Ausgabe 
8.7.1900 Drittes Blatt
 
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ches sich in den einzelnen Füllen ergab, so genau wie rnöglich gemessen. Nunmehr wurden die verschiedenen Mengen unter Aufsicht der Ratsmitglieder einzeln zu Brot verbacken und Zahl und Gewicht der gewonnenen Laibe verzeichnet. Die Vergleichung der verschiedenen Ergebnisse dieser eingehenden Prüfung gab die Grundlage für Be­rechnung der Brotgewichts sähe:Item ist gerechnet und gefunden: So der Bäcker ein Achtel Korns zu Markt zu feilem Kaufe bäckt, wenn das Korn acht Schilling Heuer gilt und einen fetter Wiegegeld, also zusammen tuns Heller Angeld (Verbrauchssteuer, Abgabe von Einfuhr und Verkauf der Lebensmittel), was er davon geben muß, ferner drei Heller für Salz, sechszehn Heller und dreißig Pfund Kleie Verdienst für seine Mühe dazu gerechnet, so sollen aus dem Achtel werden zweiunddreißig Laibe, und soll jeglicher Laib für drei Heller wiegen fünf Pfund und zwanzig Lot, und sollen also Brot und Kleie zusammen wiegen zweihundertundzehn Pfund, und ünegt das Brot allein weniger als einhundertimdachtzig Pfund, so bleibt entsprechend mehr Kleie übrig, so daß sich der Bäcker hieran erholen (schadlos halten) kann". Bei den verzeichneten Taxen ist der Preis des Laibes (drei Heller) als unver­änderlich vorausgesetzt, dagegen wandelt sich sein Gewicht nach dem jeweiligen Marktpreise des Korns. Der Tarif verzeichnet demgemäß: 1. den Preis eines Achtels, . die Anzahl der daraus zu backenden Brote, 3. das Gewicht des einzelnen Laibes, 4. das dem Bäcker als Gewinn ver­bleibende oder von ihm zuzusetzende Quantum Mehl. Tie Berechnung ergiebt für ben Bäcker bei den meisten Brot­gewichtssätzen einen Gewinn an Mehl von verschiedener Höhe, bei manchen überhaupt keinen solchen Gewinn, bei anderen sogar einen kleinen Mehlverlust. In dem letzten Fall also wird der dem Bäcker für das Achtel zugedachte Arbeitsgewinn von 16 HeNern und dreißig Pfund Kleie um die kleine Menge Mehls, die er zusetzen muß, etwas gekürzt, ein Zeichen dafür, daß die obrigkeitliche Taxord­nung dem Bäcker nicht in allen Teilen gleich günstig war. Diese genaue Beaufsichtigung des Bäckergewerbes seitens der Behörden hatte aber auch zur Folge, daß damals! deutsches Gebäck überall für das beste galt. Dafür spricht -das Urteil des Ulmer Mönches Felix Fabri, der sich auf großen Reisen überall umgesehen hatte und im Jahre 1484 u. u-. folgendes schrieb:Wiewohl Italien unter allen Ländern des Erdkreises hochberühmt und mit Getreide im Ueberfluß gesegnet ist, hat es doch kein anderes mehr schmackhaftes, gesundes und eßbares Brot, als das von deutschen Bäckern gebackene, die durch ihre Geschicklichkeit und fleißige Arbeit das Feuer dämpfen, die Hitze mäßigen, das Mehl durchseihen, sodaß ein verdauliches, lockeres und schmackhaftes Brot zu stände kommt, während, wenn der Italiener backt, das Brot schwer, dicht, ungesund und un­schmackhaft ausfällt. Der Papst und die hohen geistlichen Würdenträger, Könige, Fürsten und aroßen Herren essen daher selten Brot, wenn es nicht auf deutsche Art bereitet ist. Aber nicht nur das gewöhnliche Hausbrot backen sie gut, sondern auch den Zwieback, der im Kriege und zur See als Nahrung dient, wissen sie so künstlich zu bereiten, daß die Venediger bei den öffentlichen Backöfen lauter deutsche Bäcker haben und das Gebäck weit und breit durch Illyrien, Maecdonierr, hen Hellespont, durch Griechenland, Syrien, Aegypten, Lybien, Mäurerunirn, c^ame-n unb frHrK und bis nach den Orkney-Inseln und an die

englischen und deutschen Seehäfen für ihre Seeleute zur Speise und für andere zum Verkaufe senden.

