Ausgabe 
7.9.1900 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

gebiete, besonders zu verhüten, daß in den Verhandlungen der Stadtverordneten irgend jemand seine Privat-An- gelegenheiten verfolge. Nun sage zwar die Städteordnung, daß die Stadtverordneten in Zweifelsfällen entscheiden sollen, ob ein Privatinteresse als vorliegend anzusehen sei oder nicht. Aber wenn diese Entscheidung sich dann im Widerspruch mit dem Gesetz befinde, dann müsse auch sie angefochten und pflichtgemäß beanstandet werden. Er halte im übrigen thatsächlich dafür, daß bei Herrn Ulrich als dem Drucker und Verleger desAbendblatt" ein Privatinteresse als vorliegend anzusehen sei. Er beantragt, den Teil seines der Beanstandung beigegebenen Berichts, der nuf den heute zur Verhandlung stehenden Gegenstand Bezug hat, zu verlesen. In diesem Bericht wird inhaltlich dargelegt, daß das Abendblatt durch die Ueberlassung der Bekanntmachung an Lesern und, wenn das auch nicht der Fall sein sollte, dock), an Ansehen gewinnen werde. Das Abendblatt" diene den Interessen der Partei; dem Stadtv. Ulrich sei die Vertretung der Partei Lebensberuf, und es sei darum zweifellos, daß das Ansehen des Blattes, wenn nicht seinen materiellen, so doch seinen sonstigen Inter­essen diene. Stadtv. Orb, der in Gemeinschaft mit dem Stadtv. Eißnert die Stadtverordnetenfraktion vertritt, be­streitet, daß der Stadtv. Ulrich ein materielles Interesse an der Abgabe der Bekanntmachungen an dasAbendblatt" habe; eher treffe das Gegenteil zu, weil er dann vielleicht seine Gehilfenschaft werde vergrößern müssen; denn wenn er auch jetzt schon Bekanntmachungen nur mit einiger Verspätung bringe, so könne er dabei doch mit Auswahl verfahren, während das später nicht angängig sein würde. Ein Amtsblatt werde dasAbendblatt" nie sein. Da ferner die Stadtverordneten endgiltig zu entscheiden haben, ob ein Parteiinteresse als vorliegend zu erachten sei, so sei auch aus diesem Grunde die Beanstandung zu Unrecht geschehen. Er bittet, dieselbe abzuweisen. Oberbürger­meister Brink erklärt darauf zunächst, daß alle diese an­geführten Entscheidungen sich auf die Zeit vor 1894 be­ziehen. Damals habe die Städteordnung voneigenen" Angelegenheiten gesprochen, während sie in der 1894 er­folgten Neufassung bestimme, daß alles einen Stadtverord­neten an der Teilnahme an der Beratung ausschließe, was seinePrivatintercssen berühre". Das aber sei hier doch entschieden der Fall. Wenn der gegnerische Vertreter be­haupte, daß Ulrich keinen Nutzen haben werde, so müsse betont werden, daß das gleichgiltig sei; nicht das sei aus­schlaggebend, ob jemand aus einem wahrgenommenen Par­tei-Interesse Nutzen oder Schaden habe, sondern daß sein Interesse überhaupt in Frage komme,berührt" werde, lieber die Frage, ob die Abgabe der Bekanntmachungen an dasAbendblatt" einem allgemeinen Interesse entspreche .oder nicht, wolle er sich nicht weiter verbreiten, zumal er auf dem Standpunkte stehe, daß es der Bürgermeisterei überlassen bleiben müsse, zu ermessen, in welcher Weise die amtlichen Veröffentlichungen notwendig zu erfolgen haben. Stadtv. Orb meint, wenn die Deutung der Privatinteressen soweit gehe, wie der Oberbürgermeister es behaupte, dann werde alles kommunale Leben lahm- gelegt, zumal doch immer irgend Einer bei der Sache interessiert sein könne, Hundebesitzer bei Beratungen über

die Hundesteuer usw. Stadtv. Eißnert bestreitet eben falls jedes materielle Interesse imb sucht die Notwendig­keit der weitgehendsten Veröffentlichung u. a. mit dem Hinweis auf den längsten Blatternfall wahrzunehmcn. Der Kreisausschuß beschloß nach längerer Beratung, seine Entscheidung in einer seiner nächsten öffentlichen Sitzungen zu verkünden.

Vermischter.

