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8.8.1900 Zweites Blatt
 
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183 Zweites Blatt. 4 Mittwoch den 8. August

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Jch.kßr-ße Nr. 7.

Enthüllung des Denkmals des Großen Kurfürsten in Bielefeld am 6. August.

Der Zufluß von Fremden, die zur Teilnahme an der heutestattgefundenen Enthüllung deS Denkmals des Großen Kurfürsten auf der Sparenburg hier eintrafen, hatte schon gestern gewaltige Ausdehnung genommen. Die Stimmung der Bevölkerung war vorzüglich, das Wetter prächtig. Vom Bahnhof zog sich die Ausschmückung durch die Stadt bis zur Sparenburg hinaus. Durch Guirlanden verbundene Flaggenmaste säumten die Straße zu beiden Seiten eiu, die Häuser prangten im Flaggenschmuck und Schaufenster waren reich ausgestattet. Hiesige und aus­wärtige Vereine bildeten an der langen Feftstraße Spalier.

Kurz vor zwölf Uhr trafen der Kaiser und die Kaiserin hier ein, und begaben sich sofort zur Sparen­burg. Den Zug eröffnete der Bürgermeister und eine Es­korte, die das in Münster garnisonierende Kürassierregiment von Driesen (Westfälisches) Nr. 4 gestellt hatte. Die Kaiserin, die schwarze Kleidung mit dem Bande des Schwarzen Adler­ordens trug, fuhr im Wagen. Hinter dem Wagen der Kaiserin folgte der Kaiser in Kürassierunisorm mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens, und das Gefolge zu Pferde. Den Zug schloß wieder eine Eskorte. Auf dem ganzen Wege zur Sparenburg wurden die Majestäten von der Bevölkerung mit stürmischem Jubel begrüßt.

Um 121/4 Uhr hielten der Kaiser und die Kaiserin unter stürmischer Begeisterung der Anwesenden durch das Burgthor ihren Einzug in die Sparenburg. Vor dem Pavillon neben dem großen Turm sprach die Tochter des Oberbürgermeisters in einem weißen historischen Kostüm, einen von Frida Schanz gedichteten Willkommengruß und überreichte der Kaiserin einen Blumenstrauß, die sodann den Wagen verließ, und sich in den Pavillon begab. Vor dem Pavillon steht das Denkmal, neben demselben hatten Damen in Kostümen aus der Zeit des großen Kurfürsten Aufstellung genommen, die Gallerte des Turmes war mit Gmnasiasten in der Uniform der Brandenburgischen Dra­goner besetzt. Auf der Südseite des Turmes standen 1000 Posauncnbläser, im Burghofe war eine Ehrenkompagnie des 55. Infanterie-Regiments aufmarschiert. Der Kaiser ritt vor das Denkmal und hielt folgende Ansprache:

