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8.7.1900 Erstes Blatt
 
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lich gewesen ist. Der Grund hierfür liegt jebod) sicherlich nicht in der größeren Beliebtheit deutscher Geschäftshäuser dort, sondern vielmehr in der fortgefallenen Konkurrenz, die dadurch entstanden ist, das; die dortigen englischen Geschäftshäuser zum großen Teil geschlossen sind und der Handel somit nolens volenS in die Hande anderer Natio­nalitäten übergeganaen ist.

Es ist neuerdings hin und wieder die Rede von deutschen Einwanderungen in Transvaal. Davor kann nicht dringend genug gewarnt werden. Sie, die weder Mittel noch SpraMenntnisse besitzen, werden dort sowohl bei einem für die Buren günstigen als für sie ungünstigen Ausgange des Krieges kaum einen irgend­wie lohnenden Erwerb erwarten dürfen. Geht der Krieg für die Engländer siegreich! aus, so sei nur an die Folgen des Jameson- Einfalles erinnert, wo man an manchem englischen Geschäftshause, das Beamte suchte, in großen Buchstaben lesen konnte;No Gormaana noed applv (deutsche Bewerber ausgeschlossen) und wie viele Ge­sellschaften haben stillschweigend bei der Anstellung neuer Beamter ebenso gedacht und gehandelt, ohne dies direkt öffcnt(ixi)i auszuhängen. Selbst deutsche Firmen habenaus Geschäftsrücksichten" Engländer als Angestellte den Deut­schen vorgezogen. Sollten im anderen Falle die Buren ihre Unabhängigkeit behaupten, so ist es ein Irrtum, an­zunehmen, daß die Deutschen besondere Bevorzugung zu erwarten haben; da die Buren auf der jetzigen Stufe ihrer lEntwickelung weder für industrielle,' noch für Handels­unternehmungen Sinn haben, fo sind die einzigen Stell­ungen, die sie zu vergeben haben, die Negierungsämter. Für diese Stellen aber sind unter den Landessöhnen allein mehr ia ls genügend Bewerber vorhanden. Wir möchten hier einschieben, daß die auswärtigen Freiwilligen, die gegenwärtig für die Burensachle fechten, wohl Beköstigung und Kleidung, aber keine Löhnung beziehen und daß für sie im Falle einer Verwundung bis jetzt wenigstens keine Entschädigung vorgesehen ist. Betreffs anderer Stellungen, als auf Gruben oder in Kaufhäusern, wird kaum eine Ver­schiebung eintreten.

Es ist auch> in Betracht zu ziehen, daß sich ein großer Teil' ber früher dort beschäftigten Ingenieure, Kaufleute und Arbeiter zur Zeit in Südafrika aufhält und nur auf den Friedensschluß wartet, um nach Transvaal zurück­zukommen und Stellung zu suchen. Sicherlich werden diese, die mit der dortigen, von Deutschland ganH verschiedenen, Arbeitsweise vertraut sind, vor den Neuankömmlingen den Vorzug haben. Ob die augenblicklichien hohen Löhne nach« dem Kriege bestehen bleiben, ist, wenn nicht unwahrschein­lich,, jedenfalls zweifelhaft, da die dortigen Gruben lange Zeit brauchen werden, ehe sie ihre frühere Produktions- fähtgkeit erreichen und dementsprechend ihre frühere Ar- beiterzaht beschäftigen können.

Hessischer Landtag.

Erste Kammer der Laudstäude.

Darmstadt, 6. Juli 1900.

Am Negierungstisch: Staatsminister Rothe, Ministe­rialrat Dr. E i s e n h u t h, Oberregierungsrat B e st.

