1900
Sonntag den 8. April
weites Blatt
2lmte* und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren
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Redaktion, Lxprdition und Druckerei:
Schulßr-ße Ar. 7.
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englischer Seite find dabei 9 Tote, 88 Verwundete und 351 Vermißte zu verzeichnen. Von der Batterie Ullrichs fehlen 118 Manu. Das Kavallerie Regiment Roberts hatte 2 Tote und 14 Verwundete sowie 51 Vermißte, die das Regiment verlor, als es den Rückzug zu decken versuchte. Die Gesamt- Verluste aus englischer Seite betragen 450 Mann. Ein Telegramm der „Times" vom 5. April bestättgt das Ge- fecht. Ferner fand bei Bushmanskop ein Scharmützel
Gruppe des Feindes mit vier oder fünf Kanonen umzingelt. Oie Abteilung hielt von Vormittags den 3. April bis 9 Uhr Lbends des 4. April aus, und scheint sich dann ergeben zu haben, da um diese Zeit das Feuern aufhörte. Sofort, als ich am 3. April nachmittags die Nachricht erhielt, ließ ich Gatacre möglichst schnell von Springfontein nach R eddersburg marschieren, und sandte die Cameron-Hochländer von hier nach Bethany. Er kam gestern vormittag 1® Uhr 30 Min. in RedderSburg an ohne Widerstand, kannte aber von der fehlenden Abteilung keine Nachricht crchalten. Ohne Zweifel ist die ganze Abteilung gefangen.
Heute vormittag erhielten wir dann folgende tcle- graphische Nachricht, die eine Ergänzung der vorstehenden Meldung bildet:
Loudon, 7. April. (Org.-Telegr. des „Gieß. Auz. ) 61'ttt amtliches Telegramm Lord Roberts meldet folgendes: biinzelheiten über das Gefecht bei RedderSburg: Auf
A8e Anzeigen-BermittlungSßellen deS In- und AuSlandeS nrhmkn Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg-, auswärts 20 Pfg.
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Fernsprecher Nr. 51.
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m. bi» 18 Mk.
Lrandfort wird telegraphiert: Bei dem Kampf bei I SentaS Post wurden 389 Engländer gefangen! grnvmmen. Die Hauptbedeutung des Sieges liegt jedoch I in dem Fang aller britischen geheimen Papiere, darunter find I sorgfältig ausgeführte Karten und Pläne von 1897, 1898 I und 1899 zur Invasion des Freistaates und Transvaals. I DK für die Buren wertvollsten darunter sind die Pläne I zum Marsch auf Johannesburg von Mafeking aus auf I der Jameson-Route mit Verbefferungen, um Fehler zu I vermeiden; ferner ein Plan für den Marsch von Bloem- I (ontein nach Kroonstad über Brandfort, Winberg und I LeaterSburg. — Der Sieg wurde durch ein Kommando I Freistaatler auf offenem Gelände ohne Deckung errungen. I Kommandant de Wet sandte die eroberten Geschütze und I Gegangenen nach Winburg. Alle Kommandos im Süden I haben sich jetzt vereinigt und bilden eine große Armee von I Veteranen. Die Prieska- und Kenhardt-Distrikte der Kap- I folonte sind in voller Rebellion, die Kenhardter Rebellen I marschieren auf Talvinia und andere auf Fourteen I StreamS.
Wir ergänzen diese Depesche noch durch folgende I Einzelheiten des Reuter'schen Bureaus: Den im Hinter- I .halt liegenden Buren näherte sich zunächst ein Wagen mit I Mi englischen Offizieren. Die Buren riefen ihnen zu, sie sollten die Arme in die Höhe heben und sich ergeben. Der eine der Offiziere kam der Aufforderung nach, wor- au| der zweite den ersten sofort tötete. Da er sich weigerte, I die Waffen niederzulegen, wurde er von den Buren erschossen. Die Buren, denen die Lebensmittel fehlten, haben jetz.t ausreichende Vorräte, nachdem sie den englischen Somvoi genommen haben. Sie fanden ferner einen Kasten, in denen die Dokumente über die Eidesleistung der Burg- heirs ausbewahrt wurden, welche sich verpflichtet hatten, | nicht mehr gegen die Engländer zu kämpfen. Man hat diese BurgherS aufgefordert, sich im Hauptquartier in Sroonstad einzufinden, wo ihnen der kommandiereude General auseinandersetzen wird, daß ihre Eide null und nichtig find, da sie unter Zwang geleistet wurden.