* Was kostet heute ein Tag der Kriegführung? Man ist bereits so sehr daran gewöhnt, von dem Transport vieler tausend Soldaten sprechen zu hören, daß man gar nicht daraus kommt, sich zu fragen, was wohl die Beför­derung von 1000 Mann nach China kostet. Im Kriege darf Geld keine Rolle spielen, und es müssen in der Zett von wenigen Monaten Summen aufgewendet werden können, die in Friedenszeiten da« Budget der kriegsührenden Staaten weit übersteigen würden. Man hat berechnet, daß die euro­päischen Mächte in den letzten 30 Jahren sür Kriegs- rüstungenzur Aufrechterhaltung des Friedens" bereits 40,000 Millionen Mark aufgewendet haben, und in den letzten Jahren allein betrugen die jährlichen Gesamt- Ausgaben für die Armeen und Flotten Europas 4500 Millionen jährlich. So riesig diese Summen auch erscheinen, so werden sie doch von den wahrschein­lichen Kosten eines Zukunstskrieges noch weit überholt. Bei einem Kriege zwischen Rußland und Frankreich und dem Dreibund würden sich die Ausgaben der süns beteiligten Mächte aus weit über 80 Millionen Mark pro Tag belaufen. Diese Zahl ist auf Grund der Thatsache be­rechnet, daß der Dreibund und der Zweibund zusammen nahezu 15,000,000 Mann ins Feld stellen könnten, von denen jedoch nur zwei Drittel als thatsächlich in Betracht kommend in Berechnung gezogen sind. Von oben genannter Zahl würden entfallen: Aus Deutschland mit 2,500,000 Mann 20,25 Millionen Mk. (Pro Tag); aus Oesterreich mit 1,300,000 Mann 10,5 Millionen, auf Italien mit 1,281,100 Mann 10,2 Millionen. Frankreich würde sür seine 2,554,000 Soldaten 25,500,000, Rußland für 2,800.000 Mann 22,500,000 Mk. alltäglich auszuwenden haben. Die Zweibund-Armeen kommen nach dieser Rechnung also um etwa 2,000,000 Mk. pro Tag teuerer zu stehen als die Dreibund-Truppen. Am kostspieligsten ist sreilich nicht die Verpflegung der Truppen selbst, sondern die ungeheuere Munitionsverschwendung und die Abnutzung von wert­vollem Geschütz- und Wafienmaterial während des Kampfes selbst. Es wäre zum mindesten originell und sicherlich nicht ohne Jnteresie, die bedeutendsten Schlachten der Weltgeschichte einmal unter die Lupe zu nehmen und unter dem Gesichts­punkt der Kosten zu betrachten. Freilich ergiebt auch die Verproviantierung der Truppen, der Transport derselben und das Kriegsmaterial, die Futterkosten für die Ps-rde ganz erstaunliche Zahlen, zumal wenn man bedenkt, daß während des Krieges ein Steigen der Preise sür Lebens­mittel jeder Art, besonders der Getreidepreise, unausbleib­lich ist. So stiegen während des Krimkrieges die Lebens­mittelpreise um das 25fache, Heu war 16mal teurer als sonst und die Transportkosten waren versechsfacht. Aber ganz abgesehen von diesen direkten Kriegskosten muß ferner berücksichtigt werden, daß der Krieg tausende von Familien ihres Ernährers beraubt und daß da der Staat mit Unter­stützungen eingreisen muß. So würde Deutschland allein sür etwa 780000 Familien zu sorgen haben, die pro Tag 1,5 Millionen Mark an Nni-rsttttzungSgeldern erfordern würden. In den übrigen Staaten läßt sich die Zahl der Unterstützungsbedürftigen in ähnlicher Weise ermitteln, so