Die Sitzung wird um halb 2 Uhr durch den Präsi­denten Grafen Schlitz, gen. v. Görtz eröffnet. Zur Be- ratung steht die Vorlage Letr. die G e h a l t e d e r V o l k s - schnllehrer. Geh. Kommerzienrat Michel erstattet Bericht, wobei er betont, daß die Zweite Kammer von ihrem ursprünglich einstimmig gefaßten Beschluß zurückge- foimneii sei und einen Antrag angenommen habe, der nur noch 55000 Mark jährlich mehr als die Regierungsvorlage erfordere. Diese verteilen sich auf etwa 2000 Lehrer, sodaß auf den Einzelnen etwa 25 bis 30 Mark entfallen. Dieses Verhältnis rechtfertige nldjit mehr einen Beschluß zu fassen, der den Lehrern in pcn nächsten Jahren nichts biete, viel­mehr beantrage der Ausschuß nunmehr wiederholt a u f dem früheren Beschluß zu beharren (das heißt, den Antrag Molt Han an zu ne hm en), gleichzeitig aber auch dem Antrag Schmitl entsprechend! riefe Skala nur bis zum 1. April 1904 zu beschlie­ßen. Staatsminister Rothe erklärte sich hiermit einver­standen. Das Haus nahm alsdann den Antrag einstim­mig an.

Die Vorlage, betr. Verwilltgung von 50 000 Mark zu Aiefbohrungen in Bad Salzhausen, wird tonforui dem Beschlüsse der Zweiten Kämmer zugestimmt. Die Kämmer vertagt sich auf unbestimmte Zeit.

Zweite Kammer der Laudstäude.

24. Sitzung. Freitag, 6. Juli.

Am Negierungstisch: Staatsminister Rothe, Ministerial­räte Ewald, Dr. Cisenhuth, OberregierungSrat Best.

Eröffnung der Sitzung 9 Uhr 40 Minuten vormittags.

Für Tiefbohrungen zur Aufsuchung neuer Soolquellen in Bad Salzhausen werden Mk. 50000 ohne Debatte bewilligt.

Bei dem Gesetzentwurf über die Erweiterung und Ergänzung des Staatseisenbahnnetzes und seiner Anlagen hat die Erste Kammer den Zusatzantrag gestellt, man möge die Regierung veranlassen, daß man bei den neuprojektierten Umgehungsbauten der Stadt Mainz diese Stadt durch Uebersahren der Station Kastel nicht schädige. Abg. Molthan ersucht das HauS, diese wichtige Frage aufzugreifen und im Sinne der Ersten Kammer bei der Regierung dafür einzutreten, daß jede Schädigung der Städte Mainz und Kastel vermieden werde. Ministerialrat Ewald sagt jeden möglichen Schutz zu.

Bei Fortsetzung der Beratung des Gesetzentwurfs über die Gehälter der Volksschullehrer verwahrt

Abg. Dr. Schmitt sich namens seiner Partei dagegen, als ob der Antrag Molthan bestellte Arbeit sei; man habe den Antrag erst eingebracht, als von der Regierung die be­stimmte Erklärung erfolgt sei, daß sie aus weitere Erhöhung nicht eingehen könne. Er würde ja gern sür die Skala Backe« stimmen, wenn sie Aussicht hätte, von der Regierung angenommen zu werden; doch glaube er nicht, daß dies der Fall sei, denn anscheinend sei die von ihm im vorigen Jahre gewünschte Festigkeit jetzt vorhanden. Man solle deshalb einen Umschlag nicht wünschen. Er mache auf die bedenk

geändert,

daß die

. 2800 Regierung schon drei-

teresse des Zustandekommens dahin Haltsskala folgende sein solle:

vom 81. Dienstjahr an . . . Abg. Backes stellt fest, daß die

lichen Folgen einer Ablehnung des ganzen Gesetzes auf­merksam; es könne dann in diesem Landtag keine Vorlage mehr kommen, und dadurch entgehe den Lehrern unter allen Umständen für die nächsten drei Jahre der Betrag von über 2 Millionen Mark; die« wirke auch nachteilig auf die Pensionierung. Wenn die Regierung die Steuerreform erst überschaue, werde sie von selbst in drei Jahren auf eine weitere Erhöhung kommen, wenn man den Antrag Molthan angenommen habe. Man solle den Antrag annehmen, denn die Verantwortung für die Ablehnung sei sehr groß.

Abg. Backes hat seinen bisherigen Antrag im Jn-

25. Sitzung. Freitag, 6. Juli, nachmittags 3l/2 Uhr.

Abg. Backes erklärt, daß er nach Lage der Dinge moralisch gezwungen ist, um die Lehrer in den nächsten drei Jahren nicht zu schädigen, lauf seinen Antrag zu verzichten und, wenn auch mit schwerem Herzen, dem Anträge Mol­than zustimme.

