des Einsatzes, die scharfe Nüancierung und Frische I des Vortrages, sowie die gediegene Aussprache, die in diesem I ersten und in allen folgenden Liedern zum Ausdruck kam, I kann nur das Resultat einer zielbewußten und gründlichen I Schulung sein, die den SangeSbrüdern unter der Leitung I ihres bewährten Dirigenten, Herrn Franz Bauer, zuteil I geworden ist. Rauschender Beifall lohnte die SoliS (drei I Lieder für Tenor), die in künstlerisch vollendeter Weise zur I Ausführung gebracht wurden. Ebenso fanden einige Duette I allseitig den wohlverdienten Beifall. Und als die letzte I Nummer des Programms verklungen war, da gab es nur | eine Stimme des Lobes und der Bewunderung für die I Gießener Sänger, die uns noch lange in guter Erinnerung I bleiben werden.

Darmstadt, 6. August. Bei der am 30. Juli ds. IS. I stattgehabten Ersatzwahl eines Abgeordneten des im Groß- I Herzogtum genügend mit Grundeigentum angeseffenen Adels I zur Ersten Kammer der Stände ist Herr Albrecht I Riedesel Freiherr zu Eiseubach zu Sickendorf ge- I wählt worden.

I .mJ: Landeslotterie. Bei der heute angefangcnen Haupt» I ä^hung fielen 1 Gewinn 30000 Mk auf Nr 17 433

- l0000 Mk auf Nr. 1442. - 3 äÄÄ

Nr- N 885,20919, 31072. - 1 4 4000 Mk. auf Nr

~ 7 4 6000 Mk. aus Nr. 2947. 13224, 13420, I ii955^ko218?P' 26714, 28297. 9 4 2000 Mk. auf I Nr. 402, 1229, 7040, 7358, 10560 11687 19455 32906, 32 964. - 30 4 1000 Mk. aus Nr 527 3706

I 5420, 6597, 7329, 7428, 8364, 8667, 9105, 9246 9479' 117!8, 12505, 13089, 14 715, 15995, 16747, 17027' 17717, 17781, 19274, 21 801, 22939, 23447, 24 906 26123, 28503, 30506, 30536, 32040. 47 L 500 Mk' °ufNr. 543, 778, 990, 1856, 2296, 2486, 4820, 5230 5479, 5550, 5843, 7490, 7607, 8524, 9453, 9668, 10168

I 12 £14, 10824, 12851, 13194, 13818, 14002, 14041 5808' 16490, 17 752, 18315, 18840, 18843, £2 A79, 20406, 20660, 21061, 21848, 22558, »2654, 25050 26 732, 27 865, 29184, 29253, 29531

I 29576, 31996. (Ohne Gewähr.)

I hör sLc *n August. Arn Samstag nachmittag fischte L ^eph Baumgärtner, 23 Jahre alt' in

I y,cm. Wallgraben am äußeren Mornback)er Thor. Er war, I Angcsiüatz zu erreichen, an dem Thorpfeiler hin-

I N,,A"ert. Wenige Schritte von ihm stauben zwei I ^.e.u/l£e' ebenfalls fischend. Tiefe sahen, wie Baumgärtner I plötzlich von ber sehr steilen Böschung abmtschte unb in den | Wasser hoch gefüllten Wallgraben fiel. Direkt Hilfe I konnten bic bciben Freunde ber Steilheit ber I Böschung wegen nicht, weshalb sie fortliefen und Leute I ""t einem Nachen herbeiholten. Daburch verstrich eine 1 halbe ^tunbe unb als man bann ben B. herausholte war I zu spat, er war schon eine Leiche. Mau baub bie Seiche I au, holte bann erst Polizei. Als ber stellvertretenbe Kri- I mtnalkommissär durch die verspätete Nachricht erst gegen

9 Uhr emtreffen konnte, war es so finster, daß sogar wit I Hilfe von Laternen kaum etwas zu sehen war. Tas Heraus­holen der Leiche bereitete bie größten Schwierigkeiten, I tvegen ber Dunkelheit und bann besonbers wegen I ver Steilheit der Böschung. Ein Mann mußte angeseilt und hinabgelassen werden. Dieser brachte dann ben Ver­unglückten, ber über unb über mit Schlamm bebeckt war,

I nncv oben.Mainz. Anz.

Vermischtes.

6. August. Von ber weißen Wanb im I Raß-Gebiete stürzte ber Kaufmann Kramer aus Wien ab. Er würbe schwer verletzt aufgefunben.