daß man beim Drei- und Zweibund für diesen Zweck täg lich etwa 4 Millionen Mark anzusetzen hätte. Nun ist aber eine solche Versorgung in Kriegszeiten, wenn das Geld auch reichlich vorhanden ist, doch keine Kleinigkeit. In Kriegs­zeiten stockt der Handel mit dem Ausland zum großen Teil, und die Parteien sind bald mit den Vorräten im eigenen Lande fertig. Selbst so kurze und scheinbar unbedeutende Kriege, wie der spanisch-amerikanische des Jahres 1898, verschlangen ungeheure Summen und jede Sekunde des Krieges kostete den Vereinigten Staaten nicht weniger als 65 Mk. Jeder Schuß aus einem der 32 Ctrn.-Geschütze der amerikanischen Panzerschiffe ließ 10000 Mk. in Rauch aufgehen.

Sport, Spiel, Jagd.

Gießen, 6. Juli. Das uns vorliegende vorläufige Programm für das Große Rad-Wettfahren am Sonntag, 22. Juli, nachmittags halb vier Uhr, auf dem Sportplatz an der Hardt zu Gießen, veranstaltet vomKuratorium der Rennbahn Gießen 1897" und den Wanderern" G.R.-G., kündigt folgende Rennen an: 1 Eröffnungsfahren. 1200 Meter. 3 Ehrenpreise; 2. Mannschaftsfahren. 4000 Meter. 3 Ehrenpreise 3. Gauverbands-Wanderpreis-Fahren. 2000 Meter. 1. Preis: Echtgoldene Medaille und Anrecht auf den großen massiv silbernen Gaubecher. 2 und 3. Preis: Eine silberne, beziehungsweise versilberte Medaille. Ver­teidiger: Duill-Gießen; 4. Tandem-Fahren mit Vorgabe. 2000 Meter. 3 Ehrenpreise; 5. Mann­schaftsfahren um den Ehr en Wanderpreis der Stadt Gießen. 6000 Meter. Den siegenden Fahrern Medaillen und jedem startenden Verein, der die vorge­schriebene Strecke mit mindestens 3 Fahrern geschlossen zurücklegt, eine Ehr en-Ur künde. Dre prachtvolle Ehrengabe selbst geht^uf 1 Jahn in'den Besitz deLsiegenden Vereins über, welcher bei dessen Rückgabe im nächsten ^zahr einen Nebenpreis mit Widmung erhält. Verteidiger:Die Wanderer" G.R.-G.; 6. Kurotorium-W an der- pr eis-Fahr en. 4000 Meter. 1. Preis: Echsiilber- verqoldete Medaille und Anrecht auf den massw silbernen Humpen im Werte von 250 Mark, gestiftet von Mitgliedern! desKuratorium der Renübahn Gießen 1897 2. und

3. Preis: je eine Medaille. Verteidiger: Albert- Biebrich. Meldeschluß: Montag, den 16. Juli, abends 9 Uhr. ___

Oerichtssaal.

Offenbach, S. Juli. Am 25. März abends ertönte plötzlich Feueralarm, und die Feuerwehrleute eilten nach der Station, um dort jedoch zu erfahren, daß ein Brand überhaupt nicht ausgekommen, die Alarmierung vielmehr durchs dieunbefugteBenutzung eines Feuermelders veranlaßt worden sei. Die Polizei nahm sich der Sache sofort an, ^nb es gelang ihr alsbald, festzustellen, daß em Hausbursche und ein Ahraubendxeher den Unsiig verübt batten. Die Burschen erhielten nunmehr em Strafmandat über sieben Tage Haft, und einer von ihnen war klug genug, fich dabei zu beruhigen und seine Strafeabzu- madien". Der andere aber rref die Entscheidung des Schöffengerichts an, und dieses verurteilte ihn gestern m eine Haftstrafe von 14 Tagen.

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