Abg. Dr. David wird, um die Lehrer in den nächsten drei Jahren nicht zu isclKdigen, gerade aus seinem früheren Standpunkt beharren und macht per Regierung den Vor­wurf, daß sie das äon allen Seiten gebotene Entgegen­kommen und den einstimmigen Beschluß der Kämmer so wenig beachtet habe. Man jhätte in der Kämmer fest blei­ben sollen, so hatte man der Negierung den Ernst der Si Inntion gezeigt. Seine Partei werde aus moralischen Gründen ans ihrem gefaßten Standpunkt beharren.

Staatsminister Rothe stellt nochmals fest, daß die Regierung gethan habe, was möglich war.

Abg. Weidner vertritt den Standpnnkt des Finanz Ausschusses, der auf seinem Standpunkte beharre; die Ent

tnal in den letzten Jahren eine Erhöhung der Volksfchul- lehrer-Gehalte der Finanzlage wegen ablehnen mußte, während man für andere Beamtenkategorien jederzeit Geld übrig habe. Vor einer wirklichen Volksabstimmung über die Gehälter aller Beamten brauchten sich, die Bolksschullehrer nicht zu fürchten; trotzdem habe er feinen Antrag reduziert, um wenigstens für oie Lehrer in den mittleren Alters­stufen, im denen die Kosten für die Kindererziehung be­deutend erhöht find, zu sorgen. Sein neuer Antrag erhöhe die Forderung MvlthanS nur um 55 000 Mark; er bitte die Regierung dringend um Bewilligung.

Abg. Weidner tritt gleichfalls für diesen neuen An­trag ein.

Abg. Dr. Gut fleisch will sich auf diesen Kuhhandel nicht einlassen, er habe zu der Regierung das Vertrauen, daß sie ihre Schuldigkeit thue. ES frage sich, ob der beste Freund der Lehrer der fei, der Prinzipien reite unter der großen Gefahr, praktisch garnichts herauszuschlagen.

'Abg. Wolf spricht gegen, Graf Oriola für den neuen Antrag Backes.

Der Staatsminister Rothe erklärt zum drittenmal, daß die Regierung nicht über den Antrag Molthan hinauS- gehe; ein Entgegenkommen sei nur durch vorläufige zett- lichie Festlegung des Gesetzes möglich.

Abgg. Erck und Schmeel haben trotzdem das Ver­trauen zu der Regierung, daß sie den Vermittlnngsvor- schlag Backes annehme.

Abg. Ulrich findet, daß die ganze Vorlage in und außer dem Hause viel Unheil gestiftet habe. Er lasse sich von bet Regierung keinniemals" entgegenschleudern, mit viel mehr Recht könne, die Kammjer der Regierung dies Wort entgegenrufen. Die Kämmer taffe sich von dem leider abwesenden Finanzminister nicht ziehen. Die Abgeordneten haben als Vertreter des Volkes das Recht der freien Ab­stimmung. Thatfache fei es, daß es nur den Lehrern erträglich gehe, die eine reiche Heirat machten, den meisten andern gehe es kümmerlich, und solche Lehrer können keine guten Lehrer im Interesse des Volkswohles sein. Die Vorteile der Volksbildung seien so bedeutende, daß man absolut für deren Sicherstellung sorgen müsse. Werde die Vorlage nicht Gesetz, so fällt das Odium der Ablehnung auf die Regierung und die Erste Kämmer allein, es komme nur darauf an, daß die Kämmer einig und beständig fei, dann brauche man nicht nachzuyeberi. Mit Recht werden dann die Lehrer auch mit der Zett den gewünschten Höchst­gehalt von 3500 Mark erreichen.

Ministerialrat Eisenhuth vertritt den Standpunkt der Regierung. Er hofft, daß das Haus sich keine Regierung wünsche, die nach! den mehrfach abgegebenen bestimmten Erklärungen heute eine andere Erklärung abgebe. Er kon- statire nochmals vor dem Land, daß man jetzt durch die Vorlage ü6er eine Million neu bewillige und damit die Lehrer in gute Gehaltsverhältnisse einrücken lasse. Er erkläre ferner wiederholt, daß zwischen der Regierung und dem Antrag Molthan absolut keinerlei Zusammenhang be­stehe und bestanden habe.

