Ausgabe 
8.4.1900 Drittes Blatt
 
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beteiligt.

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Gleichzeitig empfehle ich mich zur Mitwirkung bei Konzerten, Kirchenkonzerten u. s. w. als Violin-Solist. J2473

Hochachtungsvoll Ohr. Hüttcnberger.

NB. Der Unterricht beginnt nach Ostern. D. O.

* Eine grauenhafte Liebestragödie hat sich in Budapest abgespielt. Der Eisenbahubedienstete Bela Faludr führte mit der unverehelichten Janka Krainzinger einen gemeinsamen Haushalt. Diesem Verhältnis waren zwei Kinder, Luise und Pepita, entsprungen. In letzter Zeit ging es dem Paare schlecht; es mußten Schulden ge­macht werden, um nur das nötigste zu beschaffen. Die von Anverwandten erwartete Hilfe blieb aus; es gab Tage, wo die Kinder nur in Wasser aufgeweichte Brotkrumen zu essen hatten. Faludi sah sich bereits mit den Kindern und deren Mutter auf das Straßenpflaster gesetzt. Der Verzweiflung nahe, beschloffen die Eltern im gemeinsamen Einverständnisse freiwillig in den Tod zu gehen und die Klemen mitzunehmen. Bevor das Paar den verhängnis­vollen Schritt that, legte es die besten Kleider au; des­gleichen wurde Luise nett angezogeu und auch der Säug­ling in neue Windeln gewickelt. Als man die Wohnung betrat, fand man auf dem ganz frisch überzogenen Bette Faludi, daneben seine Geliebte. Diese hatte ein ver­schlissene« Seidenkleid an. Seine Rechte hing schlaff herab der Hand war die Todeswaffe, ein sechsläufiger Revolver!

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aufgefundene Leichenteile des Winter eingrnäht waren, zur Ermittelung seines Ursprungs an die Berliner Kri­minalpolizei gesand worden. Es ist festgestellt worden, daß dieser Sack von einem gelernten Packer genäht worden ist. Nach Gutachten von Sachverständigen werden solche Säcke nur auf Bestellung gefertigt, und in der Regel zum Versand von Blauholz benutzt. Es geht daraus hervor, daß an dem Morde Leute beteiligt gewesen sein müssen, die mit Drogen und Farbwaren zu thun haben.

* Zu der Blutthat in Warmbrunn wird be­richtet, daß auch Frau Hirsch nicht Hirt, wie es von einer Seite hieß ihren furchtbaren Verletzungen im Kranken-

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* Die Bilder - Galerie des Herzogs von Sagan. Die sensationelle Verhaftung, die in der An- tzelegenheit des Herzogs von Sagau erfolgte, versetzte die Kriminalbehörden in mehreren Städten in rege Thätigkeit, und die Recherchen fördern immer interessantere Details zu Tage. Außer dem in München verhafteten Geldmakler Baumann hielten sich dort noch drei weitere Herren auf, von denen der eine sichFreiherr" titulieren ließ. Er soll in der That ein preußischer Freiherr sein. Drei dieser Herren fuhren eines Tages in einem Hotel am Maximiliansplatz vor und nahmen Quartier; am darauf- I haus erleaen ist Der iimendlickie WHrhpr orffrph cäivfa re &