Dazu kommt nun folgende Meldung des Generals KobertS aus Bloemfontein vom 5. April, 9 Uhr abends:
Ein anderer unglücklicher Vorfall fand statt, der, wie ich fürchte, die Gefangennahme einer Ab- teilung Infanterie, bestehend aus drei Kom«. pagnien kgl. irischer Schützen und zwei Kom- pagnien des neunten Regiments berittener In» santerie, bei RedderSburg, etwas östlich von der Sühnstation Bethany, zur Folge hatte. Wenige Meilen von diesem Orte entfernt wurden sie von einer stärkeren
Heiken
ro bi» Mk. 28.
Der Nachricht von dem Scharmützel bei Bushmanskop I geht folgende Meldung vor:
London, 6. April. Die „Times" meldet aus Bloem- I fontein vom 4. ds. Mts.: Gestern zeigte sich der Feind in I einer Stärke mit drei Geschützen in der Richtung auf den I Bushmanskop, der noch von einer Kompagnie berittener I Infanterie aus Queensland als Beobachtungsposten besetzt ist. Vereinzelte Gruppen Buren ließen sich mit unseren Vorposten in ein Geplänkel ein, doch stellte sich heute früh heraus, daß die Buren einen weiten Bogen rechts um Bloemfontein zu machen vorhaben. Heute früh wurde am Bushmanskop ein aus Süden kommendes
I Geschützfeuer vernommen.
Der „Vofs. Ztg." wird aus London telegraphiert: Die Buren haben Thabantschu wieder besetzt, sind biS zu den Vorposten des Generals Brabant vorge- drungeu und haben selbst eine drohende Bewegung I gegen die Eisenbahn bei Springfontein entwickelt.
Man darf jetzt mit Spannung den Nachrichten darüber entgegensetzen, ob es den Buren gelingt, die Eisenbahn im Rücken der britischen Hauptmacht auf die Dauer so zu zerstören, daß Marschall Roberts die Verbindung mit Bethalie und Norwalspont über Springfontein nicht aufrechterhalten kann. Tritt dieser Fall ein, so wird Roberts Bloemfontein ohne einen Schwertstreich räumen und sich nach dem Norden I der Kapkolonie zurückziehen müssen. Die Thatsache, daß die Division Colville und die Reiterei des Generals French I außer Stande waren, die erste Scharte von Bushmanskop I auszuwetzen und die Buren aus ihrer Stellung bei den I Bloemfonteiner Wasserwerken zu vertreiben, deutet an, daß I diese Truppen in keiner günstigen Verfassung, speziell wohl I die Pferde nicht mehr leistungsfähig waren; und doch muß I man annehmen, daß Roberts zu einer so wichtigen Aktion I nur sein bestes Material ausgesendet hatte. Man müßte I darnach fast zur Annahme gelangen, daß die britische Haupt- I macht nicht mehr recht operationsfähig ist. Es kommt also I für die Buren unter diesen Umständen alles darauf an, dem I Marschall Roberts die Zufuhr abzuschneiden. Um dies zu I verhindern, sind, wie es scheint, die Truppen der Generale I Clements, Gatacre und Brabant an der Eisenbahnlinie
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(<)icßcncr Anzeiger
Heneral-Anzeiger
Deutsches Keich.
Berlin, 6. April. Der Kaiser machte heute vormittag mit dem P r i n z e n H e i n r i ch eine Sp^ierfakfi:t.