Abg. Dr. Gutf leisch hält nach seinen parlamentari­schen Erfahrungen nicht viel von der angeführten Kraft­probe. Eine Kammer im Sinne Ulrichs führe zu nichts Gutem und die Lehrer haben den Nachteil. Hier gelte das Sprichwort: Das Beste ist der Feind der Guten.

Avg. Dr. Schmitt verteidigt nochmals den Antrag Molthan und macht auf die außerordentlichen Nachteile für die Lehrer aufmerksam, die durch das Festhalten an oem Antrag Backes entstehen werden.

Abg. Dr. David erklärt, daß man durch einstimmigen Beschluß die Negierung zum Nachgeben zwingen müsse, auch dem laut gewordenen Verdacht einer Erziehung der Zweiten Kammer durch den Finanzm,inister müsse man entgegenwirken.

In namentlicher Abstimmung wird der Ausschuß-An­trag, d. h. der reduzierte Antrag Backes, der mit 5 5 1 0 0 M k. über den Antrag Molthan hinan s- geht, mit 29 gegen 13 Stimmen angenommen..

m 18.

4.-6.

Dienstjahr

.....1100

.....1200

Mk., ff

, 7.-9.

.....1400

*

10.12.

.....1600

*

13.-16.

.....1760

16.18.

.....1900

19.-21.

.....2100

, 22.-24.

..... 2300

25.-27,

..... 2600

28,-30.

/r

..... 2680

M

scheidung könne im Herbst gefällt werden, da die Verhand- lung über das Gesetz dann vertagt werden müsse.

Abg. Ulrich stellt fest, daß eS sich um die Reputation und das Ansehen des Hauses handle, er bedauert den Rück­zug des Herrn Backes und der nationalliberalen Partei sehr. Man schädige die Lehrer keineswegs, wenn man die Ent­scheidung bis zum Herbst verschiebe, da das Gesetz ja ohne dies bis 1. April 1900 rückwirkend sei.

Abg. Dr. Schmidt glaubt nicht, daß im Falle des Beharrens des Hauses auf dem ersten Beschluß die Regie­rung im Herbst mit Sicherheit eine neue Vorlage bringe, man solle nehmen, was man bekommen könne.

Die Abgg. S ch m e h l, Graf O r i o l a und Köhler- Langsdorf erklären, daß sie, um das Zustandekommen des Gesetzes zu sichern, für den Beschluß der Ersten Kammer stimmen.

Abg. Bär erklärt, daß er mit seinen Freunden auf dem gefaßten Beschluß beharrt, ebenso Dr. Schröder.

Abg. Weidner würde sich schämen, wenn er jetzt noch, nachdem man so lange um die Sache gekämpft, nach? geben wollte.

Abg. v. Brentano glaubt, daß es der Lehrerschaft egal sei, wer die Verantwortung trage; Hauptsache fei, daß sie die nötige Aufbesserung erhalte.

Abg. Wolff sieht in dem Nachgeben des Abg. Backes, der doch die Lehrerschaft hinter sich habe, ein Zeichen, daß man mit gutem Gewißen dem Anträge Molthan zu- ftimmen könne.

Aba. Ulrich, hält es für eine vollständige Verkennung der Folgen des Beschlusses, wenn man glaube, daß durch ein Beharren auf dem Standpunkt die Lehrerschaft geschä­digt werde. Die Vorlage würde wiederkommen, und es könne bann rückwirkend das Versäumte nachgeholt werden. Er seinerseits werde fest bleiben und bedauere nur den Abfall der nationalliberalen Partei. Mit Hohn und Spott werde man im Lande auf die Kammer blicken, wenn sie wie Wachs sich kneten lasse, und die Lehrer werden Herrn Backes für seinen unverantwortlichen Rückschritt feinen Dank wissen.

Nach einigen die Geschäftsordnung betreffenden Wor­ten des Staatsministers, sowie entsprechender Aufklärung durch den Vorsitzenden erfolgt in namentlicher A b - ftimmung mit 22 gegen 18 Stimmen Annahme des Beschlusses, auf dem ursprünglichen Antrag Backes mit der Skala B zu beharren. Die Vor­lage ist somit gefallen.