Meiner treuen Stadt Bielefeld und meinen Ravensbergern habe ich beschlossen, zum Dank für ihre Aufnahme und zur Erinnerung an die jahrhundertlangen Bande, die sie mit meinem Hause verbinden und an die Treue, die sie demselben stets erwiesen, das Denkmal des Großen Kurfürsten zu weihen, welches hier aufgestellt worden ist, des Fürsten, dem diese Lande, unser ganzes Vaterland und unser Haus so unendlich viel zu verdanken haben, dem seine Feinde den Namen des Großen gaben, noch zu seinen Lebzeiten. Versetzen wir uns in die Zeit zurück, als der Kurfürst in ganz jungen Jahren zur Regierung kam. Was sand er vor? Zerstampfte Saaten, niedergebrannte Dörfer, ein ausgehungertes, heruntergekommenes Volk, verfolgt von allen Seiten, sein Land war der Tummelplatz für die wilden Schaaren, die seit 30 Jahren Deutschland mit Krieg überzogen hatten, fürwahr eine Aufgabe, fe ungeheuerlich und so gewaltig, daß man ihm es hätte verzeihen können, wenn er bei seiner Jugend davor zurückgeschreckt wäre. Run kam er mit seinem felsenfesten Vertrauen auf Gott und seinem eisernen festen Willen, er schweißte die Stücke seines Landes zusammen und hob Handel und Wandel, Ackerbau und Landwirtschaft in einer für damals unglaublich kurzen Zeit. Er legte die Grundlage für unseren Staat und für unsere Armee und war in der Lage, bald auf große Erfolge zurückzublicken. Er vermochte in Europa ausschlaggebend aufzutreten, sodaß von ihm der Dichter fingen konnte, wenn er von einer Seite feineä Reiches zur anderen eilte, um es zu schützen und zu bewachen: DaS war em schnelles Reiten, vom Rhein bis an den Rhin, das war ein herßes Streiten am Tag' von Fehrbellin " Und alle diese Thaten schließen sich m einer Folge aneinander, hervorspringend aus seiner Hoffnung em großes gewaltiges, nordisches Reisch zu gründen, welches deremst dazu dienen sollte, das deutsche Vaterland wieder zusammen zu führen. So schnell bauen sich Weltreiche nicht auf; aber den Grund- und Eckstein hat er dazu gelegt und die gewichtigen Hammerschläqe, die er dazu gethan, haben für Mich eine feste Basis geschaffen. Welche hohe Freude war es für ihn, wenn er inmitten seiner Ravensberqer auf dieser von ihm so gelte6ten Burg den Blick auf das schöne Land hinaus­schweifen laffen konnte, für dessen Wohl und Wehe er angestrengt ar­beitete und deffen fortschreitende Blüte ihn beglückte. Welche Freude war es für ihn, hier seine Dragoner zu sehen, auf seinen Reisen auf dem damals noch so fern liegenden westlichen Lande, welches er erworben und zu halten und zu schützen geschworen hatte. Wie anders ist es jetzt: Aus dem von ihm begründeten Staate hat sich das Königreich Preußen entwickelt und durch Preußen ist das deutsche Reich zusammengeführt und geschweißt. Der große Kaiser, des großen Ahnen großer Nach­folger, hat das ausgeführt, was der andere sich gedacht. Woher ist es wohl möglich gewesen, daß bei dem kurzen Rückblick auf die Geschichte unseres Landes und Hauses diese wunderbaren Erfolge unseres Hauses zu verzeichnen find? Nur daher, weil ein jeglicher Hohenzollernfürst sich von Anfang an bewußt war, daß er nur Statthalter auf Erden ist und daß er Rechenschaft abzulegen hat, von seiner Arbeit vor einem höheren König und Meister, daß er ein getreuer Arbeitsführer fein muß im allerhöchsten Auftrage. Daher auch die felsenfeste Neberzeugung von der Mission, die jeden einzelnen meiner Vorfahren erfüllte. Daher die unbeugsame Willenskraft, das durchzuführen, was man sich einmal zum Ziele gesetzt hat. (Bravo). So möge es denn auch mir vergönnt sein, zum Wohle, nicht nur des gesamten Reiches, sondern

auch gerade dieses schönen Ländchens, denselben Fußtapfen zu folgen, die dieser große Ahn uns vorgezcichnet hat. (Bravo). Mir ist es viel­leicht vergönnt, den Teil seines Traumes auszufüllen, der durch die späteren Kämpfe in unserer Entwickelung zurücktreten mußte, den Weg über die See! Was damals der Große Kurfürst nur angedeutet und begonnen, das vermögen wir jetzt im Großen aufzunehmen, weil wir ein geeintes großes deutsches Vaterland haben. (Lautes Bravo.) Wir haben es jüngst erlebt; deutsche Heere unter dem Schutze deutscher Fahnen ziehen hinaus, bestehend aus Gliedern und Söhnen unseres Vaterlandes, aus allen Gauen von den Schären des Belt bis zum Wasgau, gemeinsam für die schwarz-weiß-rote Fahne zu kämpsen, die Größe und bin Ruhm unseres Vaterlandes im Auslande zu besiegeln, zu zeigen, daß der Arm des deutschen Kaisers auch bis in die entferntesten Teile der Welt reicht. (Bravo!)

Alles dieses wäre unmöglich gewesen ohne den Großen Kurfürsten und sein Werk und deswegen hoffe ich, daß auch ein jeder meiner Unter: thanen von demselben Geiste beseelt, in demselben Sinne an feiner Auf­gabe fortarbeiten wird, mir zu Helsen. Einem Jeden ist feine Aufgabe und fein Ziel gesetzt, und wenn Jeder es so auffaßt wie der Große Kurfürst und wie alle aus meinem Hause, in der Ueberjeugung, daß er verantwortlich ist und dereinst oben Rechnung ablegen muß, von dem, was er gethan, dann bin ich fest davon überzeugt, daß unserem deut­schen Vaterlande noch große Zeiten beoorstehenl (Anhaltendes Bravo I) Dann werde ich unbekümmert um die dunklen Wolken, die über uns dahin ziehen, wie einst Eberhard der Greiner von meinen Ravensbergern sagen, daß ich unbekümmert einem Jeden von ihnen mein Haupt in seinen Schooß legen kann. (Lang anhaltende stürmische Bravo- und Hochrufe I)

Sooann fiel unter den Klängen der Nationalhymne die Hülle. Oberbürgermeister Bunnsmann sprach hierauf den Dank der Stadt Bielefeld aus und reichte Seiner Majestät den Ehrentrunk dar. Der Kaiser trank unter den jubelnden Zurufen der Menge mit den Worten:Der Graf von Ravensberg den Ravensbergern!" und pflanzte nunmehr an der Ostseite des Denkmals eine Eiche, die er vor Jahren im Garten des Geheimrats Hintzpeter als Reis gesetzt hatte. Um 1 Uhr fuhr das Kaiserpaar nach der Wohnung des Geheimrats Hintzpeter, um dort das Frühstück einzunehmen.