— An den Vorstand des Karlsvererns zü Aachen hat der Kaiser nachstehendes Telegramm ged schickt: „Professor Schaper hat Mir heute sein Modell und die Kartons gezeigt, welche für die Ausschmuckun,z der alten Krönungskirche Karls besttmmt smd. Selbst ein unermüdlicher Forscher aus dem Gebiete der romanischen und byzantinischen Mosaikkunst, bin ^zch aus! das Freudigste überrascht gewesen von der großartigem und stilgerechten Auffassung, sowie von der Korrektheit der Linienführung und harmonischen Gesamtwirkung, welche das Modell so vortrefflich veranschaulicht. Die Wiederherstellung nach dem vorgelegten Entwürfe ist wahrlich im Geiste Karls des Großen aufgefaßt und seiner würdig. Jc^ beglückwünsche den Karlsverein dazu. Wi lch e beabsichtigt die Königin Vik
toria von England, unserem Kronprinzen zu seinem. 18. Geburtstage am 18. Mai den Hosenbandorden zu verleihen. Die Insignien des Ordens sollen vom Herzog von Connaught oder vom Herzog von York nach Berlin $ — Der württembergische Militärbevollmächtigte,
General-Leutnant Freiherr v. Matter, giebt semeStellung und den aktiven Dienst auf.
— In der heute hier eröffneten Plenarversammlung, des deutschen Handelstages hielt der Staats- sekretär Graf Pofadowsky eine Anjprache in der er ausführte: Bei der öffentlichen Erörterung wirtschaft icher Fragen begegne die Regierung häufig der 2kf>auptung, daß dem Handel in unserem Wirtschajts eben Bedeutung zukomme, als denjenigen Ey"bskrns-n. di- auf die unmittelbare Herstellung der
vder Ganz-Fabrikate gerichtet finb. ^wieweit der
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Erscheint täglich Bnt Ausnahme des
Montags.
Die Gießener rsmiltenvlätler r-iöcn dem Anzeiger h Wechsel mit „Hess, laibroirt" u. „Blätter pr Hess. Volkskunde- t.chtl. 4 mal beigelegt.
itltgramm meldet:
2oOon, 6. April. Aus dem Burenlager in
Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für bm senden Tag erscheinenden Nummer M wnn. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.
Der Krieg in Südafrika.
Die Engländer erleiden eine schwere Schlappe nach fa anderen. Der von den Buren bei den Wasserwerken Don Bloemfontein errungene Erfolg gewinnt jetzt eine ungeahnte Bedeutung durch die Nachricht, daß ihnen hierbei «eben anderen wichtigen Papieren auch der größte Teil der britischen KriegSpläne in die Hände gefallen ist. Ein
verteilt. ., ..
Leicht ist die Aufgabe der Buren nicht. Aber die Wächter können nicht überall sein, und die Buren sind ihnen an Schnelligkeit und Kenntnis des Geländes weit überlegen. Dazu kommt, daß die Buren den östlichen und besonders den südöstlichen Teil des Freistaats, der am fruchtbarsten ist, im Besitz haben. Hier werden sie auch für ihre Pferde im nun beginnenden südafrikanischen Winter stets genügend Futter haben, während die Beschaffung der Tiernahrung in den nächsten Monaten den Engländern die größten Schwierigkeiten bereiten dürfte. Haben doch die Engländer in Ungarn auch Heu in großen Mengen auf« qekanft und nach Südafrika verschifft.
Die Buren haben bei der Belagerung von Kimberley den folgenden schweren Fehler begangen, daß sie nichts alsbald nach der vernichtenden Niederlage Lord Me- thuens bei Magersfontein die Eisenbahn zwischen Kimberley und de Aar so zerstört haben, daß die Truppen Methuens von der Verbindung mit Kapstadt abgeschnitten waren. Sie würden dadurch einmal Methuen zu einem Rückzüge gezwungen haben, der leicht zu einer Katastrophe hätte werden können. Sodann würde Roberts nicht im I stände gewesen sein, seinen erfolgreichen Zug zum Entsatz Kimberleys mit der Schnelligkeit, die allein diesen Erfolg verbürgte, auszuführen.