* Dresden, 5. September. Am Samstagvormittag wurde in der Nähe des Großen Gartens ein junger Mann tot aufgefunden. Der junge Mann heißt Graeß. Ec stand im 18. Lebensjahr und war hier in Stellung in einem großen Damenkonfektionsgeschäft. Am Abend vorher hatte er einer Theaterprobe beigewohnt und ist dann spät allein fortgegangen. Man fand den Bedauernswerten am andern Morgen mit einer Schußwunde in der Brust, die den Tod herbeigeführt hat, und mit Stichwunden im Gesicht, was auf einen vorhergehenden Kampf mit dem Mörder schließen läßt. Die Thatsache, daß man bei dem Ermordeten nur noch zwei Pfennige in der Tasche vorfand, während er sein Gehalt bei sich getragen hat, sowie der Umstand, daß man keine Schußwaffe auffinden konnte, lassen mit Bestimmt­heit auf einen Raubmord schließen. Von dem Thäter hat die Polizei noch keine Spur.

Kunjl uni» Wissenschaft.

Andr«e. Aus Vardoe meibtt ein Privattelcgramm der Zeitung Verdens Gang":Flasche von Andräe, Note Nr. 143 enthal­tend, eine Seemeile östlich von Vardoe von Fischer Albert Sttnesen gefunden. Durch Glas kann man seinen Wunsch, Note von der Polarexpedition 1898 Goeteborg übersenden, sehen. Flasche noch richt geöffnet;"

est _ . _rt . , iv

45 »l

TelephorrischeMeldrmgeudesGLeßenerAnzeigers.

London, 6. September. Aus Lourenyo Marquez wird vom 4. ds gemeldet: 31 Kisten mit Goldbarren, die der T r an s v a a l r e g i e r u n g gehören, find hier eingetroffen.

London, 6. September. Reuters Bureau meldet aus Hongkong: In Kanton wächst die Unruhe. Der deutsche KreuzerSchwalbe" ist nach Amoy abgegangeu. Die Blätter betrachten die Zusammensetzung der asiatischen Friedenskommission als neuen ungeschwächteu Beweis der Arroganz der Kaiserin-Witwe und als eine Beleidigung für die Europäer.

London, 6. September. Die Admiralität veröffentlicht einen BerichtSeymours über die Ereigniffe in Tientsin, in denen ergänz besonders des deutschen Kapitäns v. Usedom Erwähnung thut und sagt, er habe für den Fall, daß er ge­tötet werden sollte, diesen Offizier zum Führer der Expedition bestimmt gehabt und ihn gebeten, nachdem

sein Adjutant verwundet worden wäre, als sein Generalstabschef zu fungieren. In dieser wichtigen Stellung habe ihm v. Usedom sehr schätzenswerte Dienste geleistet.

* *

Berlin, 6. September. Die Voss. Ztg. nennt als Nachfolger des Generals von Hahnke, dessen Rücktritt von dem Posten als Chef des Militär-Kabinetts als bevor­stehend bezeichnet wurde, in erster Reihe den Kommandeur der 1. Garde-Jnfanterie-Brigade und Kommandanten von Potsdam, Generalmajor Graf Moltke, einen Neffen des verstorbenen Feldmarschalls.

Berlin, 6. September. Bei dem an das Paradediner am Samstag sich anschließenden Cercle zeichnete der Kaiser den dazu eingeladenen Reichs-Kommissar Geheimrat Dr. Richter durch eine längere Unterhaltung aus. Der Kaiser gab seiner besonderen Befriedigung über den großen Erfolg der deutschen Ausstellung in Paris in den freudigsten Worten Ausdruck und ließ sich über viele Einzelheiten eingehend berichten. Namentlich erregte es das Interesse des Kaisers, daß sich schon jetzt günstige Er­folge der Ausstellung für die deutsche Industrie durch zahlreiche Bestellungen des Auslandes bemerkbar machten.

Bonn a. Rh., 6. September. In der dritten öffent­lichen Generalversammlung gestern abend gelangte ein vom Kardinal Rampolla eingegangenes Telegramm zur Verlesung, in dem der Papst für das ihm gesandte Er­gebenheits-Telegramm seinen Dank ausspricht und der Ver­sammlung noch einmal den apostolischen Segen erteilt. Die Versammelten brachten hieraus ein dreichfaches Hoch auf den hl. Vater aus. Hierauf sprach der Abgeordnete Volks­schullehrer Sittart aus Aachen über Kirche und Volks­schule. Er verlangte, daß die Kirche die Schulaufsicht ausübe und daß der Volksschule ihr konfessioneller Charakter zu« rückgegeben werde. Hierauf sprach Rechtsanwalt Fehren- bach aus Freiburg i. Br. über die Forderung des höheren Studiums unter den Katholiken und forderte auf, sich mehr als bisher dem höheren Studium zu widmen. Arbeiter- Sekretär Giesberls sprach über die Arbeiterverhältnisse insbesondere über die Arbeitergesetzgebung und über Arbeiter­organisation. Zum Schluß hirlt der Pater Bonaven­tura aus Berlin einen längeren Vortrag über Boni- faziusvereine.