Das Kaiserpaar ist unter dem Jubel der Bevölke­rung Nachmittags 3 Uhr abgereist und nach Wilhelmshöhe zurückgekehrt.

Die Wirren in China.

Die Beurteilung der Dinge aus der Ferne wird mehr und mehr durch, die U n z u v e r l ä s s i g k e i t der Nacy - richten erschwert. Auch die Reutermeldung über den Selbstmord Li-Hung-Tschangs ist jetzt unter die Rubrik Tatarennachrichten zu verweisen. Sie mag sich daraus er­klären, daß, nachdem ein Mann wie Lipingheng in Peking Oberwasser erhalten hat, für den alten Li-Hung-Tschang dort kein Platz mehr ist, d er seine Rolle, vorläufig wenigstens, ausgespielt hat. Bom Standpunkte der Mächte aus braucht man den Bruch Li-Hung-Tschangs mit Peking nicht zu bedauern, und wenn es sich, bestätigt, daß mit ihm auch Liukunyi sich auf die Seite der Gegner Lipinghengs gestellt hat, so erscheint sogar die Hoffnung, daß die mäch­tigen Generalgouverneure des Jangtse im Verein mit Li- Hung-Tschang, wenn es nötig ist, auch gegen den Willen von Peking, Ruhe und Ordnung erhalten werden, bedeu­tend gekräftigt. Aber nicht nur die falschen Nachrichten, auch der Mangel an Nachrichten und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Meldungen führen das Urteil irre. So er­fahren wir zu unserm Staunen durch ein Telegramm der Daily Expreß", daß die Nachrichten aus Tientsin einer Preßzensur unterliegen, wir also alle Aussicht haben, daß sich die Vorgänge aus dem Beginn des südafrikanischen Krieges in China wiederholen, daß auch bei diesem Bundes­kriege der Mächte gegen die Barbarei dem Telegraphen als dem Nachrichtenübermittler möglicherweise die Rolle zufällt, die Wahrheit zu verschweigen. Schon längst war der Mangel neuer Nachrichten aus Tientsin umsomehr aufgefallen, als die ganze Welt mit atemloser Spannung die Meldung von dem Vormarsch auf Peking erwartete, der Äen Belagerten in Peking endlich Erlösung bringen sollte. Man suchte vergeblich nach einer Erklärung, weshalb Berichterstatter ihre Telegramme auf dem Postwege nach Shanghai sandten und erst dort dem Telegraphen anver­trauten jetzt erfahren wir allmählich die Ursache: es ist eine Zensur eingerichtet, weil sich Dinge ereignet haben, die man verschweigen möchte. Man wußte zwar, daß die Verzögerung des Vormarsches auf Peking kleinlichem Zank und Streit über den Oberbefehl und der Lässigkeit und Saumseligkeit einiger Kontingente der Verbündeten zur Last gelegt wurde, wir erfahren auch, daß der amerika­nische Befehlshaber, General Chaffee, in so starken Aus­drücken an die Regierung nach Washington darüber tele­graphiert hat, daß sein.Bericht das Licht der Oeffentlichkeit nicht verträgt, aber was man noch nicht wußte und was erst die heutige Meldung desDaily Expreß" erraten läßt, das ist, daß die Truppen der Mächte eine empfindliche Schlappe erlitten haben. Bisher war man der optimistischen Meinung, daß die Verbündeten Tientsin, das Fremden­viertel wie die Chinesenstadt und die Forts derart besetzt