Methuen aber hat sich inzwischen selbst aufaerappelt und, wie es scheint, den Buren arg mitaespielt. Vorläufig liegt hierüber nur folgende lakonische Meldung vor:
London, 6. April. Lord Roberts telegraphiert unterm 5. April: Lord Methuen meldet aus Boshof von heute, daß er den General Villebois-Mareuil mit einer Abteilung Buren ein aeschlossen habe. Keiner sei entkommen. Generäl Villebois-Mareuil und 7 Buren seien getötet, 8 verwundet und 54 gefangen I genommen worden.
Dem schönen Erfolge der Buren bei Reddersburg steht I also ein erneuter Mißerfolg gegenüber. Der Tod Ville- I bois-Mareuils ist ein Schlag, der freilich nicht so
schwer ist, wie die Gefangennahme Cronjes und der Heimgang Jouberts, der sie aber zweifellos wieder eines ihrer bewährtesten Führer beraubt. Was die Buren an ihm verlieren, geht aus einer Charakteristik hervor, die vor einiger Zeit die „Neue Freie Presse" über ihn veröffent-
^an nennt ihn, hieß es da, in Transvaal den Moltke der Buren", in Frankreich den „südafrikanischen Lafayette". General Villebois-Mareuil ist em starker Fünfziger, ist keine „minderwertige Kraft". Semem strategischen Talente ist die Taktik der Buren zuzuschreiben, welche bisher siegreich gewesen. Sem Einfluß ist in allen Waffenthaten der Bilren zil erkemien, die moderne Strategie zeigen und auf wissenschaftlichen Grundlagen aufgebaut sind. Denn Villebois-Mareuil ist nicht allein ein Praktiker, kein bloßer Haudegen, sondern and) hervorragender militärischer Schriftsteller. Er hat mehrere strategisch-wissenschaftliche Werke geschrieben, in denen er seine Erfahrungen, sowie seine theoretischen Studien in anschaulicher und interessanter Weise verwertet. Sein Thatendrang hat ibn aus der französischen Armee getrieben. Als die Expedition von Madagaskar i vorbereitet wurde, bewarb er sich um ein Kommando.
Es wurde ihm verweigert, da alle Obersten-Stellen bereits besetzt waren. Nun ging er nach Afrika und nahm das Kommando der Fremdenlegion an, weil er: I^ffte, die Legion werde zu der Kampagne in Madagaskar her an- gezogen werden. Als diese Hoffnung sich nicht Erfüllte nahm Villebois-Mareuil feinen
Jahren. Er konnte sich gut auf seine physische.Schwache berufen, denn er ist ein kleiner, schmächtiger unansehn- sicher Mann, früh ergraut und seder Elastizität entbehren d. Nun hat er gezeigt, welche Kraft in diesem schwachen Körper wohnt. Die Aufgabe, welche er uber- I nommen, scheint ihn zu starken. Er ist tegeifterte Soldatennatur und hat aus militärischer Thatenlust das I Kommando übernommen."
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London,^ April. Der ,*Times" wird aus W ebener I telegraphiert: Eine mit verbundenen Augen herbeigefuhite I Buren - Patrouille brachte folgende Botschaft von dem I Buren-General Banks: „Ich bin hier nut mehreren I tausend Burghern und fordere im Namen der Mensch- I ljchkeit und um größere Opfer an Menschenleben zu ver- I meiden wie bei der letzten Schlacht, fofortige I uebergab e". Die Patrouille wurde nut dem Bescheide I zurückgeschickt, es gebe teine Antwort.
Telegramme des Gießener Auzeigers.
London, 7. April. Gerüchtweise verlautet, der Premierminister der Kapkolonie, Schreiner, habe in olge Differenzen mit der Afrikander-Partei seine Demission I eingereicht. ------
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Mk. bis 8.50 $
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