Bukarest, 6. September. In hiesigen Regierungskreisen wird bestätigt, daß die zeitweilig sich recht bedrohlich ge­stalteten Differenzen mit Bulgarien wesentlich an Härte verloren haben. Bulgarien zeige nunmehr den festen Willen, den berechtigten Forderungen Rumäniens nachzukommen und energisch gegen das macedontsche Komitee einzuschreiten.

Havanna, 6. September. Hier ist eine Epidemie von gelbem Fieber ausgebrochen. Gestern betrug die Zahl der Todesfälle 83.

Dr. Oetkers

ä 15, 80 «ud 60 Pfg.

macht feinste Puddings, Saucen und Suppen. Mit Milch gekocht bestes

knochenblloendes Nahrungsmittel für Kinder. Millionenfach bewährte Re­zepte gratis. 6898

Gebr. Adami.

A N G. Wallenfels.

Reconvalescenten

NttmöWs-Kilau; pro 31. AkMber 1899

v4L

4814.1

5623

Summa der Aktiva 141703.07

4.

Jochem.

Larigwaffer.

H. Diehl.

3300

5911

verkaufen.

5899

Gros.

5816

Carl Retter, Gießen, Lindenplatz.

Au ucvliiiitfeit

304.89 13202.30 55773.52 26378.10 40187.-

136946.

936.

Mk. 61 Pfg.

177

Knige Kundert

leere Cigarrenkifteu billig zu

200.-

6643.96

13.30

aulage 7 (früherer Lahnstein) ^ne große Partie sehr guter Weiß- und Rotweine in Flaschen

7000 x

5000

900

600

Passiva.

Geschäfts-Guthaben der Genoffen

Anlehen einschließlich Spareinlagen

Vorausbezahlte Zinsen

Zu viel bezahlte Ge­richtskosten

Bekanntmachung,

betreffend: Oetroi von Obstwein.

Mit Bezug auf § 14, Abschnitt III der Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern vom 4. Juni 1874, abgedruckt in Nr. 35 des Regierungsblattes, bringen wir hierdurch wiederholt zur öffentlichen Kenntnis, daß alle Obstwein-Produzenten vor Beginn der Kelterung von Obst be der unterzeichneten Stelle von ihrem Vorhaben Anzeige zu mach n und einen Erlaubnisschein einzuholen haben, welcher Beginn und Dauer des Kelterns festsetzt.

Nichtbefolgung dieser Vorschrift wird nach § 16 der vorerwähnten Bekanntmachung bestraft.

r. Erd- und Maurerarbeiten

2. Himmeratbeiten

3. Dachdeckerarbeiten

4. Klempnerarbeiten

5. Tischlerarbeiten

Die Verdingungsunterlagen, Zeichnun­gen und Bedingungen können bei der Unterzeichneten Angesehen werden, auch können Angebots- und ausführliche Preis­verzeichnisformulare, auf welchen die einzelnen Arbeiten und Lieferungen näher beschrieben sind, gegen Porto- und bestell« aeldfreie Einsendung von 0,50 Mk. in bar von dort bezogen werden.

Angebote sind bis zum Eröffnungs­termin, Mittwoch den 12. September d. I., vormittags 10 Uhr, hier einzureichen.

Gießen, im September 1900. 5905

Großh. lÄsenbahn-Betriebs-Jnspektion 1.

Gesammtkaffenumsatz in 1899 162 708

Mitgliederstand Ende 1898

Zugang in 1899

Abgang in 1899

Mitgliederstand Ende 1899

Laubach, am 1. Juli 1900.

Aktiva.

Kaffenbestand Wertpapierebestand Darlehen auf Schuldscheine Hypotheken Kaufschillinge Geschäftsmobiliar und

Utensilien

Stückzinsen und Zlnsenreste Ausstehende Gertchtskostcn

Schellfische Kabeljau

in la. feinster, blutfrischer Ware so- eben eingetroffen bei 528

A. & G. Wallenfels.

Markt 21. Fernsprech-Nr. 46.