Aus Stadt und Land.

(Unsere ständigen und gelegenllichen Herren Mitarbeiter werden ge­beten, bei Einsendungen stets nur eine Seite ihres Manuskripts zu beschreiben und die Rückseite frei zu lassen im Interesse der schnelleren Druckherstellung.)

Gieße«, 7. Juli 1900.

* Personalnachrichten. Ernannt wurden: der HilsS- heizer bei der Main-Neckar Eisenbahn Friedrich Rull mann auS Nidda zum Lokomotivheizer bei dieser Bahn mit Wirkung vom 1. Januar l. I. an; der Hilfswagenwärter bei der Main-Neckar-Eisenbahn Ludwig Strauch aus Nidda, zum Wagenwärter bei dieser Bahn mit Wirkung vom 1. Januar l. IS. an.

**-o Theater. Die Theatergesellschast, die hier neu­lich mit hübschem ideellen Erfolge L'Arronge'SWohlthätige Frauen" gab, hat sich entschlossen, nun doch noch eine Vor­stellung hier zu geben zur Sicherung ihres Rufes, trotz aller bisherigen Passivität des Publikums. HalbesJugend", die hier noch nie zur Aufführung gebracht worden ist, soll am nächsten Mittwoch dem 11. ds. Mts. zur Auf- sührung kommen. Seit gestern zirkuliert unter den Mit­gliedern des Theatervereins eine Liste zur Erklärung, die Vorstellung besuchen zu wollen. Aus dieser Thatfache mögen unsere Leser ersehen, daß der Theaterverein der Ver­anstaltung sein Interesse zugewandt hat. Billets werden von dem Diener des Theatervereins sowie von Herrn Challier verkauft. In den Zwischenakten wird bei warmer Witterung Restauration im Garten des Stadttheaters sein. So wird denn den Gießenern Gelegenheit geboten werden, einen Dichter kennen zu lernen, dessen Art grundverschieden ist von der der alten Routiniers und Handwerksleute der dramatischen Technik, einen Dichter, der sich sonst allerorten längst eine große Anzahl von Anhängern, allerdings auch von erbitterten Gegnern zugezogen hat. Wir leugnen nicht, daß wir den kecken Wagemut des Herrn Robert Friedrich vom Stadttheater in Bremen, des Leiters dieser Theater­gesellschast, der sich übrigens auch als seuilletonistischer Schriftsteller bekannt gemacht hat, bewundern. Max Halbe'S Jugend" ist eines der echtesten und zugleich gewagtesten Werke der neuen Richtung. Wie wenige andere, läßt dieses Stück erkennen, woraus die Modernen hinauswollen, aber wie wenig andere setzt es sich auch in Widerspruch zu den Forderungen der bislang als alleinseligmachend geltenden Bühnentechnik und läuft Gefahr, mißverstanden zu werden. Denn der Dichter macht es dem Publikum nicht so leicht, wie Schönthan, Kadelburg und Genoßen, er setzt ihm feine Schablonenarbeit vor, bei der die Handlung so glatt herunter­schnurrt, als ob ein Uhrwerk dahinter steckte, die Personen aber nicht mit Rücksicht auf ihre Charaktere, sondern mit Rücksicht auf dieFächer" der Darsteller behandelt werden. Er thut weniger und doch unendlich viel mehr: er bringt einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben aus die Bühne, wohl verstanden, aus dem wirklichen, wahrhaftigen Leben. Nun, hoffen wir, daß sich recht viele Gießener an diesem Werke eines echten Dichters erfreuen werden.

R. Wiefeck, 6. Juli. Bei der heutigen Beigeordnetenwahl wurde der Gastwirt Karl Schäfer mit 53 Stimmen gewählt.

Hungen, 6. Juli. Bei der heutigen Bürger meist er­wähl erhielt der seitherige Bürgermeister Heinrich Butt- ron III. 177, der zweite Kandidat Wilhelm Heinrich Ben­der II. 64 Stimmen. Der erste ist somit wiedergewählt. 1 Zettel war ohne Namen, 9 haben von ihrem Stimmrecht keinen Gebrauch gemacht. Heute verunglückte im hiesigen Steinbruch der Arbeiter Funk von hier dadurch, daß ihm

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