hielten, dgß der Besitz der Stadt gegen jede Ucbcrraschung gesichert wäre. Jetzt aber erfahren wir, daß die Chinesen- stadt wieder in der Gewalt der Chinesen war, daß diese von dort aus sogar am 1. August die in. der Fremdenstadt stehen­den Verbündeten angriffen, und zwar zurückgeschlagen wurden, aberschließlich doch starke Stellungen in der Chinesenstadt behaupteten". Im Lichte dieser Nachrichten gewinnen auch die Meldungen derMorning Post" aus Tschifu vom 4. August, die wir nicht mitgeteilt hatten, weil sie bis jetzt unverständlich waren, einige Klarheit und Bedeutung. Sie seien deshalb nachgetragen. In dem ersten Telegramm heißt es, der Versuch der Russen, die Pontonbrücke über den Lutaikanal zu nehmen, sei fehl­geschlagen, aber andere Pläne seien gefaßt worden, die Eingeborenenstadt in wenigen Tagen einzuschließen. In der Stadt sei ein Labyrinth von engen Strahn; an die Forts könne man nicht heran. Die zweite Depesche besagt, daß die Chinesen in die Forts der Eingeborenenstadt zurückgeworfen worden seien und ein heftiger Artillerie­kampf im Gange sei. Die dritte Depesche meldet, unter den weiteren bis jetzt eroberten Stellungen seien solche, von denen aus der Feind die Streitkräfte oer Verbündeten an der Eisenbahnstation und in der Fremdenstadt schwer belästigt habe. Die Truppen der Verbündeten rückten jetzt in einem Bogen nach dem Nordwesten der Stadt vor. Der Verlust der Chinesen sei schwer. Die Verbündeten hätten jetzt einen ausgezeichneten Artilleriepark erhalten. Bisher seien ihre Geschütze denjenigen in der Eingeborcnenstadt nicht gewachsen gewesen. Alle diese in ihrer Abgerissenheit und Zusammenhanglosigkeit nichts weniger als klaren Nachrichten lassen nur soviel deutlich durchblicken, daß es den Chinesen gelungen ist, Tientsin von den Verbündeten zurückzuerobern, und daß dann eine Wiederholung der blutigen Kämpfe vom 13. und 14. Juli nötig war, damit die Truppen der Mischte abermals von der Stadt Besitz er­griffen. Dabei bleibt es noch zweifelhaft, ob das überhaupt in vollem Maße gelungen ist. Dieser beklagenswerte Rück­schlag dürfte in seinem moralischen Eindrücke auf die Chi­nesen die bedauerlichsten Folgen haben und wird vielleicht das Schicksal d^r in Peking Belagerten, die bis jetzt so heldenmütig standgehalten haben, besiegeln; er ist zugleich eine einleuchtende, wenn freilich auch recht peinliche Er­klärung dafür, weshalb wir nun so lange schon vergeblich auf die Nachricht vom Vormarsch auf Peking warten.

Die Meldung über den Selbstmord Li-Hung- Tschangs bestätigt sich also nicht. Der greife chinesische Staatsmann Li-Hung-Tschang er ist jetzt 79 Jahre alt müßte aber auch wirklich arg ins Gedränge geraten sein, wenn er, der Listige, keinen anderen Ausweg mehr als Selbstmord gesehen haben sollte. Li Hung-Tschang soll sich in eines der bei Shanghai gelegenen Festungs­werke zurückgezogen und allen Verkehr mit den Fremden abgebrochen haben, sodaß es schwierig sein mag, über ihn Genaueres zu erfahren, ein Grund mehr, um der Nach­richt von seinem Selbstmorde zu mißtrauen, zumal in Shanghai die sensationellsten Mitteilungen am ehesten Glauben finden. Als fich unter den Fremden in Shanghai das Gerücht verbreitete, jdaß Li-Hung-Tschang Selbstmord verübt habe, sandte ein fremder Beamte einen Boten nach der Wohnung Li'S, und da man sich weigerte, ihm Ant­wort zu geben, scheint daraus der Schluß gezogen worden zu fein, daß das Gerücht wahr fei. Was in Shanghai als Gerücht kursierte, ist dann als positive Meldung nach Europa gekommen.

Der Spezialberichterftatter eines Berliner Blattes hatte am 5. Juli eine Unterredung mit Li-Hung-Tfchang. Auf die Frage des Berichterstatters, wie die Ansichten Li- Hung-Tschangs über Ursachen und Bedeutung der Unruhen in Nordchina seien, antwortete Li, die Be­wegung sei von den Boxern ausgegangen. Diese seien nicht eigentlich Rebellen, wenn sich im Lause der Bewegung natürlich auch schlechte Elemente darunter gemischt hätten. Die Boxer seien dem Kaiserlichen Hause treu ergeben. Die Ursache des Aufstandes sei auch nicht eigentlich religiöser Natur; sie hänge aber allerdings damit zusammen, in­sofern, als sich der Aufruhr in erster Linie gegen die christ­lichen Chinesen gewandt habe. Es sei seine, Li-Hung- TschangS, feste Ueberzeugung, daß die Missionare für daS Verhältnis der chinesischen Bevölkerung zu den Fremden immer eine Gefahr und die Ursache fast aller Unruhen ge­wesen sind und immer bleiben werden. Die besseren Klaffen der Bevölkerung in Kanton wollten von den Boxern nichts wiffen, aber in der Masse der Bevölkerung hätten die Boxer Sympathieen gefunden. Die steigende Erbitterung gegen die Fremden sei in den letzten Jahren durch die fremden Mächte selbst hervorgerufen