Von heute ab befindet sich mein Büreau

31 Schiü'erstraße 31

im Hause des Herrn Maurermeisters Drott.

Nidda, den 80. August 1900.

Rudolph Link,

Wechtsanwatt.

Fruchtsäcke Kartoffeljäcke neue uud gebrauchte, Strohsäcke

Putztücher

empfiehlt billigst 5909

Robert Stuhl, Neustadt 23.

4285

die rasch gekräftigt werden sollen, gebe man als Zusatz zu Suppen, Kakao, Gemüse ic.Sobou, das beste aller Nähr- und Kräftigungsmittel.

Dreis- 50 & 100 Sr 250 590 gr

* . ' 40^ ^1.60^3.-

AlleinigeFabrikanten: T orll Cie., Altona. Zu hab. i. Apotheken u.Drogengeschüften.

Spar- uud Kredit-Verein für Stadt uud Faud in Mach

ginget!1. Genossenschaft mit unbeschr. Haftpflicht.

Gießen, den 21. August 1900.

Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

I. V.: Wolff.

Verdingung.

Die Arbeiten und Lieferungen für zwei Mietwohnhäuser auf Bahnhof Gießen für je 12 Familien sollen gegebenenfalls ge­trennt nach den einzelnen Handwerken verdungen werden.

Die einzelnen Arbeiten für ein Wohn­haus haben einen Umfang im ungefähren Werte von:

Summa der Pasfiva 141698. Reingewinn

Westdeutsche Bodeukreditanstalt Köln a. Rh. Die am 1. Oktober er. füllig wer­denden ZmSscheine unserer Pfandbriefe werden vom 15. September er. ab an Ä.* undbe, den bekannten Zahlstellen eingelöst.

Köln, im September 1900. 5904

____________ Der Borstand, Samstag den 8. Septvr., nachmittags «'/» Uhr, ollen die der Aktien-Brauerei Gießen gehörenden beiden Liegenschaften

Kaplansgasse 10, Gasthaus zur Traube, und

Kaplanögasse 19, G.isthaus z. Biergrund, leito.Uig öffentlich auf hiesigem Orls- gericht einer einmaligen V rsteigerung unter den alsdann bekannt gemacht wer­denden Bedlngnngen auSgefegt werden.

Gießen, den L September 1900. Großh. Ortsgericht Gießen.

gegen Barzahlung versteigert.

5863 I. A.: Schneider.

Ausschreibung

der Lieferung von ca. 900 Bahngeenz« steinen und ca. 900 Weggreuzsteinen für die Neubaustrecke Friedrichsdorf- Friedberg, eingeteilt in 2 Lose und zwar Los 1: ca. 700 Bahn- und Weggrenz­steine für die Gemarkungen Seulberg, Friedrichsdorf, Holzhausen und Nodbeim, und Los 2: ca. 1100 Bahn- und Weg- 9s2nffieine für die Gemarkungen Nosbach, rinedberg und Fauerbach.

iannri?in: .9^ontQ9 den 24. September 1900, vormutags 10 Uhr, im B.rcau der unterzeichneten Bauabteilung-

7

170

WeinmßeiMW.

Donnerstag den 6. und Freitag den 7. September, jedesmal nachmittags 2 Uhr an fangend, wird im Hofe Nord-

6 Schmiede- u Schlofferarbciten 2500 6a. Lieferung der Oefen und

Kochherde 2000

7. Glaserarbeiten eoo

8 Anstreicherarbeiten 500

Bedingungen können ebendaselbst ein­gesehen und die Verdingungsunterlagen gegen kostenfreie Einsendung von 30 Pfg. von daher bezogen werden. 5918

Kuschlagsfrist 3 Wochen.

Friedberg, im September 1900.

Großh. Eisenbahn-Bauabteilung.

Verdingung

der Arbeiten und Lieferungen für die völlig bezugsfähige Herstellung von zwei Mietswohnhäusern für je 12 Familien auf Bahnhof Gießen.

Die Verdingungsunterlagen nebst Zeich­nungen liegen bei der Unterzeichneten zur Einsicht auf und können gegen porto- und bestellgeldfreie Einsendung von 3 Mk. in bar von dort bezogen werden.

Die Eröffnung der Angebote findet am 12. September d. I, vorm. 11 Uhr, statt. Zuschlagsfrist 8 Tage.

Gießen, im August 1900. 5755

Gcoßh^Heff.Eisenbahn-Betriebsinspektionl