gebiete, besonders zu verhüten, daß in den Verhandlungen der Stadtverordneten irgend jemand seine Privat-An- gelegenheiten verfolge. Nun sage zwar die Städteordnung, daß die Stadtverordneten in Zweifelsfällen entscheiden sollen, ob ein Privatinteresse als vorliegend anzusehen sei oder nicht. Aber wenn diese Entscheidung sich dann im Widerspruch mit dem Gesetz befinde, dann müsse auch sie angefochten und pflichtgemäß beanstandet werden. Er halte im übrigen thatsächlich dafür, daß bei Herrn Ulrich als dem Drucker und Verleger des „Abendblatt" ein Privatinteresse als vorliegend anzusehen sei. Er beantragt, den Teil seines der Beanstandung beigegebenen Berichts, der nuf den heute zur Verhandlung stehenden Gegenstand Bezug hat, zu verlesen. In diesem Bericht wird inhaltlich dargelegt, daß das Abendblatt durch die Ueberlassung der Bekanntmachung an Lesern und, wenn das auch nicht der Fall sein sollte, dock), an Ansehen gewinnen werde. Das „Abendblatt" diene den Interessen der Partei; dem Stadtv. Ulrich sei die Vertretung der Partei Lebensberuf, und es sei darum zweifellos, daß das Ansehen des Blattes, wenn nicht seinen materiellen, so doch seinen sonstigen Interessen diene. — Stadtv. Orb, der in Gemeinschaft mit dem Stadtv. Eißnert die Stadtverordnetenfraktion vertritt, bestreitet, daß der Stadtv. Ulrich ein materielles Interesse an der Abgabe der Bekanntmachungen an das „Abendblatt" habe; eher treffe das Gegenteil zu, weil er dann vielleicht seine Gehilfenschaft werde vergrößern müssen; denn wenn er auch jetzt schon Bekanntmachungen — nur mit einiger Verspätung — bringe, so könne er dabei doch mit Auswahl verfahren, während das später nicht angängig sein würde. Ein Amtsblatt werde das „Abendblatt" nie sein. Da ferner die Stadtverordneten endgiltig zu entscheiden haben, ob ein Parteiinteresse als vorliegend zu erachten sei, so sei auch aus diesem Grunde die Beanstandung zu Unrecht geschehen. Er bittet, dieselbe abzuweisen. — Oberbürgermeister Brink erklärt darauf zunächst, daß alle diese angeführten Entscheidungen sich auf die Zeit vor 1894 beziehen. Damals habe die Städteordnung von „eigenen" Angelegenheiten gesprochen, während sie in der 1894 erfolgten Neufassung bestimme, daß alles einen Stadtverordneten an der Teilnahme an der Beratung ausschließe, was seine „Privatintercssen berühre". Das aber sei hier doch entschieden der Fall. Wenn der gegnerische Vertreter behaupte, daß Ulrich keinen Nutzen haben werde, so müsse betont werden, daß das gleichgiltig sei; nicht das sei ausschlaggebend, ob jemand aus einem wahrgenommenen Partei-Interesse Nutzen oder Schaden habe, sondern daß sein Interesse überhaupt in Frage komme, „berührt" werde, lieber die Frage, ob die Abgabe der Bekanntmachungen an das „Abendblatt" einem allgemeinen Interesse entspreche .oder nicht, wolle er sich nicht weiter verbreiten, zumal er auf dem Standpunkte stehe, daß es der Bürgermeisterei überlassen bleiben müsse, zu ermessen, in welcher Weise die amtlichen Veröffentlichungen notwendig zu erfolgen haben. — Stadtv. Orb meint, wenn die Deutung der Privatinteressen soweit gehe, wie der Oberbürgermeister es behaupte, dann werde alles kommunale Leben lahm- gelegt, zumal doch immer irgend Einer bei der Sache interessiert sein könne, Hundebesitzer bei Beratungen über
die Hundesteuer usw. — Stadtv. Eißnert bestreitet eben falls jedes materielle Interesse imb sucht die Notwendigkeit der weitgehendsten Veröffentlichung u. a. mit dem Hinweis auf den längsten Blatternfall wahrzunehmcn. — Der Kreisausschuß beschloß nach längerer Beratung, seine Entscheidung in einer seiner nächsten öffentlichen Sitzungen zu verkünden.
Vermischter.