* W alb en bürg, 5. August. Heute vormittag sand I vtbr bie feierliche Enthüllung bes Bismarck- ? = c 5 statt. Das in Bronze geformte Denkmal ist das Werk des taubstummen Bildhauers Fritz Schneider in Charlottenburg.

. * Einen bösen Ausgang hat eine Eifer-

f u ch t s s z e n e g e n o m m e n, die sich am Sonntagmorgen zwischen 1 und 2 Uhr zwischen dem 27 Jahre alten frii- heren Schlächter August Seifert und seiner gleich­alterigen Ehefrau Cäcilie, geb. Rapzinska, beide aus dem Kreise Ohlau gebürtig, auf dem Grundstücke Rykestraße Nr. 6 zu Berlin abspielte. Tort wohnten beide seit dem 1. Apnl b. I. im ersten Stock bes Querge.bäubes. In biefer Beit ist es zwischen ben Eheleuten, bie brei Jahre chit- einanber verheiratet finb, oft zu Streitigkeiten gekommen.

I Die Ursache bilbeten stets Eifersüchteleien von beiben Sei­ten, die meistens nach dem beiderseitigen Genuß von gei­stigen Getränken zum Ausbruch kamen. Auch am Samstag war dies der Fall. Die Eheleute hatten sich bis nach Mitternacht in einer Gastwirtschaft in demselben Hause aufgehalten und in voller Eintracht befunden, bis Frau Seifert beim Abschied mit einem Schlosser in einem Hiifter- jimmer um bas Billarb tanzte. Balb barauf brach beim Abendbrot tn ber Wohnung ein lebhafter Streit aus, ber in Thätlichkeiten auslief; ber Mann benutzte einen Aus­klopfer zur Züchtigung ber Frau, biese wieberum warf eine brennendePetroleumlampe nach ihm, bie in Scherben auseinanberslog. Balb hörte man bie Frau aus einem Fenster heraus schreien, und kurz barauf stürzte sie kopfüber auf ben asphal tierten' Hvf hinab. Dort blieb sie mit zerschmetterten Knie­scheiben unb mit inneren Verletzungen hegen. Nachbarn eilten hinzu; ber Hauswirt holte Hilfe vom 81. Polizei- Revier, unb bieses ließ bic Schwerverletzte, bie überdies! guter Hoffnung ist, nach bem Krankenhaus im Friebrichs- hain bringen. Frau Seifert, bie bei Besinnung war, be» schulbigte ihren Mann, baß er sie, währenb sie sich am Fenster festgehalten habe, in ber Wut bei ben Beinen ge­packt unb kopfüber aus bem Fenster geschlenbert habe.

* Königsberg, 5. August. Bei ben Rennen in Karolinenhof stürzte Leutnant Gamv-Allen- ftein und zog sich dabei einen schweren Schäbelbruch zu. Es ist wenig Hoffnung vorhanben, baß ber Verunglückte am Leben bleibt. i

Arbeiterbewegung.

Berlin, 6. August. Die Lieferungen für die Ausrüstung der Chinattuppm haben die MililSr-Effekten-Sattler Berlins viranlaßt, in eine Lohnbewegung zu treten. Vornehmlich handelt eS sich um Anerkennung deS NeunstundentageS und des Mintmal- LohntarifeS. Eine Versammlung beschloß am SamStag, den Arbeit­gebern bis zum Dienstag Frist zu gewähren. Sind bi« dahin die Forderungen nicht bewilligt, so soll der Generalstreik erklärt werden. Am Mittwoch findet wieder eine Versammlung statt, tn der end- giltige Beschlüsse gefaßt werden. Eine Urabstimmung hat mit über­großer Majorität stch sür den Streik erklärt.

Aanbel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Märkte.

Gieße«, 7. August. Der heutige Rindermarkt hatte einen Auftrieb von 121300 Stück, darunter etwa Ve Kälber. Beeinflußt durch die überall gesteigertm Milchpretse und auch durch den starken Bedarf von Milch, besonders in den Badeorten, machte sich der Handel in Milchvieh überaus flott. DaS aufgetriebene Vieh des diesmaligen Marktes war in Qualität durchschnittlich überaus gut, bester als beim letztm Markte. Händler aus Rheinhessen und Rhein­preußen, sowie von der Steg kauften gleich zu Beginn des Marktes ganze Transporte und brachten daburch Leben tn den Handel. Auch da» Geschäft in Kälbern machte stch ausgezeichnet, da für schwere Waren R.flrktanten sür Frankfurt a.M. und Bad-Nauheim an den Martt gekommen waren und hohe Preise dafür anlegten. Junge