BsseBhs issss erschien stets geschniegelt und gebügelt, mit Zylinder und Monocle; er machte durchaus den Eindruck eines Aristo­kraten, und niemand hätte in dem etwa 50 Jahre alten Mann einen Schwindler gesucht. Baumann dagegen, ein großer starker Mann von etwa 40 Jahren, macht mehr den Eindruck eines Kommissionärs. Das erste Geschäft, das die vier Lebemänner in Fluß bringen wollten, war eine angebliche Erbschaft in Böhmen. Sie suchten daher Der- Irdene Geldmänner auf, denen sie erzählten, daß ein bohmycher Graf eine große Erbschaft zu erwarten hätte. Das Bargeld sei bei einem Notar in Prag hinterlegt. Auf diefe Erbschaft wollten sie ein Darlehen von 20 000 Mark aufnehmen. Tas Geschäft kam aber nicht zustande, weil die vorgelegten Papiere nicht authentisch genug schienen, größer angelegte Geschäft, womit die Herren ihr Gluck versuchen wollten, war folgendes: Sie boten einer Anzahl von Finanzleuten eine hervorragende Bilder­galerie zum Kaufe an, die zum Besitze des Herzogs von Sagan gehören und sich in Antwerpen befinden sollte In dieser Bildergalerie sollten sich Werke weltberühmter alter und neuer Meister befinden. Die Leute wollten auf Galerie ein Darlehen von 200 000 Mark aufnehmen natürlich mutier im Auftrage des Herzogs von Sagan. Auch diesmal wurde aus dem Geschäfte nichts, und zwari wurde es dadurch vereitelt, daß die hiesigen Geldmänner dav Verlangen stellten, man möge die Bilder nach München schassen, andernfalls aber möge man ihnen die Reise nach Antwerpen, sowie die Schätzungsspesen für die Bilder am dortigen Platze vorstrecken. Nachdem alle diese groß an­gelegten Geschäfte nicht von Erfolg gekrönt waren, suchte man den Schaden durch viele kleinere Machinationen wieder I gu ersetzen. Diese Geschäfte wurden dem Baumann über- I tragen, da er, als mit den örtlichen Verhältnissen betraut, I hiezu am geeignetsten befunden wurde. Dieser in Börsen- I 'reffen noch gut bekannte Mann hat an der Börse sein I ßroßes Vermögen verloren; er bekam von seiner Mutter I E s ehr vermöglich ist, einen bestimmten jährlichen Zuschuß I von erheblichem Betrage, der jedoch auch mit Beschlag be- I legt war. Die Untersuchung der Angelegenheit wird I dadurch erschwert, weil die beteiligten anderen drei Herren I nach der Verhaftung ihres Genossen das Weite suchten: I sie werden steckbrieflich verfolgt.

*ZumMordein Könitz schreibt dasKl. Jonrn." I Seitens des Kommissars Wehn ist der Sack, in dem einzeln

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* Ueber einen entsetzlichen Doppelmord berichtet em Telegramm desB. T." aus Roveredo, Südtirol: Am Dienstag sind der Direktor des hiesigen Gymnasiums, Dr. Johann Alton, und seine Nichte von emem unbekannten Manne ermordet. Der Mörder entfloh, ohne etwas geraubt zu haben, weshalb man den Doppelmord für einen Racheakt hält. Dr. Alton war bis zum Beginn dieses Jahres Gymnasialprofessor der klassi- fchen Sprachen in Wien und Privatdozent der romanischen Philologie an der Wiener Universität; er wurde erst im Januar zum Direktor des Gymnasiums in Roveredo er- 55 Jahre alt und unverheiratet, seine 24chhrige Nichte führte ihm den Haushalt. Der Mann, der den Doppelmord verübte, erschien zuerst im Gymnasium, fragte nach des Direktors Wohnung, erwürgte dort zuerst m der Küche die Nichte mit einer Schnur, tötete dann den Direktor Alton durch einen Messerstich in den Hals und entfernte sich dann unbehelligt ohne Raub. Er ist ein Deutscher, der gebrochen italienisch spricht. Der Mord, wurde erst am Mittwoch entdeckt.

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, L Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß wir den Herrn Jakob Hahn IV. auf feinen Antrag von der Agenturführung enthoben und nunmehr dem Hrn« I. Schleenbecker II., Sptnglttmtifltr in Heichelheim, unsere Agentur für Heuchelheim und Umgegend übertragen haben. Der ®e-- nannte ist zur Vermittelung von Versicherungsanträgen und zur Empfangnahme von Prami.ngeldern berechtigt. v

Offenbach a. M., im März 1900.