* Dresden, 5. September. Am Samstagvormittag wurde in der Nähe des Großen Gartens ein junger Mann tot aufgefunden. Der junge Mann heißt Graeß. Ec stand im 18. Lebensjahr und war hier in Stellung in einem großen Damenkonfektionsgeschäft. Am Abend vorher hatte er einer Theaterprobe beigewohnt und ist dann spät allein fortgegangen. Man fand den Bedauernswerten am andern Morgen mit einer Schußwunde in der Brust, die den Tod herbeigeführt hat, und mit Stichwunden im Gesicht, was auf einen vorhergehenden Kampf mit dem Mörder schließen läßt. Die Thatsache, daß man bei dem Ermordeten nur noch zwei Pfennige in der Tasche vorfand, während er sein Gehalt bei sich getragen hat, sowie der Umstand, daß man keine Schußwaffe auffinden konnte, lassen mit Bestimmtheit auf einen Raubmord schließen. Von dem Thäter hat die Polizei noch keine Spur.
Kunjl uni» Wissenschaft.
Andr«e. Aus Vardoe meibtt ein Privattelcgramm der Zeitung „Verdens Gang": „Flasche von Andräe, Note Nr. 143 enthaltend, eine Seemeile östlich von Vardoe von Fischer Albert Sttnesen gefunden. Durch Glas kann man seinen Wunsch, Note von der Polarexpedition 1898 Goeteborg übersenden, sehen. Flasche noch richt geöffnet;"
est _ . _rt . , iv
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TelephorrischeMeldrmgeudesGLeßenerAnzeigers.
London, 6. September. Aus Lourenyo Marquez wird vom 4. ds gemeldet: 31 Kisten mit Goldbarren, die der T r an s v a a l r e g i e r u n g gehören, find hier eingetroffen.
London, 6. September. Reuters Bureau meldet aus Hongkong: In Kanton wächst die Unruhe. Der deutsche Kreuzer „Schwalbe" ist nach Amoy abgegangeu. — Die Blätter betrachten die Zusammensetzung der asiatischen Friedenskommission als neuen ungeschwächteu Beweis der Arroganz der Kaiserin-Witwe und als eine Beleidigung für die Europäer.
London, 6. September. Die Admiralität veröffentlicht einen BerichtSeymours über die Ereigniffe in Tientsin, in denen ergänz besonders des deutschen Kapitäns v. Usedom Erwähnung thut und sagt, er habe für den Fall, daß er getötet werden sollte, diesen Offizier zum Führer der Expedition bestimmt gehabt und ihn gebeten, nachdem
sein Adjutant verwundet worden wäre, als sein Generalstabschef zu fungieren. In dieser wichtigen Stellung habe ihm v. Usedom sehr schätzenswerte Dienste geleistet.
* • *
Berlin, 6. September. Die Voss. Ztg. nennt als Nachfolger des Generals von Hahnke, dessen Rücktritt von dem Posten als Chef des Militär-Kabinetts als bevorstehend bezeichnet wurde, in erster Reihe den Kommandeur der 1. Garde-Jnfanterie-Brigade und Kommandanten von Potsdam, Generalmajor Graf Moltke, einen Neffen des verstorbenen Feldmarschalls.
Berlin, 6. September. Bei dem an das Paradediner am Samstag sich anschließenden Cercle zeichnete der Kaiser den dazu eingeladenen Reichs-Kommissar Geheimrat Dr. Richter durch eine längere Unterhaltung aus. Der Kaiser gab seiner besonderen Befriedigung über den großen Erfolg der deutschen Ausstellung in Paris in den freudigsten Worten Ausdruck und ließ sich über viele Einzelheiten eingehend berichten. Namentlich erregte es das Interesse des Kaisers, daß sich schon jetzt günstige Erfolge der Ausstellung für die deutsche Industrie durch zahlreiche Bestellungen des Auslandes bemerkbar machten.
Bonn a. Rh., 6. September. In der dritten öffentlichen Generalversammlung gestern abend gelangte ein vom Kardinal Rampolla eingegangenes Telegramm zur Verlesung, in dem der Papst für das ihm gesandte Ergebenheits-Telegramm seinen Dank ausspricht und der Versammlung noch einmal den apostolischen Segen erteilt. Die Versammelten brachten hieraus ein dreichfaches Hoch auf den hl. Vater aus. Hierauf sprach der Abgeordnete Volksschullehrer Sittart aus Aachen über Kirche und Volksschule. Er verlangte, daß die Kirche die Schulaufsicht ausübe und daß der Volksschule ihr konfessioneller Charakter zu« rückgegeben werde. Hierauf sprach Rechtsanwalt Fehren- bach aus Freiburg i. Br. über die Forderung des höheren Studiums unter den Katholiken und forderte auf, sich mehr als bisher dem höheren Studium zu widmen. Arbeiter- Sekretär Giesberls sprach über die Arbeiterverhältnisse insbesondere über die Arbeitergesetzgebung und über Arbeiterorganisation. Zum Schluß hirlt der Pater Bonaventura aus Berlin einen längeren Vortrag über Boni- faziusvereine.