Die General-Agentur: Storck & Hahn.

Bezugnehmend auf vorstehende Bekanntmachung empfehle ich mich zur An­nahme von Verficherungsanträgen für genannte Gesellschaft und bin zu jeder über dieselbe gewünscht werdende Auskunft gerne bereit.

Heuchelheim, im März 1900. 2085

J- Schleenbecker II., Spteglttmtifter.

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Mundhöhle ihr Lebe» verloren hatten.^ D^n Säualin. war die Kugel unterhalb des rechten Ohres e?naedrunn?» In der Wohnung wurden mehrere Abschiedsschrttben Zo^ gefunden. Ein an die Polizeibehörde gerichtetes Schreibe» lautet:Wir beschloffen im gemeinsamen Einverständnisse uns und die Kinder umzubringen, weil wir den rückständig^ Zins nicht zahlen können. Gott sei unseren armen Seelef gnädig. Wir bitten, uns vier in ein gemeinschaftliches Grab zu betten, denn wir hatten uus ja im Leben st oern Mögen wir denn auch nach dem Tode vereint bleib/n i Bela und Janka."

* Was einem Rechts-Anwalt passieren kann. Ern junger Rechtsanwalt in Charkow hat vor kurzem in feiner Praxis einen Fall erlebt, der einzig j« serner Art sein durfte. Der Anwalt hatte ein des Dieb! stahls beschuldigtes Individuum zu verteidigen. Seine Rede wirkte so überzeugend auf die Geschworenen, daß ihr Verdikt aufnicht schuldig" lautete, und der Angeklaa e

Gericht fteigesprochen wurde. Ter erkenntliche Went raan-^=Jet?enl Verteidiaer unter Thränen zuerst im Gerichtssaale, darauf in dessen Wohnung. Bald nach dem Fortgänge seinesKlienten" vermißte der Advokat eine große Anzahl Kleidungsstücke und verschiedene andere Ge­genstände. Der dankbare Klient hatte sich nicht qetoeut Jetnen Verteidiger, dem er die Freisprechung verdankte, in frechster Weise zu bestehlen. Der Dieb wurde zwar bald darauf ergriffen, doch hatte er schon Zeit gehabt, die meisten Sachen loszuschlagen. Die Unverschämtheit des Menschen gmg aber noch weiter. Während der Untersuchungshaft schrieb er dem Advokaten und bat ihn auch dieses Mal

Verteidigung zu übernehmen! Die Geschichte ist that- sachlich passiert und nicht etwa einem Witzblatte ent­nommen!

m * daris, 5. April. Das erste Duell in Sachen Rothschild - Lubersac hat gestern stattgefunden. - Ephrussr und Lubersac ritzten sich gegenseitig die Haut nach den alten Regeln des Ehrenkodex.

. * Als Aufseher für die deutsche Abteilung

der Pariser Weltausstellung haben sich jetzt von verschie- denen Regimentern zwölf dazu beurlaubte Sergeanten und Vicefeldwebel vder Vicewachtmeister nach Paris begeben

foej-5en dort abwechselnd den Dienst in den deutschen Ausstellungsräumen versehen und erhalten dafür von der Regierung je 10 Mark Tagegelder, aufjerbem freie Woh- nung und Erstattung der Reisekosten. Eine Uniform, ähn nch wie sie die Hofbediensteten des Kaisers tragen, wurde ihnen gleichfalls geliefert. An der Mütze befindet sich der Reichsadler und die Inschrift:Sektion d'Allemagne". Nur Militärpersonen, die fertig französisch sprachen, wurden für diese Aufseherposten ausgewählt und mußten zuvor eine Prüfung ablegen. Als erster Aufseher wird der Vice­wachtmeister Rudolph von der Leib-Gendarmerie be* Kaisers thätig sein.

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