Bukarest, 6. September. In hiesigen Regierungskreisen wird bestätigt, daß die zeitweilig sich recht bedrohlich gestalteten Differenzen mit Bulgarien wesentlich an Härte verloren haben. Bulgarien zeige nunmehr den festen Willen, den berechtigten Forderungen Rumäniens nachzukommen und energisch gegen das macedontsche Komitee einzuschreiten.
Havanna, 6. September. Hier ist eine Epidemie von gelbem Fieber ausgebrochen. Gestern betrug die Zahl der Todesfälle 83.
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betreffend: Oetroi von Obstwein.
Mit Bezug auf § 14, Abschnitt III der Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern vom 4. Juni 1874, abgedruckt in Nr. 35 des Regierungsblattes, bringen wir hierdurch wiederholt zur öffentlichen Kenntnis, daß alle Obstwein-Produzenten vor Beginn der Kelterung von Obst be der unterzeichneten Stelle von ihrem Vorhaben Anzeige zu mach n und einen Erlaubnisschein einzuholen haben, welcher Beginn und Dauer des Kelterns festsetzt.
Nichtbefolgung dieser Vorschrift wird nach § 16 der vorerwähnten Bekanntmachung bestraft.
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Die Verdingungsunterlagen, Zeichnungen und Bedingungen können bei der Unterzeichneten Angesehen werden, auch können Angebots- und ausführliche Preisverzeichnisformulare, auf welchen die einzelnen Arbeiten und Lieferungen näher beschrieben sind, gegen Porto- und bestell« aeldfreie Einsendung von 0,50 Mk. in bar von dort bezogen werden.
Angebote sind bis zum Eröffnungstermin, Mittwoch den 12. September d. I., vormittags 10 Uhr, hier einzureichen.
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Gesammtkaffenumsatz in 1899 162 708
Mitgliederstand Ende 1898
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Mitgliederstand Ende 1899
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Die Arbeiten und Lieferungen für zwei Mietwohnhäuser auf Bahnhof Gießen für je 12 Familien sollen gegebenenfalls getrennt nach den einzelnen Handwerken verdungen werden.
Die einzelnen Arbeiten für ein Wohnhaus haben einen Umfang im ungefähren Werte von:
Summa der Pasfiva 141698. Reingewinn
Westdeutsche Bodeukreditanstalt Köln a. Rh. Die am 1. Oktober er. füllig werdenden ZmSscheine unserer Pfandbriefe werden vom 15. September er. ab an Ä.* undbe, den bekannten Zahlstellen eingelöst.
Köln, im September 1900. 5904
____________ Der Borstand, Samstag den 8. Septvr., nachmittags «'/» Uhr, ollen die der Aktien-Brauerei Gießen gehörenden beiden Liegenschaften
Kaplansgasse 10, Gasthaus zur Traube, und
Kaplanögasse 19, G.isthaus z. Biergrund, leito.Uig öffentlich auf hiesigem Orls- gericht einer einmaligen V rsteigerung unter den alsdann bekannt gemacht werdenden Bedlngnngen auSgefegt werden.
Gießen, den L September 1900. Großh. Ortsgericht Gießen.
gegen Barzahlung versteigert.
5863 I. A.: Schneider.
Ausschreibung
der Lieferung von ca. 900 Bahngeenz« steinen und ca. 900 Weggreuzsteinen für die Neubaustrecke Friedrichsdorf- Friedberg, eingeteilt in 2 Lose und zwar Los 1: ca. 700 Bahn- und Weggrenzsteine für die Gemarkungen Seulberg, Friedrichsdorf, Holzhausen und Nodbeim, und Los 2: ca. 1100 Bahn- und Weg- 9s2nffieine für die Gemarkungen Nosbach, rinedberg und Fauerbach.
iannri?in: .9^ontQ9 den 24. September 1900, vormutags 10 Uhr, im B.rcau der unterzeichneten Bauabteilung-
7
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Donnerstag den 6. und Freitag den 7. September, jedesmal nachmittags 2 Uhr an fangend, wird im Hofe Nord-
6 Schmiede- u Schlofferarbciten 2500 6a. Lieferung der Oefen und
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der Arbeiten und Lieferungen für die völlig bezugsfähige Herstellung von zwei Mietswohnhäusern für je 12 Familien auf Bahnhof Gießen.
Die Verdingungsunterlagen nebst Zeichnungen liegen bei der Unterzeichneten zur Einsicht auf und können gegen porto- und bestellgeldfreie Einsendung von 3 Mk. in bar von dort bezogen werden.
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Gießen, im August 1900. 5755
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